Ist es wirklich besser geworden?

Die Europäische Umweltagentur schlägt Alarm:

Über 90 % der EU-Bürger ist zu hohen Schadstoffkonzentrationen in der Luft ausgesetzt!

Vor einigen Jahren wurde mir die Luft in einem vollbesetzten Lokal in der Umgebung der Universität Wien zu stickig.Also ging ich zum vermeint-lichen Luftschnappen nach draussen, auf die Strasse. Das Vorhaben musste ich allerdings sehr rasch beenden, da ich hier beinahe Schnapp-atmung bekam – zu viele Abgase!

Tatsächlich ist die Luftqualität in Europa nach wie vor ein sehr wichtiges, zumeist grob vernachlässigtes Thema, da eine Vielzahl von Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen hier ihren Ursprung finden. Die derzeitige Situation ist nach einem kürzlich veröffentlichten Bericht der Europäischen Umweltagentur EEA mehr als beunruhigend: An nahezu jeder fünften Messstation in Europa wurden die EU-Grenzwerte teils ekla-tant überschritten. Insbesondere bei Feinstaub und bodennahem Ozon! Positiv hingegen ist, dass die Belastung durch Cadmium, Kohlenmonoxid und Blei zurückgegangen ist.

Die EU-Behörde mit Sitz im dänischen Kopenhagen analysierte die Mess-werte aus insgesamt 39 Staaten, darunter auch alle EU-Mitgliedsländer. Die Experten fordern sofortige Massnahmen, vor allem beim Feinstaub!

Die EU hat sich in den EU-Luftqualitätsrichtlinien (Richtlinie 2008/50/EG und 2004/107/EG sowie EG-L 2018; BGBl. I Nr. 75/2018) ganz eindeutig für eine Reduktion der Luftschadstoffen ausgesprochen.

https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/LSU/?uri=celex:32008L0050

In Österreich wird dies im Emissionsgesetz-Luft 2018

https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=20010426&FassungVom=2024-05-20

national umgesetzt, in Deutschland durch das Bundes-Immissions-schutzgesetz.

https://dejure.org/gesetze/BImSchG

In der Schweiz (Nicht-EU-Mitglied) stiess ich bei meiner Recherche nur auf das Bundesgesetz über die Reduktion der CO₂-Emissionen (CO₂-Gesetz), also auf kein umfassendes Emissionsgesetz.

Dass sich auf diesem Sektor jedoch viel getan hat, kann nicht wirklich behauptet werden. So existiert in Österreich beispielsweise ein Dash-board zu den Emissionen in den Bundesländern, die letzten Daten stammen allerdings aus dem Jahr 2023!!! Dabei sollten die Luftschad-stoffe bis 2030 um bestimmte, verpflichtende Prozentsätze niedriger sein als im Referenzjahr 2005! Dabei sei noch beiläufig erwähnt, dass sowohl Deutschland als auch Österreich inzwischen eine Regierungsbeteiligung der Grünen hatten, die dieses Thema sehr wohl in ihren Partei-Grund-sätzen niedergeschrieben haben.

Die Verursacher dieser Luftschadstoffe sind einerseits der Verkehr, andererseits die Industrie und Landwirtschaft – aber auch die Privathaus-halte, die im Winter beheizt werden müssen. Während die professionellen Verbrenner von Kohle, Erdöl, Gas, Holz und Müll verpflichtend Abgasfilter in ihren Anlagen installiert haben müssen, bläst Otto-Normalverbraucher die Schadstoffe direkt und ungefiltert in seine Umgebung raus.

Betrachten wir uns nun diese Gase und Schwebstoffe im Einzelnen!

.) Feinstaub

Feinstaub entsteht durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe, Holz und Müll, aber auch dem Abrieb von Reifen und Bremsen und Vulkanaus-brüchen. Kleinste Aschepartikel (PM2.5 – Teilchen mit einem Durch-messer von 2,5 µm) belasten durch ihre Ablagerung im menschlichen Körper v.a. die Bronchien und führen dadurch zu Atemwegserkran-kungen. Auf der Strasse sind dem Feinstaub am meisten kleine Kinder und Tiere ausgesetzt.

.) Schwefeldioxid SO²

Schwefeldioxid entsteht vornehmlich bei der Verbrennung von Kohle und Heizöl schwer. Hauptverursacher sind somit die Feuerungsanlagen in der Industrie, der Energiewirtschaft und den Privathaushalten. Das Gas führt zu einer Reizung der Schleimhäute (wie den Augen) und Atemwege. Daurch kann die Lungenfunktion extrem beeinträchtigt werden. Dies kann zu Asthmaanfällen und Atemwegserkrankungen führen.

.) Stickstoffoxide Nox

Auch diese entstehen bei der Verbrennung – allerdings bei hohen Tem-peraturen. Damit ist der Verkehr der grösste Verursacher. Langfristig einer hohen Konzentration ausgesetzt, führen Stickstoffoxide zu einer Beeinträchtigung der Lungenfunktion und schliesslich zu Herz-Kreislauf-Problemen.

.) Flüchtige organische Verbindungen (außer Methan) NMVOC bzw. VOC

Sie entwickeln sich zumeist aus Stickstoffoxiden. Kohlenwasser- und Sauerstoff unter Einwirkung des Sonnenlichtes. Man spricht hierbei von „photochemischen Oxidantien biogenen und anthropogenen Ursprungs“. Hierzu zählen etwa Salpetersäure, Peroxyacetylnitrat (PAN) und v.a. das Ozon! Ozon kann zu Lungenfunktionsstörungen und Entzündungen der Atemwege führen. Auch hier sind kleine Menschen und Tiere durch das bodennahe Ozon am meisten betroffen.

.) Ammoniak

Diese stechend riechende chemische Substanz ist eine Verbindung von Stick- und Wasserstoff. Eingeatmet reizt das Gas mit dem ph-Wert von 13 die Luftwege und wirkt erstickend. Daneben reizt es Augen und Haut und führt zu Kopfschmerzen. Ammoniak ist häufig in Reinigungs- und Düngemitteln enthalten. Übrigens erzeugt der menschliche Körper auch selbst Ammoniak – beim Abbau von Eiweiss-Produkten.

.) Kohlenmonoxid

Es entsteht bei der Verbrennung unter Ausschluss von Sauerstoff. Im menschlichen Körper führt es zur Vergiftung.

.) Kohlendioxid

Auch dieser Klimakiller ensteht durch Verbrennung – allerdings mit Sauerstoff. Eine Einatmung des Gases führt zur Erstickung.

.) Methan

Dieses Gas trägt wesentlich intensiver zur Treibhaus-Atmosphäre bei als das CO². Es entsteht durch bestimmte Darmbakterien auch beim Menschen, vornehmlich jedoch in der Landwirtschaft durch die Ausdüns-tungen in der Rinder-Massenhaltung und die Ausbringung derer Hinter-lassenschaften. Es ist ein wichtiger Vorläuferstoff bei der Bildung von Ozon. Eingeatmet verdrängt es den Sauerstoff und führt zur Erstickung.

Keine wirkliche Lösung, jedoch eine wichtige Massnahme im Gesamt-paket: In Städten sind Grünflächen und Bäume immens wichtig, da sie nicht nur aus Kohlendioxid wertvollen Sauerstoff produzieren, sondern die Luft auch auf andere Art filtern. So nimmt Moos etwa grosse Mengen an Feinstaub auf! Eine andere wichtige Massnahme währe der Ersatz von Verbrennern durch etwa Wasserstoff-Brennstoffzellen. Hierbei wird chemische Energie in elektrische umgesetzt. Das „Abfall-Produkt“ ist Wasser!

Links:

Lesetipps:

.) Die Zukunft des Klimas. Neue Erkenntnisse, neue Herausforderungen. Ein Report der Max-Planck-Gesellschaft; Hrsg.: Jochen Marotzke/Martin Stratmann; Beck 2015

.) Chemie der Umweltbelastung; Günter Fellenberg; Verlag B. G. Teubner 1997

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