
{"id":10925,"date":"2024-09-07T10:51:40","date_gmt":"2024-09-07T08:51:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/?p=10925"},"modified":"2024-09-07T10:51:40","modified_gmt":"2024-09-07T08:51:40","slug":"asse-eine-strahlende-zukunft-fuer-wolfenbuettel","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/index.php\/2024\/09\/07\/asse-eine-strahlende-zukunft-fuer-wolfenbuettel\/","title":{"rendered":"Asse \u2013 eine strahlende Zukunft f\u00fcr Wolfenb\u00fcttel"},"content":{"rendered":"\n<p>Bereits mehrfach an dieser Stelle habe ich \u00fcber die Gefahr der Atom-strom-Produktion informiert! Einige Schlagworte zur Wiederholung: Erdbeben, Terrorismus, Kernschmelze, marode Meiler, \u2026 &#8211; ja und selbst-verst\u00e4ndlich auch der Atomm\u00fcll. Dennoch fordern immer mehr die R\u00fcckkehr zum Atomstrom! Mit Ausnahme von letzterem Schlagwort m\u00f6chte ich mich in diesem heutigen Blog nicht mehr \u00fcber diese Risken auslassen!<\/p>\n\n\n\n<p>Die meisten unter Ihnen werden sich noch an die umstrittenen Castor-Transporte erinnern. Atomm\u00fcll, der in den Wiederaufbereitungsanlagen von La Hague\/Frankreich bzw. Sellafield\/Grossbritannien auf seine Heim-reise wartete, aber auch in Ahaus oder Gorleben zwischengelagert wurde. Insgesamt 1.900 Castor-Beh\u00e4lter mit hoch-radioaktivem Material. Nach wie vor gibt es keine L\u00f6sung f\u00fcr ein Endlager, in dem die Problemstoffe ohne Gefahr f\u00fcr Mensch, Tier und Umwelt die weiteren Jahrtausende hin-weg friedlich vor sich hinstrahlen k\u00f6nnen! Also lagert das Zeug&#8217;s noch in Erdl\u00f6chern, die grossteils gar nicht daf\u00fcr vorgesehen sind und zu grossen Problemen f\u00fchren k\u00f6nnen: Ehemalige Kohle- oder Salzbergwerke etwa. So beispielsweise auch im marodeb Atomm\u00fclllager Asse II in Remlingen\/Niedersachsen. Die Schachtanlage wurde bereits 1965 durch die Bundes-republik Deutschland um 600.000 D-Mark gekauft um dort die End-lagerung des M\u00fclls zu erforschen! Tats\u00e4chlich diente zwischen 1967 und 1978 das ehemalige Kali-Bergwerk als blo\u00dfe Lagerst\u00e4tte f\u00fcr Abf\u00e4lle aus 13 Atomkraftwerken, Versuchsreaktoren, Krankenh\u00e4usern und Labora-torien! 1978 stoppte der damalige nieders\u00e4chsische Ministerpr\u00e4sident Ernst Albrecht das Treiben unter Tage, da er ein nicht genehmigtes Endlager bef\u00fcrchtete und damit durchaus richtig lag. Zuerst wurden die F\u00e4sser mit dem gef\u00e4hrlichen Inhalt hochkant gestapelt, sp\u00e4ter flach, da angeblich dadurch die Strahlung geringer sein sollte. Der wirkliche Grund: Es passte mehr rein und die Lagerung kam dadurch g\u00fcnstiger! Damals sprach man von einer Strahlung, die nicht st\u00e4rker als jene eines Fernseher sein sollte. Gegen Ende der Lagerst\u00e4tte wurden allerdings die F\u00e4sser nurmehr abgekippt und Salz da\u00fcber verteilt, was durchaus zu Sch\u00e4den der F\u00e4sser f\u00fchrte.<\/p>\n\n\n\n<p>Schon in den 1960ern dr\u00fcckte schon Wasser in die Stollen des Bergwerks \u2013 das wurde jedoch gegen\u00fcber der \u00d6ffentlichkeit verschwiegen. Erst 1988 erfolgte die Information der Bev\u00f6lkerung, dass inzwischen der Wasser-einbruch zugenommen habe. Ein Horror \u2013 betrachtet man sich die Aus-ma\u00dfe des Lagers: Inzwischen lagern dort in 131 Abbaukammern 126.000 F\u00e4sser mit schwach- bis mittelradioaktiven Abf\u00e4llen (104 to Uran, 81 to Thorium, 29 kg Plutonium), nicht mehr zugelassene Pestizide und Arsen (500 kg).<\/p>\n\n\n\n<p>Immer wieder kam es zu Protesten von B\u00fcrgerinitiativen (wie etwa der \u201eWolfenb\u00fctteler Atomausstiegsgruppe (WAAG)\u201c, die dieses Lager nicht haben wollten oder darauf pochten, dass zumindest ein Vier-Kilometer-Abstand eingehalten werden sollte. Berechnungen ergaben, dass bei-spielsweise bei einem Brandereignis im Lager die Werte der radioaktiv kontaminierten Luft ab dieser Entfernung abnehmen w\u00fcrden. Asse II-Mitarbeiter wurden durch die aufgebrachten Demonstranten sogar verbal und handgreiflich attackiert \u2013 teilweise mussten Pfarrer als ruhestiftende Vermittler einschreiten, obgleich sie ja selbst zu den Besorgten geh\u00f6ren. Nicht zuletzt aufgrund dieser st\u00e4ndigen Protesten wollte der Betreiber, das Helmholtz-Zentrum M\u00fcnchen, die Kammern mit Beton fluten und das Lager schliessen. Als 2009 das Bundesamt f\u00fcr Strahlenschutz (BfS) Betreiber der Lagerst\u00e4tte wurde, keimte zumindest ein Funken Hoffnung auf, dass all die Bedenken nun der Vergangenheit angeh\u00f6ren sollten.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor ein paar Jahren ist der Worst Case eingetreten \u2013 nicht durch Feuer sondern vielmehr durch eintretendes Salzwasser: 2019 waren es in ca. 500 m Tiefe rund 12.000 Liter pro Tag! \u00dcber lange Zeit hinweg konnte der Eintritt nicht lokalisiert werden. Das Wasser wurde durch Folien abgefangen und \u00fcber Rohre in andere Sch\u00e4chte des Bergwerks umge-leitet. Problematischer allerdings sind Wassereintritte in 750 m Tiefe \u2013 sie haben unmittelbaren Kontakt mit dem Nuklearm\u00fcll. T\u00e4glich sind dies rund 20 l! Ein komplettes Absaufen des Lagers konnte nicht ausge-schlossen werden. Dies geschah in dieser Region schon \u00f6fters \u2013 etwa in Hedwigsburg, wo ein oberirdischer See entstand. Dieses Szenario w\u00e4re auf Asse fatal: Ein radioaktiver oberirdischer See, der das komplette Grundwasser verseucht. Das BfS sah als einzige L\u00f6sung die R\u00fcckholung des Atomm\u00fclls.<\/p>\n\n\n\n<p>Heutiger Betreiber ist das Bundesamt f\u00fcr Endlagerung (BGE), ein von der Politik beauftragtes Bundesunternehmen, das nur begrenzt entschei-dungsbefugt ist. Mitte 2020 stellte das BGE das R\u00fcckholungskonzept vor: Die ober- oder unterirdische Lagerst\u00e4tte der neu verpackten F\u00e4sser sollte bei Asse bleiben, allerdings um 750 m wegverschoben werden.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201e<strong>Die Entscheidung ist gefallen: Das Zwischenlager kommt auf die Asse! Egal was die Region dazu meint.\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>(Jochen Flasbarth, Staatssekret\u00e4r im Bundesministerium f\u00fcr Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit)<\/p>\n\n\n\n<p>Die R\u00fcckholung gestaltet sich jedoch als sehr schwierig. Es m\u00fcsse ein weiterer Schacht in die Tiefe gebohrt werden, damit die F\u00e4sser sicher und in grosser Menge geborgen werden k\u00f6nnen. Dies k\u00f6nne durchaus noch 14 Jahre dauern, heisst es bei der BGE.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr nahezu ausgeschlossen bezeichnete schon 2012 der fr\u00fchere Vor-sitzende der Entsorgungskommission des Bundes, Michael Sailer, die Bergung des strahlenden Abfalls:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eDie R\u00fcckholung entwickelt sich immer mehr zur ,Mission Impossible\u2018!\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Er schlug Dichtbarrieren vor den Lagerkammern und eine Auff\u00fcllung mit Feststoffen vor.<\/p>\n\n\n\n<p>Der nieders\u00e4chsische Umweltminister Olaf Lies reagierte auf die Vor-w\u00fcrfe, wonach die Arbeiten zu langsam vonstatten gehen w\u00fcrden, dass pro Jahr 100 Mio \u20ac daf\u00fcr ausgegeben w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber auch ohne Wasser bleibt keine Zeit mehr. \u00dcber ein rund 30 m langes Bohrloch wurden Messf\u00fchler und eine Kamera in Kammer 7 eingef\u00fchrt. Dort konnte man sehen, dass F\u00e4sser nur durch den Druck unter Tage bereits kaputt gingen und der gef\u00e4hrliche Inhalt ausgetreten ist, da die Erdschichten in dieser Tiefe arbeiten und sich stets ver\u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit etwa 2023 \u00fcbrigens fliessen rund 13.500 Liter pro Tag ein, die 1997 ausgelegte Auffangfolie auf 658 m ist undicht geworden \u2013 das Wasser versickert. Der Wassereintritt auf 725 m stieg von 0,8 auf 3 Kubikmeter (gemessen im April 2024) \u2013 25 m tiefer \u2013 in den Lagerkammern &#8211; sei noch kein weiterer Wasseranstieg bemerkt worden!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eDie Vorf\u00e4lle zeigen, dass die R\u00fcckholung der radioaktiven Abf\u00e4lle beschleunigt werden muss.\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>(Der nieders\u00e4chsische Umweltminister Christian Meyer von den Gr\u00fcnen)<\/p>\n\n\n\n<p>Vonseiten der BGR wird betont, dass die bereits installierten und arbeitenden Pumpen auch einen Wassereintritt von 500 Kubikmetern pro Tag verarbeiten k\u00f6nnten. Das aber muss vorher aufgesammelt werden. Sollten noch gr\u00f6ssere Mengen einfliessen, m\u00fcsste das Bergwerk kontrolliert geflutet werden, damit es nicht in sich selbst zusammen-bricht. Dies br\u00e4chte dann ebenfalls das Grundwasser in Kontakt mit dem radioaktiv verseuchten Wasser.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach zwei Szenarien k\u00f6nnte die Suche nach einem Endlager f\u00fcr den deutschen Atomm\u00fcll noch bis 2046 oder gar 2068 andauern. Bis zu dieser Endlagerung werden die Gesamtkosten (R\u00fcckbau der AKWs, Transport und Lagerung der Abf\u00e4lle) rund 48,8 Milliarden \u20ac ausmachen. Das in einen Fonds der AKW-Betreiber 2017 \u00fcberwiesene Geld f\u00fcr diese Massnahmen bel\u00e4uft sich jedoch auf nur 24 Milliarden!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Links:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li><a href=\"http:\/\/www.bge.de\/\">www.bge.de<\/a><\/li><li>www.endlagersuche-infoplattform.de<\/li><\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bereits mehrfach an dieser Stelle habe ich \u00fcber die Gefahr der Atom-strom-Produktion informiert! 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