
{"id":9756,"date":"2023-09-02T09:58:37","date_gmt":"2023-09-02T07:58:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/?p=9756"},"modified":"2023-09-02T09:58:37","modified_gmt":"2023-09-02T07:58:37","slug":"simbabwe-einst-hoffnungsvoll-jetzt-bettelarm","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/index.php\/2023\/09\/02\/simbabwe-einst-hoffnungsvoll-jetzt-bettelarm\/","title":{"rendered":"Simbabwe \u2013 einst hoffnungsvoll, jetzt bettelarm"},"content":{"rendered":"\n<p><em>\u201e\u2026 Karikatur eines afrikanischen Diktators!\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\u0086(Der s\u00fcdafrikanische Erzbischof Desmond Tutu \u00fcber Robert Mugabe)<\/p>\n\n\n\n<p>In der Serie der Armenh\u00e4user auf unserem Planeten, m\u00f6chte ich heute ein weiteres Beispiel vorstellen. Ein Land, aus dem sehr viel h\u00e4tte gemacht werden k\u00f6nnen, schliesslich erlangte es erst im Jahr 1980 seine Unab-h\u00e4ngigkeit von Grossbritannien und verf\u00fcgt \u00fcber gro\u00dfe Goldvorkommen: Simbabwe.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 23. August fanden die letzten Wahlen statt. Schon im Vorfeld der Bekanntgabe des Ergebnisses am Abend des 26. August sprachen die 1.500 internationalen Wahlbeobachter von unz\u00e4hligen Ungereimtheiten (\u201eKlima der Angst\u201c), Widersacher Nelson Chamisa k\u00fcndigte an, das Ergeb-nis anzufechten (\u201eEin offensichtlicher und gigantischer Betrug!\u201c).<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201e&#8230;entsprachen die Wahlen nicht den regionalen und internationalen Standards, einschlie\u00dflich Gleichheit, Universalit\u00e4t und Transparenz!\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>(Der \u00f6sterreichische Leiter der Wahlmission des EU-Parlamentes Andreas Schieder)<\/p>\n\n\n\n<p>Der Leiter der Beobachter der Entwicklungsgemeinschaft des s\u00fcdlichen Afrika (SADC) soll gar pers\u00f6nlich angegriffen worden sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Bereits 2018 \u2013 bei den letzten Wahlen gingen tausende Menschen auf die Strassen und demonstrierten gegen das angeblich wiedergew\u00e4hlte \u201eKrokodil\u201c! Damals kamen Polizei und Milit\u00e4r zum Einsatz, konnten der Lage aber nicht mehr Herr werden &#8211; es fielen Sch\u00fcsse. Demonstrierende Regierungsgegner sackten getroffen in sich zusammen, viele anderen schrieen verletzt um Hilfe. Auch heuer gab es zahlreiche Demons-trationen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach offiziellem Ergebnis erhielt der bisherige Amtsinhaber Emmerson Mnangagwa (genannt \u201eDas Krokodil\u201c) heuer 53 % der Stimmen, Heraus-forderer Nelson Chamisa 44 %.<\/p>\n\n\n\n<p>Inzwischen haben sowohl das deutsche Ausw\u00e4rtige Amt als auch das \u00f6sterreichische Au\u00dfenministerium Sicherheitshinweise (Sicherheitsrisiko 2) ausgesprochen, wonach v.a. in der Hauptstadt Harare Menschenan-sammlungen gemieden und vor der Einreise unbedingt eine Reiseregis-trierung in der Krisenvorsorgeliste im Ausw\u00e4rtigen Amt bzw. dem Au\u00dfen-ministerium veranlasst werden soll. Das Land droht zu kippen und im B\u00fcrgerkrieg unterzugehen, sollte sich die Lage nicht beruhigen. Wie aber kam es nun dazu?<\/p>\n\n\n\n<p>Der heute 80-j\u00e4hrige Mnangagwa hatte im Jahr 2017 die Pr\u00e4sidentschaft von Diktator Robert Mugabe \u00fcbernommen. Bei den 2018 folgenden Wahlen ging \u201eDas Krokodil\u201c von der Partei Zanu PF als Sieger hervor \u2013 mit knappem Vorsprung auf den auch heuer wieder angetretenen Kontra-henten Nelson Chamisa von der Oppositionspartei CCC. Beide Male erhielt der Amtsinhaber \u00fcber 50 %, sodass es zu keinen Stichwahlen kommen musste. Ebenso heuer wie auch 2018 wird Chamisa wohl mit seinem gerichtlichen Einspruch gegen die Wahl keinen Erfolg haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Simbabwe ist etwa so gross wie Deutschland und Belgien zusammen, bewohnt wird es von 2021 gesch\u00e4tzten 15,1 Millionen Menschen. Es grenzt an S\u00fcdafrika, Botswana, Sambia und Mosambik. Der Name leitet sich vom Great Zimbabwe, einer vorkolonialen Ruinenst\u00e4tte aus Stein-h\u00e4usern ab, die etwa zur Zeit des europ\u00e4ischen Mittelalters erschaffen wurde. Am 02. M\u00e4rz 1970 rief das bisherige Gouvernement S\u00fcdrhodesien die Republik aus, geh\u00f6rte aber bis zum 18. April 1980 weiterhin als Kronkolonie zum Vereinigten K\u00f6nigreich. Harare ist mit 1,49 Mio Ein-wohnern die mit Abstand gr\u00f6sste Stadt des Landes. Das Klima ist sub-tropisch\/tropisch &#8211; die Regenzeit dauert von November bis M\u00e4rz. Mit rund 1.000 mm\/qm fallen in diesen Monaten rund 90 % der Jahres-regenmenge.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Bev\u00f6lkerung setzt sich vornehmlich aus den Shona (70 %), den Ndebele (13 %) und den Chewa (6 %) zusammen. W\u00e4hrend der Kolonial-zeit kamen sehr viele wei\u00dfe Farmer und H\u00e4ndler in&#8217;s Land (rund 5 % der Bev\u00f6lkerung). Diese bewirtschafteten die fruchtbarsten Regionen des Landes, der einheimischen Bev\u00f6lkerung blieb nur der zumeist d\u00fcrre Rest. Mit der Unabh\u00e4ngigkeit allerdings begann die Abwanderung dieser Bev\u00f6l-kerungsschicht, die sowohl das wirtschaftliche, als auch soziale und politische Leben im Land ganz massgeblich gepr\u00e4gt hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kolonialherren bereiteten das Land eigentlich recht gut auf seine Unabh\u00e4ngigkeit vor. So trat am 21. Dezember 1979 das \u201eLancaster House Agreement\u201c als \u00dcbergangsmassnahme in Kraft. Die parlamentarische Republik wurde alsdann gef\u00fchrt vom Pr\u00e4sidenten Canaan Banana, die Regierung von Robert Mugabe, einem Lehrer und sp\u00e4teren Widerstands-k\u00e4mpfer gegen die Kolonialherrschaft, der in der Bev\u00f6lkerung einen ausgezeichneten Ruf genoss. Er war es auch, der federf\u00fchrend an den Verhandlungen zur Unabh\u00e4ngigkeit des Landes in London beigetragen hatte. Das House of Assembly stellte die Abgeordnetenkammer dar, die alsdann die Mitglieder des Senates w\u00e4hlten, dem zudem die Stammes-h\u00e4uptlinge angeh\u00f6rten. Simbabwe galt lange Zeit als Vorzeigebeispiel f\u00fcr eine gut gelungene, junge afrikanische Republik. Allerdings d\u00fcrfte einer der Fehler der Kolonialherren ausschlaggebend f\u00fcr die Zukunft des Landes gewesen sein: Die einheimische Bev\u00f6lkerung durfte sich erst ab 1978 aktiv politisch beteiligen. zuvor war sie quasi stimmlos. Das nutzte der christlich-maoistische Regierungschef Mugabe skrupellos aus. Sehr rasch kehrte er dem sozialistisch gepr\u00e4gten Stil den R\u00fccken, er regierte zunehmend autokratischer und wandelte das Land in einen Einparteien-staat und schliesslich eine Pr\u00e4sidialrepublik um. Nachdem Staatspr\u00e4sident Canaan Banana wegen angeblicher Homosexualit\u00e4t verurteilt wurde und nach S\u00fcdafrika fl\u00fcchten musste, schaffte Mugabe den Posten des Premierministers ab &#8211; er war nun zugleich Staatsoberhaupt und Regierungschef.<\/p>\n\n\n\n<p>Hinzu kam in den 80ern eine AIDS-Epidemie mit der weltweit h\u00f6chsten HIV-Ansteckungsquote. Seit Mitte der 90er-Jahre allerdings sinkt gottlob die Zahl wieder. Nicht zuletzt aufgrund eines im vergangenen Jahr aufgehobenen Gesetzes (Abschnitt 79 des simbabwischen Strafgesetz-buchs), wonach die wissentliche, aber auch unwissentliche \u00dcbertragung des Viruses strafbar war.<\/p>\n\n\n\n<p>Ausserdem wanderten mehr als 3 Millionen Menschen illegal nach S\u00fcd-afrika aus, wo sie v.a. als Arbeitskr\u00e4fte einst gern gesehen, zuletzt jedoch nicht mehr willkommen waren. Das Land bewegte sich immer mehr zum Abgrund hin. Die Arbeitslosigkeit avanzierte zunehmend zum Problem, es tobte der Hunger, Energie wurde knapp. Mugabe regierte bis 2017 diktatorisch mit Hilfe des Milit\u00e4rs, der Polizei und seines Geheimdienstes. In den Jahren 2006 und 2009 belegte das Land in der Zufriedenheitsliste, dem \u201eHappy Planet Index\u201c der New Economics Foundation, von 188 Staaten der Erde jeweils nur den letzten, anno 2016 den 155. Platz.<\/p>\n\n\n\n<p>Mugabe erstellte zu Beginn einige recht sinnvolle Regierungsprogramme: So f\u00f6rderte er die Kleinbauern, baute ein Gesundheitssystem auf und st\u00e4rkte die Bildung. Die Kindersterblichkeit aufgrund von Unterern\u00e4hrung ging zur\u00fcck, die allgemeine Lebenserwartung stieg. Mit dem 1991 eingef\u00fchrten \u201eStrukturanpassungsprogramm\u201c allerdings wurde der Karren immer mehr in den Schlamm gefahren. Mugabe erwartete sich dadurch mehr ausl\u00e4ndische Investoren. Die kamen auch &#8211; allerdings hatte die Bev\u00f6lkerung nichts davon &#8211; sie konnte sich dem neuen Markt nicht anpassen. Die \u00f6ffentlichen Zuwendungen aus den Regierungs-programmen gingen zudem zur\u00fcck. Die Folge: Die Wirtschaft stagnierte &#8211; die Arbeitslosigkeit nahm erneut zu. Im Jahr 2000 lehnte das Volk eine von Mugabe geforderte Verfassungsreform ab. Er und seine Partei-schergen von der ZANU-PF sahen ihre Felle davonschwimmen &#8211; Milit\u00e4r und Polizei wurden zusehends mehr gegen die eigene Bev\u00f6lkerung ein-gesetzt, vor allem jedoch gegen die Opposition, Organisationen und Gruppierungen, die der Regierungspartei gef\u00e4hrlich werden konnten. Im Jahr 2000 enteignete die Regierung durch die Landreform die wei\u00dfen Farmer grossteils gewaltsam. Deren L\u00e4ndereien sollten offiziell an Klein-bauern gehen &#8211; inoffiziell wurden die rund 11 Millionen Hektar unter Parteimitgliedern und Freunden Mugabes aufgeteilt, die in den meisten F\u00e4llen gar keine Ahnung von Landwirtschaft hatten. Da die meisten Farmer zuvor ihre H\u00f6fe, die Ger\u00e4tschaften, Bew\u00e4sserungsanlagen und die Ernte vernichtet hatten, war das Land pl\u00f6tzlich auf Lebensmittelimporte angewiesen. Ein Land, das zuvor als die \u201eKornkammer Afrikas\u201c bezeichnet wurde. Die EU belegte aufgrund dessen den Staatspr\u00e4sidenten mit einem Einreiseverbot &#8211; er durfte nurmehr an Veranstaltungen der Vereinten Nationen und des Vatikans teilnehmen. Im Jahre 2002 wurde die Mitgliedschaft des Landes im Commonwealth suspendiert &#8211; im Jahr danach folgte der Ausschluss. Mugabe bezeichnete unterdessen die Mit-glieder der britischen Labour-Party als \u201eGay Gangsters\u201c! Viele der enteig-neten Farmer \u00fcbrigens fl\u00fcchteten in das ehemalige Nord-Rhodesien (Sambia) und bauten dort erneut erfolgreiche Farmen auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Mai\/Juni 2005 ging die Regierung im Rahmen der \u201eOperation Murambatsvina\u201c (\u201eM\u00fcllbeseitigung\u201c) gegen den Schwarzmarkt vor. Die Massnahmen betrafen nicht weniger als 750.000 Menschen &#8211; ihre Behausungen wurden komplett zerst\u00f6rt. Beobachter sprechen allerdings in diesem Zusammenhang von einem gezielten Vorgehen gegen Oppo-sitionelle.<\/p>\n\n\n\n<p>Politisch regierte Mugabe inzwischen ganz offiziell als Diktator &#8211; Kritiker liess er ermorden. Von einem Rechtsstaat konnte keine Rede mehr sein. Zwar gab es auch weiterhin Wahlen, allerdings monierten die wenigen zugelassenen Wahlbeobachter grossfl\u00e4chige Beeinflussung und Manipu-lation. Mugabe stellte sich auch im Jahre 2008 inzwischen als 84-j\u00e4hriger erneut dem Wahlvolk. Allerdings hatte er erheblichen Gegenwind. So kandidierten sein ehemaliger Finanzminister Simba Makoni mit der Unterst\u00fctzung einiger anderer wichtiger Mitglieder der ZANU-PF, aber auch Morgan Tsvangirai von der Oppositionspartei MDC gegen ihn. Erste Hochrechnungen vom 2. April sprachen vom Sieg und der absoluten Mehrheit des Oppositionskandidaten Tsvangirai &#8211; offiziell schliesslich waren es 47,9 %, Mugabe kam auf 43,2 %. Eine Stichwahl war notwendig. Tsvangirai aber zog seine Kandidatur nach offenbar massiver Gewalt gegen MDC-Parteimitglieder zur\u00fcck. Er selbst fl\u00fcchtete aus Angst vor Repressalien der Regierungstruppen in die niederl\u00e4ndische Botschaft. Nach der Vermittlung des s\u00fcdafrikanischen Staatspr\u00e4sidenten Thabo Mbeki wurde zwischen den beiden verfeindeten Fronten eine Macht-teilung vereinbart.<\/p>\n\n\n\n<p>2008 suchte die Cholera Simbabwe heim &#8211; sie forderte mehrere tausend Todesopfer. Der Ausnahmezustand wurde ausgerufen. Das nutzten offenbar die Sicherheitskr\u00e4fte, Kriegsveteranen und Angeh\u00f6rige der Afrikanischen Nationalunion aus &#8211; sie w\u00fcteten blutigst in der Bev\u00f6l-kerung. Inzwischen bot Mugabe seine Kooperaton an, sofern die inter-nationalen Sanktionen gegen das Land aufgehoben w\u00fcrden. Am 11. Februar 2009 wurde Tsvangirai als Ministerpr\u00e4sident vereidigt. Wenn auch die Wirtschaft nicht sofort darauf reagierte, so nahm doch zumindest die Gewalt im Lande ab. Im M\u00e4rz 2013 stimmte das Wahlvolk f\u00fcr einen gemeinsam ausgearbeiteten Verfassungsentwurf. Bei der darauffolgenden Wahl am 31. Juli 2013 &#8211; erneut \u00fcberschattet von vielen Vorw\u00fcrfen \u00fcber Unregelm\u00e4ssigkeiten &#8211; rief sich Mugabe mit angeblich 61 % der Stimmen als Sieger aus. Und weiter ging&#8217;s mit der Korruption. Das konnte am ehesten an der Goldf\u00f6rderung bemerkt werden. Wurden im Jahr 2004 noch offiziell 17 Tonnen gef\u00f6rdert, so waren es 2013 nurmehr offizielle 900 kg. Auch im Diamantenhandel verdienten Mugabe, seine Familie und Regierungsfreunde Millionen.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend sein Volk hungerte, feierte der Diktator rauschende Feste. So soll zum 86. Geburtstag des Diktators Champagner geflossen und Kaviar in rauhen Mengen aufgetischt worden sein. Kosten: Rund 500.000 Dollar! Seinen 93. Geburtstag feierte Mugabe ebenfalls in ganz kleinem Rahmen. Kosten: Rund 1,9 Mio Euro!!!<\/p>\n\n\n\n<p>Dem Diktator wurden alle jemals verliehenen Ehrentitel aberkannt, am 25. Juni 2008 entzog ihm K\u00f6nigin Elisabeth II. auch die Ritterw\u00fcrde &#8211; 1994 hatte sie ihn zum \u201eKnight Grand Cross des Order of the Bath\u201c geschlagen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eDer einzige wei\u00dfe Mann, dem man trauen kann, ist ein toter wei\u00dfer Mann!\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>(Robert Mugabe)<\/p>\n\n\n\n<p>Am 15 November 2017 schliesslich putschte das Milit\u00e4r unblutig &#8211; Mugabe trat sechs Tage sp\u00e4ter zur\u00fcck um dadurch einem Amtsent-hebungsverfahren vorauszueilen, das bereits in beiden Kammern des Parlaments gestartet worden war. Als neuer Pr\u00e4sident wurde Mugabes ehemaliger pers\u00f6nlicher und Parteifreund, der 74-j\u00e4hrige Emmerson Mnangagwa eingesetzt. Mit ihm teilte sich der Diktator w\u00e4hrend seiner Haft in den 60ern\/70ern eine Zelle. Seit 1980 war Mnangagwa bis 2013 Minister in den unterschiedlichsten Ressorts, von 2014 bis zum Sturz Mugabes Vizepr\u00e4sident. Er genoss also durchaus das Wohlwollen des Diktators und hat sicherlich vieles zu dessen Selbstverwirklichung beige-tragen. Etwa als Staatssicherheitsminister und somit Geheimdienstchef in den 80er-Jahren. Die Spitznamen, \u201eGarwe\u201c bzw. \u201eNgwena\u201c (beides bedeutet \u201eKrokodil\u201c), die er sich im Guerillakrieg in Rhodesien wegen seiner Skrupellosigkeit erworben hatte, tr\u00e4gt er sicherlich zu recht. Im Jahre 1998 war er u.a. an der \u201eOperation Sovereign Legitimacy\u201c (Osleg) beteiligt. Dabei r\u00e4umten seine Schergen w\u00e4hrend des 2. Kongokrieges, in dem Simbabwe offiziell die Regierung der Demokratischen Republik Kongo unterst\u00fctzte, Diamantenminen in der Provinz Kasa im Kongo leer. Schon 2002 empfahl eine Untersuchungskommission der Vereinten Nationen Sanktionen gegen Mnangagwa. Am 6. November, also neun Tage vor dem Milit\u00e4rputsch, wurde er durch Mugabe entlassen und musste gar wegen Landesverrates das Land verlassen, da er sich mit der Frau Mugabes \u00fcberworfen hatte. Nachdem er aus dem Exil viele Arbeitspl\u00e4tze und eine \u201eneue Demokratie\u201c versprochen hatte, holte ihn das Milit\u00e4r zur\u00fcck und machte ihn am 22. November zum neuen Macht-haber. In all den Jahren soll er sich ein recht erquickliches Verm\u00f6gen angeh\u00e4uft haben &#8211; dem armen Volk versprach er hingegen den Kampf gegen die Korruption.<\/p>\n\n\n\n<p>Vieles hat sich seit dem Sturz des Diktators nicht gebessert. Beobachter sprechen nach wie vor von einem nur \u201eteilweise freien politischen System\u201c. Schon im Jahr 2000 hatte der heutige Machthaber in seinem Wahlkreis Kwekwe Central gegen den Oppositionsf\u00fchrer verloren, Mugabe erkl\u00e4rte ihn aber trotzdem zum Abgeordneten. Auch bei den Wahlen 2018 wurden seinem Mitbewerber, dem Pastor, Rechtsanwalt und Oppositionsf\u00fchrer Nelson Chamisa, durchaus gute Chancen voraus-gesagt. Dennoch sprach die Wahlkommission ZEC von einem Wahlerfolg des bisherigen Pr\u00e4sidenten mit 50,8 % der abgegebenen Stimmen, sein Kontrahent erhielt 44,3 %. Dasselbe Bild damals auch im Abgeordneten-haus: 140 von 210 Sitzen gingen an die Regierungspartei &#8211; dubioserweise genau eine Zweidrittelmehrheit. Erstmals waren wieder neutrale Wahlbeobachter zugelassen. Die Vertreter der EU betonten, es g\u00e4be \u201epositive Merkmale\u201c aber auch \u201eernsthafte Bedenken\u201c, jene der Afrikanischen Union und des s\u00fcdafrikanischen Staatenbundes SADC bezeichneten die Wahlen als \u201efriedlich\u201c und \u201eordentlich\u201c. Die oppo-sitionelle MDC sprach wie auch heuer von massivem Wahlbetrug. Dies veranlasste tausende Menschen zu Protestkundgebungen. Armee und Polizei gingen mit aller H\u00e4rte vor &#8211; man dulde keine weiteren Proteste, hiess es vonseiten der Regierung. Nach offizieller Meldung gab es sechs Tote. Der Leiter der EU-Wahlbeobachter, Elmar Brok, meinte, dass absichtlich eskalierend eingegriffen wurde um den Widerstand zu unter-dr\u00fccken. Die Parteizentrale der Opposition wurde durch die Polizei gest\u00fcrmt.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun \u2013 f\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter &#8211; scheint das Land erneut dort angelangt zu sein, wo es einst war. Der Westen lehnt aufgrund der instabilen Lage wirt-schaftliche Beziehungen ab &#8211; nur S\u00fcdafrika ist als Nachbarland und aufgrund der vielen Millionen an Fl\u00fcchtlingen an einer friedlichen L\u00f6sung interessiert.<\/p>\n\n\n\n<p>1997 z\u00e4hlte Simbabwe zu den wirtschaftlich st\u00e4rksten Staaten des Konti-nents &#8211; seit 2015 weist es eine schw\u00e4chere Wirtschaftsleistung als viele seiner Nachbarl\u00e4nder auf (1.203,23 \u20ac pro Kopf \u2013 Platz 107 von 132 Teilnahmestaaten). Einige Wirtschaftsbereiche liegen komplett brach. Noch 2015 waren 44,7 % der Bev\u00f6lkerung unterern\u00e4hrt, 2022 sprach die Welthungerhilfe von 2,9 Mio Kinder unter 5 Jahren als \u201eausgezehrt\u201c. Auf-grund einer Hyperinflation anno 2008 (90 Trilliarden Prozent) wurde ein Multiw\u00e4hrungssystem (US-Dollar, s\u00fcdafrikanischer Rand, britisches Pfund und chinesischer Yuan) eingef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach wie vor geh\u00f6rt die Korruption zur Tagesordnung. Selbstverst\u00e4ndlich geht es auch weiter mit dem Kampf der St\u00e4mme. Im Jahr 1837 wurden viele bislang von den Shona regierte Staaten von den Ndebele unter-worfen, die von S\u00fcdafrika aus kommend nach Norden wanderten. Heute stellen die Shona den Grossteil der Bev\u00f6lkerung. Sowohl Mugabe als auch sein Nachfolger geh\u00f6ren diesem Volksstamm an. Unter Mnangagwa wurde in den 80ern die Gukurahundi-Operation durchgef\u00fchrt, in deren Rahmen rund 20.000 Oppositionelle zu Tode kamen &#8211; ein Grossteil davon waren Ndebele. Die Religion \u00fcbrigens spielt keine grosse politische Rolle, sind doch rund 95 % Christen und weniger als ein Prozent Muslime.<\/p>\n\n\n\n<p>Der diesj\u00e4hrige Gegenkandiat Nelson Chamisa engagierte sich schon w\u00e4hrend seiner Studentenzeit politisch. Im Jahr 2007 wurde er auf dem Weg zu einer Konferenz in Europa von zwei Staatssicherheitsagenten brutalst am Flughafen zusammengeschlagen. Er erlitt dabei einen Sch\u00e4delbruch. Zwei Jahre sp\u00e4ter holte ihn Morgan Tsvangirai in die bis 2013 partei\u00fcbergreifende Regierung mit Mugabe. Der Reformer ist v.a. in der jungen und arbeitslosen Bev\u00f6lkerung sehr beliebt.<\/p>\n\n\n\n<p>Nur rund  der 15 Millionen Einwohnern des Landes haben einen Job \u2013 der Rest lebt in extremster Armut. Die Inflation schwankte zuletzt zwischen 70 und 175 %. Bleibt zu hoffen, dass das Land endlich zur Ruhe kommt, sodass gemneinsam an einer besseren Zukunft gearbeitet werden kann!!!<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lesetipps:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>.) Mugabe: Ein afrikanischer Tyrann; Christoph Marx; Beck 2017<\/p>\n\n\n\n<p>.) A Predictable Tragedy. Robert Mugabe and the Collapse of Zimbabwe, Daniel Compagnon; University of Pennsylvania Press 2010<\/p>\n\n\n\n<p>.) Robert Mugabe: A Life of Power and Violence; Stephen Chan; London 2003<\/p>\n\n\n\n<p>.) Zimbabwe at the Crossroads; Jacob Wilson Chikuhwa; AuthorHouse 2006<\/p>\n\n\n\n<p>.) Zimbabwe. The Political Economy of Decline; Suzanne Dansereau\/Mario Zamponi\/Henning Melber; Nordiska Afrikainstitutet 2005<\/p>\n\n\n\n<p>.) A Crisis of Governance. Zimbabwe; Jacob Chikuhwa; Algora Publishing 2004<\/p>\n\n\n\n<p>.) Zimbabwe. The Past is the Future. Rethinking Land, State and Nation in the Context of Crisis; David Harold-Barry; Weaver Press 2004<\/p>\n\n\n\n<p>.) Mugabe. Power, plunder, and the struggle for Zimbabwe; Martin Meredith; Public Affairs 2007<\/p>\n\n\n\n<p>.) Zimbabwe. The Rise to Nationhood; Jacob W. Chikuhwa; AuthorHouse 2006<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Links:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; www.parlzim.gov.zw<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; www.zim.gov.zw<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; www.zimfa.gov.zw<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; www.zanupf.org.zw<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; www.mdc.co.zw<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; www.wfp.org<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; www.unicef.org<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; hdr.undp.org<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; www.auswaertiges-amt.de<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; www.bmeia.gv.at<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; www.helpline-eda.ch<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; www.misa.org<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; www.eisa.org.za<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; www.newzimbabwe.com<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; www.chronicle.co.zw<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; zimnews.net<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; theafricareport.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201e\u2026 Karikatur eines afrikanischen Diktators!\u201c \u0086(Der s\u00fcdafrikanische Erzbischof Desmond Tutu \u00fcber Robert Mugabe) In der Serie der Armenh\u00e4user auf unserem Planeten, m\u00f6chte ich heute ein weiteres Beispiel vorstellen. Ein Land, aus dem sehr viel h\u00e4tte gemacht werden k\u00f6nnen, schliesslich erlangte es erst im Jahr 1980 seine Unab-h\u00e4ngigkeit von Grossbritannien und verf\u00fcgt \u00fcber gro\u00dfe Goldvorkommen: Simbabwe. [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9756"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9756"}],"version-history":[{"count":53,"href":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9756\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9809,"href":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9756\/revisions\/9809"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9756"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9756"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9756"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}