
{"id":12182,"date":"2025-10-04T06:40:27","date_gmt":"2025-10-04T04:40:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/?p=12182"},"modified":"2025-10-04T06:40:27","modified_gmt":"2025-10-04T04:40:27","slug":"das-ende-der-tiefsee","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/index.php\/2025\/10\/04\/das-ende-der-tiefsee\/","title":{"rendered":"Das Ende der Tiefsee!"},"content":{"rendered":"\n<p>Regionen dieser Erde, die noch weitestgehend unerforscht sind. Und jetzt sollen sie komplett zerst\u00f6rt werden \u2013 Tiefsee-Bergbau (Deep Sea Mining)! Experten warnen davor: Das Abfr\u00e4sen der obersten Schicht des Meeres-bodens wird Spuren in diesen einzigartigen \u00d6kosystemen zur\u00fccklassen, die Jahrtausende danach noch zu sehen sind! Doch auch in h\u00f6heren Meeresschichten werden verheerende Auswirkungen zu erkennen sein \u2013 und das sofort!<\/p>\n\n\n\n<p>Norwegen ist eigentlich ein Land, das in vielerlei Hinsicht durchaus als Vorreiter bezeichnet werden kann: E-Mobilit\u00e4t, erneuerbare Energien, \u2026 90 % des gegenw\u00e4rtig erzeugten Stroms etwa kommt aus erneuerbaren Energien, wie der Wasserkraft und anderen. Und dann dies: Anfang Dezember 2023 genehmigt die norwegische Regierung die wissenschaft-liche Erkundung des Meeresbodens in der Arktis! Wie die Vergangenheit bei solchen offiziellen \u201ewissenschaftlichen Erkundungen\u201c aufgezeigt hat, ist der Schritt zur kommerziellen Ausbeutung nur ein ganz kleiner. Im Walfang etwa.<\/p>\n\n\n\n<p>Kurz zur Erkl\u00e4rung: Im Meeresboden der Tiefsee werden Mineralien vermutet, die enorm wichtig f\u00fcr die industrielle Verarbeitung sind: Mangan etwa. Dieses kommt in den tiefsten Stellen der Erde in Form sog. \u201eMangan-Knollen\u201c vor. So gross etwa wie eine Kartoffel, beinhaltet diese Knolle auch Seltene Erden. Diese werden dringend in grosser Menge f\u00fcr beispielsweise Elektroautos, Smartphones, Brennstoffzellen und auch f\u00fcr Windkraftanlagen gebraucht. Derzeit ist China der gr\u00f6sste Lieferant dieser Seltener Erden. Unentbehrliche Rohstoffe also f\u00fcr die gr\u00fcne Energiewende. Diese Manganknollen wachsen in rund 6.000 m Tiefe in der Barentsee und vor Gr\u00f6nland heran. Weiter oben (zwischen 700 bis 4.000 m unter der Meeresoberfl\u00e4che) werden zudem grosse Lagerst\u00e4tten von Kupfer, Zink, Sulfid und nicht weniger als 120 Mio Tonnen Kobalt vermutet. Ein Abbau w\u00fcrde viele Arbeitspl\u00e4tze, aber auch wichtige Rohstoffe bringen \u2013 so das Argument der norwegischen Regierung.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201e<em>In Anbetracht der geopolitischen Entwicklungen ist es wichtig, die strategische Kontrolle \u00fcber die Ressourcen zu behalten und sicher-zustellen, dass die Mineralien aus L\u00e4ndern mit demokratischen Regierungen stammen!\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>(Astrid Bergmal, Staatssekret\u00e4rin im norwegischen Energieministerium)<\/p>\n\n\n\n<p>Allerdings hatte man nicht mit einem solchen Gegenwind gerechnet: National, aber auch international formiert sich lautstarker Widerstand. Umweltorganisationen, aber auch Wissenschaftler warnen vor der Zerst\u00f6rung der Tiefsee, die sich \u00fcber Jahrmillionen hinweg entwickelt hat (schliesslich gibt es dort kein Licht, es ist eisig kalt und der Wasserdruck enorm) und den sofort auftretenden Auswirkungen in h\u00f6heren Meeres-schichten. Der WWF bef\u00fcrchtet, dass Norwegen gar seinen guten Ruf als Meeres-Besch\u00fctzernation auf&#8217;s Spiel setze. In diesem speziellen Fall betreibe man gar Greenwashing \u2013 Umweltzerst\u00f6rung als Grundlage f\u00fcr eine nachhaltigere Zukunft folgender Generationen. Deshalb baute die Regierung rasch noch strengere Auflagen in Sachen Umweltvertr\u00e4glichkeit in den Gesetzesentwurf ein, bevor dieser im Januar 2024 zur Abstimmung ins Parlament kam und am 09. Januar genehmigt wurde. Zudem solle dem Parlament schliesslich die Entscheidung zur G\u00e4nze obliegen, ob nach der Erkundungsphase mit dem kommerziellen Abbau begonnen werden d\u00fcrfe.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201e<em>Wir glauben und hoffen, dass der Plan zum internationalen Standard f\u00fcr diese T\u00e4tigkeit wird!\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>(Baard Ludvig Thorheim \u2013 konservativer Abgeordnete)<\/p>\n\n\n\n<p>Ja \u2013 auch andere Staaten versuchen den Tiefsee-Bergbau schon l\u00e4ngst zu beginnen, China oder Russland etwa. Im November richteten 120 EU-Parlamentarier einen Appell an ihre Kollegen im norwegischen Parlament, gegen diese Tiefsee-Bergbaupl\u00e4ne zu stimmen. Die vier grossen Parteien und auch die Opposition Norwegens allerdings verteidigten diese Pl\u00e4ne \u2013 alsdann passierte der Gesetzesentwurf f\u00fcr den Beginn von Probe-bohrungen zu Beginn 2024 trotz all dieser Bedenken das Hohe Haus in Oslo. Bei einer kommerziellen Nutzung sollen in weiterer Folge \u00fcber 280.000 Quadratkilometer Meeresboden des norwegischen Kontinental-schelfs durchpfl\u00fcgt werden. Hier hakt sich auch des Zentrum f\u00fcr Meeres-Tiefenforschung in Bergen ein. So betont dessen Leiter Pedro Ribiero:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201e<em>Man kann keine Mineralien aus dem Meeresboden gewinnen, ohne dass das Konsequenzen hat. Wir wissen aber noch nicht, wie gro\u00df diese Konsequenzen sein k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>International wird vor allem bef\u00fcrchtet, dass Norwegen erst der Anfang f\u00fcr die grenzenlose Ausbeutung des Meeresbodens werden k\u00f6nnte. Erste Lizenzen wurden bereits f\u00fcr Gebiete in Papua-Neuguinea, Ozeanien und dem Roten Meer vergeben. Bislang scheuten aber die Unternehmen und Staaten vor den hohen Kosten, aber auch vor den internationalen Rechtsverfahren zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Dezember 2024 kam allerdings die \u00fcberraschende vorl\u00e4ufige Einstellung des Projektes. So hatte die linke SV-Partei die Regierung dazu aufgefordert, die Lizenzen zu streichen \u2013 daf\u00fcr w\u00fcrde sie dem Haushalt f\u00fcr 2025 zustimmen. Allerdings \u2013 so betont die Regierung \u2013 ist das ein Stopp auf Zeit: Nur bis zum Jahresende 2025 sollten keine Lizenzen vergeben werden. Der Abbau allerdings k\u00f6nnte bereits 2030 erfolgen. An Land dauert eine solche Genehmigung aufgrund strengerer Umweltvor-schriften, Landrechte und infrastruktureller Herausforderungen weitaus l\u00e4nger, betonen interessierte Bergbauunternehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch der WWF hatte gegen Norwegen einen Prozess aufgerollt. Die Folgenabsch\u00e4tzung enthalte zu wenig Informationen f\u00fcr die Bewertung der Auswirkungen auf die Meeresumwelt. Das Gericht entschied jedoch im Februar dieses Jahres gegen die Umweltorganisation und lehnte deren Klage ab. Kritiker bef\u00fcrchten neben der irreversiblen Zerst\u00f6rung des Meeresbodens auch eine schwere Beeintr\u00e4chtigung des Wassers (\u201eSedi-mentfahnen\u201c) in h\u00f6heren Meeresschichten und enorme Auswirkungen auf die dortige Fisch- und Tierwelt: Durch den L\u00e4rm k\u00f6nnte beispielsweise die Kommunikation vieler Walarten (z.B. Orcas, Nar- und Weisswale) weitestgehend beeintr\u00e4chtigt werden \u2013 h\u00f6rbar bis zu 500 km weit. Dies treibt pl\u00f6tzlich auch die internationale Fischereiindustrie auf die Barrikaden, die um ihre Fangquote f\u00fcrchtet. Schliesslich leben in diesen Gew\u00e4ssern zwischen Spitzbergen und der Insel Jan Mayen unz\u00e4hlige Fischarten, aber auch Krebstiere und Garnelen sowie seltene Arten wie etwa die L\u00f6wenm\u00e4hnen-Qualle oder die in der Tiefsee vorkommenden Dumbo-Oktopusse. Meeresbiologen sprechen von einem \u201ebiologischen Schatz\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Umweltorganisation Greenpeace weist indes darauf hin, dass die angesprochenen Mineralien k\u00fcnftig gar nicht mehr in diesem Ausma\u00df n\u00f6tig sein werden, da Hersteller zusehends auf Kobalt und Nickel f\u00fcr die Batterieproduktion verzichten. Der Bedarf k\u00f6nnte ohne weiteres durch ein effektiveres Recycling (Kreislaufwirtschaft) und weniger Konsum gedeckt werden! Auch haben sich mehr als 50 internationale Konzerne (darunter Apple, BMW, Google und Microsoft) dazu bereit erkl\u00e4rt, auf Rohstoffe aus dem Tiefseebergbau zu verzichten. \u00dcber 30 Staaten, darunter Deutsch-land, Frankreich und Kanada, fordern zusammen mit mehr als 900 Wissenschaftlern ein Moratorium und somit eine Nachdenkpause.<\/p>\n\n\n\n<p>Zust\u00e4ndig f\u00fcr Meeresbodengebiete, die in internationalen Gew\u00e4ssern liegen, ist die Internationale Meeresbodenbeh\u00f6rde (ISA) der Vereinten Nationen. Sie hat bereits einige sog. \u201eExplorationslizenzen\u201c etwa f\u00fcr den Pazifik vergeben. Grosses Interesse daran haben L\u00e4nder wie China, Russland und Japan. Bei den beiden erstgenannten kann davon ausge-gangen werden, dass beim Abbau keinerlei R\u00fccksicht auf die \u00d6kosysteme genommen wird. Japan zudem geh\u00f6rt auch nicht dem internationalen Walfangabkommen an, das ein Fangen der S\u00e4ugetiere nur zu wissenschaftlichen Zwecken erlaubt. In Norwegen betr\u00e4fe ein solcher Abbau aber keine internationalen, sondern territoriale Gew\u00e4sser und die ausschliessliche Wirtschaftszone (AWZ). Deshalb hat hier die ISA kein wirkliches Mitspracherecht.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer nun selbst in die Entscheidung eingreifen m\u00f6chte, kann unter<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/act.greenpeace.de\/protestmail-sos-aus-der-arktis\">https:\/\/act.greenpeace.de\/protestmail-sos-aus-der-arktis<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>via Greenpeace eine Protestmail an den norwegischen Premierminister schicken. Auch wenn sich das norwegische Parlament bereits f\u00fcr den Abbau ausgesprochen hat, so k\u00f6nnen viele Zuschriften vielleicht doch zu einer Meinungs\u00e4nderung f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lesetipps:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p> .) Der Tiefseebergbau: Eine interdisziplin\u00e4re Untersuchung der v\u00f6lker-rechtlichen Problematik; Gregory A. French; Heymann 1990<\/p>\n\n\n\n<p>.) Manganknollen &#8211; Tiefseebergbau und Ressourcenwerdung zwischen Rohstoffm\u00e4rkten, Politik und \u00d6kologie (1873\u20132022); Ole Sparenberg; Waxmann Verlag 2024<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Links:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li><a href=\"http:\/\/www.hi.no\/en\">www.hi.no\/en<\/a><\/li><li>seabedminingsciencestatement.org\/<\/li><li>hifmb.de\/de<\/li><li><a href=\"http:\/\/www.ices.dk\/\">www.ices.dk<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.greenpeace.de\/\">www.greenpeace.de\/<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.worldwildlife.org\/\">www.worldwildlife.org\/<\/a><\/li><li>oceanfdn.org\/de<\/li><\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Regionen dieser Erde, die noch weitestgehend unerforscht sind. Und jetzt sollen sie komplett zerst\u00f6rt werden \u2013 Tiefsee-Bergbau (Deep Sea Mining)! 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