Archive for April, 2022

Bar oder mit Karte???

„Bargeld ist geprägte Freiheit“
(Fjodor Michailowitsch Dostojewski)

Ja – es gibt sie tatsächlich: Bargeld-Obergrenzen bei Kaufabschlüssen. Geplant ist die EU-weite Umsetzung schon seit Jahren, doch konnten sich einige Staaten noch nicht zu diesem Schritt entscheiden. Keine Ober-grenzen in der Bargeldzahlung gibt es in Belgien, Luxemburg und Öster-reich, Einschränkungen in der Praxis etwa in Irland, Schweden, Finnland, Estland, Ungarn und Deutschland. So gilt zwischen Berchtesgaden und Flensburg: Bei Kaufgeschäften B2B bzw. B2C bis zu 5.000,- Euro, bei C2C bis zu 15.000,- Euro. Alles andere muss – wie in den anderen EU-Mit-gliedsstaaten mit Karte oder mittels Überweisung beglichen werden. Vorsicht übrigens: In Estland gilt: Bis zu 50 Geldstücke oder Banknoten unabhängig vom Wert – alles weitere kann verweigert werden!
Die Europäische Zentralbank EZB beschloss bereits am 4. Mai 2016 einen Produktionsstopp der 500,- €-Banknote, deren Ausgabe endete Ende des Jahres 2018. Nach wie vor zur Diskussion steht zudem die Abschaffung der 1- und 2-Cent-Münzen in der Eurozone. Doch auch hier kam es bislang zu keiner Einstimmigkeit, da v.a. befürchtet wird, dass auf 5 Cent aufgerundet würde, was einer Verteuerungswelle gleich käme – im Vergleich zur derzeitigen jedoch harmlos.
Ist das alles nicht etwa ein untrübliches Zeichen für die schleichende Abschaffung des Bargeldes? Einer Errungenschaft, die den Menschen vom Tauscher zum Käufer und Verkäufer machte und auch in den Ver-fassungen der Mitgliedsstaaten enthalten ist! Doch – eines nach dem anderen!
Aus dem Finanzministerium in Berlin heisst es, man wolle mit dieser Maßnahme der Kriminalität und dem Terrorismus die finanzielle Grund-lage nehmen. Klar, wird doch bei dunklen Geschäften Bargeld bevorzugt. Doch wird wirklich die Einführung einer Bargeld-Höchstgrenze den Geld-koffer oder das gut gepolsterte Geld-Kuvert ersetzen? Wohl kaum, schliesslich tue ich mir damit sehr schwer, die Kalaschnikoff meiner Kreditkartenfirma erklären zu können. Oder – welchen Zahlungsgrund gebe ich bei der Überweisung an, wenn ich ein halbes Kilogramm Kokain erworben habe? Möglich wäre, dass ich das Gewehr zum Knacken von Walnüssen brauche – dann wäre es ja wohl eine Dual Use-Ware und unterläge nicht dem Kriegswaffengesetz. Und das Kokain? Na ja – zum Streuen der ansonsten stets vereisten Einfahrt! Da bekommt der Spruch „…eine Strasse legen!“ gleich eine komplett andere Bedeutung.

„Das Vertrauen in eine Währung beginnt beim Bargeld!“
(Website der Deutschen Bundesbank)

Die Geldkoffer wird man so rasch nicht abschaffen können! Das wird dem Bela Rabelbauer sicherlich gefallen! Der damalige Geschäftsmann aus dem österreichischen Bundesland Vorarlberg hatte im Namen eines Bürgerforums der Österreichischen Volkspartei in deren Klubräum-lichkeiten im Parlament in Wien einen Geldkoffer mit 4 Mio Schillingen übergeben. Es sollte die erste Anzahlung für den Ankauf eines National-ratmandates sein. Das alles geschah am 17. September 1979; erst ein Jahr später deckte der Journalist Peter Pelinka in der damaligen sozial-demokratischen Arbeiterzeitung den Skandal auf. Heute lebt Rabelbauer in Ungarn – nach nicht weiter recherchierten Quellen einem Land der Geldkoffer. Auch ich wanderte einst mit einer runden Million öster-reichischer Alpendollar quer durch Innsbruck, als ich die Vorverkaufs-stellen für ein Grosskonzert abrechnete. Es war schon ein etwas mulmiges Gefühl. Mehr weh tat aber danach der Blick in den wieder leeren Koffer: Da war nur kurz zuvor noch ein Vermögen drinnen!!! Ergo: Kein Krimineller oder Terrorist wird sich von seinem bisherigen Geschäftsgebahren abbringen lassen, weil die Regierung einen Blick auf alle grösseren Kaufgeschäfte werfen will. Nach einer Studie der deutschen Bundesregierung wird alleine in Deutschland Schwarzgeld im Wert von rund 100 Milliarden € sauber gewaschen (bei einem prognostizierten Umsatz der Schattenwirtschaft 2022 in der Höhe von 326 Milliarden Euro). Im vergangenen Jahr wurden 14.785 Fälle von Geldwäsche bzw. Verschleierung unrechtmässig erlangter Vermögenswerte aufgedeckt – nur in Deutschland! Daran wird sich aber wohl auch mit einer Bargeld-obergrenze nichts ändern. Sollte also künftig Bernie Ecclestone in Berlin eine Wohnung für seine Tochter suchen, wird er die wohl nicht mehr wie einst direkt mit dem Geldköfferchen erledigen können. Hat sich aber offenbar kurz danach von selbst erledigt, nachdem sich der ehemalige Formel I-Mogul öffentlich über die Verschwendungssucht seiner Töchter Tamara und Petra brüskierte. Dennoch müssen viele Oligarchen derzeit tief in die Portokasse greifen, da ihre Konten gesperrt sind.
In Frankreich liegt die Obergrenze bei 1.000,- €, in Italien wurde sie erst von 1.000,- auf 3.000,- € erhöht, zum 01. Januar 2022 jedoch wieder auf 1.000 € gesenkt. Offenbar gab es zu viele schlechtverdienende Politiker. Übrigens – nach Angaben des deutschen Zolls muss eine Bargeldsumme ab 10.000,- € beim innereuropäischen Grenzübertritt auf Anfrage mündlich angezeigt werden („Anzeigepflichtiges Bargeld bzw. gleichgestellte Zahlungsmittel“). Das war selbstverständlich mit 500,- €-Scheinen im Kuvert wesentlich angenehmer für die Sakko-Tasche als nun mit der nächst niedrigeren 200,- €-Banknote (Delle im Jackett). Das erkannte 2016 auch der seinerzeitige Präsident der Europäischen Zentral-bank (2011-2019) und nunmehrige italienische Ministerpräsident Mario Draghi:

“Die 500-Euro-Note wird immer mehr als ein Instrument für kriminelle Aktivitäten gesehen!“

Im August 2021 bot jemand auf Ebay einen 500,- €-Schein für 1.000,- € an – er schaffte es auf 54 Beobachter – los bekam er ihn jedoch nicht. Im Vergleich zu einem Mitbewerber, der ihn für 520,- € los wurde. Wie der Schein übergeben wurde, ist nicht bekannt. Nach Angaben der Deutschen Bundesbank waren mit Stand 22. Juli 2021 noch 500 €-Banknoten im Gesamtwert von 145 Milliarden Euro im Umlauf
Mal ganz ehrlich: Ich vermeide den Besitz derart grosser Scheine. Muss jemand ganz schön lange arbeiten für, doch verloren ist auch er sehr rasch. Umso grösser ist dann die Schadensumme. Ausserdem kann damit sowieso nicht überall bezahlt werden. Etwa in Luxemburg. Dort aber waren lange Zeit die meisten dieser Scheine im Umlauf! Die Deutsche Bundesbank versucht unterdessen zu beruhigen: Der Umtausch von D-Mark (Banknoten und Münzen) steht nicht zur Diskussion! Schliesslich befinden sich noch 369.000 1.000-Mark-Geldscheine der Serie BBk I (erste Serie der 1957 gegründeten Deutschen Bundesbank) im Umlauf (Stand: Januar 2022). Sie erzielen derzeit ein Höchstgebot von 550,- € bei Sammlern – auch wenn Anbieter weit über 2.000,- € dafür haben möchten. Offenbar gelten die rotbraunen Banknoten noch in sehr vielen Haushalten als Notfallreserve. Schliesslich kamen im Jahr 2016 gerade mal 22.175 zum Produzenten zurück, seither werden es von Jahr zu Jahr weniger. Trotzdem befinden sich noch DM-Banknoten im Wert von 5,75 Milliarden DM und Münzen für rund 6,6 Milliarden Deutsche Mark im Umlauf (Stand: Januar 2022 – Angaben Dt. Bundesbank). In Österreich sind es Banknoten im Wert von 3,1 Milliarden und Münzen im Wert von 3,9 Milliarden Schillingen (Stand: Januar 2021 – Angaben Österreichische Nationalbank).
Die 500er-Scheine machten nur etwa 3 Prozent aller Euro-Banknoten aus – deren Gesamt-Wert aber lag bei 306,8 Mrd. € – nur der Wert des 50ers war 2016 mit 419,9 Mrd. € grösser. Wird nun Geld in diesem Ausmass vom Markt genommen, könnte das durchaus einem Schritt in Richtung Deflation gleichkommen.
Wer glaubt, dadurch die Kriminalität eingrenzen zu können, dürfte auf dem falschen Dampfer sitzen. Der Schein ist nach wie vor gültiges Zahlungsmittel. Eine Eigenstudie zeigte allerdings, dass nicht überall damit bezahlt werden kann (wie übrigens nach seiner Einführung auch). Banken jedoch sind zu dessen Annahme verpflichtet. Dass jedoch das „Millieu“ grosse Mengen an 500ern umgetauscht hat, ist bis heute nicht bekannt: Einerseits muss die Bank zuvor informiert werden, wenn grössere Geldmengen abgehoben oder umgetauscht werden, da nicht mehr viel Bargeld in den Geldinstituten aufbewahrt wird. Andererseits – wer Bargeld in Höhe von 1.000,- € umtauscht, muss sich ausweisen können (Geldwäschegesetz 2008 Deutschland). Die Daten werden mit einer Terrorismus-Datenbank verglichen. Zudem wird ab einem Betrag von 12.500 (in Deutschland) bzw. 10.000,- € (in Österreich) ohnedies genauestens auf Geldwäsche hin überprüft und Meldung erstattet (in Österreich etwa nach dem Finanzmarkt-Geldwäsche-Gesetz). Wenn Sie also beispielsweise als Österreicher in Deutschland ein Auto im Wert von 12.501,- € erworben haben, wird Ihre Überweisung dokumentiert, da sie auf Geldwäsche hin überprüft wird. So argumentiert auch der deutsche parlamentarische Staatssekretär MdB Dr. Michael Meister. Er betont, dass sehr viele Luxuslimousinen in Deutschland von Menschen gekauft werden, die extra zu diesem Zweck aus dem Ausland anreisen! Und siehe da – der meiste dunkle Geldfluss findet durch Anwälte und Notare auf Treuhand- und Anderkonten statt – da werden Sie geholfen!

“Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert!“

Als damals der Euro eingeführt wurde, waren noch Ein-Pfennig- und Fünf-Groschen-Münzen in Deutschland und Österreich offizielles Zahlungsmittel. Als es hiess, dass sich mit der Euro-Einführung alles verteuerte, was von den Befürwortern massivst abgestritten wurde, wurde auch kein Bedacht mehr auf die ganz kleinen Summen gelegt. Wer kümmert sich heute denn schon um eine am Boden liegende 1-Cent-Münze??? Dabei sind dies – für all jene, die nach der Währungs-Umstellung geboren wurden – 2 Pfennige oder rund 27 Groschen! Nun sollen die Ein- und Zwei-Cent-Münzen aus dem Verkehr gezogen werden. Die Beträge seien zu gering und die Münzen somit nur ein Hindernis im Zahlungsverkehr. Ausserdem sei die Herstellung und In-Umlauf-Bringung teurer als der tatsächliche Wert. So kostet die 1 Cent-Münze in ihrer Herstellung 1,65 Cent! Na ja – immerhin sind EU-weit 36,7 Mrd. Ein-Cent-Münzen und 28,2 Mrd. Zwei-Cent-Münzen (Stand: 2019) im Umlauf. Deutschland hatte zu Beginn des Euros immense Probleme mit den beiden Kupfermünzen – jedes Geschäft frohlockte, wenn mit Kupfer bezahlt wurde. Nun ja – ich würde mal so sagen: Selber schuld! Die Preispolitik mit 9,99 oder 18,98 € führt zu ständigem Bedarf dieser Münzen, da nicht jeder Kunde Trinkgeld gibt. In einer Umfrage der EU-Kommission sprachen sich im letzten Jahr 67 % der 17.700 Befragten für die Abschaffung aus – in Österreich gar 76 %. Allerdings sei erwähnt, dass derartige Befragungen jedes Jahr durchgeführt werden. In fünf EU-Staaten wird bereits auf 5 Cent aufgerundet: Belgien, Finnland, Irland, Italien und Niederlande. Dort wird auf- oder abgerundet – allerdings nicht, wie wir es in der Schule gelernt haben (bis 5 ab-, ab 5 aufrunden), sondern kaufmännisch: 1, 2, 6 und 7 abrunden, 3, 4, 8 und 9 aufrunden. Bekannt ist das aus dem niederländischen „Afronden (ähnliches auch in Belgien, Irland und Finnland). Die Idee entstand, da Banken immer mehr Gebühren verlangen, wenn Händler mit den Münzen zum Einzahlen oder Eintauschen kommen (1 bis 10 % des Geldbetrages oder Mindestspesen von bis zu 10 €). Ob dann allerdings wirklich immer auch abgerundet oder anstelle dessen in der Preiskalkulation besser aufgerundet wird, wodurch es erneut zu einer Verteuerung des Warenkorbs kommt, möchte ich nun mal einfach so im Raume stehen lassen. Schliesslich wurde dies obwohl eindeutig bei der Euro-Einführung nachgewiesen, immer wieder massivst bestritten. Ein entsprechender Radiobeitrag von mir über die Preisentwicklung bei Obst und Gemüse nach der Einführung des Euros sorgte für einen Sturm der Entrüstung im Einzelhandel. Daneben kommt es ja durchaus offiziell zu Mehreinnahmen, die am Fiskus vorbeige-schmuggelt werden. Denn – nur mal theoretisch – ich preise eine Ware anstelle mit 8,92 (abrunden) mit 8,93 (aufrunden) aus, so gerät das angestrebte Gleichgewicht zwischen ab- und aufrunden zugunsten der Mehreinnahmen aus dem Gleichgewicht!
Aber was soll’s: Bargeld wird es ohnehin nicht mehr sehr lange geben! Zumindest, wenn es nach der Meinung von Deutsche Bank-Ex-Chefs John Cryan geht, der das Thema beim Weltwirtschaftsforum 2016 in Davos auf den Tisch brachte und dabei auch viele hochrangige Unterstützer fand. Unter Ihnen – na no net – Mastercard-CEO Pawel Rychlinski. In vielen Ländern wird bereits schon auch nur der Kaffee im Café mit Karte bezahlt. Skandinavien etwa. In Dänemark (gehört nicht zur Eurozone) druckt die Notenbank beispielsweise mangels Nachfrage auch keine Banknoten mehr! Muss man sich durchaus fragen: Wofür gibt’s dann noch eine Notenbank??? Ein Paradies für die Plastikkarten-Hersteller – ein Horror für Datenschützer. Einerseits gab es zuletzt immer wieder Kreditkarten-Datenpannen, andererseits kann jederzeit nachvollzogen werden, wo sich wer aufgehalten hat („Bewegungsprofil“) und was gekauft wurde. Der gläserne Konsument wird also noch durchsichtiger. Zudem verdienen die Banken und Kreditkartenunternehmen bei jeder Bezahlung mit Karte mit. Schliesslich verlangen sehr viele unter ihnen Geld für die Buchungszeilen oder Bankomat-Gebühren.

“Es wird ernst mit der Enteignung!“
(Daniel Stelter im manager magazin am 26.01.2015)

Stelter betont, dass ein derartiges Bargeld-Verbot ausschliesslich jene treffen würde, die nur ganze wenige Möglichkeiten haben, in andere Ver-mögenswerte umzusteigen – die Unter- und Mittelschicht! Der Spar-strumpf unter dem Kopfkissen wird hingegen immer mehr bei schlechteren Zeiten der Bank vorgezogen. So stieg etwa während der Weltfinanzkrise 2008 der Bedarf an Bargeld stark an.
Klar gegen die Abschaffung des Bargeldes hat sich auch die Deutsche Bundesbank ausgesprochen. So meinte etwa das Vorstandsmitglied Thiele bei einem Vortrag in Stuttgart am 13. Oktober 2015:

„Ich möchte es hier ganz deutlich sagen: Die Deutsche Bundesbank lehnt die Forderung nach einer Abschaffung des Bargelds ebenso ab wie Restriktionen für die Bezahlung von Waren und Dienstleistungen mit Bargeld.“

Auch der österreichische Nationalbank-Präsident Ewald Nowotny hat sich bereits im Herbst 2015 klar gegen die Abschaffung von Bargeld ausge-sprochen:

“Wir sind absolut gegen irgendeinen Zwang in der Frage, was ich als Zahlungsmittel verwende.“

Fakt ist: Der Bürger müsste dann sein komplettes Vermögen auf einem Konto bei der Bank lagern. Damit erhielten EZB und die Bundesbank, aber auch das Finanzministerium einen Freifahrtschein betreffs regulatorischer Zugriffe. Senkt etwa die EZB den Leitzins unter Null, so muss der Kontoinhaber sogar Zinsen dafür bezahlen, dass sein komplettes Vermögen beim Geldinstitut seines Vertrauens „am Arbeiten“ ist! Ökonomen finden diese Tatsache durchaus interessant, ist doch der Konsument gezwungen, Vermögen wieder rasch auszugeben oder zu investieren. Das würde „die Volkswirtschaft kräftig stimulieren“ (Peter Bofinger)! Jedoch – habe ich nun kräftig investiert, verfüge auch über festangelegtes Eigentum, habe jedoch kein Geld auf dem Konto, muss ich überziehen, was den Banken wieder kräftig Überziehungszinsen bringt! Der Verlierer ist und bleibt also die kleine Frau/der kleine Mann – der Gewinner immer seine Bank! Parplus – schon mal überlegt, was geschieht, wenn hierzulande ein Fall „Zypern“ geschieht? Also eine Quasi-Enteignung der Sparer passiert! Und schwub – ist fast alles weg, weil wieder einer der doch so gut ausgebildeten Geldmanager in eine Blase investiert hat, die leider geplatzt ist. Dafür aber erhält er noch eine gute Provision! Die Konkursrichter würden sich über Arbeit nicht beklagen können.
Und – wenn wieder damit argumentiert wird, dass ohne Bargeld keine bezahlte Kriminalität oder Schwarzarbeit mehr Sorgen bereiten dürfte: Der US-Dollar oder die britische Pfund wird sicherlich nie als Bargeld abgeschafft, da beide Wirtschaftssysteme einfach die Druckmaschinen starten, wenn sie Geld brauchen. Ergo steigen die Schwarzzahler auf andere Währungen um! Nicht zu vergessen sind natürlich die Steueroasen oder Offshore-Konten. Gabriel Zucman (französischer Ökonom) schätzte das nicht deklarierte, weltweite Buchgeld auf die unglaubliche Summe von 5,8 Billionen €, nachBerechnungen der OECD 11,3 Billionen US-Dollar; nach Berechnungen des Tx Justice Networks gar 32 Billionen US-Dollar. Diese Gelder liegen in der Schweiz, auf den Bahamas oder in Singapur etc.
Tja und zuguterletzt die Cent-Sucher an der Kasse des Supermarktes! Mir ist aufgefallen, dass ich an ebensolchen meist länger warten muss, wenn mit Karte bezahlt wird, als mit Bargeld! Zudem kann ein Supermarkt zusperren, wenn keine Verbindung zum Karten-Unternehmen besteht!

Auch ich bin der Meinung, dass der Mensch durch eine etwaige Abschaffung des Bargeldes nicht nur finanziell geschädigt, sondern massivst in seinen Grundrechten eingeschränkt wird. Schliesslich kann sich wohl jeder selbst entscheiden, ob Frau die Behandlung im Nagel-Studio bzw. Mann den Einkauf bei Beate Uhse anonym mittels Bargeld oder für jeden sichtbar mit Karte bezahlt!

“Zum einen schützen Barzahlungen die Privatsphäre der Bevölkerung. Dass davon auch weniger rechtschaffene Personen profitieren, ist kein Grund, die ehrlichen Bürgerinnen und Bürger immer gläserner werden zu lassen.“
(Carl-Ludwig Thiele, ehemaliges Vorstandsmitglied der Dt. Bundesbank)

Links:
www.ecb.europa.eu
www.bundesbank.de/
www.zoll.de
www.sachverstaendigenrat-wirtschaft.de
www.eu-verbraucher.de
www.oenb.at
www.evz.de
www.oeropa.at

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Männliche Gewalt – Waffenschein für den Penis?

„Kriege zum Beispiel sind eine Erfindung von sesshaft gewordenen männerdominierten Gesellschaften.“
(Klaus Theweleit, Kulturtheoretiker)

Die Zahlen sind ernüchternd: In der Europäischen Union hat jede dritte Frau seit ihrem 15. Lebensjahr körperliche und/oder sexuelle Gewalt erfahren. 55 % der Frauen haben seit ihrem 15. Lebensjahr eine Form der sexuellen Belästigung erlebt. Die Zahlen für Deutschland und Österreich sind ähnlich: In Deutschland waren es 40 % bzw. jede siebte Frau (ab dem 16. Lebensjahr), in Österreich 20 % bzw. gar jede dritte Frau!
Soweit das Ergebnis der FRA-Studie „Gewalt gegen Frauen: Eine EU-weite Erhebung“ aus dem Jahr 2014 – befragt wurden 42.000 Frauen – von Zypern bis Irland. Die „Agentur der Europäischen Union für Grundrechte“ (FRA) ist eine unabhängige Agentur der EU, die es sich zum Ziel setzt, den Organen Brüssels unabhängige, faktengestützte Information für die Grundrechtsberatung zur Verfügung zu stellen. Die Zahlen untermauern die Vermutung, dass Frauen in unserer patriarchalischen Gesellschaft stets die unterlegenen sind. Als Täter werden dabei vornehmlich Männer in den Fokus genommen. Doch sollte dies nicht derart pauschaliert werden: Es gibt auch Gewalt an Männern durch Männer, jedoch ebenso durch Frauen. Vor allem Zweiteres wird zumeist komplett ausgeblendet, ist jedoch real durchaus existent. So zeigen Dunkelfelduntersuchungen aus Deutschland, dass zumindest in Beziehungen Parität herrscht, obgleich es unsere auf Rollenbildern ausgerichtete Gesellschaft eigentlich ausschliesst.
Im Jahr 2021 wurden in Österreich 31 Frauen ermordet – die meisten von ihren Partnern oder Ex-Partnern. In Deutschland waren es 104 sog. „Femizide“ – zusätzlich wurden 23 Kinder umgebracht (Stand: 08.12.2021). Die Auswertungen der Gespräche der Krisenhotlines vermitteln ein düsteres Bild: Während der Pandemie nahm die Gewalt in den Haushalten eklatant zu. Gewalt – nicht nur physischen, sondern auch psychischen Ursprungs. Dabei steht jedoch unumstritten fest, dass handgreifliche Gewaltausbrüche vornehmlich durch Männer begangen werden. Dies weiss auch der Psychotherapeut und Gewaltexperte Alexander Haydn von der Wiener Männerberatung: 90 % der ausge-sprochenen Betretungsverbote betrifft Männer in Beziehungen oder Ehen, die restlichen zehn Prozent Frauen oder Jugendliche, die gewaltsam gegen ihre Eltern vorgehen. Allerdings, so Haydn, muss stets auch der „Impact“ (die Wirkung) mit einbezogen werden, der sich unmittelbar von der Statur der Betroffenen ableitet. Soll heissen: Schlägt die meist körper-lich unterlegene Frau zu, so hat dies eine komplett andere Wirkung, als der vergleichbare Schlag eines körperlich überlegenen Mannes. Dennoch gibt es dominante Frauen, die in der Beziehung nicht davor zurück-scheuen, während eines Streites auch handgreiflich zu werden. Viele betroffene Männer allerdings scheuen sich davor, dies kundzutun, da sie dann als nicht mehr männlich eingestuft werden.
Zurück somit zum Rollenbild. Jahrtausende alte, gesellschaftliche Konditionierungen prägen die gesellschaftliche Rollenstereotype schon in jungen Jahren. So erfahren die Kleinen zumeist von Verwandten und Bekannten, aber auch durch die Medien, dass die Puppe wohl mehr den Mädchen Spass macht, während die Buben lieber zu den Autos und Soldaten greifen. Mädchen werden erzogen, lieb und hübsch für andere zu sein, Buben hingegen sollen stark sein und keine Gefühle zeigen. Die „gendersensible Pädagogik“ beschäftigt sich mit dieser Überlegung und versucht den Kindern eine freie Entwicklung zu bieten. Schliesslich sollen dadurch die alteingesessenen Stereotype aufgebrochen werden: Mann – ehrgeizig, nach aussen agierend, kämpferisch; Frau – passiv, zurück-haltend, beschützend. Während Mann unter zu viel Druck und Anspannung explodiert, wird Frau depressiv und zeigt gar ein selbstschädigendes Verhalten.
Dies mag sehr vieles erklären, doch ist männliche Gewalt nicht dermaßen einfach gestrickt wie die Geschlechterzuschreibung es möglicherweise darstellen mag. So betont die u.a. auf Gender und psychische Störungen spezialisierte Professorin für Sozialwissenschaftliche Psychiatrie an der Ludwig-Maximilians-Universität München, PD Dr. rer.soc. Anne Maria Möller-Leimkühler, in ihrem Artikel „Psychosoziale Determinanten männ-licher Aggression und Gewalt“ (Journal für Neurologie, Neurochirurgie und Psychiatrie, 2010):

„Männliche (physische) Aggression und Gewalt sind multikausale Phänomene, die nur interdisziplinär verstanden werden können.“

Dabei müsse das Zusammenspiel von Risikofaktoren wie Männlichkeits-ideologien, Gewalterfahrungen in der Kindheit, Sozialisationsdefizite, der Konsum von Mediengewalt und soziale Anerkennungsdefizite als Ursache für die Gewaltbereitschaft vor allem männlicher Jugendlicher berück-sichtigt werden. Durch den Gewinn an Macht und Status sollen etwa unerfüllte Bindungsbedürfnisse aber auch bedrohte männliche Identität kompensiert werden. Nur eine von rund 30 Theorien aus Studien über die Ursache der männlichen Gewalt. Die Anti-Gewalt-Trainings (AGT) – vor-nehmlich in der Resozialisierung von Straftätern – setzen in dem Bereich an. Bei dieser Massnahme sollen Betroffene lernen, impulsives Verhalten wieder unter Kontrolle zu bekommen. Doch unterziehen sich die wenigsten freiwillig einer solchen Therapie – die meisten werden durch Gerichte zugewiesen.
Ähnlich auch das Ergebnis der Fachtagung „Geschlecht-Gewalt-Gesell-schaft“ der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt aus dem Jahr 2003:

„So zeigt sich beispielsweise, dass Konflikte und Widersprüche in den Biographien von Gewalttätern einen viel grösseren Einfluss auf die Entstehen von Gewalt haben, als das Geschlecht eines potenziellen Täters.“
(Dr. Thomas Pleil)

Ist bei Gruppenzugehörigkeiten der Betroffenen die Gewalt an sich unab-hängig vom Bildungsgrad, so ist es deren Motivation. Ein Täter mit hohem Bildungsgrad verwendet sie für seinen Machterhalt bzw. -zugewinn, während ein Täter mit geringem Bildungsniveau vornehmlich durch das Erreichen eines höheren Statuses bzw. besserer materieller Zuwendungen motiviert wird. Der emeritierte Professor für Sozialisation am Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG) an der Universität Bielefeld, Wilhelm Heitmeyer, spricht in diesem Zusammenhang von „sozialer Desintegration“: Mit dem Grad der Desintegrationserfahrungen und -ängste steigt das Ausmaß und die Intensität der Konfliktbereitschaft, während die Regelungsfähigkeit abnimmt. Derartige Desintegrationserfahrungen betreffen alsdann die körperliche Unversehrtheit, die soziale Sicherheit und Anerkennung in der Gesellschaft.
Eine Sonderstellung nehmen sicherlich die Hooligans ein: Vornehmlich junge Männer treffen sich zumeist (aber nicht ausschliesslich) im Umfeld von Fussballspielen zu Massenschlägereien. In diesen Schlägertrupps finden sich die unterschiedlichsten sozialen Schichten wieder. Der Journalist Bill Buford hatte sich in eine solche Gruppe eingeschlichen. Er beschreibt es als „Lustgewinn“: Das „Kickerlebnis“ sorge für einen gewaltigen Adrenalinausstoss, der schliesslich zu einer Sucht, einem Rausch führe. Die zugrunde liegende Motivation dürfte in diesem Falle jedoch in einer Art von Wettkampf liegen, während die Gewaltbereitschaft vornehmlich bei jungen Männern ansonsten durch ein geringes Selbst-wertgefühl zustande kommt, das unter Umständen durch misslungene Beziehungen oder der Ablösung von der Mutter ganz allgemein auf Frauen zielgerichtet ist.
Angesichts der Ausschreitungen und Plünderungen am 20./21. Juni 2020 in Stuttgart/Mitte, wobei bis zu 500 zumeist männliche Jugendliche eine Spur der Verwüstung hinterliessen, betont die leitenden Psychologin der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik an der RWTH Aachen, Ute Habel:

„Aggression ist letztlich Teil unseres Verhaltensrepertoires, das ist eine Emotion, und Emotionen haben eigentlich eine wichtige Bedeutung für das Überleben.“

So könne eine Aggression jederzeit durch beispielsweise Provokation ausgelöst und in entsprechenden Gruppen verbreitert bzw. verstärkt werden. Dies gilt sowohl bei Männern als auch bei Frauen. In Stuttgart dürften es wohl die Drogenkontrollen durch die Polizei sowie das Fallen der Grenzen durch Alkoholeinfluss bei den Betroffenen gewesen sein.

Durch die nach wie vor geltende Definition von Gewalt sind vermehrt Männer bei der Ausübung von körperlicher Gewalt und Verletzungen zu beobachten. Wird der Gewaltbegriff jedoch um die Kategorien Mobbing, Stalking, verbale und psychische Gewalt erweitert, so fällt das Verhältnis eindeutig zu „Ungunsten“ der weiblichen Täterschaft aus, weiss Prof. Dr. Ulrike Popp vom Institut für Erziehungswissenschaft und Bildungs-forschung an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt. Bei der Darstellung von Gewalt in den Medien würden diese Kategorien jedoch zumeist nicht dargestellt. Dennoch sollte dies nicht täuschen: Jegliche Gewalt ist zerstörerisch! Allerdings zeige sich verstärkt mit dem Gesellschafts-wandel auch ein Wandel der geschlechtstypischen Verhaltens-erwartungen. Kirsten Bruhns vom Deutschen Jugendinstitut spricht in diesem Zusammenhang von einer „Neupositionierung im Geschlechter-verhältnis“, die sich vornehmlich bei jungen Frauen oder Mädchen in gewaltbereiten Jugendgruppen zeige.

Die Genetik hat inzwischen nachweisen können, dass sich negative Kindheitserlebnisse (Gewaltszenen als Schlüsselfaktoren) durchaus auch auf Gene übertragen lassen und schliesslich verantwortlich für ein grösseres Aggressionspotential bzw. Gewaltbereitschaft sein können. Dabei sollte jedoch das Lernen nicht ausgeschlossen werden: Erkennt das Kind an Vorbildern, dass Gewalt zum positiven Erfolg führt, so wird es vermehrt auf diese Strategie zurückgreifen (klassische Konditionierung).

Aggressivität und Gewaltbereitschaft nur auf den Testosteronspiegel zu reduzieren, mag zwar bei vielen Tierarten zutreffend sein – beim Menschen jedoch wäre es zu einfach!
Gewalt ist kein integraler Bestandteil beim Erwerb der männlichen Identität!

Lesetipps:

.) Internationales Handbuch der Gewaltforschung; Wilhelm Heitmeyer; Verlag für Sozialwissenschaften 2002
.) Männliche Gewalt – Ihre Wurzeln und ihre Auswirkungen; Vera van Aaken; Patmos Verlag 2000
.) Männlichkeit und Gewalt. Konzepte für die Jungenarbeit; Hrsg.: Ingo Bieringer/Walter Buchacher/Edgar J. Forster; VS Verlag für Sozialwissenschaften 2000
.) Lieber gewalttätig als unmännlich. Der lange Irrweg auf der Suche nach Männlichkeit; Hrsg.: Männer gegen Männergewalt; Pamphlet 1996
.) Desintegrationsdynamiken – Integrationsmechanismen auf dem Prüf-stand; Wilhelm Heitmeyer/Peter Imbusch; Verlag für Sozialwissen-schaften 2012
.) Geil auf Gewalt: Unter Hooligans; Bill Buford; Carl Hanser 1992
.) Mütter machen Männer: Wie Sohne erwachsen werden; Cheryl Benard/ Edit Schlaffer; Heyne 1994
.) Und bist du nicht willig… Ein neuer Umgang mit alltäglicher Gewalt; Jacques Vontobel; Werd Verlag 1995
.) Die unheimliche Faszination der Gewalt. Denkanstösse zum Umgang mit Aggression und Brutalität unter Kindern; Allan Guggenbühl, Schweizer Spiegel Verlag 1993
.) Interaktionen der Geschlechter; Uta Enders-Dragasser/Claudia Fuchs; Beltz Juventa 1989
.) Mediengewalt und Aggression; Ingrid Müller; Universität Potsdam 2006
.) Kleine Helden in Not – Jungen auf der Suche nach Männlichkeit; Dieter Schnack/Rainer Neutzling; Rowohlt Taschenbuch Verlag 2000
.) Nicht Herrscher, aber kräftig: Die Zukunft des Mannes; Walter Hollstein; Hoffmann und Campe Verlag 1988
.) Die Angst des Mannes vor der starken Frau – Einsichten in Männer-seelen; Wilhelm Johnen; Fischer 1994
.) Das Patriarchat. Ursprung und Zukunft unseres Gesellschaftssystems; Ernest Bornemann; FischerTB 1979

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