
{"id":11562,"date":"2025-03-08T09:53:25","date_gmt":"2025-03-08T07:53:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/?p=11562"},"modified":"2025-03-08T09:53:25","modified_gmt":"2025-03-08T07:53:25","slug":"das-maerchen-von-der-gleichberechtigung-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/index.php\/2025\/03\/08\/das-maerchen-von-der-gleichberechtigung-2\/","title":{"rendered":"Das M\u00e4rchen von der Gleichberechtigung"},"content":{"rendered":"\n<p>Der 08. M\u00e4rz wird allj\u00e4hrlich als \u201cInternationaler Weltfrauentag\u201d gefeiert! Leider ist er heute wichtiger denn je \u2013 doch dazu gleich mehr.<\/p>\n\n\n\n<p>1908 in den USA eingef\u00fchrt, setzte er sich schon recht bald weltweit durch. Urspr\u00fcnglich am 19. M\u00e4rz, wurde er sp\u00e4ter auf den 08.03. vorverlegt. Dieser Tag soll an die Ungleichheit und Gewalt gegen Frauen erinnern und die Gleichberechtigung der Geschlechter einfordern. Eigentlich besch\u00e4mend, heisst es doch in den meisten demokratischen Verfassungen, dass alle Menschen gleich sind \u2013 nicht nur vor dem Gesetz. Das war und ist nicht \u00fcberall der Fall \u2013 auch bei uns nicht. Frauen-rechtlerinnen (und nicht nur diese!) k\u00e4mpfen nach wie vor um die Gleich-stellung. Ein Blick zur\u00fcck in die Geschichte:<\/p>\n\n\n\n<p>Erst 1918 wurde in \u00d6sterreich das allgemeine Wahlrecht f\u00fcr Frauen eingef\u00fchrt, in deutschen Landen zu Beginn des Jahres 1919. In Neuseeland, Australien und Finnland etwa war es zu diesem Zeitpunkt bereits selbstverst\u00e4ndlich \u2013 in Neuseeland beispielsweise seit 1893! Die Schweiz war naturgem\u00e4ss etwas langsamer \u2013 1971 bundesweit, in einigen Kantonen sogar noch sp\u00e4ter. So bedurfte es eines Bundesgerichts-entscheides, dass Frauen im Kanton Innerrhoden-Appenzell ab 1990 zur Wahlurne schreiten durften \u2013 entgegen eines Mehrheitsentscheides der M\u00e4nner.<\/p>\n\n\n\n<p>In Mitteleuropa wurde seither viel erreicht, doch bewegt sich die Politik leider wieder zur\u00fcck. So fordern die vielen Rechtsaussen-Parteien die R\u00fcckkehr der Frauen an den heimischen Herd. Nichtsdestotrotz \u2013 wirtschaftlich und finanziell muss noch vieles getan werden. Dies zeigt der Global Gender Gap-Report des Weltwirtschaftsforums jedes Jahr von neuem auf. In dieser Studie werden die Unterschiede im Einkommen f\u00fcr die gleiche Arbeit zwischen Mann und Frau in 150 L\u00e4ndern dieser Erde dargestellt (Verdienstabstand &#8211; \u201cGender Pay Gap\u201d). Nach Angaben der Statistik Austria verdienten im Jahre 2023 Frauen in der Privatwirtschaft im Alpenland um 18,3 % pro Stunde brutto weniger als ihre m\u00e4nnlichen Arbeitskollegen. Gottlob verringert sich dies: So waren es 2013 noch 4 % mehr. In Deutschland belief sich dieser Gender Pay Gap 2024 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes auf 16 % (auch hier ein Minus von 2 % gegen\u00fcber des Vorjahres). In der Schweiz waren es nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 2022 9,5 %. Ein paar Vergleiche aus der EU (ebenfalls aus dem Jahr 2022!):<\/p>\n\n\n\n<p>Lettland 19 %<\/p>\n\n\n\n<p>Rum\u00e4nien 4 %<\/p>\n\n\n\n<p>Italien 2 %<\/p>\n\n\n\n<p>An diese ungleichen Einkommensverh\u00e4ltnisse soll auch der \u201cEqual Pay Day\u201d (EPD) hinweisen. In Deutschland heuer am 07. M\u00e4rz, in \u00d6sterreich am 25. Februar \u2013 allerdings von Bundesland zu Bundesland unterschied-lich: In Wien etwa am 16. Januar, in Vorarlberg am 14. M\u00e4rz. Doch was bedeutet dieser ganz besondere Tag, der inzwischen in nahezu jedem Land der westlichen Hemisph\u00e4re als Mahndatum gelten soll? In \u00d6sterreich gar zweimal \u2013 in der islamischen Welt hingegen undenkbar!<\/p>\n\n\n\n<p>Der \u201eEqual Pay Day\u201c ist in diesem Falle jener Tag, bis zu dem Frauen statistisch gesehen im Vergleich zu ihren m\u00e4nnlichen Kollegen kostenlos arbeiten. Es gibt auch eine Herbstversion \u2013 hier lautet dies: Ab dem Frauen kostenlos bis Jahresende ihrem Brotjob nachgehen. M\u00e4nner haben also nach wie vor mehr Geld auf dem Lohnzettel stehen als ihre Kolleginnen mit vergleichbarer Qualifikation in vergleichbaren Jobs! Hallo? Wir schreiben das Jahr 2025!!!<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Missstand ist auch als \u201eGeschlechter-Gehaltsschere\u201c bekannt. Der EU-Indikator lag 2023 bei 12 %!<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/eurostat\/statistics-explained\/index.php?title=Gender_pay_gap_statistics\">https:\/\/ec.europa.eu\/eurostat\/statistics-explained\/index.php?title=Gender_pay_gap_statistics<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Eine Schande f\u00fcr reiche Industriestaaten, die eigentlich diesen Gleich-heitsgrundsatz jeweils in der Verfassung\/dem Grundgesetz verankert haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass gar nichts getan wird, stimmt nicht: Es wird zu wenig und zu lang-sam f\u00fcr gleiche Bezahlung unternommen!<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201cLohndiskriminierung ist ungerecht und schw\u00e4cht unsere Gesellschaft als Ganze. \u0086Lohngleichheit zwischen Frauen und M\u00e4nnern ist ein zentrales Verfassungsversprechen, das es endlich einzul\u00f6sen gilt.\u201d<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>(Alain Berset, Generalsekret\u00e4r des Europarates)<\/p>\n\n\n\n<p>Der Equal Pay Day wurde bereits 1966 in den USA eingef\u00fchrt; organisiert durch das \u201eNational Committee on Pay Equity\u201c (NCPE), dem unter-schiedliche Frauenorganisationen, die Gewerkschaften uvam. angeh\u00f6ren. Der Hintergrund: Damit sollte, drei Jahre nach dem Beschluss der Gleich-behandlung durch die US-Regierung, auf die ungerechte Ungleich-behandlung der Frauen, insbesondere aber der afro-amerikanischen Frauen hingewiesen werden. Auf dem europ\u00e4ischen Kontinent waren 3.800 Frauen im belgischen Herstal die ersten: Sie legten am 16. Februar 1966 ohne Vorwarnung die Arbeit nieder. Eigentlich sollte der Streik nur einen Tag lang dauern \u2013 daraus wurden aber 12 Wochen. 2007 folgte Deutschland mit der \u201cRed Purse Campaign\u201d nach Vorbild der USA, wonach mit roten Taschen auf die Ungleichbehandlung am Arbeitsplatz hingewiesen werden sollte, ein Jahr sp\u00e4ter kam der EPD. Die Eidgenossen setzten ihn erstmals 2009 fest \u2013 dort trat am 01. Juli 2020 ein Gesetz zur besseren Durchsetzung der Lohngleichheit in Kraft. In \u00d6sterreich wurde der Equal Pay Day erstmals im Jahr 2010 berechnet (ein Jahr sp\u00e4ter auf Initiative der EU-Kommission in Europa) \u2013 damals lag er beim 29. September, 2022 beim 30. Oktober \u2013 2024 beim 01. November. Diese auf der nationalen Einkommensdifferenz berechnete Zahl wird vom Jahr abgezogen \u2013 ob hinten oder vorne ist eigentlich gleichg\u00fcltig. Hinten jedoch erweckt einen sensibleren Eindruck! Am 06. Juni 2023 trat eine neue EU-Richtlinie in Kraft, die bis 2026 derartige Lohnunterschiede transparenter machen und damit abschaffen soll. Definiert werden alsdann \u201cgleiche\u201d und \u201cgleichwertige\u201d Arbeit. Enthalten ist zudem die Pflicht zu Einkommensberichten (auch in kleineren Unternehmen) und eine Aufschl\u00fcsselung der durchschnittlichen Geh\u00e4lter. Arbeitnehmer-Vertretungen fordern die sofortige Umsetzung der Richtlinie \u2013 nicht so eilig hingegen haben es naturgem\u00e4ss die Arbeitgeber.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ursachen f\u00fcr diese Ungleichbehandlung sind vielf\u00e4ltig: Frauen leisten mehr unbezahlte Arbeit als M\u00e4nner (Haushalt, Kindererziehung, Ehrenamt,&#8230;), haben zumeist eine geringf\u00fcgige oder Teilzeit-Besch\u00e4ftigung (\u201cCare-Besch\u00e4ftigung\u201d f\u00fcr die Familie), arbeiten oftmals in Niedriglohn-Branchen, haben schlechtere Aufstiegschancen, erhalten tats\u00e4chlich ein geringeres Gehalt, \u2026!<\/p>\n\n\n\n<p>Was kann veranlasst werden? Neben dem Meinungswechsel der Chefs bedarf es auch eines Ausbaus von Kinderbetreuungs-Einrichtungen, Ganztags-Schulen etc., sodass Frauen nach der Karrenz wieder in&#8217;s Berufsleben einsteigen bzw. Vollzeit arbeiten k\u00f6nnen. Die Handhabung der letzten Jahrzehnte f\u00fchrt automatisch im letzten Lebensabschnitt vieler Frauen zur Altersarmut. Davon sind vor allem alleinstehende Frauen betroffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Den verantwortlichen Sozialpolitikern der DACH-L\u00e4nder sei deshalb etwa Island an&#8217;s Herz gelegt: Verpflichtende Papa-Karenz, Wochenends- und Nacht-Kitas (f\u00fcr die Schichtarbeiter) und nahezu gleiches Gehalt bei gleicher Arbeit f\u00fcr Frau und Mann per Gesetz. Island lag \u00fcbrigens 2024 im EU-Gehaltsscheren-Vergleich bei 9 %.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch neben diesen wirtschaftlichen Unterschieden sollte man sich nicht nur am Weltfrauentag vor allem \u00fcber die Themen Femizide und Gender-Medizin Gedanken machen. Der 08. M\u00e4rz ist also nicht wirklich ein \u201cFeiertag\u201d, sondern vielmehr ein \u201cMahntag\u201d!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lesetipps:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>.) Gender Pay Gap &#8211; Vom Wert und Unwert von Arbeit in Geschichte und Gegenwart; Hrsg.: Rainer Fattmann; Dietz 2023<\/p>\n\n\n\n<p>.) Arbeit, Entlohnung und Gleichstellung in der Privatwirtschaft; Hrsg.: Hans-B\u00f6ckler-Stiftung; edition Sigma 2010<\/p>\n\n\n\n<p>.) Frauen auf dem Sprung. Wie junge Frauen heute leben wollen. Die Brigitte-Studie; Pantheon 2009<\/p>\n\n\n\n<p>.) Sieben Jahre Equal Pay Day &#8211; Eine Forderung wird zur Kampagne; Hrsg.: BPW Germany; BWV Berliner Wissenschafts-Verlag 2015<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Links:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li><a href=\"http:\/\/www.equalpayday.de\/\">www.equalpayday.de<\/a><\/li><li>equal-pay-day.at<\/li><li><a href=\"http:\/\/www.bmfsfj.de\/\">www.bmfsfj.de<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.bundeskanzleramt.gv.at\/frauenserviceportal.html\">www.bundeskanzleramt.gv.at\/frauenserviceportal<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.antidiskriminierungsstelle.de\/\">www.antidiskriminierungsstelle.de<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.oecd.org\/gender\/\">www.oecd.org\/gender\/<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.destatis.de\/\">www.destatis.de<\/a><\/li><\/ul>\n\n\n\n<ul><li><a href=\"http:\/\/www.bpb.de\/\">www.bpb.de<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.diw.de\/\">www.diw.de<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.wsi.de\/\">www.wsi.de<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.bpw.ch\/\">www.bpw.ch<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.bpw-europe.org\/\">www.bpw-europe.org\/<\/a><\/li><li>eige.europa.eu<\/li><li>europainfo.at<\/li><\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der 08. 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