Das Massaker von Babyn Jar

Vorwort:

Dieses Vorwort wird wohl länger werden als der darauf folgende Blog! Und das hat seine Hintergründe!

Meine Eltern zählten zur Weltkriegsgeneration. Mein Vater etwa wurde direkt vom Sommercamp der Hitlerjugend in Frankreich an die Ostfront versetzt. Meine Mutter war als kleines Kind Zeugin der Bombardierung des Frankfurter Hauptbahnhofes. Europa lag 1945 in Schutt und Asche. Den Trümmerfrauen, danach der Nachkriegsgeneration und schliesslich den Baby-Boomern ist es zu verdanken, dass alles wieder aufgebaut werden konnte. Hitler hatte mit seinen Nationalsozialisten durch den Überfall auf Polen den verheerenden Zweiten Weltkrieg begonnen. Das ist nähere Zeitgeschichte, die eigentlich auch in der Schule durchgesprochen wird. Dennoch ist es in den Köpfen sehr vieler wieder in Vergessenheit geraten. Linkspopulisten, vor allem aber die Rechtspopulisten erhalten immer mehr Zulauf, obgleich Sie um ihre Gesinnung kein Geheimnis machen und auch vieles von den Nazis übernommen haben (nicht nur im Sprachgebrauch)! In Italien regieren die Postfaschisten, in Österreich erhielt die FPÖ bei den letzten Nationalratswahlen einen Grossteil der Stimmen und schenkt man den Umfragen in Deutschland Glauben, so könnte die AfD schon 2026 ihre ersten beiden Ministerpräsidenten stellen.

Mit diesen heutigen Zeilen möchte ich auf eine Greueltat der Nazis in der Ukraine hinweisen. Sie ging als das „Massaker von Babyn Jar“ in die Geschichte ein. Übrigens nicht das einzige Kriegsverbrechen: In allen besetzten Gebieten wurden vornehmlich durch die Waffen-SS Konzen-trations- und Vernichtungslager aufgebaut, die schliesslich von der Todeskopf-SS geführt wurden und der Vernichtung der Juden (Holo-caust), der Sinti und Roma, Kriegsgefangener und aller anderen dienten, die sich nicht mit dem Regime der Nazis einigten.

Es hiess stets, dass die Bevölkerung davon nichts wusste. Doch war die GESTAPO (Geheime Staatspolizei) in allen Bereichen des „Dritten Reiches“ berüchtigt. Wo diese Spezialtruppe Hitlers auftauchte, verschwanden Menschen spurlos. Die Nationalsozialisten wurden übrigens in den 1930er Jahren ganz normal gewählt. Da damals keine Einigung der anderen Parteien erzielt werden konnte, beauftragte Reichspräsident Paul von Hindenburg am 30. Januar 1933 den „böhmischen Gefreiten“ Adolf Hitler aus Österreich mit der Regierungsbildung. Danach gab es erst wieder Wahlen, als die alliierten Kriegsgewinner dies zuliessen.

Es sitzen gewählte Politiker im Deutschen Bundestag bzw. dem Öster-reichischen Nationalrat, die (bzw. deren Mitarbeiter) all das leugnen und derartige Verhältnisse wieder aktuell haben wollen oder sich nicht davon distanzieren! Unter dem Mantel der freien Meinungsäusserung oder Versammlungsfreiheit! Gab es diese im deutschen Reich oder der stali-nistischen Sowjetunion?

Menschen, die sich Gedanken machen, denken vor der Wahlurne darüber nach! Die Stammtisch-Krakeeler nicht – sie verstummen danach sehr rasch. Doch tragen sie die Schuld daran, was sich aufgrund ihrer Stimme daraus entwickelt. Auch, wenn sie danach nichtwissend gerne als unschuldig agieren!

Nun zum Blog!

Hitler und Stalin hatten eigentlich einen Vertrag abgeschlossen, der einen Nichtangriffspakt und die Aufteilung Polens beinhaltete. Hitler freilich hielt sich nicht daran, überfiel Polen und rückte weiter vor. Im Sommer 1941 schliesslich griff er die Sowjetunion an. Der Plan eines Grössen-wahnsinnigen – anders kann dies wohl nicht bezeichnet werden. Ein Zwei-Frontenkrieg – hätte er dies nicht befehligt, wäre der Zweite Welt-krieg wohl anders ausgegangen. Nicht vorzustellen, was das für die heutige Weltordnung bedeutet hätte. Als Nachbarstaat Polens war die Ukraine Hitlers nächstes Ziel. Dort fand er auch viele Kollaborateure, die mit der Entwicklung der Sowjetunion seit 1917 nicht zufrieden waren. Wie bereits zuvor geschildert, ging er in den besetzten Gebieten mit aller Härte vor, um Regimegegner aus dem Weg zu räumen, aber auch seine ideologischen Vorstellungen (die Massenvernichtungen der Angehörigen jüdischen Glaubens) umzusetzen – den Holocaust! Eines dieser Vernich-tungslager war Babyn Jar. In der „erweiterten“ Ukraine (inkl. der polnischen Gebiete, die durch die Sowjets besetzt waren) lebten vor dem Zweiten Weltkrieg 40 Millionen Menschen. Die Zahl der Juden wurde auf 2,35 Millionen geschätzt. 1,5 Millionen wurden durch die Nazis und ihren Helfern umgebracht – zuerst Männer, dann auch ganze Familien! Im westlichen Teil der Ukraine (westlich des Dnepr) stellte die jüdische Glaubensgemeinschaft schon mal bis zu 10 % der Gesamtbevölkerung – nach Osten nahm dies ab. Bis zum Jahr 2022 arbeitete die Ukraine an der Aufarbeitung dieser Kriegsverbrechen – dann kam der Angriffskrieg Putins auf das Land dazwischen: Der wollte fadenscheinig damit die Nazis aus der Ukraine vertreiben! Die Deutschen rückten 1941 dermassen schnell in der Ukraine vor, sodass den meisten Menschen keine Zeit für eine Flucht blieb – nach Angaben der Sowjetunion konnten weniger als eine Mio flüchten – in der Ostukraine wesentlich mehr. In Zahlen: In den Regionen Galizien, Wolhynien und Podolien wurden nahezu 80 Prozent der Juden ermordet. Wie war das in dieser kurzen Zeit möglich?

Eines der wohl grössten Kriegsverbrechen ereignete sich am 29. und 30. September 1941 in Babyn Jar. 34.000 Menschen jüdischen Glaubens mussten sich ausziehen und an ausgehobenen Gruben aufstellen. Sie wurden hinterrücks erschossen. Doch damit waren die grauenvollen Kriegsverbrecher nicht zufrieden: Es folgten Roma (19 -20.000), psychisch kranke Menschen (7 – 9.000), ukrainische Nationalaktivisten, sowjetische Kriegsgefangene, Kommunisten und auch „normale“ Bürger von Kiew, die bis zu diesem Zeitpunkt als Geiseln festgehalten wurden. Babyn Jar wurde neben Auschwitz zum grauenvollen Mahnmal eines menschenverachtenden Todes-Regimes. Jeder Einzelne davon ein Kriegs-verbrechen! Schätzungen sprechen von weiteren 345.000 vornehmlich galizischen Juden, die in den Gaskammern in Polen ermordet wurden!

Anlässlich des 50. Jahrestages des Massakers im September 1991 beschloss die ukrainische Regierung die Aufarbeitung von Babyn Jar! Präsident Petro Poroschenko bat 2015 in einer Rede vor der israelischen Knesset um Verzeihung für eine Tat, die nicht entschuldigt werden kann. Moskau allerdings behinderte die Aufarbeitung mit dem Argument „Verbrechen gegen das sowjetische Volk ohne ethnische Differenzierung“!

Wenn nun Putin seine „Polizeiaktion“ gegen die Ukraine damit abtut, die Nazis aus Kiew zu vertreiben, sollte er doch mal im Kreml aufräumen. Seine Säuberungsaktionen bei Regime-Kritikern sind ja sehr erfolgreich, wenn gleich auch Mord.

Die Ukraine ist ein unabhängiger Staat – werden seine Grenzen miss-achtet, so ist dies ein Verstoss gegen das Völkerrecht, den es zu ahnden gilt – mit allen Konsequenzen!

Der zunehmende Antisemitismus ist – Entschuldigung für meine rüde Ausdrucksweise: ZUM KOTZEN! Die Angehörigen der jüdischen Glaubens-gemeinschaft sind Menschen wie Du und Ich! Das Grundgesetz/die Bundesverfassung garantiert ihnen Religionsfreiheit in der deutschen und österreichischen Verfassung!

Wenn so viele Menschen meinen, dass „ein bisschen Diktatur“ Deutsch-land und Österreich nicht schlecht tun würden, plädiere ich für ein Praktikum in Russland oder Nordkorea kombiniert mit Geschichts-unterricht! Ein „bisschen Diktatur“ gibt es nicht, auch wenn sie von einigen Protestwählern gewünscht wird! Hat es in der Weltgeschichte nie gegeben!

Oder muss ich erst die restriktiven Massnahmen der deutschen und österreichischen Regierung während der Pandemie zur Diskussion stellen, bei welchen vornehmlich die rechte Seite sich widersetzte? Obgleich sie so obrigkeitshörig ist und sich eine starke Führung wünscht!

Filmtipps:

.) Spell your name; Steven Spielberg/Wiktor Pintschuk

.) Wordless; After Silence/Wanna Production

Lesetipps:

.) Babyn Yar: History and Memory; Vladyslav Hrynevych/Paul Robert Magocsi 2016

.) The Shoah in Ukraine: history, testimony, memorialization; Ray Brandon and Wendy Lower 2008

.) The Reception of the Holocaust in Postcommunist Ukraine / Bringing the dark past to light: the reception of the Holocaust in postcommunist Europe; John-Paul Himka/Joanna Beata Michlic 2013

.) War and memory in Russia, Ukraine and Belarus; Julie Fedor/Markku Kangaspuro/Jussi Lassila/Tatiana Zhurzhenko 2017

.) The Destruction of the Ukranian Jewry During World War II; Michael Gesin 2006

.) Kooperation und Verbrechen. Formen der „Kollaboration“ im östlichen Europa 1922-1945 (Beiträge zur Geschichte des Nationalsozialismus, Bd. 19); Hrsg.: Christoph Diekmann et al. 2003

Links:

– www.ukrainianhistoryportal.org

– encyclopedia.ushmm.org

– www.kas.de

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