
{"id":10484,"date":"2024-05-04T08:11:39","date_gmt":"2024-05-04T06:11:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/?p=10484"},"modified":"2024-05-04T08:11:39","modified_gmt":"2024-05-04T06:11:39","slug":"aus-zehn-mach-eins-nein","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/index.php\/2024\/05\/04\/aus-zehn-mach-eins-nein\/","title":{"rendered":"Aus zehn mach eins &#8211; NEIN!!!"},"content":{"rendered":"\n<p>Es scheint, die allseits bekannte endlose Geschichte zu werden: Die Saat-gut-Verordnung der Europ\u00e4ischen Union! Vorerst letzter Schritt war die Abstimmung im EU-Parlament am 24. April. Dieses lehnte den Entwurf der EU-Kommission abermals ab \u2013 insbesondere ging es dabei um die Erleichterung des Patentschutzes und die Lizenzgeb\u00fchren: Bauern d\u00fcrfen also auch k\u00fcnftig Saat- und Pflanzengut weitergeben. Ferner wurde der umstrittene Einsatz der \u201eGenschere\u201c (das gentechnische Verfahren mit Crispr\/Cas) abgelehnt. Das h\u00e4tte in Europa den Markt f\u00fcr gentechnisch ver\u00e4nderte Produkte der Agrarwirtschaft ge\u00f6ffnet. So etwa auch f\u00fcr den aktuellen Patentantrag auf Tomaten, die gegen den \u201eTomato Brown Rugose Fruit Virus\u201c (\u201eJordan-Virus\u201c) resistent gemacht werden sollen. Ein durchaus problematischer Fall, da eine solche Resistenz auch durch eine Zufalls\u00e4nderungen in der normale Z\u00fcchtung (Mutagenese) erreicht werden k\u00f6nnte, die \u2013 sollte der Antrag durchgehen \u2013 dann verboten w\u00e4re! Kritiker betonen, dass zudem die Folgen der Genschere nicht vorher-sehbar sind. Keine Frage: Aufgrund der Klimaerw\u00e4rmung und ihrer Folgen ben\u00f6tigt die Landwirtschaft resistentere Pflanzen. Allerdings gab es diese schon, bevor die Industrie in diesem Sektor Einzug hielt. Alte Sorten waren wesentlich besser an das Klima angepasst als die heutigen \u201eneuen\u201c Sorten mit Ursprung im Z\u00fcchtungs-Glashaus bzw. Labor. Dazu mehr etwas sp\u00e4ter.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe bereits mehrfach \u00fcber diese versuchte Umkrempelung der euro-p\u00e4ischen Landwirtschaft berichtet. V.a. als der durch Bayer sp\u00e4ter \u00fcber-nommene Monsanto-Konzern derma\u00dfen Druck auf die EU aus\u00fcbte, so-dass die Mitgliedsstaaten um Haaresbreite einer Katastrophe entgangen sind. Dieser w\u00fcnschte sich nurmehr den alleinigen Einsatz seines Saat-gutes, alles andere (auch bei dem kleinen Schreber-G\u00e4rtner) h\u00e4tte bei Strafen verboten werden sollen. Keine grossen \u00c4nderungen zeigten sich auch in dem durch den aus S\u00fcdtirol stammenden Sprecher des Land-wirtschaftsausschusses, Herbert Dorfmann, am 16. November 2023 vor-gelegten, angeblich \u00fcberarbeiteten Entwurf der Kommission. Experten (wie die Arche Noah) sprechen im Grossen und Ganzen nur von technischen Klarstellungen und verbesserten Definitionen des Entwurfes, der von der Kommission im Juli desselben Jahres vorgelegt wurde. Einzig die Klarstellung, dass die Saatgut-Gesetze nur f\u00fcr kommerzielle Akteure gelten solle, war eine Weiterentwicklung. Die derzeitigen zehn Richtlinien f\u00fcr die \u201eErzeugung und das Inverkehrbringen von Saatgut\u201c stammen aus den 1960er-Jahren. Ausgerichtet auf Monokulturen, Kunstd\u00fcnger und Pestiziden. Selbstverst\u00e4ndlich: Das sollte zeitlich angepasst werden \u2013 allerdings nicht mit Knebeln durch die Landwirtschafts- (einer der gr\u00f6ssten und wichtigsten in der EU), Agro-Chemie- bzw. Saatgutlobby (Euroseeds). Dabei sind Patentschutz und Lizenzgeb\u00fchren die ausschlag-gebenden Punkte. Eine Monopolisierung auf einige weniger Hersteller h\u00e4tte fatale Auswirkungen nicht nur auf die Landwirtschaft, sondern auch den gesamten Lebensmittelbereich. Stellt sich also die durchaus berechtigte Frage: Wieso versucht die EU-Kommission immer wieder auf&#8217;s neue, derartige Gesetze durchzubringen und weshalb beschr\u00e4nken sich die damit befassten Aussch\u00fcsse nur auf unwesentliche Kleinigkeiten? Besonders dreist: In einer Abstimmung des Landwirtschaftsausschusses am 19. M\u00e4rz 2024 hat sich dieser zum Erhalt der Vielfalt und deren Verbreitung durch regionale Produzenten ausgesprochen \u2013 das steht somit im krassen Gegensatz zur Saatgut-Verordnung der Kommission!<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eDie Agrochemie-Lobby ist eine der st\u00e4rksten in Br\u00fcssel. Ihr Vorgehen ist teilweise sehr aggressiv!\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>(Nina Katzemich, LobbyControl)<\/p>\n\n\n\n<p>In vielen Spezialistenkreisen spielt die Sortenvielfalt (Bio-Diversit\u00e4t) eine besonders wichtige Rolle in der Landwirtschaft. So ist beispielsweise eine Streuobstwiese weitaus weniger anf\u00e4llig gegen zu trockenem oder zu nassem Wetter, aber auch den unterschiedlichsten Angreifern, als eine rein nur auf eine Sorte spezialisierte Plantage. So meint etwa der stell-vertretende Direktor der europ\u00e4ischen Dachorganisation f\u00fcr Bio-Nahrung und Bio-Saatgut (IFOAM), Eric Gall:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eUnser Ern\u00e4hrungssystem muss widerstandsf\u00e4hig sein. Der Beschluss des Parlaments hat das Potential, genetische Vielfalt zu st\u00e4rken und k\u00f6nnte ein erster Schritt sein sicherzustellen, dass Z\u00fcchter und Bauern Zugang zu mehr Sortenvielfalt bekommen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Weshalb er dezitiert die Bauern erw\u00e4hnt: Der abgewehrte Entwurf h\u00e4tte Bauern auch weiterhin ausgeschlossen. Sie h\u00e4tten alsdann das durch die Agrarindustrie freigegebene Saatgut auch weiter verwenden m\u00fcssen und eigenes Saatgut nicht verwenden d\u00fcrfen. Die vorhin bereits ange-sprochene Arche Noah vergab dem zur Abstimmung vorgelegten Entwurf deshalb eine glatte 5 \u2013 Nicht gen\u00fcgend, nach \u00f6sterreichischem Noten-system durchgefallen! Wen es interessieren sollte: Bei 41 Enthaltungen gab es 336 Stimmen f\u00fcr die Position des Parlaments und 238 dagegen. \u00dcbrigens: Alle \u00f6sterreichische MdEPs votierten mit \u201eNein\u201c &#8211; ausser die Neos! Nun liegt der Ball bei den Landwirtschaftsministern.<\/p>\n\n\n\n<p>Bevor ich nun im Einzelnen auf einige wenige \u201eAlte Sorten\u201c zu sprechen komme, m\u00f6chte ich in diesem Zusammenhang auf eine Online-Petition der Arche Noah zum Erhalt der alten Sorten hinweisen:<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/mitmachen.arche-noah.at\/de\/hoch-die-gabeln\/\">https:\/\/mitmachen.arche-noah.at\/de\/hoch-die-gabeln\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Dass Ihre Unterschrift gut aufgehoben ist, zeigt die Liste der Unter-st\u00fctzer:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Arbeitsgemeinschaft b\u00e4uerliche Landwirtschaft AbL e.V. (DE)<\/li><li>ARCHE NOAH (AT)<\/li><li>ASEED \u2013 Action for Solidarity Environment Equality and Diversity (NL)<\/li><li>Banya Tanya Foundation (HU)<\/li><li>BioForum (BE)<\/li><li>Biovrt &#8211; u skladu s prirodom (HR)<\/li><li>Boerenforum (BE)<\/li><li>Bond Beter Leefmilieu (BE)<\/li><li>Broederlijk Delen (BE)<\/li><li>Budafoki Kos\u00e1r K\u00f6z\u00f6ss\u00e9g (HU)<\/li><li>CEEweb for Biodiversity (CEE)<\/li><li>Demeter \u00d6sterreich (AT)<\/li><li>DIE UMWELTBERATUNG (AT)<\/li><li>Dreschflegel e.V. (DE)<\/li><li>Fenntarthat\u00f3 T\u00e9rs\u00e9g Foundation (HU)<\/li><li>F\u00f6reningen Sesam (SE)<\/li><li>Fundaci\u00f3n Entretantos (ES)<\/li><li>Iniciativa Sem\u00ednkovna (CZ)<\/li><li>Interessengemeinschaft Nachbau (DE)<\/li><li>Lebende Samen e.V. Darmstadt (DE)<\/li><li>Maadjas (EE)<\/li><li>Magh\u00e1z Association (HU)<\/li><li>Permakultura (CS) (CZ)<\/li><li>ProSpecieRara Deutschland (DE)<\/li><li>Red de Semillas &#8222;Resembrando e Intercambiando&#8220; (ES)<\/li><li>Rete Semi Rurali (IT)<\/li><li>RMRM \u2013 R\u00e9seau Meuse-Rhin-Moselle (Greater Region, Benelux)<\/li><li>SEED \u2013 Som fir d&#8217;Erhalen an d\u2019Entw\u00e9cklung vun der Diversit\u00e9it (LU)<\/li><li>Slow Food \u00d6sterreich (AT)<\/li><li>Solidagro (BE)<\/li><li>Velt (BE)<\/li><li>Vitale Rassen (BE)<\/li><li>Voedsel Anders (BE)<\/li><li>Voedsel Anders Nederland (NL)<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Weshalb ist dieses Zeichen so enorm wichtig? Nach der EU-Wahl ent-scheidet das neu zusammengesetzte EU-Parlament dar\u00fcber, ob es die zuvor getroffene Entscheidung \u00fcbernehmen soll. Auch die Deutsche Landwirtschaftliche Gesellschaft fordert eine Landwirtschaft mit Bio-Diversit\u00e4t!<\/p>\n\n\n\n<p>.) <strong>Linda<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Diese festkochende und aromatische Kartoffelsorte sorgte wohl in der ersten Dekade dieses Jahrtausends f\u00fcr den gr\u00f6ssten Wirbel. Erstmals zu-gelassen wurde sie 1974 f\u00fcr die Saatzucht Friedrich B\u00f6hm. Markt-technisch spielt sie mit einem einstelligen Marktanteil nicht wirklich eine Rolle &#8211; allerdings ist sie im Direktvertrieb ab Hof nicht mehr wegzu-denken. Europlant entzog ihr im Jahr 2004 die Zulassung f\u00fcr die gewerbliche Produktion, da sie angeblich zu wenig resistent gegen\u00fcber des Kartoffelkrebses und anderer Krankheiten sei. Das aber wollte sich der Biobauer Karsten Ellenberg nicht bieten lassen und beantragte die Wiederzulassung. Auch in Schottland wurde die Zulassung nach EU-Kriterien beantragt. Das deutsche Bundessortenamt entsprach in Juni 2005 dem Antrag und verl\u00e4ngerte die Auslauffrist bis 2007. Europlant hatte allerdings bereits das komplette Saatgut vernichten lassen. Deshalb zog es vor den Verwaltungsgerichtshof. Bauer Ellenberg hatte Linda hingegen aus Schottland importiert und z\u00fcchtete sie selbst. Inzwischen hatte sich der Freundeskreis \u201eRettet die Linda\u201c gegr\u00fcndet &#8211; daraus wurde schliesslich die Kampagne \u201eSolidarit\u00e4t mit Linda\u201c. Im Jahr 2007 wurde die Linda zur Kartoffel des Jahres gek\u00fcrt. Europlant schwenkte ein und produzierte alsdann wieder Saatgut f\u00fcr diese Kartoffel. 2010 erteilte das Bundessortenamt eine erneute Zulassung, die jedoch nicht mehr gebunden war. Soll heissen, dass die Bauern die Kartoffel anbauen konnten, ohne das Saatgut von Europlant zu beziehen bzw. Lizenz-geb\u00fchren daf\u00fcr bezahlen zu m\u00fcssen. 2020 lief die Zulassung erneut aus. Verkauft wird sie vornehmlich im deutschen Norden! In der \u00f6ster-reichischen Sortenliste 2024 ist Linda nicht mehr enthalten, in der deutschen \u201eBeschreibenden Sortenliste 2023\u201c hingegen nach wie vor.<\/p>\n\n\n\n<p>.) <strong>Der Riebelmais<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Neben den \u201eK\u00e4skn\u00f6pfle\u201c ist der \u201eRiebel\u201c (oder auch \u201eStopfer\u201c) die Lieb-lingsspeise der westlichsten \u00d6sterreicher, der Vorarlberger. Es handelt sich dabei um eine Art Griesbrei, der in der Pfanne aufgebacken und zu Milch oder Kaffee gereicht wird. Mais wird im Vorarlberger Rheintal seit etwa der Mitte des 17. Jahrhunderts angebaut. Gegen 1800 hatte er den bis zu diesem Zeitpunkt bestimmenden Dinkel in der Bedeutung \u00fcber-holt. Immer wieder zu Krisenzeiten erlebte der Riebelmais eine Hochbl\u00fcte &#8211; letztmalig in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Sorte hat einen Ertrag von etwa 3.500 kg pro Hektar &#8211; das ist rund ein Drittel moderner Arten. Deshalb hatte es sich wirtschaftlich nicht mehr ausge-zahlt, ihn anzubauen. Allerdings traten in den Jahren 2005 bis 2009 mehrere Interessensgruppen f\u00fcr die Wiederentdeckung dieser speziellen Maisart ein und sammelten Saatgut. Inzwischen baut eine Handvoll Bauern die Sorte aus eigenem, handgezogenen Saatgut wieder an &#8211; der Riebelmais erfreut sich immer gr\u00f6sser werdender Beliebtheit. \u00dcber die Grenzen Vorarlbergs hinaus ist dieser spezielle Mais in Tortilla Chips, Knusper-M\u00fcsli und Riebel-Whiskey erh\u00e4ltlich. Auch in der gehobenen K\u00fcche findet er Anwendung als Polenta, Kn\u00f6del, Saucen, Suppen, F\u00fcllungen usw. In der benachbarten Schweiz ist \u201eRibelmais\u201c der Hauptbestandteil f\u00fcr die vegetarische Fleischalternative Carna Gallo. Die internationale Stiftung \u201eSlow Food\u201c, die sich f\u00fcr Biodiversit\u00e4t und Nach-haltigkeit in \u00fcber 60 L\u00e4ndern dieser Erde einsetzt, hat den Riebelmais als eines von 11 \u00f6sterreichischen Produkten ausgew\u00e4hlt, um auf der sog. \u201eArche des guten Geschmacks\u201c allen Widerst\u00e4nden zum Trotz nicht wieder in Vergessenheit zu geraten. Der \u201eVorarlberger Riebelmais\u201c ist in der \u00f6sterreichischen Sortenliste 2024 enthalten.<\/p>\n\n\n\n<p>.) <strong>Roter Butterh\u00e4uptl Leitner<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahr 2009 wurden im Rahmen eines EU-Projektes (Leafy vegetables germasplasm, stimulating use) 15 zu den alten Sorten z\u00e4hlende Salat-sorten ausgesucht. Dabei sollte deren Eignung f\u00fcr den Anbau und die Vermarktung bei direktvermarktenden Betrieben \u00fcberpr\u00fcft werden. Vier Bio-G\u00e4rtner-Betriebe bauten jeweils f\u00fcnf Sorten an und verkauften diese in weiterer Folge auf den Bauernm\u00e4rkten. Ganz vorne dabei war der Rote Butterh\u00e4uptl Leitner, eine rot durchgef\u00e4rbte Sorte mit rot-getupften Herzbl\u00e4ttern. Sie eignet sich nur f\u00fcr den Fr\u00fchjahrs- oder Herbstanbau und hat den riesigen Vorteil, dass nicht alle K\u00f6pfe gleichzeitig reif werden. Ein grosser Pluspunkt f\u00fcr Selbstversorger. Dieser Salat wurde aus dem Sortiment genommen, da es zu nur einer kleinen Kopfbildung kommt. Dennoch kam der Rote Butterh\u00e4uptl Leitner bei den Kunden dermassen gut an, da er einen durch und durch harmonischen Geschmack mit einem sehr milden und leicht bitterem Aroma aufweist. Die Bl\u00e4tter sind leicht \u00f6lig und weich. Er ist gut zu lagern. In \u00d6sterreich als Sorte vertreten, in Deutschland als Roter Butterh\u00e4uptl Maribor eben-falls zu bekommen.<\/p>\n\n\n\n<p>.) <strong>Der Pastinak<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Pastinak (oder auch die Pastinake) ist ein zweij\u00e4hriger Doldenbl\u00fctler &#8211; er wurde 2011\/12 in Deutschland zum Gem\u00fcse des Jahres gew\u00e4hlt. Doch war er schon im alten Rom gern gesehen. W\u00e4hrend der Pestzeit wurde der Saft des Pastinaks auch als Heilmittel verwendet. Die Ritter des Mittelalters sch\u00e4tzten ihn als Vorl\u00e4ufer der Kartoffel, da er reich an St\u00e4rke ist. Diese und auch die Karotten verdr\u00e4ngten ihn schliesslich, obwohl er lange Zeit als Grundnahrungsmittel galt. Nur in den USA, Irland, Grossbritannien (\u201eMashed parsnips\u201c), Frankreich, den Niederlanden und den skandinavischen L\u00e4ndern hielt seine Beliebtheit durchwegs an. Hierzulande wurde der Pastinak durch die \u00f6kologische Landwirtschaft wiederentdeckt. Er kann gebacken, als Gem\u00fcse, Cremesuppe, p\u00fcriert oder gerieben als Salat angerichtet werden. Zudem eignet er sich als W\u00fcrzpflanze &#8211; er schmeckt leicht s\u00fcsslich-w\u00fcrzig, m\u00f6glicherweise auch herb. Aufgrund seines sehr niedrigen Nitratgehaltes findet er auch in der Babynahrung Anwendung. Andere Einsatzm\u00f6glichkeiten w\u00e4ren als Sirup zum S\u00fcssen oder als Wein bzw. Bier zum Trinken. Sein Vorteil gegen\u00fcber der Karotte ist, dass er mit h\u00f6herer Feuchtigkeit auskommt und weitaus krankheitsresistenter ist. Die Wurzeln werden zumeist im Winter geerntet. Der Pastinak wirkt appetitanregend und harntreibend und ist reich an Vitamin C, Kalium, Calcium, Eisen und Ballaststoffen. Ich konnte trotz intensiver Suche die Pastinake weder im Sortensortiment Deutschlands noch in \u00d6sterreich finden \u2013 schade!<\/p>\n\n\n\n<p>.) <strong>Der Rheinische Krummstiel<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Inzwischen h\u00f6ren wir jedes Fr\u00fchjahr ein lautes Wehklagen der Obst-bauern: Frost! Aufgrund der relativ milden Winter und der bereits hohen Temperaturen im Fr\u00fchling treiben die Apfelb\u00e4ume vorzeitig aus! Gibt es dann &#8211; wie heuer &#8211; mehrere Frostn\u00e4chte hintereinander, kann dadurch leicht nahezu die komplette Ernte zerst\u00f6rt werden. Mit der alten Sorte Rheinischer Krummstiel ist dies auszuschliessen. Er ist robust, leicht zu pflegen, schmackhaft und wegen seiner sp\u00e4ten Bl\u00fcte frostsicher. Nur an Lagen mit viel Morgentau kann es zu Mehltau kommen. Die Apfelsorte d\u00fcrfte aus der Umgebung von K\u00f6ln\/Bonn stammen &#8211; erstmals Erw\u00e4hnung fand er 1828 durch Adrian Diel. Den Gaumen \u00fcberrascht er mit einem aromatisch, s\u00fcsswein-s\u00e4uerlichen, sehr saftigen Geschmack. Die Ernte liegt im Oktober, die Genussreife im Dezember, wobei er bis zum Mai lagerbar ist. Im Verkauf ist er nicht so gerne gesehen, da er alle m\u00f6g-lichen Formen annehmen kann: Fass- oder eif\u00f6rmig, plattgedr\u00fcckt oder in Form einer Kugel, einseitig verdickt, \u2026 Das Fruchtfleisch ist zuerst noch gr\u00fcnlich-gelb &#8211; es wird mit zunehmender Reife fast weiss. Der Baum gibt sich mit nahezu jedem Boden zufrieden &#8211; nur leichte bzw. sandige B\u00f6den mag er nicht. Im Garten versteht er sich ausgezeichnet mit dem jedoch anf\u00e4lligeren, daf\u00fcr aber sehr gut schmeckenden \u201eCox Orange\u201c oder dem \u201eBerner Rosenapfel\u201c &#8211; diese drei Sorten befruchten sich zudem gegenseitig.<\/p>\n\n\n\n<p>Nur f\u00fcnf Beispiele alter Sorten, die gerne wiederentdeckt werden und auch in der gehobenen K\u00fcche zusehends Anwendung finden. Sie sind einfach anzubauen, ausgezeichnet im Geschmack und reich an N\u00e4hr-stoffen. Trotzdem wurden viele aufgrund der Industrialisierung der Landwirtschaft durch ertragreichere Hybrid-Z\u00fcchtungen ersetzt oder weil sie nicht den optischen W\u00fcnschen der Kunden entsprachen. F\u00fcr Selbst-versorger ist der Anbau allerdings sehr empfehlenswert, da sie f\u00fcr eine bunte Abwechslung in dem ansonsten sehr eint\u00f6nigen kulinarischen Ein-heitsbrei sorgen. Ausserdem entsprechen sie weitaus besser dem heimischen Klima, sind samenfest und ben\u00f6tigen keine chemischen D\u00fcnger bzw. Sch\u00e4dlingsbek\u00e4mpfungsmittel. Und der Gesundheit tun sie ausserdem gutes, da sie meist reich an sekund\u00e4ren Pflanzenstoffen sind, die sie eigentlich vor Fressfeinden oder Mikroorganismen wie Pilze sch\u00fctzen sollen. Beim Menschen wirken sie oftmals entz\u00fcndungs-hemmend und antioxidativ. Dies bedeutet, dass sie freie Radikale abfangen, die f\u00fcr viele Krankheiten (wie Krebs) verantwortlich sein k\u00f6nnen. Auch der Blutdruck, das Immunsystem, der Stoffwechsel und der Cholesterinspiegel freuen sich \u00fcber derartige Bestandteile des Mittags-tisches.<\/p>\n\n\n\n<p>Zuletzt noch ein Wort \u00fcber die Zulassungsmodalit\u00e4ten von Saatgut. Der Z\u00fcchter muss im Registrierungsverfahren aufzeigen, dass sich diese Sorte von anderen unterscheidet, best\u00e4ndig und in sich einheitlich ist. Dies kann am Saatgut selbst nicht aufgezeigt werden. Also muss eine Probez\u00fcchtung angestellt werden. H\u00e4tte die Erstfassung der Kommis-sions-Saatgutverordnung auch das Europaparlament passiert, h\u00e4tte sich der Z\u00fcchter jedoch damit strafbar gemacht, da er nicht registriertes Saatgut f\u00fcr die Z\u00fcchtung verwendete. Ein Teufelskreis! Alsdann h\u00e4tte sich jeder Kleing\u00e4rtner und Z\u00fcchter kriminalisiert.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201e<em>Es darf nicht soweit kommen, dass Privatg\u00e4rtner f\u00fcr ein paar Samenk\u00f6rnchen eine amtliche Zulassung vorzulegen haben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>(Ilse Aigner (CSU), ehemalige Bundes -Verbraucherministerin)<\/p>\n\n\n\n<p>Experten und auch Selbstversorger betonen deshalb, dass man die Menschen zwischen der \u00c4g\u00e4is und dem Atlantik bzw. der Strasse von Gibraltar und der finnischen Stadt Kemij\u00e4rvi nicht dazu zwingen darf, einheitliches Saatgut zu verwenden, das die Besonderheiten ihres Landes nicht widerspiegelt. Die Bedeutung der vielen Saatgut-Initiativen f\u00fcr die Biodiversit\u00e4t m\u00fcsse erkannt und festgehalten, der Trend zur Uni-formierung und Abh\u00e4ngigmachung der Konsumenten gestoppt werden. Nicht zuletzt auch ein Grund daf\u00fcr, mit Patenten auf vornehmlich gen-technisch ver\u00e4nderten Pflanzen und Tieren sehr vorsichtig umzugehen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lesetipps:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>.) Handbuch des speziellen Gem\u00fcsebaus; G. Vogel et al.; Ulmer Verlag 1996<\/p>\n\n\n\n<p>.) Feingem\u00fcsebau im Freiland; J. Reinhold et al; VEB Deutscher Landwirtschaftsverlag 1962<\/p>\n\n\n\n<p>.) M\u00fcllers Gem\u00fcsebau; H. R. Wehrhahn; H. Killinger Verlagsgesellschaft ca. 1935<\/p>\n\n\n\n<p>.) Das gro\u00dfe Lexikon der Fr\u00fcchte und Gem\u00fcse. \u0086Herkunft, Inhaltsstoffe, Zubereitung, Wirkung; Lothar Bendel; Anaconda Verlag 2008<\/p>\n\n\n\n<p>.) Warenkunde Obst und Gem\u00fcse, Band&nbsp;2: Gem\u00fcse; G\u00fcnther Liebster; H\u00e4decke 2002<\/p>\n\n\n\n<p>.) Das Gourmet Handbuch; Udo Pini; K\u00f6nemann 2000<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Links:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li><a href=\"http:\/\/www.bundessortenamt.de\/\">www.bundessortenamt.de<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.baes.gv.at\/fileadmin\/baes\/Pflanzensorten\/Oesterreichische_Sortenliste\/Oesterreichische_Sortenliste_2024.pdf\">www.baes.gv.at<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.europlant.biz\/home\/\">www.europlant.biz\/home\/<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.ages.at\/\">www.ages.at<\/a><\/li><\/ul>\n\n\n\n<ul><li><a href=\"http:\/\/www.blw.admin.ch\/\">www.blw.admin.ch<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.dlg.org\/\">www.dlg.org<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.saatgut-austria.at\/\">www.saatgut-austria.at<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.slowfood.de\/\">www.slowfood.de<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.arche-noah.at\/\">www.arche-noah.at<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.ag-akst.de\/\">www.ag-akst.de<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.kartoffelvielfalt.de\/\">www.kartoffelvielfalt.de<\/a><\/li><\/ul>\n\n\n\n<ul><li><a href=\"http:\/\/www.riebelmais.at\/\">www.riebelmais.at<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.oekgv.at\/kontakt\">www.oekgv.at<\/a><\/li><\/ul>\n\n\n\n<ul><li><a href=\"http:\/\/www.z-saatgut.de\/\">www.z-saatgut.de<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/euroseeds.eu\/\">euroseeds.eu\/<\/a><\/li><\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es scheint, die allseits bekannte endlose Geschichte zu werden: Die Saat-gut-Verordnung der Europ\u00e4ischen Union! Vorerst letzter Schritt war die Abstimmung im EU-Parlament am 24. April. Dieses lehnte den Entwurf der EU-Kommission abermals ab \u2013 insbesondere ging es dabei um die Erleichterung des Patentschutzes und die Lizenzgeb\u00fchren: Bauern d\u00fcrfen also auch k\u00fcnftig Saat- und Pflanzengut weitergeben. 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