
{"id":7544,"date":"2022-03-11T17:36:10","date_gmt":"2022-03-11T15:36:10","guid":{"rendered":"http:\/\/stockm.vs120047.hl-users.com\/blog\/?p=7544"},"modified":"2022-03-11T17:36:10","modified_gmt":"2022-03-11T15:36:10","slug":"krieg-auf-der-uberholspur-des-datenhighways","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/index.php\/2022\/03\/11\/krieg-auf-der-uberholspur-des-datenhighways\/","title":{"rendered":"Krieg auf der \u00dcberholspur des Datenhighways"},"content":{"rendered":"<p>Wenn im russischen Staatsfernsehen pl\u00f6tzlich die ukrainische Flagge gezeigt und die ukrainische Nationalhymne abgespielt wird, so steckt sicherlich in diesen Zeiten kein menschliches Versagen dahinter, sondern pure Absicht. H\u00e4tte ein Praktikant versehentlich den falschen Knopf gedr\u00fcckt, so w\u00e4re er nicht nur sofort seinen unbezahlten Job los, sondern st\u00fcnde h\u00f6chstwahrscheinlich auch wegen Hochverrates vor einem Milit\u00e4rgericht Putins. Nein &#8211; der Urheber einer solchen Szene sitzt irgendwo auf dieser Welt, in einem abgedunkelten Keller, vor mehreren Bildschirmen, einer Tastatur und einer Maus: Ein Hacker der Vereinigung \u201eAnonymous\u201c. Manche \u00fcbrigens sind kaum \u00e4lter als der vorhin ange-sprochenen Praktikant. Kriege werden heute vor allem im weltweiten Web ausgetragen und hier sind ja bekanntlicherweise die M\u00f6glichkeiten nahezu unbegrenzt. So wurden beispielsweise die US-amerikanischen Drohnen in Afghanistan von Rammstein\/Deutschland aus gesteuert. Freilich unter Zuhilfenahme von Milit\u00e4rsatelliten, damit es schneller ging.<br \/>\nAuch die Invasion Russlands in der Ukraine war bereits monatelang zuvor im Internet vorbereitet worden: Durch Putins Troll-Fabrik. Kampagnen mit eindeutiger Desinformation und Furchtszenarien wurden bereits gefahren, als der erste russische Feldschuh noch weit entfernt der russisch-ukrainischen Grenze seinen Dienst versah. Zu diesem Schluss kam der 2020 eingesetzte  \u201eSonderausschuss zur Einflussnahme aus dem Ausland auf alle demokratischen Prozesse in der EU\u201c des Europa-parlaments. Und &#8211; offenbar stehen ausgerechnet hier T\u00fcr und Tor sperr-angelweit offen. So konnten Schwachstellen aufgezeigt werden, die perfekt f\u00fcr das Einschleusen von Falschmeldungen geeignet sind und dadurch Unruhe stiften k\u00f6nnen. Viele sind davon auch daf\u00fcr genutzt worden. Doch hat nicht nur Br\u00fcssel diese Probleme. Gewarnt werden vor allem nationale Stellen. Namentlich erw\u00e4hnt wird dabei die Finanzierung der AfD in Deutschland. Das Ausschussmitglied Sabine Verheyen (CDU) berichtet u.a von einer Propaganda-Maschinerie mit \u201eextremer Raffinesse und unz\u00e4hligen Formen\u201c. Aber auch von einer sog. \u201eLandsmannpolitik\u201c, wodurch die vielen russischst\u00e4mmigen Menschen ausserhalb des Landes (v.a. in den baltischen Staaten und den \u00f6stlichen EU-Mitgliedsl\u00e4ndern) vom Konzept der \u201erussischen Welt\u201c angesprochen und \u00fcberzeugt werden sollen. Wie es zuvor der t\u00fcrkische Pr\u00e4sident Recep Tayyip Erdogan bereits praktizierte.<br \/>\nAm Tag vor dem Einmarsch der russischen Truppen wurde eine Wiper-Schadsoftware aktiviert. Sie war bereits vorinstalliert &#8211; bei Unternehmen, die mit der ukrainischen Regierung zusammenarbeiten. Es handelt sich dabei um eine Software, die grossfl\u00e4chig L\u00f6schungen vornimmt. Das betrifft nicht nur einzelne Rechner sondern auch Server und damit ganze Netzwerke.<br \/>\nDie Kampfkraft dieser speziellen Soldaten wurde bereits mehrfach &#8211; vor-nehmlich bei Wahlen &#8211; unter Beweis gestellt. So sind etwa die Umst\u00e4nde der Wahl Donald Trumps zum US-Pr\u00e4sidenten und die Rolle Russlands dabei nach wie vor noch nicht endg\u00fcltig gekl\u00e4rt. Alsdann hatten die Russen beim Brexit ihre Finger im Spiel. W\u00e4hrend der Pandemie stiessen die gefakten Zweifel an der Qualit\u00e4t der westlichen Impfstoffe auf offene Ohren der Impfgegner. Die gr\u00fcne Europaabgeordnete Viola von Cramon f\u00fcrchtet vor allem die bewusst gef\u00fchrte Desinformation der Bev\u00f6lkerung in der westlichen Hemisph\u00e4re. Viele \u00fcbernehmen diese Fakes 1:1 und glauben fest daran, anstatt dies zu hinterfragen und sich \u00fcber einen anderen Info-Kanal abzusichern. Hierzu z\u00e4hlen u.a. die nachgewiesen gelogenen Aus- bzw. Zusagen Wladimir Putins. Von Cramons bezeichnet dies als \u201eHybride Kriegsf\u00fchrung\u201c. Auch der MEP der \u00f6sterreichischen Sozialdemokraten, Andreas Schieder, spricht von einem Info-Krieg Putins, der schon \u201eseit vielen Jahren\u201c laufe. Zudem &#8211; ebenfalls im Abschluss-bericht des Ausschusses enthalten &#8211; kooptiere Russland Eliten im Westen. Hier erw\u00e4hnt seien etwa die ehemaligen \u00f6sterreichischen Bundeskanzler Wolfgang Sch\u00fcssel, Alfred Gusenbauer und Christian Kern, sowie allen voran der deutsche Ex-Kanzler Gerhard Schr\u00f6der. Sie werden in Vor-st\u00e4nde und Aufsichtsr\u00e4te deutscher und \u00f6sterreichischer Unternehmen oder russischer Ableger eingeschleust, damit sie vornehmlich ihre Kontakte bzw. vertrauliches Wissen zugunsten Russlands nutzen sollen. Dies sei heute aber nur am Rande erw\u00e4hnt.<br \/>\nDie breite \u00d6ffentlichkeit wird durch die Trolle vornehmlich \u00fcber die sozialen Medien hysterisiert. Fake-Accounts, -Likes und -Posts, Drohungen, Hassmeldungen gegen\u00fcber Politiker, Journalisten, Wissen-schaftler etc. &#8211; nicht hinter jedem Post steckt ein der deutschen Sprache nicht kundiger Rechtsextremer. Experten sprechen in diesem Zusammen-hang von der \u201eErschaffung einer Schein\u00f6ffentlichkeit\u201c mit dem Ziel, Stimmung zu machen. Es soll gar ein k\u00fcnstliches Chaos geschaffen werden, wodurch die Bev\u00f6lkerung das Vertrauen in ihre politischen Vertreter verliert. Litauen hat bereits hierauf reagiert und mit der Platt-form debunk.eu eine Faktencheck-Website geschaffen, wo so manche Aussage \u00fcberpr\u00fcft werden kann. Die Macher nennen sich selbst \u201eDie litauischen Elfen\u201c. Auch die EU hat schon im Jahr 2015 die Gegen-massnahme \u201eEast Stratcom Taskforce\u201c online gestellt, damit Falsch-meldungen durch den Faktencheck gejagt werden k\u00f6nnen. Sie ist jedoch nahezu unbekannt, w\u00e4hrend die litauischen Elfen immer mehr Zulauf bekommen.<br \/>\nCyber-Attacken hingegen finden auf einer weitaus h\u00f6heren Ebene statt. So beschuldigten die USA schon unter Trump, aber auch unter Biden den milit\u00e4rischen Geheimdienst Russlands GRU der tatkr\u00e4ftigen Beteiligung an diesen Operationen. Inhalt solcher Angriffe sind zumeist Infrastrukturen wie Elektrizit\u00e4tswerke, Wasserversorger, medizinische Einrichtungen und Medienunternehmen, aber auch R\u00fcstungsbetriebe oder Global Player sowie Banken. Otto Normalb\u00fcrger steht dem hilflos gegen\u00fcber &#8211; er bemerkt nur deren Auswirkungen. Um diese Front k\u00fcmmern sich die Mitglieder von Anonymous. Hacker aus aller Welt haben sich auf Seiten der Ukraine gegen Putins Trolle eingeschaltet. So war am 26. Februar des Jahres auf Twitter zu lesen:<\/p>\n<p><em>\u201eUkrainian people we are at your side. Anonymous is against this war. We will all do our best to help the Ukrainian people. We cannot  let this attack go unpunished!\u201c<\/em><\/p>\n<p>\u00dcbrigens ging dem Ganzen ein Hilferuf des stellvertretenden Premier-ministers und Digitalministers der Ukraine, Mykhailo Fedorov, voraus, der \u00fcber Telegram digitale Talente f\u00fcr eine IT-Armee suchte. Bekannt wurde die Gruppierung vornehmlich aufgrund ihrer Maske: Ein grinsendes, weisses M\u00e4nnergesicht mit Schnurrbart (\u201eGuy Fawkes Maske\u201c). Niemand kennt sie. Keiner weiss, wo sie umgehen. Auch untereinander weiss niemand bescheid \u00fcber die wahre Identit\u00e4t des Anderen. Nur deren Nicknames sind bekannt. Vor allem die Untergruppierung \u201eOpRedScare\u201c greift via Tastatur und Maus in den Cyberkrieg gegen Russland ein. Sie knacken so manche Firewall ohne Probleme, andere Zug\u00e4nge dauern etwas l\u00e4nger, sind aber ebenfalls nicht sicher vor einem Zugriff. Auf ihr Konto geht u.a. das vorhin bereits erw\u00e4hnte russische Staatsfernsehen, aber auch das russische Verteidigungsministerium, der Energiekonzern Gazprom und russische sowie belarussische Infrastruktur. Innerhalb von nur 72 Stunden waren \u00fcber 1.500 Websites offline sowie das Passwort des russischen Verteidigungsministers geknackt. Nicht jedoch jene von medizinischen oder Bildungseinrichtungen &#8211; Anonymous sieht sich auf der Seite der Zivilbev\u00f6lkerung. Die russischen Trolls versuchen die Anonymous-Hacker mit sog. \u201eHoneypots\u201c zu k\u00f6dern. Webseiten, die eigens online geschalten wurden, um an die Urheber derartiger Zugriffe zu gelangen. Nicht zuletzt deshalb m\u00fcssen Neuank\u00f6mmlinge bei Anonymous ein schwieriges Aufnahmeprozedere durchstehen, damit sie zum Einen nicht sofort ausfindig gemacht werden k\u00f6nnen und schliesslich die Gefahr ausgeschlossen wird, sich hier einen Wolf im Schafspelz einzufangen. Anonymous hat sich auf DDoS-Attacken (Distributed Denial of Service) spezialisiert. Hierbei werden Server von unterschiedlichen Rechnern grossfl\u00e4chig mit Anfragen geflutet, bis sie zusammenbrechen. Dies kann durchaus auch \u00fcber den Laptop im heimischen Wohnzimmer der Familie Schmidt geschehen, da er nach wie vor auf einem Betriebssystem l\u00e4uft, f\u00fcr das es keine Sicherheitsupdates mehr gibt oder auf dem keine Firewall und Sicherheitssoftware installiert wurde. Nach derartigen Attacken erscheint stets ein Bekennervideo der Gruppierung auf der geknackten Website. Die Russen reagierten erbost und sprechen von Angriffen des Westens. Dabei ist es nicht auszu-schliessen, dass der eine oder andere Angriff von einem Russen oder einem Chinesen durchgef\u00fchrt wurde. Ein amerikanischer Hacker wurde durch das FBI angeschrieben. Es habe erfahren, dass er an einer Cyberattack gegen Russland beteiligt gewesen  sei. \u201eGute Arbeit!\u201c<br \/>\nSo witzig und trivial dies auch klingen mag, sollte dem Cyber-Krieg gr\u00f6sste Aufmerksamkeit zukommen! Beispiel? Die Ukraine betreibt an vier Standorten insgesamt 15 Kernreaktoren. Ein. Atomkraftwerk muss nicht beschossen werden, wie zuletzt Saporischschja. Es gen\u00fcgt ein Hacker, der im besten Fall \u201enur\u201c den Reaktor runterf\u00e4hrt. Zwei Drittel des ukrainischen Stroms wird in Kernkraftwerken produziert. Worst Case jedoch ist hierbei das Hinauffahren des Reaktors \u00fcber seine Kapazit\u00e4ts-grenzen. Die Folge w\u00e4re im Extremfall ein Supergau wie damals bei Tschernobyl, das ebenfalls in der Ukraine steht. Putin h\u00e4tte damit eine Atomkatastrophe ausgel\u00f6st, ohne auf sein A-Waffen-Arsenal zur\u00fcck-zugreifen. Ganz Europa w\u00e4re &#8211; wie auch in den 1980er Jahren &#8211; davon betroffen. Darunter jedoch weite Teile Russlands! Die Tat eines Wahn-sinnigen! Doch: War der Beschuss des AKW etwas anderes???<br \/>\nDer wirklich grosse Cyberkrieg hat bislang noch nicht stattgefunden. Nachdem f\u00fcr den russischen Staatspr\u00e4sidenten die Invasion nicht wirklich so l\u00e4uft wie geplant, ist die Gefahr sehr gross, dass dies noch geschehen k\u00f6nnte.<br \/>\nWie im realen Leben gilt auch auf dem Datenhighway der Grundsatz: <\/p>\n<p><strong>Im Krieg gibt es nur Verlierer!<\/strong><em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn im russischen Staatsfernsehen pl\u00f6tzlich die ukrainische Flagge gezeigt und die ukrainische Nationalhymne abgespielt wird, so steckt sicherlich in diesen Zeiten kein menschliches Versagen dahinter, sondern pure Absicht. 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