General H. Norman Schwarzkopf jun. – ein wahrer Held

Je mehr man im Frieden schwitzt, desto weniger blutet man im Krieg!“

(General H. Norman Schwarzkopf)

Auch wenn es sehr reizt, so möchte ich an dieser Stelle nicht immer nur von aktuellen Ereignissen berichten, stets in der Gefahr, dass ich mich wiederholen könnte. Deshalb ist es höchst an der Zeit, wieder mal einen Histo-Blog zu veröffentlichen. Und diesen möchte ich einem wahren Helden widmen, der kurz nach Weihnachten 2012 verstarb: Herbert Norman Schwarzkopf jun.!

Im Vorfeld befragte ich mehrere Bekannte, wer denn diesen Mann noch kennt. Frustrierend – niemand! Kürzlichst stolperte ich über einen Satz, der Schwarzkopf sehr zutreffend beschreibt:

„Sein Ziel war niemals der Applaus, sein Ziel war die Mission!“

General H. Norman Schwarzkopf jun. (er selbst mochte seinen ersten Vornamen nicht) befehligte im Zweiten Golfkrig die Armee der Koalitions-truppen. Nachdem der Irak in Kuwait eingefallen war, unterstanden dem General rund 740.000 Soldaten aus 34 Nationen. Viele, darunter auch sehr viele Experten, prophezeiten einen zweiten, langjährigen Vietnam-krieg mit hohen Verlusten und vielen Familien, die ihre Söhne, Väter und Onkeln in Särgen zum letzten Weg begleiten mussten. Tatsächlich waren es 292 Gefallene. Denn: Es rechnete niemand mit der Taktik Schwarz-kopfs! Sein Geheimnis war der „left hook“ (linke Haken). Der Irak verfügte unter Saddam Hussein über die viertgrösste Armee der Welt (mit rund 500.000 Mann-Stärke). Kampferprobt! Die grössten Teile davon waren in Kuwait stationiert, da die militärischen Führungskräfte des Irak und auch Saddam Hussein selbst damit rechneten, dass ein möglicher Angriff über Kuwait erfolgen würde. Schwarzkopf täuschte dies mit einer Truppen-verstärkung entlang der kuwaitischen Grenze auch vor, umging dann allerdings den Kuwait und griff nach der grössten Truppenverlegung nach dem Zweiten Weltkrieg und präzise durchgeführten Luftanschlägen auf Kommando- und Führungszentralen des Iraks westlich über Saudi Arabien an. Die Operationen „Desert Shield“ und „Desert Storm“ gingen als „brilliante Kriegsführung“ in die Annalen der Militärgeschichte ein. Der Krieg war nach vier Tagen beendet, da den Irakern der Nachschub fehlte und ganze Divisionen, nicht nur in Kuwait eingekesselt waren. So manch einer der Zeitzeugen wird heute noch die Bilder vor Augen haben, als sich hunderte irakischer Soldaten einem nur kleinen „Stosstrupp“ der Koalitionsarmee ergaben. Tatsächlich waren es Divisionen – kampflos.

General Schwarzkopf war ein charismatischer und gerechter Führer. Er mutete seinen Soldaten nur das zu, was er auch sich selbst zumuten würde. Er aß beim kleinen Fussvolk zu Mittag und hörte sich stets deren Meinungen an. So wird erzählt, dass das von Schwarzkopf befehligte Bataillon während des Vietnamkrieges am 28. Mai 1970 auf der Halbinsel Batangan in ein Minenfeld geriet. Viele lösten die Detonationen selbst aus und starben, weitere verletzten sich schwer. Die anderen müssen entsprechend ihrer Ausbildung dort stehen bleiben, wo sie sich gerade befanden. Die weitere Vorgehensweise: Auf das Minenräumkommando der Pioniere warten, die zumindest einen sicheren Weg zurück wieder herstellen sollen. Das aber dauerte Lieutenant Colonel Schwarzkopf zu lange. Mitten im Minenfeld krümmte sich einer seiner Kameraden vor Schmerzen. Eine Mine hatte ihm ein Bein abgerissen. Er ging selbst in das Minenfeld. Langsam tastete er sich vor bis zu diesem Verletzten und hielt ihn fest, bis der Rettungshubschrauber ihn abholte. In diesem Falle bestand die Gefahr, dass der Soldat durch seine Bewegungen noch weitere Minen auslösen würde, bis nichts mehr von ihm übrig bleiben würde. Er rettete ihn und viele andere durch seinen sicheren Weg.

Die Auszeichnungen Schwarzkopfs sind nahezu unendlich. Hier nur eine Auswahl – sortiert nach der „Order of Precedence of the Military Awards“:

  • Defense Distinguished Service Medal
  • Army Distinguished Service Medal (4x)
  • Navy Distinguished Service Medal
  • Air Force Distinguished Service Medal
  • Coast Guard Distinguished Service Medal
  • Silver Star (3x)
  • Defense Superior Service Medal
  • Legion of Merit
  • Distinguished Flying Cross
  • Bronze Star (3x)
  • Purple Heart (2x)
  • Meritorious Service Medal (7x)
  • Air Medal (9x)
  • Army Commendation Medal (4x)
  • National Drefense Service Medal (2x)
  • Vietnam Service Medal (5x)
  • Presidential Medal of Freedom
  • Grossoffizier der Französischen Ehrenlegion
  • Knight Commander des Order of the Bath (ohne Ritterstand)
  • Congressional Gold Medal

Und nicht zu vergessen, der Titel „Ehrensoldat der Französischen Fremdenlegion“ (Caporal honoraire de la Légion étrangère) sowie die Ehrendoktorwürde der United States Sports Academy im Jahre 1990.

Auch der immer wieder mit seiner militärischen Karriere angebende derzeitige Verteidigungsminister der USA wurde mehrfach ausgezeichnet. Doch erhielt er aus dieser hochrangigen Liste nur jeweils einmal den Bronze Star und die National Defense Service Medal. Norman Schwarzkopf war also einer der wirklichen, ganz grossen Helden, die aufgrund ihrer Erfolge und ihres Mutes alles überstrahlten. George Bush sen. bezeichnete den Vier-Sterne-General als „einen der grössten Militärchefs seiner Generation“! Spätestens seit „Desert Storm“ kannte ihn damals jeder in den USA. Wenn auch unter dem Spitznamen „Stormin‘ Norman“, den er niemals so richtig mochte. Verantwortlich dafür zeichneten seine weltweit ausgestrahlten Pressekonferenzen während der Kuwait-Krise. Jeder kleine amerikanische Junge wollte so werden wie er!

Norman Schwarzkopf war zu Beginn der Kuwait-Krise 56 Jahre alt. Nur ein Jahr später quittierte er den Dienst und trat auf dem Höhepunkt seiner Karriere in den Ruhestand über. Seine Aufgabe war erfüllt: Er hatte seinem Land gedient, hat einen Befehl befolgt, daraus einen brillianten Krieg gemacht und hat viele Soldaten wieder nach Hause gebracht, die ansonsten gefallen wären. Die Politik und andere rissen sich um ihn. Er entschied sich – ganz im Gegenteil seines hochrangigen Militär-kameraden Colin Powell (während „Desert Storm“ US-Generalstabschef) – dafür, die Türe hinter sich zu schliessen und zog sich zum Angeln nach Tampa/Florida zurück. 1992 erschien seine Autobiographie – der Titel sagt wohl alles über diesen Mann: „Man muss kein Held sein“ (It doesn’t take a hero). Für alle, die sich nun weiter über Norman Schwarzkopf informieren möchten, sei dieses Buch ans Herz gelegt oder ein Blick in den einschlägigen Info-Plattformen empfohlen. Nur zwei Punkte möchte ich noch erwähnen: Schwarzkopf war Mitglied des High-IQ-Vereins Mensa. 1993 wurde Prostata-Krebs diagnostiziert. Auch diesen Kampf konnte der General für sich entscheiden.

Am 27. Dezember 2012 starb General H. Norman Schwarzkopf jun. an den Folgen einer Lungenentzündung!

PS: Während und nach „Desert Storm“ schrieb Schwarzkopf übrigens die Briefe an die hinterbliebenen Familien der Gefallenen selbst.

Lesetipps:

.) It doesn’t take a hero; H. Norman Schwarzkopf/Peter Petre; Bantam 1993

.) Stormin‘ Norman: An American hero; Jack Anderson; Zebra Books 1991

Leave a Reply


WP Login