
{"id":11785,"date":"2025-05-31T07:06:27","date_gmt":"2025-05-31T05:06:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/?p=11785"},"modified":"2025-05-31T07:06:27","modified_gmt":"2025-05-31T05:06:27","slug":"permafrost-das-kann-ja-heiter-werden","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/index.php\/2025\/05\/31\/permafrost-das-kann-ja-heiter-werden\/","title":{"rendered":"Permafrost &#8211; Das kann ja heiter werden"},"content":{"rendered":"\n<p><em><br>\u201eEs ist so wie bei einem G\u00fcterzug. Hat der sich erst einmal in Bewegung gesetzt, d\u00fcrfte es fast unm\u00f6glich sein, ihn wieder zu stoppen.\u201c<\/em><br>(Antoni Lewkowicz, Geologe und Exvorsitzender der Internationalen Permafrost-Gesellschaft)<\/p>\n\n\n\n<p>Ende Mail 2025 \u2013 Ein grosser Teil des Birchgletschers oberhalb von Blatten\/VS bricht ab. Fels-, Ger\u00f6ll- und Eismassen donnern ins L\u00f6tschen-tal und begraben nahezu das ganze Dorf Blatten unter sich. Experten sprechen von rund 3 Mio Kubikmeter an Material, die sich gel\u00f6st haben. Diese Mixtur verlegte zudem das Bachbett des an sich beschaulichen Fl\u00fcsschens Lonza. Das Wasser staute sich zu einen k\u00fcnstlichen See auf. Das h\u00e4tte eine noch weitaus gr\u00f6ssere Katastrophe ausgel\u00f6st, w\u00e4re das Ganze als Wasserschwall mitsamt der Schlammasssen zu Tale gerauscht. Vorsichtshalber wurden die Einwohner der beiden weiter unten liegenden Gemeinden Steg und Gampel auf eine Evakuierung vorbereitet. Diese war gottlob nicht n\u00f6tig, das Wasser grub sich nach und nach durch die Schuttmassen. Dass kein Mensch zu Schaden kam, war der vorzeitigen Warnung der Geologen zu verdanken. Noch kurz ein Bild \u00fcber die Dimension dieses Gletscherbruchs: Das L\u00f6tschental wurde zwischen 50 und 200 Meter hoch versch\u00fcttet \u2013 um dieses Material abzutransportieren w\u00e4ren mindestens 200.000 LKW-Fahrten vonn\u00f6ten. Derzeit allerdings nicht m\u00f6glich, da der Schuttkegel zu instabil ist und noch weitere Fels-st\u00fcrze nachkommen k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Blatten bleibt evakuiert, da sich Birchgletscher weiter aufl\u00f6st\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/ElKswRH9EZU?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Nicht der einzige Fall!<\/p>\n\n\n\n<p>Ende Januar 2021 f\u00fchrte ein Felssturz im eidgen\u00f6ssischen Kanton Wallis zu grossen Sorgen. Die Gemeinde Raron liegt rund eine Stunde \u00f6stlich von Montreux am Genfersee. 2000 Menschen leben dort. Einige davon mussten nach einem Felsabbruch binnen Minuten ihre H\u00e4user verlassen. Geologen bef\u00fcrchteten einen weiteren Abbruch \u2013 zu locker waren die Gesteinsmassen. Und er kam! In den fr\u00fchen Morgenstunden des Folge-tages. Tonnenweise Schutt, Gestein und Felsbrocken donnerten zu Tal. Raron hatte immenses Gl\u00fcck. Die Gesteinsmassen kamen nur wenige Meter vor dem Wohngebiet zum Stillstand. In einem Steinbruch wurde lediglich eine Baracke versch\u00fcttet. Verletzt wurde niemand. Auch das verlegte Bachbett des Bietschbaches konnte noch rechtzeitig vor einer \u00dcberschwemmung des Ortes mit schwerem Material ausgebaggert werden. 1500 Kubikmeter mussten am Berg gesprengt werden. Von den 76 evakuierten Personen konnten 30 recht zeitnah wieder in die eigenen vier W\u00e4nde zur\u00fcckkehren \u2013 der Rest rund eineinhalb Monate sp\u00e4ter.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahr 2007 st\u00fcrzten im K\u00e4rpfgebiet im Kanton Glarus rund 20.000 Kubikmeter Fels- und Schuttmaterial zu Tal \u2013 auch hier wurde gottlob niemand verletzt. Geologen haben schon vorzeitig davor gewarnt: Im Glarnerland befinden sich rund 16 \u2013 17 Quadratkilometer Permafrost, der nach und nach auftaut! Das wird noch gef\u00e4hrlich werden.<br>Weniger glimpflich verliefen die Felssturze von Bondo anno 2017. Sie rissen acht Menschen aus dem Leben, die trotz Warnungen das Gebiet an der Nordflanke des Piz Cengalo bewanderten. Rund vier Millionen Kubik-meter Gestein und Schlamm haben sich Mitte August in diesem kleinen beschaulichen Dorf im schweizerischen Kanton Graub\u00fcnden zu Tal geschoben. Nicht das erste Mal: Bereits 2011 und 2012 gab es in den Bergeller Alpen Felsabbr\u00fcche und Muren. 2011 rutschten zirka 1,5 bis 2 Mio Kubikmeter in die hintere Bondasca. An der ETH Z\u00fcrich wurde ein Erdstoss mit einem Magnitude von 2,7 verzeichnet. 2012 l\u00f6ste ein Gewitter rund 100.000 Kubikmeter Geschiebe aus, das kurz vor dem Ortsgebiet zum Stehen kam. Am 23. August 2017 schliesslich rasten zirka 3 Mio Kubikmeter Gestein mit einer Geschwindigkeit von etwa 250 km\/h auf Bondo zu. Das komplette Dorf wurde evakuiert. Am 25. und 31. August kam es zu erneuten Felssturzen und Mureng\u00e4ngen, am 15. September schliesslich l\u00f6sten sich weitere bis zu 500.000 Kubikmeter Gestein.<br>Die Trag\u00f6die von Bondo hat es einmal mehr aufgezeigt: Die Erde lebt und sie reagiert zunehmend extremer auf den Klimawandel. Viele zeigen sich verwundert, dass immer wieder derartige Naturereignisse auftreten, dabei ist das Ph\u00e4nomen jedoch sehr simpel. Lassen Sie es mich anhand dieses Beispieles erkl\u00e4ren. Der Piz Cengalo in Bondo beherbergt den grossen Aletsch-Gletscher. Dieser aber geht aufgrund der h\u00f6heren Temperaturen konstant Jahr f\u00fcr Jahr zur\u00fcck. Dabei legt er in einer H\u00f6he von etwa 2.500 Meter Fels frei, der bislang durch das Eis des Gletschers stabilisiert wurde. Steigt nun die Temperatur im Stein auf \u00fcber minus 1,5 Grad, so wird das Ganze instabil. Zudem hat das Wasser Rinnen und Kan\u00e4le in das Gestein gebohrt. Durch das weitere Abtauen und das Mehr an Wasser werden immer gr\u00f6ssere Felsmassen instabil. Dadurch rutscht die sog. \u201eMoosfluh\u201c (ein kompletter Hang an der Flanke der Berges) immer weiter ab. Auch im Winter, wenn das Wasser im Stein gefriert, kann es zu richtiggehenden Felssprengungen kommen. Die Folge sind geringsten-falls Steinschlag, schlimmstenfalls aber Abbr\u00fcche wie diese Mitte August bzw. September 2017. Und da oben liegt noch mehr! Experten des Bundesamtes f\u00fcr Umwelt sprechen von bis zu 150 Millionen Kubikmetern. Dagegen kann leider nichts unternommen werden, die Menge ist einfach zu gigantisch. In diesem Falle steht der Berg seit l\u00e4ngerer Zeit unter st\u00e4ndiger Beobachtung \u2013 das Dorf war bereits evakuiert. Ebenso beim Rutsch Ende August. Der Aletsch-Gletscher schmilzt seit dem Jahr 1850 kontinuierlich \u2013 in den letzten vierzig Jahren um rund f\u00fcnf Meter pro Jahr. Dies setzt unheimliche Felsmassen frei, die sogar bis in eine Tiefe von 150 Metern reichen. Die Moosfluh rutschte im Jahr 2015 um zeitweise 80 cm pro Tag in Richtung Tal ab \u2013 nach den Ereignissen 2017 waren es 12 cm. Diese Rutschgeschwindigkeit bereitet den Experten grosses Kopfzerbrechen. Damit Sie in etwa eine Dimension des Ganzen bekommen: Die Rede ist von rund 2 Quadratkilometern \u2013 das sind ca. 280 Fussballpl\u00e4tze! \u00dcberall entstehen inzwischen Spalten \u2013 die gr\u00f6sste ist rund 300 m lang und bis zu 20 m breit. Dasselbe Bild zeigt sich auch beim Piz Kesch im Engadin (Felssturz anno 2014) oder dem Bliggferner in den \u00d6tztaler Alpen. Auch hier sind rund 4 Mio Kubikmeter Fels betroffen. St\u00fcrzen diese in den darunterliegenden Gepatsch-Stausee ist mit einer Katastrophe zu rechnen! Der aussergew\u00f6hnlich heisse Sommer im Jahr 2003 brachte beispielsweise auch eine aussergew\u00f6hnlich hohe Felssturzaktivit\u00e4t mit sich. Messungen haben ergeben, dass der Auftauboden in der Schweiz um bis zu 0,5 m tiefer reichte als in den 20 Jahren zuvor. \u00dcbrigens steht auch die Zugspitze unter Beobachtung, haben doch Berechnungen ergeben, dass auf dem h\u00f6chsten Berg Deutschlands der Permafrost sp\u00e4testens bis zum Jahr 2080 aufgetaut sein k\u00f6nnte.<br>Dem Thema des sog. \u201ePermafrosts\u201c m\u00f6chte ich mich heute an dieser Stelle widmen, denn es stellt ein riesiges Pulverfass dar, das jederzeit explodieren kann. Den Permafrost n\u00e4mlich gibt es nicht nur in den Bergen, sondern vornehmlich in den arktischen Gebieten Russlands (50 % des Staatsgebietes), Kanadas (40-50 %), der USA (Alaska zu 80 %) und auf Gr\u00f6nland (99 %). Auch 20 % des Staatsgebietes Chinas besteht aus Permafrost! Insgesamt rund 23 Mio Quadratkilometer. Unter dem Perma-frost versteht man normalerweise einen Boden, der das gesamte Jahr \u00fcber gefroren ist. Das kann nun Sediment oder Gestein wie in den Alpen bzw. Boden und Torf wie in den arktischen und antarktischen Gebieten sein \u2013 den Tundren. Damit dies geschieht, muss er zumindest zwei Jahre lang Minusgraden ausgesetzt sein. Rund 90 % der arktischen Perma-frostzone sind durchgehend gefroren (kontinuierlicher Permafrost \u2013 Jahresdurchschnittstemperatur von -6 bis -8 Grad Celsius). Dann folgen der diskontinuierliche (Jahresschnitt: -3 bis -4 Grad Celsius), der sporadische (Jahresschnitt: -1 bis -2 Grad Celsius) und der isolierte Permafrost. Ab einer Jahresdurchschnittstemperatur vom -1 Grad Celsius und einer Jahresdurchschnittsmenge von 1.000 mm\/qm Niederschlag wird\u2019s kritisch. Interessanterweise gibt es auch den submarinen Permafrost, also tiefgefrorenen Boden unter Wasser \u2013 etwa in der Laptewsee (Nordpolarmeer). Diese submarinen Dauerfrostb\u00f6den haben mit den Kontinentalschelfs in der letzten Eiszeit zu tun. Sie m\u00f6chte ich aber heute zum gr\u00f6ssten Teil mal aussen vor lassen. W\u00e4hrend die gefrorene Boden-Decke etwa in Skandinavien nur bis auf rund 20 Meter Tiefe geht, reicht sie in Sibirien schon mal auf bis zu 1.500 m. Verantwortlich daf\u00fcr ist die n\u00f6rdliche Weichsel-Kaltzeit (120-10.000 Jahre v.Chr.), also die letzte Eiszeit, die ihre Gletscher unterschiedlich platzierte. So war Sibirien etwa komplett vergletschert. In den Alpen sorgte parallel dazu die W\u00fcrm-Eiszeit (115-10.000 Jahre v.Chr.) f\u00fcr die Gebirgs-Gletscher und so manches Tal.<\/p>\n\n\n\n<p>http:\/\/gtnpdatabase.org\/activelayers<\/p>\n\n\n\n<p>Taut nun Permafrostboden etwa im Sommer auf, so spricht man dabei vom \u201eactive layer\u201c. Die Auftauschicht variiert zwischen 30 bis 200 cm. Darunter bleibt der Boden gefroren. Sollte aufgrund eines Temperatur-anstiegs von 2 Grad auch der Boden w\u00e4rmer werden, so haben Wissenschaftler ausgerechnet, dass bis zu 44 % des Permafrostbodens dauerhaft auftauen k\u00f6nnten. Eine Tatsache mit schwerwiegenden Folgen. In diesen B\u00f6den n\u00e4mlich fand eine Gefrier-Konservierung jeglichen organischen Materials statt: Holz, Pflanzen, Tiere, etc. 1997 wurde beispielsweise das sog. \u201eJarkov-Mammut\u201c ausgezeichnet erhalten in Nordsibirien gefunden. In den oberen Schichten der Permafrost-B\u00f6den werden bis zu 1.500 Milliarden Tonnen Kohlenstoff gesch\u00e4tzt. Das ist fast doppelt so viel wie in der gesamten Atmosph\u00e4re. Werden (wie berechnet) bis zum Jahr 2100 rund 100 Milliarden Tonnen freigegeben, so steigt alleine hierdurch die Durchschnittstemperatur um 0,2 Grad.<br>Aus dem Permafrostboden wird also zusehends eine Moorlandschaft. Mit allen Vorz\u00fcgen, aber auch Nachteilen. Jeder, der schon mal durch ein Moor gegangen ist, der weiss, dass man sich vor den Gasen in Acht nehmen muss. V.a. das Distickstoffmonoxid (N2O) kann f\u00fcr den Menschen gef\u00e4hrlich werden, wurde es doch in fr\u00fcheren Zeiten als \u201eLachgas\u201c in der Narkose eingesetzt. Daneben sind noch Methan (CH4) und Kohlendioxid (CO2) zu erw\u00e4hnen. Obgleich Methan f\u00fcr den Menschen ungiftig ist, sollte doch sehr sorgsam damit umgegangen werden, da es zu einer h\u00f6heren Atem- und Herzfrequenz f\u00fchren kann. Eine zu hohe Konzentration von Kohlendioxid f\u00fchrt zum Erstickungstod. Soweit zur Toxikologie.<br>Alle drei Gase allerdings sind Treibhausgase \u2013 teils sehr klimawirksam bzw. aggressiv:<\/p>\n\n\n\n<p>.) <strong>Kohlendioxid (CO2)<\/strong><br>Kohlendioxid entsteht in entw\u00e4sserten Mooren. Allerdings nehmen Moore auch Kohlendioxid auf: Bei normalen Moore sind es rund 1.200 kg pro Hektar und Jahr, bei Reichmooren gar 1.700 kg. In den Permafrostb\u00f6den dieser Welt sind zirka 1.300 bis 1.600 Gigatonnen CO2 gebunden \u2013 in der Luft befinden sich zum Vergleich etwa 3.000 Gigatonnen. Sollten bis zum Jahr 2200 2\/3 der Permafrostb\u00f6den aufgetaut sein, so w\u00fcrden nach Berechnungen von US-Forschern alleine hierdurch 190 Milliarden Tonnen CO2 emittiert.<\/p>\n\n\n\n<p>.) <strong>Methan (CH4)<\/strong><br>Methan entsteht in ungest\u00f6rten und wiedervern\u00e4ssten Mooren beim Abbau von Kohlenstoffverbindungen unter Ausschluss von Sauerstoff. Werden also Pflanzen oder Tiere im Moor durch Bakterien abgebaut, wird dadurch Methan freigesetzt. K\u00f6nnte dies in den Permafrostgebieten aufgefangen werden, w\u00e4ren wohl die Heizprobleme von Generationen frierender Menschen gel\u00f6st. Das Treibhauspotential von Methan ist rund 25mal gr\u00f6sser als jenes von Kohlendioxid.<\/p>\n\n\n\n<p>.) <strong>Lachgas (N2O)<\/strong><br>Der Klimakiller schlechthin ist jedoch das Lachgas. Es entsteht vornehmlich in entw\u00e4sserten Reichmooren oder ged\u00fcngten Mooren, die ohnedies bereits viel Stickstoff enthalten. Hinzu kommt noch eine hohe Konzentration an Stickstoff im zugef\u00fchrten D\u00fcnger. Das Treibhaus-potential von Lachgas ist rund 300mal gr\u00f6sser als das von CO2.<\/p>\n\n\n\n<p>.) Wasserstoff (H2)<\/p>\n\n\n\n<p>.) Schwefelwasserstoff (H2S)<\/p>\n\n\n\n<p>.) Phosphorwasserstoff (P2H4)<\/p>\n\n\n\n<p>Die Klimawirkung dieser Gase werden durch die \u201eCO2-\u00c4quivalenten\u201c angegeben. Dabei handelt es sich um die mittlere Erw\u00e4rmungswirkung \u00fcber zumeist 100 Jahre. So werden beispielsweise alleine in deutschen Landen nicht weniger als 31 Millionen Tonnen CO2-\u00c4quivalente aus Mooren freigesetzt. Eine ungeheure Zahl! Dabei aber ist dies nur 2,8 % der deutschen Gesamtemission klimawirksamer Gase!<br>Die letzteren drei Gase entstehen unter Druck \u2013 sie entweichen entweder explosionsartig oder durch Blasen. Reagieren sie nun mit dem Sauerstoff der Luft, kommt es zu Verbrennungen (Moor-Irrlichter). So k\u00f6nnten auch die riesigen Moorbr\u00e4nde in Sibirien 2021 erkl\u00e4rt werden. Hunderte Millionen Tonnen CO2 wurden dadurch in die Atmosph\u00e4re abgegeben.<br>All diese Gase werden beim Auftauen der Permafrostb\u00f6den freigesetzt. Was das f\u00fcr die Atmosph\u00e4re bedeutet, muss hier nicht eigens erw\u00e4hnt werden. In Langzeitbeobachtungen der letzten Jahrzehnte konnte nachgewiesen werden, dass die Permafrostgrenze v.a. in Nordamerika, aber auch in Eurasien in Richtung Norden wandert. Soll heissen, dass immer mehr des gefrorenen Bodens auftaut.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Permafrost \u2013 Was ist das?\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/ND7TrKFm-eo?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich ist es auch in anderer Richtung tragisch: Wurden H\u00e4user, D\u00f6rfer oder ganze St\u00e4dte auf Permafrostb\u00f6den hochgezogen, so versinken diese beim Auftauen im Morast (\u201eThermokarst\u201c). Hier ging man zuletzt dazu \u00fcber, H\u00e4user auf Pf\u00e4hlen zu errichten, die bis auf die permanent gefrorene Bodenschicht hinunterreichen. Im russischen Norden etwa st\u00fcrzen ganze Landstriche in sich zusammen. Zu einer aussergew\u00f6hnlichen Kraterlandschaft, da das auftauende Wasser an Volumen verliert, Gase entweichen und der Boden seinem eigenen Gewicht nachgibt. Sollten die gesamten, gesch\u00e4tzten 35.000 Kubik-kilometer auftauen, so w\u00fcrde der Meeresspiegel nach Berechnungen um bis zu 9 cm ansteigen. Durchaus realistisch, haben doch die Oberfl\u00e4chentemperaturen im Norden Kanadas und Sibiriens in den 90er Jahren um rund 2 Grad zugenommen (nach 3 Grad in den 80ern). So bl\u00f6de es auch klingen mag: Eine h\u00f6here Schneedecke im Winter beschleunigt die Erw\u00e4rmung der B\u00f6den, da der Schnee einer K\u00e4lte-schutzdecke gleichkommt. Nach Berechnungen von Klimatologen wird sich die zusammenh\u00e4ngende Permafrostdecke bis zum Jahr 2100 von derzeit 10,5 auf nurmehr 1 Million Quadratkilometer verkleinert haben.<br>Nur mit Hilfe der Satelliten ist eine st\u00e4ndige Beobachtung und Vermessung dieser riesigen Dauerfrostfl\u00e4chen m\u00f6glich. So wurde beispielsweise ein Teil des betroffenen Lena-Tales in Russland im Oktober 2014 via Satellit durch das Deutsche Zentrum f\u00fcr Luft- und Raumfahrt (DLR) vermessen und abgebildet. Beobachtet wird hingegen auch eine Wanderung der Baumgrenze in Richtung Norden. Ein untr\u00fcbliches Anzeichen daf\u00fcr, dass die Temperaturen ansteigen. So hilft sich die Natur selbst: B\u00e4ume binden w\u00e4hrend ihres Lebens unheimlich viel Kohlenstoff durch die Aufnahme von CO2 aus der Luft. Wissenschaftler der Forschungsstation Samoilov im Lena-Delta entdeckten unweit der Station eine etwa 70 cm hohe und 20 Jahre alte L\u00e4rche. Weitaus n\u00f6rdlicher der Baumgrenze! Sie wurde zum Symbolbild f\u00fcr die Erderw\u00e4rmung.<br>Die weitere Gefahr: Methangas-Entweichungen. Hochrechnungen haben ergeben, dass pro Jahr zwischen 14 bis 35 Mio Tonnen Methan nur in Sibirien und Alaska freigesetzt werden. Bis zum Ende des Jahrhunderts k\u00f6nnten es bis zu 200 Mio Tonnen pro Jahr sein. Alleine das k\u00f6nnte die weltweite Durchschnittstemperatur um 0,32 Grad Celsius erw\u00e4rmen. Erste Sch\u00e4tzungen \u00fcber die Folgekosten nur des freigesetzten Methans aus Ostsibirien belaufen sich auf weltweit 60 Billionen US-Dollar. Die Zeitung \u201eSiberian Times\u201c berichtete bereits 2022 von bis zu 7.000 Methanblasen in Sibirien. Und hier kommt nun auch wieder der submarine Dauer-frostboden in\u2019s Spiel: Russische Wissenschaftler konnten anhand von 5.100 Messungen zwischen den Jahren 2003 und 2008 nachweisen, dass zirka 80 % des Tiefenwassers und etwa 50 % des Oberfl\u00e4chenwassers des ostsibirischen Schelfs mit Methan \u00fcbers\u00e4ttigt sind. Damit gelangt mit rund 8 Millionen Tonnen kontinuierlich (ohne pl\u00f6tzliche Ausbr\u00fcche) nur hier j\u00e4hrlich mehr Methan in die Luft als in allen anderen Ozeanen zusammen. Die Experten warnen in diesem Zusammenhang vor einer abrupten globalen Erderw\u00e4rmung! Einer Zeitbombe gleich!<br>Zur\u00fcck in heimische Gefilde: Durch eine exzessive W\u00e4rmeentnahme beispielsweise aufgrund von Bodenw\u00e4rmepumpen, verbunden mit einem nicht zugleich stattfindenden Ausgleich durch Umgebungsw\u00e4rme kann \u00fcbrigens ein k\u00fcnstlicher Permafrostboden angelegt werden. Dies geschieht etwa, wenn zwischen den einzelnen Anlagen oder Bohrungen zu wenig Abstand besteht.<br>Die Alpenvereine Deutschlands und \u00d6sterreichs, sowie der Schweizer Alpen Club warnen ganz allgemein bei Touren in\u2019s Hochgebirge. Zwar werden die Wege immer wieder gepflegt (alleine im Zust\u00e4ndigkeitsbereich des DAV befinden sich 30.000 Kilometer Wegstrecke), doch geh\u00f6rt der Steinschlag und Felsabbruch inzwischen zum alpinen Bergerlebnis hinzu. Deshalb sollte keineswegs bei der Ausr\u00fcstung und Information vor der Tour gespart werden. Und noch ein Tipp f\u00fcr alle Investoren mit Vorliebe f\u00fcr Kanada, Skandinavien oder Russland: Vergewissern Sie sich immer vor dem Ankauf einer Immobilie, ob diese auf einem Permafrostboden erbaut wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Zuletzt noch die Gretchenfrage:<br><em><br>Kennen Sie Ihren CO2-Fussabdruck??? Wenn ja \u2013 arbeiten Sie daran???<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lesetipps:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>.) Warnsignal Klima: Das Eis der Erde; J.L. Loz\u00e1n \/ H. Grassl \/ D. Kasang \/ D. Notz \/ H. Escher-Vetter (Hrsg.); 2015<br>.) Natural Gas Hydrate: Coastal Systems and Continental Margins; M.D. Max; Springer 2000<br>.) Climate Change, Permafrost, and Impacts on Civil Infrastructure; F.E. Nelson \/ L.W. Brigham 2003<br>.) A projection of severe near-surface permafrost degradation during the 21st century; D.M. Lawrence \/ A.G. Slater; Geophys. Res. Lett. 2005<br>.) Arctic Climate Impact Assessment; ACIA 2005<br>.) Disappearing Arctic Lakes; L.C. Smith \/ Y. Sheng \/ G.M. MacDonald \/ L.D. Hinzman; 2005<\/p>\n\n\n\n<p><strong><br>Links:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li><a href=\"http:\/\/www.permafrost.org\/\">www.permafrost.org\/<\/a><\/li><\/ul>\n\n\n\n<ul><li>gtnp.arcticportal.org<\/li><li><a href=\"http:\/\/www.awi.de\/\">www.awi.de<\/a><\/li><li>hgf-eda.de<\/li><li><a href=\"http:\/\/www.wwf.de\/themen-projekte\/klimaschutz\/wwf-klimarechner\">www.wwf.de\/themen-projekte\/klimaschutz\/wwf-klimarechner<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.geo.fu-berlin.de\/\">www.geo.fu-berlin.de<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.uni-giessen.de\/\">www.uni-giessen.de<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.klima-warnsignale.uni-hamburg.de\/\">www.klima-warnsignale.uni-hamburg.de<\/a><\/li><\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eEs ist so wie bei einem G\u00fcterzug. 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