
{"id":9392,"date":"2023-05-06T07:03:34","date_gmt":"2023-05-06T05:03:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/?p=9392"},"modified":"2023-05-06T07:03:34","modified_gmt":"2023-05-06T05:03:34","slug":"schokolade-die-lebensgefaehrliche-versuchung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/index.php\/2023\/05\/06\/schokolade-die-lebensgefaehrliche-versuchung\/","title":{"rendered":"Schokolade &#8211; Die lebensgef\u00e4hrliche Versuchung?"},"content":{"rendered":"\n<p>\u0086So sicher wie das Amen im Gebet erschallt jedes Jahr zweimal ein lauter Aufschrei in den Reihen der Verbraucher-\/Konsumentensch\u00fctzer: Zu Ostern und zu Weihnachten! Die Ursache sind nachgewiesene Verun&#8211;reinigungen der Schokolade-Osterhasen und -Nikol\u00e4use durch Mineral\u00f6l-verbindungen. Ja \u2013 es gibt sie und Ja &#8211; diese sind gesundheitssch\u00e4dlich! Doch, was viele nicht wissen: Diese Kontaminationen tauchen inzwischen auch in vielen anderen Nahrungsmitteln auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahre 2010 wurden erstmals Lebensmittel mit einer durch das Kantonale Labor Z\u00fcrich entwickelten Analysemethode auf Verunreinigung von verpackten Lebensmitteln mit sog. \u201eMineral Oil Saturated Hydro-carbons\u201c (MOSH &#8211; ges\u00e4ttigte Mineral\u00f6lkohlenwasserstoffe, rund 75-85 % der Belastungen) und \u201eMineral Oil Aromatic Hydrocarbons\u201c (MOAH &#8211; aromatische Mineral\u00f6lkohlenwasserstoffe, zirka 15-25 %) hin untersucht. Unter MOSH und MOAH versteht der Experte Kohlenstoffketten mit meist weniger als 25 Kohlenstoffatomen und niedriger bis mittlerer Viskosit\u00e4t. MOAH besteht zudem aus einem bis vier Ringsystemen, die bis zu 97 % alkyliert sind. Das Analysesystem war bislang deshalb nicht m\u00f6glich, da es sich um ein einkomplexes Gemisch handelt, das eine Quantifizierung als Summe aller Komponenten verlangt. Die ansonsten verwendete Gas-chromatographie liefert hierf\u00fcr zu breite Signale (\u201eUnresolved Complex Mixture\u201c UCM bzw. \u201eChromatographischer H\u00fcgel\u201c). Neben dieser Problemstellung kam noch ein ganz entscheidendes, weiteres hinzu: Der \u00dcbergang sog. \u201ePolyolefin Oligomeric Saturated Hydrocarbons\u201c (POSH) aus Polyethylen- bzw. Polypropylen-Folien. Auch dies ist von den MOSHs und MOAHs nur sehr schwer zu trennen. F\u00fcr eine Analyse muss deshalb eine online-gekoppelte Fl\u00fcssigchromatographie-Gaschromatographie-Flammenionisationsdetektion (\u201eLG-GC-FID\u201c) durchgef\u00fchrt werden, auf die ich in diesem Text nicht im Detail eingehen m\u00f6chte.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Ergebnis 2010 war mehr als ern\u00fcchternd: Diese beiden Verbindungen wurden damals vornehmlich in langlebigen und trockenen Lebensmitteln wie Mehl, Griess, Semmelbr\u00f6seln, Reis, Cerealien und Nudeln, sp\u00e4ter auch in Oliven\u00f6l und v.a. Schokolade nachgewiesen, die irgendwann w\u00e4hrend der Produktion oder auf dem Weg zum Konsumenten in Recycling-Material oder Naturfaser-S\u00e4cken verpackt waren. Also Kartonver-packungen, Lager- und Transportkartons und -s\u00e4cken, \u2026 Die eidge-n\u00f6ssischen Forscher gingen der Sache auf den Grund und konnten einen Zusammenhang zwischen Verpackung und Kontamination herstellen: Verantwortlich daf\u00fcr scheinen bei den Kartonagen die Zeitungs-druckfarben des Altpapiers in der Recyclingkette bzw. die Klebstoffe. Beide sind zumeist mineral\u00f6lhaltig. Zu diesem Ergebnis kam auch eine sofort durch das deutsche Bundesministerium f\u00fcr Ern\u00e4hrung und Landwirtschaft (BMEL) in Auftrag gegebene Studie: Ein \u00dcbergang von Stoffgemischen aus kurz-, mittel- bis langkettigen und akkumulierten aromatischen Kohlenwasserstoffen (MOSH\/MOAH) kann durch die unterschiedlichsten Einflussfaktoren \u2013 meist jedoch durch Verdampfung &#8211; nicht ausgeschlossen werden!<\/p>\n\n\n\n<p>Die Verpackungsindustrie jedenfalls reagierte recht schnell. Die Karto-nagenproduktion wurde verbessert, der Anteil der Frischfaser-Kartonagen stieg st\u00e4ndig. Am 01. Juli 2013 startete zudem der Bundes-verband der Deutschen S\u00fcsswarenindustrie (BDSI) eine \u00fcber drei Jahre andauernde Langzeit-Studie mit dem Ziel der Reduzierung der Kontamination. Im selben Jahr belegte eine Studie der TU Dresden eine deutliche Verbesserung der Kontaminationen durch Kartonverpackungen, zwei Jahre sp\u00e4ter best\u00e4tigten dies zudem die Lebensmittel\u00fcberwachung und die Untersuchungen verschiedener Markttester, wie auch Foodwatch. Belastungen waren in der Verpackung kaum mehr wahrnehmbar, da in der Endverpackung der Ware nahezu ausschliesslich Frischfaser-Karton verwendet wurde. Interessante Daten lieferten Untersuchungen, wonach die Ware vor dem Abtransport nahezu unbelastet war, nach dem Transport jedoch Belastungswerte aufwies. Es muss also noch andere Ubertragungswege geben. Eine M\u00f6glichkeit besteht in die Verwendung von impr\u00e4gnierten Jute- und Sisals\u00e4cken. Eine andere in den Transport-kartonagen, die zumeist f\u00fcr den Einmal-Gebrauch nach wie vor aus dem Recyclingkreislauf gewonnen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem im Gesetzesentwurf zur Mineral\u00f6lverordnung Grenzwerte definiert wurden, h\u00e4lt sich die Verpackungsindustrie an das sog. \u201eALARA-Prinzip\u201c &#8211; die Minimierung am technisch Machbaren. Das w\u00e4ren 2 mg\/kg MOSH und 0,5 mg\/kg MOAH. Hintergrundinfo: Deutsche Zeitungs- und Zeitschriftenverlagsh\u00e4user verwenden j\u00e4hrlich rund 70.000 to Mineral\u00f6l f\u00fcr den Druck ihrer Medienprodukte. Dies k\u00f6nnte recht einfach durch Pflanzen\u00f6le ersetzt werden, betont die Verpackungsindustrie. Das Problem jedoch besteht in der sog. \u201eWegschlaggeschwindigkeit der Druckfarben\u201c, die zu einer Farbverunreinigung der Druckwalzen f\u00fchrt. Diese m\u00fcssten mehrmals als bisher gereinigt werden, was gerade bei Grossauflagen mehr als \u00e4rgerlich ist. Auch k\u00f6nnen bestimmte Qualit\u00e4ts-standards nicht mehr eingehalten werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Inzwischen aber wurde alsdann eine zweite M\u00f6glichkeit in Erw\u00e4gung gezogen: Auch Schmierstoffe in der Prim\u00e4rproduktion k\u00f6nnen zu der-artigen Verunreinigungen f\u00fchren. So kann bereits w\u00e4hrend der Ernte oder der Produktion das Produkt in Kontakt mit Schmier-, Hydraulik- oder Schneid\u00f6l bzw. Tr\u00e4gerstoffen f\u00fcr Pestizide gekommen sein. Auch Verbrennungsabgase (Benzinmotor, Industrieanlagen, &#8230;) oder Reifen- bzw. Bremsabrieb (Feinstaub) kann daf\u00fcr verantwortlich zeichnen. Ferner m\u00fcssen Waldbr\u00e4nde etwa beim Soja aus Brasilien oder Palm\u00f6l aus Indonesien bzw. den Philippinen mit einberechnet werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwar geh\u00f6ren diese Kontaminationen nicht in die Lebensmittel, doch gibt das deutsche Bundesinstitut f\u00fcr Risikobewertung (BfR) bzw. auch die Europ\u00e4ische Beh\u00f6rde f\u00fcr Lebensmittelsicherheit (EFSA) Entwarnung: Werden die entsprechenden Produkte nicht massenweise verzehrt, so sollten sich diese Stoffe nicht wirklich gesundheitssch\u00e4digend auswirken. Das \u00fcbliche Problem in Deutschland und \u00d6sterreich: MOAH und MOSH wurden noch nicht ausreichend toxikologisch bewertet und somit eine m\u00f6gliche krebserzeugende Wirkung nicht ausreichend nachgewiesen. Deshalb gelten die damit belasteten Lebensmittel als unbedenklich und f\u00fcr den Verkauf freigegeben. Beide Komponenten werden nicht ausge-schieden, sondern reichern sich im K\u00f6rperfett des Menschen an. Ablagerungen der Stoffe k\u00f6nnen in der Leber, den Herzklappen und den Lymphknoten zu Fehlfunktionen f\u00fchren. Damit verlieren Grenzwerte eigentlich ihre Bedeutung: Wird viel und regelm\u00e4ssig von solch konta-minierten Lebensmitteln bzw. unterschiedlichen Produkten verzehrt, die gleichermassen belastet sind, wird auch mehr abgelagert. Da mag der Grenzwert auf 100 g als eher sinnlos erscheinen.<\/p>\n\n\n\n<p>Na? H\u00e4tten Sie das erwartet, was da so alles in unseren Lebensmitteln schlummert? Und das ist noch lange nicht alles: Neben den bereits erw\u00e4hnten Verunreinigungen k\u00f6nnen auch weitere Mineral\u00f6l-raffinationsprodukte (\u201eMineral Oil Refined Products\u201c MORE) und Poly-alphaolefine (PAO) enthalten sein. Und dies sind nur die chemischen Kontaminationen. Von den biologischen ganz zu schweigen \u2013 aber das ist wieder ein ganz anderes Thema!<\/p>\n\n\n\n<p>Links:<\/p>\n\n\n\n<ul><li><a href=\"http:\/\/www.zh.ch\/\">www.zh.ch<\/a><\/li><\/ul>\n\n\n\n<ul><li><a href=\"http:\/\/www.bmel.de\/\">www.bmel.de<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.bfr.bund.de\/\">www.bfr.bund.de<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.bvl.bund.de\/DE\/Arbeitsbereiche\/01_Lebensmittel\/01_Aufgaben\/02_AmtlicheLebensmittelueberwachung\/lm_AmtLMUeberwachung_node.html\">www.bvl.bund.de<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.efsa.europa.eu\/de\">www.efsa.europa.eu\/de<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.lebensmittelverband.de\" data-type=\"URL\">www.lebensmittelverband.de\/de\/<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.laves.niedersachsen.de\/\">www.laves.niedersachsen.de<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.verpackung.org\/\">www.verpackung.org\/<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.agvu.de\/de\/\">www.agvu.de\/de\/<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.bdvi.org\/\">www.bdvi.org\/<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.bdsi.de\/\">www.bdsi.de\/<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.foodwatch.org\/de\/startseite\/\">www.foodwatch.org\/de\/startseite\/<\/a><\/li><\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u0086So sicher wie das Amen im Gebet erschallt jedes Jahr zweimal ein lauter Aufschrei in den Reihen der Verbraucher-\/Konsumentensch\u00fctzer: Zu Ostern und zu Weihnachten! 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