9/11: Die Terrorhölle!

In diesem Jahr jährten sich die Terroranschläge auf die Twin-Towers von New York (World Trade Center) zum 25. Mal. Ein Anblick des Grauens, für jeden, der es damals via TV verfolgt hat, noch schlimmer selbstverständ-lich für die Leute vorort. Insgesamt kamen an diesem einen Tag 2996 Menschen um’s Leben, darunter 343 Feuerwehrmänner, 37 Beamte der New Yorker Hafenbehörde und 23 Polizisten. Beim Anschlag auf das US-Verteidígungsministerium, dem Pentagon weitere 189, beim vereitelten 4. Anschlag (das Flügzeug stürzte auf einem Feld bei Shanksville ab) zusätzlich 44 Personen. Über diese Anschläge habe ich an diesem Ort schon mehrfach berichtet. Heute hingegen möchte ich Helden vorstellen, die oftmals nicht mal Erwähnung in den Berichten finden, trotzdem damals bis zur Erschöpfung versuchten, Leben zu retten – leider zumeist umsonst: Die Suchhunde!

Wir schreiben den 11. September 2001, 08.46 Uhr. Die erste von Al Kaida-Terroristen entführte Boeing schlägt in den Nordturm des World Trade-Centers ein. Nur wenige Stockwerke darunter, im 78. Stock, arbeitet Michael Hingson. Er ist von Geburt an blind. Deshalb begleitet ihn jeden Tag sein Blindenhund, die gelbe Labradorhündin Roselle. Die Sekunden scheinen plötzlich wie Stunden an ihnen vorbeizuziehen. Ein Arbeitskollege von Hingson (David Frank) hat das Ausmass der Katas-trophe erkannt und Hingson und seine Hündin zum Stiegenhaus geleitet. Gemeinsam lassen sie Stufe um Stufe hinter sich. 1.463 insgesamt – vom 78. Stock in die Lobby. Roselle kann ihr Herrchen leider nicht wie ansonsten führen, sie bleibt dicht hinter ihm und Frank. Die Hündin hat selbst Angst, da sie die Panik der Menschen spürt. Hingson redet deshalb beruhigend auf sie ein, Das beruhigt auch seinen Arbeitskollegen, der nach rund einem Drittel der Strecke schien, den Mut zu verlieren. Schliesslich kommen ihnen etwa 50 Feuerwehrleute auf dem Weg nach oben entgegen. Manche streichen Estelle über den Kopf. Keiner von ihnen wird die nächste Stunde überleben. Hingson, Estelle und Frank haben es schliesslich nach rund 50 Minuten geschafft – im Gegensatz zu vielen anderen, die erstickt, durch das Kohlenmonoxid vergiftet, am lebendigen Leib verbrannt oder gesprungen sind. Auf der Strasse angelangt, über-nimmt die Hündin wieder ihre Rolle und leitet Hingson und Frank in eine schützende U-Bahn-Station. Hindurch des Staubs nach dem Einsturz des Süd-Towers. Aber noch rechtzeitig bevor auch der Nord-Tower in sich zusammenbricht. All das beschreibt Hingson in einem seiner beiden Bestsellern über die damaligen Erlebnisse („Thunder Dog: The True Story of a Blind Man, His Guide Dog, and the Triumph of Trust at Ground Zero“). Estelle starb im Juni 2011 vierzehnjährig. Auch ein zweiter „Guide-Dog“ rettete damals ihren Besitzer: Omar Rivera verdankt seiner „ Salty“ das Leben. Sie entkamen dem 71. Stockwerk. Roselle wurde 2002 mit dem „Award for Canine Excellence“ und posthum von der Tierschutz-Organisation „American Humane“ mit dem Titel „American Hero Dog of the Year 2011“ ausgezeichnet.

Estelle und Salty haben zu diesem Zeitpunkt – mit der Rettung ihrer Herrchen – ihre Aufgabe gemäss Ausbildung erfüllt – für viele ihrer vier-beinigen Artgenossen jedoch beginnt nun erst die Arbeit: Die Suchhunde! Eine Arbeit, die viele von ihnen an den Rand der Verzweiflung bringen sollte.

Nach dem Einsturz der beiden Gebäude kamen mehr als 300 Hunde mit spezieller Ausbildung zum Einsatz. Viele auf der Suche nach Über-lebenden, andere als Trostspender für Angehörige und Rettungskräfte und zuletzt die Leichenspür-Hunde.

Am Gefährlichsten war sicherlich der Einsatz der Suchhunde. Mit nichts als ihre blanken Pfoten auf den noch heissen Trümmern und lodernden Feuern, ohne Masken kämpften sie sich durch die instabilen Trümmer-teile auf der Suche nach irgendeinem Lebenszeichen – unter der Gefahr, das eigene Leben zu verlieren.

(Vorsicht: Möglicherweise KI-generiert)

Vorort versorgten Tierärzte verletzte oder erschöpfte Hunde – nicht selten dauerte deren Einsatz 12 Stunden. Einige wurden fündig – so wurde etwa nach 27 Stunden der letzte Überlebende mit der Hilfe eines Suchhundes gerettet. Doch viele andere hatten keinen Erfolg. Diese Rettungshundes sind daraufhin ausgebildet, nach dem Auffinden einer lebenden Person Lob und Freude sowie eine Belohnung zu erhalten („klassische Konditionierung am positiven Erfolg“). Wenn nun diese Belohnung ausbleibt – spätestens dann merkt auch der Hund, dass er versagt hat. Er verliert den Suchtrieb! Deshalb liessen sich die Retter etwas einfallen: Einige versteckten sich in den Trümmern und mussten vom Hund gefunden werden. Diese Idee der Hundeführer erwies sich als erfolgreich. Vor dem Einsatz der Therapiehunde spendeten sie aber auch den menschlichen Rettungskräften Trost. Immer mehr aber konnten die Rettungshunde nurmehr menschliche Überreste aufspüren. Sie wurden später durch Leichenspür-Hunde ersetzt.

Der wohl bekannteste Rettungshund von 9/11 war der Golden Retriever „Bretagne“ – eine Hündin. Sie stammte vom Rettungstrupp Texas Task Force I. Ihre Hundeführerin war Denise Corliss. Es war Bretagnes erster grosser Einsatz. Sie starb 16-jährig im September 2016 und erhielt – wie es einer aussergewöhnlichen Hundin geziemt – einen Abschied als Heldin!

All dies kann nachgelesen werden im National September 11 Memorial & Museum.

Soweit zu des Menschen bestem Freund!

Ich möchte aber dennoch zum Abschluss einige Worte finden zu Ereignissen und veröffentlichten Meinungen, die sich im Jahr 2026, ein Viertel-Jahrhundert nach 9/11 abgespielt haben.

Der damalige 107. Bürgermeister Rudy Giuliani hat im Vorfeld der Feierlichkeit zum diesjährigen Gedenken der vielen Opfer den heutigen Bürgermeister New Yorks, Zohran Mamdani, aufgefordert, den Veran-staltungen fern zu bleiben. Mamdani ist Muslim! Wie auch die meisten muslimischen Religions- und Interessensgemeinschaften bin auch ich der Ansicht, dass einige wenige Terroristen, die meinen, im Namen ihres Herrn, Menschen umbringen und einen möglichst grossen Schaden anrichten zu müssen, nicht zur Pauschalverurteilung einer ganzen Welt-religion führen dürfen, von der die meisten friedlich als Nachbarn neben den Christen leben. So könnten auch Rechtsradikale nach den Anschlägen auf Muslime als religiöse Fanaten bezeichnet werden und das Christen-tum als terroristische Religion darstellen. Terroristen sind und bleiben Terroristen, die durch möglichst grosse Opferzahlen (auch unter den eigenen Religionsbrüdern und -schwestern) die grösstmögliche Aufmerk-samkeit erreichen wollen. Somit gilt die Verurteilung und schliesslich die Bekämpfung den Kriminellen, nicht einer ganzen Religionsgemeinschaft.

Ich betrachte es als widerwärtig, wie die derzeitige US- Regierung versucht, die damaligen Geschehnisse politisch auszuschlachten. Im November sind die Midterms. Bei diesen Wahlen werden viele Positionen im Kongress neu besetzt. Nach derzeitigem Stand wird es ein Erdrutsch-Sieg der Demokraten werden, wie die Vorwahlen bereits prophezeien. US-Präsident Donald Trump meinte frustriert darüber, dass er bei den Gedenkfeiern keine Rede halten durfte, er sei von Feuerwehrleuten aus der flammenden Hölle getragen worden. Er sei also damals selbst am Ground Zero gewesen um zu helfen. Beweisen allerdings kann er es freilich nicht. Zudem waren auch die Strassen zum Ground Zero allesamt in diese Richtung abgesperrt. Ich lasse dies nun offen, bin aber trotzdem darüber erstaunt, dass Trump auf dem republikanischen Parteitag in Dallas seinen Anhängern das Versprechen abverlangte, dass jeder einzelne Republikaner „betrügen wie die Hölle“ soll.

Lesetipps:

.) Thunder Dog: The True Story of a Blind Man, His Guide Dog, and the Triumph of Trust at Ground Zero; Michael Hingson; Thomas Nelson 2011

.) Such und Hilf! Ein Handbuch für Ausbildung und Einsatz des Rettungshundes; Angela Wegmann; Kynos 1989

.) Suchen Finden Zeigen: Das Spürhundebuch für Training und Einsatz; Michaela Hares/Jacqueline Koerfer/Katja Krauß; Kynos 2024

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