
{"id":12585,"date":"2026-02-21T11:31:03","date_gmt":"2026-02-21T09:31:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/?p=12585"},"modified":"2026-02-21T11:31:03","modified_gmt":"2026-02-21T09:31:03","slug":"arm-ein-leben-lang","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/index.php\/2026\/02\/21\/arm-ein-leben-lang\/","title":{"rendered":"Arm &#8211; ein Leben lang"},"content":{"rendered":"\n<p>Als ich dieser Tage ein Interview mit einem Call Center Manager im Radio h\u00f6rte, erschrak ich: Obwohl dieser 69 Jahre alt ist, muss er noch zu 100 % einem Job nachgehen, da er mit unter 800,- \u20ac Rente im Monat niemals \u00fcber die Runden k\u00e4me. Ist dies etwa das Schicksal, das den meisten von uns im Alter droht: Arbeiten bis zum Umfallen? Da verursacht doch der Ausdruck \u201ewohlverdienter Ruhestand\u201c einen mehr als spontanen Lach-anfall.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach einer aktuellen Studie der europ\u00e4ischen Statistikbeh\u00f6rde Eurostat aus dem Jahr 2024 (EU-SILC-Erhebung) sind in der Europ\u00e4ischen Union 12 % der M\u00e4nner 65 + und 19 % der Frauen 65+ von der Altersarmut betroffen. Die Studie sorgt f\u00fcr mehr als grossen Unmut, schliesslich nimmt die Zahl der \u00e4lteren Menschen in der EU stark zu \u2013 mit Stand 2024 waren mehr als ein F\u00fcnftel der Bevolkerung \u00dc65!<\/p>\n\n\n\n<p>Von Armut ist ein Mensch dann betroffen, wenn er \u00fcber weniger als 60 % (\u201eMedianeinkommen\u201c der OECD &#8211; Nettohaushaltseinkommen) des durch-schnittlichen Einkommens der Bev\u00f6lkerung verf\u00fcgt (Medianeinkommen 2024 Eurozone 23.767,- \u20ac\/Jahr, Deutschland 27.619,-, \u00d6sterreich 33.210,-, Schweiz 51.926,-).<\/p>\n\n\n\n<p>Im Vergleich dazu liegt die EU-Armutsgef\u00e4hrdungsquote nach Sozial-leistungen bei 16,2 % (\u00fcberm\u00e4ssig hoch mit 21,7 % in Bulgarien, niedrig mit 9,4 % in Tschechien). Dies k\u00f6nnen nun alleinerziehende M\u00fctter ebenso sein wie Arbeiter oder Angestellte und auch Pensionisten und Arbeitslose. In der arbeitenden Bev\u00f6lkerung nutzt auch ein Mindestlohn von 13,90 Euro die Stunde (etwa in Deutschland) nichts &#8211; viele haben noch einen zweiten oder gar dritten Job. \u00c4hnliches ist alsdann bei den Rentnern zu sehen. In Deutschland arbeiteten 2024 nicht weniger als 1,1 Mio Menschen \u00dc67, in \u00d6sterreich rund 100.000 Pensionisten trotz Pension noch nebenbei (Stand 2025), damit sie ihre Rechnungen zahlen k\u00f6nnen. M\u00f6gliche L\u00f6sung: St\u00e4rkung der Rente\/Pension auf armutsfestes Niveau durch beispielsweise der Anhebung des Rentenniveaus (Deutsch-land derzeit 48 %, in \u00d6sterreich gibt es ein anderes System mit dem Pensionskonto) auf mindestens 53 %! Gefordert wurde dies bereits 2014 durch die damalige Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann (ehe-dem Linkspartei, jetzt BSW). Damals gab es Kritik von der Opposition, die vornehmlich Merkels zu wenig oder nicht vorhandene Sozialpolitik auf&#8217;s Tapet brachte &#8211; aber auch vom bayerischen Koalitionspartner Horst See-hofer von der CSU. Er betrachtete die Riester-Rente als defacto gescheitert. Das hat sich inzwischen best\u00e4tigt: Von 20 Mio abge-schlossenen Vertr\u00e4gen wurden bis Oktober 2025 nicht weniger als 5 Mio durch die Versicherungsnehmer gek\u00fcndigt \u2013 Tendenz steigend.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Riester-Rente ist eine freiwillige private Altersvorsorge, die durch Zusch\u00fcsse und Steuerverg\u00fcnstigungen durch den Staat gef\u00f6rdert wird. Dies gilt allerdings nur f\u00fcr Dienstnehmer, Dienstgeber und Branchen, die bereits \u00fcber eine andere Vorsorge-M\u00f6glichkeit abgedeckt sind (\u00c4rzte etwa), konnten die Beg\u00fcnstigungen nicht in Anspruch nehmen. Das \u00e4nderte sich jedoch f\u00fcr Berufsgruppen wie etwa Handwerker, Lehrer oder K\u00fcnstler mit der Einf\u00fchrung der Versicherungspflicht. 2001 f\u00fchrte die rot-gr\u00fcne Regierung unter Schr\u00f6der diese Riester-Rente als Kernelement der Rentenreform ein. Viele zahlten jedoch zuletzt nicht mehr ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Neun von zehn Deutsche sehen in der Altersarmut ein ungel\u00f6stes Pro-blem, nach einer Langzeitstudie der R+V-Versicherung f\u00fcrchten sich sogar 40 % der Befragten davor. In \u00d6sterreich sorgen sich nach einer Umfrage im Auftrag des Wiener Sozial-Unternehmens Generationencaf\u00e9 Vollpension volle 78 % um ihre staatliche Pension.<\/p>\n\n\n\n<p>Die privaten Altersvorsorgen steigen \u00fcbrigens mit dem Bildungsgrad, was auch mit einem besseren Monatsgehalt zusammenh\u00e4ngen d\u00fcrfte! Die Gewerkschaft Verdi hingegen warnt lautstark: Mit den Babyboomern der 60er Jahre steuern 11 bis 12 Mio Menschen auf das B\u00fcrgergeld (bis 2023 Hartz-IV) zu.<\/p>\n\n\n\n<p>Einen m\u00f6glichen Ausweg erwarten sich nun die Sozialpolitiker in Berlin durch die Flexi-Rente. M\u00f6chte jemand anstelle von 67 mit 63 Jahren vielleicht nicht zur G\u00e4nze der Arbeit den R\u00fccken kehren, so kann er zumindest um einen Gang zur\u00fcckschalten. Die Altersteilzeit macht&#8217;s m\u00f6glich. Zugleich erh\u00e4lt er dabei eine Teilrente. Auch beim Zuverdienst hat sich etwas ge\u00e4ndert: Konnte es schon mal geschehen, dass ein grosser Pauschalteil der Rente gestrichen wurde, weil im Monat XY auch nur ein Euro zu viel verdient wurde, so fielen ab 01.01.2023 die Zuver-dienstgrenzen f\u00fcr die vorgezogene Altersrente komplett, f\u00fcr andere wurden sie hinaufgesetzt. Ausserdem sank das Alterslimit f\u00fcr die Zusatzzahlungen von 55 auf 50 Lebensjahre. Dank dieser Zusatz-zahlungen kann der Zeitpunkt des Pensionsantritts gesenkt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch ich staunte nicht schlecht, als anl\u00e4sslich der Einrichtung der Pensionskonten in \u00d6sterreich die voraussichtliche Rente bei Errreichung des gesetzlichen Rentenalters berechnet wurde. Da schuftet man sich das ganze Leben lang richtiggehend kaputt, um dann im Alter zus\u00e4tzlich neben der Pension arbeiten zu m\u00fcssen &#8211; auch bei nicht \u00fcberdurch-schnittlichem Lebensstandard. Wer diesen n\u00e4mlich auch nur halbwegs halten m\u00f6chte, braucht nahezu 80 % des letzten Netto-Verdienstes. In \u00d6sterreich gibt es keine Riesterrente. Dort konnten bis vor einigen Jahren Beitr\u00e4ge f\u00fcr Lebensversicherungen, Fonds-Versicherungen etc. in die Lohnsteuererkl\u00e4rung aufgenommen werden. L\u00e4sst man sich diese dann allerdings bei F\u00e4lligkeitsdatum komplett auszahlen, f\u00e4llt erneut die Steuerpflicht an. Nur wenn sie als Rente ausbezahlt werden, bleibt dies steuerbeg\u00fcnstigt. Im Alpenstaat sind Frauen \u00fcbrigens von der Alters-armut h\u00e4ufiger als M\u00e4nner betroffen. Sie gehen im Schnitt mit 60,4 Jahren in den Ruhestand, leben jedoch nach demographischer Entwicklung noch 24 Jahre lang mit durchschnittlich 1. 563 \u20ac (M\u00e4nner: 2.620,- \u20ac) &#8211; viele allerdings m\u00fcssen mit weitaus weniger im Monat auskommen. Eine Mindestpension gibt es nicht in \u00d6sterreich!<\/p>\n\n\n\n<p>Dort \u00fcbrigens sind die Selbst\u00e4ndigen beitragspflichtig &#8211; nur unterhalb der Geringf\u00fcgigkeitsgrenze von 551,10 \u20ac im Monat muss keine Pensions-versicherung bezahlt werden. Jene Experten, die das System etwas hinterfragen, versuchen davon zu \u00fcberzeugen, dass eine private Vorsorge nach Vorbild der deutschen Riester-Rente eingef\u00fchrt werden soll.<\/p>\n\n\n\n<p>Also &#8211; bleibt nur das Weiterarbeiten in Vollzeit nach dem Erreichen des Regelalters. In Deutschland bringt jeder Monat mehr ab diesem Zeitpunkt ein Plus von 0,5 Prozent. Wird also ein Jahr l\u00e4nger gearbeitet, wirkt sich das mit einem Plus von 6 % auch auf&#8217;s Portemonnaie aus! In \u00d6sterreich ist dies zeitlich auf drei Jahre begrenzt \u2013 jedes Jahr bringt eine Erh\u00f6hung der Pension um 5,1 % &#8211; maximal also 15,3 %. Oder das Dazuverdienen. Hier gibt es weder in Deutschland noch \u00d6sterreich bei der Altersrente nach oben hin keinerlei Grenzen: Minijob oder gutbezahlte Beraterfunktion &#8211; einzig die Einkommenssteuer und Sozialversicherung muss ab dem Erreichen des Renten-Regelalters in&#8217;s Auge gefasst werden, was jedoch viele Jobs bereits schon wieder unrentabel machen, da Vater Staat auch hier ordentlich abkassiert. Fr\u00fchpensionisten jedoch laufen Gefahr, durch einen Job, der die Geringf\u00fcgigkeitsgrenze \u00fcberschritten hat (in Deutsch-land derzeit 603,- \u20ac monatlich), die Rente pauschal gek\u00fcrzt zu bekommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sollte mit der Rente kein Auslangen gefunden werden, so besteht das Recht auf Grundsicherung, die bis zu einem gesamten Einkommen von 1.062 Euro am Sozialamt beantragt werden kann. Allerdings d\u00fcrfen keinerlei Ersparnisse mehr vorhanden sein, ein bestehender Gering-f\u00fcgigkeitsjob wird ebenso angeschnitten. Besitzen die Kinder oder Eltern allerdings ein Einkommen von mehr als 100.000 \u20ac im Jahr, so kann nicht angesucht werden. Im M\u00e4rz 2025 bezogen in Deutschland nicht weniger als 742.000 Menschen \u00fcber 65 Jahren neben der Rente Sozialhilfe \u2013 Tendenz stark steigend! Nach Sch\u00e4tzungen des Max-Planck-Institutes f\u00fcr Sozialrecht und Sozialpolitik wird bis 2030 mit einer Verdoppelung der derzeitigen Bezieher dieser altersbedingten Grundsicherung von 3 auf 6 % der Rentenempf\u00e4nger gerechnet.<\/p>\n\n\n\n<p>Tats\u00e4chlich muss davon ausgegangen werden, dass die Zahl der Alters-armen noch weitaus h\u00f6her ist. Viele trauen sich aus Scham nicht um Unterst\u00fctzung anzusuchen. Daf\u00fcr ist zumeist ein Stempel der Gemeinde vonn\u00f6ten, wodurch es jedermann dann weiss! Obgleich viele bezugsberechtigt w\u00e4ren, suchen sie vornehmlich in l\u00e4ndlicheren Gefilden erst gar nicht um derartige Zusatzleistungen an. Deshalb bleibt Altersarmut meist unsichtbar.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lesetipps:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Rente oder Wohlstand: Wer sich auf die Rente verl\u00e4sst, wird niemals finanziell frei!; Bodo Sch\u00e4fer; FinanzBuch Verlag 2016<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Armut im Alter: Probleme und Perspektiven der sozialen Sicherung; Christoph Butterwegge\/Gerd Bosbach\/Matthias W. Birkwald (Heraus-geber); Campus Verlag 2012<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Altersarmut in Deutschland: Herausforderung f\u00fcr die Sozialpolitik; Nick Loetz; Bachelor + Master Publishing 2014<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Ein Mann ist keine Altersvorsorge: Warum finanzielle Unabh\u00e4ngigkeit f\u00fcr Frauen so wichtig ist; Helma Sick\/Renate Schmidt; K\u00f6sel-Verlag 2015<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Ratgeber Pensionierung; Thomas Sch\u00f6nbucher\/Raphael Ebneter; VZ Verm\u00f6gensZentrum \u00862016 (Schweiz)<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Ratgeber Pensionskasse; Stefan Thurnherr\/Nicola Waldmeier; VZ Verm\u00f6gensZentrum 2014 (Schweiz)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Links:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>www.gesetze-im-internet.de<\/p>\n\n\n\n<p>www.deutsche-rentenversicherung.de<\/p>\n\n\n\n<p>www.ihre-vorsorge.de<\/p>\n\n\n\n<p>www.rentenpaket.de<\/p>\n\n\n\n<p>www.rentenreform-alternative.de<\/p>\n\n\n\n<p>www.iww.de<\/p>\n\n\n\n<p>www.ris.bka.gv.at<\/p>\n\n\n\n<p>www.pensionsversicherung.at<\/p>\n\n\n\n<p>www.sozialversicherung.at<\/p>\n\n\n\n<p>pensionsrechner.arbeiterkammer.at<\/p>\n\n\n\n<p>www.wko.at<\/p>\n\n\n\n<p>www.admin.ch<\/p>\n\n\n\n<p>bsv.admin.ch<\/p>\n\n\n\n<p>www.ahv-iv.ch<\/p>\n\n\n\n<p>www.123-pensionierung.ch<\/p>\n\n\n\n<p>aso.ch<\/p>\n\n\n\n<p>www.svazurich.ch<\/p>\n\n\n\n<p>www.vermoegenszentrum.ch<\/p>\n\n\n\n<p>www.ch.ch\/de\/ahv-rente-berechnen\/<\/p>\n\n\n\n<p>www.faire-renten.ch<\/p>\n\n\n\n<p>www.sozialpolitik-aktuell.de<\/p>\n\n\n\n<p>altersarmut-per-gesetz.de<\/p>\n\n\n\n<p>www.armut-und-alter.de\/<\/p>\n\n\n\n<p>www.verbraucherzentrale.de\/altersarmut<\/p>\n\n\n\n<p>www.rente.com\/altersarmut<\/p>\n\n\n\n<p>www.myhandicap.ch<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als ich dieser Tage ein Interview mit einem Call Center Manager im Radio h\u00f6rte, erschrak ich: Obwohl dieser 69 Jahre alt ist, muss er noch zu 100 % einem Job nachgehen, da er mit unter 800,- \u20ac Rente im Monat niemals \u00fcber die Runden k\u00e4me. 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