
{"id":13069,"date":"2026-08-01T08:16:02","date_gmt":"2026-08-01T06:16:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/?p=13069"},"modified":"2026-08-01T08:16:02","modified_gmt":"2026-08-01T06:16:02","slug":"spielst-du-noch-oder-traeumst-du-schon","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/index.php\/2026\/08\/01\/spielst-du-noch-oder-traeumst-du-schon\/","title":{"rendered":"Spielst Du noch oder tr\u00e4umst Du schon?"},"content":{"rendered":"\n<p>In meiner Studienzeit habe ich meinen Computer in der universit\u00e4ren Bleibe aufgestellt, um damit Arbeiten schreiben zu k\u00f6nnen. Was heute selbstverst\u00e4ndlich erscheint, war damals noch eher aussergew\u00f6hnlich. Somit kam es, dass ich tags\u00fcber das Ger\u00e4t zu \u201eAusbildungszwecken\u201c verwendete. Des n\u00e4chtens jedoch gl\u00fchten die Bits und Bytes, da sich immer wieder Komillitonen selbst eingeladen hatten &#8211; zum Spielen! Ein Spiel wurde erst dann uninteressant, wenn alle Rekorde gepurzelt, alle Spielebenen absolviert waren und das Ganze wieder von vorne begonnen hatte. Besonders beliebt waren nat\u00fcrlich die Abschusspiele, da man sich hierbei direkt mit den anderen messen konnte. Tags\u00fcber jedoch bestand ein eisernes Gesetz: No games! Mein Bruder hingegen veranstaltete LAN-Wochenenden. Da herrschte Betretungsverbot in der ganzen Wohnung!<\/p>\n\n\n\n<p>Am 26. August \u00f6ffnet in K\u00f6ln wieder die Spielemesse &#8222;Gamescom&#8220; in K\u00f6ln ihre Pforten. Es ist wohl der Traum eines jeden Spielefreaks, in diesen heiligen Hallen vom Sicherheitsdienst vergessen zu werden und einmal eine Nacht durchspielen zu k\u00f6nnen. Nachdem Social-Gaming-Unter-nehmen oder auch Spieleriesen wie Zynga oder Wooga mit ihrer Free2Play-Philosophie wichtige M\u00e4rkte (S\u00fcdkorea, China) von hinten aufrollen, trotzdem jedoch damit Geld verdienen, \u00fcberlegen sich nun auch die Platzhirsche wie Crytek, Ubisoft oder Electronic Arts, die Spiele kostenlos anzubieten. Cash wird dann mit virtuellen Waren gemacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist ein durchaus gef\u00e4hrlicher Trend, der sich da abzeichnet. Dadurch besteht die M\u00f6glichkeit, noch wesentlich mehr Menschen in die Spiel-sucht zu treiben. So verbrachte etwa der Sohn einer Bekannten Tag und Nacht vor dem Computer. W\u00e4hrend andere Kids mal auf den Fussballplatz oder ins Schwimmbad gingen, sass er im abgedunkelten Zimmer und kam vom Joystick nicht mehr los. Hatte er seine Spiele durch, war gemeinsames Spielen beim Schulkollegen angesagt. Gerade Jugendliche sind sehr von der Spielsucht gef\u00e4hrdet, da sie keinerlei Grenzen kennen. Es ist cool, einen Rekord zu halten &#8211; manch einer geniesst gar g\u00f6ttlichen Status unter seinesgleichen. Dies wurde bislang durch die doch recht ansehnlichen Preise (50 \u20ac pro Spiel sind keine Seltenheit) etwas eingeschr\u00e4nkt, da irgendwann auch mal das beste Taschengeld ausgeht, so wird der Markt jetzt mit kostenlosen Games \u00fcberschwemmt, die \u00fcber Internet downgeloaded und auch auf der letzten, elektrifizierten Almh\u00fctte, gespielt werden k\u00f6nnen. Eine 2007 in den USA durchgef\u00fchrte Umfrage ergab schon damals, dass sich von 1.178 befragten, jugend-lichen Spielern nicht weniger als 8,5 % als \u201ekrankhafte Spieler\u201c bezeichnet werden mussten (Harris interactive poll). Ein \u00e4hnliches Bild brachte eine ein Jahr zuvor in Grossbritannien gemachte Studie: Hier waren es 12 % von 7.000 befragten Jugendlichen, davon 94 % m\u00e4nnlich! Die Vereinigten Staaten oder die britischen Inseln sind weit weg, mag ein mancher unter Ihnen denken. Weit gefehlt: Ern\u00fcchternd das Ergebnis der DAK-\/UKE-L\u00e4ngsschnittstudie OTTER vom Herbst 2025, wonach 4,5 % der 10- bis 17-J\u00e4hrigen eine Computerspielst\u00f6rung (pathologische Nutzung) auf-wiesen; weitere 6,6 % zeigten ein riskantes Spielverhalten nach ICD-11. Unvorstellbar!<\/p>\n\n\n\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich sind auch Erwachsene davor nicht gefeit. So meint etwa Peter Moore, seines Zeichens bis 2017 COO beim Spielehersteller Electronic Arts (EA) gegen\u00fcber des Nachrichtenmagazins \u201eDer Spiegel\u201c einst, dass er heutzutage mehr spiele als je zuvor. Doch dieser Mann wurde daf\u00fcr auch bezahlt. Spiel- oder Internetsucht ist gef\u00e4hrlich und wird durchaus schon als psychische Krankheit angesehen, da die User, die davon betroffen sind, sozial komplett verk\u00fcmmern. Auf der Website der \u201eAnonymen Spieler\u201c (GA) ist zu lesen: \u201eWir sind fest davon \u00fcberzeugt, dass wir an einer fortschreitenden Krankheit leiden. Im Laufe der Zeit verschlimmert sich diese; solange wir spielen, geht es uns stets schlechter, niemals besser.\u201c Diese Krankheit k\u00f6nne niemals geheilt, aber zum Stillstand gebracht werden kann! Wie bei jeder Sucht ist wohl der erste Schritt zur Heilung der schwerste: Der Betroffene muss einsehen, dass er an einer Krankheit leidet, einer Sucht! Nur wer dies erkannt hat, kann auch zum Wunsch kommen, mit dem Spielen aufzuh\u00f6ren. Anstatt vor dem Bildschirm zu sitzen, die unterschiedlichsten Freizeitaktivit\u00e4ten zu betreiben, die f\u00fcr viele selbstverst\u00e4ndlich sind. Andere Menschen kennenzulernen. Wird ein S\u00fcchtiger von seinem kleinen sozialen Umfeld auf die Sucht hingewiesen, schaltet dieser in den meisten F\u00e4llen automatisch auf Abwehr. Nur das Eingest\u00e4ndnis, das er sich selbst machen muss, kann ihm helfen. Alles andere ist nur eine vor\u00fcbergehende Besserung. Bevor es allerdings hierzu kommt, durchlaufen diese Menschen zumeist ein Martyrium unbeschreiblicher Art. Freunde werden verloren, der Job geht verlustig, neben psychischer Beschwerden setzen auch k\u00f6rperliche ein. Es ist eine riesengrosse H\u00fcrde, die \u00fcberwunden werden muss: Das Eingest\u00e4ndnis zu machen, dass das Spiel st\u00e4rker war als ich, mich im Griff hatte und ich ihm wehrlos ausgesetzt war. Was dann folgt, ist von Therapie zu Therapie unterschiedlich. Die \u201eAnonymen Spieler\u201c (GA) etwa verfolgen ein Zw\u00f6lf-Schritte-Programm, das ehrlich und innerlich bereit absolviert werden muss.<\/p>\n\n\n\n<p>Die PAGE-Studie zeigt auf, dass rund 1 % der Bev\u00f6lkerung Deutschlands ein \u201eproblematisches Gl\u00fcckspielverhalten\u201c aufweist. 60 % davon eine schwere oder mittlere Gl\u00fcckspielst\u00f6rung (pathologisches Spielen) \u2013 aller-dings sind nicht alle davon dem Computerspielen verfallen. Die Dunkel-ziffer ist weitaus h\u00f6her. Mit einer solchen Suchttherapie muss in den meisten F\u00e4llen auch eine Charakter\u00e4nderung durchgemacht werden. Viele der Spiels\u00fcchtigen haben Angst davor, erwachsen zu werden und Verantwortung zu \u00fcbernehmen. Deshalb fl\u00fcchten sie in eine Welt, in der sie sein k\u00f6nnen, wie sie sich vorstellen: Der Warmduscher wird zum Helden, der Hartz IV-Empf\u00e4nger zum Multimillion\u00e4r. Diese Flucht wird schliesslich zur Besessenheit. Es wird alles daf\u00fcr getan und oftmals auch geopfert, um dieses virtuelle Bild des \u201eGr\u00f6ssten\u201c, des \u201eAllm\u00e4chtigen\u201c auch umsetzen zu k\u00f6nnen. Spieler sind Tr\u00e4umer, Spazierg\u00e4nger in einer Phantasiewelt. Konnten hier Tr\u00e4ume erf\u00fcllt werden, so war man erfolgreich und versteht nicht, weshalb die anderen davon \u00fcberhaupt nichts wissen. Also wird ein gr\u00f6sserer Traum begonnen. Bricht irgend-wann mal einer dieser Tr\u00e4ume zusammen, so werden nicht etwa andere Wege beschritten. Der Spiels\u00fcchtige kommt wieder. Und er wird stets wiederkommen, bis der Traum endlich umgesetzt ist. Schliesslich ist es seine Welt, eine Welt, die er selbst erschaffen hat. Das komplette Denken des S\u00fcchtigen fokussiert sich nurmehr auf das Spiel. Dies verursacht eine Verzerrung der Wahrnehmung, die Beeinflussung der Emotionen und schliesslich die \u00c4nderung der Verhaltens. Erfolgt das alles nicht am heimischen PC sondern an Spielautomaten, so wird sehr rasch aus der psychischen Erkrankung auch ein finanzielles Problem &#8211; wir sind beim \u00dcbergang zur Gl\u00fcckspielsucht angelangt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Spielsucht &#8211; oder wie es der Experte bezeichnet: Das \u201ePathologische Spielen\u201c &#8211; ist dem Bereich der abnormen Gewohnheiten und St\u00f6rungen zugeordnet (F63 &#8211; ICD-11-Klassifikation). Um ein besseres Verst\u00e4ndnis f\u00fcr das Gewicht zu vermitteln: In derselben Klassifikationsebene findet sich auch die Pyromanie und Kleptomanie. Dies betrifft vornehmlich die Gl\u00fcckspielsucht &#8211; die Video-Spielsucht ist einer Untergruppe der Ver-haltenss\u00fcchte zugeordnet &#8211; sie engt die Freiheitsgrade des Betroffenen ein. 2013 folgte alsdann die American Psychiatric Association (APA). Im DSM-5 erfolgte die Reklassifikation des St\u00f6rungsbildes unter Verwen-dung des wertneutraleren Begriffes \u201eGambling Disorder\u201c (Gl\u00fccksspiel-st\u00f6rung) in die Kategorie \u201eSubstance-Related and Addictive Disorders\u201c. Diese Klassifizierung ist vergleichbar mit der ICD-Klassifikation.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf der Suche nach einem Fluchtweg vor Depressionen und \u00c4ngsten wird immer mehr zum Joystick gegriffen und Verwandte, Bekannte etc. mit dem \u201eletzten Mal\u201c oder \u201egleich\u201c stets vertr\u00f6stet. Eine affektregulierende Wirkung des Spiels kann jedoch nur mit zunehmender Spieldauer erzielt werden. Pathologische Gamer leiden unter einem hohen Grad an Realit\u00e4tsverlust. Spannung oder Erregung kommen nurmehr auf virtueller Ebene zum Vorschein, Niederlagen werden bagatellisiert. Am gef\u00e4hrlichsten dabei sind die \u201eMassively Multiplayer Online Role-Playing Games\u201c &#8211; jene Rollenspiele, bei welchen sich online eine Unzahl von Spielern gleichzeitig aufhalten, wo sich jeder Spieler eine Maske verpassen kann. Um nur eines zu nennen: World of Warcraft.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Therapie wird h\u00e4ufig auf die M\u00f6glichkeiten der ICD-11 bzw. DSM-V zur\u00fcckgegriffen. So werden u.a. auch Medikamente eingesetzt &#8211; etwa Naltrexon. In einer Studie mit Gl\u00fcckspielern konnte hier ein 40 %iger Erfolg erreicht werden (in der Kontrollgruppe mit Plazebos waren es nur 11 %). Nicht eine Bek\u00e4mpfung der Symptome, sondern der Ursachen kann in den meisten F\u00e4llen helfen. Studien der University of Rochester und der American Academy of Child and Adolescent Psychiatry vermuten einerseits soziale Phobien und psychische Probleme (Depressionen etwa) als Reiz ausl\u00f6senden Faktor bzw. die st\u00e4ndige Belohnung und Freiheit in den Spielen selbst als Motivation weiterzumachen. Wissenschaftlich somit recht einfach mit der klassischen Konditionierung (am positiven Erfolg durch die Belohnungen) bzw. in der Neurobiologie im Sinne der Regulierung eines negativen emotionalen Zustandes durch das Com-puterspiel (inad\u00e4quate Stressbew\u00e4ltigung durch angenehme Erregung und Entspannung) zu erkl\u00e4ren. Ist ein Spieler geheilt, kann es durchaus vorkommen, dass er f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit dem Trieb nicht mehr nachgeht. Doch warnen Therapeuten etwa bei Gl\u00fcckspiels\u00fcchtigen: Bereits ein (in Zahlen: 1!) Lotto- oder Toto-Tipp kann f\u00fcr einen R\u00fcckfall verantwortlich sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Videospielsucht ist eine ernstzunehmende Krankheit, die behandelt werden sollte. Ansonsten wird es Ihnen wie meiner Bekannten gehen: Es entsteht ein Nachtschattengew\u00e4chs, ein Zombie, dessen Finger erst dann nicht mehr zittern, wenn sie einen Joystick umfassen k\u00f6nnen. Oder noch extremer: Der die virtuelle auf die reale Welt umlegt und zum Amokl\u00e4ufer werden kann!<\/p>\n\n\n\n<p>Sie fragen sich sicherlich, was aus unserer \u201eSpielesucht\u201c damals geworden ist! Nichts! Als wir alle Ebenen der drei heiss begehrtesten Spiele durch-gemacht haben und dadurch recht gelangweilt waren, flaute der Trend ab. Wir haben allerdings auch nicht nach neuen virtuellen Alternativen gesucht. Anstattdessen versuchten wir es wieder mit der realen Welt: Billard!!!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PS:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Noch perverser ist f\u00fcr mich \u00fcbrigens jener Trend, der sich schon seit einigen Jahren im Internet h\u00e4lt: Das Zuschauen eines Gamers bei seinem Tun!<\/p>\n\n\n\n<p>Hier zuletzt noch einige Links, die Ihnen bei Kontaktaufnahme sicherlich weiterhelfen k\u00f6nnen:<\/p>\n\n\n\n<p>www.die-spielsucht.de<\/p>\n\n\n\n<p>www.anonyme-spieler.org<\/p>\n\n\n\n<p>www.zi-mannheim.de<\/p>\n\n\n\n<p>www.game-over.at<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In meiner Studienzeit habe ich meinen Computer in der universit\u00e4ren Bleibe aufgestellt, um damit Arbeiten schreiben zu k\u00f6nnen. Was heute selbstverst\u00e4ndlich erscheint, war damals noch eher aussergew\u00f6hnlich. Somit kam es, dass ich tags\u00fcber das Ger\u00e4t zu \u201eAusbildungszwecken\u201c verwendete. Des n\u00e4chtens jedoch gl\u00fchten die Bits und Bytes, da sich immer wieder Komillitonen selbst eingeladen hatten &#8211; [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[1391],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13069"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13069"}],"version-history":[{"count":26,"href":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13069\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":13095,"href":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13069\/revisions\/13095"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13069"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13069"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13069"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}