
{"id":11827,"date":"2025-06-14T09:41:17","date_gmt":"2025-06-14T07:41:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/?p=11827"},"modified":"2025-06-14T09:41:17","modified_gmt":"2025-06-14T07:41:17","slug":"die-vertreibung-der-massai","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/index.php\/2025\/06\/14\/die-vertreibung-der-massai\/","title":{"rendered":"Die Vertreibung der Massai"},"content":{"rendered":"\n<p>Sie gelten als das stolze Krieger-Volk Ostafrikas; Die Massai! Beheimatet vornehmlich im S\u00fcden Kenias und Tansania ist nicht genau bekannt, wie viele Menschen dieser Volksgruppe zugeh\u00f6ren. Bei Volksz\u00e4hlungen etwa in Kenia geben viele ihre ethnische Zugeh\u00f6rigkeit nicht an, da sie m\u00f6gliche Diskriminierungen deshalb bef\u00fcrchten. Das ist in Tansania nicht der Fall. Sch\u00e4tzungen belaufen sich auf 430-500.000. Das Volk selbst wird in 16 Untergruppen (\u201eIloshons\u201c) unterteilt und lebt in der Serengeti. Um genau zu sein: In den Nationalparks Masai Mara und Amboseli in Kenia bzw. der Region Arusha in Tansania. Und bei letzterer liegt das Problem: Die 37.576 Quadratkilometer grosse Region wird seit Jahren zur Touristenhochburg ausgebaut \u2013 f\u00fcr Safari-Touren und zahlungskr\u00e4ftige J\u00e4ger. Dabei stehen die Massai mit 14 ihrer D\u00f6rfer im Weg!<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.tripadvisor.at\/SmartDeals-g297913-Arusha_Arusha_Region-Hotel-Deals.html#SPLITVIEWMAP\">https:\/\/www.tripadvisor.at\/SmartDeals-g297913-Arusha_Arusha_Region-Hotel-Deals.html#SPLITVIEWMAP<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>So pervers es klingen mag: Rund 70.000 Massai werden in Tansania immer mehr zugunsten des Naturschutzes vertrieben! Damit n\u00e4mlich diese Tourismuspl\u00e4ne umgesetzt werden k\u00f6nnen, werden grosse Teile der Arusha-Region zu Naturschutzgebieten erkl\u00e4rt. In dieser \u201eGame Controlled Area\u201c sind Wildtiere gesch\u00fctzt, d\u00fcrfen aber geschossen werden. In solchen Naturschutzgebieten allerdings d\u00fcrfen keine Menschen leben \u2013 auch nicht die Massai, die diese zumeist karge Savanne als Weideland nutzen. Die Rinderherden w\u00fcrden zudem den Wildtieren das Wasser entziehen. Als ein Gericht im August 2023 diese pr\u00e4sidiale Anordnung der Game Controlled Area ausser Kraft setzte, reagierte die tansanische Regierung prompt und benannte das Gebiet um in ein \u201eGame Reserve\u201c, wo auch Touristen willkommen sind, die nicht jagen wollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Alles begann vor rund drei Jahren, als am 07. Juni 2022 die ersten 700 Sicherheitskr\u00e4fte, bestehend aus Milit\u00e4rs, Polizisten, Paramilit\u00e4rs und Ranger, in der Stadt Loliondo eintrafen, um die Beh\u00f6rden bei den Grenzmarkierungen von rund 1.500 Quadratkilometern zu unterst\u00fctzen. Am 09. Juni, also zwei Tage sp\u00e4ter, gingen \u00f6rtliche Gemeindemitglieder aus den betroffenen D\u00f6rfern Ololosokwan, Oloirien, Kirtalo und Arash (nahe des Ngorongoro-Kraters) dagegen auf die Strasse und entfernten die Markierungen wieder. Sie wurden mit Schusswaffen und Tr\u00e4nengas zur\u00fcckgedr\u00e4ngt. Dabei wurden zahlreiche Protestierende verletzt \u2013 viele trugen auch Schussverletzungen davon. 24 Massai (darunter einige Dorf\u00e4lteste) wurden festgenommen. Ihnen wurde Verschw\u00f6rung zum Mord an einem Polizisten vorgeworfen. Das konnte jedoch durch Rechtsbeist\u00e4nde (finanziert unter anderem durch Menschenrechts-organisationen) widerlegt werden. Die Betroffenen wurden wieder frei-gelassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Massai waren durchaus im Recht, schliesslich verstiessen diese Grenzmarkierungen gegen den Richterspruch des Ostafrikanischen Gerichtshofes sowie die Menschenrechte. So k\u00f6nnen die Massai durch die Vertreibung aus ihren D\u00f6rfern nicht mehr ihrem normalen, traditionellem Leben nachgehen, da ihnen die Grundlage daf\u00fcr entzogen wird. Viele Massai sind aufgrund der Vorf\u00e4lle nach Kenia geflohen, m\u00f6chten aber selbstverst\u00e4ndlich wieder zur\u00fcck in ihre Heimat, wo sie geboren wurden und seit Jahrhunderten vornehmlich als Viehz\u00fcchter t\u00e4tig sind. Dabei leben sie stets im Einklang mit der Natur, auch mit den Wildtieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Recherchen von in Tansania nicht gerne gesehenen Journalisten ergaben, dass bereits in den 1990er Jahren ein Unternehmen aus Dubai (Otterlo Business Corporation OBC) Lizenzen f\u00fcr Grosswildjagden erworben hatte. Dem folgte nun ein Pachtvertrag f\u00fcr die Arabischen Emirate, die die inzwischen aufgestellten Luxusressorts und ein eigens gebautes Flugfeld zu diesen Zwecken nutzen. Die Regierung Tansanias erh\u00e4lt nun nicht nur die Pachteinnahmen, sondern auch die Geb\u00fchren aus den Lizenzen f\u00fcr Abschussfreigaben. Dabei soll es den betuchten Scheichs m\u00f6glichst leicht gemacht werden, die Abschussquote zu erf\u00fcllen. Somit seien die Rinder-herden im Weg, da sie die Wildtiere vertreiben w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch sind die Emirate auch neben dem Tourismus in Tansania engagiert: Auf rund acht Prozent der Fl\u00e4che des Landes soll der \u00f6kologische Fussabdruck von Dubai durch CO2-Projekte verringert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Und schliesslich: Ein chinesischer Investor hat sich den Ngorongoro-Krater angeeignet. Gut eingez\u00e4unt wurden Touristencamps errichtet. Willkommen sind nur jene, die f\u00fcr den Einlass bezahlen. Partner dieses Projektes sind seit 50 Jahren auch die deutsche Bundesregierung und die Zoologische Gesellschaft Frankfurt.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach wie vor sind Gerichtsverfahren anh\u00e4ngig, die wertvolle Zeit verschlingen. So werden etwa in Ngorongoro ganze Massai-Rinderherden von schwer bewaffneten Wildh\u00fctern konfisziert und schliesslich verkauft, wenn diese zu Wasserstellen getrieben werden. Viele der Massai haben dadurch ihr gesamtes Hab und Gut verloren. Jenen Massai, die Ackerfl\u00e4chen besitzen, wurde die Bewirtschaftung ihrer Felder untersagt \u2013 gleichzeit stiegen Preise f\u00fcr importierten Reis und Bohnen in astronomische H\u00f6hen. Gelder etwa f\u00fcr wichtige infrastrukturelle Massnahmen in den Massai-Gebieten wurden gestrichen. Die Regierung unternimmt wirklich alles Erdenkliche, das Volk aus dieser Region zu vertreiben. Auch die \u00c4rzte des medizinischen Flugdienstes mussten im April 2022 ihre Betreuung einstellen, nachdem den Piloten die Flug-lizenzen entzogen wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Vertreter der UNESCO in Arusha eingetroffen sind um die Zust\u00e4nde im \u201eWeltkulturerbe Serengeti\u201c zu \u00fcberpr\u00fcfen, erhielten sie nur Regierungs-termine und somit einen mehr als einseitigen Blick auf die Situation. Die Massai wurden nicht in den Gespr\u00e4chen geh\u00f6rt. Das Europ\u00e4ische Parlament hat am 14. Dezember 2023 die Regierung Tansanias in der \u201eEU-Resolution gegen die Vertreibung der Maasai aus dem Ngorongoro-Naturschutzgebiet und dem geplanten Schutzgebiet in Loliondo\u201c aufge-fordert, die gewaltsamen Vertreibungsversuche einzustellen. Hierzu hiess es vonseiten der Regierung, dass man den Massai durchaus Ersatz-wohnungen angeboten habe.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcbrigens: Im Landnutzungsplan 2023 f\u00fcr Ngorongoro sind keine Massai-D\u00f6rfer und -Weidefl\u00e4chen mehr f\u00fcr diese Region enthalten. Der Plan regelt die Landnutzung des Gebietes bis 2043, er wird vom dortigen Bezirksrat abgelehnt! Die Zoologische Gesellschaft Frankfurt, die offenbar an der Erstellung dieses Planes beteiligt war, streitet eine Rolle an den Gebietsmarkierungen von Loliondo ab \u2013 allerdings betonen die Massai, dass mit den Stiftungsgeldern und den Entwicklungsgeldern der deutschen Bundesregierung zwar keine Waffen angeschafft werden, daf\u00fcr jedoch Fahrzeuge und Verwaltungsgeb\u00e4ude errichtet werden. Dass es sich um keine Peanuts handelt \u2013 2023 belief sich der F\u00f6rderbetrag auf 30,5 Mio Euro (29,5 Mio als Hilfe der Bundesrepublik)! Davon wurden f\u00fcr den zuvor angesprochenen Nutzungsplan rund 220.000 \u20ac ausgegeben. Die meisten der Gerichtsprozesse wurden durch den Maasai-Anwalt und Weimarer Menschenrechtspreistr\u00e4ger Joseph Oleshangay ausgefochten, der auch nicht von einem Protest vor dem Geb\u00e4ude der ZGF in Frankfurt zur\u00fcckschreckte, um auf die Zust\u00e4nde in Tansania hinzuweisen. Er musste sein Heimatland 2024 auf Druck der Regierung verlassen. Von Oleshangay war auch zu erfahren, dass die angebliche Ersatzsiedlung f\u00fcr die Massai im 600 km entfernten Msomera errichtet worden sei. Bis 2026 sollen die Naturschutzgebiete auf 50 % der Landfl\u00e4che Tansanias erweitert werden, damit w\u00fcrden mehr als 300.000 Massai vertrieben. Der Beitrag Deutschlands f\u00fcr den Naturschutz ist zwar sehr hehr \u2013 doch offenbar weiss man in Berlin und Frankfurt nichts davon, dass dieser Naturschutz tats\u00e4chlich eine Wirtschaftsmassnahme der tansanischen Regierung darfstellt. Und zum Thema Massai-Vertreibung schweigt man sich tunlichst aus. Anfang 2024 wurden die 29,5 Mio um weitere neun Mio aufgestockt.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lesetipps:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>.) Waters of the Sanjan. A Historical Novel of the Masai; David Read\/Pamela Brown; Selbstverlag 1982<\/p>\n\n\n\n<p>.) Bwana Game; George Adamson; Hoffmann und Campe 1969<\/p>\n\n\n\n<p>.) Die weisse Massai; Corinne Hofmann; A1 Verlag 2000 (2005 auch verfilmt)<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h2><strong>Links:<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<ul><li><a href=\"http:\/\/www.maasai-association.org\/\">www.maasai-association.org\/<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.amnesty.at\/\">www.amnesty.at<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.hrw.org\/de\">www.hrw.org\/de<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.gfbv.de\/\">www.gfbv.de<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.afrika-sued.org\/\">www.afrika-sued.org<\/a><\/li><\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie gelten als das stolze Krieger-Volk Ostafrikas; Die Massai! Beheimatet vornehmlich im S\u00fcden Kenias und Tansania ist nicht genau bekannt, wie viele Menschen dieser Volksgruppe zugeh\u00f6ren. Bei Volksz\u00e4hlungen etwa in Kenia geben viele ihre ethnische Zugeh\u00f6rigkeit nicht an, da sie m\u00f6gliche Diskriminierungen deshalb bef\u00fcrchten. Das ist in Tansania nicht der Fall. 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