
{"id":11085,"date":"2024-10-19T09:16:01","date_gmt":"2024-10-19T07:16:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/?p=11085"},"modified":"2024-10-19T09:16:01","modified_gmt":"2024-10-19T07:16:01","slug":"suedamerika-brennt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/index.php\/2024\/10\/19\/suedamerika-brennt\/","title":{"rendered":"S\u00fcdamerika brennt!"},"content":{"rendered":"\n<p>Es ist ein mehr als trauriges Bild, das ich dieser Tage entdeckte:<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Mann kniet in Riberalta, einer Stadt im Norden Boliviens, weinend auf dem abgebrannten Feld vor seinem ebenfalls brennenden Haus. Sein Lebenswerk \u2013 ein Raub der Flammen!<\/p>\n\n\n\n<p>Wahrhaft keine guten Nachrichten, die uns in den letzten Wochen aus S\u00fcdamerika erreichten: Tausende Feuer loderten und lodern nach wie vor auf dem lateinamerikanischen Kontinent. Millionen Hektar sind bereits niedergebrannt, viele mehr werden folgen! Ursache Nummer 1 sind nach wie vor Brandstiftungen!<\/p>\n\n\n\n<p>Beginnen wir am besten \u2013 na klar \u2013 in Brasilien! Im Bundesstaat S\u00e3o Paulo im S\u00fcdosten des Landes w\u00fcteten alleine im vergangenen August 3.480 registrierte Feuer (mehr als doppelt so viele wie im ganzen Jahr zuvor) \u2013 in 45 Gemeinden wurde der Notstand ausgerufen, mehr als 15.000 hauptamtliche und freiwillige Feuerwehrleute standen im Einsatz. Beim Kampf gegen die Flammen starben auch mehrere Menschen. Bislang (Stand: Ende August) gab es zwei Festnahmen wegen Brandstiftung. In Brasilien ist die Lage besonders fatal: Seit Wochen herrscht im ganzen Land eine Extrem-D\u00fcrre, von der rund 60 % des Landes betroffen ist. Dem Einen oder Anderen werden die Bilder des ausgetrockneten Amazonas-Gebietes aufgefallen sein.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eDies ist das erste Mal, dass sich eine D\u00fcrre vom Norden bis in den S\u00fcdosten des Landes erstreckt!\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>(Ana Paula Cunha, Forscherin am Nationalen Zentrum f\u00fcr die \u00dcber-wachung und Fr\u00fchwarnung von Naturkatastrophen)<\/p>\n\n\n\n<p>Die Trockenzeit dauert in Brasilien normalerweise von August bis Okto-ber. Doch haben Wissenschaftler der World Weather Attribution (WWA) errechnet, dass bereits der Juni der \u201etrockenste, heisseste und windigste\u201c Monat des Landes seit dem Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1979 war.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben dem Bundesstaat S\u00e3o Paulo traf es auch die Hochebene vom Cerrado und das Feuchtgebiet Pantanal. Der Cerrado gilt als \u201eWiege des Wassers\u201c. Viele der grossen Fl\u00fcsse S\u00fcdamerikas entspringen hier. W\u00e4hrend die Feuer im Amazonasgebiet seit dem Beginn der Regierung da Silvas zur\u00fcckgingen, nahmen sie am Cerrado zu. Das Feuchtgebiet Panta-nal liegt zwischen dem Amazonas und S\u00e3o Paulo, ist das gr\u00f6sste und artenreichste Binnen-Feuchtgebiet der Erde, zirka halb so gross wie Deutschland. Alleine im Juni verbranten dort 6.000 Quadratkilometer. Die Experten des WWA warnten aufgrund der vorliegenden Daten im August, dass die Regenf\u00e4lle dort in den letzten 40 Jahren kontinuierlich zur\u00fcckgegangen und die Br\u00e4nde um rund 40 % intensiver ausgefallen sind. Nach Berechnungen des Naturschutz\u00f6kologen Carlos Peres von der University of East Anglia in Gro\u00dfbritannien erlitt das \u00d6kosystem des Pantanal einen R\u00fcckgang der Wasserfl\u00e4che um 61 % im Vergleich zum historischen Durchschnitt von 1985 \u2013 dies jedoch alleine im Jahr 2023! Im Jahr 2020 zerst\u00f6rte schon ein riesiger Brand rund ein Drittel Pantanals \u2013 nach Sch\u00e4tzungen starben 17 Millionen Wirbeltiere in den Flammen. Auch dieses Feuer wurde gelegt! In der ersten H\u00e4lfte des Septembers kamen im Amazonas-Gebiet noch weitere mehr als 20.000 Waldbr\u00e4nde hinzu. Verst\u00e4rkung vonseiten der Regierung kam im Juni \u2013 zu dem Zeitpunkt aber waren die Br\u00e4nde bereits ausser Kontrolle. Pr\u00e4sident Luiz Inacio Lula da Silva k\u00fcndigte die Einrichtung einer neuen Beh\u00f6rde an, die sich mit extremen Klimarisiken befassen und L\u00f6sungen liefern soll. Zuvor wurde die Regierung durch den Obersten Gerichtshof aufgefordert, Massnahmen zu setzen. Die Grossstadt S\u00e3o Paulo traf es mit extremem Smok.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eBis vor etwa 25 Jahren brannten die W\u00e4lder im Amazonasgebiet nicht, selbst wenn sie auf Sandb\u00f6den und saisonal trockenen Gebieten lagen, es sei denn, es gab irgendeine Art von St\u00f6rung durch den Menschen, wie z.B. Holzgewinnung. Aber das hat sich ge\u00e4ndert.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>(Carlos Peres, University of East Anglia\/GB)<\/p>\n\n\n\n<p>Werden nun Br\u00e4nde in einem ohnedies schon ausged\u00fcrrtem Gebiet gelegt, so hat dies meist fatale Folgen. In Europa ist dies seit Jahren v.a. aus Griechenland, aber auch aus Portugal und Spanien bekannt. Und das ist leider nach wie vor der Fall. Es gilt auch f\u00fcr die nachfolgenden Bei-spiele der anderen L\u00e4nder: Wurde der Wald gerodet, werden Feuer gelegt, um die Fl\u00e4chen von den Baumst\u00fcmpfen zu befreien, damit das Land als Acker, Plantage oder Weideland genutzt werden kann, bis es komplett ausgelaugt ist (dauert rund 2 Jahre). Und \u2013 dass mit dem Amazonas nicht nur die gr\u00fcne Lunge unseres Plantene stirbt, weiss Luciana Gatti vom brasilianischen Institut f\u00fcr Weltraumforschung:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eWir beschleunigen den Klimakollaps. Der verbleibende Wald ist nicht mehr derselbe; es ist, als w\u00e4re der Amazonas krank.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Sie stellte mit ihrem Team fest, dass die Abholzung wesentlich mehr zur Temperaturerh\u00f6hung im Amazonasgebiet beitr\u00e4gt, als der Klimawandel selbst. Logisch \u2013 denn: Wo keine B\u00e4ume, da auch kein Schatten, da auch kein Wasserspeicher, da in Folge staubtrocken! Zur Erkl\u00e4rung: jeder Regenwald ist ein Biotop. Dort dient nicht nur der Boden als Wasser-speicher, sondern die B\u00e4ume und anderen Pflanzen geben auch Wasser \u00fcber die Bl\u00e4tter ab (Evotranspiration). Das sorgt f\u00fcr eine hohe Luft-feuchtigkeit \u2013 es regnet \u00f6fters. Peres betont, dass jeder Waldbrand bessere Bedingungen f\u00fcr den n\u00e4chsten bringt!<\/p>\n\n\n\n<p>Nach Bolivien: Vornehmlich in der \u00f6stlichen Region Santa Cruz w\u00fcteten im Naturschutzgebiet Valle de Tucabaca 85.500 Br\u00e4nde. Sie vernichteten nach Angaben des Nationalen Instituts f\u00fcr Agrarreform (Inra) eine Fl\u00e4che von mehr als 10 Millionen Hektar \u2013 das ist mehr als die Landesfl\u00e4che von Portugal. Schon im Vorjahr vernichteten Feuer rund 6,3 Millionen Hektar \u2013 60 % W\u00e4lder und 40 % Weiden. La Paz spricht von der schlimmsten Umweltkatastrophe in der Geschichte des Landes. Das Land hat den nationalen Katastrophenzustand ausgerufen und um internationale Hilfe gebeten. Auch dort sind die Ursachen der Klimawandel, Brandstifter und auch \u201eEl Ni\u00f1o\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>In Argentinien ist Ende September haupts\u00e4chlich die Region Cord\u00f3ba betroffen. 700 Feuerwehrleute standen im Einsatz. Auch hier wurden die Br\u00e4nde gelegt \u2013 f\u00fcr 2 Personen klickten die Handschellen. Die Flammen kennen dabei keinen Unterschied zwischen Wald, Plantage, Feld oder Dorf.<\/p>\n\n\n\n<p>Ecuador \u2013 Flammen tobten Ende September in der Hauptstadt Quito. Sie wurden offenbar am Stadtrand gelegt und frassen sich durch die Stadt. 100 Familien mussten in Sicherheit gebracht werden. Auch in Ecuador ist es staubtrocken! Pr\u00e4sident Noboa versprach auf X, dass die Brandstifter wegen Terrorismus vor Gericht gestellt werden, sofern es sich um Vorsatz handelte.<\/p>\n\n\n\n<p>Chile \u2013 schon im Februar forderten Waldbr\u00e4nde mehr als 50 Todesopfer \u2013 \u00fcber 21.000 Hektar waren davon betroffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Durch diese verheerenden Br\u00e4nde werden nicht nur wichtige Sauerstoff-produzenten zerst\u00f6rt \u2013 auch der CO2-Ausstoss befindet sich in diesem Jahr auf Rekordniveau. Um aufzuzeigen, um welche Ausma\u00dfe es geht &#8211; im Februar meldete der Atmosph\u00e4ren\u00fcberwachungsdienst von Coper-nicus diese Emissionen f\u00fcr das Jahr 2023: Brasilien 4,1 Megatonnen CO2, Venezuela 5,2 Megatonnen, Bolivien 0,3. Im Vergleich dazu die Zahlen vom Februar 2003: 3,1 in Brasilien, 4,3 in Venezuela und 0,08 in Bolivien. Das ganze Ausma\u00df der Br\u00e4nde ist auf Satellitenbildern erkennbar. Auf-genommen durch den NASA-Satelliten DSCOVR verdecken grosse Rauch-wolken Teile Ecuadors, Perus, Boliviens, Brasiliens und auch Paraguays!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Links:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li><a href=\"http:\/\/www.wri.org\/insights\/global-trends-forest-fires\">www.wri.org\/insights\/global-trends-forest-fires<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.unep.org\/\">www.unep.org<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.worldweatherattribution.org\/\">www.worldweatherattribution.org\/<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.sospantanal.org.br\/\">www.sospantanal.org.br\/<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.fundaciontierraiberica.org\/\">www.fundaciontierraiberica.org\/<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.gov.br\/inpe\/\">www.gov.br\/inpe\/<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.uea.ac.uk\/\">www.uea.ac.uk\/<\/a><\/li><\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist ein mehr als trauriges Bild, das ich dieser Tage entdeckte: Ein Mann kniet in Riberalta, einer Stadt im Norden Boliviens, weinend auf dem abgebrannten Feld vor seinem ebenfalls brennenden Haus. 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