Wo bleibt denn die Buchstabenfee???

Eigentlich wollte ich diese Woche an hiesiger Stelle ein Best-of von Posts aus den Social Medias bringen – ganz nach dem Motto: Nix Deitsch, nix Arbeit und nix Wohnung! Sozusagen als Nachschlag zu den hervor-ragenden PISA-Ergebnissen von Deutschland und Österreich. Allerdings käme ich damit in eine mehr als ungemütliche Zwickmühle: Einerseits dürfen in den Social Medias belastende Aussagen nur nach vorher-gehender Anonymisierung weitergeleitet werden, andererseits bin ich jedoch verpflichtet, Zitate als solche zu kennzeichnen und die Quelle anzugeben! Was also tun?

Die Studie war für eine Woche Thema, doch inzwischen leider wieder vom Bildschirm verschwunden. Das darf nicht sein, schliesslich geht es um die Zukunft einer ganzen nachfolgenden Generation! Deshalb auch von mir einige Gedanken zu diesem Thema nach dem grossen Sturm!

Fiel im 20. Jahrhundert das Wort “Pisa”, so dachten wohl die meisten unter uns an den Schiefen Turm, Sonne, italienisches Flair und vielleicht so manch einer auch an Pizza und Pasta! Das allerdings hat sich in den Jahren seit der Jahrtausendwende schlagartig geändert, denn der Schiefe Turm ist zwischenzeitlich umgefallen – zumindest bildungstechnisch!!!

Unter ”PISA” verstehen der Eingeweihte bzw. Interessierte inzwischen eine Erkenntnis, die alle drei, künftig vier Jahre eintritt, wenn eine spezielle Studie veröffentlicht wird: Die Erkenntnis, dass es mit der Bildung in den zivilisierten Staaten offenbar bergab geht! Doch wäre es verfrüht, vom Untergang Roms zu sprechen, denn noch kann der Karren aus dem Schlamm gezogen werden – mit gemeinsamen Bemühungen! Im drei-jährigen Zyklus veröffentlicht die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) das ”Programme for International Student Assessment”; Schuluntersuchungen, die messen sollen, was unsere 15- bzw. 16-jährigen Kinder eigentlich alles draufhaben, wenn es um die alltags- und berufsrelevanten Kenntnisse geht! Offiziell heisst dies: ”das Wissen, die Fähigkeiten, die Kompetenzen, … die relevant sind für persönliches, soziales und ökonomisches Wohlergehen” (OECD 1999). Dabei soll das Wissen bereichsspezifisch eingesetzt werden um authen-tische Probleme zu lösen. Soll heissen, die Aufgaben werden in “Persön-liche oder kulturelle Kontexte eingebettet!”. Die Aufgaben werden teilweise in Multiple Choice oder als offene Fragen gestellt. In jedem teilnehmenden Staat werden zumindest 5.000 Stichproben gezogen, die Studien selbst im Auftrag der Regierungen durchgeführt und sind beliebig erweiterbar – etwa durch Bundesländervergleiche (PISA-E) oder ein nochmaliges Testen derselben Klasse ein Jahr später (PISA-International Plus) bzw. auch durch die Hinzunahme der Eltern (PISA-Elternstudie). Dabei werden insgesamt drei Bereiche abgefragt: Lese-kompetenz, Mathematik und Naturwissenschaften! Mittels Schwerpunkt-setzung sollen diese auch alle drei bzw. vier Jahre betont werden: Lesen, Mathematik, Naturwissenschaften und schliesslich wieder Lesen! Damit sind wir in der Gegenwart gelandet: Beim letzten Test 2025 stand eigentlich die Naturwisssenschaftskompetenz im Schwerpunkt. Daneben wurde auch das „Lernen in der digitalen Welt” und damit die Kompe-tenzen beim computergestützten Problemlösen überprüft (ausser in den Ländern Kurdistan/Irak, Kambodscha, Mauritius, Ruanda, Duschanbe/Tadschikistan und Sambia). Doch auch das geschriebene Wort wurde einbezogen. Und da erlebte dieser Tage so mancher Bildungs-Verant-wortliche sein blaues Wunder! Weltweit nahmen dieses Mal 91 Länder teil (2023 waren es noch 81), darunter alle “43 OECD-/EU-Länder”. Rund 760.000 Schüler/-innen beteiligten sich daran. In Deutschland waren es rund 6.700 aus 250 Schulen, in der Schweiz rund 7.200 aus 300 und in Österreich 6.987 per Zufalls-Code ausgesuchte Probanden aus 265 Schulen.

Hier die diesjährigen Ergebnisse:

.) OECD-Durchschnitt:

Naturwissenschaften 482 Punkte

Lesekompetenz 461 Punkte

Mathematik 463 Punkte

.) Deutschland:

Naturwissenschaften 486 Punkte

Lesekompetenz 465

Mathematik 464

.) Österreich:

Naturwissenschaften 497 Punkte

Lesekompetenz 467 Punkte

Mathematik 477 Punkte

.) Schweiz:

Naturwissenschaften 501 Punkte

Lesekompetenz 470 Punkte

Mathematik 499

China führt die Liste an – da ich diesen Zahlen jedoch nicht ganz traue – hier jene des Zweitplatzierten zum Vergleich:

Singapur:

Naturwissenschaften 560

Lesekompetenz 535

Mathematik 563

Obgleich alle drei deutschsprachige Staaten – wenn auch nur leicht!) über dem OECD-Mittel liegen, zeigt uns der Vergleich mit Singapur vor allem Eines auf:

ES GIBT VIEL LUFT NACH OBEN!!!

In Deutschland herrscht Bildungs-Katerstimmung – es sind die mit Abstand schlechtesten Zahlen, die jemals beim PISA-Test erreicht wurden.

“Wir sind zwar nicht dramatisch abgehängt. Aber wir werden unserem eigenen Anspruch als Bildungsnation nicht gerecht. Wir spielen nicht mit unter den Top-Staaten!”

(Univ.-Prof. Samuel Greiff, Leiter des Zentrums für internationale Bildungsvergleichsstudien ZiB an der Universität München)

Jubel im Alpenstaat? Weit gefehlt – es gilt, noch viel anzupacken. So spricht etwa Bildungsminister Christoph Wiederkehr (Neos) von “Licht und Schatten”. Österreich befinde sich zwar bei den Naturwissenschaften im Spitzenfeld, bei der Lesekompetenz und Mathematik ortet er aber “einen signifikanten Rückgang von Grundkompetenzen”, was in weiterer Folge auch zu einem Handlungsbedarf führe.

Im Vergleich zu Deutschland und Österreich schneiden die Schweizer zwar nicht wesentlich, so aber dennoch besser ab. Doch auch hier sinkt das Niveau. So fordert etwa der Schweizerische Arbeitgeberverband, “die Grundkompetenzen wieder stärker ins Zentrum zu rücken. Unternehmen stellten insbesondere beim Schreiben und in der Mathematik seit Jahren grössere Defizite bei Lernenden fest.”

Ursachen gibt es derer viele – so war etwa 2023 die Pandemie der aus-schlaggebende Faktor. Heuer sehen die Experten vornehmlich zwei Probleme: Der soziale Unterschied und die Herkunft! Kinder bzw. Jugendliche aus besseren Verhältnissen haben ganz andere Möglichkeiten und Lebensabläufe als jene, die aus ärmlicheren Verhältnissen stammen. Und: Wird in Familien mit Migrationshintergrund zuhause kein Deutsch gesprochen – wie soll das Kind/der Jugendliche dies dann nachholen und verbessern können?

Allerdings darf auch Eines nicht ganz ausser Acht gelassen werden:

“Kinder und Jugendliche, die bis spät in den Abend soziale Medien nutzen oder algorithmisch getriggert, aufwühlende Videos konsu-mieren, werden vom gesunden Schlaf abgehalten!”

(Dr. Michael Hubmann, Präsident des Berufsverbandes der deutschen Kinder- und Jugendärzte BVKJ)

Alle drei Meinungen gelten anscheinend über die Grenzen hinaus auch für die vornehmlich die Rechtsparteien-Wählenden, wenn man deren Äusserungen so liest und mit Wahl-Analysen vergleicht.

Wie alsdann 2023, nach der letzten PISA-Studie, tobt auch heuer wieder die Opposition und die Regierungen versprechen Reformen im Bildungs-system.

Die Wissenschafter betonen immer wieder, dass PISA nicht etwa als Leistungsranking anzusehen ist. Vielmehr sollen Stärken und Schwächen der einzelnen Bildungssysteme ausfindig gemacht werden! Alle drei Jahre wird somit eine neue Diskussion über den Bildungssektor eingeläutet. Hierbei treffen die Meinungen von Experten beinhart aufeinander. Dabei sollte allerdings eines nicht vergessen werden: Der Jugendliche selbst! Er steckt mitten in der Sturm-und-Drang-Phase der Pubertät. Somit sollte dies in die Ursachenforschung mit einbezogen werden: Den Unterricht für diese Altersgruppe interessant zu machen, den Unterricht erlebenswert aufzubauen! Das stupide Stucken, das unsereins noch machen musste um das Abitur/die Matura zu bestehen – das sind Unterrichtsmethoden aus dem Jahr Anno Schnee!!!

Nettes Detail am Rande: Die PISA-Studie wurde von einem Deutschen entwickelt, dessen schulische Leistungen in der Grundschule einen Wechsel ins Gymnasium nicht zuliessen!

PS: Tipp- und Rechtschreibfehler sind durchaus beabsichtigt; schliesslich kommt der Autor aus Österreich!!!

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