
{"id":7831,"date":"2022-05-13T18:40:05","date_gmt":"2022-05-13T16:40:05","guid":{"rendered":"http:\/\/stockm.vs120047.hl-users.com\/blog\/?p=7831"},"modified":"2022-05-13T18:40:05","modified_gmt":"2022-05-13T16:40:05","slug":"adhs-keine-zeit-zum-lesen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/index.php\/2022\/05\/13\/adhs-keine-zeit-zum-lesen\/","title":{"rendered":"ADHS &#8211; keine Zeit zum Lesen"},"content":{"rendered":"<p>Ein spezieller Bereich interessierte mich w\u00e4hrend meines Studiums am meisten: Die Pers\u00f6nlichkeits- und Differentielle Psychologie! Die \u201eErkl\u00e4rung der zumeist zeitstabilen, individuellen Besonderheiten des Erlebens und Verhaltens der Menschen\u201c &#8211; ihre Pers\u00f6nlichkeit! Ich machte es mir damals zum Hobby, alle Menschen aus meinem Umfeld zu ana-lysieren und diagnostizieren. Bei manchen gar mit einer ganzen Test-batterie, sofern sie einwilligten. Als ich zu dem Ergebnis kam, dass nahezu jeder eine psychische St\u00f6rung vorzuweisen hat, liess ich davon wieder ab, wollte ich meine Zeit doch auch noch f\u00fcr das Studium verwenden. Dennoch macht es mir auch heutzutage noch ab und an Spass, Menschen, mit denen ich t\u00e4glich zu tun habe, somit auch viel Zeit verbringe, psychologisch zu durchleuchten. Dabei ist mir bei einigen aufgefallen, dass ADHS allen Anscheins nicht nur im Kindesalter vor-kommt. Rund 15 % der Erwachsenen weisen Symptome auf, die auf ADHS zur\u00fcckgef\u00fchrt werden k\u00f6nnten. Ist es etwa ein Zeichen unserer schnell-lebigen Zeit oder ist da gar eine St\u00f6rung im Vormarsch, die zwar nicht unmittelbar lebensgef\u00e4hrlich werden kann, dennoch aber ihre Spuren hinterlassen wird?<br \/>\nIst Ihnen bei ihrem letzten Gespr\u00e4ch auch aufgefallen, dass sie h\u00e4ufig unterbrochen werden, mit Argumenten, die Sie bereits zuvor in die Diskussion einbrachten? Das kann mehrere Ursachen haben, etwa dass Sie sich missverst\u00e4ndlich \u00e4usserten oder beispielsweise dass Ihr Gegen-\u00fcber einfach nicht aufgepasst hat! Weshalb hat er Ihnen nicht zugeh\u00f6rt? Schlechte Umgangsformen wie Unh\u00f6flichkeit bzw. mangelnde Wert-sch\u00e4tzung oder haben Sie etwa dessen Aufmerksamkeitsspanne \u00fcber-sch\u00e4tzt? Kann er sich schlichtweg nicht konzentrieren?<br \/>\nHyperaktivit\u00e4t, Impulsivit\u00e4t oder auch Unaufmerksamkeit &#8211; ja: Es k\u00f6nnte ADHS dahinterstecken. Auch im Erwachsenenalter, obgleich sich die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivit\u00e4tsst\u00f6rung bei den meisten jungen Menschen auf ihrem Weg in das Erwachsen-Sein bessert. In der Kindheit allerdings ist ADHS sicherlich eine der wohl h\u00e4ufigsten psychischen St\u00f6rungen. Dabei kann sie schon mal nicht nur der davon betroffenen Person, sondern all ihrem Umfeld das Leben zur H\u00f6lle machen. \u00dcbrigens leiden mehr Burschen als M\u00e4dchen in ihrer Kindheit unter ADHS.<br \/>\nNicht immer jedoch treten das Aufmerksamkeitsdefizit und die Hyper-aktivit\u00e4t gemeinsam auf. In diesem Falle spricht man nur von ADS (Auf-merksamkeitsdefizitsyndrom).<br \/>\nWie nun \u00e4ussert sich ADHS im Einzelnen, was sind Anzeichen f\u00fcr diese St\u00f6rung?<br \/>\na.) Die Unaufmerksamkeit<br \/>\nDie betroffene Person ist leicht abzulenken, macht Fl\u00fcchtigkeitsfehler und h\u00f6rt vor allem nicht richtig zu. Ganz allgemein ist zu bemerken, dass die F\u00e4higkeit des \u201eSich-Konzentrierens\u201c sehr schwer f\u00e4llt. Begonnene T\u00e4tig-keiten werden vorzeitig abgebrochen, in den Vordergrund treten anstatt dessen vergessen und verlieren.<br \/>\nb.) Die Ungeduld<br \/>\nADHS-Patienten k\u00f6nnen sich in keiner Reihe einordnen. Sie k\u00f6nnen es nicht erwarten, endlich Geh\u00f6r zu finden, unterbrechen ihren Gegen\u00fcber und beantworten eine Frage, bevor diese \u00fcberhaupt gestellt wurde.<br \/>\nc.) Die Hyperaktivit\u00e4t<br \/>\nRuhig sein und sitzen bleiben &#8211; ganz und gar nicht das Ding der Betroffenen. Von einer endlos scheinenden Unruhe und Rastlosigkeit \u00fcberw\u00e4ltigt, laufen sie gerne orientierungslos durch den Raum, zappeln auf dem Stuhl, klettern auf Gegenst\u00e4nden herum. Zudem verhalten sich ADHS-Patienten wesentlich lauter als andere Menschen. Umso mehr Reize auf die Betroffenen einstr\u00f6men, umso lauter werden sie zumeist.<br \/>\nd.) Sozialverhalten<br \/>\nDie vorhergehenden drei Punkte lassen selbstverst\u00e4ndlich darauf schliessen, dass darunter auch das Sozialverhalten der Menschen leidet. Dies \u00e4ussert sich zumeist durch Depressionen, aber auch durch \u00c4ngste.<br \/>\nW\u00e4hrend Experten bei Erwachsenen mit ADHS beobachteten, dass die Hyperaktivit\u00e4t zur\u00fcckgeht, sinkt bei den meisten davon auch die Auf-merksamkeit, die Konzentration und die Organisation. Was hingegen bleibt, ist die Impulsivit\u00e4t, der Rededrang und das st\u00e4ndige Unterbrechen der anderen. Gef\u00e4hrlich insofern kann die St\u00f6rung deshalb sein, da sie weitere beg\u00fcnstigen kann: Adipositas, S\u00fcchte (Spielsucht, Internetsucht, Sexsucht), Depressionen, Tics aber auch die Abh\u00e4ngigkeit von Drogen und Alkohol. Kinder bzw. Jugendliche mit ADHS hingegen sind meist aggressiv, trotzig und auflehnend gegen\u00fcber Regeln und Gesetzen. Dies f\u00fchrt oftmals zu Problemen mit Gleichaltrigen und in der Schule. Auch besteht vor allem im Jugendalter vermehrt Suchtgefahr (Drogen, Alkohol, Nikotin). Entwickelt sich die St\u00f6rung nicht zur\u00fcck, \u00fcbernehmen rund 50 % diese Verhaltensweisen auch in das Erwachsenen-Leben, was zu Konflikten mit dem Partner oder am Arbeitsplatz f\u00fchren kann. Dabei sind Wutausbr\u00fcche und Gereiztheit nicht selten, oftmals einhergehend mit mangelndem Respekt vor anderen und einer Ich-bezogenen Sicht der Wahrheit. Faktoren, die besonders im Strassenverkehr sehr gef\u00e4hrlich werden k\u00f6nnen.<br \/>\nNach den Erscheinungsformen und Anzeichen dieser psychischen Erkrankung, begeben wir uns nun bei der Suche nach der Ursache in die Spekulation, da sich die Forscher hierbei nach wie vor nicht einig sind. Wissenschaftlich erwiesen sind inzwischen die Vererbung und der Transport des Neurotransmitters Dopamin in den Hirnzellen und dabei vornehmlich im Hippocampus, dem Zentrum des Lernens und des Ged\u00e4chtnisses. Der Botenstoff wirkt \u00fcberwiegend erregend im Zentralen Nervensystem. Doch dann gehen die Meinungen auseinander:<br \/>\n&#8211; Brain Network Dysfunction<br \/>\nDiese Theorie sieht eine Ursache in Problemen in den Verbindungs-netzwerken des ZNS (Zentralen Nervensystem)<br \/>\n&#8211; Social Change<br \/>\nWeniger wissenschaftlich fundiert ist die Theorie, wonach gesellschaftliche Ver\u00e4nderungen ADHS zumindest teilweise mitwirken k\u00f6nnen. Dies w\u00e4ren beispielsweise Leistungsorientierung, Reiz\u00fcber-flutung, Bewegungsmangel,\u2026).<br \/>\nNachdem die Ursachen nicht ausreichend gekl\u00e4rt sind, sind auch Risikofaktoren nur Vermutungen: Ern\u00e4hrung, Probleme bei der Geburt oder auch Alkohol- bzw. Drogenkonsum w\u00e4hrend der Schwangerschaft.<br \/>\nF\u00fcr die eindeutige ADHS-Diagnose bei Kindern und Jugendlichen m\u00fcssen viele Faktoren in die Krankengeschichte (Anamnese) einbezogen werden: Famili\u00e4re Probleme, Unterforderung, Unruhe oder m\u00f6gliche Trauma-tisierung des Kindes etc. Daneben k\u00f6nnte auch eine k\u00f6rperliche (bei-spielsweise Schilddr\u00fcsen\u00fcberfunktion, H\u00f6r- oder Sehschwierigkeit) oder psychische bzw. neurologische Erkrankung, aber auch eine einfache Schlafst\u00f6rung urs\u00e4chlich sein. Klar abzugrenzen ist das altersgerechte und somit normale Verhalten des Kindes. Deshalb sollte eine Diagnose-stellung nicht vor dem dritten bzw. vierten Lebensjahr des Betroffenen erfolgen. Grunds\u00e4tzlich jedoch m\u00fcssen mehrere Kriterien f\u00fcr eine ADHS-Diagnose bei Kindern erf\u00fcllt sein:<br \/>\n&#8211; Mindestens sechs Anzeichen der Unaufmerksamkeit<br \/>\n&#8211; Mindestens drei Anzeichen der Hyperaktivit\u00e4t<br \/>\n&#8211; Mindestens ein Anzeichen von Impulsivit\u00e4t<br \/>\n&#8211; Bereits vor dem Erreichen des siebten Lebensjahres<br \/>\nDerartige Verhaltensauff\u00e4lligkeiten m\u00fcssen \u00fcber zumindest sechs Monate und in unterschiedlichen Umgebungen vorliegen. Zudem muss der Alltag dadurch stark beeintr\u00e4chtigt sein.<br \/>\nIn der anschliessenden Therapie wird alsdann dem Elterncoaching (Psychoedukation) eine Schl\u00fcsselrolle zuerkannt. Zus\u00e4tzlich muss die Schule einbezogen werden. Erst dann sollte eine medikament\u00f6se (etwa mit Methylphenidat) und\/oder psycho- bzw. ergotherapeutische Betreuung er\u00f6rtert werden.<br \/>\n\u00c4hnliches gilt auch bei Erwachsenen. Bei mehreren Untersuchungs-terminen werden andere psychische Erkrankungen, wie etwa eine bipolare St\u00f6rung oder eine dissoziale bzw. emotional-instabile Pers\u00f6nlichkeits-st\u00f6rung ausgeschlossen. CT, MRT und EEG sollen zudem Aufschluss \u00fcber eine m\u00f6gliche neurologische Ursache geben. Die Kriterien f\u00fcr eine ADHS-Diagnose bei Erwachsenen sind:<br \/>\n&#8211; Auff\u00e4lligkeiten seit der Kindheit<br \/>\n&#8211; Mindestens sechs Anzeichen f\u00fcr Unaufmerksamkeit, Impulsivit\u00e4t und Hyperaktivit\u00e4t<br \/>\n&#8211; Probleme in mehreren, unterschiedlichen Lebensbereichen<br \/>\n&#8211; Starke Beeintr\u00e4chtigung des Alltags<br \/>\nIn einem kl\u00e4renden Gespr\u00e4ch mit dem Arzt wird dieser zudem m\u00f6gliche Selbsthilfegruppen bzw. eine entsprechende Psycho- und medikament\u00f6se Therapie erl\u00e4utern.<br \/>\nADHS ist in der \u201eInternationalen statistischen Klassifikation der Krank-heiten und verwandter Gesundheitsprobleme\u201c (ICD) in der Gruppe ICD-10 F90.0 oder im \u201eDiagnostic and statistical Manual of Mental Disorders\u201c (DSM) in der Gruppe DSM IV 314.01 zu finden. F\u00fcr ADHS bei Erwachsenen werden zumeist die \u201eWender-Utah-Kriterien\u201c zur Diagnoseerstellung verwendet. <\/p>\n<p><em>ACHTUNG:<br \/>\nDieser Text ist nicht f\u00fcr eine Selbst-Diagnose geeignet. Sollte einiges hierin Erw\u00e4hnte bei Ihnen zutreffen, ziehen Sie bitte einen Arzt Ihres Vertrauens hinzu! <\/em><\/p>\n<p><strong>Lesetipps:<\/strong><\/p>\n<p>.) ADHS bei Erwachsenen &#8211; ein Leben in Extremen; Martin D. Ohlmeier\/ Mandy Roy; Kohlhammer Verlag 2012<br \/>\n.) ADHS im Erwachsenenalter: Symptome-Differenzialdiagnose-Therapie; Schattauer 2014<br \/>\n.) ADHS im Erwachsenenalter &#8211; Strategien und Hilfen f\u00fcr die Alltags-bew\u00e4ltigung; Wolfgang Retz\/Roberto D\u2019Amelio\/Michael R\u00f6sler; Kohl-hammer 2015<br \/>\n.) Psychotherapie der ADHS im Erwachsenenalter: Ein Arbeitsbuch; Bernd Hesslingeer\/Alexandra Philipsen\/Harald Richter; Hogrefe Verlag 2004<br \/>\n.) ADHS und komorbide Erkrankungen: Neurobiologische Grundlagen und diagnostisch-therapeutische Praxis bei Kindern und Erwachsenen; Freitag\/Retz (Hrsg.); Kohlhammer 2007<br \/>\n.) Handbuch ADHS; Hans-Christoph Steinhausen (Hrsg.); Kohlhammer 2009<br \/>\n.) Neuropsychotherapie der ADHS; Cordula Neuhaus\/G\u00f6tz-Erik Trott; Annette Berger-Eckert; Simone Schwab; Sabine Townson; Verlag W. Kohlhammer 2009<br \/>\n.) Das konzentrationsgest\u00f6rte und hyperaktive Kind &#8211; H.C. Steinhausen (Hrsg.);  Kohlhammer 1982<br \/>\n.) Training f\u00fcr Kinder mit Aufmerksamkeitsst\u00f6rungen; C. Jacobs\/F. Petermann, Hogrefe 2013<\/p>\n<p><strong>Links:<\/strong><\/p>\n<p>&#8211; www.adhs-ratgeber.com<br \/>\n&#8211; www.adhs.info<br \/>\n&#8211; www.zentrales-adhs-netz.de<br \/>\n&#8211; adhs-deutschland.de<br \/>\n&#8211; www.zi-mannheim.de<br \/>\n&#8211; www.kinderaerzte-im-netz.de<br \/>\n&#8211; www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org<br \/>\n&#8211; www.gesundheit.gv.at<br \/>\n&#8211; www.gesundheitsinformation.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein spezieller Bereich interessierte mich w\u00e4hrend meines Studiums am meisten: Die Pers\u00f6nlichkeits- und Differentielle Psychologie! Die \u201eErkl\u00e4rung der zumeist zeitstabilen, individuellen Besonderheiten des Erlebens und Verhaltens der Menschen\u201c &#8211; ihre Pers\u00f6nlichkeit! Ich machte es mir damals zum Hobby, alle Menschen aus meinem Umfeld zu ana-lysieren und diagnostizieren. 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