
{"id":12349,"date":"2025-11-29T09:30:56","date_gmt":"2025-11-29T07:30:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/?p=12349"},"modified":"2025-11-29T09:30:56","modified_gmt":"2025-11-29T07:30:56","slug":"schweinswale-vom-aussterben-bedroht","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/index.php\/2025\/11\/29\/schweinswale-vom-aussterben-bedroht\/","title":{"rendered":"<strong>Schweinswale \u2013 vom Aussterben bedroht<\/strong>"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Landesstelle Ostseeschutz des Naturschutzbundes NABU schl\u00e4gt Alarm:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201e<em>Die Population geht stark zur\u00fcck!\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>(Dagmar Stru\u00df, Leiterin der Landesstelle Ostseeschutz des NABU)<\/p>\n\n\n\n<p>Frau Stru\u00df macht sich besonders gro\u00dfe Sorgen um die Schweinswale (Phocoenidae), dem \u201eTier des Jahres 2022\u201c. Diese z\u00e4hlen zu den Wal-artigen (Cetacea) und sind somit Meeress\u00e4ugetiere. Der gew\u00f6hnliche Schweinswal geh\u00f6rt zur Gruppe der Zahnwale &#8211; er ist der kleinste dieser Gruppe. Aufgrund ihrer Morphologie und Anatomie bilden sie eine eigene Familie und werden nicht den Delphinen zugeordnet, vielmehr jedoch den Delphinartigen. Der Schweinswal besitzt einen eleganten, spindel-f\u00f6rmigen K\u00f6rper.<\/p>\n\n\n\n<p>Dagmar Stru\u00df weiter: Alleine zwischen 2016 und 2022 ist die Zahl der gew\u00f6hnlichen Schweinswale (Phocoena phocoena) in der westlichen Ostsee von rund 42.000 auf etwa 14.000 Exemplare geschrumpft. Doch das ist noch l\u00e4ngst nicht alles &#8211; zwischen Kattegat und Bornholmer Becken (innere Ostsee) wird der Bestand nurmehr auf zwischen 100 bis 1.000 gesch\u00e4tzt. Damit ist diese Tierart akut vom Aussterben bedroht! Die Verantwortung hierf\u00fcr tr\u00e4gt einmal mehr der Mensch: \u00dcberfischung, Unterwasserl\u00e4rm, Ver\u00e4nderungen des Lebensraumes, &#8230; Doch krepieren die meisten Tiere elendigst in den Stellnetzen: Sie verfangen sich in den Netzen, k\u00f6nnen zum Luftholen nicht mehr auftauchen und ertrinken. Als Beifang landen sie auf den Fischkuttern und werden zumeist wieder in die See geworfen. Die Wissenschaftler des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund fordern deshalb andere Fangmethoden. Bis dies allerdings umgesetzt w\u00fcrde, d\u00fcrfte es kaum mehr Schweinswale in der Ostsee geben. Und hier sto\u00dfen die Meeresbiologen und Tiersch\u00fctzer auf eine durchaus starke Lobby: Die Fischindustrie! Erst in diesem Jahr best\u00e4tigte die EU die Fangquoten, wonach kleine K\u00fcstenfischer auch weiterhin auf diese Art Heringe fischen d\u00fcrfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch betrachten wir uns die einzelnen Faktoren etwas genauer, da sie meist auch in der Hochsee-Fischerei ein Problem darstellen.<\/p>\n\n\n\n<p>.) <strong>Unterwasserl\u00e4rm<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wie an dieser Stelle bereits berichtet, nimmt dieser L\u00e4rm stets zu &#8211; vor allem, wenn es um den Abbau von Rohstoffen am Meeresboden geht. Wale und Delphine sind extremst l\u00e4rmempfindlich. F\u00fcr ihre Kommuni-kation und Orientierung verwenden Wale eine Art Biosonar (Echolokation) mit Klicklauten &#8211; erzeugt durch die \u201ePhonischen Lippen\u201c (Frequenz von 130 kHz &#8211; weit au\u00dferhalb des menschlichen Schallbereiches). Die Laute breiten sich mit einer Geschwindigkeit von rund 1.500 m\/sec aus. Das Echo nimmt der Schweinswal \u00fcber den Unterkiefer auf. Hierdurch k\u00f6nnen sie miteinander kommunizieren, Hindernissen ausweichen und nicht zuletzt auch Beute ausmachen. Werden sie nun durch Schiffsschrauben, Windenergie-Rotoren oder gar Maschinen am Meeresboden gest\u00f6rt, tauchen sie zu ihrem Schutz an einer ruhigeren Stelle auf den Meeres-boden und verhalten sich still. Neben dem Sauerstoffmangel leidet auch ihre Ern\u00e4hrung darunter. Schweinswale nehmen t\u00e4glich bis zu 10 % ihres K\u00f6rpergewichtes an Nahrung auf. Viele der Kleinen T\u00fcmmler sind unter-ern\u00e4hrt. Dauert der L\u00e4rm an, verlassen sie ihren angestammten Lebens-raum.<\/p>\n\n\n\n<p>.) <strong>Nahrungsangebot<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Oftmals ist es die \u00dcberfischung durch Fischereiflotten, die den gr\u00f6\u00dferen Fischen oder Tieren die Nahrung praktisch wegfischen, so kommt in der Ostsee auch dem Klimawandel eine entscheidende Rolle zu: Schweinswale ern\u00e4hren sich vornehmlich durch den Hering. Die Ostsee ist eines jener Meere, die sich am schnellsten erw\u00e4rmen. Deshalb schl\u00fcpfen die Heringe fr\u00fcher, finden keine Nahrung und verhungern. Obwohl die Schweinswale \u00fcber Z\u00e4hne verf\u00fcgen, wird die Beute mit dem Kopf voraus als Ganzes verschlungen. Die Z\u00e4hne dienen nur dem Ergreifen der Beute.<\/p>\n\n\n\n<p>.) <strong>Umweltverschmutzung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es ist l\u00e4ngst kein Geheimnis mehr: Die Ostsee droht zu kippen! 25 % des Meeresbodens gelten als biologisch tot! Nur alle 30 Jahre wird das gesamte Wasservolumen durch die Wasserzirkulation ausgetauscht. Somit bleiben all die menschlich verursachten Umweltverschmutzungen \u00fcber Jahrzehnte hinweg in der Ostsee. Das betrifft einerseits die Ableitungen der Abw\u00e4sser der Schiffe bzw. die Einleitungen von Abw\u00e4ssern vom Land aus, was zu einer \u00dcberd\u00fcngung der Ostsee f\u00fchrt. Andererseits die Verschmutzung durch Kunststoff aber auch Chemikalien. Auch hier spielt die illegale Giftm\u00fcllentsorgung eine entscheidende Rolle. Doch &#8211; wie ebenfalls an dieser Stelle bereits berichtet &#8211; wurden vornehmlich nach dem Zweiten Weltkrieg viele chemische Kampfstoffe zuhauf fassweise in der Ostsee entsorgt. Nervengifte, die nicht nur f\u00fcr den Menschen t\u00f6dlich sind. Die F\u00e4sser sind inzwischen durchgerostet, wodurch immer mehr der Gifte freigesetzt werden. Sie reichern sich entweder in den Fischen an und kommen dadurch in die Nahrungskette oder f\u00fchren etwa bei den Schweinswalen zu Fieber und Atemnot. Das Plastik reichert sich im Magen des Schweinswales an, er verhungert trotz vollen Magens.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus all diesen Mosaiksteinchen, werden sie zusammengef\u00fcgt, ergibt sich nur eine einzige M\u00f6glichkeit f\u00fcr die Ostsee: Ein Nationalpark Ostsee!!! Und dies so rasch wie m\u00f6glich, bevor es zu sp\u00e4t ist. Dadurch k\u00e4me es zu keinem Unterwasserl\u00e4rm, zu keinen Abw\u00e4ssern und zu keinen Chemikalien mehr. Das allerdings funktioniert nur im Ganzen, da ansonsten von den Umweltzerst\u00f6rern auf jene Regionen ausgewichen wird, die nicht dezidiert gesch\u00fctzt sind. Durch die Str\u00f6mungsverh\u00e4ltnisse w\u00e4ren weiterhin auch gesch\u00fctzte Regionen nicht wirklich gesch\u00fctzt! Experten warnen deshalb:<\/p>\n\n\n\n<p>Gibt es keinen Schweinswal mehr in der Ostsee, gibt es auch keine Ostsee mehr.<\/p>\n\n\n\n<p>Zuletzt (neben den bereits erw\u00e4hnten) noch einige Daten zum Schweins-wal: Er wird rund 1,80 m lang, bis zu 75 kg schwer und bis zu 12 Jahre alt; er ern\u00e4hrt sich in der Ostsee vornehmlich von Heringen, Grundeln und kleineren Dorschen, in der Nordsee auch von Sandaalen und See-zungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Alfred Brehm beschrieb bereits 1877 den Lebensraum der \u201eBraunfische\u201c (dunkler bis tiefschwarzer R\u00fccken). Erstmals namentlich erw\u00e4hnt wurden die Schweinswale 1935 durch die Hamburger Zoologin Erna Mohr, die davon berichtet, dass die \u201eSchweinsfische\u201c zumeist in gr\u00f6\u00dferen Scharen schwimmen und sich recht h\u00e4ufig in der Umgebung von Fischkuttern aufhalten. In den 1980er Jahren wurde der Schweinswal in die Liste der bedrohten Tierarten aufgenommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die M\u00e4nnchen werden bereits im Alter von ein bis zwei Jahren geschlechtsreif, die Weibchen mit 3 bzw. 4 Jahren. Die Paarungszeit l\u00e4uft zwischen Mitte Juli bis Ende August. Der Wurf besteht aus einem Kalb mit bis zu sieben Kilogramm und 90 cm L\u00e4nge. Die durchschnittliche Schwimmgeschwindigkeit liegt bei f\u00fcnf bis sieben Stundenkilometern, f\u00fcr kurze Zeit k\u00f6nnen jedoch auch 22 km\/h erreicht werden. Das Aus- und Einatmen findet zwei- bis viermal die Minute an der Wasseroberfl\u00e4che statt und dauert gerade mal zwei Sekunden. Die Tauchtiefe liegt bei bis zu 60 m, in der kanadischen Bay of Fundy allerdings wurde ein Schweinswal auch in 226 m Meerestiefe beobachtet. Sehr interessant ist alsdann das Ruheverhalten der Schweinswale. Sie schlafen nicht an einem St\u00fcck, sondern legen mehrfach am Tag sekundenlange D\u00fcmpelphasen an der Wasseroberfl\u00e4che ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Schweinswale kommen in vielerlei Arten auch in anderen Meeren vor: Der Kalifornische Schweinswal im Golf von Kalifornien (der \u201eVaquita\u201c gilt inzwischen als nahezu ausgestorben), der Burmeister-Schweinswal vor der Pazifikk\u00fcste und der s\u00fcdlichen Atlantikk\u00fcste S\u00fcdamerikas, der Brillenschweinswal vor der s\u00fcdamerikanischen Atlantikk\u00fcste und vor S\u00fcdost-Australien; der gew\u00f6hnliche Schweinswal als Phocoena phocoena phocoena im Nordatlantik, als Phocoena phocoena relicta im Schwarzen und Asowschen Meer und als Phocoena phocoena vomerina im Nord-pazifik. Andere Gattungen im Indischen Ozean, dem Indo-Pazifik und dem n\u00f6rdlichen Pazifik bzw. im Yangtze-Fluss,<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrliche Feinde sind nur verschiedene Haiarten oder Schwertwale. An angesp\u00fclten Kadavern werden immer wieder Bissspuren von Kegelrobben entdeckt. Ob diese die Kadaver oder den lebenden Schweinswal anfressen, ist bislang nicht bekannt. Schweinswale wurden durch den Menschen jahrhundertelang gejagt &#8211; seit dem 1. Juli 1975 (Inkrafttreten des Washingtoner Artenschutzabkommens) ist diese Jagd zumindest in allen EU-L\u00e4ndern verboten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lesetipps:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>.) Die Schweinswale: Familie Phocoenidae; Gerhard Schulze; Westarp Wissenschaften 1996<\/p>\n\n\n\n<p>.) Handbuch des Meeresnaturschutzrechts in der Nord- und Ostsee. Nationales Recht unter Einbezug internationaler und europ\u00e4ischer Vorgaben; H.-W. Louis; Springer 2012<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Links:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; <a href=\"http:\/\/www.deutsches-meeresmuseum.de\/\"><u>www.deutsches-meeresmuseum.de<\/u><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; schleswig-holstein.nabu.de<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; <a href=\"http:\/\/www.bfn.de\/\">www.bfn.de<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; www.deutschewildtierstiftung.de<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; <a href=\"http:\/\/www.stiftung-meeresschutz.org\/\">www.stiftung-meeresschutz.org<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; <a href=\"http:\/\/www.greenpeace.de\/\">www.greenpeace.de<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; <a href=\"http:\/\/www.wwf.de\/\">www.wwf.de\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; <a href=\"http:\/\/www.nabu.de\/\">www.nabu.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Landesstelle Ostseeschutz des Naturschutzbundes NABU schl\u00e4gt Alarm: \u201eDie Population geht stark zur\u00fcck!\u201c (Dagmar Stru\u00df, Leiterin der Landesstelle Ostseeschutz des NABU) Frau Stru\u00df macht sich besonders gro\u00dfe Sorgen um die Schweinswale (Phocoenidae), dem \u201eTier des Jahres 2022\u201c. 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