
{"id":7497,"date":"2022-02-25T18:35:46","date_gmt":"2022-02-25T16:35:46","guid":{"rendered":"http:\/\/stockm.vs120047.hl-users.com\/blog\/?p=7497"},"modified":"2022-02-25T18:38:54","modified_gmt":"2022-02-25T16:38:54","slug":"krieg-in-europa","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/index.php\/2022\/02\/25\/krieg-in-europa\/","title":{"rendered":"Krieg in Europa"},"content":{"rendered":"<p><em>\u201eVon wem in Gottes Namen glaubt Putin das Recht erhalten zu haben, neue Staaten auszurufen auf Gebieten, die seinem Nachbarn geh\u00f6ren!\u201c<\/em><br \/>\n(Joe Biden, US-Pr\u00e4sident)<\/p>\n<p>Es ist geschehen! Der russische Staatspr\u00e4sident Wladimir Putin hat mit der Invasion in der Ukraine begonnen. Seine Rechtfertigung: Selbst-verteidigung, Schutz der russisch-st\u00e4mmigen Menschen in der Ost-ukraine, Friedensschaffung in den Gebieten Donezk und Luhansk und die Entnazifizierung der ukrainischen Regierung in Kiew.<br \/>\nNoch vor wenigen Tagen war aus dem Kreml zu vernehmen, kein milit\u00e4risches Eingreifen in der Ukraine zu planen. Wie auch damals bei der Halbinsel Krim und der Ostukraine hat sich jedoch erneut heraus-gestellt, dass diese Zusagen das Billig-Papier nicht wert waren, auf dem diese Aussagen gedruckt wurden. Putin hat wie schon so oft, sein Wort gebrochen. M\u00f6glicherweise da er einen Gesichtsverlust in Russland selbst bef\u00fcrchtet. Die Medien dort sind allesamt staatlich gef\u00fchrt, die wenigen unabh\u00e4ngigen haben keine Bedeutung. Damit erf\u00e4hrt die russische Bev\u00f6lkerung auch nur eine Version der Situation, kann sich nicht \u00fcber mehrere Kan\u00e4le informieren und selbst eine Meinung bilden. Umso erstaunlicher und lobenswerter, ja heroischer sind die Demonstranten, die dennoch in Russland auf die Strassen gehen um gegen den Krieg zu protestieren &#8211; auch wenn sie daf\u00fcr festgenommen und f\u00fcr unbestimmte Zeit in einem der vielen Gef\u00e4ngnisse verschwinden werden. Zuletzt waren es in 44 St\u00e4dten tausende Menschen &#8211; 1700 wurden festgenommen.<br \/>\nPutin will als starker Mann verstanden werden, der Russland von seinen Feinden befreit und die einstige Sowjetunion wiedervereint (er bezeichnet die Aufl\u00f6sung der Sowjetunion nach wie vor als \u201e\u201egr\u00f6\u00dfte geopolitische Katastrophe\u201c des Jahrhunderts\u201c). Will er damit m\u00f6glicherweise der immer st\u00e4rker werdenden Opposition den Wind aus den Segeln nehmen? Der inhaftierte Regime-Gegner Alexei Anatoljewitsch Nawalny liess verlauten, dass er sich gegen diesen Krieg ausspricht! Nachdem sich die Duma f\u00fcr die Anerkennung der beiden sogenannten \u201eOstukrainischen Volks-republiken\u201c und den milit\u00e4rischen Einsatz im Nachbarstaat aussprach und dies mit Applaus verabschiedete, k\u00f6nnte Nawalny die einzige wichtige und beachtete Gegenstimme sein &#8211; das wird ihn sicherlich nicht zu einer vorzeitigen Begnadigung verhelfen.<br \/>\nPutin wurde durch seine Entscheidung zum Aggressor, zum Despot, zum Kriegsverbrecher, der sich nicht davor scheut, seine Interessen mit Waffengewalt auch in anderen Staaten durchzusetzen. <\/p>\n<p><em>\u201e\u2026, da der russische Pr\u00e4sident sich f\u00fcr Krieg entschieden hat.\u201c<\/em><br \/>\n(Emmanuel Macron, franz. Staatspr\u00e4sident)<\/p>\n<p>Ich gehe gar noch einen Schritt weiter: Putin rechtfertigt damit die durch die USA unterst\u00fctzte, jedoch misslungene Invasion Kubas in der Schweinebucht am 17. April 1961, als Exilkubaner mit Hilfe der CIA versuchten, die Insel zu \u00fcbernehmen. Die USA bef\u00fcrchteten damals durch die Aufr\u00fcstung Fidel Castros mit massiver sowjetischer Hilfe ebenfalls einen Angriff auf ihr Land.<br \/>\nDer Angriff Russlands konzentriert sich nicht auf die beiden Problem-regionen sondern betrifft milit\u00e4rische St\u00fctzpunkte im ganzen Land. Damit ist das Argument der Friedensstiftung und des Schutzes der russisch-st\u00e4mmigen Bev\u00f6lkerung haneb\u00fcchen &#8211; an den Haaren herbeigezogen. Dieser Krieg wird viele, auch zivile Menschenleben kosten, ein m\u00f6g-licherweise derart aufgebauter Frieden ein blutiges Fundament haben.<br \/>\nDas Argument der Selbstverteidigung hat sich ebenfalls erledigt, schliesslich verst\u00e4rkt die NATO ihre Truppen in Polen und den baltischen Staaten massivst. Nun kann er sozusagen den Atem der Nordatlantik-paktes direkt im Genick sp\u00fcren.<br \/>\nDie Ukraine ist dem \u201efalschverstandenen Friedensstifter\u201c ohnedies ein Dorn im Auge. Bereits die Land-Gaspipeline durch die Ukraine nach Europa sorgte f\u00fcr zahlreiche Konflikte. Daneben zeigte sich Putin schon mehrfach als Anh\u00e4nger Zar Alexanders III. So weihte er 2017 auf der drei Jahre zuvor annektierten ukrainischen Halbinsel Krim eine grosse Statue seines Vorbildes ein. Dabei sprach er von \u201eeiner Epoche nationaler Wiedergeburt\u201c als der von 1881 bis 1894 regierende Zar die Schwarz-meerflotte aufbaute und deren St\u00fctzpunkt auf der Krim festlegte. Alexander III. war es auch, der den Ausnahmezustand in der Ukraine ausrief, dort mit autokratischer H\u00e4rte durchgriff und eine ukrainische Sprache, Geschichte und Staatlichkeit verboten hatte. Schon 2008 betonte Putin gegen\u00fcber George W. Bush, dass die Ukraine kein eigener Staat w\u00e4re. Er scheute sich auch in den Staatsmedien nicht davor, dies bei jeder sich bietenden Gelegenheit zu wiederholen, sodass es Boris und auch Olga vom Lande nicht anders kennen. Dem jedoch widersprechen viele Experten und vor allem die Geschichte. So betont beispielsweise der Osteuropahistoriker Andreas Kappeler in seinem Buch \u201eKleine Geschichte der Ukraine\u201c, dass sich die Ukraine jahrhundertelang eigenst\u00e4ndig entwickelt habe. Der emeritierte Professor mit Lehrauftrag in K\u00f6ln und Wien weist aufgrund der Sprache, Literatur und Staatlichkeit eine unter-schiedliche geschichtliche Entwicklung zwischen Russland und der Ukraine nach. Das Kiewer Reich wurde durch skandinavische Wikinger gegr\u00fcndet und bestand aus einem Verband von F\u00fcrstent\u00fcmern, dem neben Kiew auch Minsk, Nowgorod und Smolensk angeh\u00f6rten. Kappeler z\u00e4hlt deshalb die Ukraine als ein Teil zu Polen-Litauen, w\u00e4hrend Moskau urspr\u00fcnglich Teil des Mongolenreichs war. Deshalb entwickelte sich die Ukraine in der Geschichte zusehends in Richtung Westen, das Herr-schaftsideal in Richtung der franz\u00f6sischen Revolution: Libert\u00e9, Egalit\u00e9, Fraternit\u00e9 (Freiheit, Gleichheit, Br\u00fcderlichkeit). Moskau hingegen schottete sich ab, Russland wurde stets zentralistisch und autokratisch regiert. Putins Ansprache zur Annexion der Krim analysiert Kappeler in einem eigenen Kapitel seines Buches. Sein Resumee: \u201eFalsche Behauptungen und Verdrehungen\u201c! Historisch alleiniger Anspruch auf die Krim h\u00e4tten alsdann die muslimischen Krimtataren!<br \/>\nBoris Jelzin, der Vorg\u00e4nger Putins, war diesbez\u00fcglich wesentlich auf-geschlossener und moderner. Er hatte eine Kommission eingesetzt, die sich der tats\u00e4chlichen \u201enationalen Idee\u201c widmen sollte. Unter Putin hingegen wurde vieles der durch Michail Gorbatschow eingeleiteten Perestroika zugunsten des zaristischen, autokratischen F\u00fchrungsstiles eingefroren.<br \/>\nDie Maidan-Revolution in der Ukraine brachte das Fass des Ex-KGB-Offiziers zum \u00dcberlaufen. Russland geht &#8211; ebenso wie die Sowjetunion damals &#8211; wirtschaftlich den Bach runter. Es droht der Abstieg von der Weltmacht zur L\u00e4cherlichkeit. Armut in grossen Teilen der Bev\u00f6lkerung &#8211; der Kampf ums Brot gilt grunds\u00e4tzlich als Ausl\u00f6ser der meisten Revolutionen. Maidan in Moskau &#8211; ein Schreckensbild, das der Autokrat mit allen Mitteln seit seinem Machtantritt zu verhindern versucht. Putins Ideale finden sich in einer zaristischen Grossmacht, die auf diesem Globus das letzte Wort zu sagen hat. <\/p>\n<p><em>\u201eDas, was wir uns in 1.000 Jahren erarbeitet haben, war zu einem bedeutenden Teil verloren!\u201c<\/em><br \/>\n(Wladimir Putin zum 30. Jahrestag des Zusammenbruchs der UdSSR)<\/p>\n<p>Obgleich der Diktator nach wie vor den Mitgliedsausweis der KPdSU besitzt, sind es wohl mehr die Ideale der Zarenzeit, die ihn faszinieren als jene des Kommunismus. Schliesslich m\u00fcsste er ansonsten die ihm wohlgesonnenen, urkapitalistisch agierenden Oligarchen und seinen Palast am Schwarzen Meer (Kap Idokopas), seine Konten im Ausland etc. rechtfertigen.<br \/>\nPutin rief zuletzt die ukrainische Armee dazu auf, ihre eigene Regierung zu st\u00fcrzen. Mit seiner Entscheidung zur Invasion in der Ukraine, hat sich Putin in die Liste der Kriegsverbrecher Im 20.\/21. Jahrhundert in Europa eingeordnet. Ob die Gesellschaft neben Hitler und Milo\u0161evi\u0107 erstrebens-wert ist, sei dahingestellt.<br \/>\nMehr m\u00f6chte ich heute gar nicht in die Materie einsteigen &#8211; die Lage \u00e4ndert sich nicht nur von Tag zu Tag, sondern von Stunde auf Stunde. Nur m\u00f6chte ich mit einer \u00dcberlegung schliessen, die wohl alles auf den Punkt bringt:<br \/>\nMichail Gorbatschow stand das Wasser bis zum Halse. Er machte das einzig richtige: Er zog die Reissleine. Aus dem erwarteten Chaos durch die Aufl\u00f6sung des Vielv\u00f6lkerstaates Sowjetunion und des Ostblocks entstand eine Vielzahl an Nationalstaaten, die sich selbst entwickeln konnten &#8211; viele davon im Frieden, einige im Krieg. Doch Gorbatschow rettete Russland! Putin hingegen versucht, die Uhr mit aller Gewalt imperialistisch zur\u00fcck zu drehen. Weit entfernt von Glasnost! Sei es beim Krieg in Georgien 2008 oder bei der Intervention in Tschetschenien 1999 bzw. jetzt in der Ukraine. Aber auch im Ausland: Syrien, Libyen, \u2026! Nahezu \u00fcberall wo Putin draufsteht, ist auch Putin drin: Waffengewalt und Krieg! Friedensstifter?<br \/>\n<strong>Wie lange h\u00e4lt ein Frieden, der mit Waffen erwirkt wurde?!   <\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eVon wem in Gottes Namen glaubt Putin das Recht erhalten zu haben, neue Staaten auszurufen auf Gebieten, die seinem Nachbarn geh\u00f6ren!\u201c (Joe Biden, US-Pr\u00e4sident) Es ist geschehen! Der russische Staatspr\u00e4sident Wladimir Putin hat mit der Invasion in der Ukraine begonnen. 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