Archive for Mai, 2022

Die Wahrheit straft Putin Lügen

„Wie in Russland gibt es auch in der Ukraine sehr harte Rechts-radikale. Man sollte dieses Problem gerade in Deutschland nicht ignorieren.“
(Götz Haydar Aly, Dt. Politikwissenschaftler, Historiker und Journalist)

Unter mehr als fragwürdigen Gründen führt Wladimir Putin den russischen Angriffskrieg gegen den Nachbarstaat Ukraine. Sehr viele seiner Behaup-tungen stellten sich inzwischen als Fake heraus. Mit einer weiteren möchte ich heute „Klar-Tisch-machen“: Der „Entnazifizierung der Ukraine“! Welcher Schwachsinn da aus Moskau in die Welt getragen wurde, zeigt sich wohl am ehesten in der Person des im Jahr 2019 demo-kratisch gewählten ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj: Er gehört dem jüdischen Glauben an! Auch die Politikwissenschafterin an der Universität Paris Nanterre, Anna Colin Lebedev, weist dies zurück. Die auf den Konflikt in der Ostukraine und postsowjetische Gesellschaften spezialisierte Dozentin spricht von einer „marginalen Bedeutung“ des Rechtsextremismuses in der Ukraine. So erreichten die rechtsradikale Partei „Svoboda“ und der „Prawyj Sektor“ bei den Parlamentswahlen 2014 bzw. fünf Jahre später nicht mal 5 % der Stimmen. Als einzige rechts-radikale Abgeordnete sitzt Oksana Sawtschuk (Svoboda) im Parlament in Kiew.
Historisch erwiesen allerdings ist die Kollaboration von Stepan Bandera mit den Nazis im Zweiten Weltkrieg. Dabei beteiligten sich er und seine Anhänger auch in den Massakern an polnischen Zivilisten und Juden. Bandera wurde 1959 in München durch einen KGB-Agenten ermordet. Sein Tun schlachtet die russische Propaganda allerdings in den letzten Monaten erneut aus. Doch gab es solche kollaborative Miliz-Einheiten in allen von den Deutschen besetzten Gebieten – in den meisten davon wurde ab 1945 entnazifiziert und aufgeräumt. Das war unter Stalin nicht anders. Dennoch wird Bandera im Westen der Ukraine nach wie vor als Nationalheld gefeiert.
Rechtsradikale sind derzeit allerorts im Vormarsch. Es scheint, als ob der Mensch nichts aus der Geschichte gelernt hat. Mit dem Angriff auf das Capitol, dem US-amerikanischen Symbol für Freiheit und Demokratie, sollte dies selbst dem letzten Zweifler bewusst geworden sein. Corona-Proteste wurden unterwandert und radikalisiert, Volksvertreter und Journalisten ganz offen beschimpft und ihre Familien bedroht. Mehr als dubios erscheinen in diesem Zusammenhang Geldflüsse aus Russland an die französische Rechtspopulistin Marine Le Pen, die Italienische Lega unter Matteo Salvini oder auch die AfD im Ursprungsland des National-sozialismuses – hier darf sogar ein nach wie vor aktiver Politiker nach Gerichtsurteil des Verwaltungsgerichts Meiningen (2 E 1194/19 Me) ganz offiziell als „Faschist“ bezeichnet werden. Fehlt damit nicht ein Grund-pfeiler für die Basis der putin’schen Argumentation in diesen Krieg? Ansonsten müsste ja davon ausgegangen werden, dass er auch viele andere Länder zum Zwecke der Entnazifizierung angreifen werde!
Der renommierte Osteuropa-Historiker und Holocaust-Forscher Timothy Snyder von der Yale-University warnt in diesem Zusammenhang vor den Gefahren, die der Faschismus für demokratische Gesellschaften birgt. Dabei zeigt sein warnender Finger auch stets auf das Putin’sche Regime.
Doch ist dies noch lange nicht alles: Ich darf gar noch etwas „Nachschlag“ präsentieren. Schauen wir uns doch gemeinsam die beiden Seiten dieses Krieges an: Der beschuldigten Verteidiger und der angeblich wertfreien Angreifer!
Schliesslich meint der Extremismusforscher Alexander Ritzmann:

„Wenn man sagen würde, es gibt in der Ukraine besonders viele Neonazis, ist das auf jeden Fall Propaganda.“

Ukraine

– Asow-Regiment
Die Anhänger dieser paramilitärischen Gruppierung gelten inzwischen in der Ukraine als Volkshelden, obgleich vor dem Krieg auch dort als rechts-radikal abgestempelt. Sie hielten das Stahlwerk in Mariupol über Wochen hinweg gegen die Angreifer und verschafften dadurch der ukrainischen Armee wertvolle Zeit sich neu aufzustellen. Das Asowsche Meer fungierte als Namensgeber, für die zuerst als Bataillon, später dann Regiment bezeichnete paramilitärische Gruppierung. Gegründet durch die beiden nationalistischen Politiker Oleh Ljaschko und Dmytro Kortschynskyj im Mai 2014, kurz nach dem Ausbruch des Konfliktes in der Ostukraine, wurde das Freiwilligenbataillon hauptsächlich durch die Verwendung der Wolfsangel im Bataillonsabzeichen, einem Symbol der 2. SS-Panzer-division und vieler Neonazi-Bewegungen, aber auch der SS-Erfindung der aufgehenden schwarzen Sonne bekannt. Die Wolfsangel jedoch hat in der Ukraine keine faschistische Konnotation! Das Bataillon wurde sehr rasch durch die Regierung Petro Poroschenko der dem Innenministerium unter-stellten Nationalgarde eingegliedert. Poroschenko selbst zeigte sich während seiner Regierungszeit gegenüber Russland kompromissbereit – ausgenommen davon jedoch die Annexion der Krim. Mit der Ein-gliederung in die Nationalgarde kamen immer weniger rechtsextreme Themen zur Diskussion – die Kampfeinheit galt zusehends als „entideo-logisiert“, meint Andreas Umlauf vom Stockholm Zentrum für Osteuropa-studien. So trennte man sich etwa von vielen Rechtsextremen, wie beispielsweise dessen 1. Kommandeur Andrij Bilezkyj, und zog eine klare Grenze zu der auch weiterhin rechtsextrem-tätigen Asow-Bewegung (darunter das „Nationale Corps“ und die „Nationale Miliz“), betont auch der ukrainische Extremismusforscher Anton Schechowzow. Das Bataillon rekrutierte allerdings in ganz Europa auch bei rechtsextremen Veran-staltungen bzw. Gruppierungen. Nach Schätzungen von Experten sollen im Jahr 2017 mehr als 2500 Söldner im Regiment tätig gewesen sein. Darunter jedoch auch bekennende Mitglieder der jüdischen Gemeinde oder Russen. Für Putin ist das Asow-Regiment nach wie vor das neo-nazistische Feindbild schlechthin in der Ukraine. Russland bombardierte am 24. Februar eine Geburtsklinik in Mariupol und rechtfertigte dies damit, dass sich dort Asow-Mitglieder versteckt hielten – ebenfalls eine Lüge, die viel Leid brachte. Die Zerstörungen in Mariupol werden inzwischen in einer Reihe mit jenen in der syrischen Stadt Aleppo bzw. der tschetschenischen Hauptstadt Grosny genannt – auch hier hinter-liessen russische Truppen eine Spur der Verwüstung.

– AIDAR
Im Vergleich zum Asow-Regiment agiert dieser Freiwilligen-Verband tatsächlich neo-nazistisch und damit rechtsradikal. Seine Mitglieder tragen öffentlich Nazi-Symbole, wie das Hakenkreuz auf der Uniform oder als Tätowierung auf dem Körper. Einige der Anführer sind bekennende Mitglieder von Neo-Nazi- bzw. rechtsradikalen Gruppen.

– C14
Die Zahl 14 ist ein beliebter Code in der rechtsextremen Szene. Sie bezieht sich auf die „14 words“ des Neonazis David Lane. Seit dem Jahr 2014 und damit der Ostukraine-Krise ist die Neo-Nazi-Gruppe auch paramilitärisch aktiv. Dabei scheut sie auch vor Gewalttaten an bei-spielsweise den Roma nicht zurück. C14 steht der nationalistischen Partei „Svoboda“ nahe.

– Militärorden Centuria
Als „europäische Traditionalisten“ wollen diese Rechtsextremen die „kulturelle und ethnische Identität der europäischen Völker“ gegen die Bürokratie Brüssels verteidigen. Dafür unterwandern sie das ukrainische Militär mit ihrer ultranationalistischen Ideologie. Ihre Mitglieder schmücken sich gerne mit einem Fadenkreuz, das an das rechtsextreme Symbol des Keltenkreuzes erinnert.

– Misanthropic Division
Eindeutige Nazis sind die Angehörigen dieser Vereinigung. Auf deren Flagge sind zwei Kalaschnikows, zwei SS-Totenköpfe und der Spruch „Töten für Wotan“ zu erkennen. Ihr Ziel ist ein von Russland, aber auch der EU unabhängiger nationalsozialistischer Staat. Als Kampfeinheit ist die Division dem Asow-Regiment unterstellt, Einsatzgebiet ist die Ost-ukraine. Jugendliche und junge Erwachsene dieser rechtsradikalen Gruppierung sollen drei Anschläge auf Roma-Siedlungen in Kiew, Ternopil und Lwiw verübt haben. Ähnliche Anschläge, Einschüchterungen und Drohungen sollen nach Angaben des UNO-Hauptkommissariates für Menschenrechte auf das Konto von „C14“, „Prawyj Sektor“, „Tradition und Ordnung“ oder „Karpatska Sitsch“ in anderen ukrainischen Städten gehen.

– Natsionalnyi korpus (Nationaler Korpus) (ohne Kriegsbeteiligung)
Im Jahr 2016 gegründet, nannte sich diese rechtsextreme Partei zuerst „Patrioten der Ukraine“. Den Stamm bildeten ehemalige Mitglieder des Asow-Regiments. Politisch eher unbedeutend erreichte die Partei bei den Parlamentswahlen 2019 2,15 % der Stimmen.

– Prawyj Sektor (Rechter Sektor)
Während des Euromaidan schlossen sich 2013 mehrere ultra-nationalistische und rechtsextreme Gruppen zusammen und verweigerten eine Entwaffnung. Mit dem Aufflammen des Ostukraine-Konfliktes wurde das Ukrainische Freiwilligenkorps gegründet, das seither gegen pro-russische Separatisten kämpft.

– Svoboda (ohne Kriegsbeteiligung)
Die heutige ultranationalistische Partei Svoboda wurde eigentlich als rechtsextreme „Social-National Party of Ukraine“ (SNPU) gegründet. Svoboda erfreute sich zu Beginn regen Wählerzulaufs, der aber mit der Zeit wieder abflachte. Im Parlament in Kiew sitzt mit Oksana Sawtschuk seit den letzten Parlamentswahlen eine Vertreterin der Partei.

– Tradytsiia I Poriadok (Tradition und Ordnung)
Diese rechtsextreme Organisation wurde v.a. durch die Angriffe auf die LGBTIQ bekannt. Im Logo ist ein Arm in Ritterrüstung zu sehen – es handelt sich dabei wohl um den ideologischen Hintergrund der Vereinigung: Die ritterliche Verteidigung der „traditionellen Nation“. Mitglieder dürften auf ukrainischer Seite im Krieg involviert sein, rekrutiert die Gruppe doch auch in Deutschland Interessierte.

Ein soeben veröffentlichter Bericht des deutschen Bundesnachrichten-dienstes (BND) geht davon aus, dass auch auf russischer Seite zahlreiche bewaffnete, rechtsradikale Milizen in der Ukraine im Angriffskrieg involviert sind.

– Defenders of Donbass
Bei dieser Gruppierung handelt es sich um rechtsextreme russische Separatisten aus der Region Donbass/Doneszk. Sie kämpfen offiziell für die „Donetsk People’s Republic“ (DPR), die es jedoch niemals geben wird. Schliesslich will Putin die Annexion der Region an Russland erreichen – wie er meint, ganz legal durch eine Volksabstimmung. Im Wappen der Separatisten findet sich der Doppelkopfadler des russischen Zarenreichs und die Farben der weiss-blau-roten Trikolore, der aktuellen National-flagge Russlands. Sie wurde übrigens erstmals nach dem Sturz des Zaren bis zur Oktoberrevolution durch die damalige provisorische Regierung verwendet.

– Nationalsozialistische Gesellschaft (ohne Kriegsbeteiligung)
2004 durch Dmitry Rumyantsev Maluta „Korotkikh“ gegründet, wurde diese ultrarechte russische Neo-Nazi-Vereinigung im Jahr 2010 verboten. Ein Jahr später sprach das Gericht 13 ihrer Mitglieder wegen rassistischer Morde an 28 Personen und über 50 Angriffe auf Nichtrussen und LGBTQ-Community-Mitglieder für schuldig. Proklamiert wurde ein russischer Nationalstaat, der auf nationalsozialistischem Gedankengut aufbaut.

– Russian Imperial Movement (RIM)
Hierbei handelt es sich um die russischen Reichsbürger, monarchistisch, ultranationalistisch und revisionistisch ausgerichtet. Mitglieder, aber auch Neonazis aus Deutschland, wie jene der NPD oder des III. Weges, werden in Trainingslagern ausgebildet und kampftüchtig gemacht. Der para-militärische Arm der rechtsextremen Gruppierung („Reichslegion“ RIL) griff bereits in den Jahren 2014 und 2015 auf der Krim sowie in der Ostukraine in den Konflikt ein. Der Anführer, Denis Garijew, wurde offenbar selbst verletzt, sein Stellvertreter getötet und andere Mitglieder verwundet. Die russischen Reichsbürger fordern den Wiederaufbau des Zarenreichs und die Rückeroberung „verlorener Territorien“ der ehe-maligen Sowjetunion.

„Ganz ohne Zweifel sprechen wir uns für die Liquidierung des separatistischen Gebildes Ukraine aus.“
(Denis Garijew, RIL-Anführer)

– Rusich
Spätestens seit April kämpft die Gruppierung „Rusich“ erneut nach 2014 und 2015 gegen ukrainische Truppen. Diese Miliz könnte der Söldner-gruppe „Wagner“ entstammen.

– Russische Nationale Einheit
Der Neonazi Alexander Barkaschow gründete diese Partei im Jahr 1990. Ihr ideologischer Hintergrund findet sich im Rassismus und Antisemi-tismus, der Holocaustleugnung und dem Kampf gegen die Demokratie. Die Gruppe ist paramilitärisch geführt. Im Logo der Partei ist eindeutig das Hakenkreuz der Nazis zu erkennen. Seit dem Beginn der Invasion taucht auch das Sankt-Georgs-Band vermehrt auf.

– Russkij Obraz („Russische Gestalt“) (ohne Kriegsbeteiligung)
Ilja Gorjatschew arbeitete für „kremlnahe Strukturen“ vornehmlich im Bereich der Jugendbewegungen. Er gründete 2003 die rechtsextreme Gruppierung Russkiy Obraz und fünf Jahre später im Jahr 2008 die „Kampforganisation russischer Nationalisten“ BORN. Gorjatschew geriet jedoch nach dem Mord am Richter Eduard Tschuwaschow und dem Rechtsanwalt Stanislaw Markelow in den Fokus der Ermittler, weshalb auch die Verbindungen zum Kreml gekappt wurden. Am 24. Juli 2014 verurteilte das Stadtgericht Moskau den Rechtsradikalen zu lebenslangem Freiheitsentzug (25 Jahre) wegen der Beteiligung an diesen beiden, aber auch an den Führern der jugendlichen antifaschistischen Bewegung wie etwa Fjodor Filatow, Ilja Dschaparidse und anderen.

– Slawjanski Sojus (Slawische Union) (ohne Kriegsbeteiligung)
Im Jahr 2010 wurde die 1999 von Dmitri Djomuschkin gegründete rechtsextreme Gruppierung verboten. Seither agiert sie im Untergrund. Die Slawische Union entwickelte sich nach ihrer Gründung sehr rasch zur grössten Neo-Nazi-Organisation Russlands, die die Russischen Märsche veranstaltete. Auch hier gab es für viele der Mitglieder eine para-militärische Ausbildung.

– Gruppe Wagner
Bei dieser Gruppe handelt es sich um ein vom Neonazi Dmitri Utkin gegründetes privates Militärunternehmen, das nach dem Lieblings-komponisten Adolf Hitlers, Richard Wagner, benannt wurde. Söldner dieser Gruppe mischten bereits in Syrien, Libyen, dem Sudan, Mali und beim ersten Angriff Russlands in der Ostukraine 2014 und 2015 auf Putins Seite mit. Experten vermuten zirka 6.000 Soldaten dieser Vereinigung im Invasionskrieg, die vornehmlich verdeckt agieren und ukrainische Akteure ermorden sollen. Der Kreml versucht seit 2015 diese eigentlich illegale Einheit zu legalisieren, was jedoch vornehmlich am Geld scheiterte. Daneben wollte die russische Regierung verstorbene Söldner nicht offiziell als russische Gefallene akzeptieren. Und schliesslich werden Angehörige nach ausgewertetem Material durch den BND als verant-wortlich für zahlreiche Menschenrechtsverletzungen bezeichnet.

Auffallend bei alledem ist, dass sich der ukrainische Rechtsextremismus erst ab der Krimkrise, vor allem aber dem Ostukraine-Konflikt regen Zulaufs erfreute und an Bedeutung gewann. Die meisten Gruppierungen wurden in dieser Zeit gegründet. Damit wäre Wladimir Putin somit dafür verantwortlich, was er nun ganz öffentlich bekämpft. Es handelt sich also um einen vorgeschobenen Grund, der wie vieles aus Moskau stammende, mehr als fragwürdig erscheint. Seine Feinde als „Nazis“ und/oder „Faschisten“ zu bezeichnen, gehöre schon vor der Invasion in der Ukraine zur russischen Propaganda, betont der Osteuropa-Historiker Robert Kindler von der FU Berlin. Moskau will damit den Sieg der Sowjetunion über Nazi-Deutschland ganz bewusst in den Vordergrund stellen. Dies gehöre inzwischen zur nationalen Identität der Russen. Und im Gegensatz dazu:

„Kein anderes osteuropäisches Land hat eine so gewaltbereite Neonaziszene wie Russland!“
(Ute Weinmann auf www.bpb.de)

Bereits 2005 betonten die Autoren im Bericht des Moskauer Büros für Menschenrechte, dass zwischen 50-60.000, also nahezu die Hälfte der weltweit aktiven 120.000 Neonazis in Russland leben.

Lesetipps:

.) Bloodlands – Europa zwischen Hitler und Stalin; Timothy Snyder; C.H. Beck 2022
.) From the Fires of War: Ukraine’s Azov Movement and the Global Far Right; Michael Colborne; ibidem-verlag 2022
.) Der Weg in die Unfreiheit – Russland, Europa, Amerika; Timothy Snyder; C.H.Beck 2018

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Superfood – wirklich so super???


„Lass die Nahrung deine Medizin sein und Medizin deine Nahrung.”

(Hippokrates von Kos, 460 bis 370 v. Chr.)

Das Leben eines jeden Einzelnen ist ständigen Trends unterworfen oder zumindest ausgesetzt. Die Einen machen sie mit, die Anderen interessieren sich weniger dafür. Daß aber hinter den meisten dieser Must-Dos eine Geschäftemacherei steckt, das ist wohl den wenigsten bewusst. Aktuell gibt es nahezu keine Küche ohne die vielgerühmten „Superfoods“. Listige Marketing-Experten versuchen damit, die Ernährungsgewohnheiten der Europäer und Nordamerikaner komplett umzukrempeln. Bei vielen Konsumenten reicht hierfür bereits das Wort „Gesundheit“. Ergo: In jeder Werbung sind diese angeblichen gesund-heitsfördernden Phrasen enthalten. Teils gar in Verbindung mit wissen-schaftlichen Studien. Mag ja durchaus der Fall sein, dass derartige Untersuchungen durchgeführt wurden: An Tieren, unter Labor-bedingungen, mit sehr hohen Dosen, möglicherweise auch an Menschen. Niemand will bestreiten, dass so manches eine positive Wirkung auf den Menschen ausübt. Ich möchte ja keine Spass-Bremse sein. So schreibt etwa das Europäische Informationszentrum für Lebensmittel:

“…und obwohl wissenschaftliche Studien oft positive gesundheitliche Wirkungen ergeben, lassen sich die Resultate nicht unbedingt auf die reale Ernährung übertragen.“

Man weiss also nichts genaues. Zudem ist eine derartige Bewerbung mit den sog. „Health-Claims“ an ein an sich recht genaues Überprüfungs- und Zulassungsverfahren gekoppelt („Health Claims-Verordnung der EU“ – in Kraft seit 01.07.2007). Muss es jedoch sein, dass diese Ernährungs-ergänzungen eigens aus Asien, Südamerika oder auch Afrika über tausende Kilometer angekarrt werden, wenn dieser Effekt ganz einfach auch mit heimischem Obst, Gemüse oder Kräutern erzielt werden kann??? Wir nehmen den Ländern der Dritten Welt also nicht nur deren Wasser sondern auch deren Nahrung! Deshalb möchte ich dem Ganzen in diesen heutigen Zeilen auf den Grund gehen und einen Vergleich mit heimischen Produkten anstellen. Sie werden überrascht sein, wie gesund unsere land-wirtschaftlichen Produkte sein können.

Mexiko ist den meisten Menschen wohl aufgrund des Tequilas und Mezcals vertraut – anderen auch als Drogenparadies. Bei den Superfoods geht es jedoch vornehmlich um die Chiasamen. Sie besitzen einen hohen Ballaststoffgehalt, mehrfach ungesättigte Fettsäuren (darunter Omega-3-Fettsäuren) und Proteine, Kalzium, Zink und Eisen. Veganer verwenden die Chiasamen anstelle der Eier als Bindemittel. Das kann selbst-verständlich positive Auswirkungen auf die Verdauung und damit den Magen-Darm-Trakt haben. Denselben Effekt erzielen Sie jedoch mit dem heimischen Leinsamen oder Hanfsamen (reich an Omega-3- und Omega-6-Fett-säuren)! Zudem ist der Hanf hypoallergen sowie nuss- und glutenfrei!
Das Anti-Aging-Mittel schlechthin soll jedoch die Goji-Beere sein. Die Chinesen verehren sie als „Beere des Lebens“. Neben Vitaminen und Mineralstoffen besitzt sie einen hohen Anteil an Antioxidantien. Sie regen die Produktion von Cholin an oder binden selbst die freien Radikale im Körper, die für viele Krankheiten verantwortlich gemacht werden. Zudem beinhalten sie nicht weniger als 19 Aminosäuren, davon sind zehn essenziell. Die Werbung preist die Goji-Beeren als „Königin der Super-foods“ an. All das ist jedoch durchaus in vielen Früchten der heimischen Obstbäume zu finden – oder auch im Gemeinen Bocksdorn! Unter-suchungen der Universität Granada haben dies wissenschaftlich bestätigt. Weintrauben mit Kernen haben übrigens denselben Effekt. In den Kernen finden sich die sog. „Oligomere Proanthocyanidine (OPC)“, die Haut und Gewebe reparieren, das Haarwachstum anregen, die Augen pflegen und gegen Krebs helfen.
Ein Name, der im Zusammenhang mit den Superfoods ebenso immer wieder fällt, ist die Açai-Beere. Obgleich – wie bereits beschrieben – die wirklich gesundheitsfördernde Wirkung noch gar nicht wirklich nach-gewiesen wurde. Diese Beere ist reich an Antioxidantien, die ja gemein hin als Allheilmittel für alle möglichen Gebrechen und v.a. dem Krebs eingesetzt werden. Auch durch ihren hohen Gehalt an Vitaminen, Mineralstoffen und essenziellen Fettsäuren (wie auch Omega-3-Fett-säuren) sollen diese Beeren als Turbo-Booster für die Leistungsfähigkeit gelten. Denselben Zweck jedoch erfüllt eine ganz spezielle heimische Beere: Die Heidelbeere! Auch sie besitzt einen sehr hohen Anteil an Antioxidantien, die etwa im Einsatz gegen den Gedächtnisschwund im Alter beachtenswerte Erfolge vorweisen können. Zudem besticht sie durch eine hohe Konzentration an Anthocyanen, die, wissenschaftlich erwiesen, das Wachstum krebsartiger Zellen im Dickdarm nicht nur unterbinden, sondern diese Zellen gar in den Selbstmord zwingen können. Auch die bereits von heimischen Anbietern gezüchteten Shiitake-Pilze gelten als Krebskiller schlechthin. In Japan wird der Pilz als „König der Heilpilze“ verehrt.
Das Triumvirat der Super-Strauch-Früchtchen macht die Aronia-Beere voll. Ihre Vorteile: Viele Vitamine (wie etwa die komplette B-Palette), jede Menge Mineralstoffe und Polyphenole, die ebenso als Antioxidantien wirken. Die Aronia-Beere soll v.a. die Durchblutung und das Immun-system anregen. Übrigens bindet auch die Tomate die Freien Radikalen und macht dazu noch glücklich, da sie mit der Aminosäure „Tryptophan“ aufwarten kann, dem Grundbaustein des Serotonins.
Bereits die alten Inkas sollen die Wirkung der Yakon (Inkawurzel) gekannt haben. Ihr Vorteil: Inulin! Das unverdauliche Kohlenhydrat regt die Produktion guter Darmbakterien an und unterstützt dadurch den Stoff-wechsel. Besonders die Knollen werden vornehmlich in der japanischen Diätküche verwendet, die Stengel als Gemüse verzehrt. Wer es hingegen lieber etwas rustikaler mag, kann ebenso auf Sauerkraut zurückgreifen. Roh gegessen beinhaltet es grosse Mengen an probiotischen Kulturen, die bereits im Magen wirken: So mag beispielsweise der Erreger der Magen-geschwüre oder Magenschleimhautentzündungen Heliobacter pylori kein Sauerkraut. Ist es im Darm angelangt, so unterstützt es die Darmflora; die Darmschleimhaut kann sich regenerieren, das freut auch das Immun-system.
Apropos Inkas: Sie griffen bei Libido-Problemen gerne nach der Maca-Knolle. Aber auch Sportlern ist die Maca-Knolle durchaus bekannt, soll sie doch eine Leistungssteigerung unterstützen. Verantwortlich dafür zeichnen die über 60 Vitalstoffe wie Proteine, Omega-3-Fettsäuren und natürlich die Antioxidantien. Hinzu gesellen sich Sterole. Diese gleichen dem Hormon Testosteron. Die meisten dieser Öle und Vitamine sind jedoch auch in der Artischocke, dem Kürbis, Spargel und nicht zuletzt dem Rettich enthalten. Außerdem werden die Mandeln immer wieder unterschätzt. Neben ihren ungesättigten Fettsäuren sind sie reich an Ballaststoffen und prebiotischen Wirkstoffen, die v.a. dem Darm zugute kommen. Die Mandel wirkt ferner gegen zu hohen Blutdruck und gleicht den Blutzuckerspiegel aus.
Viele dieser positiven Eigenschaften vereint alsdann der ostasiatische Ingwer – über ihn allerdings habe ich an dieser Stelle schon ausführlich informiert.
Kakao! Viele kennen ihn vornehmlich als Glücklichmacher, als wichtigen Bestandteil der Schokolade. Die Kakaobohne ist zudem bekannt für ihren hohen Gehalt an Flavinoiden. Diese senken den Blutdruck und können somit die Gefahr einer Herzerkrankung senken. Wissenschaftler allerdings warnen, dass ein regelmäßiger bzw. sehr hoher Konsum von Kakao geschehen muss, damit dieser Effekt tatsächlich eintritt. Dabei jedoch kommt es zu einer Überdosierung anderer Nährstoffe, die nicht mehr gesund ist. Es nutzt also nicht viel, wenn Sie täglich drei Tafeln Schokolade essen. Sie werden es einerseits an Ihrem Gewicht merken, andererseits steigt auch das Risiko an Diabetes zu erkranken. Und zudem gilt: Je frischer und unbehandelter die Kakaofrucht ist, desto mehr dieser angesprochenen Inhaltsstoffe besitzt sie. Viele gehen durch die Röstung verloren.
Und schliesslich gibt es noch das Moringa-Pulver. Gewonnen wird es aus dem nordindischen Meerettichbaum (Moringa oleifera – Baum der Unsterblichkeit), der jedoch inzwischen auch in Afrika und Lateinamerika wächst. Er gilt gemeinhin als nährstoffreichster Baum, weshalb er sich großer weltweiter Beliebtheit erfreut. In den Entwicklungsländern gelangt er deshalb im Kampf gegen die Unterernährung zum Einsatz. Dies wurde im Rahmen einer Ernährungsstudie der Organisationen Church World Service und AGADA im Jahre 1997 im Senegal ausgetestet. Nach alter indischer Überlieferung soll der Moringabaum mehr als 300 Krankheiten heilen können. Hierzulande wird das Pulver zumeist als Nahrungsmittel-Ergänzung vertrieben, beworben wird dabei vornehmlich das Antioxidans bzw. Wachstumshormon Zeatin. Es soll bei der Hautregeneration helfen und dadurch den Alterungsprozess verlangsamen. Allerdings: Ein überdurchschnittlich positiver, ernährungswissenschaftlicher Effekt konnte nicht nachgewiesen werden. Zudem fanden Lebensmittelchemiker Pestizid-Rückstände und mikrobiologische Erreger. Die Werbung vergleicht gerade in diesem Fall gerne Äpfel mit Birnen, wenn sie einen wesentlich höheren Kalium-, Eisen-, Kalzium- und etwa auch Betakarotin-gehalt in’s Spiel bringt. Der Apfel ist hierbei das Pulver, die Birnen frische Lebensmittel wie Milch, Bananen etc. Würde man diese Lebensmittel ebenfalls in Pulverform zu sich nehmen, wäre das Verhältnis mehr als ausgeglichen. Ein Beispiel gefällig? Unser Körper produziert aus Betakarotin das v.a. für die Augen und Schleimhäute so wichtige Vitamin A. Der Tagesbedarf an Betakarotin ist mit bereits 100 g Karotten gedeckt (1.700 mg). Korrekt ist, dass in den frischen Moringa-Blättern der vierfache Gehalt an Vitamin A enthalten ist; im Pulver jedoch nur knapp mehr als das Doppelte. Isst man somit anstelle von nur 100 g Karotten die doppelte Menge oder mehr, so sind auch diese Werte ausgeglichen. Das aber ist nicht mal notwendig, da die Tagesdosis an Moringapulver gerade mal 10 g ausmachen sollte – das sind alsdann 360 mg Vitamin A! Und im Vergleich dazu kosten 100 g Moringapulver bis zu 20 Euro. Da sind mir doch die Karotten des Gemüsebauern meines Vertrauens wesentlich lieber. Im Karottenpulver wären – so die Aussage der Wissen-schaftler – 16.000 mg Vitamin A auf 100 g des Pulvers enthalten! Also – eine reine Augenauswischerei! Mit den anderen Mineralstoffen und dem Vitamin C verhält es sich ebenso! Einzig der hohe Vitamin B2- und E-Gehalt macht das Pulver interessant. Während Vitamin E durch Weizenkeimöl mehr als ausgeglichen werden kann, siegt Moringa beim B2 tatsächlich. Aber auch das kann andersweitig wesentlich günstiger aufgenommen werden. Ebenso die für das Abwehrsystem so wichtigen Senfölgylkoside – die essen Sie völlig unbewusst mit dem Senf oder Meerrettich! Ernährungswissenschaftler empfehlen somit frisches heimische Gemüse oder wenn es denn sein muss: Gersten- oder Weizen-graspulver anstelle des Moringapulvers.
Ähnliches gilt übrigens auch für den afrikanischen Affenbrotbaum (Baobab). Seine Früchte, Blätter und Samen sollen die Heilung bei Infektionskrankheiten unterstützen, die Produktion von Endorphinen anregen und gegen Heisshunger helfen.
Selbstverständlich gibt es auch angebliches Superfood aus dem Wasser: Die Spirulina-Alge! Bereits die Azteken hielten grosse Stücke von ihr. Auch bei dieser Alge ist es der grosse Nährwert, die vielen Enzyme und anderen Vitalstoffe, ihr hoher Chlorophyllgehalt und die basische Wirkung auf den menschlichen Körper – das alles soll die Selbst-heilungskräfte des Körpers ankurbeln. Mit einem Proteingehalt von 60 bis 70 Prozent ist die Spirulina-Alge eine der wohl eiweisshaltigsten Lebensmittel. Eine Studie des Osaka Centers for Cancer and Cardiovascular Diseases in Japan zeigte zudem eine vermehrte Tätigkeit der Fresszellen (Makrophagen bzw. T- und B-Zellen) nach dem Konsum der Alge. Diese Fresszellen gelten als die erste Notmassnahme des Körpers beim Eintritt von nicht wirklich erwünschten Mikroorganismen, wie auch Infektions-bakterien. Die Viren, die zumeist durch die Makrophagen nicht abgetötet werden können, bleiben an den Kaliumsalzen der Spirulina kleben, sodass sie nicht mehr in die Zellen eindringen können. Dann erst kommen die Fresszellen wieder in’s Spiel. Aufgrund dieser Studie konnte eine positive Wirkung gegen Herpes Simplex-Viren, Cytomegalie-Viren, Influenza A-Viren, Mumps-Viren sowie Masern-Viren nachgewiesen werden. In einer weiteren Studie an HIV-Patienten aus dem Jahr 2012 wurde eine Besserung der Lebensqualität dieser Menschen erzielt. Die Viren vermehrten sich nicht weiter – ihre Anzahl im Blut blieb während der Testphase von drei Monaten stabil. Eine Besserung bei Allergiepatienten (Rhinitis, Heuschnupfen, Hautallergien) konnte ebenfalls in einer Studie aus dem Jahre 2005 nachgewiesen werden. Auf Histamin wirkt die Alge zudem hemmend. Bei Diabetikern (Diabetes Typ-2) wurde eine Senkung der Blutzuckerwerte und ganz allgemein auch des Cholesterin-LDL-Wertes bei gleichzeitigem Anstieg des HDL-Wertes bemerkt. Dies liegt v.a. am Phycocyanin, einem Pigment der Alge, das im menschlichen Körper als Antioxidans wirkt. Alsdann konnte auch eine positive Wirkung auf CoVID-19 in einer Studie israelischer und isländischer Wissenschafter nachgewiesen werden. Die Spezialisten beobachteten, dass ein Extrakt aus photosynthetisch verbessertem Spirulina die Freisetzung eines Enzyms um rund 70 % verringert, das einen Zytokinsturm in der Lunge verursachen kann, der für akute Atemnot und Organschäden ursächlich sein kann. Unter einem solchen Zytokinsturm versteht man die sich selbst verstärkende Rückkoppelung zwischen Zytokinen und Immunzellen. Es steigert zudem den Adiponektin-Spiegel, sodass der Patient weniger Hunger verspürt. Ferner ist die Spirulina reich an Vitamin C, E, Selen und schliesslich Chlorophyll, das aufgrund seiner chemischen Zusammen-setzung mit dem Hämoglobin verglichen werden kann. Ausserdem wirkt es antikarzinogen, da es Enzymkomplexe blockiert, die für Zellver-änderungen verantwortlich sind und die Anzahl von Aflatoxine (stark krebserregende Gifte des Schimmelpilzes) senkt. Das Chlorophyll regt ferner die Produktion des Hämoglobins an, sodass mehr Sauerstoff im Blut transportiert werden kann, ein nicht unwesentlicher Pluspunkt für den Stoffwechsel. Und – als ob dies nicht schon alles gewesen wäre: Der hohe Anteil der Aminosäure L-Tryptophan regt die Produktion der Neurotransmitter Melatonin und Serotonin an, wodurch der Wohl-fühlfaktor und das Denkvermögen gesteigert werden kann. An letzterem ist auch die Glutaminsäure beteiligt. Die Tagesdosis liegt bei 3-4 g, sofern die Spirulina zur Vorbeugung eingenommen wird. Bei Patienten, die blutverdünnende Medikamente einnehmen müssen, sollte zuvor der Hausarzt befragt werden. Ein enormer Vorteil der Spirulina-Alge liegt auch darin, dass pro angebauter Fläche wesentlich mehr Nahrung als bei einem anderen Lebensmittel produziert werden kann. Damit könnte die Spirulina-Alge tatsächlich das einzige Superfood sein!
Ähnliches übrigens ist auch von der Mikroalge Chlorella zu erfahren. Sie besticht allerdings durch ihren unschlagbar hohen Chlorophyllgehalt.
Der Vollständigkeit halber zu erwähnen:
– Der Granatapfel – Reich an den Vitaminen C und K, an Folsäure und Kalium. Das fördert vornehmlich die Durchblutung und den Blutzucker-gehalt. Die enthaltenen Polyphenole hemmen die Metastasen-bildung von Krebserkrankungen, die hormonwirksamen Stoffe aus den Ölen können Beschwerden während der Wechseljahre lindern. Aber – er sorgt sich auch um Ihr Blut. So wirkt er blutdrucksenkend und gleicht zu hohe schädliche Cholesterinwerte aus. Ja, er kann sogar Ablagerungen in den Blutgefässen (Arteriosklerose) reduzieren. Essen oder trinken Sie den Granatapfel stets mit Datteln gemeinsam – das potenziert nochmals dessen Wirkung. Keiner dieser Paradiesäpfel zur Hand? Macht nichts – es helfen auch Knoblauch, Weissdorn, die Shiitake-Pilze, Chili oder Kurkuma.
– Papayakerne – Neben dem Schutz von bakteriellen Infektionen oder Parasiten helfen sie zudem bei der Entgiftung der Leber. Zweiteres kann aber ebenfalls durch Löwenzahn, die Artischocke oder die Mariendistel erzielt werden.
– Physalis – Durch den hohen Eisen- und Phosphorgehalt gilt dieses Nachschattengewächs als wichtiger Lieferant des Provitamins A. Es wird somit bei Harnwegserkrankungen, Gicht und bei Immunerkrankungen empfohlen. Zudem kann es durch den Wirkstoff Melatonin bei Schlaf-störungen eingesetzt werden. Viele dieser Effekte liefern allerdings auch nachgewiesenermaßen die heimischen Kürbiskerne.
– Acerola-Kirsche – Sie ist reich an Vitamin C, Eiweißen, Magnesium und Kalzium. Das kann beim Zellschutz und in Stresssituationen helfen. Wahre Vitamin C-Bomben sind jedoch auch die Hagebutte und der Sanddorn aus dem heimischen Garten.
– Die Avocado – Obwohl sie zu über 20 % aus Fett besteht, beeinflusst sie nicht den Cholesterinspiegel oder das Gewicht. Sie wird deshalb gerne bei Herz-Kreislauf-Problemen, Osteoporose oder Entzündungen und Krebs verwendet.
– Die Maqui-Beere – Die chilenische Beere ist reich an Antioxidantien, fördert den Stoffwechsel und verlangsamt den Alterungsprozess. Ausserdem enthält sie Vitamin C, Kalzium, Eisen und Kalium.

Zusammenfassend gehört somit betont: Durch die Verwendung von Brokkoli, Kraut, Spinat, Kohl, Kren und beispielsweise auch Buchweizen, Sorghumhirse und – hört, hört – Blütenpollen lässt es sich wesentlich gesünder (da frischer) leben als durch das Schlucken dieser exotischen Superfoods. Wenn Sie dann noch die Früchte der Saison verwenden („Iss den Regenbogen!“ – wie Brennesseln, Bärlauch, Löwenzahn, Oregano, Wassermelonenkerne…), sind Sie immer gut versorgt mit dem, was Ihr Körper gerade benötigt. Zudem werden die Transportwege klein gehalten und die regionale Bauernschaft unterstützt! Wenn Sie dennoch auf Superfood zurückgreifen, so sollten Sie sich zuvor genau bei Ihrem Arzt, einem Ernährungsberater oder im Internet neutral erkundigen, da jeder Hersteller seine Nahrungsergänzung als die Beste bezeichnet. Während der eine in höchsten Tönen von Moringa spricht, ist der andere vom Gerstengras überzeugt. Auch die relativ neue „GoGreen-Überzeugung“ ist sicherlich nicht als nachteilig anzusehen, da durch das Chlorophyll viele positive Effekte erzielt werden können, wie Sie ja inzwischen gelesen haben. Und eines sollten Sie nicht vergessen: Superfood wird nur dann Superfood, wenn es in großen Mengen regelmässig eingenommen oder in den Speiseplan integriert wird. Und das geht vor allem bei den exotischen Superfoods dann schon mal gewaltig in die Geldbörse!!!

Lesetipps:

.) SCHWARZBUCH SUPERFOOD – Heiße Luft und wahre Helden; Daniela Grach/Caroline Schlinter/Marlies Wallner/Nicole Zöhrer; L. Stocker 2016
.) Heimische Superfoods: Natürlich. Regional. Gesund; Barbara Fuchs; Kindle Edition
.) Heimische Superfoods; Dr. Barbara Rias-Bucher; Mankau 2015
.) Die Heilkraft der Pflanzen. Heilpflanzen von Abuta und Acerola bis Yohimbe und Yucca: ein Kompendium für die Praxis; Anne Simons; MayaMedia 2013
.) Superfoods „Regional“: Powerfoods vor unserer Haustür; Michael Iatroudakis; Kindle Edition
.) Superfood: Natürlich. Heimisch. Saisonal; Barbara A. Schmid/Aaron Waltl; Pichler 2016
.) Gesundheitswunder Chlorophyll – Gespeicherte, gesundheitsspendende Sonnen- und Heilkraft; Günter Albert; Ulmer Verlag 1997
.) Spirulina. Das blaugrüne Wunder: Die sensationellen Heilwirkungen der natürlichen Mikroalge bei Immunschwäche, Infektionen, Anämie, Aller-gien, Krebs, Aids und vielem mehr; Marianne E. Meyer; Windpferd Verlag 2006
.) Das Buch der Superfood Smoothies: 100 gesunde Smoothie Rezepte für leckere Powerdrinks; Julie Morris; Königsfurt Urania 2014
.) Genial gesund: Superfood for Family & Friends; Jamie Oliver; Dorling Kindersley 2016

Links:

– www.gesundheit.gv.at
– www.eufic.org
– www.cvuas.de
– www.ncbi.nlm.nih.gov
– www.verbraucherzentrale.de/superfood
– www.nhs.uk
– www.loewenzahn.at
– ich-lebe-vegan.de
– www.veganblatt.com
– www.ichkoche.at

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ADHS – keine Zeit zum Lesen

Ein spezieller Bereich interessierte mich während meines Studiums am meisten: Die Persönlichkeits- und Differentielle Psychologie! Die „Erklärung der zumeist zeitstabilen, individuellen Besonderheiten des Erlebens und Verhaltens der Menschen“ – ihre Persönlichkeit! Ich machte es mir damals zum Hobby, alle Menschen aus meinem Umfeld zu ana-lysieren und diagnostizieren. Bei manchen gar mit einer ganzen Test-batterie, sofern sie einwilligten. Als ich zu dem Ergebnis kam, dass nahezu jeder eine psychische Störung vorzuweisen hat, liess ich davon wieder ab, wollte ich meine Zeit doch auch noch für das Studium verwenden. Dennoch macht es mir auch heutzutage noch ab und an Spass, Menschen, mit denen ich täglich zu tun habe, somit auch viel Zeit verbringe, psychologisch zu durchleuchten. Dabei ist mir bei einigen aufgefallen, dass ADHS allen Anscheins nicht nur im Kindesalter vor-kommt. Rund 15 % der Erwachsenen weisen Symptome auf, die auf ADHS zurückgeführt werden könnten. Ist es etwa ein Zeichen unserer schnell-lebigen Zeit oder ist da gar eine Störung im Vormarsch, die zwar nicht unmittelbar lebensgefährlich werden kann, dennoch aber ihre Spuren hinterlassen wird?
Ist Ihnen bei ihrem letzten Gespräch auch aufgefallen, dass sie häufig unterbrochen werden, mit Argumenten, die Sie bereits zuvor in die Diskussion einbrachten? Das kann mehrere Ursachen haben, etwa dass Sie sich missverständlich äusserten oder beispielsweise dass Ihr Gegen-über einfach nicht aufgepasst hat! Weshalb hat er Ihnen nicht zugehört? Schlechte Umgangsformen wie Unhöflichkeit bzw. mangelnde Wert-schätzung oder haben Sie etwa dessen Aufmerksamkeitsspanne über-schätzt? Kann er sich schlichtweg nicht konzentrieren?
Hyperaktivität, Impulsivität oder auch Unaufmerksamkeit – ja: Es könnte ADHS dahinterstecken. Auch im Erwachsenenalter, obgleich sich die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung bei den meisten jungen Menschen auf ihrem Weg in das Erwachsen-Sein bessert. In der Kindheit allerdings ist ADHS sicherlich eine der wohl häufigsten psychischen Störungen. Dabei kann sie schon mal nicht nur der davon betroffenen Person, sondern all ihrem Umfeld das Leben zur Hölle machen. Übrigens leiden mehr Burschen als Mädchen in ihrer Kindheit unter ADHS.
Nicht immer jedoch treten das Aufmerksamkeitsdefizit und die Hyper-aktivität gemeinsam auf. In diesem Falle spricht man nur von ADS (Auf-merksamkeitsdefizitsyndrom).
Wie nun äussert sich ADHS im Einzelnen, was sind Anzeichen für diese Störung?
a.) Die Unaufmerksamkeit
Die betroffene Person ist leicht abzulenken, macht Flüchtigkeitsfehler und hört vor allem nicht richtig zu. Ganz allgemein ist zu bemerken, dass die Fähigkeit des „Sich-Konzentrierens“ sehr schwer fällt. Begonnene Tätig-keiten werden vorzeitig abgebrochen, in den Vordergrund treten anstatt dessen vergessen und verlieren.
b.) Die Ungeduld
ADHS-Patienten können sich in keiner Reihe einordnen. Sie können es nicht erwarten, endlich Gehör zu finden, unterbrechen ihren Gegenüber und beantworten eine Frage, bevor diese überhaupt gestellt wurde.
c.) Die Hyperaktivität
Ruhig sein und sitzen bleiben – ganz und gar nicht das Ding der Betroffenen. Von einer endlos scheinenden Unruhe und Rastlosigkeit überwältigt, laufen sie gerne orientierungslos durch den Raum, zappeln auf dem Stuhl, klettern auf Gegenständen herum. Zudem verhalten sich ADHS-Patienten wesentlich lauter als andere Menschen. Umso mehr Reize auf die Betroffenen einströmen, umso lauter werden sie zumeist.
d.) Sozialverhalten
Die vorhergehenden drei Punkte lassen selbstverständlich darauf schliessen, dass darunter auch das Sozialverhalten der Menschen leidet. Dies äussert sich zumeist durch Depressionen, aber auch durch Ängste.
Während Experten bei Erwachsenen mit ADHS beobachteten, dass die Hyperaktivität zurückgeht, sinkt bei den meisten davon auch die Auf-merksamkeit, die Konzentration und die Organisation. Was hingegen bleibt, ist die Impulsivität, der Rededrang und das ständige Unterbrechen der anderen. Gefährlich insofern kann die Störung deshalb sein, da sie weitere begünstigen kann: Adipositas, Süchte (Spielsucht, Internetsucht, Sexsucht), Depressionen, Tics aber auch die Abhängigkeit von Drogen und Alkohol. Kinder bzw. Jugendliche mit ADHS hingegen sind meist aggressiv, trotzig und auflehnend gegenüber Regeln und Gesetzen. Dies führt oftmals zu Problemen mit Gleichaltrigen und in der Schule. Auch besteht vor allem im Jugendalter vermehrt Suchtgefahr (Drogen, Alkohol, Nikotin). Entwickelt sich die Störung nicht zurück, übernehmen rund 50 % diese Verhaltensweisen auch in das Erwachsenen-Leben, was zu Konflikten mit dem Partner oder am Arbeitsplatz führen kann. Dabei sind Wutausbrüche und Gereiztheit nicht selten, oftmals einhergehend mit mangelndem Respekt vor anderen und einer Ich-bezogenen Sicht der Wahrheit. Faktoren, die besonders im Strassenverkehr sehr gefährlich werden können.
Nach den Erscheinungsformen und Anzeichen dieser psychischen Erkrankung, begeben wir uns nun bei der Suche nach der Ursache in die Spekulation, da sich die Forscher hierbei nach wie vor nicht einig sind. Wissenschaftlich erwiesen sind inzwischen die Vererbung und der Transport des Neurotransmitters Dopamin in den Hirnzellen und dabei vornehmlich im Hippocampus, dem Zentrum des Lernens und des Gedächtnisses. Der Botenstoff wirkt überwiegend erregend im Zentralen Nervensystem. Doch dann gehen die Meinungen auseinander:
– Brain Network Dysfunction
Diese Theorie sieht eine Ursache in Problemen in den Verbindungs-netzwerken des ZNS (Zentralen Nervensystem)
– Social Change
Weniger wissenschaftlich fundiert ist die Theorie, wonach gesellschaftliche Veränderungen ADHS zumindest teilweise mitwirken können. Dies wären beispielsweise Leistungsorientierung, Reizüber-flutung, Bewegungsmangel,…).
Nachdem die Ursachen nicht ausreichend geklärt sind, sind auch Risikofaktoren nur Vermutungen: Ernährung, Probleme bei der Geburt oder auch Alkohol- bzw. Drogenkonsum während der Schwangerschaft.
Für die eindeutige ADHS-Diagnose bei Kindern und Jugendlichen müssen viele Faktoren in die Krankengeschichte (Anamnese) einbezogen werden: Familiäre Probleme, Unterforderung, Unruhe oder mögliche Trauma-tisierung des Kindes etc. Daneben könnte auch eine körperliche (bei-spielsweise Schilddrüsenüberfunktion, Hör- oder Sehschwierigkeit) oder psychische bzw. neurologische Erkrankung, aber auch eine einfache Schlafstörung ursächlich sein. Klar abzugrenzen ist das altersgerechte und somit normale Verhalten des Kindes. Deshalb sollte eine Diagnose-stellung nicht vor dem dritten bzw. vierten Lebensjahr des Betroffenen erfolgen. Grundsätzlich jedoch müssen mehrere Kriterien für eine ADHS-Diagnose bei Kindern erfüllt sein:
– Mindestens sechs Anzeichen der Unaufmerksamkeit
– Mindestens drei Anzeichen der Hyperaktivität
– Mindestens ein Anzeichen von Impulsivität
– Bereits vor dem Erreichen des siebten Lebensjahres
Derartige Verhaltensauffälligkeiten müssen über zumindest sechs Monate und in unterschiedlichen Umgebungen vorliegen. Zudem muss der Alltag dadurch stark beeinträchtigt sein.
In der anschliessenden Therapie wird alsdann dem Elterncoaching (Psychoedukation) eine Schlüsselrolle zuerkannt. Zusätzlich muss die Schule einbezogen werden. Erst dann sollte eine medikamentöse (etwa mit Methylphenidat) und/oder psycho- bzw. ergotherapeutische Betreuung erörtert werden.
Ähnliches gilt auch bei Erwachsenen. Bei mehreren Untersuchungs-terminen werden andere psychische Erkrankungen, wie etwa eine bipolare Störung oder eine dissoziale bzw. emotional-instabile Persönlichkeits-störung ausgeschlossen. CT, MRT und EEG sollen zudem Aufschluss über eine mögliche neurologische Ursache geben. Die Kriterien für eine ADHS-Diagnose bei Erwachsenen sind:
– Auffälligkeiten seit der Kindheit
– Mindestens sechs Anzeichen für Unaufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität
– Probleme in mehreren, unterschiedlichen Lebensbereichen
– Starke Beeinträchtigung des Alltags
In einem klärenden Gespräch mit dem Arzt wird dieser zudem mögliche Selbsthilfegruppen bzw. eine entsprechende Psycho- und medikamentöse Therapie erläutern.
ADHS ist in der „Internationalen statistischen Klassifikation der Krank-heiten und verwandter Gesundheitsprobleme“ (ICD) in der Gruppe ICD-10 F90.0 oder im „Diagnostic and statistical Manual of Mental Disorders“ (DSM) in der Gruppe DSM IV 314.01 zu finden. Für ADHS bei Erwachsenen werden zumeist die „Wender-Utah-Kriterien“ zur Diagnoseerstellung verwendet.

ACHTUNG:
Dieser Text ist nicht für eine Selbst-Diagnose geeignet. Sollte einiges hierin Erwähnte bei Ihnen zutreffen, ziehen Sie bitte einen Arzt Ihres Vertrauens hinzu!

Lesetipps:

.) ADHS bei Erwachsenen – ein Leben in Extremen; Martin D. Ohlmeier/ Mandy Roy; Kohlhammer Verlag 2012
.) ADHS im Erwachsenenalter: Symptome-Differenzialdiagnose-Therapie; Schattauer 2014
.) ADHS im Erwachsenenalter – Strategien und Hilfen für die Alltags-bewältigung; Wolfgang Retz/Roberto D’Amelio/Michael Rösler; Kohl-hammer 2015
.) Psychotherapie der ADHS im Erwachsenenalter: Ein Arbeitsbuch; Bernd Hesslingeer/Alexandra Philipsen/Harald Richter; Hogrefe Verlag 2004
.) ADHS und komorbide Erkrankungen: Neurobiologische Grundlagen und diagnostisch-therapeutische Praxis bei Kindern und Erwachsenen; Freitag/Retz (Hrsg.); Kohlhammer 2007
.) Handbuch ADHS; Hans-Christoph Steinhausen (Hrsg.); Kohlhammer 2009
.) Neuropsychotherapie der ADHS; Cordula Neuhaus/Götz-Erik Trott; Annette Berger-Eckert; Simone Schwab; Sabine Townson; Verlag W. Kohlhammer 2009
.) Das konzentrationsgestörte und hyperaktive Kind – H.C. Steinhausen (Hrsg.); Kohlhammer 1982
.) Training für Kinder mit Aufmerksamkeitsstörungen; C. Jacobs/F. Petermann, Hogrefe 2013

Links:

– www.adhs-ratgeber.com
– www.adhs.info
– www.zentrales-adhs-netz.de
– adhs-deutschland.de
– www.zi-mannheim.de
– www.kinderaerzte-im-netz.de
– www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org
– www.gesundheit.gv.at
– www.gesundheitsinformation.de

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Das „postantibiotische Zeitalter“ (© WHO)

Es war nur eine kurze Schlagzeile diese Woche, die mich jedoch auf-horchen liess, denn: Was wirklich dahinter steckt, ist lebensbedrohend und kann – ähnlich einer Grippe-Epidemie – ganze Regionen ausrotten! !!!

„Fleisch – ein Drittel mit multiresistenten Keimen belastet“

Greenpeace Österreich hat dieser Tage 24 Proben von handelsüblich abgepacktem Schweine-, Hühner- und Putenfleisch aus dem Supermarkt gezogen und sie auf multiresistente Keine untersuchen lassen. Das Ergebnis ist mehr als ekelerregend und medizinisch katastrophal: In neun dieser Proben wurden die Lebensmittel-Mikrobiologen fündig – darunter auch Fleisch mit dem AMA-Gütesiegel! Im Detail: Schwein vier von 14 belastet, Huhn eine von sechs und Pute vier von vier. AMA-Produkte: 6 von 16!!!

„Infektionen mit resistenten Bakterien sind oft schwer beherrschbar. Hier herrscht Alarmstufe rot.“
(Hans-Peter Hutter, ÄrztInnen für eine gesunde Umwelt)

Greenpeace macht die Massentierhaltung hierfür verantwortlich und fordert gesetzliche Regelungen sowie höhere Förderungen für Bio-Land-wirte, da hier einerseits auf das Tierwohl geachtet wird und andererseits nahezu kein Antibiotika zum Einsatz kommt. Hierzu jedoch etwas später.
Derartige multiresistente Keime kommen leider nicht selten auch in Krankenhäusern vor („Krankenhaus-Keime“). Immer wieder tauchen Meldungen auf, wonach diese ihre Opfer fordern. So etwa auch vor 5 Jahren in der Uni-Klinik Frankfurt. Dort verstarben eine Frau und ein Mann u.a. an dem multi-resistenten Bakterium „Klebsiella pneumomiae“, einem Darm-Bakterium, das viele Menschen in sich tragen. Es wird jedoch erst dann gefährlich, wenn bereits zuvor eine Immunschwäche vorliegt. Wie in diesen beiden Fällen in Frankfurt, beeilte sich damals die Kranken-haus-Leitung aufzuklären. Der Keim wurde zwar nachgewiesen, aus-schlaggebend aber für den Tod der beiden sei die schwere Grund-erkrankung gewesen! Im Uni-Klinikum wurden die Massnahmen des Hygieneplanes hochgefahren. Krankenhaus-Keime sind nicht wirklich leicht zu finden. Das zeigen etwa auch die Erfahrungen eines Kranken-hauses in Kassel auf. Hier werden alle Patienten auf derartige multi-resistente Keime mittels Screening überprüft. Erschreckend das Ergebnis: 10 % der mit dem methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) infizierten Patienten rutschten durch den Filter durch. Sie reichen durchaus aus, um ein komplettes Krankenhaus zur Quarantäne-Zone werden zu lassen. Genauere Zahlen aus Kassel? 2016 wurden 9.000 Patienten überprüft, bei 149 wurde dieser MRSA festgestellt – von diesen jedoch 14 nicht mit dem Standardverfahren.
Jährlich lösen Krankenhauskeime wie MRSA oder ESBL in Europa nicht weniger als 2,6 Mio Infektionen aus – laut Angaben des ECDC enden 25.000 davon tödlich. In Sachsen beispielsweise starben im Jahr 2021 nahezu 1.000 Menschen an solchen Krankenhauskeimen, in Österreich sind es jährlich bis zu 5.000. Derartigen multiresistenten Bakterien ist mit erhöhter Vorsicht zu begegnen, da die meisten Antibiotika nicht mehr bei deren Bekämpfung helfen. So bauen sich beispielsweise Coli-Bakterien Resistenzgene von anderen Keimen auf.
Das Übel hat den Ursprung im Gebrauch der Antibiotika. Zu schnell werden bakterielle Erkrankungen, aber auch virale Erkrankungen mit Antibiotika behandelt, obwohl sie bei 99 % der zweiteren überhaupt nicht helfen. V.a. Indien verbraucht die meisten Antibiotika. Manche dieser Arzneimittel sind gar ohne Rezept in den Apotheken zu bekommen und gelangen durch die Selbstmedikamentierung in den Körper. Bakterien haben leider die Eigenschaft, dass sie sich in den weiteren Generationen auf entsprechende Verhältnisse einstellen können: Sie verändern sich! Damit wirken die ansonsten verordneten Pillen nicht mehr. Es muss auf härteren Stoff zugegriffen werden – eines dieser wäre Carbapenem, zuletzt dann auch das Colistin. Es wird immer dann eingesetzt, wenn andere versagen, da es Schäden an den Nieren herbeiführen kann, weshalb nach der Schadensentdeckung seine Verwendung grossflächig eingestellt wurde. Doch auch hier haben inzwischen Forscher aus Pennsylvania das colistinresistente Gen mcr-1 bei einem Kolibakterium einer Patientin festgestellt (neben 14 anderen resistent machenden Genen). mcr-1 ist ein Enzym, das die Keime nicht nur gegen Colistin, sondern auch gegen andere Polymyxinen macht. Die Übertragung erfolgt durch ein Plasmid von Bakterium zu Bakterium („horizontaler Gen-transfer“). Damit musste eingestanden werden, dass im schlimmsten Falle die Frau sterben muss, ohne eine wirkliche Hilfe erhalten zu haben. Ein Superkeim! Die Wissenschaft warnt deshalb eindringlichst davor:

“Mcr-1 läutet die Entstehung wirklich panresistenter Bakterien ein.“
(Walter Reed, National Military Medical Center)

Alleine in Deutschland können nicht weniger als 1.500 Patienten nurmehr mit Colistin behandelt werden. Wirkt auch das nicht mehr – ? Die Dame aus Pennsylvania musste übrigens nicht an einer ansonsten relativ harmlosen Harnwegsinfektion sterben. Die Ärzte behandelten diese mit noch wirksamen anderen Antibiotika, sodass die Frau nicht mehr dermassen angreifbar für den Superkeim wurde. Leider anders der Krankheitsverlauf bei einer zweiten Frau. Sie verstarb an einer Blut-vergiftung. Die Amerikanerin hielt sich vermehrt in Indien auf. Bei ihrem letzten Besuch zog sie sich einen Oberschenkelbruch zu, der in einem indischen Krankenhaus behandelt wurde. Zurück in den USA wurde sie im September 2016 in ein Krankenhaus in Nevada eingeliefert und dort direkt in die Intensivstation, wo sie schliesslich auch verstarb. Alle 26 in den USA zugelassenen Antibiotika-Präparate konnten ihr nicht helfen.
mcr-1 wurde übrigens bereits im Jahr zuvor in China in Lebensmitteln, dem Menschen und bei Hühnern und Schweinen nachgewiesen.
Eine weitere Ursache für die Entstehung multi-resistenter Keime: Tiere erhalten in der Landwirtschaft, v.a. aber beim Mastbetrieb in der indus-triellen Landwirtschaft (Massentierhaltung) prophylaktisch Antibiotika, damit sie zeit ihres Lebens nicht erkranken oder es werden gar Anti-biotika als Wachstumsförderer eingesetzt. Eine Studie des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Landwirtschaft ging komplett in’s Leere. Mit ihr sollten die sog. „Schwarzen Schafe“ unter den antibiotika-verwendenden Bauern ausfindig gemacht werden. Immerhin wurden im Jahr 2020 701 Tonnen Reserve-Antibiotika an Schweine, Puten, Hühner, Rinder sowie andere Tieren verfüttert. Viele Präparate davon gelangen auch in der Humanmedizin zum Einsatz. Und wie pervers: Colistin ist in der Mast sehr beliebt, da es bei Tieren offenbar keinerlei Nebenwirkung aufzeigt und gegen Durchfall hilft. Deren Fleisch wird vom Menschen gegessen. Damit erfolgt eine sog. „Zooanthroponose“, eine Übertragung von Tier auf Mensch. Sind die Keime nicht bereits im lebenden Tier mutiert, so haben sie im menschlichen Körper erneut die Möglichkeit. Derart geschieht die Züchtung colistin-resistenter Keime! Man könnte alsdann sagen: Der Mensch tötet sich selbst! Auch in Deutschland wurden seit 2009 in den Datenbanken (darunter auch die ARS-Datenbank am Robert-Koch-Institut) bereits viermal derartige mcr-1-Gene eingetragen: Dreimal bei Schweinen, einmal bei einem Menschen. Die älteste Entdeckung stammt aus dem Jahr 2005 aus Frankreich. 20 Staaten sind bislang auf den Genmutanten gestossen. In den USA neben der Frau aus Pennsylvania zudem bei einem Schwein aus Texas! Damit galt es als erwiesen: Der mutierte Keim wurde nicht eingeschleppt, sondern ist hausgemacht!

“Die zu sorglose und ungenaue Gabe führte über Jahrzehnte zur Zunahme bakterieller Krankheitserreger, die gegenüber Antibiotika weniger empfindlich oder sogar völlig resistent geworden sind.“
(OA Dr. Oskar Janata, Facharzt für Innere Medizin und Antibiotika-Spezialist, SMZ-Ost, Wien )

Die ehemalige Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Margaret Chan, hatte bereits 2016 den Ernst der Situation erkannt. Sie warnte ausdrücklich, dass sofort gehandelt werden müsse, da diese Katastrophe ansonsten eine Eigendynamik entwickle, die nicht mehr aufzuhalten ist. Eine Untersuchung der Expertengruppe rund um den Ökonomen Jim O’Neill im Auftrag der britischen Regierung ergab ein mehr als düsteres Szenario: Bereits heute sterben jährlich rund 1,27 Millionen an resistenten Keimen weltweit. Bekommt man das Problem nicht in den Griff, werden es 2050 nicht weniger als 59 Millionen sein – jedes Jahr! Mark Holmes von der Universität Cambridge hat in den Abwässern von indischen Pharma-Betriebe resistente Keime entdeckt, in vier dieser gar multirestistente Keime („Superbugs“). Eine Firma davon, Aurobindo, beliefert auch den deutschsprachigen Markt! Während zwischen Flensburg und Berchtesgaden schon seit längerem mit DART (Deutsche Antibiotika-Resistenz-Strategie) ein sektorübergreifendes Instrument eingerichtet wurde, legte die Deutsche Bundesregierung 2015 zudem einen 10-Punkte-Aktionsplan im Kampf gegen multiresistente Keime vor. Indessen lebte ein 59-jähriger Obersteirer seit über einem Jahr in Isolation, damit er keinen anderen Menschen anstecken konnte. Der Diabetiker hatte sich nach einer Beinfraktur mit anschliessender Amputation möglicherweise im Krankenhaus mit einem multiresistenten 4MRGN-Erreger infiziert.
Im März 2017 haben Wissenschafter in der Donau, aber auch in allen Frankfurter Gewässern multiresistente Keime gefunden. Ein Jahr später entnahmen Reporter der NDR-Sendung „Panorama“ 12 Proben aus Bächen, Flüssen, zwei Badeseen, dem Zwischenahner Meer und der Thülsfelder Talsperre in Niedersachsen. Untersucht wurden diese durch renomierte Wissenschafter der TU Dresden und des Universitätsklinikums Gießen. Das alarmierende Ergebnis: In allen Proben entdeckten die Experten Erreger, die gegen Reserveantibiotika resistent sind. Über Abwässer und die Ausbringung von Gülle können dieser MRE auch in das Trinkwasser gelangen. Aber auch das ansonsten gereinigte Wasser aus Kläranlagen ist nicht gänzlichst MRE-frei.
Schon 2018 hatten bereits 3/4 aller in Deutschland niedergelassenen Ärzte Erfahrungen mit multiresistenten Erregner machen können. Mit dem „Nationalen Aktionsplan zur Antibiotikaresistenz“ versucht der benachbarte Alpenstaat bereits seit 2013 der Katastrophe Herr zu werden. In der Schweiz ergab 2016 eine Studie der Universität Bern, dass drei von vier Indien-Urlauber bei ihrer Rückkehr multiresistente Keime mit nach Hause bringen. Zumeist mit der Genmanipulation mcr-1 auf E.coli- bzw. Klebsiella pneumoniae-Bakterien. Beide können Harnwegs-infektionen, erstere zudem Blutvergiftung und zweitere zudem Atem-wegserkrankungen verursachen. Auch die Eidgenossenschaft hat mit StAR im November 2015 einen Strategie-Bericht gegen die Antibiotika-Resistenzen vorgelegt.

„In einem Drittel der Fälle besteht kein wichtiger und nachvoll-ziehbarer Grund, warum diese Antibiotika verordnet werden.“

(Gerd Glaeske, Universität Bremen)

Die Entwicklung von Antibiotika allerdings ist eine sehr zeitaufwendige und im Vergleich mit Krebs- oder HIV-Mitteln nicht sehr lukrative Forschung. Dem Unternehmen Pfizer ist aber offenbar dennoch ein Erfolg geglückt. Der US-amerikanische Pharma-Riese brachte ein Antibiotikum gegen die beiden Bakterienfamilien Carbapenem-resistente Entero-bacteriaceae (CRE) und Pseudomonas aeruginosa auf den Markt.
Allerdings gehen die weltweiten Forschungen auch in eine andere Richtung: Fressbakterien etwa! So wurde beispielsweise ein E.coli-Darmkeim genetisch derart verändert, dass er Pseudomonas-Bakterien angreift. Spezialisten sehen hier bessere Chancen als in der Entwicklung von neuen Antibiotika gegen MREs. Bakteriophagen werden schon seit 1920 in der ehemaligen Sowjetunion ausgetestet. Es ist sozusagen die „virale Bombe“ gegen Bakterien. Auch hierzulande kommen sie wieder immer mehr zum Einsatz – etwa bei der Behandlung von Verbrennungen.
Metallische Nanoteilchen werden gegenwärtig bei bakteriologischen Hautinfektionen eingesetzt – Metalle wirken stets antibakteriell!
Auch könnten Peptide eine Lösung darstellen. Peptide sind organische Verbindungen mit Peptidbindungen der Aminosären (kurze Eiweiss-ketten). Sozusagen der natürliche Feind der Bakterien. Zu finden sind diese etwa bei Fröschen und Schlangen. In der Kosmetik bereits gegen Hautalterung erprobt, bei Zuckerkranken gegen Fussgeschwüre. Im menschlichen Körper kommen sie vornehmlich als Hormone vor, werden allerdings recht schnell abgebaut. Wissenschaftler der St. Gallener Materialforschungsanstalt EMPA haben gemeinsam mit ihren Kollegen der Universität Kopenhagen ein „Shuttle-System“ entwickelt, das diese Peptide dorthin bringen soll, wo sie benötigt ohne zuvor abgebaut zu werden. Diese sog. „Nanocarriers“ bauen auf Fetten (Lipiden) auf.
Noch im Versuchsstadium befinden sich die „Gen-Scheren“. Bakterien verwenden selbst diese auch als „Crispr“ bezeichnete Technik, wobei ein Konstrukt aus gRNA und CAS-Protein in einen Zellkern eingebracht wird. Diese Scheren heften sich an die Bakterien an und trennen deren Erbanlagen heraus.
Doch bei all diesen Massnahmen muss jeweils berücksichtigt werden, dass im menschlichen Körper sehr viele gute Bakterien dafür sorgen, dass das Uhrwerk auch tatsächlich mehr oder weniger präzise läuft. Würden diese ebenfalls vernichtet werden, so wäre das sicherlich nicht im Sinne des Patienten.
Einziger Vorteil an diesen resistenten Keimen ist, dass sie zum Aufbau ihrer Resistenz sehr viel Energie aufbringen müssen. Das macht sie träge und weniger aggressiv. Auch hier versucht die Wissenschaft einen Ansatzpunkt zu finden: Anti-Virulenz-Mittel sollen aggressive Bakterien in deren Giftproduktion verlangsamen oder komplett stoppen.
Viele Menschen tragen derartige MREs im Körper oder auf der Haut – ohne davon krank zu werden. Zirka sechs Prozent beispielsweise die sog. Beta-Lactamase produzierende Enterobakterien (ESBL) im Darm, rund ein Prozent auch den Staphylococcus aureus (MRSA) auf der Haut bzw. den Schleimhäuten.
Was kann nun jeder Einzelne vorbeugend dagegen tun?`
– Urlaubsländer wie Indien oder China meiden
– Gesteigerte Hygiene v.a. beim Händewaschen
– Rohes Fleisch mindestens zwei Minuten lang bei mindestens 70 Grad garen
– Messer und Schneidbretter in der Spülmaschine waschen
– Nicht bei jedem Infekt Antibiotika nehmen
(- Klare Richtlinie für die Vergabe von Antibiotika für Ärzte)
Die Politik hingegen setzt auf Aufklärung. So forderte der ehemalige deutsche Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU/CSU) einer-seits verbindliche Screenings für neue Patienten, andererseits eine regelmässige Information der Krankenhäuser über den derzeitigen Hygienestandard sowie verpflichtende Fortbildung für alle Mitarbeiter.

Die WHO-Liste der resistenten Bakterien:

.) Priority 1: CRITICAL
Acinetobacter baumannii, carbapenem-resistant
Pseudomonas aeruginosa, carbapenem-resistant
Enterobacteriaceae, carbapenem-resistant, ESBL-producing

.) Priority 2: HIGH
Enterococcus faecium, vancomycin-resistant
Staphylococcus aureus, methicillin-resistant, vancomycin-intermediate and resistant
Helicobacter pylori, clarithromycin-resistant
Campylobacter spp., fluoroquinolone-resistant
Salmonellae spp., fluoroquinolone-resistant
Neisseria gonorrhoeae, cephalosporin-resistant, fluoroquinolone-resistant

.) Priority 3: MEDIUM
Streptococcus pneumoniae, penicillin-non-susceptible
Haemophilus influenzae, ampicillin-resistant
Shigella spp., fluoroquinolone-resistant

Lesetipps:

.) MRE Multiresistente Erreger und wie Sie sich schützen können; Alexandra Broeren; Daboox 2021
.) Antibiotika bei Infektionen mit multiresistenten Erregern; Schulz-Stübner S./Mattner F./Meyer E./Mahlberg R. (Hrsg.); Springer-Verlag 2016
.) Die infektiöse, bakterielle Antibiotikaresistenz; Gerhard Lebek; Huber 1969
.) Multiresistente Erreger Diagnostik – Epidemiologie – Hygiene – Antibiotika-„Stewardship“; Schulz-Stübner S./Dettenkofer M./Mattner F./Meyer E./Mahlberg R. (Hrsg.); Springer-Verlag 2016
.) Berichte zur Resistenzmonitoringstudie 2011/2012: Resistenzsituation bei klinisch wichtigen tierpathogenen Bakterien (BVL-Reporte); Bundes-amt für Verbraucherschutz (Hrsg.) Birkhäuser 2015
.) Beurteilung von Ausbaumaßnahmen in Kläranlagen zur Verringerung der Ausbreitung von fakultativ pathogenen Antibiotika-resistenten Keimen; Stefanie Heß; KIT Scientific Publishing 2015
.) Gastroenterologische Infektiologie; Christoph Lübbert/Roger Vogel-mann (Hrsg.), De Gruyter 2017
.) Codex Alimentarius: Antibiotikaresistenzen und mikrobiologische Risikoabschätzung in der Lebensmittelkette: Internationale Standards und Richtlinien; Sabine Nieslony; Behr’s Verlag 2017
.) Schreckgespenst Infektionen – Mythen, Wahn und Wirklichkeit; Sucharit Bhakdi/Karina Reiss; Goldegg Verlag GmbH

Links:

www.wrnmmc.capmed.mil
www.dzif.de
www.bfr.bund.de
www.bvl.bund.de
www.helmholtz-hzi.de
www.rki.de
www.aezq.de
www.ema.europa.eu
ecdc.europa.eu
hygiene.charite.de
www.dghm.org
www.bmgf.gv.at/
www.labors.at
argeniere.at
www.blv.admin.ch
www.sginf.ch
www.swissnoso.ch
www.escmid.org
aac.asm.org
www.niaid.nih.gov
www.ifpma.org

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