
{"id":7620,"date":"2022-03-25T18:45:38","date_gmt":"2022-03-25T16:45:38","guid":{"rendered":"http:\/\/stockm.vs120047.hl-users.com\/blog\/?p=7620"},"modified":"2022-03-25T18:48:38","modified_gmt":"2022-03-25T16:48:38","slug":"von-putins-gnaden","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/index.php\/2022\/03\/25\/von-putins-gnaden\/","title":{"rendered":"Von Putins Gnaden"},"content":{"rendered":"<p><em>\u201eIch wei\u00df nicht, wie ich leben soll!\u201c<\/em><br \/>\n(Michail Fridman, milliardenschwerer russischer Oligarch)<\/p>\n<p>In den letzten Wochen war immer wieder von ihnen zu h\u00f6ren, doch lieben die meisten derer die Verborgenheit &#8211; vor allem ausserhalb Russlands: Die Oligarchen! Viele hierzulande kennen zwar den Ausdruck, wissen jedoch nicht viel damit anzufangen &#8211; ausser, dass er mit verdammt viel Geld behaftet ist! Auch \u00fcber die Hintergr\u00fcnde dieser reichsten und m\u00e4chtigsten M\u00e4nner Russlands ist meist nur wenig bekannt. Hier m\u00f6chte ich heute ansetzen und etwas Aufkl\u00e4rungsarbeit leisten.<br \/>\nIn der westlichen Hemisph\u00e4re werden sie mit den beiden W\u00f6rtern \u201eFinanztycoon\u201c oder \u201eWirtschaftsmagnat\u201c umschrieben, die reichen Industriebosse und Finanzspekulanten. Da tauchen stets Namen wie Bezos, Musk, Gates, Bloomberg, Buffet, Fink, etc. auf. W\u00e4hrend sich viele beim Flaschensammeln Gedanken dar\u00fcber machen m\u00fcssen, wie sie diese Woche \u00fcberleben sollen, verdienen derartige Grossindustriellen und Geldspezialisten in nur einer Sekunde mehr als viele andere in einem ganzen Monat. Im Reich Putins heisst diese ganz spezielle Spezies \u201eOligarch\u201c. Sie gehen im Kreml ein und aus &#8211; ohne ihre Beteiligung l\u00e4uft in der russischen Wirtschaft nichts mehr! Eine Mannschaft auf der obersten Sprosse der Leiter, die hochkar\u00e4tiger nicht sein kann. Die beiden wohl bekanntesten unter ihnen d\u00fcrften Roman Abramowitsch und Oleg Deripaska sein &#8211; doch entstammen sie nur dem Mittelfeld. Dennoch wird in diesen Reihen nach der Invasion Russlands in der Ukraine kein Stein mehr auf dem anderen bleiben. Die russische Wirtschaft liegt am Boden, Staatsanleihen haben nurmehr Ramsch-Wert, der Rubel verliert t\u00e4glich an Wert, die Verm\u00f6gen im Ausland sind gesperrt! Ja &#8211; dieser von Putin veranlasste Krieg, gerne als \u201ekleiner Konflikt\u201c bezeichnet und seine krankhafte Sucht auf angebliche Nazijagd wird in diesen Kreisen den einen oder anderen Kopf kosten. Auch wenn die meisten unter ihnen ihr Verm\u00f6gen mit Gas oder \u00d6l aufbauten, auf das der Westen alsdann weiterhin angewiesen sein wird. Doch wer sind diese Menschen, die den Despoten bei der Jagd begleiten, ihn in seinem Schloss besuchen und bei Sportveranstaltungen direkt neben ihm sitzen d\u00fcrfen? Allerdings von ihm auch sehr rasch durch Verstaatlichung enterbt, mundtot gemacht und noch bestenfalls des Landes verwiesen werden k\u00f6nnen. Gegen diese Superreiche wurden die ersten Sanktionen verh\u00e4ngt, sie verlieren jeden Tag zig Millionen ihres Verm\u00f6gens &#8211; es sind die m\u00e4chtigsten M\u00e4nner aus Wirtschaft und Finanz an Putin\u2019s Seite und vor allem: Mit dessen Segen! Allerdings z\u00e4hlen nicht alle zum \u201eSilowiki\u201c, dem engsten Machtzirkel des russischen Pr\u00e4sidenten.<\/p>\n<p><strong>Igor Sechin (\u201eDarth Vader\u201c)<\/strong><br \/>\nSechin scheint zwar nicht in den vorderen Pl\u00e4tzen der Forbes-Liste der reichsten Russen auf, doch soll dies nicht von seiner Macht ablenken. Er gilt seit seiner Zeit als dessen Privatsekret\u00e4r in den 1990er Jahren als engster Vertrauter des Staatspr\u00e4sidenten. Seine Sporen verdiente er sich mit der Zerschlagung des Yukos-Erd\u00f6l-Konzerns, das der damalige Oligarch Michail Chodorkowski (mehr zu ihm sp\u00e4ter) leitete. Es glich einer Verstaatlichung der Aktiengesellschaft zugunsten des angeschlagenen staatlichen Konzerns Rosneft. Sechin war damals stellvertretender Leiter der Pr\u00e4sidialadministration. Nach einem kurzen Intermezzo als Pr\u00e4sidentenberater wurde er am 27. Juli 2004 zum Vorstands-vorsitzenden von Rosneft. Im April 2011 forderte Pr\u00e4sident Medwedew Sechin zum R\u00fccktritt auf, bis zum 21. Mai 2012 \u00fcbte er in Putin\u2019s Kabinett die Funktion des stellvertretenden Ministerpr\u00e4sidenten der Russischen F\u00f6deration aus. Am 22. Mai 2012 berief Putin seinen Gefolgsmann erneut in die Vorstandsebene des verstaatlichten Erd\u00f6l-konzerns. Anno 2016 zeichnete er verantwortlich f\u00fcr die Verhaftung von Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew. Damit Sechin jedoch seinem F\u00f6rderer nicht zu m\u00e4chtig werden sollte, machte Putin den ehemaligen deutschen Bundeskanzler Gerhard Schr\u00f6der zum Vorsitzenden des Aufsichtsrates. Sechin steht seit der Annexion der Krim 2014 auf der Sanktionsliste, sein Sohn Ivan folgte nun mit dem russischen Einmarsch in die Ukraine. Sechins Jahreseinkommen lag einst bei 50 Mio US-Dollar Forbes 2013). Seine 1.229 qm grosse, f\u00fcnfst\u00f6ckige Wohnung in Moskau d\u00fcrfte einen gesch\u00e4tzten Marktwert von 26,3 Mio Euro aufweisen. Anfang M\u00e4rz beschlagnahmte der franz\u00f6sische Zoll in La Ciotat die Luxus-Yacht Amore Vero, die einem Unternehmen geh\u00f6re, in dem Sechin Gross-aktion\u00e4r ist. Sie war dort zur Reparatur, wurde jedoch eilendst reisefertig gemacht, obgleich die Arbeiten noch gar nicht beendet waren. Kurz danach beschlagnahmten die spanischen Beh\u00f6rden in Tarragona die 135 m lange Mega-Yacht Crescent (Wert: 600 Mio Dollar), die Igor Sechin geh\u00f6ren k\u00f6nnte. Sie segelt unter der Flagge der Kaimaninseln. Auch bei seinem relativ guten Gehalt kann sich der 1960 in Leningrad (heute St. Petersburg) Geborene einen solchen hohen Lebensstandard eigentlich gar nicht leisten! Sechin z\u00e4hlt zum Silowiki &#8211; er d\u00fcrfte nach Einsch\u00e4tzung von Experten direkten Einfluss auf Putin\u2019sche Entscheidungen haben.  <\/p>\n<p><strong>Sergei Borissowitsch Iwanow<\/strong><br \/>\nAuch Iwanow wurde in Leningrad geboren &#8211; am 31. Januar 1953. Nach seinem Studium (Englisch und Schwedisch) wurde er durch den KGB angeworben. Dort war er f\u00fcr die Gegenspionage zust\u00e4ndig. In dieser Funktion lernte er Wladimir Putin kennen. Dieser holte Sergei dann auch 1998 als Direktorsstellvertreter zum Inlandsgeheimdienst FSB. Von 2001 bis 2007 leitete er das Verteidigungsministerium, danach bekleidete er die Funktion des 1. Stellvertretenden Ministerpr\u00e4sidenten. Von 2011 bis 2016 schliesslich stand er der russischen Pr\u00e4sidialverwaltung vor. Iwanow galt lange Zeit als aussichtsreichster Nachfolger seines F\u00f6rderers. Im Jahr 2016 soll er selbst um seine Amtsenthebung gebeten haben, er wurde Sonderbeauftragter f\u00fcr Naturschutz und Transport.  Mit der Annexion der Krim wurde Iwanow von den USA auf die Sanktionsliste gestellt. Als st\u00e4ndiges Mitglied des Sicherheitsrates geh\u00f6rt er zum Silowiki. Mit der Invasion in der Ukraine wurde nun auch sein Sohn, Sergej Iwanow jun., auf die Sanktionsliste gehoben. Der hat eine steile Karriereleiter vorzuweisen: Gazprom, Gazprombank (Vizechef), Landwirtschaftsbank Rosselchosbank (Aufsichtsratsvorsitzender), Versicherungsgesellschaft Sogas (Vorstandsvorsitzender), stv. Vorstandsvorsitzender der Sberbank und 2018 schliesslich Vorstand von Alrosa, einem der weltweit gr\u00f6ssten Diamentenproduzenten. Daneben jeweils einen Vorstandssessel bei Rosneft, mehreren Tochterunternehmen der Sberbank sowie beim Rentenfonds Gasfonds. <\/p>\n<p><strong>Alexander Wassiljewitsch Bortnikow<\/strong><br \/>\nUnter Staatspr\u00e4sident Medwedew wurde im Jahr 2008 der Armeegeneral Bortnikow Leiter des Inlandsgeheimdienstes FSB. Im Dezember des Jahres 2017 erregte er international die Gem\u00fcter, als er in einer Rede auf dem Parteitag die Stalinschen S\u00e4uberungen von 1930-1940 rechtfertigte. Der General soll an den Planungen der Ukraine-Invasion beteiligt gewesen sein. Der ukrainische Geheimdienst berichtet ganz offen von etwaigen Putschpl\u00e4nen gegen Putin, wobei auch der Name des Generals als m\u00f6glicher Nachfolger angef\u00fchrt wird. Ob dadurch ein gef\u00e4hrlicher Gegner abges\u00e4gt werden soll oder die Berichte auf Tatsachen beruhen, sei vorerst dahingestellt. Bortnikow wurde 2014 auf die Sanktionsliste gesetzt. Nach dem Giftanschlag auf den Oppositionellen Nawalny 2020 wurden diese Massnahmen versch\u00e4rft. Jetzt hat es auch seinen Sohn Denis getroffen. Seine Bankenkarriere wurde durch den Aufstieg seines Vaters richtiggehend pulverisiert. Derzeit ist er stellvertretender Vorstand in der zweigr\u00f6ssten Bank Russlands, der VTB. <\/p>\n<p><strong>Kirill Schamalow<\/strong><br \/>\nPapa hat\u2019s gerichtet &#8211; was denn sonst! Nikolai Schamalow gr\u00fcndete gemeinsam mit Putin die Datschenkooperative \u201eOsero\u201c bei St. Petersburg. Er z\u00e4hlt zum Silowiki, die Mitglieder von Osero sind in den meisten hohen Polit- und Wirtschafts-\u00c4mtern zu finden. Schamalow verf\u00fcgt auch \u00fcber Anteile an Rossija, einer Privatbank, die unter Putin in ungeahnte H\u00f6hen aufstieg. So kaufte sie 2004 das Versicherungsunternehmen Sogas, das inzwischen den Pensionsfonds Gazfonds managt. 2005 wurde Sohn Juri Schamalow Pr\u00e4sident des Fonds. Sohn Kirill soll gar 2013 Putins Tochter Jekaterina Tichomirowa geehelicht haben. Kurz zuvor wurde dieser Vizepr\u00e4sident des Chemieunternehmens Sibur und erhielt sozusagen als Hochzeitsgeschenk eine Apanage in der H\u00f6he von 4,3 % Aktien des Betriebes. Diese musste er nach dem Ende der Beziehung zwar wieder zur\u00fcckgeben. Allerdings blieb er offenbar seinem Schwiegervater treu. Mittels Kredit der Gazprombank erwarb er weitere 17 % vom Oligarchen Timchenko &#8211; die Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg vermutet jedoch, dass er dies nur offiziell, stellvertretend abgewickelt hatte. Er ist nach wie vor Vizepr\u00e4sident des Unternehmens und wird in der Forbes-Liste mit einem Verm\u00f6gen von 800 Mio Dollar gef\u00fchrt.  <\/p>\n<p><strong>Gennadi Nikolajewitsch Timchenko<\/strong><br \/>\nForbes f\u00fchrt den 69-j\u00e4hrigen auf Platz 9 in der russischen Milliard\u00e4rsliste (Platz 78 weltweit). Sein Verm\u00f6gen wird auf \u00fcber 12,7 Milliarden Dollar gesch\u00e4tzt. Die USA sanktionierten den russisch-finnischen Oligarchen bereits 2014. Damals musste er seine Anteile am Rohstoffhandels-unternehmen Gunvor mit Sitz auf Zypern verkaufen. Allerdings besitzt er ein grosses Aktienpaket am Gasunternehmen Novatek (20,77 %), das er \u00fcber seine luxemburgische Holding Volga Group erworben hatte. Die EU und Grossbritannien haben Timchenko mit dem Einmarsch in der Ukraine auf die schwarze Liste gesetzt, sein Verm\u00f6gen in London eingefroren. Italienische Beh\u00f6rden beschlagnahmten in diesem Fr\u00fchjahr seine Yacht \u201eLena\u201c in San Remo. Der Milliard\u00e4r traf den Despoten im Jahr 1990. Seither gilt er als Weggef\u00e4hrte und enger Freund Putins. Timchenko handelte bereits Anfang der 90er Jahre mit \u00d6l. Hierf\u00fcr erhielt er vom damaligen Vizeb\u00fcrgermeister von St. Petersburg, Wladimir Putin, Zugriff auf den \u00d6lterminal der Stadt. Dabei profitierte er stark von der Zerschlagung des \u00d6lkonzerns Yukos. 2007 gr\u00fcndete er gemeinsam mit dem Schweden Torbj\u00f6rn T\u00f6rnqvist das Rohstoffhandelsunternehmen Gunvor. \u00dcber dieses, aber auch die Volga Group in Luxemburg k\u00f6nnten alsdann Putin-Milliarden in\u2019s Ausland geflossen sein, vermuten mehrere Geheimdienste. Dieser belohnte ihn daf\u00fcr mit Grossauftr\u00e4gen f\u00fcr Stroitransgas bei der Fussball-WM und den Olympischen Spielen von Sotschi; mindestens 50 % des Baukonzerns geh\u00f6ren der Familie Timchenko. Der Oligarch hat aus steuerlichen Gr\u00fcnden seinen Wohnsitz 2001 in die Schweiz verlegt. In Genf legte er f\u00fcr seinen Grundbesitz nicht weniger als 8,4 Mio CHF auf den Tisch (2014 wurde das Anwesen auf 18 Mio CHF gesch\u00e4tzt). Dort lebt nach wie vor seine Familie, er selbst ist jedoch wieder nach Moskau zur\u00fcckgekehrt. Mit Schmunzeln reagiert nun der Schreiberling dieser Zeilen auf den Satz Timchenkos aus dem Jahr 2008, wonach seine \u201emehr als zwanzigj\u00e4hrige Karriere in der \u00d6lindustrie nicht auf Gefallen oder politischen Verbindungen aufgebaut worden\u201c sei. <\/p>\n<p><strong>Alexei Borissowitsch Miller<\/strong><br \/>\nEinen der wohl schwersten Kapazunder Russlands verk\u00f6rpert Alexei Miller. Der 1962 (ganz zuf\u00e4lligerweise ebenfalls) in Leningrad geborene Manager ist Vorstandsvorsitzender und stv. Aufsichtsratsvorsitzender des wohl gr\u00f6ssten Gaslieferanten der Welt und dem gr\u00f6ssten russischen Unternehmen: Gazprom! Nach seinem Studium war er angeblich B\u00fcrobote des damaligen Vizeb\u00fcrgermeisters Wladimir Putin und als solcher f\u00fcr die \u00dcberbringung von Geldkoffer verantwortlich. Danach \u00fcbernahm er selbst den Schl\u00fcssel f\u00fcr das Rathaus in St. Petersburg. Sp\u00e4ter leitete er den Hafen der Stadt und wurde nach einem Jahr als Generaldirektor des Baltischen Pipelinesysteme russischer Energieminister. Schon 2001 jedoch ereilte ihn der Ruf seines F\u00f6rderers &#8211; er l\u00f6ste bei Gazprom Rem Wiachirew ab und leitete die Umstrukturierung des Staatsbetriebes zu einem multinationalen Konzern ein. Der B\u00f6rsenwert des Unternehmens stieg von 9,8 Milliarden bei der \u00dcbernahme auf 300 Milliarden US-Dollar. Allerdings setzten in den letzten Jahren die Finanz- und Wirtschaftskrise, aber auch die Pandemie dem Konzern arg zu &#8211; der  B\u00f6rsenwert 2021 betrug nurmehr 69 Milliarden. 2013 reihte ihn Forbes erstmals in die Liste der m\u00e4chtigsten M\u00e4nner dieser Erde ein. Gazprom beherrscht grosse Teile der russischen Wirtschaft, obgleich Rosneft besser notiert ist. Sein Vertrag l\u00e4uft noch bis 2026. Nach der Krim-Annexion landete er auf der US-Sanktionsliste, mit dem Einmarsch in die Ukraine auch auf jener der EU und Grossbritanniens. Miller und Sechin wetteifern um die Gunst des Staatspr\u00e4sidenten. Miller verf\u00fcgt \u00fcber das Exportmonopol von Gas, weshalb Sechin dieses \u201eNebenprodukt\u201c der Erd\u00f6lf\u00f6rderung nicht verkaufen darf. Das Verm\u00f6gen Millers wird auf nur 200 Mio Euro gesch\u00e4tzt, als gr\u00f6sster Steuerzahler des Landes jedoch befindet er sich direkt an den Hebeln der Macht. Seine dreist\u00f6ckige Penthouse-Wohnung in Moskau ist 775, seine Wohnung in St. Petersburg mit Blick auf die Eremitage 400 qm gross.  <\/p>\n<p><strong>Michail Maratowitsch Fridman<\/strong><br \/>\nDie Sanktionen haben den 57-j\u00e4hrigen von allen bisher genannten wohl am \u00e4rgsten getroffen. 1964 im ukrainischen Lwiw geboren, gr\u00fcndete er gemeinsam mit Pjotr Awen die Alfa Group, einen der gr\u00f6ssten privaten Industrie- und Finanzkonzern des Landes. Dort agiert er nach wie vor als Aufsichtsratsvorsitzender, in mehreren Tochterunternehmen, wie etwa auch der Alfa Bank hatte er den Vorstandssessel inne. Den Banksessel gab er einen Tag nach der Verh\u00e4ngung der Sanktionen auf. Allerdings nennt er zudem dennoch 36 % der Bank-Aktien sein eigen. Als Vor-sitzender des Direktorenrates in der Alfa-Tochter TNK-BP hatte er seine Finger auch am \u00d6lmarkt im Spiel &#8211; es ist der drittgr\u00f6sste \u00d6lkonzern Russlands. Seine Anteile jedoch musste er zuletzt ver\u00e4ussern. Die Alfa Group importierte nach ihrer Gr\u00fcndung 1988 gemeinsam mit dem schweizerischen Unternehmen ADP Trading Tee, Zigaretten, Zucker sowie andere Waren nach und exportierte \u00d6l aus Russland. Das Konsortium ist nach wie vor breit aufgestellt, zu ihm z\u00e4hlt neben vielen anderen das Telekommunikationsunternehmen Altimo bzw. die LetterOne Group in Luxemburg. Sein Privatverm\u00f6gen wurde zu Beginn des Jahres auf 12,2 Milliarden Dollar gesch\u00e4tzt &#8211; damit fand er sich auf Platz 11 der reichsten Russen. Seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine soll er rund vier Milliarden verloren haben. Mit dem Rest kann er derzeit nicht viel anfangen. Die EU und auch Grossbritannien haben alle seiner Karten und damit das komplette Hab und Gut eingefroren. Fridman lebte zuletzt vornehmlich in London. Nun muss er von nurmehr 2.900 \u20ac im Monat das Auslangen finden und zudem bei jeglichem Geldtransfer die Genehmigung der britischen Regierung einholen. Fridman z\u00e4hlt ebenfalls zu den engeren Freunden Putins, weist aber stets die Vorw\u00fcrfe nach \u201eengen Beziehungen\u201c zur russischen Regierung zur\u00fcck. Zudem habe er mehrfach betont, dass Krieg niemals eine Antwort sei &#8211; somit hat er sich als einer der wenigen kritisch zu Putins Kriegspl\u00e4nen ge\u00e4ussert.<\/p>\n<p><strong>Michail Borissowitsch Chodorkowski<\/strong><br \/>\nWie schnell und tief der Fall von einem der reichsten und m\u00e4chtigsten M\u00e4nner Russlands (2004 sch\u00e4tzte Forbes das Verm\u00f6gen des Oligarchen auf 15,2 Milliarden Dollar &#8211; Platz 16 der reichsten M\u00e4nner der Welt) bis ins Straflager bzw. bestenfalls zur Abschiebung ins Ausland gehen kann, zeigt der Werdegang von Michail Chodorkowski auf. Bereits w\u00e4hrend seines Chemiestudiums engagierte er sich in der Jugendorganisation der KPdSU Komsomol. Nach Studienabschluss absolvierte er noch den Volks-wirtschaftslehrgang. 1987 \u00fcbernahm er die Leitung des Komsomol-Unternehmens \u201eZentrum f\u00fcr wissenschaftlich-technisches Sch\u00f6pfertum der Jugendstiftung f\u00fcr Jugendinitiative (NTTM)\u201c. Dort importierte er u.a. Computer und Jeans und exportierte Matrjoschka-Puppen. 1989 folgte der Vorsitz bei der NTTM-Bank \u201eInnovationsbank f\u00fcr wissenschaftlich-technischen Fortschritt\u201c &#8211; eine der ersten Privatbanken Russlands. \u00dcber sie l\u00f6ste Chodorkowski die NTTM vom Obersten Sovjet los und gr\u00fcndete die Menatep-Invest, die in der zusammenbrechenden Sowjetunion rasch an Boden gewinnen konnte und Chodorkowski an Macht. Er war ab 1992 im Beraterstab des russischen Pr\u00e4sidenten Boris Jelzin vertreten und bekleidete mehrere politische \u00c4mter. In Auktionen konnte die Menatep-Invest als Hausbank des \u00d6lf\u00f6rderunternehmens Yukos zuerst rund 45 % und schliesslich die Aktienmehrheit am Konzern \u00fcbernehmen. Chodorkowski wechselte in den Vorstand des \u00d6lkonzerns. Diesen strukturierte er gem\u00e4ss seines Leitmotivs \u201eEhrlichkeit, Offenheit und Verantwortung\u201c auf westlichen Standard um. Dabei versuchte er jedoch stets, durch die Finanzierung von Parteien wie Jabloko, die Kommunisten und auch der Regierungspartei Einiges Russland einen Fuss in der Innenpolitik zu behalten. Allerdings beschuldigte er die Regierung der Korruption, beabsichtigte mit Exxon Mobil und Chevron Texas zwei \u00d6lmultis aus den USA an Yokus zu beteiligen und meinte lautstark vor den Duma- und Pr\u00e4sidentenwahlen, dass er als reichster Mann Russlands nicht nur Parlamente sondern auch Wahlergebnisse kaufen k\u00f6nne. Vor laufenden TV-Kameras gerieten sich im Februar 2003 Putin und Chodorkowski beim Thema Korruption in die Haare. Am 25. Oktober 2003 wurde er bei einem Zwischenstopp seines Flugzeugs in Nowosibirsk verhaftet und wegen Unterschlagung und Steuerhinterziehung angeklagt. 2005 folgte das Urteil zu neun Jahren Haft, sp\u00e4ter verk\u00fcrzt auf acht Jahre. Im Dezember 2010 erfolgte die Verurteilung zu sechs weiteren Jahren wegen Unterschlagung von 218 Mio Tonnen \u00d6l und Geldw\u00e4sche. Im Februar 2011 k\u00fcndigte der damalige Staatspr\u00e4sident Dmitri Medwedew die \u00dcberpr\u00fcfung der zweiten Verurteilung Chodorkowski, seines Mit-streiters und Kollegen Lebedew und weiterer 30 Beschuldigter an. Der Tatvorwurf des Milliardendiebstahls wurde alsdann nicht mehr erhoben. 2012 verringerte ein Moskauer Bezirksgericht die Haftstrafen Chodorkowskis und Lebedews um zwei Jahre. Im Dezember stellte Chodorkowski ein erneutes Gnadengesuch und wurde \u00fcberraschend einen Tag sp\u00e4ter kurz vor Weihnachten begnadigt. Welche Rolle der damalige deutsche Aussenminister Hans-Dietrich Genscher als Vermittler dabei einnahm, ist nach wie vor nicht bekannt. Der ehemalige Oligarch lebt inzwischen in London. W\u00e4hrend der Krimkrise rief er beide Seiten zum Einlenken auf. Der neuen prowestlichen Regierung der Ukraine sicherte er nach dem Euromaidan  seine Unterst\u00fctzung zu. 2017 engagierte er sich f\u00fcr die Pr\u00e4sidentschaftskandidatur des russischen Regierungsgegners Alexei Nawalny.<\/p>\n<p><em>\u201eEs geht nicht darum, Wladimir Putin zu ersetzen, sondern das System, welches zu meinem tiefen Bedauern in meiner Heimat entstanden ist.\u201c<\/em><br \/>\n(Michail Borissowitsch Chodorkowski)<\/p>\n<p>Und zum Schluss zum Meister pers\u00f6nlich. Schon vor einigen Jahren berichtete ein Finanzexperte vor dem US-Senat \u00fcber das unglaubliche Verm\u00f6gen Wladimir Putins. Damals war von 200 Milliarden Dollar die Rede. Doch weiss der Kremlchef dies gut zu verbergen &#8211; es fehlen die Beweise. Fakt ist, dass Putins Yacht \u201eGraceful\u201c die Blohm &#038; Voss-Werft in Hamburg bereits im Februar in Richtung Kaliningrad v\u00f6llig \u00fcberst\u00fcrzt verliess. Die Bootsbauer kamen nicht mal zu einer Probefahrt. Putins Dadscha, die Residenz am Kap Idokopas am Schwarzen Meer, wurde durch den russischen Architekten Lanfranco Cirillo geplant und von Spezstroi, einem Milit\u00e4rbauunternehmen, ab 2005 errichtet. Das 17.700 Quadratmeter grosse Geb\u00e4ude steht in einem 68 Hektar grossen Anwesen und soll rund 1,1 Milliarde Euro gekostet haben. <\/p>\n<p>Abschliessend noch einige Worte:<br \/>\nEs ist nicht der Neid, der mich angesichts solcher unvorstellbarer Verm\u00f6gen zu diesem heutigen Blog bewogen hat. Es ist das System, das bislang nur wenige interessierte, da Russland weit weg scheint. Der Einmarsch russischer Truppen in einen unabh\u00e4ngigen Nachbarstaat jedoch hat aufgezeigt, dass uns diese besorgniserregende und gef\u00e4hrliche Entwicklung sehr wohl betrifft. Der erste wirklich grosse Krieg nach dem Zweiten Weltkrieg! Nicht vor den Toren, sondern vielmehr direkt in Europa! Tausende Menschen &#8211; darunter viele Zivilisten &#8211; sterben, zigtausende werden verletzt, Millionen sind auf der Flucht! F\u00fcr den Willen eines einzigen, vom Gr\u00f6ssenwahn befallenen Despoten! Und niemand, nicht mal die M\u00e4chtigsten seines Landes, stellen sich ihm entgegen! Wie weit geht Loyalit\u00e4t? Bis zum eigenen Untergang? Bis zum m\u00f6glichen Untergang unserer Welt? <\/p>\n<p><strong>Filmtipp:<\/strong><\/p>\n<p>&#8211; Der Fall Chodorkowski; Regie: Cyril Tuschi<\/p>\n<p><strong>Lesetipps:<\/strong><\/p>\n<p>.) Wohin steuert Russland unter Putin? Der autorit\u00e4re Weg in die Demokratie; Hrsg.: Gabriele Gorzka, Peter W. Schulze; Campus 2004<br \/>\n.) Das System Putin. Gelenkte Demokratie und politische Justiz in Ru\u00dfland; Margareta Mommsen\/Angelika Nu\u00dfberger; C.H. Beck 2007<br \/>\n.) Putins Netz \u2013 Wie sich der KGB Russland zur\u00fcckholte und dann den Westen ins Auge fasste; Catherine Belton; Harper Collins 2022<br \/>\n.) Russische Energiepolitik. Ent- oder Neuverflechtung von Staat und Wirtschaft?; Kirsten Westphal; Nomos 2000<br \/>\n.) The Political Economy of Russian Oil; Hrsg.: David Lane; Rowman &#038; Littlefield, Lanham u. a. 1999<br \/>\n.) Michail Chodorkowski. Vom Jukos-Chefsessel ins sibirische Arbeitslager. Aufstieg und Fall des russischen \u00d6lmilliard\u00e4rs; Waleri W. Panjuschkin; Heyne 2006<br \/>\n.) Rich Russians: From Oligarchs to Bourgeoisie; Elisabeth Schimpfoessl; Oxford University Press 2018<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eIch wei\u00df nicht, wie ich leben soll!\u201c (Michail Fridman, milliardenschwerer russischer Oligarch) In den letzten Wochen war immer wieder von ihnen zu h\u00f6ren, doch lieben die meisten derer die Verborgenheit &#8211; vor allem ausserhalb Russlands: Die Oligarchen! 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