
{"id":13264,"date":"2026-10-17T06:07:41","date_gmt":"2026-10-17T04:07:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/?p=13264"},"modified":"2026-10-17T06:07:41","modified_gmt":"2026-10-17T04:07:41","slug":"wohnst-du-noch-oder-smartest-du-schon","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/index.php\/2026\/10\/17\/wohnst-du-noch-oder-smartest-du-schon\/","title":{"rendered":"<strong>Wohnst Du noch \u2013 oder smartest Du schon?<\/strong>"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Kaffeemaschine, die ihre \u00fcberlebensnotwendige Arbeit beginnt, sobald der Wecker losgeht; die elektrische Zahnb\u00fcrste, die Dir befiehlt, nicht so hart ranzugehen; die Fussbodenheizung, die sich kurz vor Feier-abend noch am Arbeitsplatz hochfahren l\u00e4sst oder auch der Fernseher, mit dem ich meine Mails downloaden und die Zeitung \u00fcber das Online-Abo lesen kann. Das Leben kann so sch\u00f6n und dennoch einfach sein!<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn da nicht&#8230;!<\/p>\n\n\n\n<p>Es war vor ein paar Jahren, als sich mein Nachbar einen neuen Fernseher angeschafft hatte. Voller Stolz pr\u00e4sentierte er mir das Mordstrumm, das fast ein Viertel einer Wohnzimmerwand auskleidete. Ein paar Knopfdr\u00fccke auf der Fernbedienung und schon liefen meine Radio-Backseller, die ich auf YouTube reingestellt habe. Wow \u2013 ein Smart-TV! Ich hatte schon viel \u00fcber diese Dinger gelesen \u2013 doch nicht nur Gutes! Deshalb fragte ich ihn, ob es ihn denn nicht st\u00f6re, wenn er im Wohnzimmer gerade mit seiner Freundin zugange w\u00e4re und der eine oder andere dabei zuschaue?! Sein Blick verriet mir, dass er diesem Gedanken wohl noch nicht nachge-gangen war.<\/p>\n\n\n\n<p>Tats\u00e4chlich hiess es damals schon, dass etwa Samsung Daten zum TV-Konsum sammle und weitergebe. Auch angesteckte Speichermedien wie USB-Sticks oder externe Festplatten w\u00fcrden gescannt. Viele unter Ihnen werden sich nun denken: Und? Ist ohnedies nichts wichtiges drauf! Nun ja, wie man&#8217;s wohl nimmt. Online-Banking, Nacktfotos von der Frau, E-Mail-Verkehr mit dem Finanzamt oder der Krankenkasse, \u2026! Sensible Daten, die ausreichen, einen Cyber-Klon zu erstellen und damit dreckige Gesch\u00e4fte zu machen. Doch \u2013 das ist noch lange nicht alles. Erst im Sep-tember dieses Jahres geriet LG ins Gerede: Die TV-Besitzer w\u00fcrden auch im Standby-Modus des Ger\u00e4tes abgeh\u00f6rt, das Heimnetzwerk gescannt und durch ACR die Sehgewohnheiten weitergeleitet. Das Unternehmen \u00e4usserte sich sehr rasch zu diesen Vorw\u00fcrfen.<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Im Standby-Modus warte das Ger\u00e4t auf das Aktivierungswort \u201eHi LG\u201c. Hierf\u00fcr m\u00fcsse allerdings die Fernfeld-Spracherkennung in den Einstel-lungen explizit eingeschaltet werden. Die Audio-Verarbeitung geschehe inzwischen nur auf dem Ger\u00e4t lokal und werde rasch wieder gel\u00f6scht. Kritiker allerdings meinen, dass die Daten gesammelt und bei Online-Verbindung weitergegeben werden.<\/li><li>Das Scannen des lokalen Netzwerkes geh\u00f6re zum Smart Home dazu und sichere eine reibungslose Vernetzung. Jep \u2013 doch werden dabei oftmals auch die Smartphones der Besitzer gescannt!<\/li><li>Automatic Content Recognition (ACR) \u2013 der automatischen Inhalts-erkennung muss im Vorfeld zugestimmt werden. Sie sei notwendig, damit dem Anwender ma\u00dfgeschneiderte Inhalte wie personalisierte Empfeh-lungen oder Werbung ausgespielt werden k\u00f6nne.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Nur ein kurzer Auszug aus dem Statement des Anbieters. Experten jedoch raten dazu, bei Unterhaltungselektronik alle nicht ben\u00f6tigte oder gewollte Funktionen zu deaktivieren und bestenfalls den Smart-TV \u00fcber ein Drittger\u00e4t wie einen Mini-PC laufen zu lassen. Hier k\u00f6nnen etwa Firewalls und Sicherheits-Software installiert sein. Denn \u2013 ein grosses Problem habe ich hier noch gar nicht angef\u00fchrt: Hacker k\u00f6nnen sich ohne weiteres einloggen, all das bereits Angef\u00fchrte f\u00fcr sich nutzen, Sie mit den Daten erpressen oder die Rechenleistung des Ger\u00e4tes f\u00fcr sich nutzen. So hat beispielsweise Samsung Smart-TV-Apps mit Proxy-Funk-tion entfernt (Stichwort: Residential Proxies). So machten vermeintlich harmlose Spiele wie Pac-Man den Fluss fremden Datenverkehrs \u00fcber das Ger\u00e4t m\u00f6glich. Dadurch k\u00f6nnte Ihr Haushalt etwa auch zum Daten-knotenpunkt f\u00fcr Programme wie Tor werden, einem jener Browser, die den Eintritt ins Darknet erm\u00f6glichen. Oder dem Sch\u00fcrfen von Bitcoins. Hiermit werden sie zum Beteiligten nicht immer ganz sauberer Gesch\u00e4fte und geraten schliesslich ungewollt ins Fadenkreuz von Zielfahndern.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcbrigens \u2013 auch Smartspeaker wie Alexa, Amazon Echo, Sonos und all den anderen werden \u00fcber die Sprachkennung gesteuert. Diese Ger\u00e4te befinden sich st\u00e4ndig im Standby und leiten Audiodaten weiter. Inwiefern diese genutzt werden \u2013 dar\u00fcber streiten sich nach wie vor die Geister!<\/p>\n\n\n\n<p>Doch ist es nicht nur die Unterhaltungselektronik, die sie ausspioniert.<\/p>\n\n\n\n<p>Anfang Oktober dieses Jahres wurde bekannt, dass ein IT-Experte aus Zufall im Netzwerk seiner Eltern eine Kaffeemaschine des Herstellers Keuring entdeckte, die fast den WLAN-Router knackte. Innerhalb von nur 10 Tagen hatte diese nicht weniger als 1 TB an Daten hochgeladen. Das meint zumindest der IT-Spezialist mit dem Nickname NOMAD am 6. Oktober auf X. Die Analyse des Datentraffics ergab dann allerdings, dass ein Grossteil des Verkehrs das heimische Netzwerk nicht verlassen hatte. Einiges wurde Jedoch an den Hersteller weitergeleitet. Stellt sich die Frage: Wird der Kaffee besser, je mehr Daten gesammelt wurden? Ja \u2013 tats\u00e4chlich behauptet dies der Hersteller: Die Kaffeemaschine ben\u00f6tige die Internetverbindung um \u201eBr\u00fchrezepte f\u00fcr bestimmte Kaffee-mischungen\u201c aus einer Online-Datenbank hochzuladen! Sachen gibt\u2019s!<\/p>\n\n\n\n<p>2024 nahm die britische Verbraucherschutzorganisation \u201eWhich\u201c Smart-watches, Fernseher und Heissluftfritteusen ins Visier! Ja \u2013 richtig gelesen: Auch Heissluftfritteusen! Ergebnis: Die Ger\u00e4te der Hersteller Xiaomi, Aigostar und Cosori leiteten die meisten Daten weiter: Standort, Audio-daten des Handies, bei Aigostar auch Geschlecht und Geburtsdatum des Besitzers um ein Benutzerkonto anzulegen. Xiaomi war ausserdem mit Trackern von Facebook, dem Werbenetzwerk Pangle von TikTok und dem chinesischen Technologiekonzern Tencent verkn\u00fcpft.<\/p>\n\n\n\n<p>Die deutsche Bundesnetzagentur (BNetzA) hat im selben Jahr davor gewarnt, dass smarte Haushaltsger\u00e4te wie etwa Saugroboter, Brillen oder gar T\u00fcrklingeln f\u00fcr Spionagezwecke missbraucht werden k\u00f6nnen. \u00dcbrigens sind in Deutschland und \u00d6sterreich Produkte grunds\u00e4tzlich verboten, die unbemerkt Aufnahmen machen und diese \u00fcber WLAN oder Bluetooth weitergeben. So auch die erw\u00e4hnten Brillen, Kameras in Lampen, Rasierapparaten oder Haustier-Futterautomaten, auch Mikro-phone in Halsketten.<\/p>\n\n\n\n<p>Bereits im Jahr 2020 berichtete das ARD-TV-Magazin \u201eKontraste\u201c von der Datenkralle Tesla. Die E-Automarke von Elon Musk ist ausgelegt, sp\u00e4ter autonom zu fahren. Deshalb sind diese Fahrzeuge mit einer Unzahl an Sensoren und Kameras ausgestattet. Sie sammeln andauernd Daten, die f\u00fcr ein solches autonome Fahren unbedingt vonn\u00f6ten sind. Allerdings nicht dringenlicherweise auf den Servern des Unternehmens gespeichert werden m\u00fcssten. Tesla selbst betont, dass diese erhobenen Daten nur im \u201eFalle eines Unfalls oder \u00e4hnlichen Sicherheitsvorfalls\u201c gespeichert w\u00fcrden. Ein Gutachten des \u201eNetzwerks Datenschutzexpertise\u201c kam zu dem Schluss, dass sich damit Tesla nicht an EU-Vorgaben halte. Auch das ZDF-Magazin \u201eFrontal\u201c zeigte auf, dass die Tesla-Autos rund um die Uhr Video- und Fahrdaten weiterleiten. Anlass daf\u00fcr waren zwei Unf\u00e4lle. Beim ersten nahm ein Tesla-Lenker einem Motorradfahrer den Vorrang, beim anderen landete das Fahrzeug an einem Ampelmasten, nachdem der Lenker mit 120 Sachen durch die Berliner Innenstadt bretterte. Der Lenker beging Fahrerflucht. In beiden F\u00e4llen wurden Videodaten angefordert. Der Konzern lieferte jedoch weitaus mehr: Gaspedalposition, Bremsverhalten, T\u00fcr\u00f6ffnungen und -schliessungen \u2013 ja auch Videomaterial des T\u00e4ters vor dem Einsteigen bis zur Bergung des Unfallfahrzeugs. Dadurch konnte er ausfindig gemacht werden. Hierzu meinen Experten, dass man davon ausgehen w\u00fcrde, dass eine Datenaufzeichnung rund 15 vor und 10 Sekunden nach dem Unfall geschehen sollte. Somit m\u00fcsse also bei Tesla davon ausgegangen werden, dass das Fahrzeug st\u00e4ndig Daten weiterleite \u2013 auch ohne Unfallgeschehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Aufz\u00e4hlung liesse sich nun noch beliebig weiterf\u00fchren. Das w\u00fcrde jedoch den Umfang des heutigen Blogs sprengen. Zum Schluss deshalb noch ein paar Tipps, die Sie sich beim Ankauf von smarten Haushalts-ger\u00e4ten zu Herzen nehmen sollten:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Bei funktionierenden Kameras und Mikrophonen muss jede Aufnahme klar gekennzeichnet sein. Ohne diese Hinweise ist das Ger\u00e4t zumeist illegal<\/li><li>Auf Aufnahmen darf nicht von aussen zugegriffen werden k\u00f6nnen<\/li><li>Deaktivieren Sie smarte Funktionen, die f\u00fcr den Betrieb des Ger\u00e4tes nicht unbedingt vonn\u00f6ten sind<\/li><li>Der H\u00e4ndler muss Sicherheitsupdates \u00fcber den gesamten Lebenszyklus des Produkts garantieren<\/li><li>Stimmen Sie nicht irgendwelchen kleingedruckten Gebrauchs-anweisungen und Vertragsbestimmungen zu ohne sie vorher genau durchgelesen zu haben<\/li><li>Achten Sie auf Ihre Privatsph\u00e4re, auch wenn f\u00fcr Sie im ersten Moment vielleicht unbedeutend<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Zu letzterem Punkt: Schon im Jahre 2024 warnte das deutsche Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz vor Cyberattacken aus China, die es auf Privat-haushalte abgesehen h\u00e4tten!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Links:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>digital-strategy.ec.europa.eu\/en\/policies\/cyber-resilience-act<\/li><li><a href=\"http:\/\/www.bsi.bund.de\/\">www.bsi.bund.de<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.kriminalpolizei.de\/\">www.kriminalpolizei.de<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.bundesnetzagentur.de\/\">www.bundesnetzagentur.de<\/a><\/li><\/ul>\n\n\n\n<ul><li><a href=\"http:\/\/www.verbraucherschutzverein.eu\/\">www.verbraucherschutzverein.eu\/<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.lbf.fraunhofer.de\/\">www.lbf.fraunhofer.de\/<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.tum.de\/\">www.tum.de\/<\/a><\/li><\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Kaffeemaschine, die ihre \u00fcberlebensnotwendige Arbeit beginnt, sobald der Wecker losgeht; die elektrische Zahnb\u00fcrste, die Dir befiehlt, nicht so hart ranzugehen; die Fussbodenheizung, die sich kurz vor Feier-abend noch am Arbeitsplatz hochfahren l\u00e4sst oder auch der Fernseher, mit dem ich meine Mails downloaden und die Zeitung \u00fcber das Online-Abo lesen kann. 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