
{"id":12373,"date":"2025-12-06T07:39:03","date_gmt":"2025-12-06T05:39:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/?p=12373"},"modified":"2025-12-06T07:39:03","modified_gmt":"2025-12-06T05:39:03","slug":"gentechnik-bleibt-gentechnik","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/index.php\/2025\/12\/06\/gentechnik-bleibt-gentechnik\/","title":{"rendered":"Gentechnik bleibt Gentechnik"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Vorweg ein Hinweis:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der Autor ist weder Experte f\u00fcr Genetik, noch Medizin. Deshalb werden beide Bereiche in diesem Blog nur gestreift, damit dies zudem f\u00fcr Jedermann verst\u00e4ndlich bleibt!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die EU hat entschieden! Einmal mehr nicht f\u00fcr den Konsumenten! Mussten bislang Lebensmittel, die eine gentechnisch ver\u00e4nderte Zutat beinhalten, eindeutig gekennzeichnet sein (etwa \u201eHergestellt aus gene-tisch ver\u00e4nderten Zuckerr\u00fcben, Soja und Mais\u201c), so entf\u00e4llt dies in Zukunft. Konnte sich bis zu diesem Zeitpunkt der Konsument selbst entscheiden, ob er der Gentechnik Einlass in seinen Haushalt gew\u00e4hrte, so muss er k\u00fcnftig sehr genau lesen und recherchieren, was er seinen Kindern zum Abendbrot auftischt! Diese Kennzeichnungspflicht entf\u00e4llt n\u00e4mlich bei einigen Nahrungsmitteln: Jenen, die mit der sog. \u201eGenschere\u201c bearbeitet wurden!<\/p>\n\n\n\n<p>Was steckt dahinter?<\/p>\n\n\n\n<p>Die EU hat die weltweit strengsten Regel f\u00fcr den Einsatz und Verkauf gentechnisch ver\u00e4nderter Pflanzen. Dies war schon immer den global agierenden Saatgut-Konzernen wie Bayer\/Monsanto, Syngenta und Co ein Dorn im Auge. Das soll nun aufgeweicht werden. Vorerst f\u00fcr Produkte, die mit der sog. \u201eGenschere Crispr\u201c bearbeitet wurden. Hier muss fortan nurmehr das Saatgut eindeutig gekennzeichnet sein, damit der Bauer weiss, dass er gentechnisch ver\u00e4nderte Pflanzen anbaut! Dies beschlossen Vertreter des Europarlaments und der Kommission. Ziel ist es, dass Gem\u00fcse und Obst geschaffen wird, das resistenter gegen D\u00fcrre und N\u00e4sse ist um damit die Ernten zu vergr\u00f6ssern und die Pflanzen zudem weniger D\u00fcnger ben\u00f6tigen. Dies gilt f\u00fcr Pflanzen, die auch durch die nat\u00fcrliche Hybridz\u00fcchtung h\u00e4tten resistenter gemacht werden k\u00f6nnen. Also der Kreuzung zweier reinerbiger Inzuchtlinien, um sie da-durch leistungs- und widerstandsf\u00e4higer zu machen. Die Wissenschaft freut sich \u00fcber die Entscheidung, die Bio-Landwirtschaft sch\u00fcttelt nur-mehr resignierend den Kopf.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201e<em>Gentechnik k\u00f6nnte viel zu gr\u00fcner, ges\u00fcnderer Landwirtschaft beitragen!\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>(Ji\u0159\u00ed Friml, Biochemiker und Zellbiologe)<\/p>\n\n\n\n<p>Damit hinein ins Eingemachte! Die derzeitig geltende Regelung stammt aus dem Jahr 2001 und ist selbstverst\u00e4ndlich nicht mehr zeitgem\u00e4ss. Sie wird nun durch eine Reform gegen\u00fcber den Neuen Genomischen Techniken (NGT) erweitert. Hierunter fallen Werkzeuge bzw. Techniken wie etwa die 2012 durch die beiden Forscherinnen Emmanuelle Char-pentier aus Frankreich und Jennifer Doudna (USA) entdeckte \u201eGenschere CRISPR\/Cas9\u201c. Im Jahr 2020 wurde ihnen daf\u00fcr der Chemie-Nobelpreis zuerkannt. Wurden bislang in der klassischen Gentechnik fremde Gene in die DNA eines Organismuses eingebaut (es kommt dadurch zu \u201etransgenen Organismen\u201c), so wird dies mit CRISPR\/Cas9 wesentlich pr\u00e4ziser gemacht: Es k\u00f6nnen Teile der DNA entfernt, aber auch andere Teile eingef\u00fcgt werden. Allerdings d\u00fcrfen auch weiterhin keine art-fremden Gene bzw. &#8211; teile eingef\u00fcgt bzw. eine gewisse Anzahl der Ver\u00e4nderungen nicht \u00fcberschritten werden. Dadurch k\u00f6nnen diese bearbeiteten Pflanzen nicht mehr von den nat\u00fcrlichen Mutationen der herk\u00f6mmlichen Z\u00fcchtung unterschieden werden. Das kostet erheblich weniger Zeit als auf nat\u00fcrliche Art. Eigentlich ja eine gute Sache. Doch gibt es wie bei allen neuen Errungenschaften auch negative Seiten:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Wie wirken sich diese gentechnisch ver\u00e4nderten Lebensmittel auf den Menschen aus? Es fehlen die Langzeitstudien<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Durch Windverfrachtung kann es zu einer Befruchtung der gentechnisch ver\u00e4nderten mit den Bio-Pflanzen kommen, wodurch der Biobauer seinen Hof dicht machen m\u00fcsste<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Die Big-Player aus der Saatgut-Produktion werden die schon lange versuchte Monopolstellung durchboxen und endlich den grossen Reibach machen<\/p>\n\n\n\n<p>\u201e<em>Daf\u00fcr hat die Wissenschaft jahrelang gek\u00e4mpft!\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>(Heinz Fa\u00dfmann, Pr\u00e4sident der \u00d6sterreichischen Akademie der Wissen-schaften)<\/p>\n\n\n\n<p>Die Wissenschafter begr\u00fcssen diese Reform. Schliesslich sind viele Staaten wie China, die USA, Kanada und auch einige afrikanische L\u00e4nder wesentlich weiter als die EU-Mitgliedsl\u00e4nder. So k\u00f6nnen Pflanzen etwa auch resistenter gegen\u00fcber Sch\u00e4dlingen und Krankheiten gemacht werden. F\u00fcr die Monokultur-Landwirtschaft ein erheblicher Fortschritt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00d6sterreichs Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (\u00d6VP) hat aller-dings bereits eine Zustimmung in weite Ferne ger\u00fcckt \u2013 noch deutlicher wird der Landwirtschaftssprecher der Gr\u00fcnen im Europ\u00e4ischen Parlament, Thomas Waitz:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201e<em>Das Ergebnis ist eine totale Deregulierung: ein absoluter Super-GAU f\u00fcr Konsument:innen und f\u00fcr die europ\u00e4ische Biolandwirtschaft!\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Derselben Meinung ist sein deutscher Parteikollege Martin H\u00e4usling. Auch die FP\u00d6 steht dem Ganzen skeptisch gegen\u00fcber. In Deutschland schliessen sich dem die Verbraucherverb\u00e4nde, der Bauernverband und die SPD im Europaparlament an. Die letzteren Beiden sehen vornehmlich unklare rechtliche Verh\u00e4ltnisse, steigende finanzielle Belastungen sowie eine starke Machtkonzentration auf die Landwirtschaft und Lebensmittel-industrie zukommen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201e<em>Durch die hohen Kosten der Regulierung w\u00e4ren die Klein- und Mittel-betriebe hier nicht konkurrenzf\u00e4hig!\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>(Eva St\u00f6ger, BOKU Wien, Institut f\u00fcr Angewandte Genetik und Zellbiologie)<\/p>\n\n\n\n<p>So besteht beispielsweise die Gefahr, dass ein Bio-Bauer aus eigener Z\u00fcchtung auf die Eigenschaften der Pflanze kommt, diese aber nicht mehr anbauen darf, da bereits ein Patent auf die NGT-Pflanze besteht. In Fachkreisen wird betont, dass die Hersteller ein Nachweisverfahren zu liefern h\u00e4tten, was aber bislang noch nicht geschehen ist. F\u00fcr die Nachweisbarkeit der Genschere ist die EU verantwortlich. Schliesslich sind ver\u00e4nderte Pflanzen so gut wie gar nicht von ihren nat\u00fcrlichen Kollegen zu unterscheiden. Allerdings sind bereits entsprechende Produkte auf dem Markt &#8211; etwa das Soja\u00f6l des US-amerikanischen Unternehmens Calyxt aus Minneapolis.<\/p>\n\n\n\n<p>In \u00d6sterreich etwa sind mit CRISPR\/Cas9 bearbeitete Pflanzen bereits genehmigt, wenn deren Anbau nicht im Freien erfolgt und sie in weiterer Folge f\u00fcr medizinisch\/pharmazeutische Zwecke verwendet werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Dennoch \u2013 Gentechnik bleibt Gentechnik:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201e<em>Das Ergebnis (nach Genver\u00e4nderung mit der Genschere, Anm.) ist nicht nat\u00fcrlich passiert. Das macht die Technologie per Definition zur Gentechnik. Es ist ein gezielter Eingriff!\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>(Sebastian Theissing-Matei, Greenpeace \u00d6sterreich)<\/p>\n\n\n\n<p>Er stellt die Frage, ob wir solche \u201etollen Innovationen\u201c \u00fcberhaupt ben\u00f6tigen und fordert das Vorsorgeprinzip als Nachweis, dass diese Methode als sicher gilt, ebenso aber die Transparenz und Kennzeichnung bei betroffenen Produkten.<\/p>\n\n\n\n<p>Dem gegen\u00fcber stehen nicht weniger als 93 europ\u00e4ische Forschungs-einrichtungen (darunter auch die BOKU in \u00d6sterreich) bzw. fast 1.500 Wissenschaftler, die in einem offenen Brief an die Mitglieder des Europ\u00e4ischen Parlaments eine Lockerung des Gentechnikgesetzes und damit die Zulassung der Genschere fordern.<\/p>\n\n\n\n<p>Und &#8211; wie schaut\u2019s mit Tier und Mensch aus? Durchaus denkbar! K\u00fche, die gegen die Maul-und-Klauen-Seuche resistent sind, Gefl\u00fcgel gegen die Vogelgrippe, Schafe, die qualitativ hochwertige Wolle liefern, &#8230;! Probleme treten allerdings beim Menschen auf: Hier geht es um das Designer-Baby! Viele ethische Fragen m\u00fcssten zuvor gekl\u00e4rt werden, wenn die Genschere etwa gegen Erbkrankheiten eingesetzt wird (wie die Sichelzellan\u00e4mie und die beta-Thalass\u00e4mie, bei welchen der Blutfarbstoff H\u00e4moglobin missgebildet wird, wodurch der Sauerstoff-Transport im Blut erheblich eingeschr\u00e4nkt wird). Bei Stammzellen-Therapien beispielsweise sind F\u00e4lle beobachtet worden, bei welchen eine Leuk\u00e4mie ausgel\u00f6st wurde. Finanzierbar aber ist eine solche Therapie nur f\u00fcr reiche Menschen &#8211; rund 2 Mio Euro an Kosten stehen an! Und &#8211; wie ist es, wenn sich genau diese Reichen ein Baby zurecht schneidern lassen, das sie schon immer so haben wollten (Augen- und Haarfarbe, athletischer Typ, Intelligenz, &#8230;). 2018 machte ein chinesischer Forscher von sich Reden, als er behauptete, ein CRISPR-Baby geschaffen zu haben, das gegen HIV resistent ist. Ob dies tats\u00e4chlich der Realit\u00e4t entspricht oder nur ein gelungener Schachzug der chinesischen Propaganda war, l\u00e4sst sich nicht mehr eruieren. Jedoch &#8211; auch in China ist ein solcher Eingriff wie auf den meisten anderen Erdteilen verboten!<\/p>\n\n\n\n<p>Bleibt die abschliessende Frage:<\/p>\n\n\n\n<p>Soll der Mensch tats\u00e4chlich in die g\u00f6ttliche Sch\u00f6pfung eingreifen d\u00fcrfen, mit der Gefahr, dass diese Eingriffe auch missbraucht werden???<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lesetipps:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>.) Eingriff in die Evolution: Die Macht der CRISPR-Technologie und die Frage, wie wir sie nutzen wollen; Jennifer A. Doudna, Samuel H. Sternberg; Springer Verlag 2018<\/p>\n\n\n\n<p>.) Technikfolgenabsch\u00e4tzung des CRISPR\/Cas-Systems, \u00dcber die Anwen-dung in der menschlichen Keimbahn; Annika Hardt; De Gruyter 2019<\/p>\n\n\n\n<p>.) Modern Prometheus; Jim Kozubek; Cambridge University Press 2016<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Links:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>boku.ac.at<\/li><li>gentechnikfrei.at\/<\/li><li><a href=\"http:\/\/www.biooekonomierat.de\/\">www.biooekonomierat.de<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.ohnegentechnik.org\/\"><u>www.ohnegentechnik.org\/<\/u><\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.saatgut-austria.at\/\"><u>www.saatgut-austria.at<\/u><\/a>\u0086<\/li><li>home.liebertpub.com\/publications\/the-crispr-journal\/642<\/li><li><a href=\"http:\/\/www.vfa.de\/\"><u>www.vfa.de<\/u><\/a><\/li><li>pubmed.ncbi.nlm.nih.gov\/<\/li><li>news.rub.de\/<\/li><\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorweg ein Hinweis: Der Autor ist weder Experte f\u00fcr Genetik, noch Medizin. Deshalb werden beide Bereiche in diesem Blog nur gestreift, damit dies zudem f\u00fcr Jedermann verst\u00e4ndlich bleibt! Die EU hat entschieden! Einmal mehr nicht f\u00fcr den Konsumenten! 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