
{"id":8272,"date":"2022-07-29T13:22:02","date_gmt":"2022-07-29T11:22:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/?p=8272"},"modified":"2022-07-29T13:22:02","modified_gmt":"2022-07-29T11:22:02","slug":"koennen-sie-es-sich-leisten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/index.php\/2022\/07\/29\/koennen-sie-es-sich-leisten\/","title":{"rendered":"K\u00f6nnen Sie es sich leisten?"},"content":{"rendered":"\n<p><strong><em>\u201eMan ist in diesem reichen Deutschland nicht erst dann arm, wenn man unter Br\u00fccken schlafen oder Pfandflaschen sammeln muss. Armut beginnt nicht erst dann, wenn Menschen verelenden.\u201c<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>(Ulrich Schneider, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Deutschen Parit\u00e4tischen Wohl-fahrtsverbandes)<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ferien- und Urlaubszeit ist nahezu allerorts angebrochen &#8211; viele Kinderlose haben bereits die Vorsaison-Angebote genutzt &#8211; nach coronabedingter Streichung der beiden vorhergehenden Sommerurlaube. Wie sieht&#8217;s bei Ihnen aus? Wohin verschl\u00e4gt Sie der Wind? Manche Destinationen fallen auch heuer aus Sicherheitsgr\u00fcnden weg, viele andere sind schlichtweg zu teuer! Die Geiz-Touris zieht es derzeit massenweise nach Mallorca oder in die T\u00fcrkei &#8211; sie war noch nie derart billig wie heuer (bis zu -55 %). Doch auch hier muss erw\u00e4hnt werden: Sowohl das deutsche als auch das \u00f6sterreichische Au\u00dfenministerium haben eine partielle Reisewarnung ausgesprochen &#8211; sie gilt vornehmlich f\u00fcr die Grenzregionen zu Syrien und dem Irak. Dennoch kann beispielsweise \u00f6sterreichischen Staatsb\u00fcrgern, die auch \u00fcber einen t\u00fcrkischen Pass verf\u00fcgen, kein konsularischer Schutz zukommen. Das deutsche Aus-w\u00e4rtige Amt warnt zudem, vor m\u00f6glichen Festnahmen und Einreise-verweigerungen. Der Ausnahmezustand &#8211; er wurde 2016 nach dem miss-gl\u00fcckten Putschversuch ausgerufen &#8211; ist zwar 2018 beendet worden, doch wurden die unterschiedlichsten Anti-Terror-Regularien erst im vergan-genen Jahr verl\u00e4ngert. Der stellvertretende Fraktionsf\u00fchrer der gr\u00f6ssten Oppositionspartei CHP, \u00d6zg\u00fcr \u00d6zel, spricht in diesem Zusammenhang von einem \u201eDefacto-Ausnahmezustand\u201c. Wer also entsprechende Warnungen missachtet, ist selbst schuld. Gleiches gilt f\u00fcr \u00c4gypten und selbstverst\u00e4ndlich Russland (Teilreisewarnung), den Phillipinen (partielle Reisewarnung f\u00fcr einige Inseln und Segelt\u00f6rns) &#8211; ja sogar f\u00fcr Japan (nach wie vor f\u00fcr das Gebiet rund um Fukushima). Hinzu kommen nat\u00fcrlich auch alle Gebiete, in welchen aufgrund der Trockenheit Wald- und Fl\u00e4chenbr\u00e4nde ausgebrochen sind. Sicherheitshinweise gibt es zudem f\u00fcr beispielsweise Argentinien, der Dominikanischen Republik und Costa Rica (Kriminalit\u00e4t), Australien und den USA (Pandermie). Auch f\u00fcr die Ukraine besteht verst\u00e4ndlicherweise eine Reisewarnung &#8211; ist aber auch vor dem russischen Einmarsch nicht wirklich eine typische Urlaubsdestination gewesen. Nicht so ganz einfach in diesem Jahr.<\/p>\n\n\n\n<p>Hinzu kommt allerdings alsdann, dass sich offenbar immer weniger einen Urlaub \u00fcberhaupt leisten k\u00f6nnen. So war es zumindest im Jahr 2021 &#8211; sowohl Deutschland als auch \u00d6sterreich haben ja inzwischen neue Regierungen bzw. Regierungsmannschaften, wodurch sich das selbst-verst\u00e4ndlich zum Guten ge\u00e4ndert hat! Wirklich???<\/p>\n\n\n\n<p>Auch ich hatte mal einen dieser Jobs, den niemand anderer haben wollte. Mit dem Netto-Gehalt konnte ich nicht mal meine laufenden Zahlungen begleichen &#8211; also h\u00e4tte ich auch am Samstag ganztags arbeiten m\u00fcssen. Acht Tage Einschulung &#8211; es folgten zwei 13-h-Arbeitstage mit jeweils nur EINER kurzen Rauchpause und meine Aufgabe mittels K\u00fcndigung am dritten Tage. Meine Arbeit wurde auf 1 + 3 Mitarbeiter aufgeteilt! Urlaub? Das 13. und 14. Monatsgehalt h\u00e4tte ich wohl zum Ausgleichen des Kontostandes ben\u00f6tigt! Urlaub auf Balkonien &#8211; mehr w\u00e4re da nicht drin gewesen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Doch heuer &#8211; ja heuer wird es nochmals anders werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>\u201eDas Inflationsmonster wird die Schere zwischen Reisenden und Bleibenden weiter verst\u00e4rken!\u201c<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>(Dietmar Bartsch, Fraktionschef der Linkspartei)<\/p>\n\n\n\n<p>Nach seiner Abfrage bei der Europ\u00e4ischen Statistikbeh\u00f6rde Eurostat (gilt also auch f\u00fcr \u00d6sterreich) haben 22,4 % der Bev\u00f6lkerung kein Geld, sich zumindest einmal im Jahr eine Woche Urlaub leisten zu k\u00f6nnen. Vor allem kritisch ist die Lage demnach bei Alleinerziehenden &#8211; hier betr\u00e4gt die Quote gar 42,2 %. Doch auch bei Paaren mit Kindern ist nicht alles eitel Urlaubs-Sonnenschein: Mit einem Kind sind es 18,1 %, bei drei Kindern gar 29,4 %. Bei kinderlosen \u00e4lteren Paaren liegt die Zahl bei 15,9 %. Im Vergleich dazu die Zahlen von Alleinstehenden: Frauen 31,7 %, M\u00e4nner 30,3 %. Die Daten beruhen auf der EU-SILC-Befragung aus dem Jahr 2020.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Tafeln in Deutschland und \u00d6sterreich sowie die meisten anderen Sozialeinrichtungen arbeiten am Anschlag. In Deutschland nutzen derzeit rund 2 Mio Menschen das Angebot der Tafeln. Viele Experten bef\u00fcrchten ebenso wie Bartsch, dass sich dies noch versch\u00e4rfen wird: Durch die Inflation, die hohen Preise f\u00fcr Grundbed\u00fcrfnisse &#8211; sp\u00e4testens jedoch mit dem Start der Heizperiode. Der Linkspolitiker fordert deshalb beispiels-weise eine Kindergrundsicherung.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ein genauerer Blick bei Eurostat legt die bittere Wahrheit auf den Tisch &#8211; etwa in dem Bereich \u201eVon Armut oder sozialer Ausgrenzung bedrohte Bev\u00f6lkerung\u201c. W\u00e4hrend im vergangenen Jahr bei vielen EU-Mitglieds-staaten die Zahlen erfreulicherweise gefallen sind, nahmen sie in vier Staaten im Vergleich zum Jahr 2020 zu:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>.) Deutschland 20,7 % (20,4 % im Jahr davor)<\/p>\n\n\n\n<p>.) \u00d6sterreich 17,3 % (16,7 %)<\/p>\n\n\n\n<p>.) D\u00e4nemark 17,3 % (16,8 %)<\/p>\n\n\n\n<p>.) Italien 25,2 % (24,9 %)<\/p>\n\n\n\n<p>Auf den ersten Blick vielleicht nicht wirklich besorgniserregend. Kritischer wird\u2019s jedoch, wenn dies mit den Einwohnerzahlen quergerechnet wird: So sind 0,3 % in Deutschland gleich mal knapp 250.000 &#8211; nahezu die Ein-wohnerzahl von Wiesbaden, in \u00d6sterreich 26.800 &#8211; eine Stadt gr\u00f6sser als Baden bei Wien.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Menschen haben gr\u00f6sste Not damit, ihre Miete \u00fcberweisen zu k\u00f6nnen, im Winter die Wohnung zu beheizen bzw. Ihren Kindern die Schulsachen zu kaufen. Wie zum Beispiel jene Mutter, die drei Rech-nungen f\u00fcr Schullandwochen und Ferienbetreuung zugleich erhielt. Gesamtforderung: 800,- \u20ac! Da bleibt dann nicht mehr wirklich viel f\u00fcr \u201edie sch\u00f6nste Zeit des Jahres\u201c \u00fcber. Dieses \u201ezwar gerne wollen aber nicht k\u00f6nnen\u201c ist ganz eindeutig ein Zeichen von Armut, von der v.a. die Kinder betroffen sind. Nicht etwa, da sie zu Schulbeginn im Herbst nichts zu erz\u00e4hlen haben. Viele Sozialexperten fordern deshalb einen Mindestlohn von 12 Euro (im Oktober 2022 zumindest f\u00fcr Deutschland der Fall, in \u00d6sterreich gibt es nach wie vor keinen gesetzlichen Mindestlohn) und das Aus f\u00fcr die Niedriglohnbesch\u00e4ftigungsformen, wie etwa der Leiharbeit. In diesen Jobs werden Experten in ihrem erlernten Brotberuf durch eine Leiharbeitsfirma an Unternehmen ausgeliehen. Dort versehen sie dieselbe Arbeit wie ihre fixangestellten Kollegen &#8211; allerdings nicht nach dem Tarif f\u00fcr ihren Lehr-Beruf sondern dem der Leiharbeit.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Neben der Leiharbeit ist auch die Teilzeitarbeit ein grosses Problem. Viele Unternehmen greifen auf diese M\u00f6glichkeit zur\u00fcck, da sie sich dadurch Lohnnebenkosten einsparen k\u00f6nnen. McDonalds Deutschland etwa besch\u00e4ftigt nach eigenen Angaben auf der Unternehmensseite rund 55.000 Mitarbeiter. Nur 35 % davon sind vollzeitbesch\u00e4ftigt &#8211; 40 % teilzeit-, 12 % geringf\u00fcgig und 13 % kurzfristig besch\u00e4ftigt. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Viele Arbeitsvertr\u00e4ge sind absichtlich knapp \u00fcber Tarif vereinbart. Damit obliegt es jedem Einzelnen, j\u00e4hrlich das so angenehme Gehaltsgespr\u00e4ch mit dem Chef zu absolvieren. Durch die kalte Progression und die st\u00e4ndige Steigerung der Lebenshaltungskosten schaut dann so manch fleissiger Arbeitnehmer trotz Lohnerh\u00f6hung durch die Finger.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Befragung betreffs der Selbsteinsch\u00e4tzung zu \u201emateriellen Entbeh-rungen\u201c wird regelm\u00e4ssig durchgef\u00fchrt. International gesehen bessert sich die Situation geringf\u00fcgig. Armut w\u00e4hrend des Berufslebens bedeutet noch weitaus gr\u00f6ssere Armut im Alter, da nichts zur\u00fcckgelegt werden kann. Von der Altersarmut sind rund 16 % der Rentner in Deutschland betroffen &#8211; das entspricht zirka 3 Mio (von den \u00dc80 gar 22,4 %) &#8211; 579.095 bezogen im September 2021 eine Grundsicherung. Nach Sch\u00e4tzungen beantragen rund 60 % diese Grundsicherung jedoch gar nicht, obgleich sie bezugsberechtigt w\u00e4ren. In \u00d6sterreich waren nach Angaben von Statistik Austria im Jahr 2021 232.000 Menschen \u00fcber 65 Jahren von Armut oder Ausgrenzung betroffen (insgesamt 1,519 Mio) &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Gemeint bei all diesen \u00dcberlegungen sind nicht etwa jene, die jedes Jahr ein neues Handy brauchen, einmal die Woche shoppen gehen, immer wieder Konzerte besuchen oder sich mindestens zweimal die Woche das Feierabendbier in der Stammkneipe schmecken lassen! Nein, gemeint sind vielmehr jene Menschen, die selbst nach der akribischsten Rotstiftaktion kein Einsparpotential mehr orten k\u00f6nnen. Ein zweiter Job? Das ist ein Rechenexempel. Schliesslich gen\u00fcgt bei vielen bereits eine geringf\u00fcgige Besch\u00e4ftigung um dadurch in eine andere Steuerklasse zu kommen. Schlussendlich werden n\u00e4mlich beide Einkommen in einen Topf geworfen und die Lohnsteuer anhand dieses Beitrages berechnet (minus der bereits abgezogenen). So bleibt oftmals vom Zweiteinkommen nicht viel \u00fcbrig &#8211; dann arbeitet man sozusagen nurmehr f\u00fcr Vater Staat und die Sozial-versicherungen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn der Urlaub mal ausf\u00e4llt, weil eine Wohnung gekauft oder ein Haus gebaut wurde? Ein neues Auto? Diese \u00dcberlegung sollte man sich auf jeden Fall davor stellen! W\u00e4hrend des Studiums beispielsweise arbeitete ich in den Sommerferien und nebenbei. Daf\u00fcr konnte ich mir ein Motorrad und eine starke HiFi-Anlage leisten. Ein Studienkollege zog es vor, zwei bis drei Wochen lang Amerika zu erforschen. Somit sind also auch solche Umfragen mit etwas Vorsicht zu geniessen: Ist es den Eltern bewusst, dass sich nach einer Woche Bibione die Schulsachen ihrer Kinder nicht mehr ausgehen, sollte das Problem anders angegangen werden. Es ist also eine Frage der Priorit\u00e4ten, die bei derartigen Umfragen nicht ber\u00fcck-sichtigt werden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ergebnisse der EU-SILC-Befragung fliessen auch in den j\u00e4hrlichen Armutsbericht der Armutskonferenz in \u00d6sterreich bzw. jenem des Parit\u00e4tischen Gesamtverbandes in Deutschland ein. Erschreckende Zahlen wurden dabei im April in Deutschland vorgelegt: Im zweiten Pandemiejahr 2021 erreichte die Armut zwischen Flensburg und Berchtesgaden mit 16,6 % ihren bisherigen H\u00f6hepunkt. 13,8 Mio Bundesb\u00fcrger werden somit als arm bezeichnet, das sind um 600.000 mehr als vor der Pandemie. Besonders auffallend ist lt. Bericht der Anstieg bei den Selbst\u00e4ndigen (von 9 auf 13,1 %). Aber auch die H\u00f6chstst\u00e4nde von 17,9 % bei den Rentnern und 20,8 % bei den Kindern und Jugendlichen sind alarmierend. Geographisch am meisten davon betroffen ist der gr\u00f6sste Ballungsraum Deutschlands &#8211; das Ruhrgebiet! Hier lebt jeder F\u00fcnfte in Armut. Durch die gestiegenen Lebenshaltungskosten und die Inflation wird sich die Lage noch wesentlich verschlimmern, f\u00fcrchtet der Parit\u00e4tische Wohlfahrts-verband.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>\u201ePandemie und Inflation treffen eben nicht alle gleich. Wir haben keinerlei Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr, wenn die Bundesregierung wie mit der Gie\u00dfkanne \u00fcbers Land zieht, Unterst\u00fctzung dort leistet, wo sie \u00fcber-haupt nicht gebraucht wird und Hilfe dort nur v\u00f6llig unzul\u00e4nglich gestaltet, wo sie dringend erforderlich w\u00e4re!\u201c<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>(Dr. Ulrich Schneider, Vorsitzender des Parit\u00e4tischen Gesamtverbandes)<\/p>\n\n\n\n<p>In \u00d6sterreich sind die Zahlen f\u00fcr das Jahr 2021 ebenfalls erdr\u00fcckend. Gottlob zumindest in einem Bereich leicht r\u00fcckl\u00e4ufig: 2,4 % der Bev\u00f6lkerung (208.000 Menschen) sind \u201eerheblich materiell depriviert\u201c. Hierunter versteht man im Alpenland, dass sie sich wesentliche G\u00fcter bzw. Lebensbereiche (Heizung, Waschmaschine, Handy, \u2026) oder uner-wartete Ausgaben von bis zu 1.160,- \u20ac nicht leisten k\u00f6nnen. Im Jahr 2020 waren es noch 0,3 % mehr. Weitere 14,7 % (1,292 Mio Menschen) sind von der Armut gef\u00e4hrdet &#8211; ein Anstieg um 0,8 % im Vergleich zu 2020. Als armutsgef\u00e4hrdet gilt zwischen Neusiedler und Bodensee eine Person, die mit weniger als 1.371,- \u20ac im Monat das Auslangen finden muss (2 erwachsene Personen 2.057,- \u20ac,1 Erwachsener mit einem Kind 1.783,- \u20ac). Hiervon besonders betroffen sind Kinder, Frauen in der Pension, Langzeitarbeitslose und Menschen ohne Staatsb\u00fcrgerschaft.&nbsp; &nbsp; &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Als arm gilt europaweit jemand, der \u00fcber weniger als 60 % des durch-schnittlichen Einkommens verf\u00fcgt (\u201eMedianeinkommen\u201c). Als Single bedeutet dies umgelegt ein Netto-Einkommen von bis zu 917 Euro, bei Alleinerziehenden mit einem Kind unter sechs Jahren 1.192 bzw. bei einer vierk\u00f6pfigen Familie je nach Alter der Kinder 1.978 bzw. 2.355 Euro. Der Beginn dieser Todesspirale ist meist die Trennung vom Lebenspartner, Krankheit oder auch der Verlust des Arbeitsplatzes. Verm\u00f6genswerte wie Auto, Wohnung, Haus etc. m\u00fcssen verkauft werden bis schliesslich nichts mehr \u00fcbrig ist. Trotzdem noch kein Arbeitsplatz in Sicht, denn: Je \u00e4lter und l\u00e4nger man arbeitslos ist, desto weniger gern erfolgt eine Einstellung bei den Unternehmen. Worst Case: Ein 61-j\u00e4hriger Arbeiter, dessen Firma dicht macht. Er verf\u00fcgt m\u00f6glicherweise \u00fcber ein bereits abbezahltes Haus, \u00fcber Erspartes und eine Altersvorsorge. Auch wenn er durchaus weiterarbeiten m\u00f6chte und hier einige Abstriche im Vergleich zur Quali-fikation machen w\u00fcrde. Schliesslich landet er bei der Mindestsicherung oder in Deutschland bei Hartz IV. Und dabei schliesst sich der Kreis mit dem Urlaub wieder: Zu den Fragen der sog. \u201eErheblichen materiellen Deprivation\u201c in der europaweit einheitlich durchgef\u00fchrten SILC-Umfrage z\u00e4hlt auch eine Woche Urlaub &#8211; einmal im Jahr!&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Klar, werden nun einige sagen: Es muss ja nicht unbedingt die Domi-nikanische Republik oder Indonesien sein. Deshalb hier einige Tipps:<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8211; Preisvergleiche \u00fcber Urlaubsb\u00f6rsen lohnen sich<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8211; Nebensaison ist wesentlich g\u00fcnstiger als Hauptsaison<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8211; Fliegen Sie wenn m\u00f6glich von kleineren Flugpl\u00e4tzen ab<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8211; Starten Sie in einem Bundesland, in dem die Sommerferien vielleicht schon vorbei sind (Fl\u00fcge werden billiger)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8211; Auto oder v.a. Bahn sind weitaus g\u00fcnstiger und umweltfreundlicher als Flugzeuge<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8211; Zelt oder Wohnmobil anstelle teurer Hotels k\u00f6nnen auch etwas romantisches haben<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8211; Wenn Hotel, dann Halbpension anstatt All inclusive<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8211; \u00d6kologischer Natururlaub (Aktivprogramm meist inkludiert)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8211; Busreisen &#8211; nicht nur f\u00fcr Senioren<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Wenn nun vornehmlich rechtspopulistische Regierungen dieses soziale Netz noch weiter k\u00fcrzen mit der Rechtfertigung, dass es gen\u00fcgend Arbeit gebe, die Langzeitarbeitslosen nur nicht einer Besch\u00e4ftigung nachgehen wollen, so wird dadurch einzig und allein noch mehr Armut produziert. Schliesslich k\u00f6nnen mit dem Gehalt eines Tellerw\u00e4schers die zuvor aufgenommenen und f\u00fcr den Lebensunterhalt notwendigen Kredite nicht zur\u00fcckbezahlt werden (\u201eWorking Poor\u201c). Die Folge: Privatkonkurs trotz 100 %-iger Besch\u00e4ftigung. Ist das die L\u00f6sung eines Sozialstaates???&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>PS:<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr all jene Politiker, die derzeit populistisch auf die Arbeitslosen los-gehen: Niemand ist gerne arbeitslos. F\u00fcr etwa 10 % der \u00f6sterreichischen Erwerbst\u00e4tigen bedeutet Armut soziale Ausgrenzung (Vereinszuge-h\u00f6rigkeit, Schullandwochen &#8211; ja sogar das Feierabend-Bierchen geh\u00f6ren zu jenen Dingen, die man sich pl\u00f6tzlich nicht mehr leisten kann). Bei den Arbeitslosen sind es satte 57, bei mehr als sechs Monaten ohne Job gar 79 %!!!<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lesetipps:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>.) Armut; Darren McGarvey; btb Verlag 2021<\/p>\n\n\n\n<p>.) Kein Pausenbrot, keine Kindheit, keine Chance: Wie sich Armut in Deutschland anf\u00fchlt und was sich \u00e4ndern muss; Jeremias Thiel; Piper Paperback 2020<\/p>\n\n\n\n<p>.) Armut heute: Eine Bestandsaufnahme f\u00fcr Deutschland; Eleonora Kohler-Gehrig; W. Kohlhammer GmbH 2019<\/p>\n\n\n\n<p>.) Armut in einem reichen Land &#8211; Wie das Problem verharmlost und verdr\u00e4ngt wird; Christoph Butterwegge; Campus&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>.) Heart\u00b4s Fear: Hartz IV &#8211; Geschichten von Armut und Ausgrenzung; Bettina Kenter-G\u00f6tte; Verlag Neuer Weg 2018<\/p>\n\n\n\n<p>.) Armut in Deutschland: Wer ist arm? Was l\u00e4uft schief? Wie k\u00f6nnen wir handeln?; Georg Cremer; C.H.Beck 2017<\/p>\n\n\n\n<p>.) Armut: Ursachen, Formen, Auswege; Philipp Lepenies; C.H.Beck 2017<\/p>\n\n\n\n<p>.) Zwangsger\u00e4umt: Armut und Profit in der Stadt; Matthew Desmond;&nbsp; Ullstein 2018<\/p>\n\n\n\n<p>.) Wohlstand und Armut der Nationen: Warum die einen reich und die anderen arm sind; David Landes; Pantheon Verlag 2009<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Links:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; ec.europa.eu\/eurostat\/de\/home<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; www.der-paritaetische.de<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; www.armutskonferenz.at<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; www.sozialministerium.at<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; www.boeckler.de\/wsi-tarifarchiv_2275.htm<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; www.statistik.at<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; www.budgetberatung.at<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; www.agenda-austria.at<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; www.forschungsnetzwerk.at<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eMan ist in diesem reichen Deutschland nicht erst dann arm, wenn man unter Br\u00fccken schlafen oder Pfandflaschen sammeln muss. 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