
{"id":11761,"date":"2025-05-17T07:16:41","date_gmt":"2025-05-17T05:16:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/?p=11761"},"modified":"2025-05-17T07:16:41","modified_gmt":"2025-05-17T05:16:41","slug":"lesen-verleiht-macht","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/index.php\/2025\/05\/17\/lesen-verleiht-macht\/","title":{"rendered":"Lesen verleiht Macht"},"content":{"rendered":"\n<p>Schon in der Antike waren die Philosophen und Dichter hoch angesehene B\u00fcrger und besassen grossen Einfluss auf das t\u00e4gliche Geschehen. Auch im Mittelalter \u00e4nderte sich daran nicht viel, doch \u00fcbernahmen die Kirchen immer mehr das Wissensmonopol. Schliesslich wurden in den Kloster-Bibliotheken nicht nur alte Werke \u00fcbersetzt, sondern diese auch erhalten. Noch immer lagern dort unvorstellbare Sch\u00e4tze, wie Originalschriften, Erstdrucke und dergleichen. Heutzutage hat das World Wide Web das Wissensmonopol weitestgehend \u00fcbernommen, obgleich viele damit ihr Unwesen treiben. W\u00e4hrend auf den Datenhighways Falschmeldungen mit nur einem Klick gel\u00f6scht werden k\u00f6nnen, sind sie in einem Buch nicht so leicht zu entfernen. Zudem: Wer B\u00fccher verbrennt, verbrennt damit auch einen Teil seiner Geschichte und seines Wissens! So weist etwa eine Gedenktafel auf dem Berliner Bebelplatz auf die Geschehnisse des 10. Mai 1933 hin:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201e<em>An diesem Platz vernichtete faschistischer Ungeist die besten Werke der deutschen und der Weltliteratur.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Deshalb stehe ich zu meiner Meinung, dass \u201eWissen Macht verleiht und dieses Wissen in B\u00fcchern steht\u201c! Das werde ich in den kommenden Zeilen beweisen bzw. zur Diskussion stellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 23. April war der Welttag des Buches. Durchaus zurecht, wie ich finde. Obwohl viele sog. Meinungsmacher immer wieder das Ende der B\u00fccher vorhergesehen haben \u2013 so etwa die New York Times schon 1992.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201e<em>Das Buch ist nach wie vor relevant und kann sich in einer schwierigen Gesamtwirtschaftslage behaupten!\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>(Peter Kraus vom Cleff, Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer des B\u00f6rsenvereins des Deutschen Buchhandels)<\/p>\n\n\n\n<p>Nach Angaben des B\u00f6rsenvereins wuchs nach einem Einbruch 2022 der Umsatz am Buchmarkt 2023 um 2,8 % auf 9,44 Mrd Euro. 2024 war es ein weiteres Plus von 0,8 %. Das schaut nicht nach einen sterbendem Markt aus! Besonders beliebt waren Sachb\u00fccher (+7,7 %) vor der Belle-tristik (+4,1 %). Erfreulich: Die Kinder- und Jugendb\u00fccher legten ebenfalls zu \u2013 zwar wenig, aber dennoch: +0,5 %! Nettes Detail am Rande: Entscheidend zum Verkaufserfolg der Sachb\u00fccher beigetragen hat der Bestseller \u201eFreiheit\u201c von Ex-Kanzlerin Angela Merkel und Beate Baumann. Dennoch war es im vergangenen Jahr nach Angaben von Media Control nicht das meistverkaufte Hardcover-Buch: Platz 1 ging an Elke Heidenreich mit \u201eAltern\u201c, gefolgt von Sebastian Fitzeks \u201eDas Kalender-m\u00e4dchen\u201c. Platz 3 dann f\u00fcr die Ex-Kanzlerin. Ganz stark im Kommen sind die \u201eNew Adult Liebesgeschichten\u201c f\u00fcr die Zielgruppe 20-30 Jahre. Waren das fr\u00fcher nicht die Taschenromane? Weitere Zahlen gef\u00e4llig? 2023 erschienen 60.230 Erstauflagen (-6,3%) und 8.760 \u00dcbersetzungen in&#8217;s Deutsche \u2013 ein Minus von 6,8 % (Angaben: B\u00f6rsenverein). F\u00fcr \u00d6sterreich konnte ich leider keine entsprechenden Zahlen finden.<\/p>\n\n\n\n<p>Obgleich weniger Neuerscheiungen, so nimmt offenbar doch die Beliebt-heit des Buches wieder zu. So bl\u00f6de es klingen mag, doch ist hierf\u00fcr zu grossen Teilen das World Wide Web verantwortlich: In den Social Medias posen User mit den Stapeln von B\u00fcchern, die sie angeblich im vergangenen Monat gelesen haben wollen. Daraus ist ein richtiggehender Hype entstanden. In diesem Zusammenhang erreichen B\u00fccherbe-sprechungen von \u201eBooktokkern\u201c oder \u201eBookflencern\u201c hohe Klickzahlen. Auch der gute alte Buchklub ist wieder sehr beliebt. Und hier zeigt sich durchaus der eine oder die andere Megastar \u2013 wie etwa die Pops\u00e4ngerin Dua Lippa!<\/p>\n\n\n\n<p>\u201e<em>Das Buch ist das Medium zur Selbstreflektion, mit dem sich eigene Identit\u00e4tsfragen sehr gut verbinden lassen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>(Gerhard Lauer, Literaturwissenschaftler Johannes Gutenberg-Universit\u00e4t Mainz)<\/p>\n\n\n\n<p>Allerdings h\u00e4lt die KI langsam Einzug und stellt v.a. die Autoren vor nicht zu untersch\u00e4tzende Probleme. Die Schauspieler und Sprecher wurden bereits grossteils durch sie ersetzt \u2013 beim Einsprechen von H\u00f6rb\u00fcchern etwa.<\/p>\n\n\n\n<p>Kontr\u00e4r dazu mehr als interessant ist das Ergebnis der OECD-Bildungs-studie, wonach die Lesekompetenz der Grundschulkinder immer schlechter wird. Hier durfte wohl das in fr\u00fcheren Zeiten so beliebte Vorlesen einen immens wichtigen Beitrag spielen. Heute werden die Kinder immer \u00f6fter vor dem Flimmerkasten geparkt. \u0086<\/p>\n\n\n\n<p>\u201e<em>Kinder, denen heute vorgelesen wird, werden morgen selbst zu begeisterten Leserinnen und Lesern. Wir sind ihre Vorbilder!\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>(Die steirische Landeshauptmann-Stellvertreterin Manuela Khom (\u00d6VP) \u2013 eine der Organisatoren des Steirischen Vorlesetages)<\/p>\n\n\n\n<p>By the way: Der 8. Steirische Vorlesetag findet am 14. Juni statt!<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Sprachdefizit bleibt bei manchen bis ins Erwachsenenalter erhalten: Sie werden ausgeschult ohne einen Text fehlerfrei lesen zu k\u00f6nnen, geschweige denn, ihn zu verstehen. Tats\u00e4chlich korreliert das Standard-Vokabular mit dem Bildungsgrad: So ergaben unz\u00e4hlige Studien unisono, dass ein 15-j\u00e4hriger \u00fcber einen Wortschatz von rund 12.000 W\u00f6rtern verf\u00fcgt. W\u00e4hrend sich dieses Repertoire bei Gebildeten noch weiterhin ausbaut (im aktiven Wortschatz auf mehrere zehntausend, im passiven Wortschatz, dem Verstehen von weiteren W\u00f6rtern, gar auf ein Vielfaches davon), hat sich zuvor offenbar die Spreu vom Weizen getrennt. So besitzt ein durchschnittlicher deutschsprachiger Mensch einen Wortschatz von 3.000-216.000 W\u00f6rtern. Dabei spielen die Informationsmedien eine enorm wichtige Rolle: So nutzen Tages-zeitungen wesentlich weniger W\u00f6rter als Magazine. Diese wiederum weniger als B\u00fccher. Auch verf\u00fcgt der TV-Junkie \u00fcber ein geringeres Standard-Vokabular als der Leser (ausser er zieht sich grossteils Wissensmagazine rein). Doch tun auch dies meist nur die Zuschauer mit h\u00f6herem Bildungsgrad. \u00dcbrigens verf\u00fcgt die deutsche Speache insgesamt \u00fcber einen Wortschatz von 5,3 Mio W\u00f6rtern!<\/p>\n\n\n\n<p>Abschliessend noch ein wichtiger Gedanke meinerseits: F\u00fcr die Herstellung von Druckwerken m\u00fcssen leider nach wie vor viele B\u00e4ume sterben. Die m\u00f6gliche Alternative aus etwa Hanf wird aktuell zu wenig genutzt. Deshalb meine Bitte an Sie, die Leser dieser digitalen Zeilen: Nutzen Sie den Gebrauchtb\u00fcchermarkt! Als begeisteter Ebayer (sowohl im An- als auch im Verkauf) musste ich ern\u00fcchtert feststellen, dass B\u00fccher zu den Ladenh\u00fctern z\u00e4hlen. Auch wenn sie noch originalverpackt sind! Etwa das Weihnachtsgeschenk der Tante, das voll und ganz meinem Geschmack entspricht! Kritisieren m\u00f6chte in diesem Zusammenhang ebenfalls die vielen Bibliotheken und B\u00fcchereien, die stets laut aufschreien, wenn die \u00f6ffentlichen F\u00f6rderungen gek\u00fcrzt werden, B\u00fccherspenden jedoch ablehnen. Als hervorragende Idee hingegen sehe ich die Lesestationen, bei welchen B\u00fccher kostenlos eingestellt und ausgeliehen werden k\u00f6nnen \u2013 auch wenn dies nat\u00fcrlich der Buchbranche schadet &#8211; so tut es zumindest der Umwelt gut! Denn: Ohne Umwelt wird es auch keine weiteren B\u00fccher mehr geben!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Links:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>www.bildungsserver.de<\/li><li><a href=\"http:\/\/www.boersenverein.de\/\">www.boersenverein.de<\/a><\/li><li>wortschatz.uni-leipzig.de\/de<\/li><li><a href=\"https:\/\/leseland-steiermark.at\/projekte\/steirischer-vorlesetag\/\">leseland-steiermark.at<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.media-control.de\/\">www.media-control.de\/<\/a><\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Lesetipps:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>.) Die deutsche Sprache zur Jahrtausendwende. Sprachkultur oder Sprachverfall?; Hrsg.: Rudolf Hoberg\/Karin Eichhoff-Cyrus; Dudenverlag 2000<\/p>\n\n\n\n<p>.) Reichtum und Armut der deutschen Sprache. Erster Bericht zur Lage der deutschen Sprache; Wolfgang Klein; DeGruyter 2013<\/p>\n\n\n\n<p>.) Quantitative Linguistik. Eine Ann\u00e4herung; Karl-Heinz Best; Peust &amp; Gutschmidt 2006<\/p>\n\n\n\n<p>.) Lexikon der bedrohten W\u00f6rter; Bodo Mrozek; Rowohlt Taschenbuch 2005<\/p>\n\n\n\n<p>.) Aspekte des deutschen Wortschatzes; Elisabeth Knipf-Koml\u00f3si\/Roberta Rada, Bern\u00e1th Csilla; B\u00f6lcs\u00e9sz Konzorcium 2006<\/p>\n\n\n\n<p>.) Die Architektonik des deutschen Wortschatzes; Paul Menzerath; D\u00fcmmler 1954<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schon in der Antike waren die Philosophen und Dichter hoch angesehene B\u00fcrger und besassen grossen Einfluss auf das t\u00e4gliche Geschehen. Auch im Mittelalter \u00e4nderte sich daran nicht viel, doch \u00fcbernahmen die Kirchen immer mehr das Wissensmonopol. Schliesslich wurden in den Kloster-Bibliotheken nicht nur alte Werke \u00fcbersetzt, sondern diese auch erhalten. 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