
{"id":11921,"date":"2025-07-19T07:42:05","date_gmt":"2025-07-19T05:42:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/?p=11921"},"modified":"2025-07-19T07:42:05","modified_gmt":"2025-07-19T05:42:05","slug":"zoelle-trumps-spiel-mit-dem-feuer","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/index.php\/2025\/07\/19\/zoelle-trumps-spiel-mit-dem-feuer\/","title":{"rendered":"<strong>Z\u00f6lle \u2013 Trumps Spiel mit dem Feuer<\/strong>"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Geschichte der Z\u00f6lle ist uralt! Schon die R\u00f6mer kannten sie, dann waren es die Adeligen, Grossgrundbesitzer und Wegelagerer (ausgezeich-nete Kombination!), die den Wegezoll abkassierten. Einige Jahrhunderte sp\u00e4ter wurde der Zoll berechnet, um Importwaren im Inland teurer zu machen als die heimischen Produkte. Doch ein Grundsatz blieb \u00fcber all die Jahrhunderte hinweg erhalten: Mit dem Zoll soll immer eine Schatulle gef\u00fcllt werden \u2013 sei es die Staatskasse, die f\u00fcrstliche Geldkiste oder der Geldstrumpf so mancher R\u00e4uber. Das ist bis heute geblieben! So freut sich auch der US-Pr\u00e4sident Donald Trump \u00fcber Mehreinnahmen: Im Juni etwa nur durch die Z\u00f6lle in der H\u00f6he von 27,2 Mrd. Dollar \u2013 das f\u00fchrte zu einem Haushalts\u00fcberschuss von 27 Mrd. Dollar (Angaben: US-Finanz-ministerium)! Mr. Trump f\u00fchlt sich dadurch best\u00e4tigt, ber\u00fccksichtigt aber nicht, dass in den USA diese Produkte oder die Waren daraus entschei-dend teurer geworden sind. Das heizt wiederum die Inflation an! Es ist also ein Rattenschwanz bzw. eine Kettenreaktion, die der Pr\u00e4sident (mit der Begr\u00fcndung der \u201eNationalen Sicherheit\u201c) losgetreten hat. Und mit dem Handelsdefizit hat dies nur wenig zu tun \u2013 das steigt n\u00e4mlich noch weiter an! Doch eines nach dem anderen!<\/p>\n\n\n\n<p>.) <strong>Z\u00f6lle<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>US-Finanzminister Scott Bessent stellt bis Jahresende ganze 300 Mrd. Dollar zus\u00e4tzlich in Aussicht! Dazu m\u00fcssten die Z\u00f6lle aber noch steigen! Sein Herr und Meister reagiert sofort darauf und k\u00fcndigt zum 01. August weitere, wesentlich h\u00f6here Z\u00f6lle an. Er spricht dabei vom \u201egrossen Geld\u201c! Treffen wird es nahezu alle Handelspartner der USA \u2013 nun auch Russland, das ebenso wie Nordkorea, Kuba und Belarus bislang verschont blieb. Trotz Sanktionen f\u00fchren die USA nach wie vor Waren im Wert von 3,5 Mrd. Dollar aus Russland ein (vor dem Einmarsch in die Ukraine waren es 35 Mrd.). Schwer trifft es China, Brasilien, Kanada, Mexico und die EU, aber auch Japan und S\u00fcdkorea. Auf Kupferimport und Waren aus Brasilien soll ein Zoll von satten 50 % aufgeschlagen werden. Trumps Begr\u00fcndung: Die dortige Regierung behandelt den ehemaligen Pr\u00e4sidenten und Gesin-nungsgenossen Trumps, Jair Bolsonaro, nicht so, wie es Trump passen w\u00fcrde. Kanada wird mit 35 % Aufschlag belohnt, die EU mit 30 %. Kanada hatte bereits zuvor auf die erste Zollwelle reagiert und Gegenz\u00f6lle auf US-Waren verh\u00e4ngt bzw. diese aus den Regalen verbannt. Wie wichtig Herrn Trump bestehende Vertr\u00e4ge sind, zeigt dieses Beispiel: Die USA sind ebenso Mitglied beim Nordamerikanischen Freihandelsabkommen (NAFTA), wie auch Kanada und Mexiko. Gottlob wurde der Freihandels-vertrag TTIP zwischen den USA und der EU niemals unterschrieben \u2013 es w\u00e4re umsonst gewesen! Die EU verhandelt nach wie vor mit Washington, doch gab es bislang keine Hinweise darauf, dass diese Verhandlungen von Erfolg gekr\u00f6nt sind. Dabei sind derartige, h\u00f6here Z\u00f6lle bereits f\u00fcr einige EU-Waren aktiv: 25 % auf Automobile und Autoteile bzw. 50 % auf Stahl und Aluminium \u2013 zus\u00e4tzlich zu den bereits bestehenden 10 %. In Br\u00fcssel hat EU-Kommissionspr\u00e4sidentin Ursula von der Leyen Vergel-tungsz\u00f6lle auf US-Waren im Wert von 21 Milliarden Euro vorerst bis zum 01. August ausgesetzt. Sollte Trump an seinen Pl\u00e4nen festhalten, werden Importe im Wert von 72 Milliarden davon betroffen sein: Gegenz\u00f6lle! Die EU sollte ihr Licht dabei nicht unter den Scheffel stellen: Mit 450 Mio Einwohnern in 27 L\u00e4ndern ist sie einer der gr\u00f6ssten Binnenm\u00e4rkte der Welt \u2013 die Chinesen haben dies bereits vor Jahren begriffen (siehe Neue Seidenstrasse bzw. Containerhafen in Athen)! Weitere und h\u00f6here Z\u00f6lle bremsen nicht nur den Handel, sondern machen die Waren auch empfindlich teurer und gef\u00e4hrden viele Arbeitspl\u00e4tze. Zudem: Die Verhandlungen, die seit Jahrzehnten \u00fcber die Welthandelsorganisation (WTO) gef\u00fchrt wurden, werden mit einem Schlag wertlos, da es einem Menschen nicht in den Kram passt!<\/p>\n\n\n\n<p>.) <strong>Handels\u00fcberschuss<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Thema ist weitaus komplexer! Nach Angaben des Bureaus of Economic Analysis (BEA), das direkt dem US-Handelsministerium unter-stellt ist, belief sich der Handels\u00fcberschuss zwischen der EU und den USA im Jahre 2023 auf 235,6 Mrd. Dollar (201,5 Milliarden Euro) \u2013 zugunsten der EU! Sogar \u00d6sterreich hat demnach ein Plus auf der Bilanz stehen (13,1 Mrd. Dollar). Ich wusste gar nicht, dass Tiroler H\u00fcte in den USA so begehrt sind! Ein Ausgeglichen oder Minus verzeichneten nur die EU-Partner Niederlande, Spanien, Polen, Slowenien, Zypern sowie Luxemburg und Malta. Dieser \u00dcberschuss ist nach jenem von China direkt an zweiter Stelle zu finden. Das heisst, dass von der EU um diesen Betrag mehr Waren in die USA exportiert werden, als US-Waren den Weg nach Europa finden. Um genau zu sein: Die USA importierten Waren im Wert von 503 Mrd. Euro, die EU Waren aus den USA im Wert von 347 Mrd. Euro. Hinzu kommen noch die Dienstleistungen: Von der EU in die USA 319 Mrd., von den USA in die EU 427 Mrd. Euro. Rechnet man dies nun gegen, so bleiben (sofern ich richtig gerechnet habe!) 48 Mrd. als Handelsbilanz-defizit der USA bei den EU-Staaten \u00fcbrig. Sicherlich \u2013 f\u00fcr Otto Normal-verbraucher eine gewaltige Summe \u2013 betrachtet aber auf das Handels-aufkommen gerade mal 3 %! Das liegt n\u00e4mlich bei rund 1,6 Billionen Euro! \u00dcbrigens: Der Handels\u00fcberschuss zwischen Deutschland und den USA ist nicht der gr\u00f6sste innerhalb der EU! Das wird durch Irland mit 86,7 Mrd. getoppt! Die Erkl\u00e4rung: Wegen der niedrigen Steuern in Irland haben viele Konzerne ihren Sitz auf der gr\u00fcnen Insel. Darunter etwa Pharma-unternehmen (Pfizer, Eli Lilly und Johnson &amp; Johnson), aber auch US-Konzerne ihre Europa-Zentralen wie Apple, Google oder Meta.<\/p>\n\n\n\n<p>.) <strong>Auswirkungen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die letzten Monate seit April haben aufgezeigt, dass Z\u00f6lle nicht nur diese 3 % (Handelsaufkommen) mit M\u00fch&#8216; und Not verringern, sondern das gesamte Handelskonstrukt zwischen der EU und den USA gef\u00e4hrden. Als Beispiel: Mercedes muss f\u00fcr die in der EU produzierten PKW beim Import in die USA 10 + 25 % Zoll bezahlen. Das Unternehmen produziert jedoch in den USA auch Autos (vor allem SUVs), die weltweit \u2013 so auch in die EU &#8211; exportiert werden. Dort wird es nun Gegenz\u00f6lle geben. Man muss kein Betriebswirtschaftler sein um dieses Problem zu l\u00f6sen: Die bislang exportierten Fahrzeuge werden nun im Zielland selbst oder einem anderen Staat hergestellt, der nicht durch diese Zollspirale betroffen ist. Das allerdings f\u00fchrt zu weniger Handel zwischen der EU und den USA. Harley Davidson hat so etwa bereits w\u00e4hrend der ersten Amtszeit Trumps reagiert und die Produktion f\u00fcr den Export nach Brasilien ausgelagert. Somit sind US-Arbeitspl\u00e4tze massivst gef\u00e4hrdet. Anderes Beispiel: Viele US-Autobauer produzieren selbst aus Kostengr\u00fcnden in Mexiko. Durch die Z\u00f6lle bzw. den Wiederaufbau der inl\u00e4ndischen Produktion rechnen die gr\u00f6ssten US-Autobauer mit mehreren Milliarden Dollar Verlust! Ein Beispiel aus Europa: Die Antibiotika-Produktion Europas wurde nahezu zur G\u00e4nze nach Fernost ausgelagert. \u00dcbrig blieb der Standort von Sandoz im Tiroler Kundl. Dort musste mit erheblichen auch \u00f6ffentlichen Zuwendungen die eher als klein zu bezeichnende Produktion wieder hochgefahren werden. Der italienische Landwirtschaftsverband Coldiretti hat in diesem Zusammenhang eine Berechnung angestellt. So w\u00fcrden diese 30 % Zoll alleine auf landwirtschaftliche Produkte der Apenninen-Halbinsel die US-Konsumenten und die italienische Landwirtschafts-branche 2,3 Mrd. Euro kosten.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcbrigens zum Schluss noch ein Gedanke: W\u00fcrde China durch die US-Z\u00f6lle schwer getroffen, so trifft dies wohl das gesamte Weltwirtschafts-Wachstum!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Factbox:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Erh\u00f6hte Z\u00f6lle gelten ab dem 01. August f\u00fcr 87 L\u00e4nder, etwas sp\u00e4ter wohl auch f\u00fcr Russland. F\u00fcr weitere 102 Staaten gilt dann der Pauschal-Zollsatz von 10 %. Das US-Bundesgericht f\u00fcr internationalen Handel (U.S. Court of International Trade) hat am 28. Mai d.J. geurteilt, dass Pr\u00e4sident Donald Trump seine Befugnisse im Rahmen des International Emergency Economic Powers Act (IEEPA) \u00fcberschritten habe. Dieses Urteil wurde allerdings am 10. Juni durch das Berufungsgericht (U.S. Court of Appeals for the Federal Circuit) ausgesetzt. Am 31. Juli beginnt das Verfahren in Washington D.C. mit den ersten Anh\u00f6rungen. Unbetroffen davon sind die Zusatzz\u00f6lle auf Automobile, Stahl und Aluminium. Diese basieren auf der Section 232 des Trade Expansion Act von 1962.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Liste der betroffenen L\u00e4nder finden sich auch zwei Kuriosit\u00e4ten: Die Heard- und McDonaldinseln, 4000 km s\u00fcdwestlich von Australien. Hier leben gerade mal Seev\u00f6gel, Robben und Pinguine. Nach Angaben der Weltbank wurden von diesen Inseln jedoch im Jahr 2022 Waren im Wert von 1,4 Mio $ in die USA importiert. Und zum Zweiten: Die Insel Diego Garcia! Sie z\u00e4hlt zu den britischen \u00dcberseegebieten. Mit Ausnahme eines gemeinsamen US- und britischen Milit\u00e4rst\u00fctzpunktes ist die Insel aller-dings unbewohnt: Die Einwohner wurden schon in den 1970er Jahren umgesiedelt!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Links:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>ahk-usa.net<\/li><li><a href=\"http:\/\/www.ihk.de\/\">www.ihk.de<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.dihk.de\/\">www.dihk.de\/<\/a><\/li><li>bdi.eu\/<\/li><li><a href=\"http:\/\/www.wko.at\/\">www.wko.at<\/a><\/li><li>bpd.de<\/li><li><a href=\"http:\/\/www.bundesregierung.de\/\">www.bundesregierung.de<\/a><\/li><li>www.bea.gov\/<\/li><li><a href=\"http:\/\/www.cit.uscourts.gov\/\">www.cit.uscourts.gov\/<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.cafc.uscourts.gov\/home\/the-court\">www.cafc.uscourts.gov\/home\/the-court<\/a><\/li><\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Geschichte der Z\u00f6lle ist uralt! 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