Der Darm – enorm wichtig, dennoch gerne tabu

Na? Haben Sie auch schon mal Bauchschmerzen bekommen, wenn Sie sich geärgert haben? Oder Durchfall, wenn Sie gerade im vollen Stress waren?! In der westlichen Medizin bzw. Gesundheitsvorsorge kommt dem Darm eine viel zu geringe Bedeutung zu. Ganz anders verhält es sich in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM): Hier wird nahezu jedes Wehwehchen zuerst auf einen Ursprung im Darm hin untersucht. Dieser Muskelschlauch ist sicherlich eines der wichtigsten Organe im mensch-lichen Körper. Deshalb hat er sich diesen Blog heute so richtig verdient.

Der Darm ist ein zirka 32 qm großer, gewundener Muskelschlauch. Seine Länge hängt von der Ernährung und somit den Tierarten ab: Fleisch-fresser haben einen kürzeren, da sich Fleisch recht gut verdauen lässt. Pflanzenfresser haben einen sehr langen, Allesfresser liegen dazwischen. Er setzt sich aus den unterschiedlichsten Bereichen zusammen:

1.) Der Dünndarm

Dieser Abschnitt beginnt direkt am sog. „Magenpförtner“ („Pylorus“) mit dem Magenausgang und endet am Übergang zum Dickdarm. Er ist rund fünf bis sechs Meter lang, seine innere Wand gleicht einer Ziehharmonika. Dies verschafft ihm eine riesige Oberfläche. Enzyme zerlegen die im Magen vorbearbeiteten Nahrungsbestandteile in ihre kleinsten Teile: Kohlehydrate zu Einfach-Zucker, Eiweiße zu Aminosäuren sowie Fette zu Glyzerin und Fettsäuren. Die Enzyme werden in der Bauchspeicheldrüse, den Mundspeicheldrüsen und im Magen gebildet. Sie zersetzen die Kohlehydrate und Eiweisse. Hinzu kommen noch Gallenflüssigkeit (für die Fette) und Darmsekret sowie Magen- und Darmschleim, der verhindert, dass die Enzyme das Organ selbst angreifen und verdauen. Der Speise-brei in diesem Teil des Darms ist noch sehr dünnflüssig, da viel Wasser beigegeben wird. Über die Wand des Dünndarms werden die zerlegten Nahrungsbestandteile, aber auch Salze und Vitamine resorbiert und direkt in den Blutkreislauf abgegeben. Über die Pfortader gelangen diese als erstes in die Leber. Im Dünndarm werden zudem Hormone gebildet, die einerseits die Produktion von Gallenflüssigkeit aus der Leber und Bauchspeicheldrüsensaft aus dem Pankreas anregen, die Wasserzufuhr steuern und dem Gehirn durch die sog. „Peptidbotenstoffe“ ein Sätti-gungsgefühl weitergeben. Der Dünndarm besteht aus dem Zwölffinger-, dem Leer- und dem Krummdarm.

2.) Der Dickdarm

Der Dickdarm befindet sich im rechten Unterbauch, er ist bis zu 1,5 m lang und setzt sich zusammen aus dem Blinddarm mit Wurmfortsatz, dem Grimm- und dem Mastdarm. Der Mastdarm endet mit dem After („Anus“). Im Dickdarm werden dem flüssigen Nahrungsbrei das Wasser und weitere Salze entnommen: Dabei erfolgt die Eindickung des Breis zum Stuhl. Dieser wird durch recht kräftige, wellenförmige Bewegungen („peristaltische Bewegungen“) zum Mastdarm weitergeführt. Nun wird der Gang zur Toilette notwendig. Im Dickdarm ist die immens wichtige Darmflora zu finden. Etwa zehn Billionen Bakterien (rund 400 verschiedene Arten – das Gesamtgewicht nur der Darmflora beläuft sich auf zirka 1,5 kg) ernähren sich hier von den unverdaulichen Bestandteilen der Nahrung und produzieren dabei die Vitamine B und K (Blut-gerinnung). Ausserdem werden schädliche Erreger vernichtet – dies ist der direkte Bezug zur TCM, da nicht wenige Krankheiten tatsächlich ihren Ursprung im Darm haben (siehe etwas später).

In der Darmwand sind viele Nerven enthalten, die ständig Informationen weitergeben. Deshalb wirkt sich etwa auch Stress auf die Verdauung aus. Der Darm ist im Vergleich zum Herzen kein dauerarbeitendes Organ. Er braucht Ruhezeiten. Alsdann sollte nur dreimal am Tag gegessen werden – auch der kleine Snack zwischendurch wirkt sich bei vielen schädlich aus. Im Normalfall beläuft sich die Verdauung zwischen der Nahrungs-aufnahme und der Ausscheidung auf rund 33 bis 43 Stunden (davon 1-5 Stunden im Magen).

Wie häufig jemand auf die Toilette muss, ist individuell bestimmt. Manche gehen dreimal am Tag, andere vier- bis fünfmal die Woche. Allerdings hängt dies durchaus mit der Ernährung zusammen. Ballaststoffe sind unverdaulich und werden wieder ausgeschieden. Sie übernehmen aber eine wichtige Reinigungsfunktion und sorgen für ein vorzeitiges Sättigungsgefühl. Wer also viele dieser Ballaststoffe zu sich nimmt, wird auch öfters auf die Toilette müssen. Allerdings kann dieses System auch gestört werden:

– Durchfall (Diarrhö)

Hierbei wird dem Nahrungsbrei zu wenig Wasser entzogen. Das kann an einer Infektion, an zu viel Flüssigkeit aus dem Dünndarm oder auch einem zu raschen Transport des Breis liegen. Deshalb sollte bei Durchfall viel Flüssigkeit getrunken werden.

– Verstopfung

Hierbei wird der Nahrungsbrei zu langsam durch den Dickdarm befördert. Dies liegt zumeist an zu wenig kräftigen Darmbewegungen. Dabei wird immer mehr Wasser dem Brei entzogen, sodass dieser immer fester wird.

Diese Darmbakterien, Einzeller und Pilze des Dickdarms üben sehr wichtige Funktionen für den gesamten Körper aus. Sie können gar für Gefühle zuständig sein. So beeinflussen etwa spezielle Milchsäure-bakterien die Produktion von Vorläufern des Glückshormons Serotonin.

Manche Menschen verfügen zudem über eine grössere Anzahl an Nimmersatt-Bakterien, die normalerweise signalisieren, dass es Zeit für Nahrungsnachschub wird. Diese Menschen sind dicker und haben eine grössere Gefahr an Diabetes zu erkranken. Allerdings gibt es auch die Hungerhaken. Etwa E.coli. Seine Zellwand besteht aus Zucker. Damit vermittelt es dem Körper, dass genügend Zucker vorhanden ist – der Mensch nimmt weniger Kohlehydrate auf. E.coli kommt damit recht gut zugange, benötigt es doch weniger Nahrung als seine anderen Arbeits-kollegen.

Unbestreitbar aber ist die positive Wirkung auf das Autoimmunsystem. So werden Erreger wie Grippeviren durch die Darmflora unschädlich gemacht. Ein gesunder Darm bewirkt also ein gesünderes Leben. Doch gibt es auch hier zwei Seiten: Bei der Zersetzung von Ballaststoffen werden vermehrt schlechte Fettsäuren freigesetzt, die über das Blut direkt in das Knochenmark befördert werden. Dort steigern sie die Produktion von Immunzellen, die beispielsweise für die übersteigerte Allergie-Reaktion des Körpers bei Asthma zuständig sind.

Solche Fettsäuren dienen jedoch auch dem Gehirn als Müllmänner. Sie sorgen für den Abtransport von Endprodukten, die im Gehirn nicht mehr benötigt werden. Funktioniert dies nicht mehr, so kann es zu psychischen Erkrankungen wie Depressionen, Demenz und Schizophrenie führen. Doch sind die wissenschaftlichen Untersuchungen zu dieser Thematik noch nicht abgeschlossen.

Bei der Arbeit der Darmflora entstehen Gase und Stoffe, die für die Farbgebung des Endproduktes verantwortlich zeichnen. So lässt sich der Reizdarm erklären, aber auch schwere Erkrankungen. Die Behandlung erfolgt dann zumeist über Antibiotika mit anschließender Stuhltrans-plantation, also der Zugabe von gesundem Kot eines anderen Menschen. Dadurch werden die schädlichen Bakterien gegen gesunde ausgetauscht.

Grundsätzlich also gilt: Je besser der Darm funktioniert, desto beschwerdeloser ist auch sein Besitzer. Dies erkannte die TCM schon sehr früh. Sie setzt weniger auf Fette und Zucker in der Ernährung – jedoch vermehrt auf ballaststoffreiche. Mit Hülsenfrüchten anstelle von Krusten-braten kann also jeder Einzelne dieses für den Menschen so wichtige Organ bei seiner Arbeit unterstützen. Zudem helfen Laktobazillen beim Wiederaufbau der Darmflora – sie kommen etwa im Naturjoghurt vor. Daneben sollte langsam gegessen werden. Durch das vollständige Bespeicheln und bedächtige Kauen wird die Nahrung bereits im Mund vorverdaut. Das entlastet neben dem Magen auch den Darm, die Leber und die Bauchspeicheldrüse. Mindestens zwei Liter Flüssigkeit (Mineralwasser, verdünnter Fruchtsaft oder Tee) halten den Nahrungsbrei auch im Darm noch gut beweglich. Apropos Bewegung: Durch regel-mässige Bewegung wird das Organ – wie alle anderen auch – mehr durchblutet. Kein Fehler! Hilft auch gut gegen Blähungen. Daneben sollten Ruhe- und Erholungsphasen bewusst eingehalten werden.

Der Vollständigkeit halber noch zu den Erkrankungen:

.) Lebensmittelintoleranzen

Der Körper kann durch eine Störung der Enzyme bestimmte Stoffe nicht aufnehmen (etwa die Einfachzucker Laktose oder Fruktose). Das führt zu Unverträglichkeitsreaktionen wie Bauchschmerzen, Erbrechen, Blähungen oder Durchfall.

.) Reizdarm (Colon irritabile)

Vornehmlich Frauen erkranken an diesem organisch nicht erklärbaren, sehr unangenehmen Reizdarm. Er zeigt sich durch Blähungen, Durchfall und Verstopfung, sowie Bauchschmerzen.

.) Hämorrhoiden

Dabei handelt es sich um krankhaft erweiterte Gefässpolster im Analkanal. Neben Brennen, Jucken und leichtem Bluten kann es gar zu einem Versagen des Schliessmuskels führen. Mögliche Ursachen sind zu starkes Pressen bei der Schwangerschaft oder bei ständigen Verstopfungen, eine Bindegewebsschwäche oder ballaststoffarme Ernährung.

.) Magen-Darm-Grippe

Ausgelöst durch einen Erreger äussert sich diese Erkrankung vornehmlich durch Brechdurchfall. Es handelt sich um eine Schädigung der Schleim-häute.

.) Zwölffingerdarmgeschwür (Ulcus duodeni)

Geht zumeist einher mit einem Magengeschwür. Es wird durch den „Magenkeim“ (Helicobacter pylori) ausgelöst und äussert sich in der Schädigung der Schleimhäute. Männer erkranken häufiger daran als Frauen.

.) Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED)

Hierzu zählen Colitis ulcerosa und Morbus Crohn. Während sich die Colitis auf den Grimm- und Mastdarm beschränkt, kann bei zweiterem der komplette Verdauungstrakt durch Entzündungen befallen sein – vom Mund bis zu After.


.) Divertikulose

Hierbei handelt es sich um Ausstülpungen an der Darm-Aussenwand. Entzünden sich diese (Divertikulitis) oder platzen, kann sich dadurch auch das Bauchfell entzünden. Hier helfen Antibiotika oder die operative Entfernung.

.) Darmpolypen

Diese Vorwölbungen der Schleimhaut im Grimm- und Mastdarm führen meist zu keinerlei Beschwerden. Allerdings können sie entarten und als Darmkrebs enden. Dieser ist bei Frauen die zweithäufigste, bei Männern die dritthäufigste Krebserkrankung in Deutschland. Zur Vorbeugung empfiehlt sich eine regelmässige Darmspiegelung („Koloskopie“), die via MR-Tomographie oder der CT-Technik virtuell und damit schonend durchgeführt werden kann.

Zuletzt noch ein Hinweis: Verwenden Sie keine Abführmittel! Sie beein-flussen den Darm in seiner natürlichen Funktionsweise. Besser ist frisch geriebener Apfel- oder Möhrenbrei bzw. warmes Ingwerwasser oder grüner Tee mit zwei kleinen Blättchen frischem Ingwer.

Lesetipps:

.) Lehrbuch der Physiologie; Klinke, R. & Silbernagl. S.; Georg Thieme Verlag 2005

.) Darm mit Charme. Alles über ein unterschätztes Organ; Giulia Enders, Ullstein 2014

.) Was passiert im Darm? Neues Wissen für mehr Darmgesundheit. Darmbarriere, Bauchhirn, Immunsystem und die richtige Ernährung; Julia Seidener-Nack; Südwest 2014

.) Schluck. Auf Entdeckungsreise durch unseren Verdauungstrakt; Mary Roach; Deutsche Verlags-Anstalt 2014

Links:

– www.internisten-im-netz.de

– gesunderdarm.at

– www.darmplus.at

– www.gesundheit.gv.at

– www.meduniwien.ac.at

– www.darmzentrum-bern.ch/de

– www.darmkrebs.de

– www.gesunder-magen-darm.de

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