Archive for März, 2022

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Ulrich Stock

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Krieg auf der Überholspur des Datenhighways

Wenn im russischen Staatsfernsehen plötzlich die ukrainische Flagge gezeigt und die ukrainische Nationalhymne abgespielt wird, so steckt sicherlich in diesen Zeiten kein menschliches Versagen dahinter, sondern pure Absicht. Hätte ein Praktikant versehentlich den falschen Knopf gedrückt, so wäre er nicht nur sofort seinen unbezahlten Job los, sondern stünde höchstwahrscheinlich auch wegen Hochverrates vor einem Militärgericht Putins. Nein – der Urheber einer solchen Szene sitzt irgendwo auf dieser Welt, in einem abgedunkelten Keller, vor mehreren Bildschirmen, einer Tastatur und einer Maus: Ein Hacker der Vereinigung „Anonymous“. Manche übrigens sind kaum älter als der vorhin ange-sprochenen Praktikant. Kriege werden heute vor allem im weltweiten Web ausgetragen und hier sind ja bekanntlicherweise die Möglichkeiten nahezu unbegrenzt. So wurden beispielsweise die US-amerikanischen Drohnen in Afghanistan von Rammstein/Deutschland aus gesteuert. Freilich unter Zuhilfenahme von Militärsatelliten, damit es schneller ging.
Auch die Invasion Russlands in der Ukraine war bereits monatelang zuvor im Internet vorbereitet worden: Durch Putins Troll-Fabrik. Kampagnen mit eindeutiger Desinformation und Furchtszenarien wurden bereits gefahren, als der erste russische Feldschuh noch weit entfernt der russisch-ukrainischen Grenze seinen Dienst versah. Zu diesem Schluss kam der 2020 eingesetzte „Sonderausschuss zur Einflussnahme aus dem Ausland auf alle demokratischen Prozesse in der EU“ des Europa-parlaments. Und – offenbar stehen ausgerechnet hier Tür und Tor sperr-angelweit offen. So konnten Schwachstellen aufgezeigt werden, die perfekt für das Einschleusen von Falschmeldungen geeignet sind und dadurch Unruhe stiften können. Viele sind davon auch dafür genutzt worden. Doch hat nicht nur Brüssel diese Probleme. Gewarnt werden vor allem nationale Stellen. Namentlich erwähnt wird dabei die Finanzierung der AfD in Deutschland. Das Ausschussmitglied Sabine Verheyen (CDU) berichtet u.a von einer Propaganda-Maschinerie mit „extremer Raffinesse und unzähligen Formen“. Aber auch von einer sog. „Landsmannpolitik“, wodurch die vielen russischstämmigen Menschen ausserhalb des Landes (v.a. in den baltischen Staaten und den östlichen EU-Mitgliedsländern) vom Konzept der „russischen Welt“ angesprochen und überzeugt werden sollen. Wie es zuvor der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bereits praktizierte.
Am Tag vor dem Einmarsch der russischen Truppen wurde eine Wiper-Schadsoftware aktiviert. Sie war bereits vorinstalliert – bei Unternehmen, die mit der ukrainischen Regierung zusammenarbeiten. Es handelt sich dabei um eine Software, die grossflächig Löschungen vornimmt. Das betrifft nicht nur einzelne Rechner sondern auch Server und damit ganze Netzwerke.
Die Kampfkraft dieser speziellen Soldaten wurde bereits mehrfach – vor-nehmlich bei Wahlen – unter Beweis gestellt. So sind etwa die Umstände der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten und die Rolle Russlands dabei nach wie vor noch nicht endgültig geklärt. Alsdann hatten die Russen beim Brexit ihre Finger im Spiel. Während der Pandemie stiessen die gefakten Zweifel an der Qualität der westlichen Impfstoffe auf offene Ohren der Impfgegner. Die grüne Europaabgeordnete Viola von Cramon fürchtet vor allem die bewusst geführte Desinformation der Bevölkerung in der westlichen Hemisphäre. Viele übernehmen diese Fakes 1:1 und glauben fest daran, anstatt dies zu hinterfragen und sich über einen anderen Info-Kanal abzusichern. Hierzu zählen u.a. die nachgewiesen gelogenen Aus- bzw. Zusagen Wladimir Putins. Von Cramons bezeichnet dies als „Hybride Kriegsführung“. Auch der MEP der österreichischen Sozialdemokraten, Andreas Schieder, spricht von einem Info-Krieg Putins, der schon „seit vielen Jahren“ laufe. Zudem – ebenfalls im Abschluss-bericht des Ausschusses enthalten – kooptiere Russland Eliten im Westen. Hier erwähnt seien etwa die ehemaligen österreichischen Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, Alfred Gusenbauer und Christian Kern, sowie allen voran der deutsche Ex-Kanzler Gerhard Schröder. Sie werden in Vor-stände und Aufsichtsräte deutscher und österreichischer Unternehmen oder russischer Ableger eingeschleust, damit sie vornehmlich ihre Kontakte bzw. vertrauliches Wissen zugunsten Russlands nutzen sollen. Dies sei heute aber nur am Rande erwähnt.
Die breite Öffentlichkeit wird durch die Trolle vornehmlich über die sozialen Medien hysterisiert. Fake-Accounts, -Likes und -Posts, Drohungen, Hassmeldungen gegenüber Politiker, Journalisten, Wissen-schaftler etc. – nicht hinter jedem Post steckt ein der deutschen Sprache nicht kundiger Rechtsextremer. Experten sprechen in diesem Zusammen-hang von der „Erschaffung einer Scheinöffentlichkeit“ mit dem Ziel, Stimmung zu machen. Es soll gar ein künstliches Chaos geschaffen werden, wodurch die Bevölkerung das Vertrauen in ihre politischen Vertreter verliert. Litauen hat bereits hierauf reagiert und mit der Platt-form debunk.eu eine Faktencheck-Website geschaffen, wo so manche Aussage überprüft werden kann. Die Macher nennen sich selbst „Die litauischen Elfen“. Auch die EU hat schon im Jahr 2015 die Gegen-massnahme „East Stratcom Taskforce“ online gestellt, damit Falsch-meldungen durch den Faktencheck gejagt werden können. Sie ist jedoch nahezu unbekannt, während die litauischen Elfen immer mehr Zulauf bekommen.
Cyber-Attacken hingegen finden auf einer weitaus höheren Ebene statt. So beschuldigten die USA schon unter Trump, aber auch unter Biden den militärischen Geheimdienst Russlands GRU der tatkräftigen Beteiligung an diesen Operationen. Inhalt solcher Angriffe sind zumeist Infrastrukturen wie Elektrizitätswerke, Wasserversorger, medizinische Einrichtungen und Medienunternehmen, aber auch Rüstungsbetriebe oder Global Player sowie Banken. Otto Normalbürger steht dem hilflos gegenüber – er bemerkt nur deren Auswirkungen. Um diese Front kümmern sich die Mitglieder von Anonymous. Hacker aus aller Welt haben sich auf Seiten der Ukraine gegen Putins Trolle eingeschaltet. So war am 26. Februar des Jahres auf Twitter zu lesen:

„Ukrainian people we are at your side. Anonymous is against this war. We will all do our best to help the Ukrainian people. We cannot let this attack go unpunished!“

Übrigens ging dem Ganzen ein Hilferuf des stellvertretenden Premier-ministers und Digitalministers der Ukraine, Mykhailo Fedorov, voraus, der über Telegram digitale Talente für eine IT-Armee suchte. Bekannt wurde die Gruppierung vornehmlich aufgrund ihrer Maske: Ein grinsendes, weisses Männergesicht mit Schnurrbart („Guy Fawkes Maske“). Niemand kennt sie. Keiner weiss, wo sie umgehen. Auch untereinander weiss niemand bescheid über die wahre Identität des Anderen. Nur deren Nicknames sind bekannt. Vor allem die Untergruppierung „OpRedScare“ greift via Tastatur und Maus in den Cyberkrieg gegen Russland ein. Sie knacken so manche Firewall ohne Probleme, andere Zugänge dauern etwas länger, sind aber ebenfalls nicht sicher vor einem Zugriff. Auf ihr Konto geht u.a. das vorhin bereits erwähnte russische Staatsfernsehen, aber auch das russische Verteidigungsministerium, der Energiekonzern Gazprom und russische sowie belarussische Infrastruktur. Innerhalb von nur 72 Stunden waren über 1.500 Websites offline sowie das Passwort des russischen Verteidigungsministers geknackt. Nicht jedoch jene von medizinischen oder Bildungseinrichtungen – Anonymous sieht sich auf der Seite der Zivilbevölkerung. Die russischen Trolls versuchen die Anonymous-Hacker mit sog. „Honeypots“ zu ködern. Webseiten, die eigens online geschalten wurden, um an die Urheber derartiger Zugriffe zu gelangen. Nicht zuletzt deshalb müssen Neuankömmlinge bei Anonymous ein schwieriges Aufnahmeprozedere durchstehen, damit sie zum Einen nicht sofort ausfindig gemacht werden können und schliesslich die Gefahr ausgeschlossen wird, sich hier einen Wolf im Schafspelz einzufangen. Anonymous hat sich auf DDoS-Attacken (Distributed Denial of Service) spezialisiert. Hierbei werden Server von unterschiedlichen Rechnern grossflächig mit Anfragen geflutet, bis sie zusammenbrechen. Dies kann durchaus auch über den Laptop im heimischen Wohnzimmer der Familie Schmidt geschehen, da er nach wie vor auf einem Betriebssystem läuft, für das es keine Sicherheitsupdates mehr gibt oder auf dem keine Firewall und Sicherheitssoftware installiert wurde. Nach derartigen Attacken erscheint stets ein Bekennervideo der Gruppierung auf der geknackten Website. Die Russen reagierten erbost und sprechen von Angriffen des Westens. Dabei ist es nicht auszu-schliessen, dass der eine oder andere Angriff von einem Russen oder einem Chinesen durchgeführt wurde. Ein amerikanischer Hacker wurde durch das FBI angeschrieben. Es habe erfahren, dass er an einer Cyberattack gegen Russland beteiligt gewesen sei. „Gute Arbeit!“
So witzig und trivial dies auch klingen mag, sollte dem Cyber-Krieg grösste Aufmerksamkeit zukommen! Beispiel? Die Ukraine betreibt an vier Standorten insgesamt 15 Kernreaktoren. Ein. Atomkraftwerk muss nicht beschossen werden, wie zuletzt Saporischschja. Es genügt ein Hacker, der im besten Fall „nur“ den Reaktor runterfährt. Zwei Drittel des ukrainischen Stroms wird in Kernkraftwerken produziert. Worst Case jedoch ist hierbei das Hinauffahren des Reaktors über seine Kapazitäts-grenzen. Die Folge wäre im Extremfall ein Supergau wie damals bei Tschernobyl, das ebenfalls in der Ukraine steht. Putin hätte damit eine Atomkatastrophe ausgelöst, ohne auf sein A-Waffen-Arsenal zurück-zugreifen. Ganz Europa wäre – wie auch in den 1980er Jahren – davon betroffen. Darunter jedoch weite Teile Russlands! Die Tat eines Wahn-sinnigen! Doch: War der Beschuss des AKW etwas anderes???
Der wirklich grosse Cyberkrieg hat bislang noch nicht stattgefunden. Nachdem für den russischen Staatspräsidenten die Invasion nicht wirklich so läuft wie geplant, ist die Gefahr sehr gross, dass dies noch geschehen könnte.
Wie im realen Leben gilt auch auf dem Datenhighway der Grundsatz:

Im Krieg gibt es nur Verlierer!

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Biogas – tatsächlich eine Furz-Idee???

Deutschland verbrauchte im Jahr 2020 nicht weniger als 86,5 Milliarden Kubikmeter Erdgas. Mehr als die Hälfte davon kamen via Pipeline aus Russland, gefolgt von Norwegen und den Niederlanden. Österreich ver-brannte im selben Jahr 8,5 Milliarden Kubikmeter, die Schweiz 3,2. Während bei den Eidgenossen nur rund 35 % aus russischer Förderung stammen (der Rest aus der EU und Norwegen), sind es in Österreich 56 % (nur 12-13 % aus Norwegen und Deutschland).
Angesichts des derzeitigen von Russland angezettelten Krieges gegen die Ukraine mehr als bedenkliche Zahlen. Das Ostsee-Pipeline-Projekt Nord Stream 2 wurde durch den deutschen Bundeskanzler Olaf Scholz erst mal eingefroren. Viele Kritiker (wie die USA) bezeichnen es als fahrlässig, sich derart von nur einem Lieferanten abhängig zu machen! Stimmt zu einem gewissen Anteil. Andererseits versuchen selbstverständlich die Ameri-kaner das wesentlich teurere Fracking-Gas an den gutzahlenden Herrn Müller oder Frau Schmidt zu bekommen. Also sind Ideen gefragt. Eine dieser Ideen wäre sicherlich das Biogas!
Biogas entsteht mit Hilfe von Bakterien bei der Vergärung von pflanz-lichen und tierischen Überresten (Gülle, Bioabfälle, Energiepflanzen,…) – unter Luftabschluss (anaerobes Milieu) in sog. „Fermentern“. Zurück bleibt ein hochwertiges Düngemittel mit einer Vielzahl an Nähr- und humusbildenden Stoffen. Das entstehende Gas beinhaltet neben 25 % CO2 auch zwischen 40-75 % Methan (beim Erdgas sind es 80-90 %) – abhängig vom Oxidationsgrad der verwendeten Substrate. Dieses wird zur Strom- oder Wärmegewinnung verwendet. Daneben kann es auch aufbereitet in das Erdgas-Netz eingespeist werden. Zumeist geschieht diese Produktion nicht in einem grossen Biogas-Kraftwerk sondern direkt bei den Produzenten: Auf den Bauernhöfen. Eine durchschnittliche Anlage bringt eine Kapazität von 600 kW. In Österreich sind derzeit rund 350 Biogas-Anlagen im Einsatz. Sie erzeugen jährlich in etwa 150 Mio Kubik-meter Biogas (rund 2 % des jährlichen Gasbedarfs). In Deutschland sind es rund 9.700, in der Schweiz 30.
Biogas ist die drittwichtigste erneuerbare Energieform in Deutschland – nach der Wasserkraft und der Photovoltaik. 2019 wurden 8,1 Milliarden Euro mit der Produktion und Verwertung von Biogas in Deutschland umgesetzt, zwischen Flensburg und Berchtesgaden im Jahr 2020 5,2 % des verbrauchten Stroms aus Biogasanlagen gewonnen. Alleine in Niedersachsen beläuft sich die Biogaskapazität auf 1,4 Gigawatt, deutschlandweit sind dies 5,6 GW. Klar – bei einer Stromproduktion von 30 Terrawattstunden sind dies vernichtend geringe Zahlen!
Die anderen Bestandteile (neben Methan und CO2) sind Stickstoff N2 (0-7 %), Sauerstoff O2 (0-2 %), Wasserstoff H2 (0-1 %) und Schwefelwasserstoff H2S (0-1 %). Inzwischen sucht neben anderen auch die Technische Universität Graz im „Projekt Biogas 2H2“ nach einer Möglichkeit, aus der Biomasse Wasserstoff H2 zu extrahieren, der für den Antrieb von Brennstoffzellen dienen könnte. Ansonsten muss dieser sehr energie-aufwendig gewonnen werden.
Am interessantesten jedoch bleibt die Herstellung von Biomethan. Ein Kubikmeter Methan hat einen Energiegehalt von 9,97 kWh. Umgerechnet auf einen Methananteil von 60 % bei Biogas entspricht dies einem Energiegehalt von 6 kWh pro Kubikmeter (rund 0,6 l Heizöl).
In Blockheizkraftwerken erfolgt die Stromgewinnung. Leider wird in den meisten Fällen die Abwärme noch nicht zur Heizung von Gebäuden genutzt. Dadurch geht rund 2/3 der enthaltenen Energie verloren. Eine vorbildhaft geführte 190 kWh-Biogasanlage produziert rund 1,5 Mio kWh Strom und speist zudem 350.000 kWh Wärme in das Wärmenetz einer Gemeinde ein. Dadurch können 430 Haushalte mit Strom und 30 Haushalte mit Wärmeenergie beliefert werden. Hochgerechnet auf den CO2-Ausstoss ergibt sich gegenüber der Verwendung fossiler Treibstoffe (1.100 to CO2) eine Einsparung von zirka 650 to pro Jahr – dabei eingerechnet ist übrigens auch der Bau der Anlage!
Bei den Gasanbietern kann der Biogas-Anteil selbst gewählt werden. So erzeugt beispielsweise die Biogas-Aufbereitungsanlage Wien-Simmering pro Jahr über eine Million Kubikmeter Biomethan aus zirka 22.000 Tonnen biogenem Küchenabfall und speist dies in das Gasnetz ein. Aus 1,3 kg biogenen Hausabfällen lässt sich 1 kWh Strom gewinnen. Damit können 900 Haushalte der österreichischen Bundeshauptstadt umwelt-freundlich versorgt werden. Somit verringert sich der Ausstoss von CO2 um jährlich mehr als 3.000 Tonnen. Auch im schweizerischen Freiburg wird weitergedacht. Gemeinsam mit dem Projekt E Celsius nutzt die Stadt das durch die Klärschlammvergärung entstehende Gas nach erfolgter Aufbereitung zur Einspeisung in das städtische Gasnetz. 17.000 Kubikmeter Abwasser strömen täglich in die Kläranlagen der Stadt. Daraus entstehen jährlich 10 GWh Energie (gegengerechnet etwa 1 Mio Liter Heizöl). Damit ist der Wärmebedarf von 1.000 Einfamilienhäusern gedeckt.
Biomethan gelangt aber auch bei Gasmotoren zum Einsatz. So kann umgerechnet mit einer Tonne Grüngut ca. 1.000 Kilometer weit gefahren werden. Wurde der Methangehalt auf 98 % aufbereitet, so kann auch ein gasbetriebenes Fahrzeug ohne Folgen oder Problemen damit betankt werden. Dies reduziert den CO2-Ausstoss um bis zu 90 % und hilft alsdann beim Sparen auf jedem gefahrenen Kilometer. Biomethan kann zudem verflüssigt werden – man spricht dann von „LNG“ (Liquid Natural Gas). Damit werden LKW und Schiffe betankt und betrieben. Eine solche Aufbereitungsanlage steht neben 200 anderen in Deutschland in Pliening bei München.
Bei all diesen positiven Aspekten sollten aber auch objektiverweise die negativen nicht ausser Acht gelassen werden. So produzieren zusehends mehr Ackerbauern Mais oder Futterrüben (Energiepflanzen) nur für die Vergärung zu Biogas. Zur Zeit auf über 2 Mio Hektar Ackerland (1/5 des Gesamtackerlandes) – alleine in Deutschland. Durch Monokulturen verödet die Landschaft, Schädlinge oder Klima-Veränderungen können grossen Schaden anrichten (zur Resistentmachung gelangt die Genmanipulation zum Einsatz), der Boden wird ausgelaugt. Mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz aus dem Jahr 2014 versuchte die deutsche Bundesregierung dem entgegenzutreten. So erhalten seither grosse Betriebe nurmehr die Grundvergütung für die Stromeinspeisung, die Subventionen für Energiepflanzen wurden gänzlich gestrichen. Nurmehr Klein-Anbieter bis 75 kWh erhalten eine hohe Einspeisevergütung. Die Verwendung von Energiepflanzen sollte gänzlich verboten werden, da die Ernährung der Bevölkerung (v.a. fernab der grossen internationalen Lieferketten) immer mehr zum Problem wird (die derzeitigen Weizenpreise sprechen wohl Bände!). Nahrungsmittel sollten stets den Vorrang gegenüber Antriebsmitteln haben! Schliesslich gibt es genügend Küchenabfälle, Rückstände aus der Bier- und Weinproduktion (Treber), aus der Saftproduktion (Trester), Ernterückstände (Pflanzenblätter etwa) oder auch Molkerei- und Schlachtereiabfälle, Gülle oder Klärschlamm, die dafür eingesetzt werden kann. Apropos Gülle: Derzeit werden nur rund 1/4 der in Deutschland entstehenden tierischen Exkremente in Biogas-Anlagen vergärt – der Rest landet entweder auf den Ackern und Feldern, wo sie für eine übermässige Nitratbelastung des Grundwassers sorgt, oder wird in andere Staaten exportiert.
Daneben bestehen auch einige Gefahren, die von derartigen Biogas-Anlagen ausgehen. So entstehen hochentzündliche und extrem klima-schädliche Gase, die durch ein Leck leicht in die Umwelt abgegeben oder im Brandfall gar zu einer verheerenden Verpuffung führen können. Daneben bilden die Substrate, Gülle und Gärreste eine erhebliche Gefahr für Grund- und Fliesswasser. Schon mehrfach wurde schlichtweg ein Ventil bei einer Zuführungs- oder Ablassstelle nicht geschlossen, wodurch das Leben in Bächen oder Flüssen vernichtet wurde. Deshalb unterliegen Biogas-Anlagen strengen gesetzlichen Richtlinien und Kontrollen. Doch so sicher auch die Technik sein mag – menschliches Versagen kann niemals ausgeschlossen werden.
Nachdem bereits von ernst zu nehmenden Ökonomen mit einer Verdoppelung des derzeitigen Gaspreises bis kommendes Jahr gerechnet wird, wäre die Umstellung auf Biogas durchaus erstrebenswert. Es ist nicht nur klimaneutral und das ganze Jahr über verfügbar, sondern bietet auch die Möglichkeit, das Geld wertschöpfend in der eigenen Region zu belassen anstatt es nach Russland zu schicken. Ihrer Gastherme übrigens ist es völlig gleichgültig, ob Erdgas oder aufbereitetes Biogas verwendet wird.

Lesetipps:

.) Biogas-Praxis. Grundlagen, Planung, Anlagenbau, Beispiele; Heinz Schulz/Barbara Eder; Ökobuch 2005
,) Vom Bauern zum Energielieferant. Die Zukunft des Energiewirt; Martin Stroh; Landwirtschaftsverlag 2000
.) Energie aus Biomasse. Grundlagen, Techniken und Verfahren; Hrsg.: Martin Kaltschmitt/Hans Hartmann/Hermann Hofbauer; Springer 209
.) Kraftwerk Wiese Strom und Wärme aus Gras;Walter Graf; Books on Demand 1999

Links:

– www.biogas.org
– www.dbfz.de
– biogas.fnr.de
– www.ergar.org
– www.umweltbundesamt.de
– www.klimaaktiv.at
– www.gruenes-gas.at
– task37.ieabioenergy.com
– www.chemie.de
– www.aee.at
– gazenergie.ch
– oekostrom.at
– www.energieag.at
– gazenergie.ch
– www.biogas-netzeinspeisung.at

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