
{"id":7522,"date":"2022-03-04T18:14:19","date_gmt":"2022-03-04T16:14:19","guid":{"rendered":"http:\/\/stockm.vs120047.hl-users.com\/blog\/?p=7522"},"modified":"2022-03-04T18:14:19","modified_gmt":"2022-03-04T16:14:19","slug":"biogas-tatsachlich-eine-furz-idee","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/index.php\/2022\/03\/04\/biogas-tatsachlich-eine-furz-idee\/","title":{"rendered":"Biogas &#8211; tats\u00e4chlich eine Furz-Idee???"},"content":{"rendered":"<p>Deutschland verbrauchte im Jahr 2020 nicht weniger als 86,5 Milliarden Kubikmeter Erdgas. Mehr als die H\u00e4lfte davon kamen via Pipeline aus Russland, gefolgt von Norwegen und den Niederlanden. \u00d6sterreich ver-brannte im selben Jahr 8,5 Milliarden Kubikmeter, die Schweiz 3,2. W\u00e4hrend bei den Eidgenossen nur rund 35 % aus russischer F\u00f6rderung stammen (der Rest aus der EU und Norwegen), sind es in \u00d6sterreich 56 % (nur 12-13 % aus Norwegen und Deutschland).<br \/>\nAngesichts des derzeitigen von Russland angezettelten Krieges gegen die Ukraine mehr als bedenkliche Zahlen. Das Ostsee-Pipeline-Projekt Nord Stream 2 wurde durch den deutschen Bundeskanzler Olaf Scholz erst mal eingefroren. Viele Kritiker (wie die USA) bezeichnen es als fahrl\u00e4ssig, sich derart von nur einem Lieferanten abh\u00e4ngig zu machen! Stimmt zu einem gewissen Anteil. Andererseits versuchen selbstverst\u00e4ndlich die Ameri-kaner das wesentlich teurere Fracking-Gas an den gutzahlenden Herrn M\u00fcller oder Frau Schmidt zu bekommen. Also sind Ideen gefragt. Eine dieser Ideen w\u00e4re sicherlich das Biogas!<br \/>\nBiogas entsteht mit Hilfe von Bakterien bei der Verg\u00e4rung von pflanz-lichen und tierischen \u00dcberresten (G\u00fclle, Bioabf\u00e4lle, Energiepflanzen,\u2026) &#8211; unter Luftabschluss (anaerobes Milieu) in sog. \u201eFermentern\u201c. Zur\u00fcck bleibt ein hochwertiges D\u00fcngemittel mit einer Vielzahl an N\u00e4hr- und humusbildenden Stoffen. Das entstehende Gas beinhaltet neben 25 % CO2 auch zwischen 40-75 % Methan (beim Erdgas sind es 80-90 %) &#8211; abh\u00e4ngig vom Oxidationsgrad der verwendeten Substrate. Dieses wird zur Strom- oder W\u00e4rmegewinnung verwendet. Daneben kann es auch aufbereitet in das Erdgas-Netz eingespeist werden. Zumeist geschieht diese Produktion nicht in einem grossen Biogas-Kraftwerk sondern direkt bei den Produzenten: Auf den Bauernh\u00f6fen. Eine durchschnittliche Anlage bringt eine Kapazit\u00e4t von 600 kW. In \u00d6sterreich sind derzeit rund 350 Biogas-Anlagen im Einsatz. Sie erzeugen j\u00e4hrlich in etwa 150 Mio Kubik-meter Biogas (rund 2 % des j\u00e4hrlichen Gasbedarfs). In Deutschland sind es rund 9.700, in der Schweiz 30.<br \/>\nBiogas ist die drittwichtigste erneuerbare Energieform in Deutschland &#8211; nach der Wasserkraft und der Photovoltaik. 2019 wurden 8,1 Milliarden Euro mit der Produktion und Verwertung von Biogas in Deutschland umgesetzt, zwischen Flensburg und Berchtesgaden im Jahr 2020 5,2 % des verbrauchten Stroms aus Biogasanlagen gewonnen. Alleine in Niedersachsen bel\u00e4uft sich die Biogaskapazit\u00e4t auf 1,4 Gigawatt, deutschlandweit sind dies 5,6 GW. Klar &#8211; bei einer Stromproduktion von 30 Terrawattstunden sind dies vernichtend geringe Zahlen!<br \/>\nDie anderen Bestandteile (neben Methan und CO2) sind Stickstoff N2 (0-7 %), Sauerstoff O2 (0-2 %), Wasserstoff  H2 (0-1 %) und Schwefelwasserstoff H2S (0-1 %). Inzwischen sucht neben anderen auch die Technische Universit\u00e4t Graz im \u201eProjekt Biogas 2H2\u201c nach einer M\u00f6glichkeit, aus der Biomasse Wasserstoff H2 zu extrahieren, der f\u00fcr den Antrieb von Brennstoffzellen dienen k\u00f6nnte. Ansonsten muss dieser sehr energie-aufwendig gewonnen werden.<br \/>\nAm interessantesten jedoch bleibt die Herstellung von Biomethan. Ein Kubikmeter Methan hat einen Energiegehalt von 9,97 kWh. Umgerechnet auf einen Methananteil von 60 % bei Biogas entspricht dies einem Energiegehalt von 6 kWh pro Kubikmeter (rund 0,6 l Heiz\u00f6l).<br \/>\nIn Blockheizkraftwerken erfolgt die Stromgewinnung. Leider wird in den meisten F\u00e4llen die Abw\u00e4rme noch nicht zur Heizung von Geb\u00e4uden genutzt. Dadurch geht rund 2\/3 der enthaltenen Energie verloren. Eine vorbildhaft gef\u00fchrte 190 kWh-Biogasanlage produziert rund 1,5 Mio kWh Strom und speist zudem 350.000 kWh W\u00e4rme in das W\u00e4rmenetz einer Gemeinde ein. Dadurch k\u00f6nnen 430 Haushalte mit Strom und 30 Haushalte mit W\u00e4rmeenergie beliefert werden. Hochgerechnet auf den CO2-Ausstoss ergibt sich gegen\u00fcber der Verwendung fossiler Treibstoffe (1.100 to CO2) eine Einsparung von zirka 650 to pro Jahr &#8211; dabei eingerechnet ist \u00fcbrigens auch der Bau der Anlage!<br \/>\nBei den Gasanbietern kann der Biogas-Anteil selbst gew\u00e4hlt werden. So erzeugt beispielsweise die Biogas-Aufbereitungsanlage Wien-Simmering pro Jahr \u00fcber eine Million Kubikmeter Biomethan aus zirka 22.000 Tonnen biogenem K\u00fcchenabfall und speist dies in das Gasnetz ein. Aus 1,3 kg biogenen Hausabf\u00e4llen l\u00e4sst sich 1 kWh Strom gewinnen. Damit k\u00f6nnen 900 Haushalte der \u00f6sterreichischen Bundeshauptstadt umwelt-freundlich versorgt werden. Somit verringert sich der Ausstoss von CO2 um j\u00e4hrlich mehr als 3.000 Tonnen. Auch im schweizerischen Freiburg wird weitergedacht. Gemeinsam mit dem Projekt E Celsius nutzt die Stadt das durch die Kl\u00e4rschlammverg\u00e4rung entstehende Gas nach erfolgter Aufbereitung zur Einspeisung in das st\u00e4dtische Gasnetz. 17.000 Kubikmeter Abwasser str\u00f6men t\u00e4glich in die Kl\u00e4ranlagen der Stadt. Daraus entstehen j\u00e4hrlich 10 GWh Energie (gegengerechnet etwa 1 Mio Liter Heiz\u00f6l). Damit ist der W\u00e4rmebedarf von 1.000 Einfamilienh\u00e4usern gedeckt.<br \/>\nBiomethan gelangt aber auch bei Gasmotoren zum Einsatz. So kann umgerechnet mit einer Tonne Gr\u00fcngut ca. 1.000 Kilometer weit gefahren werden. Wurde der Methangehalt auf 98 % aufbereitet, so kann auch ein gasbetriebenes Fahrzeug ohne Folgen oder Problemen damit betankt werden. Dies reduziert den CO2-Ausstoss um bis zu 90 % und hilft alsdann beim Sparen auf jedem gefahrenen Kilometer. Biomethan kann zudem verfl\u00fcssigt werden &#8211; man spricht dann von \u201eLNG\u201c (Liquid Natural Gas). Damit werden LKW und Schiffe betankt und betrieben. Eine solche Aufbereitungsanlage steht neben 200 anderen in Deutschland in Pliening bei M\u00fcnchen.<br \/>\nBei all diesen positiven Aspekten sollten aber auch objektiverweise die negativen nicht ausser Acht gelassen werden. So produzieren zusehends mehr Ackerbauern Mais oder Futterr\u00fcben (Energiepflanzen) nur f\u00fcr die Verg\u00e4rung zu Biogas. Zur Zeit auf \u00fcber 2 Mio Hektar Ackerland (1\/5 des Gesamtackerlandes) &#8211; alleine in Deutschland. Durch Monokulturen ver\u00f6det die Landschaft, Sch\u00e4dlinge oder Klima-Ver\u00e4nderungen k\u00f6nnen grossen Schaden anrichten (zur Resistentmachung gelangt die Genmanipulation zum Einsatz), der Boden wird ausgelaugt. Mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz aus dem Jahr 2014 versuchte die deutsche Bundesregierung dem entgegenzutreten. So erhalten seither grosse Betriebe nurmehr die Grundverg\u00fctung f\u00fcr die Stromeinspeisung, die Subventionen f\u00fcr Energiepflanzen wurden g\u00e4nzlich gestrichen. Nurmehr Klein-Anbieter bis 75 kWh erhalten eine hohe Einspeiseverg\u00fctung. Die Verwendung von Energiepflanzen sollte g\u00e4nzlich verboten werden, da die Ern\u00e4hrung der Bev\u00f6lkerung (v.a. fernab der grossen internationalen Lieferketten) immer mehr zum Problem wird (die derzeitigen Weizenpreise sprechen wohl B\u00e4nde!). Nahrungsmittel sollten stets den Vorrang gegen\u00fcber Antriebsmitteln haben! Schliesslich gibt es gen\u00fcgend K\u00fcchenabf\u00e4lle, R\u00fcckst\u00e4nde aus der Bier- und Weinproduktion (Treber), aus der Saftproduktion (Trester), Ernter\u00fcckst\u00e4nde (Pflanzenbl\u00e4tter etwa) oder auch Molkerei- und Schlachtereiabf\u00e4lle, G\u00fclle oder Kl\u00e4rschlamm, die daf\u00fcr eingesetzt werden kann. Apropos G\u00fclle: Derzeit werden nur rund 1\/4 der in Deutschland entstehenden tierischen Exkremente in Biogas-Anlagen verg\u00e4rt &#8211; der Rest landet entweder auf den Ackern und Feldern, wo sie f\u00fcr eine \u00fcberm\u00e4ssige Nitratbelastung des Grundwassers sorgt, oder wird in andere Staaten exportiert.<br \/>\nDaneben bestehen auch einige Gefahren, die von derartigen Biogas-Anlagen ausgehen. So entstehen hochentz\u00fcndliche und extrem klima-sch\u00e4dliche Gase, die durch ein Leck leicht in die Umwelt abgegeben oder im Brandfall gar zu einer verheerenden Verpuffung f\u00fchren k\u00f6nnen. Daneben bilden die Substrate, G\u00fclle und G\u00e4rreste eine erhebliche Gefahr f\u00fcr Grund- und Fliesswasser. Schon mehrfach wurde schlichtweg ein Ventil bei einer Zuf\u00fchrungs- oder Ablassstelle nicht geschlossen, wodurch das Leben in B\u00e4chen oder Fl\u00fcssen vernichtet wurde. Deshalb unterliegen Biogas-Anlagen strengen gesetzlichen Richtlinien und Kontrollen. Doch so sicher auch die Technik sein mag &#8211; menschliches Versagen kann niemals ausgeschlossen werden.<br \/>\nNachdem bereits von ernst zu nehmenden \u00d6konomen mit einer Verdoppelung des derzeitigen Gaspreises bis kommendes Jahr gerechnet wird, w\u00e4re die Umstellung auf Biogas durchaus erstrebenswert. Es ist nicht nur klimaneutral und das ganze Jahr \u00fcber verf\u00fcgbar, sondern bietet auch die M\u00f6glichkeit, das Geld wertsch\u00f6pfend in der eigenen Region zu belassen anstatt es nach Russland zu schicken. Ihrer Gastherme \u00fcbrigens ist es v\u00f6llig gleichg\u00fcltig, ob Erdgas oder aufbereitetes Biogas verwendet wird.    <\/p>\n<p><strong>Lesetipps:<\/strong><\/p>\n<p>.) Biogas-Praxis. Grundlagen, Planung, Anlagenbau, Beispiele; Heinz Schulz\/Barbara Eder; \u00d6kobuch 2005<br \/>\n,) Vom Bauern zum Energielieferant. Die Zukunft des Energiewirt; Martin Stroh; Landwirtschaftsverlag 2000<br \/>\n.) Energie aus Biomasse. Grundlagen, Techniken und Verfahren; Hrsg.: Martin Kaltschmitt\/Hans Hartmann\/Hermann Hofbauer; Springer 209<br \/>\n.) Kraftwerk Wiese Strom und W\u00e4rme aus Gras;Walter Graf; Books on Demand 1999<\/p>\n<p><strong>Links:<\/strong><\/p>\n<p>&#8211; www.biogas.org<br \/>\n&#8211; www.dbfz.de<br \/>\n&#8211; biogas.fnr.de<br \/>\n&#8211; www.ergar.org<br \/>\n&#8211; www.umweltbundesamt.de<br \/>\n&#8211; www.klimaaktiv.at<br \/>\n&#8211; www.gruenes-gas.at<br \/>\n&#8211; task37.ieabioenergy.com<br \/>\n&#8211; www.chemie.de<br \/>\n&#8211; www.aee.at<br \/>\n&#8211; gazenergie.ch<br \/>\n&#8211; oekostrom.at<br \/>\n&#8211; www.energieag.at<br \/>\n&#8211; gazenergie.ch<br \/>\n&#8211; www.biogas-netzeinspeisung.at<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Deutschland verbrauchte im Jahr 2020 nicht weniger als 86,5 Milliarden Kubikmeter Erdgas. 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