
{"id":9738,"date":"2023-08-26T06:23:53","date_gmt":"2023-08-26T04:23:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/?p=9738"},"modified":"2023-08-26T06:23:53","modified_gmt":"2023-08-26T04:23:53","slug":"wenn-der-badeurlaub-lebensgefaehrlich-wird","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/index.php\/2023\/08\/26\/wenn-der-badeurlaub-lebensgefaehrlich-wird\/","title":{"rendered":"Wenn der Badeurlaub lebensgef\u00e4hrlich wird"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Urlaubssaison ist schon nahezu vorbei \u2013 ich hoffe, auch Sie sind gut und wohlbehalten wieder zur\u00fcckgekehrt und wissen so einiges zu erz\u00e4hlen \u2013 nat\u00fcrlich Positives! Na ja \u2013 so selbstverst\u00e4ndlich ist das nicht mehr, schliesslich lauern die Gefahren \u00fcberall: Strassenverkehr, Wald-br\u00e4nde, Kriminelle oder gesundheitliche Probleme&#8230; Und das Tragische daran ist: All diese Probleme kennen keine Grenzen, sie kommen immer n\u00e4her &#8211; auch in unsere Regionen!<\/p>\n\n\n\n<p>So ist beispielsweise das Baden im Meer an der gesamten US-Ostk\u00fcste, in Japan oder Taiwan gerade f\u00fcr \u00e4ltere Menschen oder Personen mit geschw\u00e4chtem Immunsystem mit erh\u00f6hter Vorsicht zu geniessen. Im Jahr 2022 gab es in den USA 74 F\u00e4lle \u2013 17 davon verliefen t\u00f6dlich. Im vergangenen Jahr waren es immer noch 26 bei 5 Todesf\u00e4llen. Die dortigen Gesundheitsbeh\u00f6rden warnen auch lautstark davor \u2013 vor dem Vibrio vulnificus: \u201eDer fleischfressenden Mikrobe\u201c!<\/p>\n\n\n\n<p>V. vulnificus ist ein st\u00e4bchenf\u00f6rmiges, bewegliches Bakterium, das im Salz- und Brackwasser vorkommt. Es z\u00e4hlt zur Gattung der Vibrionen, zu welchem etwa auch der Cholera-Erreger geh\u00f6rt. Die meisten hiervon verursachen schwere St\u00f6rungen des Magen-Darm-Traktes, aber auch Wund- und Ohrinfektionen (ICD: A00B98). V. vulnificus \u00fcbertr\u00e4gt keine Cholera!<\/p>\n\n\n\n<p>Da die Salzkonzentration des Wassers nicht zu hoch sein darf (1-2 % bis max. 6%) siedelt es sich v.a. dort an, wo Fl\u00fcsse und Str\u00f6me in&#8217;s Meer einm\u00fcnden. Sind die Wassertemperaturen \u00fcber l\u00e4ngere Zeit kalt (im Winter etwa), so befindet sich das Bakterium im nicht nachweisbaren, nicht kultuvierbaren Zustand. Steigen jedoch die Wassertemperaturen auf 20 +-Grad, so wird der Erreger aktiv und vermehrt sich rasant.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Bazillum wird entweder beim Umgang und Verzehr von Meerestieren oder beim Schwimmen im Meerwasser durch den Mund oder Wunden aufgenommen. Gelangt er in den Verdauungstrakt, so kommt es zu Durchfall und m\u00f6glicherweise einer Blutvergiftung. Ansonsten verursacht das Bakterium eine schwere Wundinfektion, die bei geschw\u00e4chten und vorerkrankten Menschen (Herzleiden, Krebs, Diabetes, Leberzirrhose) t\u00f6dlich enden kann. <\/p>\n\n\n\n<p>Blieben das Mittelmeer sowie die Nord- und Ostsee bislang gr\u00f6sstenteils davon verschont, so werfen die steigenden Temperaturen des Wassers in der Ostsee, in Lagunen und auch dem Neusiedlersee im Burgenland oder Badeteichem bei vielen Bakteriologen inzwischen die Sorgenfalten auf. In besonders heissen Sommern wurden derartige schwere Wundinfektionen etwa in D\u00e4nemark, Schweden und auch in Deutschland gemeldet, die ein-deutig auf den Kontakt mit Meerwasser oder Meerestieren zur\u00fcck-zuf\u00fchren waren. Auch aus dem Burgenland und Nieder\u00f6sterreich wurden mehrere Wund- und Ohrinfektionen bekannt, davon verlief eine aufgrund einer Vorerkrankung t\u00f6dlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Tritt eine derartige Wundinfektion (etwa bei Neurodermitis) auf, so ist rasches Handeln unbedingt vonn\u00f6ten. Andernfalls kann es zu Ampu-tationen oder gar dem Tod kommen (Mortalit\u00e4tsrate liegt bei 7-25 %). Wesentlich h\u00f6her ist der t\u00f6dliche Ausgang bei einer Blutvergiftung (bis zu 60 %).<\/p>\n\n\n\n<p>Die Inkubationszeit bel\u00e4uft sich auf 12-96 Stunden. Nachweisbar ist eine Infektion entweder durch eine Stuhl- oder eine Wundsekret-Probe. Die Symptome einer Erkrankung sind folgende:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>.) Magen-Darm-Infektion<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Teils heftige, krampfartige Bauchschmerzen, Erbrechen, Durchfall<\/p>\n\n\n\n<p><strong>.) Wundinfektion<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Geschwollene und ger\u00f6tete, stark schmerzende Wunde, die auch in tiefere Hautschichten vordringt, Sch\u00fcttelfrost und Fieber<\/p>\n\n\n\n<p><strong>.) Ohrinfektion<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Teils starke Ohrenschmerzen, austretendes Sekret und ebenfalls Fieber<\/p>\n\n\n\n<p>Zur Behandlung werden Antibiotika, in schweren F\u00e4llen auch Infusionen mit Salzl\u00f6sungen verwendet \u2013 Wunden m\u00fcssen durch einen Experten versorgt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Pr\u00e4ventionsmassnahmen beschr\u00e4nken sich auf das Verbot der Ein-leitung von K\u00fchlwasser v.a. in die Ostsee, damit das Wasser nicht noch zus\u00e4tzlich aufgeheizt wird. Das Bakterium kommt ansonsten nat\u00fcrlich vor, weshalb weitere, \u00f6ffentliche Pr\u00e4ventionsmassnahmen nicht durchge-f\u00fchrt werden k\u00f6nnen bzw. unwirksam erscheinen. Meeresfr\u00fcchte und Fisch sollten jedoch stets ordentlich gekocht werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Ist die 20 Grad-Marke und damit die Aktivierungsgrenze \u00fcberschritten, so bleiben die Vibrionen auch bei wieder sinkenden Temperaturen \u00fcber einige Wochen hinweg aktiv. In dieser Zeit sollten Risiko-Patienten oder Menschen mit Wunden m\u00f6glichst nicht im Meerwasser baden gehen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Bleiben Sie gesund!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lesetipps:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>.) Vibrio vulnificus. Ugeskrift for Laeger; Hrsg.: H\u00f8i, L., Larsen, J.L., Dalsgaard, I., and Dalsgaard, A.; 1998<\/p>\n\n\n\n<p>.) Vibrio vulnificus \u2013 Erste Nachweise in<\/p>\n\n\n\n<p>Deutschland; Stephan, R. und Knabner,D.; Bundesgesundheitsblatt 1996<\/p>\n\n\n\n<p>.) Food Microbiology: Fundamentals and Frontiers; Hrsg.: MP Doyle et al.; ASM Press 2001<\/p>\n\n\n\n<p>.) A. Andrews\u2019 Diseases of the Skin: clinical Dermatology; Saunders Elsevier 2006<\/p>\n\n\n\n<p>.) Oceans and Health: Pathogens in the Marine Environment; Hrsg. SS Belken, RR Colwell; Springer Science 2005<\/p>\n\n\n\n<p>.) Vibrio spp. Infections; Hrsg.: Baker-Austin C, Oliver JD, Alam M, Ali A, Waldor MK, Qadri F, Martinez-Urtaza J.; Nat Rev Dis Primers 2018<\/p>\n\n\n\n<p>.) Fatal case of necrotising fasciitis due to <em>Vibrio vulnificus<\/em> in a patient with alcoholic liver disease and diabetes mellitus; Hrsg.: Bhat P, Bhaskar M, Sistla S, Kadhiravan T.; BMJ Case Rep. 2019<\/p>\n\n\n\n<p>.) Vibrio vulnificus: new insights into a deadly opportunistic pathogen; Baker-Austin C, Oliver JD.; Environ Microbiol. 2018<\/p>\n\n\n\n<p>.) Impact of Climate Change on <em>Vibrio vulnificus<\/em> Abundance and Exposure Risk; Deeb R, Tufford D, Scott GI, Moore JG, Dow K.; Estuaries Coast 2018<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Links:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li><strong><a href=\"http:\/\/www.rki.de\/DE\">www.rki.de\/DE<\/a><\/strong><\/li><li><strong><a href=\"http:\/\/www.bfr.bund.de\/de\">www.bfr.bund.de\/de<\/a><\/strong><\/li><li><strong><a href=\"http:\/\/www.awmf.org\/\">www.awmf.org<\/a><\/strong><\/li><li><strong>dgwmp.de<\/strong><\/li><li><strong><a href=\"http:\/\/www.cdc.gov\/\">www.cdc.gov<\/a><\/strong><\/li><\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Urlaubssaison ist schon nahezu vorbei \u2013 ich hoffe, auch Sie sind gut und wohlbehalten wieder zur\u00fcckgekehrt und wissen so einiges zu erz\u00e4hlen \u2013 nat\u00fcrlich Positives! 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