
{"id":11477,"date":"2025-02-08T11:31:34","date_gmt":"2025-02-08T09:31:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/?p=11477"},"modified":"2025-02-08T11:31:34","modified_gmt":"2025-02-08T09:31:34","slug":"ist-georgien-ein-teil-russlands","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/index.php\/2025\/02\/08\/ist-georgien-ein-teil-russlands\/","title":{"rendered":"Ist Georgien ein Teil Russlands?"},"content":{"rendered":"\n<p>\u00c4hnlich wie derzeit in Deutschland und \u00d6sterreich wird auch in Georgien nahezu t\u00e4glich demonstriert! Allerdings unter anderen Vorzeichen. W\u00e4h-rend die Menschen in Deutschland und \u00d6sterreich gegen den steigenden Einfluss von rechts in der Politik auf die Strasse gehen, machen dies die Georgier gegen eine bereits bestehende Regierung. Sie wurde zwar gew\u00e4hlt &#8211; allerdings bescheingten ausl\u00e4ndische Wahlbeobachter eine starke Einflussnahme Russlands bei diesem Urnengang. Doch hierzu mehr etwas sp\u00e4ter.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Geschichte Georgiens geht bis in die Steinzeit zur\u00fcck. Im Ort Dmanissi wurde 1992 durch die deutsche Arch\u00e4ologin Antje Justus aus Mainz ein Sch\u00e4del gefunden, der die Geschichte des Homo erectus auf dem europ\u00e4ischen Kontinent offenbar zu seinem Ursprung f\u00fchrt. M\u00f6glicherweise wurde Europa vor 1,85 Mio Jahren von den aus Afrika stammenden Menschen \u00fcber Georgien bev\u00f6lkert. K\u00f6nig David schuf die erste staatliche Einheit, bis zur Regentschaft von K\u00f6nigin Tamar im 13. Jahrhundert erlebte Georgien mit dem sog. \u201eGoldenen Jahrhundert\u201c seine Bl\u00fctezeit. Danach zerfiel es in viele Kleinstaaten. Es folgte sp\u00e4ter eine abwechselnde Regentschaft der Osmanen und Perser. Zar Alexander I. schickte 1722 Truppen und eroberte den Nordkaukasus. 1786 begann der russisch-t\u00fcrkische Krieg, 1801wurde Georgien in das Zarenreich eingegliedert.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Ende des 1. Weltkrieges erkl\u00e4rte sich Georgien f\u00fcr unabh\u00e4ngig. Dies wurde auch von den kommunistischen Machthabern in Moskau vor-erst anerkannt \u2013 allerdings nur f\u00fcr drei Jahre. W\u00e4hrend der Bolsche-wistischen Oktoberrevolution wurde das Land in die Sowjetunion einge-gliedert. Zwischen 1930 und 1950 erfolgten die stalinistischen S\u00e4uberungsaktionen \u2013 rund 30.000 Georgier fielen diesen zum Opfer oder verschwanden in Gulags.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahr 1990 schliesslich erfolgte die n\u00e4chste Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung. Der Regierung unter Swuad Gamsachurdia gelang es jedoch nicht, eine staatliche Einheit zu bilden. Sein Nachfolger Eduard Schewardnadse schuf eine Autokratie. Er wurde 2004 durch den von vielen hochgelobten Hoffnungstr\u00e4ger Micheil Saakaschwili abgel\u00f6st. Schewardnadse erhielt zum Abschied Rosen \u2013 daher auch die Bezeichnung der \u201eRosen-revolution\u201c. Doch auch Saakaschwili schuf eine Autokratie. 2008 schliess-lich revoltierten die Provinzen Abchasien und S\u00fcdostessetien &#8211; es kam zu einem milit\u00e4rischen Konflikt, der nach wie vor andauert. Das \u00f6ster-reichische Aussenministerium gibt f\u00fcr diese Regionen ein \u201eHohes Sicher-heitsrisiko\u201c (Sicherheitsstufe 3) aus und warnt vor Reisen. In diesem Zusammenhang griff Russland Georgien aus der Luft, am Boden und \u00fcber das Schwarze Meer aus an \u2013 ein klarer Verstoss gegen das V\u00f6lkerrecht. Der Kreml erkannte zudem die abtr\u00fcnnigen Provinzen als unabh\u00e4ngige Staaten an. Dies f\u00fchrte zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Tiflis und Moskau. Zwischen 2012 (mit dem Ende der zweiten Amtszeit von Saakaschwili) und 2024 folgten insgesamt drei Minister-pr\u00e4sidenten (Bidsina Iwanischwili, Georgi Margwelaschwili und zwei Perioden lang Irakli Gharibaschwili). Letzterer trat am 29. Januar 2024 zur\u00fcck \u2013 sein Nachfolger wurde Irakli Kobachidse.<\/p>\n\n\n\n<p>Im M\u00e4rz 2022 stellte Georgien angesichts des russischen Einmarsches in die Ukraine den Antrag auf einen Beitritt zur EU! Seit der Unabh\u00e4ngig-keitserkl\u00e4rung 1990 n\u00e4herte sich zudem das Land der NATO an und wurde in den Europarat aufgenommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun zu den Demonstrationen: In der Nacht vom 22. auf den 23. November 2003 gingen rund 100.000 Menschen auf die Strasse, um gegen einen Wahlbetrug von Eduard Schewardnadse zu demonstrieren. Dies zeigte Wirkung \u2013 Schewardnadse wurde ab-, Surab Schwania von der Parlamentspr\u00e4sidentin Burdschanadse als interimistischer Regierungschef eingesetzt. Die folgenden Wahlen gewann Saakaschwili. Auch gegen ihn begannen die Proteste anno 2007. Zu Beginn des Jahres 2023 schliesslich starteten die Demonstrationen gegen die Regierungspartei \u201eGeorgischer Traum\u201c aufgrund der geplanten Einf\u00fchrung eines Registers f\u00fcr \u201eausl\u00e4ndische Agenten\u201c (als Vorbild diente dabei das russische Gesetz \u00fcber ausl\u00e4ndische Agenten. Am 11. Mai demonstrierten erneut Zehn-tausende in Tiflis gegen das Gesetz, das aber trotzdem drei Tage sp\u00e4ter durch das Parlament beschlossen wurde. Staatspr\u00e4sidentin Salome Surabischwili k\u00fcndigte an, dieses nicht unterzeichnen zu wollen und setzte einen Hilferuf gen Westen ab. Trotzdem trat das Gesetz im Juni desselben Jahres in Kraft \u2013 eine Mehrheit im Parlament wies das Veto der Staatspr\u00e4sidentin zur\u00fcck. Am 26. Oktober 2024 ging Kobachidse als eindeutiger Sieger hervor. Ihm wird jedoch Wahlbetrug und eine massive Einflussnahme Russlands in die Wahl vorgeworfen. Russlands Kriegs-treiber Putin hatte vor den Wahlen ganz offen damit gedroht, erneut gegen Georgien vorgehen zu wollen, wenn nicht der prorussische Kandidat gew\u00e4hlt w\u00fcrde. Seither gehen nahezu jeden Tag tausende Menschen auf die Strasse. Als die Regierung im November des letzten Jahres ank\u00fcndigte, die Beitrittsverhandlungen zur EU bis 2028 aussetzen zu wollen, wurden es von Tag zu Tag mehr. Nach Umfragen bef\u00fcrworten bis zu 80 % der Georgier diesen Beitritt. Die Regierung geht seither mit schwer bewaffneten Polizisten, Wasserwerfern und illegalen Schl\u00e4ger-trupps brutal gegen die Protestierenden vor.<\/p>\n\n\n\n<p>Den Demonstranten fehlen die Stimmen! Anf\u00fchrer, die Strukturen in die Demonstrationen bringen. Sobald sich allerdings jemand zu laut zu Wort meldet, wird er verhaftet. Eine dieser lauter werdenden Stimmen war die Gr\u00fcnderin der unabh\u00e4ngigen Zeitung \u201eBatumelebi\u201c und des Online-Portals Netgazeti, Msia Amaghlobeli. Als sie am 11. Januar des Jahres ein Plakat aufh\u00e4ngen wollte, wurde sie festgenommen, wenig sp\u00e4ter jedoch wieder auf freien Fu\u00dfe gesetzt. Als sie w\u00e4hrend einer Protestaktion erneut verhaftet wurde, ohrfeigte sie in der Polizeiwache den Polizeichef von Batumi, Irakli Dgebuadze. Ihr bl\u00fcht nun eine Haftstrafe von vier bis sieben Jahren. 14 europ\u00e4ische Staaten haben bereits \u00fcber ihre Bot-schaften ihre Freilassung gefordert.<\/p>\n\n\n\n<p>Inzwischen gehen die S\u00e4uberungen in der staatlichen Verwaltung weiter. Tiflis bezeichnet sie offiziell als \u201eReorganisation\u201c &#8211; allerdings werden interessanterweise nur jene entlassen, die sich kritisch \u00e4ussern oder eine Petition gegen die Aussetzung des EU-Beitritts unterzeichnet haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Es liegt also sehr viel im Argen in Georgien!<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lesetipps:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>.) Georgien zwischen Eigenstaatlichkeit und russischer Okkupation. Die Wurzeln des Konflikts vom 18. Jahrhundert bis 1924; Philipp Ammon; Klostermann 2019<\/p>\n\n\n\n<p>.) Georgien: Nationale Opposition und kommunistische Herrschaft seit 1956; J\u00fcrgen Gerber; Nomos 1997<\/p>\n\n\n\n<p>.) A History of Georgia; Nodar Lomouri; Sarangi Publishers 1993<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Links:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; <a href=\"https:\/\/www.bmeia.gv.at\/reise-services\/reiseinformation\/land\/georgien\/\">www.bmeia.gv.at<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; <a href=\"https:\/\/www.auswaertiges-amt.de\/de\/service\/laender\/georgien-node\/steckbrief-201822?openAccordionId=item-201928-0-panel\">www.auswaertiges-amt.de<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; <a href=\"https:\/\/tiflis.diplo.de\/\">tiflis.diplo.de\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/\">www.bpb.de\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; <a href=\"https:\/\/www.goethe.de\/ins\/ge\/de\/index.html\">www.goethe.de<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; <a href=\"https:\/\/osteuropa.lpb-bw.de\/georgien-geschichte\">osteuropa.lpb-bw.de<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; <a href=\"https:\/\/www.daad.de\/de\/laenderinformationen\/europa\/georgien\/\">www.daad.de<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; <a href=\"https:\/\/www.giz.de\/de\/weltweit\/359.html\">www.giz.de<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; <a href=\"https:\/\/www.fes.de\/referat-osteuropa\/team-kontakt\">www.fes.de<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; <a href=\"https:\/\/www.kas.de\/de\/web\/suedkaukasus\">www.kas.de<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; <a href=\"https:\/\/ge.boell.org\/en\">ge.boell.org<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; <a href=\"https:\/\/www.freiheit.org\/de\/suedkaukasus\">www.freiheit.org<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00c4hnlich wie derzeit in Deutschland und \u00d6sterreich wird auch in Georgien nahezu t\u00e4glich demonstriert! 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