
{"id":11583,"date":"2025-03-22T07:45:30","date_gmt":"2025-03-22T05:45:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/?p=11583"},"modified":"2025-03-22T07:45:30","modified_gmt":"2025-03-22T05:45:30","slug":"pollenallergie-ein-leben-wie-im-schlaf","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/index.php\/2025\/03\/22\/pollenallergie-ein-leben-wie-im-schlaf\/","title":{"rendered":"Pollenallergie &#8211; ein Leben wie im Schlaf"},"content":{"rendered":"\n<p>Vor zwei Wochen hatte ich die bislang schwersten Tage dieses Jahres zu \u00fcberstehen. Der Grund: Der Flug der Birkenpollen! Rote tr\u00e4nende Augen, rinnende Nase, Niesattacken und st\u00e4ndiger Husten aufgrund eines kratzenden Halses &#8211; nicht gerade sehr erquickend in der sch\u00f6nsten Zeit des Jahres, wenn die Natur in all ihrer Sch\u00f6nheit erwacht. Dabei hatte ich als Kind keinerlei Probleme damit &#8211; kam erst mit einem gewissen Alter. Doch warnen Forscher davor, die allergische Rhinitis nicht ernst zu nehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Erwiesen ist etwa bereits der Umstand, dass Allergiker in der Schule oder bei der Arbeit mit einem Leistungseinbruch rechnen m\u00fcssen (Schlaf-losigkeit mit Tagesm\u00fcdigkeit, verminderte Konzentration- und Lern-f\u00e4higkeit). Daneben ist inzwischen auch klar, dass sich Asthma bronchiale, das durch eine Pollenallergie ausgel\u00f6st wird, zu einer chronischen Erkrankung mit Atemnot entwickeln kann (bei rund 50 % der Heuschnupfen-Erkrankten innerhalb von f\u00fcnf bis 15 Jahren). Zudem k\u00f6nnen sich die Nasennebenh\u00f6hlen entz\u00fcnden und ein chronischer Husten entstehen. Auch ein anaphylaktischer Schock kann nicht ausge-schlossen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 24. Juli 1906 ver\u00f6ffentlichte Clemens von Pirquet, ein Arzt aus Wien, einen Artikel in der M\u00fcnchner Medizinischen Wochenschrift. Er beschrieb darin als erster das Krankheitsbild, das er als \u201eAllergie\u201c bezeichnete. Heute z\u00e4hlt die Pollenallergie, ebenso wie etwa die Neurodermitis, zu den \u201eatopischen Erkrankungen\u201c. Die Allergieneigung wird vererbt, wobei Schadstoffe in der Luft die Heftigkeit der Erkrankung verst\u00e4rken k\u00f6nnen. Nach Sch\u00e4tzungen der \u201eEurop\u00e4ischen Stiftung f\u00fcr Allergieforschung\u201c (ECARF) leiden mehr als 30 % der europ\u00e4ischen Bev\u00f6lkerung an einer Pollenallergie (20 Mio in Deutschland, in \u00d6sterreich rund 16 %). Tendenz: Steigend! Der dadurch verursachte volkswirtschaftliche Schaden bel\u00e4uft sich auf rund 100 Milliarden \u20ac.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Heuschnupfen ist eine Abwehrmassnahme des K\u00f6rpers auf Pollen, die entweder durch den Wind oder Insekten in der Luft verbreitet werden. Dabei k\u00f6nnen sie \u00fcber hunderte Kilometer hinweg verfrachtet werden. Vor allem Getreide- und Gr\u00e4serpollen, aber auch Birken-, Hasel- und Erlenpollen machen dabei im Fr\u00fchjahr so manchem Menschen das Leben erdenklich schwerer &#8211; im Herbst ist es vornehmlich Ragweed (Wilder Hanf). Diese Unkrautart gedeiht zwar nicht in Deutschland oder \u00d6ster-reich, da sie mehrere lange W\u00e4rmeperioden ben\u00f6tigt, die Pollen werden jedoch aus den USA importiert oder gelangen durch den Wind in\u2019s Land. W\u00e4hrend Gr\u00e4ser f\u00fcr etwa acht Pollen pro Kubikmeter Luft verantwortlich sind, k\u00f6nnen es bei Ragweed bis zu 156 sein! Doch auch das Beifu\u00df-bl\u00e4ttrige Traubenkraut k\u00f6nnte nach einer Studie aus dem Jahr 2016 (erschienen in \u201eEnvironmental Health Perspektiven\u201c) zum gro\u00dfen Problem werden &#8211; die Zahl der Betroffenen k\u00f6nnte alleine in Europa von damals 33 auf etwa 77 Millionen steigen &#8211; vor allem in L\u00e4ndern wie Deutschland, Frankreich und Polen.<\/p>\n\n\n\n<p>An sich ungef\u00e4hrlich, unterscheidet jedoch der K\u00f6rper zwischen gef\u00e4hr-lichen Krankheitserregern und diesen Pollen nicht und f\u00e4hrt deshalb das Immunsystem mit all seinen Erscheinungsmassnahmen hoch um den Eindringling abzuwehren. Verantwortlich daf\u00fcr zeichnen Eiwei\u00dfe an der Oberfl\u00e4che der Pollen (Allergene). Auch Erreger wie Viren bestehen aus Eiwei\u00dfen, weshalb der K\u00f6rper mit der Produktion von Antik\u00f6rpern reagiert. Diese wiederum regen die sog. \u201eMastzellen\u201c in den Schleim-h\u00e4uten an, Entz\u00fcndungsstoffe wie Histamin freizusetzen. Das f\u00fchrt zum Anschwellten, der R\u00f6tung und dem Juckreiz der Schleimh\u00e4ute.<\/p>\n\n\n\n<p>Sehr problematisch sind sog. \u201eKreuzallergien\u201c, bei welchen der Betroffene auf Pollen und dadurch auch auf verschiedene Nahrungsmittel immu-nologisch reagiert. Birkenpollen-Allergiker k\u00f6nnen somit ebenfalls auf \u00c4pfeln, Kirschen, Haseln\u00fcssen und Pfirsichen reagieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Um den Heuschnupfen von einem Infekt (Erk\u00e4ltung) zu unterscheiden, sollte das Nasensekret genau begutachtet werden. Bei der Erk\u00e4ltung zeigt sich dieses gelblich, w\u00e4hrend es beim Heuschnupfen klar und w\u00e4ssrig ist. Die Allergie gegen die Ausscheidungen der Hausstaubmilbe hingegen f\u00fchren vornehmlich zur Verengung der Atemwege (\u201eObstruktion\u201c).<\/p>\n\n\n\n<p>In der Behandlung gilt die Drei-S\u00e4ulen-Therapie:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Vermeiden der Allergieausl\u00f6ser<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Medikamente wie Antihistaminika zur Linderung der Symptome<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Immuntherapie zur Hypo- oder Desensibilisierung<\/p>\n\n\n\n<p>Durch die Therapie kann das Risiko auf Asthma bronchiale (\u201eEtagen-wechsel\u201c von den oberen Atemwegen in die Lunge) auf 10-20 % gesenkt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Allerdings erleichtern auch einige selbst durchgef\u00fchrte Massnahmen das Leben etwas:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Aufenthalt im Freien an Tagen mit starkem Pollenflug meiden &#8211; \u0086Besonders gut sind Spazierg\u00e4nge nach kr\u00e4ftigem Regen<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Rasen kurz halten &#8211; \u0086Stets vor seiner Bl\u00fcte m\u00e4hen.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Pflanzen Sie Lippenbl\u00fctler wie Lavendel oder Salbei an &#8211; \u0086Sie besitzen im Vergleich zur Birke oder der Haselnuss keine oder nahezu keine Pollen<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Fenster (auch im Auto) zum L\u00fcften nur an belastungsarmen Tagen \u00f6ffnen &#8211; \u0086Ein Pollenfilter kann ansonsten helfen<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Gewaschene W\u00e4sche nicht im Garten zum Trocknen aufh\u00e4ngen &#8211; \u0086Die Pollen bleiben an der noch feuchten W\u00e4sche kleben und werden so in\u2019s Haus getragen<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Sonnenbrillen &#8211; \u0086Viele der Pollen landen im Auge. Hier sortiert keine Schleimhaut vor, sie prallen direkt auf die Bindehaut und verursachen dadurch eine allergische Bindehautentz\u00fcndung<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; T\u00e4gliche Dusche und Haarewaschen &#8211; \u0086Auch dabei geht es darum, die anhaftenden Pollen los zu werden &#8211; vor allem vor dem Schlafengehen<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Getragene Bekleidung nicht im Schlafzimmer lagern<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; H\u00f6ren Sie mit dem Rauchen auf &#8211; \u0086Rauchen verschlechtert den Zustand der Schleimh\u00e4ute im Mund- und Rachenbereich bzw. der Nase<\/p>\n\n\n\n<p>Ab einer Seeh\u00f6he von 1.500 m bzw. am Meer fliegen die wenigsten Pollen. Gl\u00fccklich also jene Menschen, die ihren Urlaub w\u00e4hrend der drei Bl\u00fcteperioden dort verbringen k\u00f6nnen:<\/p>\n\n\n\n<p>.) Bl\u00fcteperiode 1<\/p>\n\n\n\n<p>Zwischen Februar bis April bl\u00fchen vornehmlich die B\u00e4ume. Dabei dauert die l\u00e4stige Birkenperiode von Mitte M\u00e4rz bis Mitte April an.<\/p>\n\n\n\n<p>.) Bl\u00fcteperiode 1<\/p>\n\n\n\n<p>Zwischen Februar bis April bl\u00fchen vornehmlich die B\u00e4ume. Dabei dauert die l\u00e4stige Birkenperiode von Mitte M\u00e4rz bis Mitte April an.<\/p>\n\n\n\n<p>.) Bl\u00fcteperiode 2<\/p>\n\n\n\n<p>Zwischen Mai und Juli bl\u00fchen haupts\u00e4chlich die Gr\u00e4ser und das Getreide &#8211; beide sind botanisch miteinander verwandt<\/p>\n\n\n\n<p>.) Bl\u00fcteperiode 3<\/p>\n\n\n\n<p>Zwischen Juli und September bl\u00fchen die Kr\u00e4uter, wie auch Beifu\u00df und Ragweed<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Anamnese durch den Arzt ist ein gef\u00fchrtes Allergie-Tagebuch sehr hilfreich. Notieren Sie dabei die Symptome (Art, Dauer und Schwere), die Ern\u00e4hrung und etwaige Umwelteinfl\u00fcsse. Dadurch l\u00e4sst sich unter Herbeiziehung des Pollenflugkalenders das Allergen auch ohne Allergie-test erkennen. Dieser ist bei einer \u00e4rztlichen Diagnose hingegen unab-dingbar. Er setzt sich aus sog. \u201eProvokationstests\u201c sowie der Abnahme von Blut zusammen. So weisen beispielsweise Allergiker einen erh\u00f6hten Immunglobinwert (IgE) auf, ein spezieller Antik\u00f6rper, der zur Bek\u00e4mpfung der Allergene gebildet wird. Beim Provokationstest (Hauttests wie etwa der Pricktest) werden L\u00f6sungsmittel mit den entsprechenden Allergenen auf die Haut getr\u00f6pfelt und mit einer Nadel in diese eingeritzt. Durch die R\u00f6tung der Haut oder einer Quaddelbildung l\u00e4sst sich das entsprechende Allergen ausfindig machen.<\/p>\n\n\n\n<p>In der anschliessenden \u201eHyposensibilisierung\u201c (auch \u201eSpezifische Immun-therapie\u201c SIT) wird dem K\u00f6rper eine st\u00e4ndig steigende Dosis des Aller-gens verabreicht, sodass sich dieser langsam daran gew\u00f6hnt und mit keiner starken immunologischen Abwehr reagiert. Nur diese Massnahme bek\u00e4mpft die tats\u00e4chliche Ursache. Die Therapie wirkt meist f\u00fcr rund 11 Jahre.<\/p>\n\n\n\n<p>\u0086Medikament\u00f6s werden alsdann nur die Symptome, nicht jedoch die Ursache selbst behandelt. So helfen Antihistaminika oder Mastzell-stabilisatoren gegen die Produktion des Histamins. Die k\u00f6nnen als Tabletten, Nasensprays oder auch Augentropfen eingef\u00fchrt werde. Mittel gegen die Anschwellungen, wie Sympathomimetika oder Glukokortikoide, sollten hingegen nur f\u00fcr einen kurzen Zeitraum verwendet werden, da sie etwa die Nasenschleimh\u00e4ute sch\u00e4digen oder zu Diabetes mellitus f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Bleiben Sie gesund!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ACHTUNG:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dieser Text dient nicht der Selbstbehandlung. Bei Heuschnupfen sollte auf jeden Fall der Hausarzt hinzugezogen werden!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lesetipps:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>.) Angewandte Allergologie; Johannes Ring; MMV Medizin Verlag 2003<\/p>\n\n\n\n<p>.) Pollenallergie erkennen und lindern; Katharina Bastl, Uwe E. Berger; Manz 2015<\/p>\n\n\n\n<p> .) Das Anti-Heuschnupfen Protokoll: Anleitung zur Ern\u00e4hrungsum-stellung, Darmsanierung und Entgiftung: F\u00fcr ein Leben ohne Pollen-allergie, Allergie Tabletten und Nasenspray; Christian Kollitsch;\u200e Independently published 2018<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Links:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>dgaki.de<\/li><li><a href=\"http:\/\/www.oegai.org\/\">www.oegai.org<\/a><\/li><li>ssai.ch<\/li><li><a href=\"http:\/\/www.kepleruniklinikum.at\/\">www.kepleruniklinikum.at<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.daab.de\/\">www.daab.de<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.gpau.de\/\">www.gpau.de<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.bioeg.de\/\">www.bioeg.de<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.umweltbundesamt.de\/\">www.umweltbundesamt.de<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.pollenwarndienst.at\/\">www.pollenwarndienst.at<\/a><\/li><\/ul>\n\n\n\n<ul><li><a href=\"http:\/\/www.pollenstiftung.de\/\">www.pollenstiftung.de<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.pollenundallergie.ch\/\">www.pollenundallergie.ch<\/a><\/li><\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor zwei Wochen hatte ich die bislang schwersten Tage dieses Jahres zu \u00fcberstehen. 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