
{"id":12198,"date":"2025-10-11T09:18:23","date_gmt":"2025-10-11T07:18:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/?p=12198"},"modified":"2025-10-11T09:18:23","modified_gmt":"2025-10-11T07:18:23","slug":"die-vernichtungsmaschinerie","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/index.php\/2025\/10\/11\/die-vernichtungsmaschinerie\/","title":{"rendered":"Die Vernichtungsmaschinerie"},"content":{"rendered":"\n<p>Erlauben Sie mir heute &#8211; gleich zu Beginn eine Frage: Sind Sie makellos? Nein? Ich w\u00fcrde es Ihnen nat\u00fcrlich w\u00fcnschen, kenne jedoch niemanden, der von sich aus behaupten k\u00f6nnte, er oder sie sei makellos. Und mein Bekanntenkreis ist wahrhaft kein kleiner! Doch weshalb fordern Sie Makellosigkeit von Obst, Gem\u00fcse, Fleisch, ja sogar von einer Ver-packung???<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Eine Verbraucherstudie hat aufgezeigt, dass rund die H\u00e4lfte aller Lebensmittel auf dem M\u00fcll landen. DIE H\u00c4LFTE!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im Auftrag des deutschen Bundesern\u00e4hrungsministeriums (BMLEH) wurden in den Jahren 2016, 2017 und 2020 durch die Gesellschaft f\u00fcr Konsumforschung (GfK) Daten gesammelt um ein repr\u00e4sentatives Ergebnis \u00fcber die Art und Zusammensetzung von Lebensmittelabf\u00e4llen zu bekommen, die in privaten Haushalten anfallen. Der Bericht haut einen vom Hocker: 35 Prozent der vermeidbaren Lebensmittelabf\u00e4lle entfallen auf frisches Obst und Gem\u00fcse, 13 Prozent auf Brot und Backwaren, 12 % auf Getr\u00e4nke und schliesslich 9 % auf Milchprodukte. Zudem werden zu viele bereits zubereitete Mahlzeiten entsorgt. Und ein weiterer Fakt: Je j\u00fcnger der Haushaltsvorstand, desto mehr potenziell verwertbare Lebens-mittel werden weggeworfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mein Gott &#8211; darf das denn \u00fcberhaupt wahr sein? Weltweit sind nach dem soeben erschienenen 20. Welthunger-Index 2 Millionen Menschen akut vom Hunger betroffen, weitere rund 24,6 Millionen alleine im Sudan von akuter Ern\u00e4hrungsunsicherheit. Die weltweite Unterern\u00e4hrung lag im Jahr 2024 bei 673 Millionen Menschen. Jedes Jahr fallen 8,8 Mio Menschen dem Hungertod zum Opfer &#8211; das ist ein Mensch alle drei Sekunden (Stand: 2007)! Unglaublich, w\u00e4hrend in den Hungergebieten jeder froh ist f\u00fcr ein St\u00fcck Brot oder eine Schale Reis, wird das hierzulande wegge-worfen. Grosse Teile davon noch bevor sie den Besitzer wechseln. Der Handel weist Kartoffeln, Karotten, Zwiebeln oder Kopfsalate zur\u00fcck, da sie zu klein sind oder nicht so perfekt aussehen, wie sie sollten. Das mag der Konsument nicht. Somit erspart sich mancher Bauer die Fahrtkosten, sortiert diese aus und entsorgt sie direkt bei Vergasungsanlagen oder pfl\u00fcgt sie wieder unter. Im Experten-Fachjargon spricht man hierbei von \u201ekosmetisch mangelhaften Agrar-Produkten\u201c (auch die Farbe bei Tomaten ist ein entscheidendes Kaufkriterium). Was f\u00fcr eine Verschwendung!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nach einer Studie des Worldwatch Institutes in Washington wird auf diese Weise dermassen viel an Nahrungsmitteln vernichtet, wie sie der kompletten Nahrungsmittelproduktion der s\u00fcdlich der Sahara gelegenen afrikanischen Staaten entspricht!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>230 Mio Tonnen geschmacklich hervorragender Lebensmittel, noch bevor sie die Chance hatten, gekauft zu werden. Auch soziale und wohlt\u00e4tige Aktionen oder Vereinigungen, wie etwa die Tafeln oder Tischlein deck dich, bekommen hiervon nichts ab, da diese Lebensmittel erst gar nicht in die Nahrungskette kommen. Gleiches auch in der Fischerei: F\u00fcr jeden essbaren Fisch landet ein zweiter Fisch als Beifang im Netz und wird tod wieder im Meer entsorgt! Oder: 20 % der Bananenernte in Afrika und Mittelamerika wird vorort entsorgt, da sie nicht den Normen des Handels entsprechen, Farmer in den USA pfl\u00fcgen ein F\u00fcnftel der Melonenernte wieder unter, da sie einen Makel an der Oberfl\u00e4che haben. Ist das nicht pervers?<\/p>\n\n\n\n<p>Erschreckende Dokumentationen wie \u201eTaste the waste\u201c oder ein im \u00f6sterreichischen Fernsehen gezeigter \u201eAm Schauplatz\u201c liefern hierf\u00fcr den Beweis. Den Bauern selbst blutet dabei das Herz. Klimatische Ver-\u00e4nderungen, die Launen der Natur, Fehler im Anbau, gesetzliche Richt-linien und die Gewinnmaximierung im Handel tragen daf\u00fcr die Verant-wortung. Doch wirklich schuld daran ist das Konsumverhalten eines jeden Einzelnen. Klar &#8211; auch ich mag es, wenn der Inhalt eines 5 kg-Kartoffel-sackes eine halbwegs vern\u00fcnftige Gr\u00f6sse oder Aussehen hat, dann muss weniger gesch\u00e4lt werden. Zudem habe ich etwas dagegen, wenn ich teures Geld daf\u00fcr bezahle und rund ein Viertel oder gar ein Drittel des Gewichtes sind Schalen. Deshalb greife ich h\u00e4ufiger auf Aktionen zur\u00fcck. Zwar sind hier die Kartoffeln vielleicht nicht so sch\u00f6n oder gross wie die anderen, teureren Kollegen, doch bezahle ich auch deutlich weniger daf\u00fcr. Zudem helfe ich den Bauern dabei, auch solche Ernteertr\u00e4ge verkaufen zu k\u00f6nnen. Dadurch landet weniger Nahrung auf dem M\u00fcll. Immer wieder heisst es, dass das Pflegesystem in den industrialisierten L\u00e4ndern langsam nicht mehr finanzierbar wird. W\u00fcrden allerdings solche Lebensmittel, die den Vorstellungen der \u00dcberfluss-Gesellschaft nicht entsprechen, g\u00fcnstiger eingekauft werden &#8211; sofern sie nicht wirklich schlecht bzw. ungeniessbar sind &#8211; bliebe beispielsweise auch mehr Geld f\u00fcr Pflegepersonal \u00fcbrig. Oder Arbeitslose auf den Feldern einsetzen, die zugunsten der Pflegeeinrichtungen Karotten oder Zwiebeln sowie Kartoffeln aufsammeln, die bei der Ernte liegen geblieben sind. Dies aufzusammeln ist f\u00fcr die meisten Bauern nicht rentabel, da die Lohn-kosten meist h\u00f6her sind als der erzielte Ertrag.<\/p>\n\n\n\n<p>In den vorhin angesprochenen beiden Filmen werden auch die sog. \u201eM\u00fclltaucher\u201c vorgestellt. Menschen, die sich zumeist die Nahrung nicht leisten k\u00f6nnen, tauchen in die Abfall-Container der Supermarktketten und holen sich dort essbare Abf\u00e4lle heraus. Immer wieder finden sich dabei Lebensmittel, die das Mindest-Haltbarkeitsdatum noch gar nicht erreicht haben &#8211; also durchaus noch verkaufbar w\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tausende Menschen in Deutschland, der Schweiz und \u00d6sterreich ern\u00e4hren sich inzwischen auf diesem Wege.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Manche Markt- oder Filialleiter haben ein Einsehen und deponieren essbare Waren eigens neben den M\u00fclltonnen. Bemerkt dies allerdings der kontrollierende Regionalleiter, hagelt es Abmahnungen. Schliesslich k\u00f6nnte es ja sein, dass einer dieser M\u00fclltaucher krank wird oder gar verstirbt. Es k\u00f6nnte ein Zusammenhang hergestellt und die Supermarkt-kette verklagt werden. Wird das Brot allerdings in die M\u00fclltonne entsorgt, kann man den Gewinn-Maximierern nichts anhaben \u2013 dann ist es Dieb-stahl. Hier kommen nun die vorhin angesprochenen sozialen Vereine ins Spiel. Sie besuchen im regelm\u00e4ssigen Abstand die Gesch\u00e4fte und holen die Lebensmittel, die geniessbar sind, direkt im Gesch\u00e4ft ab &#8211; also nicht aus der Tonne. Sie werden entweder kostenlos an Bed\u00fcrtftige ausgegeben oder f\u00fcr einen symbolischen Euro verkauft bzw. entstehen daraus Men\u00fcs f\u00fcr Obdachlose und Gestrandete, die froh sind, eine warme Mahlzeit im Magen zu haben. Und all das mit dem, das die anderen nicht mehr haben wollen, die sich aber trotzdem immer mehr beschweren, dass das Leben langsam nicht mehr finanzierbar ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit auch rasch zum Hauptschuldigen: Dem Konsumenten! Es ist toll, wenn ich nach einem harten Arbeitstag noch kurz vor Ladenschluss in ein Gesch\u00e4ft gehen kann und dort frisches Brot erhalte. Trotzdem k\u00f6nnte ich liebend gerne darauf verzichten, wenn ich damit etwas bewirken kann.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Jeden Tag wird in Deutschland 20 % mehr Brot produziert, als verbraucht wird.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In \u00d6sterreich werden pro Jahr 52.000 Tonnen Backwaren durch die B\u00e4ckereien entsorgt. Hiermit k\u00f6nnte der komplette Hunger in beiden L\u00e4ndern gestillt werden &#8211; es bliebe gar noch etwas \u00fcbrig. Doch anstatt dessen landet es auf dem M\u00fcll. Viele Mitarbeiter im Einzelhandel, die f\u00fcr einen Mindestlohn arbeiten, w\u00e4ren zudem froh, wenn sie diesen Aus-schuss mitnehmen k\u00f6nnten. Doch d\u00fcrfen sie auch das nicht. P\u00fcnktlich um 19.00 Uhr wird die teilweise noch volle Theke leerger\u00e4umt &#8211; was eine Minute zuvor noch 2,50 \u20ac gekostet hat, landet im Container. Daf\u00fcr steigen allerdings die Preise. Logisch, muss doch dieser Abgang \u00fcber die verkauften Produkten mitfinanziert werden. Hinzu kommt ferner die Vernichtung, die meist teurer wird als die Herstellung. Der Konsument bestimmt die Richtlinien im Handel. Was nicht entspricht, bleibt liegen und wird zum Fall f\u00fcr die Entsorgung. Und die ist inzwischen zum Millionengesch\u00e4ft avanciert.<\/p>\n\n\n\n<p>Allerdings sollten auch die Haushalte selbst als Nahrungsvernichter nicht untersch\u00e4tzt werden &#8211; ganz im Gegenteil. Einerseits werden durchaus geniessbare Produkte, die kurz vor dem Ablauf des Mindest-Haltbar-keitsdatums heruntergesetzt wurden, nicht gekauft. Andererseits befindet sich so manch einer mit dem ersten Schritt in den Supermarkt im Kaufrausch. Mehr als eigentlich verbraucht wird, landet im Einkaufs-wagen. Die Gewinnoptimierer sind nat\u00fcrlich auch nicht dumm und haben die vormals handlichen, kleinen Einkaufswagen durch Grossraum-LKWs ersetzt, in die wesentlich mehr reinpasst. Zuhause angelangt wird beim Abendessen vom Speck das Fett weggemacht, die Brotrinde abge-schnitten, der Apfel gesch\u00e4lt oder auch das Fett des Fleisches vor dem Anbraten entfernt. W\u00e4re es nicht weitaus besser gewesen, anstelle des Specks vielleicht fettlosen Schinken, anstelle des Schwarzbrotes Vollkorn-Toast-Brot, anstelle des frischen Apfels Apfelmus oder eingelegte Apfelst\u00fccke und anstelle des Schulterbratens ein St\u00fcck mageres Fleisch zu kaufen? Haben wir allesamt unsere Essgewohnheiten dermassen ge\u00e4ndert, dass jetzt das, was in fr\u00fcheren Zeiten eine Hauptmahlzeit bedeutete, nun weggeworfen wird?<\/p>\n\n\n\n<p>Auch die Sache mit dem Mindest-Haltbarkeitsdatum ist mehr als \u00e4rgerlich. Der Produzent muss dies anbringen, damit er rechtlich aussen vor ist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das MHD ist die Herstellergarantie f\u00fcr die Produktqualit\u00e4t &#8211; es hat nichts mit dem Verbrauchsdatum zu tun!!!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Tats\u00e4chlich sind somit die meisten Produkte noch weitaus l\u00e4nger geniessbar. Einige Haushalte entsorgen diese sogar noch vor diesem Datum! Hallo? Beim Joghurt etwa wird damit garantiert, dass z.B. die Cremigkeit bis zu diesem Mindest-Haltbarkeitsdatum gew\u00e4hrleistet wird. Mit Verbrauchs- oder Ablaufdatum steht dies in keinem Zusammenhang (sehr wohl hingegen etwa beim Hackfleisch). So h\u00e4lt sich beispielsweise nicht-w\u00e4rmebehandeltes Erdbeerjoghurt zwischen drei bis sechs Monate lang (Stiftung Warentest). Untersuchungen haben ergeben, dass ein Gros der Verbraucher nur nach dem Datum geht, sich dabei nicht um das k\u00fcmmert, was davor steht. Deshalb gibt es auch bereits viele Stimmen, die das MHD abgeschafft wissen m\u00f6chten. 84 % der in Deutschland weggeworfenen Lebensmittel werden aufgrund des MHDs entsorgt, oder weil sie tats\u00e4chlich nicht mehr geniessbar sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Bislang noch gar nicht erw\u00e4hnt wurden jene Lebensmittel, die w\u00e4hrend des Transports, aufgrund mangelhafter Lagerung oder Fehler bei der Verpackung zugrunde gehen. Beispielsweise 150 Mio Tonnen Getreide in den Entwicklungsl\u00e4ndern, das Sechsfache, um den Hunger all der Menschen dort zu stillen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als ich all diese Zeilen gelesen habe, wurde mir schwindelig vor Augen. Die vom Unternehmen Cofresco durchgef\u00fchrte Verbraucherstudie \u201eSave Food\u201c brachte im Jahr 2011 die grauenvollen Zahlen zu Papier: Deutsche Haushalte werfen rund 21 % der erworbenen Lebensmittel weg, da der Einkauf schlecht geplant ist &#8211; dies sind in etwa 11 Mio Tonnen. Dabei landet beinahe ein Drittel davon in Originalverpackung im M\u00fcll! Rund die H\u00e4lfte k\u00f6nnte eingespart werden. Eine weitere Studie der Universit\u00e4t Stuttgart im Auftrag des BMELVs best\u00e4tigt dies: Jeder Deutsche entsorgt im Jahresdurchschnitt auf diese Art 81,6 kg an Lebensmitteln im Wert von 235,- \u20ac! 61 % stammt aus Privathaushalten, 17 % von Grossabnehmern (Hotels, Kantinen, Gastronomie) und 5 % aus dem Einzelhandel. Zahlen, die in der Arbeit aufgetreten, jeden Chef zur Weissglut bringen und einen Entlassungsgrund darstellen k\u00f6nnen. Im Rahmen dieser Studie proto-kollierten ca. 1.500 Konsumenten ihr Wegwerfverhalten als \u201eAbfall-Tage-b\u00fccher\u201c auf einer Webseite. Parallel dazu wurde eine Online-Umfrage durchgef\u00fchrt. Die meisten wussten, dass ein bewussterer Einkauf ziel-f\u00fchrend w\u00e4re. Doch lassen sich viele in den zumeist nach allen werbe-psychologischen Tricks aufgebauten Durchgangsschleusen der M\u00e4rkte hinter&#8217;s Licht f\u00fchren. Sonderangebote und die Werbung f\u00fchren zum vermehrten Griff in die Regale. Dabei \u00fcberlegen sich viele gar nicht, ob sie dermassen viel aufbrauchen k\u00f6nnen. Ein Bekannter griff immer im Herbst zu: Kohl bzw. Kraut (in \u00d6sterreich)! Sehr schmackhaft und auf die unterschiedlichsten Arten zubereitbar. Also kaufte er immer gleich zehn Kilo davon, da der Sack g\u00fcnstiger war. Meist aber brauchte er nur zwei oder gar einen Kopf davon. Der Rest wurde weggeworfen. Kohlrouladen an einem Tag und Kohlsuppe am n\u00e4chsten Tag &#8211; damit hat Otto Normalverbraucher seinen Kohl-Bedarf f\u00fcr einige Wochen gedeckt. Ich bin \u00fcbrigens auch einer jener welchen. Ich kaufe meist mehr ein, koche (Hobbykoch aus Leidenschaft) wesentlich mehr, nutze allerdings auch meinen Tiefk\u00fchl-Schrank. Lebensmittel roh oder als fertige Speise eingefroren, steigert &#8211; na no net &#8211; die Haltbarkeit. Brot beispielsweise &#8211; den Wecken halbieren und die eine H\u00e4lfte davon einfrieren. Wurst en gros gekauft, portionieren und einfrieren. Auch der Kohl k\u00f6nnte eingefroren werden, wenn er zuvor blanchiert wird. Somit denke ich bereits beim Einkauf dar\u00fcber nach, was ich bis zum n\u00e4chsten Mal ben\u00f6tige, was ich somit aufbrauche und was durch entsprechende Lagerung l\u00e4nger verwendet werden kann, ohne dass dies verdirbt. Bei jedem Lebensmittel, das ich wegwerfe, habe ich nicht etwa ein schlechtes Gewissen wegen des Geldes:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nein &#8211; ich habe dann vielmehr das Bild eines afrikanischen Kindes mit seinem aufgebl\u00e4hten Bauch vor Augen, das vielleicht gerade durch das, was ich da wegwerfe, vor dem Hungertod h\u00e4tte bewahrt werden k\u00f6nnte.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Wegwerfgesellschaft ist ein Beispiel daf\u00fcr, dass der Verbraucher unm\u00fcndig ist. Wir schimpfen \u00fcber die Reichen, die immer noch reicher werden, verhalten uns aber in unserer Umwelt v\u00f6llig identisch. Dabei ist es mir komplett egal, ob Sie ihre Couch, die noch tip top in Ordnung ist, entsorgen, da sie etwas anderes haben m\u00f6chten. Ob Sie die hochgiftigen Batterien wegwerfen, obwohl sie noch Leistung bringen w\u00fcrden. Ob Sie verbotenerweise Ihr Auto zuhause mit dem Dampfstrahler reinigen, obwohl es hierf\u00fcr Autowaschanlagen g\u00e4be, die auch das Wasser wieder aufbereiten. Doch bei Lebensmitteln gehe ich voll auf Konfrontation. Die Welt steuert n\u00e4mlich auf eine Lebensmittelkrise ohne gleichen zu. Missernten oder D\u00fcrrekatastrophen wird es aufgrund klimatischer Ver\u00e4nderungen immer h\u00e4ufiger geben. Solche in Somalia, Namibia oder Zimbabwe haben in diesem Jahr beispielsweise das angestrebte Nahrungs-Gleichgewicht wieder um Jahre nach hinten geworfen. Noch hat die industrialisierte Welt gen\u00fcgend Geld um sich einen Wecken Brot auch um 5,- \u20ac leisten zu k\u00f6nnen. Allerdings wandert immer mehr Wirtschaftskraft in die Schwellen- und Entwicklungsl\u00e4nder ab. Die Zahl jener Menschen, die auch hierzulande auf ihr Geld schauen m\u00fcssen, steigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Immer mehr Anbaufl\u00e4chen werden exzessiv und nicht nachhaltig bewirt-schaftet. Nach drei bis vier Jahren Sojabohnen-Anbau ist der Boden aus-gelaugt und wird zum Brachland. Dann wird wieder Urwald gerodet. Zudem werden immer mehr Fl\u00e4chen f\u00fcr den Anbau von Biosprit verwendet. Anstatt hier ein Umdenken zu bewirken, dass die 200 Meter ins n\u00e4chste Gesch\u00e4ft durchaus zu Fuss oder die 2 km mit dem Rad absolviert werden k\u00f6nnten, somit der Verbrauch heruntergeschraubt wird, bleibt dieser konstant. Die nachfolgenden Generationen werden uns dies danken!<\/p>\n\n\n\n<p>Und schliesslich der Fleischkonsum.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201e<em>Die Menschheit n\u00e4hert sich den Grenzen des verf\u00fcgbaren Farmlandes und der f\u00fcr die Landwirtschaft nutzbaren Wasserversorgung \u2013 und hat sie mancherorts schon \u00fcberschritten!\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>(Robert Engelman, Worldwatch-Institutsdirektor).<\/p>\n\n\n\n<p>Wer hierbei vielleicht von Umwegrentabilit\u00e4t spricht, liegt aber sowas von volkswirtschaftlich daneben. Der Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen f\u00fcr \u201eExtreme Armut und Menschenrechte\u201c, Olivier de Schutter, meint: Wird der Fleischkonsum bis 2050 weltweit auf dem Niveau von 2000 festgesetzt (j\u00e4hrlich 37,4 kg pro Kopf), so \u201ek\u00f6nnten ungef\u00e4hr 400 Millionen Kilo Getreide f\u00fcr die menschliche Ern\u00e4hrung freigesetzt werden!\u201c Genug, um damit 1,2 Milliarden Menschen mit Kalorien versorgen zu k\u00f6nnen. Das Tier ben\u00f6tigt weitaus mehr Kalorien f\u00fcr den Aufbau des Skeletts, die K\u00f6rperfunktionen und die Bewegung als f\u00fcr den Muskelapparat (Fleisch). Auch der ehemalige Pr\u00e4sident der Albert Schweitzer Stiftung, Wolfgang Schindler, meint:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201e<em>Wir k\u00f6nnen dazu beitragen, den Welthunger zu \u00fcberwinden, indem wir weniger oder am besten gar kein Fleisch essen!\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Weg von der exzessiven Fleischproduktion. In fr\u00fcheren Zeiten gab es auch nicht jeden Tag Fleisch zum Mittagessen. Zus\u00e4tzlich positiver Nebeneffekt: Die Massentierhaltung (industrialisierte Fleischproduktion) lohnt sich nicht mehr &#8211; sie ersparen damit sehr vielen Tieren grausame Qualen!<\/p>\n\n\n\n<p>Zudem muss mit den bestehenden Ressourcen schonend umgegangen werden &#8211; sparen heisst somit die Devise. Das fordert auch die Ern\u00e4hrungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO). Die weltweiten Verluste und die Verschwendung von Lebensmitteln muss in den n\u00e4chsten Jahren um viele Prozent reduziert werden. Zudem sollten effektivere Wertsch\u00f6pfungsketten und ein fairer Marktzugang f\u00fcr Kleinproduzenten geschaffen werden. Wenn etwa das Getreide aus den USA in Afrika g\u00fcnstiger ist, als das vorort angebaute, wird es keine Getreidebauern dort geben. Gem\u00e4ss der Studie \u201eDas grosse Wegschmeissen\u201c des WWFs werden alleine in Deutschland pro Jahr 18 Mio Tonnen Lebensmittel (rund ein Drittel des aktuellen Nahrungs-mittelverbrauch von 54,5 Mio Tonnen) weggeworfen. Weltweit sind es nach Angaben der FAO 1,3 Milliarden Tonnen. Durch das Verrotten der Lebensmittel entsteht Methan, das erheblich zum Klimawandel beitr\u00e4gt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Experten sch\u00e4tzen, dass bei einer Halbierung des Lebensmittelm\u00fclls dermassen viele Klimagase nicht mehr freigesetzt werden, als w\u00fcrde jedes zweite Auto stillgelegt!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>K\u00f6nnten die Nahrungsmittel gerettet werden, w\u00e4re der Hunger auf der Welt nachhaltig bek\u00e4mpft, der Umwelt etwas gutes getan und die Preise gedr\u00fcckt. Also &#8211; bitte behandeln Sie die Nahrung auch als das, was sie ist: Lebensmittel &#8211; Mittel zum Leben!!!<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lesetipps:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>.) Die Essensvernichter. Warum die H\u00e4lfte aller Lebensmittel im M\u00fcll landet und wer daf\u00fcr verantwortlich ist; Stefan Kreutzberger\/Valentin Thurn; Kiepenheuer &amp; Witsch Verlag 2011<\/p>\n\n\n\n<p>.) Zero Waste Home. The Ultimate Guide to Simplifying Your Life by Reducing Your Waste; Bea <em>Johnson; <\/em>Simon &amp; Schuster 2013<\/p>\n\n\n\n<p>.) Afluenza. Zeitkrankheit Konsum; John de Graaf\/David Wann\/Thomas H. Naylor; Riemann 2002<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Links:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li><a href=\"http:\/\/www.concern.net\/\">www.concern.net\/<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.welthungerhilfe.de\/\">www.welthungerhilfe.de<\/a><\/li><li>de.wfp.org<\/li><li><a href=\"http:\/\/www.globalhungerindex.org\/\">www.globalhungerindex.org<\/a><\/li><\/ul>\n\n\n\n<ul><li><a href=\"http:\/\/www.bund.net\/\">www.bund.net<\/a><\/li><li>greenpeace.at<\/li><li><a href=\"http:\/\/www.oeko.de\/\">www.oeko.de<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.wwf.de\/\">www.wwf.de<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.bmleh.de\/\">www.bmleh.de<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.ifhv.de\/\">www.ifhv.de\/<\/a><\/li><\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erlauben Sie mir heute &#8211; gleich zu Beginn eine Frage: Sind Sie makellos? Nein? Ich w\u00fcrde es Ihnen nat\u00fcrlich w\u00fcnschen, kenne jedoch niemanden, der von sich aus behaupten k\u00f6nnte, er oder sie sei makellos. 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