Rettet die Bienen
Winterzeit ist für viele auch Honigzeit! Durchaus berechtigt, wirkt er doch für das Immunsystem wie ein Booster im Kampf gegen Infektions-krankheiten.
Steht der Honig jedoch zu lange, so kann es durchaus geschehen, dass sich vornehmlich bei Importware eine unappetitliche Schicht bildet: Die Amerikanische Faulbrut (AFB oder auch Bienenpest)! Angeblich soll sie für den Menschen ungefährlich sein, es bleibt allerdings das Unappetitliche. Für die Bienen hingegen ist sie brandgefährlich und rafft Jahr für Jahr tausende Völker hin. Was hat es nun mit dem Ganzen auf sich?
Die Amerikanische Faulbrut wird durch das Bakterium Paenibacillus larvae verursacht und ist eine hochansteckende Bienenseuche. Dieses Bakterium sucht sich für seine Vermehrung den Larvendarm der zukünftigen Bienen aus. Dort entwickeln sie sich zu Stäbchenbakterien. Diese durchbrechen die Darmwand und zersetzen weiters die gesamte Larve. Ab diesem Zeit-punkt bilden sich Milliarden hochinfektiöser Sporen. Diese sind langlebig und hitzebeständig. Zurück bleibt eine braune und klebrige Masse in den Waben des Bienenstocks (Faulbrutschorf), in welchen eigentlich neue Bienen heranwachsen sollten. Für die Aufzucht, Pflege und Fütterung sorgen eigene Ammenbienen, für die Sauberkeit im Stock die Putzer-bienen. Beide verteilen die Sporen auch auf andere Waben. Zumeist verendet die ganze Brut – der Bienenstock stirbt, da der Nachwuchs fehlt. Die Inkubationszeit macht die Sache extrem schwer: Sie liegt zwischen wenigen Wochen bis hin zu mehreren Monaten. Das kann bedeuten, dass der Stock bereits infiziert ist, jedoch keinerlei Symptome aufweist. Sind dann die Symptome sichtbar, hat die Seuche bereits ihren Verlauf genommen. Hierfür wendet der Imker den Streichholztest an: Er steckt ein Streichholz mit dem zündfreien Ende in die Brutwabe. Ist dieses nach dem Herausziehen mit einer gelben bis braunen, zähen Masse belegt oder sie zieht wie ein Hochviskosekleber Fäden, ist die Faulbrut nach-gewiesen.
Für erwachsene Bienen ist das AFB nicht gefährlich. Flugbienen, die für das Pollensammeln verantwortlich sind, oder auch Räuber aus anderen Stöcken verteilen nun die Sporen weiter – dadurch werden alsdann andere Bienenvölker infiziert. Deshalb ist diese Seuche brandgefährlich, da innerhalb kürzester Zeit viele andere Bienenstöcke damit kontaminiert werden. Imker sind verpflichtet, einen solchen Ausbruch sofort an das zuständige Veterinäramt bzw. in Österreich bei der Bezirkshauptmann-schaft (geregelt in Deutschland durch die Bienenseuchenverordnung, in Österreich durch das Bienenseuchengesetz) zu melden. Dieses errichtet dann eine Sperrzone. So etwa 2023 in Berlin geschehen. Am 5. April wurde die Seuche bei mehreren Völkern durch die Pankower Behörden festgestellt. Direkt danach wurde ein Sperrbezirk mit einem Radius von einem Kilometer bis zur Reinickendorfer Bezirksgrenze eingerichtet. Ein Jahr zuvor war Niedersachsen mit 70 Völkern betroffen. Anhand dieser Maßnahmen wird ersichtlich, wie gefährlich die AFB wirklich ist.
Bei einem solchen Ausbruch müssen alle Bienenvölker in der Sperrzone mit Futterkranzproben und Gemülldiagnosen überprüft werden. Ist der Bienenstock kontaminiert, so müssen Werkzeuge ebenso vernichtet werden wie Bienenkästen und der Honig. Oftmals muss auch das ganze Volk getötet werden. Eine gründliche Desinfektion ist zumeist teuer und arbeitsaufwendig. Dieses Prozedere gilt jedoch nicht für alle Honig-Herkunftsländer oder wird nicht dementsprechend eingehalten.
Hat sich die Infektion allerdings noch nicht derart katastrophal aus-gewirkt, so kann das Volk vielleicht noch gerettet werden. Dafür werden alle Bienen in einen Kasten umquartiert. Dort müssen sie so lange hungern, bis das befallene Futter in der Honigblase aufgebraucht ist, da die Infektion über das Futter erfolgt. Der Bienenstock selbst wird inzwischen ausgeschwefelt oder andersweitig desinfiziert (Wärme- oder Laugenbehandlung). Das Wachs der Zellen muss eindeutig als „Seuchenwachs“ gekennzeichnet werden.
Die amerikanische Faulbrut kommt übrigens nicht aus Amerika, sie wurde dort Anfang des 20. Jahrhunderts entdeckt – der Erreger, das Bakterium Paenibacillus larvae, ist weltweit verbreitet. Es gibt auch eine europäische Variante des Bakteriums: Die sog. „Gutartige Faulbrut“ oder „Europäische Faulbrut“ (Melissococcus plutonius). Sie gleicht der Amerikanischen Version, hat jedoch einen weitaus milderen Verlauf. In Deutschland und Österreich ist sie nicht meldepflichtig, in der Schweiz hingegen schon!
Präventiv schützen kann ein Imker sein Volk durch mehrere Maßnahmen: Regelmässiger Austausch der Brutwaben, keine fremden Bienen ohne vorherigen Gesundheitscheck unter’s Volk mischen sowie die Fütterung des Volkes mit Honig nur nach genauem Labortest. Das Vermeiden von Räubern im Stock hingegen ist eine mehr als schwierige Angelegenheit! Recht neu ist die Schluckimpfung. Dabei wird ein Impfstoff aus abge-töteten Paenibacillus larvae-Bakterien an die Arbeiterbienen verfüttert. Diese versorgen damit auch die Königin des Volkes. Die Impfung wurde in den USA erstmals im Jahr 2023 zugelassen – es liegen deshalb noch keine Langzeit-Testergebnisse vor. Erste Labortests zeigten zwar eine gewisse, allerdings unzureichende Wirkung. In Deutschland und Österreich ist der Impfstoff noch nicht erhältlich.
Die zuvor angesprochenen Maßnahmen gelten für heimische Imker in Deutschland und Österreich. Deren Interesse ist es selbstverständlich, guten Honig zu produzieren und dadurch auch Geld zu verdienen. Die schwarzen Schafe unter ihnen hingegen holen sich Bienenvölker oder -kästen aus nicht verlässlichen Quellen. So kommt die Bienenpest durch den Imker selbst ins Land. Daneben gelangt immer wieder Importhonig in den Handel, der mit dem Bakterium Paenibacillus larvae kontaminiert ist. Hier nun kommt der Verbraucher/Konsument ins Spiel. Bitte waschen Sie die Honiggläser – grundsätzlich – sehr gut aus, bevor Sie diese in den Glascontainer werfen. Sollten Sie tatsächlich ein betroffenes Honigglas zuhause haben, so entsorgen Sie es am besten im Restmüll. Allerding gilt auch hier: Gut auswaschen, da mancherorts der Müll noch auf einer Deponie zwischengelagert wird!
Lesetipps:
.) Die Faulbrut: vorbeugen, erkennen, bekämpfen; Friedrich Pohl; Ehrenwirth 1999
.) Das aktuelle Gefahrenpotential der Amerikanischen Faulbrut, Ursachen und mögliche Bekämpfungsstrategien (Dissertation); Frithjof Koithan; Justus-Liebig-Universität Gießen 2002
.) Neue Imkerschule; Edmund Herold; Ehrenwirth 1984
Links:
- www.gesetze-im-internet.de/bienseuchv/index.html
- www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=10010539&FassungVom=2023-03-19
- www.fli.de/de/startseite
- www.ages.at
- www.blv.admin.ch/blv/de/home.html
- www.laves.niedersachsen.de
- www.amtstierarzt.de
- www.lwg.bayern.de/
- bienen.ch/
- bzv-ooe.at/
