
{"id":9206,"date":"2023-03-10T09:29:38","date_gmt":"2023-03-10T07:29:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/?p=9206"},"modified":"2023-03-10T09:29:38","modified_gmt":"2023-03-10T07:29:38","slug":"hochseeabkommen-ein-riesenerfolg","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/index.php\/2023\/03\/10\/hochseeabkommen-ein-riesenerfolg\/","title":{"rendered":"Hochseeabkommen &#8211; ein Riesenerfolg"},"content":{"rendered":"\n<p><em>\u0086\u201eDas Schiff hat das Ufer erreicht!\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>(Rena Lee, Vorsitzende der UN-Hochseekonferenz)<\/p>\n\n\n\n<p>Es war wie ein Lichtblick in der vergangenen Woche \u2013 f\u00fcr die Medien allerdings nur eine Ein-Tages-Schlagzeile: Bei den mehr als z\u00e4h gef\u00fchrten UN-Verhandlungen zum Schutz der Hohen See wurde ein Durchbruch erzielt. Nach nahezu 40-st\u00fcndiger Dauerverhandlung in New York einigten sich die rund 200 Mitgliedsstaaten auf ein gemeinsames Papier. Demgem\u00e4ss sollen bis 2030 mindestens 30 % der Weltmeere als Schutzgebiete ausgewiesen werden. Bislang war das nur in K\u00fcstenmeeren m\u00f6glich \u2013 in der Hochsee gerade mal 1,2 % (etwa durch den Antarktis-vertrag). Zudem soll j\u00e4hrlich eine Vertragsstaatenkonferenz Aufschluss \u00fcber weitere Schutzmassnahmen geben und Beschl\u00fcsse f\u00fcr eine nach-haltigere Nutzung der Hochsee gefasst werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor allem China und Russland bestanden bei der Festlegung dieser Schutzzonen auf Einstimmigkeit \u2013 damit h\u00e4tte auch nur ein Mitgliedsstaat jedes Modell zum Fallen bringen k\u00f6nnen. Nun reicht jedoch eine Dreiviertel-Mehrheit. Allerdings mit einer Opt-out-Massnahme: Ein Staat kann die Schutzzone nicht akzetieren, muss dann allerdings eine Alter-native vorschlagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Was das Schriftst\u00fcck wert ist, wird sich wohl in Zukunft zeigen, gibt es doch &#8211; wie bei internationalen Abkommen \u00fcblich &#8211; keinerlei Sanktionen bei einer Missachtung. Schliesslich wurde ein solches Abkommen ja auch schon zum Schutz der Wale beschlossen. Es erlaubte den Walfang eigentlich nurmehr zu Forschungszwecken. Dies sber wurde sehr grossz\u00fcgig ausgelegt, bis schliesslich Japan komplett aus dem Abkommen ausstieg. Bringen wir doch etwas Licht in dieses Hochsee-Schutzabkommen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eWir begr\u00fc\u00dfen sehr, dass mit diesem Vertrag die Einrichtung von Schutzgebieten auf der Hohen See, dem gr\u00f6\u00dften Lebensraum der Erde, beginnen kann!\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>(Fabienne McLellan, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin OceanCare)<\/p>\n\n\n\n<p>Der Begriff der \u201eHohen See\u201c ist definiert im \u201eSeerechts\u00fcbereinkommen\u201c (SR\u00dc) aus dem Jahr 1982. Er beschreibt jene Teile der Meere, die nicht zur \u201eAusschliesslichen Wirtschaftszone\u201c (AWZ), zu den K\u00fcstenmeeren und Binnengew\u00e4ssern oder zum Archipelgew\u00e4sser eines Archipelstaates wie etwa Indonesien z\u00e4hlen. Autonome L\u00e4nder also, die sich aus Inselgrupen zusammensetzen. Die \u201eHohe See\u201c beginnt 200 Seemeilen von der K\u00fcste entfernt \u2013 das sind rund 60 % der Meeres. und nicht weniger als zirka 43 % der Erdoberfl\u00e4che. Hier gilt kein nationales, sondern internationales Recht gem\u00e4ss des V\u00f6lkerrechts. Soll heissen, dass auch grossz\u00fcgige Freiheiten damit verbunden sind: Fischerei, \u00dcberflug, Schiffahrt, Kabel-Verlegungen etc., ohne dass hier ein Staat eigenes Interesse anmelden kann. Hoheitlich gilt nach Artikel 94 SR\u00dc das Flaggenstaatsprinzip, also jenes Gesetz des Staates, unter dessen Flagge das Schiff f\u00e4hrt. Bei-spielsweise f\u00fcr Schiffe, die unter der Flagge von Liberia fahren, die Gesetze und Rechtsprechung des westafrikanischen Staates, allerdings auch das dortige Arbeitsrecht und die Entlohnung. <\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>\u0086<em>\u201eJeder Staat \u00fcbt seine Hoheitsgewalt und Kontrolle in verwaltungs-m\u00e4ssigen, technischen und sozialen Angelegenheiten \u00fcber die seine Flagge f\u00fchrenden Schiffe wirksam aus.\u201c <\/em><\/p>\n\n\n\n<p>(Art. 94, Abs. 1 SR\u00dc) <\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Durch das Seerechts\u00fcbereinkommen k\u00f6nnen Wirtschaftszonen von bis zu 200 Seemeilen geschaffen (etwa f\u00fcr die \u00d6l- oder Gasgewinnung in K\u00fcstenn\u00e4he) oder auch die Hoheitsgew\u00e4sser von drei auf 12 Seemeilen entlang der K\u00fcsten ausgeweitet werden.<\/p>\n\n\n\n<p>All dies bringt auch viele Nachteile dieser Freiheit auf \u201eHoher See\u201c mit sich.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eSeit L\u00e4ngerem w\u00e4chst die Besorgnis \u00fcber die immer weiter ansteigende anthropogene Belastung der Meeresumwelt durch Aktivit\u00e4ten in der Tiefsee wie Fischerei, Bergbau, Meeresver-schmutzung und Bioprospektion!\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>(Dr. Alexander Proel\u00df, Professor f\u00fcr internationales Seerecht, Umwelt-recht, V\u00f6lkerrecht und \u00d6ffentliches Recht an der Universit\u00e4t Hamburg)<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ozeane sind hoffnungslos \u00fcberfischt. Vielen Tierarten fehlt deshalb die Nahrung. Doch nicht nur das: Durch Schleppnetze werden Korallen-riffe und Schwammg\u00e4rten zerst\u00f6rt.<\/p>\n\n\n\n<p>Andere Teile sind mit Kunststoff vollgem\u00fcllt.<\/p>\n\n\n\n<p>In Zukunft sollen wirtschaftliche Projekte und Expeditionen in den Schutzgebieten auf ihre Umweltvertr\u00e4glichkeit hin \u00fcberpr\u00fcft werden. Stellt sich jedoch die Frage: Durch wen? Das Gremium hierf\u00fcr muss erst geschaffen werden. In diesen Zonen sollen sich die Arten erholen k\u00f6nnen. Die Artenvielfalt ist immens wichtig auch im Kampf gegen die Klimakrise. So beschreibt etwa Till Seidensticker von Greenpeace dies folgender-massen: Die Arten holen Kohlenstoff von der Oberfl\u00e4che und verfrachten ihn in weitaus tiefere Teile der Meere.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eOhne diese wichtige Leistung w\u00fcrde unsere Atmosph\u00e4re 50 Prozent mehr Kohlendioxid enthalten. Die Erde w\u00e4re \u00fcberhitzt und unbewohn-bar.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>(Till Seidensticker, Greenpeace)<\/p>\n\n\n\n<p>Die Verhandlungen wurden \u00fcber knapp 15 Jahre gef\u00fchrt. Ein sehr wichtiger der vielen Knackpunkte ist die Regelung, welche L\u00e4nder wie an den Gewinnen der Meeresressourcen beteiligt werden. Vor allem die L\u00e4nder des sog. \u201eGlobalen S\u00fcdens\u201c nutzen diese nicht oder zu wenig, sie sollen deshalb einen Teil aus einem noch zu schaffendem Fonds der reichen Industrie- und Wirtschaftsstaaten des Nordens erhalten. Das betrifft vornehmlich den Tiefsee-Bergbau, aber auch die Gewinnung neuer medizinischer Mitteln bzw. genetischer Erkenntnisse. 84 % aller Patente sind auf zehn reiche L\u00e4nder konzentriert, der BASF-Konzern alleine h\u00e4lt 47 % der Patente auf marine genetische Ressourcen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcbrigens \u2013 unmittelbar vor der Einigung in New York genehmigten die Teilnehmer der \u201eOur Oceans-Konferenz\u201c in Panama nahezu 20 Milliarden Dollar f\u00fcr den Schutz der Meere \u2013 77 Projekte sollen alleine mit den durch die US-Regierung zur Verf\u00fcgung gestellten sechs Milliarden realisiert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Allerdings k\u00f6nnten sich die 168 Teilnehmer der Internationalen Meeres-bodenbeh\u00f6rde (International Seabed Authority ISA) bei ihrer Konferenz auf Jamaika (07.-31. M\u00e4rz) nicht einigen. Somit m\u00fcssen vorerst Antr\u00e4ge von Unternehmen auf Tiefsee-Bergbau genehmigt werden. Bei dieser Ausbeutung mariner Ressourcen kann es auch weiterhin zu enormen Gefahren f\u00fcr die \u201eHohe See\u201c kommen \u2013 beispielsweise durch die beab-sichtigte Erd\u00f6lf\u00f6rderung im Arktischen Meer oder die Mangan- (5 Mrd. to), Kobald- (44 Mio to) und Kupfergewinnung (274 Mio to) in der Clarion-Clipperton-Zone vor den Cook-Inseln im Indischem Ozean f\u00fcr die E-Mobilit\u00e4t. Dort sind derzeit 1,4 Mio Quadratkilometer Meeresgrund gesch\u00fctzt \u2013 allerdings knapp das Doppelte zur Exploration freigegeben. Eine daf\u00fcr erforderliche Erforschungslizenz h\u00e4lt der Inselstaat Nauru und das kanadische Bergbauunternehmen TMC Durch den Tiefseebergbau in diesem Bereich w\u00fcrde wohl das gesamte dortige \u00d6kosystem f\u00fcr immer zerst\u00f6rt. Soweit das Ergebnis einer Simulationsstudie aus dem Jahr 1989 im Perubecken. Dort wurden die Manganknollen mit einer Pflugegge \u201egeenrtet\u201c. Auch 26 Jahre danach waren die Spuren noch zu sehen und die Biodiversit\u00e4t gest\u00f6rt. Ausserdem ist es g\u00e4nzlich ungewiss, wie sich der durch den Abbau freigesetzte Kohlenstoff aus dem Meeresgrund auswirken wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Es wird somit h\u00f6chste Zeit f\u00fcr eine Regulierung bzw. Schutz dieser wichtigen gr\u00f6ssten Region unseres Planeten! Hoffen wir, dass es nicht wieder nur ein guter Wille ist und weitere Schritte sehr rasch folgen!<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Filmtipp:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Extreme der Tiefsee \u2013 Eisige Abgr\u00fcnde; TerraX\/ZDF-Doku<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lesetipps:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>.) Biologie der Hochsee; David G. Senn; Books on Demand 2012<\/p>\n\n\n\n<p>.) Tierleben der Hochsee; Carl Apstein; \u200e Inktank Publishing 2019<\/p>\n\n\n\n<p>.) Tiefseewesen \u2013 Einblicke in eine kaum bekannte Welt; Solvin Zankl \/ Maike Nicolai; Delius Klasing Verlag 2020<\/p>\n\n\n\n<p>.) Tiefsee \u2013 Vielfalt in der Dunkelheit; Hrsg.: Thorolf M\u00fcller \/ Gerd Hoffmann-Wieck; \u200e Schweizerbart&#8217;sche, E. 2020<\/p>\n\n\n\n<p><a><\/a>.) Tiefsee: Von Schwarzen Rauchern und blinkenden Fischen; Dagmar R\u00f6hrlich; Mare 2010<\/p>\n\n\n\n<p>.) Eine Reise in die geheimnisvolle Tiefsee; Annika Siems \/ Wolfgang Dreyer; Prestel Verlag 2019<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Links:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li><a href=\"http:\/\/www.awi.de\/\"><u>www.awi.de<\/u><\/a><\/li><li>www.mpg.de<\/li><li><a href=\"http:\/\/www.umweltbundesamt.de\/\"><u>www.umweltbundesamt.de<\/u><\/a><\/li><li>www.deepwave.org<\/li><li>botanik.univie.ac.at\/<\/li><li>ecology.univie.ac.at\/ \u00b7<\/li><li>www.wwf.de\/<\/li><\/ul>\n\n\n\n<ul><li><a href=\"http:\/\/www.oceancare.org\/\"><u>www.oceancare.org\/<\/u><\/a><\/li><li>greenpeace.at\/<\/li><li>www.isa.org.jm<\/li><\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u0086\u201eDas Schiff hat das Ufer erreicht!\u201c (Rena Lee, Vorsitzende der UN-Hochseekonferenz) Es war wie ein Lichtblick in der vergangenen Woche \u2013 f\u00fcr die Medien allerdings nur eine Ein-Tages-Schlagzeile: Bei den mehr als z\u00e4h gef\u00fchrten UN-Verhandlungen zum Schutz der Hohen See wurde ein Durchbruch erzielt. 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