
{"id":11145,"date":"2024-11-09T09:57:58","date_gmt":"2024-11-09T07:57:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/?p=11145"},"modified":"2024-11-09T09:57:58","modified_gmt":"2024-11-09T07:57:58","slug":"sport-steigert-die-hirnleistung-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/index.php\/2024\/11\/09\/sport-steigert-die-hirnleistung-2\/","title":{"rendered":"Sport steigert die Hirnleistung"},"content":{"rendered":"\n<p>Als ich noch jeden Tag meine 12 Kilometer runterspulte, dachte ich w\u00e4hrend des Laufens zumeist an gar nichts, f\u00fchlte mich jedoch danach auch geistig fit wie ein Turnschuh. Zurecht, gilt es inzwischen als erwiesen, da\u00df sich Sport sehr positiv auf die Leistungen unseres Gehirns auswirkt. Vielleicht mit Ausnahme des Boxens oder zu vieler Kopfb\u00e4llen! Neueste Studien haben gar ergeben, da\u00df die k\u00f6rperliche Bet\u00e4tigung (insbesondere das Ausdauer- oder Cardiotraining) gegen Demenz sch\u00fctzen kann indem das sehr komplexe Zusammenspiel h\u00e4modyna-mischer, neurohumoraler und neurometabolischer Ver\u00e4nderungen positiv beeinflusst wird, wodurch das Gehirn plastischer, adaptiver und effi-zienter wird (siehe hierzu die SMART-Studie der Goethe- Universit\u00e4t Frankfurt zur Cholinkonzentration im Gehirn). Sehr schlechte Nachrichten also f\u00fcr Couch-Potatoes \u2013 doch die haben das soeben gelesene ohnedies bereits schon wieder vergessen.<br>Die beiden Mediziner Hans-J\u00fcrgen Grabe und Katharina Mittfeld von der Universit\u00e4t Greifswald entdeckten bei Ihren Versuchen, je besser die k\u00f6rperliche Fitness ist, desto gr\u00f6sser war das Hirnvolumen der von Ihnen untersuchten Studienteilnehmer. Alsdann kann daraus geschlossen werden, da\u00df in einem sportlich durchtrainierten K\u00f6rper der altersbedingte Abbau der Hirnmasse verlangsamt wird. Das Gehirn ist also ges\u00fcnder! Insgesamt untersuchten sie nicht weniger als 2.103 Personen zwischen 21 und 84 Jahren. Bei diesen wurde zuerst die maximale Sauerstoff-aufnahme pro Minute unter H\u00f6chstbelastung gemessen (Fahrradergo-meter). Dies gab Auskunft \u00fcber die Fitness der Probanden. Daneben wurde mit Hilfe der Magnetresonanztomographie die Gr\u00f6sse des Gehirns sowie der grauen und wei\u00dfen Hirnsubstanz im Speziellen gemessen. Die graue Substanz enth\u00e4lt die Axone der Nervenzellen, also ihre Zellk\u00f6rper, w\u00e4hrend die Neuriten und Dendriten, also die Zellforts\u00e4tze, in der wei\u00dfen Substanz zu finden sind. Experten nun schlie\u00dfen daraus, da\u00df in einem sportlichen K\u00f6rper mit h\u00e4ufiger k\u00f6rperlicher H\u00f6chstbelastung nicht nur der K\u00f6rper von der vermehrten Sauerstoffaufnahme profitiert, sondern auch das Gehirn. Zudem erh\u00e4lt es bei besserer Durchblutung mehr Energiestoffe mitgeliefert. Allerdings ist diese These noch nicht wissen-schaftlich untermauert. Interessant jedoch scheint in diesem Zusammen-hang das Wandeln der Philosophen im Altertum. Egal ob Sokrates oder Aristoteles bei den Griechen, Seneca bzw. Cicero bei den R\u00f6mern: Sie philosophierten zumeist im Gehen, da sie der \u00dcberzeugung waren, die Bewegung halte die Gedanken im Fluss! Diese Meinung vertritt alsdann Jennifer Raymond von der kalifornischen Stanford University: Menschen, die ein Problem zu l\u00f6sen haben oder angestrengt nachdenken m\u00fcssen, erledigen dies zumeist im Gehen.<br>Etwas genauer wird der Zusammenhang an der Sporthochschule in K\u00f6ln erforscht. Stefan Schneider vom Institut f\u00fcr Bewegungs- und Neuro-wissenschaft erkl\u00e4rt dieses Ph\u00e4nomen wie folgt: Bei k\u00f6rperlicher Bewegung wird im Gehirn der motorische Kortex aktiviert, w\u00e4hrend gleichzeitig der pr\u00e4frontale Kortex (ein Teil des Frontallappens der Grosshirnrinde) heruntergefahren wird. Ersterer steuert und koordiniert die Bewegungsabl\u00e4ufe im K\u00f6rper, w\u00e4hrend zweiterer f\u00fcr das logische Denken und Planen zust\u00e4ndig ist.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eMan kann sich das wie bei einem Reset eines Computers vorstellen, dessen Arbeitsspeicher \u00fcberlastet ist!\u201c<\/em><br>(Apl-Prof. Dr. Dr. Stefan Schneider , DSHS K\u00f6ln)<\/p>\n\n\n\n<p>Danach l\u00e4uft nicht nur der PC wieder besser, sondern auch das menschliche Gehirn. F\u00fcr seine Untersuchungen verwendete Schneider EEG-Messger\u00e4te und Infrarot-Sensoren, um durch diese Gehirnstr\u00f6me und die Durchblutung des Gehirns festzustellen. Diese These wird alsdann von Arne Dietrich von der American University of Beirut best\u00e4tigt.<br>Depressionsforscher (etwa der Jacobs University Bremen) gehen gar noch einen Schritt weiter, indem sie dem Sport eine \u00e4hnliche Wirkung zuschreiben wie den Antidepressiva. Sie entdeckten bei Patienten mit einer rezidivierenden Depression (F33), also wiederholten depressiven Sch\u00fcben, einen starken Gewebeschwund (Atrophie) spezieller Hirn-strukturen im Hippocampus und dem pr\u00e4frontalen dorsolateralen Kortex. Zur\u00fcckgef\u00fchrt wird dies auf die Abnahme von Nervenwachstumsfaktoren (Neurotrophine wie das Eiwei\u00df BDNF) und damit auch der neuronalen Konnektivit\u00e4t (\u201eNeurotrophin-Hypothese\u201c). Derartige Neurotrophine sorgen f\u00fcr neue Verbindungen zwischen bestehenden Nervenzellen. Ausl\u00f6ser f\u00fcr einen R\u00fcckgang ist zumeist negativer Stress. Sport bzw. Bewegung ganz allgemein bauen ein erh\u00f6htes Stressniveau ab und f\u00fchren zu einer Zunahme von Neurotrophinen. Bei Probanden mit einem hohen BDNF-Gehalt im Blut ist der Hippocampus wesentlich gr\u00f6sser. Diese Neurotrophin-Hypothese best\u00e4tigte etwa der Psychologe Kirk Erickson von der University of Pittsburgh im Jahre 2010, der ebenfalls die Gr\u00f6sse des Hippocampus mit Hilfe eines Kernspintomographen gemessen hatte. Aus diesem Grunde wird immer mehr die Bewegung in die Depressions-therapie eingebaut.<br>Allerdings \u2013 und damit wieder zur\u00fcck zum Sport-Neurologen Schneider aus K\u00f6ln \u2013 muss die Sportart Spass machen und die Belastungsintensit\u00e4t direkt auf die jeweilige Person abgestimmt sein. Dauert beispielsweise eine starke Ausdauerbelastung \u00fcber mehr als ein bis zwei Stunden an, k\u00f6nnen sich durch das Anschwellen der Vorh\u00f6fe und der rechten Herz-kammer im Herzmuskel feine Risse bilden. Schliesslich pumpt das Herz bei starker Belastung bis zu siebenmal mehr Blut durch den K\u00f6rper als im Ruhezustand. Wird dem K\u00f6rper nun keine Ruhephase geg\u00f6nnt, damit diese Risse selbst ausheilen k\u00f6nnen, so kommt es durch Gewebesch\u00e4den und Verh\u00e4rtungen zu einem chronischen Herzleiden, das mit Herz-rhythmusst\u00f6rungen bzw. dem pl\u00f6tzlichen Herztod enden kann. Deshalb sind zumeist 30-40 Minuten Ausdauersport vollends ausreichend. Die Studienteilnehmer Schneiders konnten sich bis zu 30 Minuten nach dem Sport wesentlich besser konzentrieren. Schneider selbst meint gar, bei ihm wirke dies noch mehrere Stunden nach.<br>Zu \u00e4hnlichen Ergebnissen gelangten die Experten der Universit\u00e4t Ulm rund um die Neurowissenschaftlerin Sanna Stroth. Sie testeten 80 Personen im Alter von 17 bis 47 auf deren Konzentrationsf\u00e4higkeit, das Ged\u00e4chtnis sowie das r\u00e4umliche Vorstellungsverm\u00f6gen. Die Test-Gruppe musste \u00fcber vier Monate hinweg jeweils dreimal die Woche Ausdauersport, die Kontroll-Gruppe keinen Sport betreiben. W\u00e4hrend sich der Sport nicht auf das Ged\u00e4chtnis auswirkte, zeigte die Sportgruppe jedoch deutliche Verbesserungen in den beiden anderen Untersuchungs-bereichen. Die Studienleiter erkl\u00e4ren sich dies einerseits mit der Reset-Theorie Schneiders, andererseits jedoch mit dem menschlichen Hormon-haushalt. St\u00e4ndige Bewegung verlangsame den Abbau des Botenstoffes Dopamin, der f\u00fcr entscheidende Prozesse im pr\u00e4frontalen Kortex ben\u00f6tigt wird. Zudem gilt Dopamin als Stimmungsaufheller (\u201eGl\u00fccks-hormon\u201c). Sinkt der Dopamin-Spiegel, so lassen viele geistige F\u00e4higkeiten nach \u2013 etwa die Konzentration oder die Aufmerksamkeit. Allerdings ist diese Dopamin-These ebenso noch nicht wissenschaftlich best\u00e4tigt worden. Eine Studie der Colombia University New York gelangte hingegen zum selben Ergebnis.<br>Sport ist somit nicht nur f\u00fcr den K\u00f6rper, sondern auch f\u00fcr den Geist durchaus gesund. Allerdings neigt der Mensch zum \u201eDelay discounting\u201c, also dem Abwerten zeitlich verz\u00f6gerter Belohnungen. Soll heissen, wir ziehen kurzzeitige Gen\u00fcsse den l\u00e4ngerfristigen vor \u2013 der innere Schweinehund geh\u00f6rt dazu! F\u00fcr das Planen und abstrakte Denken ist der pr\u00e4frontale Kortex zust\u00e4ndig, f\u00fcr die kurzzeitigen Gen\u00fcsse hingegen das limbische System. Gewinnt stets das limbische System, so werden diese Denkmuster zur Gewohnheit. Hier herauszukommen kostet weitaus mehr Energie und \u00dcberwindung. Wer also regelm\u00e4ssig Sport betreibt, wird nicht nach den unterschiedlichsten Ausreden suchen, die n\u00e4chste Laufrunde auszulassen. Deshalb ist es auch derma\u00dfen wichtig, dass die gew\u00e4hlte Sportart Freude bereitet. Denn: Spass macht, was unsere Bed\u00fcrfnisse befriedigt! Ein immens wichtiger Teil der Sportpsychologie \u2013 das erspart Ihnen den Kauf vieler teurer Ratgeber!<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eOft reicht es schon, sich selbst eine Backpfeife zu verpassen oder \u201aLos jetzt!\u2018 zu rufen, um sich zu aktivieren.\u201c<\/em><br>(Jens Kleinert, Sportpsychologe an der DSHS)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lesetipps:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>.) Die Ver\u00e4nderung psychischer Zust\u00e4nde, Stimmungen und Dispositionen durch sportliche Aktivit\u00e4t; M. Gomer; Verlag Harri Deutsch 1995<br>.) Effects of aerobic exercise on brain metabolism and grey matter volume in older adults: results of the randomised controlled SMART trial; Matura S\/ Fleckenstein J\/Deichmann R\/Engeroff T\/Fuzeki E\/Hattingen E et al; Transl Psychiatry 2017<br>.) Cardiovascular fitness, cortical-plasticity, and aging; Colcombe SJ\/Kramer AF\/Erickson KI\/Scalf P\/McAuley E\/Cohen NJ et al; Proc Natl Acad Sci USA 2004<br>.) Exercise training increases size of hippocampus and improves memory; Erickson KI\/Voss MW\/Prakash RS\/Basak C\/Szabo A\/Chaddock L et al; Proc Natl Acad Sci USA 2011<br>.) SMART: physical activity and cerebral metabolism in older people: study protocol for a randomised controlled trial; Fleckenstein J\/Matura S\/Engeroff T\/Fuzeki E\/Tesky VA\/Pilatus U et al; Trials 2015<br>.) Comparison of the peak exercise response measured by the ramp and 1-min step cycle exercise protocols in patients with exertional dyspnea; Revill SM\/Beck KE\/Morgan MD; Chest 2002<br>.) Auswirkungen des Sporttreibens auf Selbstkonzept und psychisches Wohlbefinden; Metzenthin, S.\/Tischhauser, K.; Gesellschaft zur F\u00f6rderung der Sportwissenschaften an der ETH Z\u00fcrich 1996<br>.) Einf\u00fchrung in die Sportpsychologie; Hrsg.: H. Gabler\/J.R. Nitsch\/R. Singer; Hofmann 2004<br>.) Handbuch Gesundheitssport (2. vollst. neu bearb. Aufl.); Jtsg.: K. B\u00f6s &amp; W. Brehm; Hof mann 2007<br>.) Physical activity and psychological well-being; Hrsg.: Boutcher; Routledge. Thelwell, R.C., Lane, A.M., &amp; Weston 2007<br>.) Training in der Therapie. Grundlagen und Praxis (3. Aufl.); I. Frob\u00f6se\/G. Nellessen-Martens\/C. Wilke; Urban &amp; Fischer 2005<br>.) Zum Stellenwert von Sport in der Behandlung psychischer Erkrankungen; Broocks, A.\/Meyer, T.\/George, A.\/Pekrun, G.\/Hillmer-Vogel, U.\/Hajak, G.\/Bandelow, B.\/R\u00fcther, E.; Psychotherapie, Psychosomatik, Medizinische Psychologie 1997<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Links:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u2013 www.uni-frankfurt.de<br>\u2013 www.uni-greifswald.de<br>\u2013 www.stanford.edu<br>\u2013 www.dshs-koeln.de<br>\u2013 www.aub.edu.lb<br>\u2013 www.uni-ulm.de<br>\u2013 www.columbia.edu<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als ich noch jeden Tag meine 12 Kilometer runterspulte, dachte ich w\u00e4hrend des Laufens zumeist an gar nichts, f\u00fchlte mich jedoch danach auch geistig fit wie ein Turnschuh. 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