
{"id":11682,"date":"2025-04-19T07:16:27","date_gmt":"2025-04-19T05:16:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/?p=11682"},"modified":"2025-04-19T07:16:27","modified_gmt":"2025-04-19T05:16:27","slug":"die-arktis-das-geht-uns-alle-an","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/index.php\/2025\/04\/19\/die-arktis-das-geht-uns-alle-an\/","title":{"rendered":"<strong>Die Arktis &#8211; das geht uns alle an<\/strong>"},"content":{"rendered":"\n<p>Der Arktis kommt im internationalen Klimawandel eine ganz entschei-dende Bedeutung zu. Nicht nur, da\u00df hier Milliarden Hektoliter Wasser als Eis gebunden sind, die bei einem Schmelzen den Meeresspiegel ganz ordentlich ansteigen lassen. Nein &#8211; es ist auch der Golfstrom, der vom arktischen Meer abh\u00e4ngt. Dieser bef\u00f6rdert das warme Wasser aus den Tropen in Richtung Norden. Dort k\u00fchlt es sich ab und wird in tieferen Wasserschichten wieder in s\u00fcdlicher Richtung zur\u00fcckgef\u00fchrt. Von diesem Kreislauf h\u00e4ngt das komplette Klima Westeuropas aber auch der \u00f6stlichen USA und Kanadas ab. Versagt der Strom, so wird dies entscheidende Auswirkungen auf das Leben beiderseits des Atlantiks haben. So gab es beispielsweise im Februar 2018 einige wirklich polarkalte Tage in Europa, w\u00e4hrend des n\u00e4chtens im Norden Gr\u00f6nlands gar 6 Grad gemessen wurden &#8211; plus 6 Grad Celsius! Ein Szenario, das uns \u00f6fters drohen wird.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"NASA-Video schockt: Arktisches Eis schmilzt rasant\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/chm8-o3lGr8?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Arktis war zuletzt vor rund 3 Millionen Jahren eisfrei. Immer mehr Studien &#8211; wie etwa auch die bereits an dieser Stelle beschriebene Polarstern-Studie &#8211; weisen allerdings nach, da\u00df die Temperaturen in der Arktis schneller steigen, als an anderen Orten des Globusses. Dies f\u00fchrt nicht nur zu einem sehr raschen Schmelzen der Gletscher, sondern auch der Polkappen und ihres Schelf- und Packeises,\u2026, also des Eises im Wasser. Dieses jedoch hat das Sonnenlicht bislang wesentlich besser reflektiert als das dunkle Meerwasser. Dort, wo somit kein Eisschild mehr das Wasser sch\u00fctzt, wird auch mehr Infrarotstrahlung und damit Sonnen-energie aufgenommen. Aufgrund der Diffusion steigt damit die Wassertemperatur im Ganzen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201e<em>Die Arktis erw\u00e4rmt sich noch viel schneller als der Rest der Welt. Sie ist sozusagen das Epizentrum der globalen Erw\u00e4rmung, mit Erw\u00e4rmungsraten, die mindestens beim Doppelten des globalen Erw\u00e4rmungswerts liegen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>(Markus Rex, Alfred-Wegener-Institut f\u00fcr Polar- und Meeresforschung und Prof. an der Universit\u00e4t Potsdam)<\/p>\n\n\n\n<p>Aber auch die UV-Strahlung spielt eine wichtige Rolle. So hat eine Studie von Lewis et al aufgezeigt, da\u00df zwischen 1998 und 2018 der Phyto-planktongehalt im arktischen Meer um nicht weniger als 57 % zunahm. Ob dies nun positiv oder negativ zu bewerten ist, dar\u00fcber scheiden sich noch die intellektuellen Geister.<\/p>\n\n\n\n<p>Phytoplankton besteht vornehmlich aus Algen. Es steht am Beginn der Nahrungskette, da es neben Kleintieren auch den Fischen und Riesen der Ozeane, den Walen, als Nahrung dient. Man k\u00f6nnte alsdann davon ausgehen, da\u00df bei einem Anstieg der Phytoplanktonkonzentration dies auch den h\u00f6heren Tieren zugute k\u00e4me. Zudem besitzen die meisten Algen Chlorophyll &#8211; sie verarbeiten somit im Rahmen der Photosynthese Kohlendioxid zu Sauerstoff. Ein enorm wichtiges Plus, schliesslich taut immer mehr des Permafrost-Bodens auf, wodurch grosse Mengen an Methan und CO2 freigesetzt werden. Messungen in mehr als 10 m Tiefe ergaben alleine in den Jahren von 2007 bis 2016 einen Tempera-turanstieg von durchschnittlich 0,3 Grad (in Sibirien gar um 1 Grad). Auch im Meer! Mehr Algen bedeutet somit ein Gegengewicht zum Treibhaus-effekt &#8211; zumindest f\u00fcr das harmlosere CO2. Auf das wesentlich aggres-sivere Methan hat dies leider keine Auswirkungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Rahmen der vorher beschriebenen Studie wurden die Forscher jedoch vornehmlich rund um das Jahr 2009 hellh\u00f6rig. Es war ein kaltes und damit eigentlich gutes Jahr f\u00fcr das arktische Eis, das weitaus weniger dahinschmolz als in den Jahren zuvor und danach. Lewis jedoch stellte mit seiner Expertengruppe fest, dass das Wachstum des Phytoplankton auch weiterhin anhielt. Deshalb wurde der Schluss gezogen, da\u00df nicht nur die Sonneneinstrahlung verantwortlich f\u00fcr diese Zunahme zeichnet, sondern auch andere Faktoren &#8211; etwa die D\u00fcngung. Wie auch im Garten ist f\u00fcr das Algenwachstum der im Wasser enthaltene Stickstoff wichtig. Woher nun stammt diese D\u00fcngung? Wird vermehrt durch Golfstrom bzw. den Nordpazifikstrom (bestehend aus Kuroshio und Oyashio bzw. dem Alaska- und Kalifornienstrom) Stickstoff in das Gebiet getrieben? Oder stammt dieser gar aus dem Meeresgrund des Arktischen Meeres? Phyto-plankton schwimmt normalerweise an der Wasseroberfl\u00e4che. Allerdings gibt es bereits Bereiche, die einem Algennebel bzw. einer Algensuppe gleichkommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun zum negativen Effekt des Ganzen: Diese Algenteppiche absorbieren wesentlich mehr der kurzwelligen Sonnenstrahlung. Diese wird in lang-wellige W\u00e4rmestrahlung umgewandelt und an das Umgebungswasser abgegeben. Mehr Algen bedeutet alsdann auch ein w\u00e4rmeres Wasser, wodurch noch mehr Eis schmilzt. Es ist also ein Teufelskreis.<\/p>\n\n\n\n<p>Was f\u00fcr die Arktis gilt, trifft selbstverst\u00e4ndlich auch f\u00fcr die Antarktis zu. In der satellitengest\u00fctzten Studie von Rignot et al von der University of California (ver\u00f6ffentlicht 2019) wurde aufgezeigt, dass die Antarktis seit 2009 j\u00e4hrlich nahezu 252 Milliarden Tonnen Eis durch schmelzen verliert (in den 1980er Jahren waren es noch rund 40 Milliarden Tonnen pro Jahr). Sollte nun das komplette Eis der Antarktis schmelzen, bedeutet dies nach Berechnungen von Andrew Shepherd von der University of Leeds einen Anstieg des Meeresspiegels um 58 m.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201e<em>Einige der Ver\u00e4nderungen, mit denen die Antarktis konfrontiert ist, sind bereits irreversibel, wie der Verlust einiger Schelfeisgebiete. Aber es gibt vieles, was wir verhindern oder r\u00fcckg\u00e4ngig machen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>(Martin Siegert, Imperial College London)<\/p>\n\n\n\n<p>Das Alfred-Wegener-Institut f\u00fcr Polar- und Meeresforschung f\u00fchrt den Temperaturanstieg in der Arktis auf Wettermuster zur\u00fcck, die unmittelbar mit dem Klimawandel in Verbindung stehen. Das Institut zeigte auf, dass im M\u00e4rz 2024 nur knapp 14,45 Millionen Quadratkilometer Eis in der Arktis bestanden. Dies ist rund eine Million weniger als im langj\u00e4hrigen Mittel. Die Eisausdehnung im Winter lag sogar noch niedriger als der Negativrekord im Jahr 2017. Vergleiche ergaben ein Schrumpfen der Eisdecke im Nordpolarmeer in der Gr\u00f6ssenordnung von 2,75 % pro Jahrzehnt. Dies wirkt sich zudem auf den Polarjet aus. Dabei handelt es sich um einen Windkorridor in h\u00f6heren atmosph\u00e4rischen Lagen, der mit einigen hundert Stundenkilometern von West nach Ost bl\u00e4st und gerade deshalb von vielen Fluglinien zum kerosinsparenden Fliegen verwendet wird. Verkleinert sich der Temperaturunterschied zwischen S\u00fcden und Norden, so f\u00fchrt dies zu gr\u00f6sseren Schleifen des Polarjets. Diese blasen w\u00e4rmere Luft nach Norden, aber auch k\u00e4ltere nach S\u00fcden. Das erkl\u00e4rt so manchen Polark\u00e4lte-Einbruch in Europa, w\u00e4hrend es im Norden zu warm f\u00fcr die Bildung einer Eisdecke ist. Hat dieser Tauvorgang erstmal begonnen, ist er nurmehr sehr schwer aufzuhalten oder gar r\u00fcckg\u00e4ngig zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Da bei all den zur\u00fcckliegenden Klimakonferenzen keinerlei entscheidende Ergebnisse erzielt werden konnten, werden die Naturgewalten den Planeten wohl immer st\u00e4rker in den Griff bekommen: Mehr Hurricanes und Taifune, mehr \u00dcberschwemmungen, mehr Schlamm- und Fels-lawinen. Der Meeresspiegel wird ansteigen. Auch auf der n\u00f6rdlichen Halbkugel wird es w\u00e4rmer &#8211; das wiederum f\u00fchrt zu einem vermehrten Pflanzenwachstum. Mehr Sonnenlicht und damit W\u00e4rme werden absor-biert. Nachdem Golf- und Nordpazifikstrom versiegt sind, kommt es als logische Konsequenz zu einer Eisperiode in Europa, Asien und Nord-amerika, vergleichbar mit einer der Eiszeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die mehr als zaghaften Forschungen, v.a. aber deren finanzierbare Anwendungen, etwa in der Wasserstofftechnologie bzw. der Kohleaus-stieg Deutschlands erst im Jahr 2038 (in \u00d6sterreich wurde mit dem Fernheizkraftwerk Mellach bereits 2020 das letzte Kohlekraftwerk vom Netz genommen!) zeigen jedoch auf, da\u00df es den Entscheidungstr\u00e4gern nur um unsere Generation geht, nicht um die nachfolgenden &#8211; ganz nach dem Motto: Hinter uns die Sintflut!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Filmtipps:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Expedition in die Arktis &#8211; Dem Klimawandel auf der Spur; Planet Wissen; SWR Fernsehen 2019<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Literatur:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>.) Changes in Arctic sea ice result in increasing light transmittance and absorption; Nicolaus, M., C. Katlein, J. Maslanik, and S. Hendricks (2012); Geophysical Research Letters, 39(24), L24501, doi:10.1029\/2012\u0086GL053738.<\/p>\n\n\n\n<p>.) Warnsignale aus den Polarregionen. Wissenschaftliche Auswertungen, Hrsg.: Jos\u00e9 Lozan et al; Hamburg 2006 (Auszug)<\/p>\n\n\n\n<p>.) Das Meer \u2013 Wasser, Eis und Klima; Petra Demmler; Ulmer 2011<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Links:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; www.awi.de<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; www.meereisportal.de<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; psl.noaa.gov\/<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; earthobservatory.nasa.gov\/<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; www.arctic.noaa.gov<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; environment.leeds.ac.uk<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; uci.edu<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Arktis kommt im internationalen Klimawandel eine ganz entschei-dende Bedeutung zu. Nicht nur, da\u00df hier Milliarden Hektoliter Wasser als Eis gebunden sind, die bei einem Schmelzen den Meeresspiegel ganz ordentlich ansteigen lassen. 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