
{"id":9037,"date":"2023-01-27T09:42:29","date_gmt":"2023-01-27T07:42:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/?p=9037"},"modified":"2023-01-27T09:42:29","modified_gmt":"2023-01-27T07:42:29","slug":"altersarmut-eine-katastrophale-situation","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/index.php\/2023\/01\/27\/altersarmut-eine-katastrophale-situation\/","title":{"rendered":"Altersarmut &#8211; Eine katastrophale Situation"},"content":{"rendered":"\n<p>Kaum eine Nachrichtensendung in TV und Rundfunk kommt seit Wochen an der derzeitigen Situation der Tafeln in Deutschland und \u00d6sterreich vorbei. Die Nachfrage auf Waren des t\u00e4glichen Bedarfs und v.a. Lebens-mitteln ist gr\u00f6sser als das Angebot. Viele k\u00f6nnen sich die stark angestiegenen Preise im Handel schlichtweg nicht mehr leisten. F\u00fcr sie ist das normale Leben zu teuer geworden. Daran zeichnet nicht nur der Ukraine-Krieg, sondern oftmals die Gier der grossen Konzerne nach mehr Gewinn verantwortlich. Und \u2013 es sind nicht nur Fl\u00fcchtlinge, sondern immer mehr auch Senioren, die sich in den endlosen Schlangen anstellen. Die Rente\/Pension reicht nicht mehr aus \u2013 und dies, obwohl die meisten Betroffenen sparen, wo sie nur k\u00f6nnen. Jene Menschen also, die den Wohlstand aufgebaut und nun selbst nichts davon haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Im September hat das Statistische Bundesamt Deutschland Zahlen zur Altersarmut vorgelegt \u2013 jetzt erfolgte der Nachschlag. Es sind wahrhaft erschreckende Daten.<\/p>\n\n\n\n<p>In medias res: Die Zahl der Altersrentenbezieher stieg von 16,6 Mio im Jahr 2011 auf 17,6 Mio im Jahr 2021. 12,9 % der 65- bis 75-j\u00e4hrigen sind noch erwerbst\u00e4tig. 2011 waren es 7 %! Viele, weil sie es wollen (40,8 % &#8211; etwa Personen mit Hochschulabschluss), doch die Zahl derer, die es m\u00fcssen steigt stark an. Im Dezember 2021 erhielten 589.000 \u00e4ltere Menschen Grundsicherung (2,6 % Deutsche, 17,5 % Ausl\u00e4nder). 2022 mussten gar 12 % mehr um Grundsicherung ansuchen \u2013 der tats\u00e4chliche Bedarf w\u00e4re wesentlich h\u00f6her, doch beschreiten viele diesen Weg aus Stolz oder Scham nicht. Zahlen? Alleine zwischen Juni und September 2022 waren dies nach Angaben des Redaktionsnetzwerks Deutschland unter Bezugnahme auf das Statistische Bundesamt 18.945 Antr\u00e4ge mehr.<\/p>\n\n\n\n<p>27,8 % der Rentner, das sind rund 4,9 Mio M\u00e4nner und vor allem Frauen, hatten 2021 ein monatliches Netto-Einkommen von weniger als 1.000,- \u20ac. Nach Geschlecht geteilt: 38,2 % der Rentnerinnen und 14,7 % der Rentner. Im Vergleich dazu die Zahlen zur Gesamtbev\u00f6lkerung: 2011 lebten zwischen Nord- und Ostsee bis zu den Alpen 80,3 Mio Menschen, zehn Jahre sp\u00e4ter waren es bereits 83,4. Der Anteil der 65+-Bev\u00f6lkerung stieg von 20,7 auf 22,1 %. All diese Zahlen stammen aus einem Bericht des deutschen Statistischen Bundesamtes vom 29. September 2022. Durch die Preistreiberei und Inflation hat sich jedoch in den letzten Monaten die Lage zugespitzt.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eDie Altersarmut jagt von Rekord zu Rekord. Zw\u00f6lf Prozent mehr seit der Bundestagswahl \u2013 die Inflation kommt im Sozialamt an.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>(Dietmar Bartsch, Fraktionschef der Linkspartei)<\/p>\n\n\n\n<p>Bartsch fordert deshalb versch\u00e4rfte Preisbremsen und eine konsequente staatliche Preis-Kontrolle bei Lebensmitteln und Energie.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese demographische Entwicklung stellt die Politik, aber auch die Wirtschaft vor schwierige Aufgaben. Dargestellt wird dies mit dem sog. \u201eAltenquotienten\u201c. Die Experten verstehen darunter den Anteil der potentiellen Rentenbezieher 65+ auf 100 Menschen im erwerbsf\u00e4higen Alter von 20 bis 65 Jahren. Dieser Altenquotient lagt 1991 bei 24, 30 Jahre sp\u00e4ter bei 37 und im Jahr 2031 (nach der Pensionierungswelle der Baby-Boomer) bei 48, bis er 2060 mit rund 54 bereits \u00fcber die Mitte gesprungen sein wird. Nicht zuletzt deshalb hat die Politik einen schrittweisen Anstieg des Renteneintrittsalters von 65 auf 67 Jahre beschlossen. Unternehmen m\u00fcssen mehr Arbeitspl\u00e4tze f\u00fcr \u00e4ltere Arbeit-nehmer einrichten \u2013 den Jugendboom werden viele nicht mehr \u00fcberleben. Er ist zu einem grossen Teil f\u00fcr die derzeitige Situation verantwortlich. Schon jetzt ist der Schrei der Firmeninhaber nach Fachkr\u00e4ften nicht mehr zu \u00fcberh\u00f6ren, bilden jedoch keine aus und schicken die \u00c4lteren vorzeitig in die Pension.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch \u00d6sterreich pr\u00e4sentiert \u00e4hnliche Zahlen \u2013 die Alpenrepublik liegt bei der Altersarmut gar unter dem OECD-Duchschnitt. Im Jahr 2021 hatten rund 75.000 M\u00e4nner (11 % &#8211; ein Plus von 6,5 %) und gar 157.000 Frauen (18 % &#8211; ein Plus von 7,6 %) mit der Altersarmut zu k\u00e4mpfen. Das sind 15 % der 65+-Gruppe, die akut betroffen sind. Insgesamt waren 2021 1.546.000 Menschen im Alpenstaat 65 Jahre alt und \u00e4lter. 17,80 % davon m\u00fcssen jeden Cent zweifach umdrehen, bevor sie ihn ausgeben. Viele sind gar \u201emateriell depriviert\u201c, haben also Zahlungsr\u00fcckst\u00e4nde bei Krediten, den Betriebskosten oder beispielsweise der Miete. Die Pension-sversicherungsanstalt errechnete f\u00fcr das Jahr 2020 die Durchschnitts-pensionen von 1.622,- \u20ac bei den M\u00e4nnern und 1.016,- \u20ac bei den Frauen. Die gr\u00f6ssten Unterschiede zwischen Mann und Frau (\u201ePension Pay Gap\u201c) gibt es mit 46,4 % in Vorarlberg. Die Armutsgef\u00e4hrdungsschwelle liegt bei 1.371,- \u20ac bei einem Einpersonenhaushalt. Auch mit den Anpassungen der Pensionen blieben die Frauen mit 1.294,- \u20ac unter dieser Schwelle. Liegt die monatliche Pension unter 1.030,49 \u20ac in einem Einpersonen-haushalt, so greift das Sozialsystem mit einer Ausgleichszulage ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Wo aber nun liegen die Ursachen f\u00fcr die Altersarmut? <\/p>\n\n\n\n<p>Es sind sowohl in Deutschland als auch \u00d6sterreich dieselben Gr\u00fcnde: Frauen arbeiten oftmals aus R\u00fccksicht auf die Familie nur Teilzeit oder gar geringf\u00fcgig. Zudem pflegen sie oftmals unentgeltlich Familien-mitglieder. Nach Angaben der \u00f6sterreichischen Arbeiterkammer sind rund 64 % der weiblichen Arbeit nicht bezahlt. Beide Geschlechter arbeiten zu Geh\u00e4ltern, die zwar w\u00e4hrend der Erwerbszeit geradeso ausreichen, f\u00fcr die Altersvorsorge oder gar der Anh\u00e4ufung eines Verm\u00f6gens oder schluss-endlich die Rente jedoch zu gering sind. Daneben werden bei der lebenslangen Durchrechnung (\u00d6sterreich) bzw. dem \u00c4quivalenzsystem in Deutschland (wer mehr in der Erwerbszeit einzahlt, bekommt alsdann eine gr\u00f6ssere Rente) auch schlechte Erwerbsphasen oder gar Arbeits-losigkeit einbezogen. Um dies auszugleichen, bed\u00fcrfte es also mehrerer gut bezahlter Jobs, was oftmals nicht der Fall ist. Zudem gehen viele zu fr\u00fch in Pension. So waren etwa in Deutschland 2021 66 % der M\u00e4nner zwischen 60-64 Jahren erwerbst\u00e4tig, bei den Frauen gar nur 57 %. In \u00d6sterreich etwa tritt nur jede zweite Frau aus einer Besch\u00e4ftigung in die Pension \u00fcber. Dadurch werden die notwendigen Versicherungsjahre nicht erreicht, nicht selten muss deshalb mit erheblichen Abz\u00fcgen gerechnet werden. Zudem sind die meisten Frauen vor dem Pensionsantritt arbeitslos \u2013 im Schnitt sieben Jahre lang. Bei harter k\u00f6rperlicher Arbeit (etwa Metallbauer bzw. Pflegeberufe &#8211; Schwerarbeiter) oder den K\u00f6rper anderweitig beanspruchender Arbeit (Berufskraftfahrer beispielsweise) ist ein niedrigeres Pensionsantrittsalter durchaus verst\u00e4ndlich. F\u00fcr jemanden allerdings, der sein Leben lang im ergonomischen Arbeitsstuhl am Schreibtisch verbracht hat, komplett unverst\u00e4ndlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Um eine Altersarmut eingrenzen zu k\u00f6nnen, liegen viele Vorschl\u00e4ge von Interessensvertretungen auf den Tischen \u2013 alleine: Es fehlt die Motivation der Politik.<\/p>\n\n\n\n<p>.) Kinderbetreuungszeiten sollten besser angerechnet werden (in \u00d6ster-reich beispielsweise wird ein Jahr Kinderbetreuung mit gerade mal 28 \u20ac in der monatlichen Pension ber\u00fccksichtigt)<\/p>\n\n\n\n<p>.) Finanzielle Ber\u00fccksichtigung der Elternteilzeit wie etwa bei der Pflege-teilzeit<\/p>\n\n\n\n<p>.) Flexiblere Arbeitszeitmodelle f\u00fcr eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie<\/p>\n\n\n\n<p>.) Grunds\u00e4tzlich eine bessere Entlohnung von Frauen<\/p>\n\n\n\n<p>.) H\u00f6here Ber\u00fccksichtigung der Arbeitslosigkeit<\/p>\n\n\n\n<p>.) Anrechnung von Ausbildungszeiten (Praktika \u2013 die Unsitte der Betriebe, f\u00fcr die Arbeitskr\u00e4fte nur wenig bezahlen zu m\u00fcssen) werden beispiels-weise gar nicht in der Pension eingerechnet<\/p>\n\n\n\n<p>.) Mehr M\u00f6glichkeiten zur Altersteilzeit<\/p>\n\n\n\n<p>Speziell f\u00fcr \u00d6sterreich:<\/p>\n\n\n\n<p>.) Partnerunabh\u00e4ngige Ausgleichszulage (nach wie vor wird die Pension des Partners in die Berechnungen einbezogen, sodass besonders viele Frauen um die Ausgleichszulage umfallen (\u00d6sterreich)<\/p>\n\n\n\n<p>.) Dieser Ausgleichszulagenrichtsatz in \u00d6sterreich sollte erh\u00f6ht werden<\/p>\n\n\n\n<p>.) Die lebenslange Durchrechnung muss ge\u00e4ndert werden \u2013 sie f\u00fchrt etwa dazu, wenn zuletzt ein durchaus gut bezahlter Job erf\u00fcllt wurde, die Pension m\u00f6glicherweise weit unter dem letzten Verdienst liegt. Ein Faktor, der zu erheblichen finanziellen Schwierigkeiten f\u00fchren kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Papst Franziskus hat anl\u00e4sslich des \u201eWelttags der Armut\u201c am 19. November 2017 in seiner Botschaft folgenden Satz ge\u00e4ussert:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eWir sind also gerufen, den Armen die Hand zu reichen, ihnen zu begegnen, ihnen in ihre Augen zu schauen, sie zu umarmen, sie die W\u00e4rme der Liebe sp\u00fcren zu lassen, die den Teufelskreis der Einsamkeit zerbricht. Die Hand, die sie ihrerseits uns entgegen strecken, ist eine Einladung, aus unserer Sicherheit und Bequemlichkeit auszubrechen!\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Franziskus weiss durchaus, wovon er spricht. Schliesslich war er auch noch als Kardinal sehr oft in den Armenvierteln von Buenos Aires unter-wegs. Dennoch ist es gerade die Kirche (nicht nur die r\u00f6misch-katholische Kirche), die ohne die ehrenamtliche und somit unbezahlte Arbeit vor allem der Frauen nicht funktionieren w\u00fcrde. Deshalb sollten Betroffene von den Angeboten der Caritas und Diakonie auf jeden Fall Gebrauch machen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Links:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li><a href=\"http:\/\/www.destatis.de\/\">www.destatis.de<\/a><\/li><li>www.statistik.at<\/li><li><a href=\"http:\/\/www.sozialministerium.at\/\">www.sozialministerium.at<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.bmas.de\/\">www.bmas.de<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.gesundheitskasse.at\/cdscontent\/?contentid=10007.870473&amp;portal=oegkportal\">www.gesundheitskasse.at\/cdscontent\/?contentid=10007.870473&amp;portal=oegkportal<\/a><\/li><li>www.oesterreich.gv.at\/themen\/soziales\/armut\/3\/Seite.1693400.html\u0086<\/li><li><a href=\"http:\/\/www.volkshilfe.at\/\">www.volkshilfe.at<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.oegb.at\/\">www.oegb.at<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.diakonie.at\/\">www.diakonie.at<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.altarmweiblich.at\/\">www.altarmweiblich.at<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.caritas.de\/\">www.caritas.de<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.aktion-deutschland-hilft.de\/\">www.aktion-deutschland-hilft.de<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.einherzfuerrentner.de\/\">www.einherzfuerrentner.de<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.mutter-teresa-stiftung.de\/startseite\/altersarmut\/\">www.mutter-teresa-stiftung.de\/startseite\/altersarmut\/<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.pflegebox.de\/ratgeber\/leben-im-alter\/altersarmut\/\">www.pflegebox.de\/ratgeber\/leben-im-alter\/altersarmut\/<\/a><\/li><\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kaum eine Nachrichtensendung in TV und Rundfunk kommt seit Wochen an der derzeitigen Situation der Tafeln in Deutschland und \u00d6sterreich vorbei. 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