
{"id":10250,"date":"2024-01-27T11:52:20","date_gmt":"2024-01-27T09:52:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/?p=10250"},"modified":"2024-01-27T11:52:20","modified_gmt":"2024-01-27T09:52:20","slug":"erst-wenn-die-letzte-biene-gestorben-ist","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/index.php\/2024\/01\/27\/erst-wenn-die-letzte-biene-gestorben-ist\/","title":{"rendered":"Erst wenn die letzte Biene gestorben ist&#8230;"},"content":{"rendered":"\n<p><em>\u201eWenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Best\u00e4ubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, keine Menschen mehr.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>(Albert Einstein 1949)<\/p>\n\n\n\n<p>Eigentlich bin ich ja sehr zur\u00fcckhaltend mit Untergangstheorien. Doch in diesem Falle muss ich dem weisen Gelehrten recht geben. Obgleich das mit den vier Jahren kein bindender Hinweis ist. Seit Jahren k\u00e4mpfen die kleinen Racker ums \u00dcberleben &#8211; doch immer mehr davon sterben aus. Die Ursachen sind zumeist ungekl\u00e4rt oder durch Menschenhand hervor-gerufen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Mensch ist in seinen landwirtschaftlichen Monokulturen schon l\u00e4ngst von den nat\u00fcrlichen Fressfeinden der Sch\u00e4dlinge abgekommen und setzt vermehrt auf die Chemie und Biochemie f\u00fcr seinen Ernteerfolg. V.a. Neo-nicotinoide werden gleich hektoliterweise auf den Kulturen ausgebracht. In Deutschland beispielsweise waren bis zum Jahr 2018 f\u00fcnf Neonico-tinoide zugelassen. Dann sprach Br\u00fcssel ein Machtwort: EU-weit verboten wurden die Wirkstoffe Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam, die in den unterschiedlichsten Produkten, wie etwa Mundus, Sombrero und Magna enthalten waren. Die Wirkstoffe d\u00fcrfen eigentlich nur in dauer-haften Gew\u00e4chsh\u00e4usern oder bei der Behandlung von Saatgut eingesetzt werden. Das freilich interessierte die Mitgliedsstaaten wenig \u2013 f\u00fcnf Jahre lang setzten sie sich mittels Notfallsverordnung \u00fcber die von Br\u00fcssel ausgebene Anweisung hinweg. So wurden etwa in \u00d6sterreich zwischen 2019 und 2022 nicht weniger als 20 Notfallzulassungen f\u00fcr die landwirt-schaftliche Nutzung der Stoffe durchgeboxt. In keinem anderen EU-Land waren es so viele! Vor allem die R\u00fcbenbauern profitierten davon. Dem hat jedoch der Europ\u00e4ische Gerichtshof (EuGH) Anfang 2023 einen Riegel vorgeschoben: Die Inverkehrbringung eines Pflanzenschutzmittels nach Art. 53 der entsprechenden EU-Verordnung rechtfertige nicht die wieder-kehrenden Notfallzulassungen, da die Gefahr f\u00fcr die Insekten, insbe-sondere der Bienen, zu gross sei. Die Klage wurde \u00fcbrigens durch die belgische Umweltorganisation PAN, nicht durch eine \u00f6sterreichische, eingebracht. Direkt nach dieser Einsch\u00e4tzung des EuGH betonten aller-dings die alpenl\u00e4ndischen Bauern, dass sie wie bisher gewohnt weiter-machen werden!<\/p>\n\n\n\n<p>Bis 2020 war von diesem Verbot der Wirkstoff Thiacloprid ausgenommen. Dieser war beispielsweise im Bayer-Produkt Biscaya oder auch Calypso enthalten und wurde v.a. im Raps-, aber auch Getreide- und Kartoffel-anbau im Kampf gegen den Kohlschotenr\u00fcssler und die Kohlschoten-m\u00fccke eingesetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcbrig blieb somit nur der Wirkstoff Acetamiprid, der unter anderem in Mospilan oder Careo enthalten ist. Bei diesem Wirkstoiff handelt es sich um eine heterocyclische aromatische chemische Verbindung, die vornehm-lich zur Bek\u00e4mpfung von L\u00e4usen und Milben eingesetzt wird. Die unterschiedlichsten Umweltorganisationen jedoch wollen ein Kom-plettverbot aller Neonicotin<strong>oiden.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eBei dem extremen R\u00fcckgang der Insekten k\u00f6nnen wir es uns es nicht mehr leisten, weiterhin derartig gef\u00e4hrliche Stoffe einzusetzen.<\/em><strong>\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>(Dr. Verena Riedl, NABU)<\/p>\n\n\n\n<p>Weshalb sind diese Mittel derart gef\u00e4hrlich?<\/p>\n\n\n\n<p>Eingesetzt vornehmlich im Obst- und Gem\u00fcseanbau, bei Tabak-, Hopfen- und Weinpflanzungen sowie beim R\u00fcben-, Getreide- und Mais-anbau, stehen aber auch sehr viele Haushaltsmittel mit diesen Inhalts-stoffen im Keller oder der Garage so manchen Hauses. Diese sollen im Acker- und Obstbau v.a. gegen die Krabbeltiere, u.a. die Gr\u00fcne Pfirsich-blattlaus, die Hopfenblattlaus, die Traubenkirschenlaus, den Kartoffel-k\u00e4fer, die Mottenschildlaus oder auch Fransenfl\u00fcgler (wie den Tabak-blasenfu\u00df) helfen, die nicht nur fressen, sondern auch Pflanzenviren \u00fcbertragen k\u00f6nnen (Getreide, Tomaten, Zitruspflanzen,&#8230;). Alles andere wird als Kollateralschaden in Kauf genommen. Und das ist wahrhaftig weitaus mehr als harmlos zu bezeichnen. Schliesslich vernichten sie auch N\u00fctzlinge, wie die Bienen, Flederm\u00e4use oder gar V\u00f6gel, wie den Star!<\/p>\n\n\n\n<p>Fakt ist, dass etwa durch Spr\u00fchen ausgebrachte Wirkstoffe nur zu einem Teil durch die Pflanze aufgenommen werden. Der Rest wird durch die Luft verfrachtet oder reichert sich im Boden an, da die Chemiekeule schwer abgebaut werden kann: In bewachsenem Boden nur rund 50 % in 48 Tagen, in unbewachsenem gar 190 Tagen. Ein Grund etwa, dass die Verwendung von DDT in unseren Breitengraden seit Jahrzehnten verboten ist, da es sich in der Nahrungskette eingenistet hatte und viele sich nach und nach damit vergifteten, obwohl sie der Meinung waren, sich gesund zu ern\u00e4hren. Bereits das Saatgut wird mit dieser Chemiebombe gebeizt, damit m\u00f6glichst viel des Wirkstoffes schon im Setzling einen guten Schutz bieten soll. Seit dem April 2018 bzw. dem Urteil des EuGH ganze f\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter ist die Aussaat von mit Clothianidin, Imidacloprid bzw. Tiamethoxam gebeiztem Wintergetreide-Saatgut verboten! Frankreich war dem Ganzen einen schritt voraus: Dort wurde bereits 2016 die Verwendung aller Neonicotinoide untersagt! Allerdings im Jahr 2020 Notfallzulassungen erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Die EU-Kommission hat mit dem 01. Dezember 2013 den Gebrauch der Neonicotinoide Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam in der Durchf\u00fchrungsverordnung (EU) Nr. 485\/2013 eingeschr\u00e4nkt. Diese Substanzen durften nurmehr bei bestimmten Kulturen verwendet und erst nach der Bl\u00fcte ausgebracht werden. Mit dem 1. Dezember 2015 endete diese Einschr\u00e4nkung.<\/p>\n\n\n\n<p>In einer Studie der European Academies Science Advisory Council (EASAC) im April 2015 wurde best\u00e4tigt, dass ein solcher \u201eweitreichender, pr\u00e4ventiver Einsatz\u201c negative Effekte auf Nichtzielobjekte zur Folge hat, die jedoch f\u00fcr die Best\u00e4ubung und nat\u00fcrliche Sch\u00e4dlingsbek\u00e4mpfung immens wichtig sind. Best\u00e4tigt wurde dieses Ergebnis auch von einer anderen Studie (Risiko-Bewertung der EFSA betreffs Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam) vom August 2015, wonach die Risiken f\u00fcr Bienen nicht ausgeschlossen werden konnten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Quantifying the effects of Neonicotinoids on honeybees and wild bees: a Europe-wide experiment\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/Hnu_9NIUWLQ?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p>Diese Pflanzenschutz-Wirkstoffe wirken sich negativ auf das Nerven-system der Bienen aus &#8211; sie werden orientierungslos, finden nicht mehr in ihren Stock zur\u00fcck und verenden qualvoll. Zudem erh\u00e4lt der Stock weniger Nahrung und wird f\u00fcr Krankheiten oder Sch\u00e4dlinge anf\u00e4lliger. Auch bei Hummeln wurde beobachtet, dass die K\u00f6niginnen, die mit Neo-nicotinoiden in Verbindung kamen, weitaus weniger Eier als ihre Artgenossinnen legten, die nicht diesen Stoffen ausgesetzt sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Das wohl am meisten verspr\u00fchte Neonicotinoid war Imidacloprid. Nach-dem das Bienensterben pl\u00f6tzlich in aller Munde war, hatte die Europ\u00e4ische Beh\u00f6rde f\u00fcr Lebensmittelsicherheit den Gebrauch des Wirkstoffes vorerst f\u00fcr zwei Jahre eingeschr\u00e4nkt. Schon davor aber befand sich dermassen viel davon v.a. im Umkreis von Anbaufl\u00e4chen in der Luft und im Boden, sodass auch die Atemluft damit angereichert und das Mittel zudem im Grundwasser nachgewiesen werden konnte. Ferner zeigten jene Wissenschaftler, die im Rahmen des Dutch Common Breeding Bird Monitoring Scheme in den Niederlanden besch\u00e4ftigt sind, auf, dass eine Korrelation zwischen der Imidacloprid-Konzentration im Oberfl\u00e4chenwasser und den Vogelpopulationen besteht. Je h\u00f6her diese Konzentration im Wasser, desto geringer und weniger bunt war die Zahl der beobachteten V\u00f6gel. 15 Arten wurden im Rahmen der Studie ber\u00fccksichtigt &#8211; die gr\u00f6ssten Auswirkungen zeigten sich bei den Staren, den Feldsperlingen und der Goldammer. Als erste und wichtigste Ursache gilt, so ziehen die Ornithologen den Schluss, dass die V\u00f6gel zu wenig Insekten-Nahrung finden. Ob sie sich durch den Genuss von betroffenen Insekten auch sukzessive vergiften, konnte nicht nachgewiesen werden, da derartige Untersuchungen sehr zeit- und geldaufwendig sind. Aller-dings wird davor gewarnt, dass gebeiztes Saatgut giftig f\u00fcr so manchen Piepmatz ist (25 bis 50 mg pro kg K\u00f6rpergewicht liessen im Labortest Kanarienv\u00f6gel und auch Tauben zugrunde gehen). Andere Berechnungen zeigen dies in einer noch gr\u00f6sseren Dramatik auf: Rebh\u00fchner k\u00f6nnen sich bereits mit 5 gebeizten Maisk\u00f6rnern, 6 R\u00fcbensamen oder 32 Rapssamen t\u00f6dlich vergiften. Am Max-Planck-Institut f\u00fcr Ornithologie in Radolfzell wird kritisiert, dass Freilandversuche vor der Zulassung des Spritzmittels zwar offenbar durchgef\u00fchrt wurden, die Ergebnisse jedoch nicht frei zug\u00e4nglich sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Imidacloprid (1-(6-Chlor-3-pyridinylmethyl)- N-nitroimidazolidin-2-ylidenamin) wurde 1985 bei der deutschen Bayer AG entwickelt und seit Anfang der 1990er-Jahre industriell erzeugt. Der Bayer-Konzern stellte j\u00e4hrlich \u00fcber 1.000 Tonnen davon her, die zum gr\u00f6ssten Teil exportiert werden &#8211; nur ca. 25 bis 100 Tonnen wurden in Deutschland verbraucht. Im Vergleich dazu Grossbritannien: Hier wurden auf 1,3 Mio ha im Jahr 2012 82 Tonnen ausgebracht (71 % Clothianidin, 16 % Thiamethoxam &#8211; Imidacloprid spielt bei den Briten nur eine unter-geordnete Rolle). Unter Namen wie Admire\u00ae, Evidence\u00ae, oder Goucho\u00ae etc. wurde das Insektizid in \u00fcber 120 L\u00e4ndern der Erde verwendet. Der Patentschutz lief 2005 aus &#8211; inzwischen gibt es von vielen Unternehmen vergleichbare Produkte &#8211; etwa Syngenta oder Mitsui Chemicals. Ein \u00f6sterreichischer Hersteller hingegen bot das gef\u00e4hrliche Chlorpyrifos an. Ein Nervengift, das in den USA seit den 1960er Jahren verwendet wird und zu richtiggehenden neurologischen St\u00f6rungen f\u00fchrt &#8211; nicht nur bei Insekten, sondern auch bei Wassertieren, Regenw\u00fcrmern, V\u00f6gel und nat\u00fcrlich den Bienen. Als Haushaltsinsektizid ist es in der EU seit 2008 nicht mehr zugelassen &#8211; in der EU-Landwirtschaft wurde die Verwendung am 10. Januar 2020 verboten.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei sog. \u201esystemischen\u201c Insektiziden reichert sich das Gift in der Pflanze an, da es nur sehr langsam abgebaut wird. Dadurch wirkt der Schutz in der Pflanze l\u00e4nger. Jenes Insekt, das das Gift durch den Pflanzensaft, die Pollen oder dem Nektar aufnimmt, erleidet eine Dauerreizung des Rezeptors, wodurch die Signal\u00fcbertragung in den Nervenzellen, die chemisch erfolgt, stark gest\u00f6rt wird. Die Folge sind Kr\u00e4mpfe und schliesslich der Tod. \u00dcbrigens haben sicherlich auch Sie schon ein solches Insektizid verwendet: Es ist u.a. in den St\u00e4bchen f\u00fcr Topfpflanzen enthalten. Oder wird als L\u00e4use- und Floh-Bek\u00e4mpfungsmittel bei Hunden und Katzen eingesetzt. F\u00fcr S\u00e4ugetiere bescheinigen die Hersteller eine Nahezu-Unbedenklichkeit. Das Pr\u00e4parat gilt als nur sehr gering toxisch, als nicht-krebserregend und wird vom K\u00f6rper innerhalb von 48 Stunden zu 80 % abgebaut bzw. zu 20 % unver\u00e4ndert ausgeschieden. Vermutet werden bei h\u00f6heren Konzentrationen \u00e4hnliche Wirkungen auf die Nerven wie beim Nikotingebrauch. In Taiwan f\u00fchrten zwei F\u00e4lle zum Tode &#8211; acht zu schweren Auswirkungen vornehmlich bei der Atmung (von insgesamt 70 Vergiftungen &#8211; zumeist Selbstmordversuche). Die EU-Beh\u00f6rde f\u00fcr Lebensmittelsicherheit EFSA warnt jedoch davor, dass die beiden Neonicotinoide Acetamiprid und Imidacloprid bei S\u00e4uglingen und Kleinkindern m\u00f6glicherweise zu Lern- und Ged\u00e4chtnisproblemen f\u00fchren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die \u00d6ffentlichkeit wurde erst im Rahmen einer Studie der Harvard Uni-versit\u00e4t im Jahr 2012 auf das Insektizid aufmerksam. Die Insekten-forscher wiesen nach, dass 94 % der Bienenv\u00f6lker innerhalb von 23 Wochen verendeten, obgleich die Dosis wesentlich geringer war, als etwa bei der Anwendung auf einem damit behandelten Feld. Der Verlust der Orientierung ist die Folge einer stark sinkenden Lern- und Ged\u00e4chtnis-leistung. Die Bienen sammelten nurmehr Nektar mit einer hohen Zucker-konzentration und machten die anderen Bienen stark eingeschr\u00e4nkt auf den Nahrungsort aufmerksam. Der Bienenstock wurde zu wenig mit Nahrung versorgt, wird anf\u00e4lliger f\u00fcr bakterielle Erkrankungen und Pilze. All das wird bei der Zulassungs\u00fcberpr\u00fcfung nicht ber\u00fccksichtigt, dreht sich hierbei doch alles um eine evt. toxische Wirkung. Franz\u00f6sische Imker kritisierten dies schon wesentlich fr\u00fcher. So ging etwa die Zahl der Bienenv\u00f6lker zwischen 1996 und 2003 um rund 450.000 auf 1 Mio zur\u00fcck, die Honig-Ausbeute pro Bienenstock sank zwischen 1995 und 2001 von 75 auf nurmehr 30 kg. Bei einer durchschnittlichen Honigbiene reichen bereits 4-5 ng aus um sie zu t\u00f6ten. 2008 beispielsweise sorgte ein mysteri\u00f6ses Bienensterben im Oberrheingraben f\u00fcr grosse Besorgnis. Nicht weniger als 11.000 Bienenv\u00f6lker wurden vernichtet oder stark gesch\u00e4digt. Untersuchungen ergaben, dass mit Clothianidin gebeiztes Maissaatgut mittels pneumatischen Einzelkorn-S\u00e4ger\u00e4ten ausgebracht wurden. Dadurch kam es zu einem Abrieb des Saatgutes, der durch die Luft auf benachbarte Rapsfelder verfrachtet wurde, die gerade in Bl\u00fcte standen. Seit 2013 ist das Beizen bl\u00fchender Pflanzen wie Raps und Sonnenblumen aus diesem Grunde verboten.<\/p>\n\n\n\n<p>Insektizide werden allerdings nicht nur in der Landwirtschaft oder dem eigenen Garten eingesetzt. Auch in der Forstwirtschaft, im Holzschutz, in der Vorratskammer, der Hygiene uvam. kommt die Chemiekeule zum Einsatz. Unterschieden werden dabei die Fra\u00df &#8211; von den Kontakt-insektiziden, sowie die Mittel, die \u00e4usserlich und jene, die in der Pflanze (systemisch) eingesetzt werden. Eines jedoch haben all diese Stoffe gemein: Sie werden sehr langsam abgebaut &#8211; die Wirkung soll ja lange genug halten. Leider auch in der Nahrungskette! Im Unterschied dazu: Jene Insektengifte, die zur Bek\u00e4mpfung des Zika-Viruses in Lateinamerika eingesetzt wurden, sind hoch toxisch &#8211; damit auch f\u00fcr den Menschen gef\u00e4hrlich &#8211; aber sie bauen sich rasch ab. Die anderen M\u00f6glichkeiten sind vielf\u00e4ltig (etwa die Chitinbiosynthese-Hemmer, die gentechnische oder bakteriologische Sch\u00e4dlingsbek\u00e4mpfung,&#8230;). Doch ist der Neonicotinoid-Markt mit einst rund 1,5 Mrd \u20ac Umsatz ein mehr als lukrativer. Der Konzern Bayer erzielte auch noch 2022 rund 2,4 % seines Gesamt-umsatzes mit Neonicotinoiden (Quelle: Neonicotinoid-Bericht des Konzerns).<\/p>\n\n\n\n<p>Immer interessanter wurde alsdann der Beizmarkt: 1990 noch bei 155 Mio &#8211; 2008 bereits bei 957 Mio \u20ac Umsatz! Damit ist die chemische Bek\u00e4mpfung die einfachste und gewinntr\u00e4chtigste. Zu Beginn 2013 wurde durch das Humboldt Forum for Food and Agriculture e.V. (HFFA) eine von Bayer und Syngenta in Auftrag gegebene Studie zu kurz- und mittelfristigen Auswirkungen eines EU-weiten Verbotes aller Neonico-tinoide ver\u00f6ffentlicht. Die Studienverfasser sprechen von einem R\u00fcckgang der land- und gesamtwirtschaftlichen Wertsch\u00f6pfung um 2,8 bis 3,8 Milliarden \u20ac, den Verlust von 22.000 Arbeitspl\u00e4tzen und einem geringeren Einkommen in der Landwirtschaft um den Faktor von 4,7 % (bei f\u00fcnf Jahren Wertsch\u00f6pfungseinbussen von 17 Mrd. und 27.000 Arbeitspl\u00e4tze weniger). Das Minus m\u00fcsste durch mehr Importe ausgeglichen werden &#8211; dies f\u00fchre zu einem CO2-Ausstoss von 600 Mio t. Und f\u00fcr Bayer? Da wurde damals mit einem Umsatzverlust von 80 Mio \u20ac pro Jahr spekuliert! Deshalb legte der Konzern einen Aktionsplan vor: Ackerrandstreifen, Abluft-Detektoren, Feld-Monitoring etc. Als ob sich der immer st\u00e4rker werdende Wind an Grenzstreifen h\u00e4lt! Zudem reichten sowohl Bayer als auch Syngenta Klagen gegen diese Einschr\u00e4nkungen am Europ\u00e4ischen Gerichtshof ein. \u00dcbrigens ver\u00f6ffentlichte Health Care Canada eine Studie, wonach der Einsatz von Imidacloprid bei Blattapplikationen nur minimale, Bodenapplikationen etwa bei den Tomaten und Erdbeeren bei manchen B\u00f6den potentielle Risiken und Beizmittel keine Risiken bergen! Das zeigt uns einmal mehr auf, dass jenseits des grossen Teiches die Uhren etwas anders laufen als in Good Old Europe!<\/p>\n\n\n\n<p>\u00c4hnlich wie das Herbizid Glyphosat werden diese Insektizide noch lange in der Nahrungskette nachweisbar sein \u2013 durch die Windverfachtung auch in Bio-Produkten! Angeblich ohne gesundheitliche Gef\u00e4hrdung.<\/p>\n\n\n\n<p>Lobenswert hervorheben m\u00f6chte ich die S\u00fcdtiroler Gemeinde Mals im Vinschgau mit ihrer komplett pestizidfreie Zone. In einem B\u00fcrgerent-scheid sprachen sich \u00fcber 76 Prozent daf\u00fcr aus. Die Initiative ergriff damals der ortsans\u00e4ssige Apotheker. Der Vinschgau ist zumindest europaweit f\u00fcr seinen Apfelanbau bekannt. Allerdings muss &#8211; je nach Witterung &#8211; bis zu 15mal pro Saison gespritzt werden. Klar &#8211; nicht nur Insektizide, sondern auch Herbizide uvam.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.br.de\/radio\/bayern2\/sendungen\/notizbuch\/mals-pestizide-buergerentscheid-100.html\">https:\/\/www.br.de\/radio\/bayern2\/sendungen\/notizbuch\/mals-pestizide-buergerentscheid-100.html<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>\u0086Mals entwickelt sich inzwischen immer mehr zur grossen Bio-Zone, w\u00e4hrend andere Obstbauern in S\u00fcdtirol nach wie vor den Boden vergiften. Vergleichbar mit dem Atomstrom: Was danach kommt, ist den Herstellern egal!<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lesetipps:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>.) Ullmann\u2019s Encyklop\u00e4die der technischen Chemie, 4. Auflage<\/p>\n\n\n\n<p>.) Wirksubstanzen der Pflanzenschutz- und Sch\u00e4dlingsbek\u00e4mpfungs-mittel; Werner Perkow; 2. Auflage. Verlag Paul Parey 1988.<\/p>\n\n\n\n<p>.) Pesticide Synthesis Handbook; William Andrew, 1996<\/p>\n\n\n\n<p>.) Metabolic pathways of agrochemicals. Part 2; Terence Robert Roberts, David Herd Hutson; Royal Society of Chemistry 1998<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Links:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li><a href=\"http:\/\/www.efsa.europa.eu\/de\">www.efsa.europa.eu\/de<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.bfr.bund.de\/\">www.bfr.bund.de<\/a><\/li><\/ul>\n\n\n\n<ul><li><a href=\"http:\/\/www.baes.gv.at\/\">www.baes.gv.at\/<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.bvl.bund.de\/\">www.bvl.bund.de<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.bi.mpg.de\/de\">www.bi.mpg.de\/de<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.hortipendium.de\/\">www.hortipendium.de<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.proplanta.de\/\">www.proplanta.de<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.agrarheute.com\/\">www.agrarheute.com<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.pnas.org\/\">www.pnas.org<\/a><\/li><\/ul>\n\n\n\n<ul><li><a href=\"http:\/\/www.global2000.at\/\">www.global2000.at\/<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.nabu.de\/\">www.nabu.de<\/a><\/li><\/ul>\n\n\n\n<ul><li><a href=\"https:\/\/pan-germany.org\/\">pan-germany.org\/<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.syngenta.com\/\">www.syngenta.com<\/a><\/li><\/ul>\n\n\n\n<ul><li><a href=\"http:\/\/www.ruebenbauern.at\/\">www.ruebenbauern.at\/<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.bayer.com\/\">www.bayer.com<\/a><\/li><\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eWenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. 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