
{"id":12131,"date":"2025-09-20T05:20:59","date_gmt":"2025-09-20T03:20:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/?p=12131"},"modified":"2025-09-27T07:41:39","modified_gmt":"2025-09-27T05:41:39","slug":"mit-erdbeeren-gegen-die-natur","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/index.php\/2025\/09\/20\/mit-erdbeeren-gegen-die-natur\/","title":{"rendered":"Mit Erdbeeren gegen die Natur"},"content":{"rendered":"\n<p>Immer mal wieder stossen die Interessen der Landwirtschaft und jene des Umweltschutzes lautstark aufeinander. Der Landwirtschaft geht es dabei zumeist um den h\u00f6chsten Profit, dem Umweltschutz um die Nachhaltig-keit! Leider bleibt die Natur in nahezu allen F\u00e4llen auf der Strecke! Nach-folgend nun ein Beispiel, wie erbittert dieser Streit verlaufen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Naturpark Do\u00f1ana im spanischen Andalusien ist eines der wohl gr\u00f6ssten Feuchtgebiete Europas. Beziehungsweise war er das! Nein, nicht etwa aufgrund der verheerenden Waldbr\u00e4nde in diesem Jahr (auch Andalusien blieb davor nicht verschont!), sondern vielmehr wegen der Profitgier einiger weniger Grossgrundbesitzer.<\/p>\n\n\n\n<p>Der \u201eCoto de Do\u00f1ana\u201c (wie er von den Einheimischen genannt wird) umfasst das M\u00fcndungsgebiet des Guadalquivir an der Atlantikk\u00fcste Andalusiens. Im Jahre 1969 wurde er zum Nationalpark erkl\u00e4rt, 1994 zum UNESCO-Weltkulturerbe; gesch\u00fctzt sind 54.000 Hektar \u201eMarismas\u201c (zeitweise \u00fcberschwemmte Gebiete, sie trocknen im Hochsommer aus \u2013 zur\u00fcck bleiben kleine Lagunen und Bachl\u00e4ufe) sowie die umgebenden weiteren 68.900 Hektar \u2013 eine wahrhaft riesige Fl\u00e4che. Tourismus ist hier nur in sehr sanfter Form m\u00f6glich um dadurch Fauna und Flora zu sch\u00fctzen. Vor allem die Zugv\u00f6gel nutzen die Do\u00f1ana als Zwischenstopp f\u00fcr ihre Flugreise aus Nordeuropa nach Afrika. Daneben finden sich hier aber auch Binsen, Heide- und Laichkr\u00e4uter, Korkeichen, Schirmkiefer, Stechginster, Strand-Alant und -hafer, Wacholder, Weiden, Wein, Zis-trosen und vieles andere mehr. Diese pflanzliche Vielfalt wiederum bietet auch dem Tierreich einen reich gedeckten Essenstisch: Zirka 250 Vogel-arten (wie Reiher, L\u00f6ffler, Purpurenten und Ruderh\u00fchner, aber auch der Iberische Kaiseradler) nisten im Naturschutzgebiet. Auf dem Boden begegnen sich beispielsweise der Pardelluchs (Lynx pardinus), Pferde, Maurische Landschildkr\u00f6ten, Wildschweine und Hirsche.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Haz que vuelva a latir. Salva Do\u00f1ana\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/SINGiMPnaD4?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p>Ein wahrhaftes Paradies also f\u00fcr Pflanzen und Tiere, aber auch beobach-tenden Menschen. Doch \u2013 an Letzterem scheitert es zumeist: Der Touris-mus an der Costa de la Luz ist nicht immer sanft, ein Dammbruch bei der Mine Los Frailes 1998 bef\u00f6rderte \u00fcber 5 Mio Kubikmeter mit Arsen, Blei und Zink kontaminierten Schlamm in den Fluss Guadalquivir. Ans\u00e4ssige Bauern verhinderten durch das schnelle Aufsch\u00fctten von weiteren D\u00e4mmen das Schlimmste. Dennoch beliefen sich die Kosten der Umwelt-sch\u00e4den auf \u00fcber 175 Mio \u20ac. Der Bergwerkskonzern \u00fcbernahm nur rund ein F\u00fcnftel davon!<\/p>\n\n\n\n<p>Tja \u2013 und dann sind da auch noch die Wasserdiebe. Die Provinz Huelva liegt direkt an der Grenze zu Portugal. Von hier aus startete Kolumbus 1492 seine folgenschwere Reise nach Amerika. Heute sind dort beinahe nurmehr gigantische Plastik-St\u00e4dte zu finden: Gew\u00e4chsh\u00e4user oder -zelte (wie auch immer Sie es haben m\u00f6chten!) f\u00fcr den Anbau von Erdbeeren. Statistisch gesehen kommt fast jede dritte europ\u00e4ische Erdbeere aus dieser Region (in Spanien gar 98 %!). 100.000 Arbeitspl\u00e4tze und \u00fcber 11 % der Wirtschaftsleistung prallen mit voller Wucht auf den Naturschutz-park. Die Aufzucht der hei\u00df begehrten Frucht erfordert enorm viel Wasser. \u00dcber 2000 Brunnen wurden im Naturschutzgebiet illegal erschlossen. Wurden einige versiegelt, kamen an anderer Stelle weitere hinzu. Die andalusische Landesregierung wollte sie legalisieren, aller-dings kam diesem Plan die spanische Zentralregierung zuvor. Am 27. November 2023 einigten sich Landes- und Zentralregierung nach lang-wierigen Streitereien auf eine Begrenzung des wild wuchernden Erdbeer-anbaus und somit der ungez\u00fcgelten Wasserentnahme aus dem Natur-schutzgebiet. Jeder Erdbeerbauer, der f\u00fcr die n\u00e4chsten 30 Jahre auf Forstwirtschaft umstelle, soll pro Hektar f\u00fcr f\u00fcnf bis zehn Jahre 10.000 Euro erhalten. Das Land bleibt jedoch im Besitz des Bauern. Der derzeitige Marktpreis f\u00fcr einen Hektar mit erschlossenem Brunnen liegt bei 140.000 \u20ac, mit illegalem Brunnen bei 14.000 \u20ac. Jene Bauern, die nicht umstellen m\u00f6chten, m\u00fcssen auf klimaresistentere Erdbeersorten umstellen und erhalten \u201enurmehr\u201c 1.000 \u20ac pro Hektar an F\u00f6rderungen. Zudem sollten zahlreiche Brunnen versiegelt werden. W\u00e4hrend es der andalusischen, rechtsgerichteten Regierung um die Wirtschaft geht, sagt Madrid immer \u00f6fters \u201eNo\u201c! So hat etwa der der Oberste Spanische Gerichtshof (Tribunal Supremo \u2013 TS) die Ausbaggerung des Guadalquivir verhindert. Doch auch in Andalusien gibt es inzwischen Widerstand. So verhinderte im Jahr 2020 der Oberste Andalusische Gerichtshof (El Tribunal Superior de Justicia de Andaluc\u00eda \u2013 TSJA) die unterirdische Lagerung von Erdgas im Naturschutzgebiet. Auch wurden illegale Wasserentnehmer abgestraft. So gab es im September 2023 erstmals durch das Strafgericht 14 von Sevilla eine Haftstrafe von jeweils dreieinhalb Jahre und eine Entsch\u00e4digungszahlung von zwei Mio \u20ac f\u00fcr f\u00fcnf Geschwister, die jahrelang illegal Millionen Kubikmeter Wasser aus dem Naturschutzgebiet abgezapft hatten. Deren Familie besitzt 456 Hektar Land im Naturpark und eine Genehmigung d\u00fcr die Wasser-entnahme aus festgeschriebenen Brunnen in einem Ausma\u00df von 3,4 Mio Kubikmeter pro Jahr. Das aber war ihnen nicht genug. So entnahmen sie \u00fcber mindetsens zehn Jahre hinweg \u201emit voller Absicht und bei klarem Wissen\u201c das Doppelte an Wasser (etwa im Jahre 2009) und betrieben zudem noch weitere illegale oder \u00f6ffneten versiegelte Brunnen (2015). Andere Bauern mussten Notschlachtungen durchf\u00fchren, da dem Vieh wegen der Trockenheit keine Weiden mehr zur Verf\u00fcgung standen. Vor Gericht betonten sie, man habe dem sterbenden Naturpark dadurch nur einen Gefallen gemacht. Zwei Jahre sp\u00e4ter standen 250 weitere Landwirte oder Agrarbetriebe (198 davon aus der Region Huelva) und eine der reichsten Adelsfamilien Spaniens vor den Richtern. Den Blaubl\u00fctlern wurde ebenso vorgeworfen, f\u00fcr deren Orangen- und Olivenplantage (200 ha) \u00fcber rund ein Jahrzehnt aus bis zu acht Brunnen illegal Wasser abgepumpt zu haben. Die Generalstaatsanwaltschaft warnte im M\u00e4rz dieses Jahres davor, Unternehmen und \u00f6ffentliche Organe in Andalusien bei illegalen Wasserentnahmen verfolgen zu wollen. Andalusiens Landesregierung wollte die Bew\u00e4sserungsrechte um 1.400 Bauern erweitern. Die \u201ealten Familien\u201c berufen sich dabei auf uralte Rechte. \u00dcbrigens \u2013 die Regierung in Sevilla hatte auch die Wasserentnahme bei Granada genehmigt \u2013 f\u00fcr Mineralwasser-Lizenzen und alteingesessene Landwirte und Stierz\u00fcchter. Die Folge: Zigtausende Menschen in Anda-lusien m\u00fcssen seit Monaten durch Tankwagen mit Trinkwasser versorgt werden. Noch lange nicht genug: Aus den Armenvierteln von Sevilla (etwa dem Campo de Gibraltar) wird zudem Trinkwasser in die Touristenhoch-burgen an der Costa del Sol gepumpt.<\/p>\n\n\n\n<p>Sch\u00e4tzungen im Rahmen von Untersuchungen der Organisationen WWF, Greenpeace und Ecologistas en Acci\u00f3n gehen davon aus, dass in den Jahren 2022\/23 etwa 4.000 Hektar (rund 4.800 Fussballfelder) illegal bew\u00e4ssert wurden. Die Folge: Trockengelegte S\u00fcmpfe, Baumsterben und die Abwanderung von Tierarten.<\/p>\n\n\n\n<p>Durch die enorme Wasserentnahme ist der Grundwasserspiegel im Naturpark Do\u00f1ana in den letzten Jahren um 50 % abgesunken. Die Hauptlagune des Do\u00f1ana war seit Herbst 2022 bis zum Winter 2023\/24 nahezu ausgetrocknet. In dieser Zeit, aber vor allem im M\u00e4rz 2025 kam es zu schweren Regenschauern mit bis zu 145 Liter auf den Quadrat-meter. Der Boden war zu trocken, um die Regenmengen aufzunehmen \u2013 es gab verheerende \u00dcberschwemmungen. Allerdings war es noch nicht genug, warnen Experten. Um den Grundwasserspiegel wieder ansteigen zu lassen, w\u00e4ren mehrere Jahre mit so viel Regen \u00fcber&#8217;s Jahr verteilt notwendig. Die zunehmende Hitze und Trockenheit sorgen vermehrt f\u00fcr Waldbr\u00e4nde, die auch an dem Naturpark nicht spurlos vor\u00fcber gehen. So wurden etwa 2017 Teile des Naturparks durch ein Feuer verw\u00fcstet, das vom Brand einer Firma ausging: Dort wurde Holzkohle hergestellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch Br\u00fcssel hatte l\u00e4ngst reagiert. So verurteilte der Europ\u00e4ische Gerichtshof Spanien im Jahre 2021, den Naturpark besser vor \u201e\u00fcber-m\u00e4ssiger Wasserentnahme\u201c zu sch\u00fctzen. Sp\u00e4ter ermahnte auch die Europ\u00e4ische Kommission das Land, sich an diesen Urteilsspruch zu halten, als die andalusischen Pl\u00e4ne publik wurden. Allerdings leider nicht aus eigenen St\u00fccken! 262.728 Unterschriften von Ecologistas en Acci\u00f3n, Salvemos Do\u00f1ana, SEO\/BirdLife, Wemove und dem World Wildlife Fund (WWF) waren daf\u00fcr verantwortlich!<\/p>\n\n\n\n<p>Alle Bem\u00fchungen der spanischen Zentralregierung sind dennoch gescheitert. Die letzte L\u00f6sung kostete sehr viel Geld: Das Land kaufte den umgebenden Naturpark auf. Dieser lag zuvor in der Aufsicht des Landes, die Marismas hingegen unter jener des Saates.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Schuld trifft auch die Konsumenten in Deutschland, \u00d6sterreich und der Schweiz. In der erdbeerlosen Zeit der Monate Januar bis M\u00e4rz kommen fast ausschliesslich Erdbeeren aus Huelva in die Superm\u00e4rkte. \u00dcbrigens sind viele dieser Fr\u00fcchte noch zus\u00e4tzlich durch die Abgase der \u00d6l-Raffinerie von Huelva kontaminiert \u2013 auch wenn diese in Gew\u00e4chs-h\u00e4usern aufwachsen. Im Fr\u00fchjahr \u00fcbergaben die Organisationen Foodwatch und Campact 250.000 Unterschriften, wobei die Handels-konzerne Edeka, Lidl und andere aufgefordert wurden, auf diese Erdbeeren zu verzichten. Die beiden Diskonter Aldi und Lidl wollten an ihren Lieferanten festhalten, von Rewe und Edeka gab es keinerlei Reaktionen hierauf. Sollten Sie also unbedingt in dieser Zeit Erdbeeren ben\u00f6tigen, so m\u00f6chte ich Ihnen tiefgefrorene Erdbeeren aus heimischer Erzeugung ans Herz legen. Damit l\u00f6sen Sie mehrere Problem mit einem Schlag: Regionale Wertsch\u00f6pfung (Sie unterst\u00fctzen damit heimische Erdbeerbauern), keine langen Anfahrtswege \u00fcber tausende von Kilometern (geringerer CO2-Fussabdruck) und die Region des Naturparks Do\u00f1ana hat endlich wieder gen\u00fcgend Wasser. Am besten jedoch w\u00e4re, sie kochen und backen wie unsere Vorfahren: Mit regionalem und v.a. saisonalen Obst und Gem\u00fcse!!!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Links:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>seo.org<\/li><li>www.miteco.gob.es<\/li><li><a href=\"http:\/\/www.ecologistasenaccion.org\/\">www.ecologistasenaccion.org\/<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.wwf.ch\/\">www.wwf.ch<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.costanachrichten.com\/\">www.costanachrichten.com<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.andalusien360.de\/\">www.andalusien360.de<\/a><\/li><li>de.andalucia.org<\/li><\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Immer mal wieder stossen die Interessen der Landwirtschaft und jene des Umweltschutzes lautstark aufeinander. Der Landwirtschaft geht es dabei zumeist um den h\u00f6chsten Profit, dem Umweltschutz um die Nachhaltig-keit! Leider bleibt die Natur in nahezu allen F\u00e4llen auf der Strecke! Nach-folgend nun ein Beispiel, wie erbittert dieser Streit verlaufen kann. 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