
{"id":9823,"date":"2023-09-16T09:31:42","date_gmt":"2023-09-16T07:31:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/?p=9823"},"modified":"2023-09-16T09:31:42","modified_gmt":"2023-09-16T07:31:42","slug":"erdbeben-gewalt-von-mutter-erde","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.stock-macht-den-blog.de\/blog\/index.php\/2023\/09\/16\/erdbeben-gewalt-von-mutter-erde\/","title":{"rendered":"<strong>Erdbeben \u2013 Gewalt von Mutter Erde<\/strong>"},"content":{"rendered":"\n<p><em>\u201eDie einzige M\u00f6glichkeit, Menschen vor Erdbeben zu sch\u00fctzen, ist durch erdbebensicheres Bauen!\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>(Fabrice Cotton, Professor f\u00fcr Seismologie, Geoforschungszentrum Potsdam)<\/p>\n\n\n\n<p>Es war ein verheerendes Erdbeben, das k\u00fcrzlich Marokko heimsuchte: \u00866,8 auf der Richterskala, 2.901 Tote, 5.530 Verletzte! Doch musste in dieser Region mit einem solchen Ereignis gerechnet werden \u2013 das Atlasgebirge z\u00e4hlt zu den Erdbebenregionen dieser Erde!<\/p>\n\n\n\n<p>Ich erlebte bislang zwei Beben: Als Kind in Vorarlberg und in meiner Zeit im Tiroler Stubaital. Beide Male ist uns gottlob nichts geschehen \u2013 bei letzterem erlitt jedoch ein Gast eines benachbarten Hotels einen Herz-infarkt! Ein mehr als mulmiges Gef\u00fchl, wie machtlos man dieser Natur-gewalt ausgeliefert ist. Dennoch sind Erdbeben auch in Mitteleuropa gar nicht mal so selten: Alleine am gestrigen Tag z\u00e4hlte die Zentralanstalt f\u00fcr Meteorologie und Geodynamik vier Beben, das st\u00e4rkste davon im italienischen Ponte di Legno mit einer Magnitude von 2,3 auf der nach oben hin offenen Richterskala. Zumeist jedoch sind sie so klein, dass sie nahezu nicht bemerkt werden: Jenes in Ehrwald\/Ausserfern beispiels-weise hatte eine Magnitude von 0,3.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie aber entsteht ein solches Erdbeben? Die drei bekanntesten Ursachen habe ich an dieser Stelle in unterschiedlichsten Texten bereits geschildert \u2013 Tiefenbohrungen f\u00fcr die Geothermie und Vulkanausbr\u00fcche m\u00f6chte ich deshalb heute aussen vor lassen. In diesem Blog geht es ausschliesslich um die Plattentektonik.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor 230 Millionen Jahren gab es nur einen Urkontinent, die \u201ePang\u00e4a\u201c! In den folgenden 50 Millionen Jahren teilte sich dieser Riesenkontinent in zwei kleinere: \u201eLaurasia\u201c auf der Nordhalbkugel und \u201eGondwana\u201c auf der S\u00fcdhalbkugel. Zu \u201eGondwana\u201c z\u00e4hlen heute etwa S\u00fcdamerika, Afrika, die Antarktis, Indien, Australien, Neuguinea, Madagaskar und Arabien. Beide Grosskontinente \u201eschwimmen\u201c sozusagen auf dem extrem heissen Magma-Kern des Planeten und driften auch heute noch entlang des Mittelatlantischen R\u00fcckens auseinander \u0086(\u201eKontinentaldrift\u201c nach Alfred Wegener 1915). Dabei werden rund 40 mm\/Jahr zur\u00fcckgelegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Grosskontinente teilten und teilen sich nach wie vor in weitere Bruchst\u00fccke. So sind heute sieben grosse und mehrere kleinere Platten bekannt \u2013 die gr\u00f6ssten davon sind die Pazifische, die Antarktische, die Nord- und S\u00fcdamerikanische Platte, die Afrikanische, die Eurasische und die Australische Platte. Die schweren Platten liegen unter Wasser (Ozeanische), die leichteren \u00fcber Wasser (Kontinentalplatten).<\/p>\n\n\n\n<p>Entlang der Plattengrenzen kommt es immer wieder zu Erdbeben, da sich die Platten \u00fcber- oder untereinander schieben bzw. beim Aneinander-reiben verhaken. Die Gesteinsmassen der oberen, festen Erdkruste sind damit immenser Spannung ausgesetzt. Werden diese Spannungen zu gross, so l\u00f6sen sie sich ruckartig \u2013 ein Erdbeben (\u201eEpizentrum\u201c)! Entlang dieser Plattengrenzen entsteht ein Becken, in dem sich die Sedimente Schicht auf Schicht \u00fcbereinander ansammeln. Auf der anderen Seite jedoch driften die Platten aufeinander zu \u2013 es bildet sich ein Gebirge.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Plattentektonik und Kontinentaldrift - Die Kontinente haben sich immer wieder verschoben\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/q3tVfYk0lJg?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p>Eine der gr\u00f6ssten Erdbebenzonen ist die San-Andreas-Verwerfung in Kalifornien, bei der sich die Pazifische und die Nordamerikanische Platte aufeinanderschieben. Das verursacht im gesamten pazifischen Raum Erdbeben und Vulkanausbr\u00fcche. Dies ist bekannt als der \u201ePazifische Feuerring\u201c!<\/p>\n\n\n\n<p>Das Atlasgebirge ist eine weitere dieser Zonen. Hier schieben sich auf einer Strecke von 2.300 km (Marokko, Algerien und Tunesien) die Afri-kanische und die Eurasische Platte aufeinander \u2013 es entstand im Laufe von Jahrmillionen das Faltgebirge \u201eAtlas\u201c. An Bruchstellen der Platten tritt Magma aus \u2013 ein Vulkan wie beispielsweise der Kilimandscharo entsteht.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahr 2012 ver\u00f6ffentlichten Experten rund um Gottfried Gr\u00fcnthal vom Geoforschungszentrum Potsdam (GFZ) anhand unz\u00e4hliger Daten einen Atlas f\u00fcr Erdbebenzonen in Europa. Demnach muss jederzeit im \u00f6stlichen Mittelmeer (T\u00fcrkei, Griechenland, den Balkanstaaten und auch Italien) mit schweren Ersch\u00fctterungen gerechnet werden, da sich hier die Afri-kanische unter die Eurasische Platte schiebt. An dieser Schnittstelle ist die Eurasische Platte in tausende Bruchst\u00fccke zersprungen. Der italienische Stiefel etwa wird wie ein Nagel nach Mitteleuropa hineingetrieben. Die Folge: Die Alpen bildeten sich heraus. Doch kann das Gebirge die enorme Wucht nicht komplett schlucken. Entlang des Oberrheingrabens bricht Europa langsam auf. Auch an der tschechischen Grenze kommt es immer wieder zu Ersch\u00fctterungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Seismologen bezeichnen Erdbeben mit einer St\u00e4rke von 5,0 als \u201eschwere\u201c Beben, da ab hier sichtbare Sch\u00e4den an Geb\u00e4uden auftreten k\u00f6nnen. Die Richterskala wurde in den 1930er-Jahren von dem US-amerikanischen Seismologen Charles Francis Richter entwickelt. Dabei verst\u00e4rken sich die Werte um den Faktor 10. Soll heissen, dass ein Beben mit der Magnitude von 7 zehnmal so schwer ist als eines mit 6! Diese \u201eRichterskala\u201c w\u00e4re eigentlich begrenzt mit dem Wert 9 \u2013 wird heute jedoch als \u201enach oben offen\u201c gef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Unter Wasser l\u00f6sen Beben zumeist Tsunamis aus, mehrere Meter hohe Wellen, die \u2013 wenn sie auf Land treffen \u2013 grosse \u00dcberflutungen anrichten, wie etwa jener am 26. Dezember 2004 in West-Indonesien und Thailand, der rund 230.000 Menschenleben forderte. Dem voraus ging ein \u201eMegathrust\u201c, ein Erdbeben mit einer Magnitude von 9,1 nach Richter mit dem unterseeischen Epizentrum rund 85 km von der Nordwestk\u00fcste von Sumatra entfernt.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach einem st\u00e4rkeren Erdbeben treten zumeist kleinere Nachbeben auf, da sich die Platten noch weiterbewegen und erst langsam wieder zum Stillstand kommen. Derartige Nachbeben sind nicht zu untersch\u00e4tzen, da durch das Hauptbeben bereits besch\u00e4digte Geb\u00e4ude komplett zerst\u00f6rt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Erdbeben k\u00f6nnen nie unter Kontrolle gebracht werden. Also muss mit anderen Mitteln gegen hohe Opferzahlen gek\u00e4mpft werden: Mit erdbebensicherer Bauweise, wie sie in Japan bei mehrst\u00f6ckigen Geb\u00e4uden ein Muss darstellt. Doch \u2013 wie die T\u00fcrkei (etwa in der ostanatolischen Verwerfung) oder zuletzt auch Marokko erwiesen haben, ist dies durch Pfusch oder zu wenig Geld nicht machbar. Wenn nun \u2013 wie etwa am Rheingraben \u2013 zus\u00e4tzliche geothermische Tiefenbohrung durchgef\u00fchrt oder gar Kernkraftwerke bzw. Endlagerst\u00e4tten f\u00fcr Atomm\u00fcll errichtet werden, so kann dies eine Katastrophe ungeahnten Ausma\u00dfes nach sich ziehen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lesetipps:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>.) Naturkatastrophen, Tsunamis, Hurrikane, Erdbeben, Vulkanausbr\u00fcche; Claire Watts; Gerstenberg Verlag 2008<\/p>\n\n\n\n<p>.) Erdbeben \u2013 Gefahr aus der Tiefe; Gerd H\u00f6hler; Hoffmann &amp; Campe 1984<\/p>\n\n\n\n<p>.) Plattentektonik \u2013 Vulkane, Erdbeben &amp; Co.; Friedhelm Heitmann; Kohl-Verlag 2015<\/p>\n\n\n\n<p>.) Bauwerke und Erdbeben; Hrsg.: Konstanin Meskouris\/Klaus-G. Hinzen\/Christoph Butenwang\/Michael Mistler; Vieweg und Teubner 2011<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>\u0086<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Links:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>\u0086\u0086<a href=\"http:\/\/www.gfz-potsdam.de\/\">www.gfz-potsdam.de<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"http:\/\/www.zamg.ac.at\/cms\/de\/geophysik\/erdbeben\">www.zamg.ac.at\/cms\/de\/geophysik\/erdbeben<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"http:\/\/www.seismo.ethz.ch\/de\/home\/\">www.seismo.ethz.ch\/de\/home\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.geo.uni-hamburg.de\/\">www.geo.uni-hamburg.de<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"http:\/\/www.seismo.uni-koeln.de\/\">www.seismo.uni-koeln.de\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>\u0086\u0086<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDie einzige M\u00f6glichkeit, Menschen vor Erdbeben zu sch\u00fctzen, ist durch erdbebensicheres Bauen!\u201c (Fabrice Cotton, Professor f\u00fcr Seismologie, Geoforschungszentrum Potsdam) Es war ein verheerendes Erdbeben, das k\u00fcrzlich Marokko heimsuchte: \u00866,8 auf der Richterskala, 2.901 Tote, 5.530 Verletzte! 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