
{"id":10025,"date":"2023-11-18T12:35:56","date_gmt":"2023-11-18T10:35:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/?p=10025"},"modified":"2023-11-18T12:35:56","modified_gmt":"2023-11-18T10:35:56","slug":"aspartam-die-gefaehrliche-suesse","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/index.php\/2023\/11\/18\/aspartam-die-gefaehrliche-suesse\/","title":{"rendered":"Aspartam \u2013 die gef\u00e4hrliche S\u00fcsse?"},"content":{"rendered":"\n<p>An dieser Stelle wurde bereits das Risiko von zu viel weissem Zucker (Haushaltszucker) f\u00fcr die menschliche Gesundheit er\u00f6rtert (\u00dcbergewicht, Diabetes, &#8230;). Doch \u2013 was w\u00e4re so manches Produkt ohne S\u00fcssmacher? Also begaben sich so manche Lebensmittel-Chemiker auf die Suche nach einem Ersatz-S\u00fcssstoff. Mit Erfolg! Neben vielen anderen L\u00f6sungen entstand u.a. C14H18N2O5 \u2013 Aspartam! Allerdings eher unbeabsichtigt. Gefeiert wie eine Revolution, birgt dieser S\u00fcssmacher allerdings einige m\u00f6gliche Risiken in sich! Ob auf ihn oder auf Produkte mit ihm zuge-griffen wird, bleibt nat\u00fcrlich jedem selbst \u00fcberlassen. Allerdings sollte jeder Konsument informiert sein, welche m\u00f6glichen Folgewirkungen von ihm ausgehen k\u00f6nnen \u2013 auch wenn Industrie und Politik stets darauf hinweisen: Die Tagesdosis macht&#8217;s aus!<\/p>\n\n\n\n<p>Aspartam ist der Metylester des Dipeptids L-Aspartyl-L-phenylalanin \u2013 klingt schon mal recht gesund! 1965 versuchte sich der Chemiker James M. Schlatter an der Synthese des Peptidhormons Gastrin. Dabei stiess er aus purem Zufall auf diesen s\u00fcssen Stoff. Seinem Unternehmen, der G.D. Searle &amp; Company, half dies freilich nicht viel, f\u00fchrten doch Tierversuche an Ratten zu dem Resultat, dass der Stoff m\u00f6glicherweise karzinogen ist und somit Krebs erregen kann. Die US-Beh\u00f6rde Food an Drug Administration (FDA) liess den Stoff deshalb \u00fcber Jahre hinweg nicht zu \u2013 das Unternehmen wurde 1985 von Monsanto und schliesslich von Pfizer \u00fcbernommen. Erst 1981 erhielt Aspartam unter dem Namen \u201cNutraSweet\u201d die Zulassung, nachdem im Jahr zuvor eine Gruppe unabh\u00e4ngiger Wissenschafter Aspartam als m\u00f6glichen Ausl\u00f6ser von Gehirntumoren ausschloss \u2013 allerdings nach wie vor auf die Karzinogenit\u00e4t bei Ratten hinwies. Zwei Jahre sp\u00e4ter wurde Aspartam zuerst in kohles\u00e4urehaltigen Getr\u00e4nken wie Limonaden, zehn Jahre sp\u00e4ter anderen Getr\u00e4nken sowie S\u00fcss- und Backwaren hinzugef\u00fcgt \u2013 sp\u00e4ter auch ohne Verwendungs-beschr\u00e4nkung. In Deutschland wurde Aspartam durch die Zusatzstoff Zulassungs-Verordnung vom 13. Juni 1990 zugelassen. Das Patent auf Aspartam ist bereits 1992 abgelaufen \u2013 jeder kann es seither erzeugen. Deshalb ist Aspartam inzwischen unter den Bezeichnungen \u201cNutraSweet\u201d, \u201cEqual\u201d und \u201cCanderel\u201d erh\u00e4ltlich.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber das chemische Verfahren zur Herstellung von Aspartam, m\u00f6chte ich mich heute nicht auslassen \u2013 dies kann f\u00fcr alle interessierten Chemiker und Hobby-Chemiker in der Fachliteratur nachgelesen werden. Nur soweit noch zu den Eigenschaften: S\u00fcss, farblos, kristallin, in Wasser l\u00f6slich, Schmelzpunkt 248-250 Grad Celsius. Sein Energiegehalt liegt bei 17 kJ pro Gramm \u2013 \u00e4hnlich jenem von Zucker. Allerdings mit der 200-fachen S\u00fcsskraft von Zucker. Beim Backen kann sich Aspartam in seine Einzelkomponenten zerlegen \u2013 L-Asparagins\u00e4ure, L-Phenylalanin und Methanol! Dadurch verliert der Stoff seine Eigenschaft als S\u00fcssmacher.<\/p>\n\n\n\n<p>Aspartam wird inzwischen in mehr als 2.500 Nahrungsmitteln und Getr\u00e4nken in Europa verwendet (Pudding, Fertiggerichten, Kaugummi, Fr\u00fchst\u00fccksflocken,&#8230;). Besonders beliebt in Di\u00e4t- und Light-Produkten, obgleich die Weltgesundheitsorganisation WHO schon vor geraumer Zeit darauf hingewiesen hat, dass sich Aspartam nicht zum Abnehmen eignet, da aufgrund der enorm starken S\u00fcsskraft nur geringe Dosen eingesetzt werden. Zucker sorgt beim Verzehr ab einem gewissen Zeitpunkt f\u00fcr ein V\u00f6lle-Gef\u00fchl \u2013 chemisch hergestellte S\u00fcssmacher jedoch nicht: Die meisten werden sofort wieder ausgeschieden. Dadurch kann es zu einer Abh\u00e4ngigkeit f\u00fchren, da das Hungergef\u00fchl durch den Verzehr nicht gesenkt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Bundesinstitut f\u00fcr Risikobewertung (BfR) f\u00fchrte in diesem heurigen Jahr eine Untersuchung zum S\u00fcssstoffgehalt bei energie- und zucker-reduzierten Erfrischungsgetr\u00e4nken durch. Dabei kam es zu folgenden Resultaten: In 67 von 92 untersuchten Getr\u00e4nken befand sich Aspartam in unterschiedlichen Konzentrationen \u2013 Teekaltgetr\u00e4nke 31,8 mg\/l, Limo-naden 0,05-117, Cola- und Colamischgetr\u00e4nke 11-492 und schliesslich Energydrinks 144 mg\/l.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun zum Problem: Die \u201cMetabolisierung\u201d! Der Aspartat-Phenylalanin-Methylester wird durch eine intestinale Esterase in AsPhe und Methanol gespaltet. Das Methanol wird direkt zu Kohlenstoff-Dioxid bzw. Formaldehyd verstoffwechselt. AsPhe hingegen zu den proteinogenen Aminos\u00e4uren Phenylalanin und Aspargins\u00e4ure. Aspartam wird also im Darm nahezu komplett abgebaut. Nur ein geringer Energieanteil gelangt in den Blutkreislauf. Phenylalanin hemmt jedoch die Produktion eines Enzyms, das im Darmepithel gebildet wird und die sog. \u201cIntestinale Alkalische Phosphatase\u201d (IAP) senkt \u2013 die Aufnahme von Endotoxinen und dadurch beispielsweise die Gefahr eines metabolischen Syndroms bei zu fettreicher Nahrung. In Tierversuchen wurde beobachtet, dass die Tiere zu Fettleibigkeit und gest\u00f6rter Glukosetoleranz neigten. Menschen mit der angeborenen Stoffwechselerkrankung Phenylketonurie m\u00fcssen deshalb auf Produkte mit Aspargam verzichten. Auf allen Waren mus somit in den Inhaltsstoffen auf Aspargam hingewiesen werden (in Deutschland etwa \u00a75 der Lebensmittelzusatzstoff-Durchf\u00fchrungs-verordnung), beispielsweise durch den Hinweis E951.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine weitere Studie aus dem Jahr 2013 befasste sich mit den Auswertungen von zahlreichen Untersuchungen zum Zusammenhang von Aspartam und dem neuro-physiologischen Befinden (Depressionen, Migr\u00e4ne, Kopfschmerzen, &#8230;). Hier blieben jedoch viele Fragen offen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die durch die EU festgesetzte Erlaubte Tagesdosis (ETD) sollte 40 mg\/kg K\u00f6rpergewicht nicht \u00fcberschreiten (in den USA 50 mg\/kg K\u00f6rpergewicht). Das Problem: Aus allen Nahrungsmitteln, die Aspartam enthalten, muss die eingenommene Menge addiert werden! Wer kann das und wer macht dies?!<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcbrig bleibt letztlich die Einsch\u00e4tzung der Weltgesundheitsorganisation, dass Aspartam \u201cm\u00f6glicherweise krebserregend\u201d ist und nicht zur K\u00f6rpergewichtsreduzierung taugt. Grunds\u00e4tzlich \u2013 so die Gesundheits-experten \u2013 kann der Verzehr von S\u00fcssstoffen zu Typ2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Problemen f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Links:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li><a href=\"http:\/\/www.bfr.bund.de\/\">www.bfr.bund.de<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.ages.at\/\">www.ages.at<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.who.int\/\">www.who.int<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.efsa.europa.eu\/de\">www.efsa.europa.eu\/de<\/a><\/li><li>suessstoff-verband.info<\/li><li><a href=\"http:\/\/www.fda.gov\/\">www.fda.gov<\/a><\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lesetipps:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>.) Naturstoffchemie \u2013 Eine Einf\u00fchrung; Gerhard Habermehl\/Peter Hammann\/Hans Christoph Krebs; Springer 2008<\/p>\n\n\n\n<p>.) Handbuch S\u00fcssungsmittel \u2013 Eigenschaften und Anwendung; Hrsg.: Gert-Wolfhard von Rymon-Lipinski; Behr 1991<\/p>\n\n\n\n<p>.) Lehrbuch der Lebensmittelchemie; Werner Grosch\/Peter Schieberle; Springer 2008<\/p>\n\n\n\n<p>.) Handbuch Lebensmittel-Zusatzstoffe; Kuhnert\/Muermann\/Salzer; Behr 1991<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An dieser Stelle wurde bereits das Risiko von zu viel weissem Zucker (Haushaltszucker) f\u00fcr die menschliche Gesundheit er\u00f6rtert (\u00dcbergewicht, Diabetes, &#8230;). Doch \u2013 was w\u00e4re so manches Produkt ohne S\u00fcssmacher? Also begaben sich so manche Lebensmittel-Chemiker auf die Suche nach einem Ersatz-S\u00fcssstoff. Mit Erfolg! Neben vielen anderen L\u00f6sungen entstand u.a. C14H18N2O5 \u2013 Aspartam! 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