Archive for Dezember, 2023

Liebe Leser dieser Zeilen,

an dieser Stelle möchte ich mich bei Ihnen für Ihre Treue bedanken! Ich hoffe, bei der Auswahl der Themen ist für jeden Geschmack etwas dabei.

Ihnen wünsche ich ein frohes und hoffentlich gemütliches Weihnachtsfest im Kreise Ihrer Lieben und einen guten Rutsch in ein gesundes und glückliches 2024!

Den nächsten Blog gibt es am 06.01.2024!

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Wo bleibt denn die Buchstabenfee???

Fiel im 20. Jahrhundert das Wort “Pisa”, so dachten wohl die meisten unter uns an den Schiefen Turm, Sonne, italienisches Flair und vielleicht so manch einer auch an Pizza und Pasta! Das allerdings hat sich in den Jahren seit der Jahrtausendwende schlagartig geändert, denn der Schiefe Turm ist zwischenzeitlich umgefallen – zumindest bildungstechnisch!!!

Unter “PISA” versteht der Eingeweihte bzw. Interessierte inzwischen eine Erkenntnis, die alle drei Jahre eintritt, wenn eine spezielle Studie veröffentlicht wird: Die Erkenntnis, dass es mit der Bildung in den zivi-lisierten Staaten offenbar bergab geht! Doch wäre es verfrüht, vom Unter-gang Roms zu sprechen, denn noch kann der Karren aus dem Schlamm gezogen werden – mit gemeinsamen Bemühungen! Im dreijährigen Zyklus veröffentlicht die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) das “Programme for International Student Assessment”; Schuluntersuchungen, die messen sollen, was unsere 15- bzw. 16-jährigen Kinder eigentlich alles draufhaben, wenn es um die alltags- und berufsrelevanten Kenntnisse geht! Offiziell heisst dies: „das Wissen, die Fähigkeiten, die Kompetenzen, … die relevant sind für persönliches, soziales und ökonomisches Wohlergehen“ (OECD 1999). Dabei soll das Wissen bereichsspezifisch eingesetzt werden um authentische Probleme zu lösen. Soll heissen, die Aufgaben werden in “Persönliche oder kulturelle Kontexte eingebettet!”. Die Aufgaben werden teilweise in Multiple Choice oder als offene Fragen gestellt. In jedem teilnehmenden Staat werden zumindest 5.000 Stichproben gezogen, die Studien selbst im Auftrag der Regierungen durchgeführt und sind beliebig erweiterbar – etwa durch Bundesländervergleiche (PISA-E) oder ein nochmaliges Testen derselben Klasse ein Jahr später (PISA-International Plus) bzw. auch durch die Hinzunahme der Eltern (PISA-Elternstudie). Dabei werden insgesamt drei Bereiche abgefragt: Lesekompetenz, Mathematik und Naturwissen-schaften! Mittels Schwerpunktsetzung sollen diese auch alle drei Jahre betont werden: Lesen, Mathematik, Naturwissenschaften und schliesslich wieder Lesen! Damit sind wir in der Gegenwart gelandet: Beim letzten Test 2022 war das Lesen an der Reihe, 2025 sind es die Naturwissen-schaften! Die erst kürzlich veröffentlichte Studie behandelt (nicht nur, aber vorzugsweise) das geschriebene Wort! Und da erlebte dieser Tage so mancher Bildungs-Verantwortliche sein blaues Wunder!

Kurz zu den Lese-Schwerpunkt-Ergebnissen, die anderen seien hier nur gestreift: 81 Staaten (im Jahr 2000 waren es noch 32 Staaten), darunter 37 der 38 OECD-Länder und 25 von 27 Mitgliedsstaaten der EU, mehr als 690.000 Schüler/-innen beteiligten sich heuer daran. In Deutschland waren es 6.116 aus 257 Schulen, in Österreich 6.151 per Zufalls-Code ausgesuchte Probanden von 302 Schulen. Österreich erzielte mit 480 Punkten einen Schnitt, der über dem OECD-Schnitt (476) und jenem der EU (472) liegt. In Mathe waren es 487 Punkte (OECD 472, EU 474), in den Naturwissenschaften 491 (OECD 485, EU 483). Im Lesen schnitten die Mädchen, in den beiden anderen Bereichen naturgemäss die Burschen besser ab. In Deutschland liegen alle drei Werte im Vergleich zu 2018 darunter: Lesen 480 Punkte, Mathe 475 und Naturwissenschhaften 492.

Jubel also im Alpenstaat? Weit gefehlt – es gilt, noch viel anzupacken. Schliesslich nahmen hier zwei der drei Werte im Vergleich zu 2018 ab: -4 im Lesen, gar -15 in der Mathematik und +1 in den Naturwissenschaften. In Deutschland ist grosses Trübsalblasen angesagt: -18 im Lesen, -25 in Mathe und -11 in den Naturwissenschaften! Padauz – die schlechtesten Werte seit lang, langer Zeit! Die Gründe dafür sieht Berlin in den pandemiebedingten Einschränkungen und der heterogenen Herkunft der Schülerschaft – etwa aus Familien mit sozialen Risikolagen.

“Die Befunde der PISA-Studie sind besorgniserregend!“

(Dr. Jens Brandenburg, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundes-ministerium für Bildung und Forschung)

Nun – auch andere Staaten haben mit diesen Gründen zu kämpfen – so ist der OECD-Schnitt ebenso leicht gesunken. Doch zum Vergleich:

  1. Singapore (Lesen 543, Mathe 575, Naturwissenschaften 561)
  2. Japan (Lesen 516, Mathe 536, Naturwissenschaften 547)
  3. Südkorea (Lesen 515, Mathe 527, Naturwissenschaften 528)

Weiters:

  • Estland – bester EU-Staat (Lesen 511, Mathe 510, Naturwissenschaften 526)
  • Schweiz (Lesen 483, Mathe 508, Naturwissenschaften 503)

Das sind ganz andere Welten!

DAS Problem ist das sinnergreifende Lesen – das Lesen also, bei welchem man im Nachhinein zusammenfassen kann, was gelesen wurde.

Schon vor Jahren meinte etwa der Bildungsforscher Klaus Klemm von der Universität Duisburg-Essen, dass zwischen 2000 (dem 1. PISA-Test) und 2003 (dem 2. PISA-Test) ein riesiger Sprung nach vorne gemacht werden konnte, danach aber dümple Deutschland nur so vor sich hin. Einzelne gesetzte Massnahmen im Bildungssektor haben gegriffen – andere wiederum nicht. Das kognitive Lesen etwa richtet sich sehr stark nach der Herkunft – dem sozialen Umfeld des Jugendlichen. Dieses lässt sich nicht – wie etwa die Mathematik – innerhalb nur weniger Stunden lernen. Und das Lesen ist der Schlüssel zur Welt, so Klemm. Starten etwa Kinder mit migrantischen Hintergrund in erster Generation in der Grundschule ganz normal, so brechen sie am Ende der 2. Klasse ein – wenn dem Lesen eine tragende Rolle zukommt (zuwanderungs- und sozialbedingte Dispari-täten). Sie liegen mit rund 60 Kompetenzpunkten gegenüber gleichalten Schulkameraden zurück, die zuhause Deutsch sprechen – das sind umge-rechnet etwa 1,5 Schuljahre (vor 20 Jahren waren es noch 3 Jahre). Nach wie vor ist zu beobachten, dass Kinder aus Akademikerfamilien bessere Schulleistungen erbringen. ABER – auch hier sinkt das Verhältnis!

Interessant ist zu vermerken, dass die Verwendung moderner Medien (also etwa des Internets) keinerlei Auswirkungen auf die Testleistungen zeigt. So wird der Computer seit Jahren vermehrt in die moderne Päda-gogik eingebaut! Allerdings kommt auch dem Buch wieder eine wesentlich grössere Bedeutung zu. So sollen Kinder aus sozial schwachen und bildungsfremden Familien möglichst früh an Bücher herangeführt und deren Eltern zum Vorlesen motiviert werden. Mit dem Bildungs-monitoring und dem Vorschlag etwaiger Massnahmen betraut ist das Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen. Der erste Schwer-punkt – und da sind sich offenbar alle einig – ist die Stärkung der Basis-kompetenzen. Für Kinder mit Migrationshintergrund etwa bedeutet dies eine gezielte Sprachförderung in der frühen Bildung und zudem eine gezielte Unterstützung von sozial benachteiligten Kindern und Jugend-lichen etwa durch das Start-Chancen-Programm, das jedoch selbst nicht wirklich unumstritten ist.

All diese Probleme gibt es selbstverständlich auch in Österreich! Hier wurde PISA bereits zu einem festen Bestandteil der qualitätssichernden Massnahmen im Bildungsbereich und der damit befassten Bildungspolitik. Direkt dem Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung unterstellt ist das IQS – das Institut des Bundes für Qualitätssicherung im österreichischen Schulwesen. Hier werden wohl viele Köpfe rauchen, gilt es doch, nach all den bejubelten, allerdings anscheinend eher halb-seidenen Reformen im Schulsystem endlich Lösungen zu finden, die den Alpenstaat wieder auf Spur bringen.

Sowohl für Deutschland als auch für Österreich gilt es allerdings primär ein grosses Problem als erstes anzugehen: Den Lehrermangel! Gab es in früheren Zeiten eine Lehrerschwemme, so gehen die Baby-Boomer nun alle in Pension. Lehramtsstudenten und zurückgeholte Pensionisten müssen aushelfen. In manchen Bundesländern wird mit Prämien, Wohnung, etc. um entsprechendes Personal geworben. Das allerdings fehlt dann wieder am Herkunftsort. Hinzu gesellt sich der Image-Verfall des Berufstandes an sich. Früher hochangesehen, heute für viele Eltern, die offenbar selbst nicht in der Lage sind, ihre Kinder richtig zu erziehen, Fussabstreifer! So unterstrich schon vor mehr als 10 Jahren der Bildungspolitiker Andreas Salcher gegenüber der Tageszeitung „Öster-reich“ den Unterschied zur damaligen europäischen Nummer 1 (der OECD-Nummer 2 nach Korea): In Finnland ist der Beruf des Lehrers hoch angesehen. Nur die besten Studienabsolventen würden angenommen (von zehn im Schnitt nur einer). Damit zählen diese Pädagogen auch zur geistigen Elite des Landes. Daneben müssen sie sich restriktive weiterbilden und werden bei der Ausübung Ihres Berufes von einem Netz von anderen Spezialisten unterstützt: Sozialarbeitern, Medizinern und etwa auch Psychologen! Ausserdem erhält jedes Kind sozusagen einen eigenen Lehrplan – bedingt durch ein leistungsorientiertes und talentdifferenziertes Kurssystem.
Was geschah seither in Österreich?

Die Wissenschafter betonen immer wieder, dass PISA nicht etwa als Leistungsranking anzusehen ist. Vielmehr sollen Stärken und Schwächen der einzelnen Bildungssysteme ausfindig gemacht werden! Alle drei Jahre wird somit eine neue Diskussion über den Bildungssektor eingeläutet. Hierbei treffen die Meinungen von Experten beinhart aufeinander. Dabei sollte allerdings eines nicht vergesen werden: Der Jugendliche selbst! Er steckt mitten in der Sturm und Drang-Phase der Pubertät. Somit sollte dies in die Ursachenforschung mit einbezogen werden: Den Unterricht für diese Altersgruppe interessant zu machen, den Unterricht erlebenswert aufzubauen! Das stupide Stucken, das unsereins noch machen musste um das Abitur/die Matura zu bestehen – das sind Unterrichtsmethoden aus dem Jahr Anno Schnee!!!

PISA 2025 wird webbasiert, also Online, stattfinden. In Österreich ist die Teilnahme am Test verpflichtend, wenn man ausgelost wurde. Wenn Sie sich, liebe Leser, selbst testen wollen, hier geht es zu den freigegebenen Beispielaufgaben:

https://iqs.gv.at/pisa-freigegebene-aufgaben

Nettes Detail am Rande: Die PISA-Studie wurde von einem Deutschen entwickelt, dessen schulische Leistungen in der Grundschule einen Wechsel ins Gymnasium nicht zuliessen!

PS: Tipp- und Rechtschreibfehler sind durchaus beabsichtigt; schliesslich kommt der Autor aus Österreich!!!

Lesetipps:

.) Die Pisa-Studie – Ein kritischer Blick hinter die Ergebnisse; Sandra Schülke; GRIN 2012

.) Die PISA-Studie; Maike Wörsching; GRIN 2013

.) Menschenbild der PISA-Studie für Erwachsene; Anja Franz; VDM 2010

.) Die PISA-Studie und das Bildungskonzept der OECD im Kontext neoliberaler Gouvernementalität; Christoph Schwarz; GRIN 2008

.) Die Pisa-Studie: Fluch oder Segen? Darstellung kontroverser Standpunkte anhand eines Unterrichtsentwurfs; Maurice Gangl; GRIN 2019

.) Die Konsequenzen der PISA-Studie für die deutsche Bildungspolitik; Kerstin Felkel; GRIN 2013

Links:

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Weltklimagipfel – Erneutes Eingeständnis der Ohnmacht???

Ein Schelm, der erwartet, dass bei der Weltklimakonferenz COP 28 in Dubai ein durchschlagender Erfolg für das Klima, für unsere Umwelt erzielt werden könnte! Anstatt dessen werden sich die Vertreter von knapp 200 Staaten dieser Erde erneut auf einen faulen Kompromiss einigen – dafür werden schon Russland, China und Saudi Arabien verant-wortlich sein. Erstere werden sich gegen alles stellen, was aus dem Westen kommt, China hat Angst vor einem weiteren Einbruch seiner Wirtschaftszahlen und die Saudis wollen ohnedies stets den Reibach machen. Anders ist die Drosselung der Förderquoten, die diese Woche festgelegt wurde, damit der Rohöl-Preis wieder steigt, nicht zu erklären. Russland und Saudi Arabien werden es sehr rasch umsetzen, einige andere OPEC-Mitglieder jedoch nicht! Ähnlich wie die Zusammenkünfte zuvor ist auch in Dubai keinerlei Einigung zu erwarten – auch hier droht eine Verlängerung des Gipfels. Kommt es alsdann dieses Mal zu einem seit Jahren ohnedies gewohnten Eilverfahren durch den Präsidenten von COP-28, Sultan al-Dschaber, um zumindest die Gipfeldokumente ab-zeichnen zu können? Aber – dies ist ja sowieso vollkommen gleichgültig. Schliesslich sind die Zusagen auf dieser Veranstaltung nicht verbindlich. Soll heissen, dass die Versprechen etwa zu Kyoto oder Paris von den meisten Ländern nicht eingehalten wurden. Vorbildlich etwa Japan und Kanada: Beide Länder sind vor einigen Jahren aus dem Vertrag ausge-treten, um auf freiwilliger Basis unter die vereinbarten Werte zu kommen. Ob sie es geschafft haben, sei dahingestellt.

Gefeiert wurde allerdings das Versprechen zu Beginn der Konferenz: Deutschland und die Vereinigten Arabischen Emirate (Gastgeber) werden jeweils 100 Mio US-Dollar in den Klimafonds einzahlen! Ähnliche Zusagen kamen auch von Grossbritannien (75 Mio), den USA (25 Mio) und Japan (10 Mio)! Sollte allerdings Donald Trump wieder US-Präsident werden, so wird beim zweitgrössten CO2-Ausstosser, den USA, wohl nur warme Luft davon übrig bleiben. Und China als weltgrösster CO2-Produzent? Kurz mal nachgedacht und sofort verworfen! Aus diesem Fonds übrigens werden Schäden beglichen, die aufgrund des Klimawandels durch Natur-ereignisse vornehmlich in der Dritten Welt angerichtet werden. Ein Tropfen auf den heissen Stein, denn: Sollte es so weitergehen, werden viele Inseln und Festland-Uferregionen im Meer untergehen. Und dies sehr rasch. Schon für 2030 werden die Kosten der Schäden durch Trockenperioden, Überschwemmungen, Erdrutsche etc. auf 580 Milliarden Euro geschätzt – jedes Jahr. Deshalb muss sich in den Ländern selbst vieles ändern – Deutschland und auch Österreich etwa werden die gesteckten Klimaziele nicht erreichen. Trotz des Ausbaus der Wind-energie und der E-Mobilität.

Es ist mehr als bedenklich, schliesslich geht es um unseren Planeten!

Die Rede des deutschen Bundeskanzlers Olaf Scholz fand am Samstag statt. Scholz forderte alle Staaten zum raschen Ausstieg aus den fossilen Energieträgern auf – allen voran der Kohle und dem Öl. Daneben verwies er nochmals auf die Bildung eines „Klimaclubs“, den er bereits beim G7-Gipfel in Ellmau vorgestellt hatte. 33 Staaten interessierten sich dafür.

Neu in Dubai ist der Klimaschutz im Agrarsektor. Obgleich dieser Sektor in vielen Schattierungen für den Klimawandel verantwortlich zeichnet (Methan, CO2, Grundwasser,…), war der Bereich bislang gänzlichst von allen Verträgen ausgenommen. Dieser Tage unterzeichneten jedoch mehr als 130 Staaten die „Emirates Declaration on Sustainable Agriculture, Resilient Food Systems and Climate Action“, die auch Massnahmen in der Landwirtschaft und dem Lebensmittelsektor vorsieht.

EU-Kommissions-Präsidentin Ursula von der Leyen klopfte sich selbst auf die Schulter und schlug das CO2-Bepreisungsmodel der EU im Emissionhandel allen anderen Staaten und Staatenbünden vor. Es wäre das mächtigste System um klimaschädliche Emissionen zu reduzieren, bei trotzdem steigender Innovation und Wirtschaftskraft. Einerseits seien in den 18 Jahren des Bestehens des EU-Emissionshandelssystems (EU-ETS) die dadurch erfassten Emissionen um fast 40 % gesunken, andererseits wurden mehr als 175 Milliarden Euro eingenommen, die dem Klima-schutz, der Innovation oder auch den Entwicklungsländern zugute kamen. Dieser Emissionsrechtehandel wurde im Jahr 1966 durch Thomas Crocker von der University of Visconsin/Milwaukee erfunden. Eine Ober-grenze an unterschiedlichen Emissionen darf innerhalb einer speziellen zeitlichen Spanne (etwa ein Jahr) für eine gewisse Region (etwa Deutschland) nicht überschritten werden. Hierfür werden Zertifikate bis hin zu dieser Obergrenze ausgegeben. Soll nun der Ausstoss an Abgasen reduziert werden, stehen im kommenden Jahr weniger dieser Verschmutzungsrechte zur Verfügung. Jedoch kann eine Region, die solche Zertifikate nicht zur Gänze braucht, diese an die Klimaver-schmutzer weiterverkaufen. Der Handel allerdings ist begrenzt. Die europäischen Länder und auch Japan haben sich dazu verpflichtet, diese nicht verbrauchten Verschmutzungrechte nicht zu verwenden. Polen wollte einst die Papiere trotzdem weiterverkaufen, was aber im Endeffekt dann doch verhindert werden konnte.

Dennoch gehen die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) ganz im Gegenteil zu den Saudis mit gutem Beispiel voran. So hat Staatspräsident Scheich Muhammad bin Zayid Al Nahyan versprochen, einen Investment-fonds für den Ausbau regenerativer Energie einzurichten. Die Einlage: 30 Milliarden US-Dollar! Der Fonds soll durch andere Investoren auf bis zu 250 Milliarden ansteigen.

Bei alledem muss die Frage gestellt werden: Muss diese Konferenz wirklich stattfinden? Über 70.000 Delegierte sind vorort – das ist doppelt so viel wie noch im Vorjahr im ägyptischen Scharm El-Scheich. Was das für das Weltklima bedeutet – eine Berechnung für die deutsche Dele-gation (Quelle: myclimate.org): 250 Regierungsmitarbeiter mit Personen-schützern, zudem Bundestagsabgeordnete und private Teilnehmer! 9.200 km von Berlin nach Dubai! Ein Flug in einem Airbus A-330 über diese Strecke verursacht 3,1 Tonnen CO2 in der Premium Economy, in der Business Class gar 8,1 to! Ich überlasse es gerne Ihnen, dies auf die notwendigen Hin- und Retour-Flügen auszurechnen, da ja nicht alle in ein- und demselben Flugzeug sitzen!

Das Jahr 2023 brach alle dagewesenen Rekorde. Es wird nach ersten Ein-schätzungen das wohl wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Ob die angestrebte Grenze von 1,5 Grad Temperatur-Erhöhung im Jahr 2100 eingehalten werden kann, ist mehr als fraglich. Hätten die Verschmutzer ihre Zusagen eingehalten, stünden wir heute in einer anderen Ausgangs-position. Doch wurde viel zu lange dahingewartet – jetzt die Ziele erreichen zu wollen, bedeutet wohl umgreifende Änderungen im täg-lichen Leben eines jeden Einzelnen. Um nicht zu sagen: Das ist unmög-lich! „Hallo?“ werden nun einige lauthals schreien: „Ich fahre mit dem Bus!“ Ja, sehr löblich – wirklich. Doch wie viele Produkte haben Sie aus China in Ihrem Haushalt stehen oder liegen? Bevorzugen Sie auch im Winter T-Shirt-Raumtemperaturen? Apropos – wie sieht’s mit den Dämm-werten Ihres Hauses aus? Wohin fliegen Sie in Ihrem Urlaub?

Was nützt all das Geld dem kleinen Bauern, der Jahre gebraucht hat, um eine Ernte zu erhalten, von welcher er gerade mal so leben kann, wenn diese und seine Wohnhütte innerhalb von Minuten von Wasser oder Muren zerstört wird – anstatt weltweit die Emissionen von Treibhaus-gasen stark einzuschränken, wodurch die Ursache bekämpft worden wäre.

Es ist zwar sehr schön, wenn Deutschland bzw. Österreich die Kyotoziele möglicherweise doch einhalten, andere Staaten aber nach wie vor aus vollen Schornsteinen ballern!

Kohlen- und Schwefeldioxid oder auch Methan kennen keine Grenzen. Die Insel der Seeligen wird es zumindest klimatologisch nicht geben. Im Gegenteil: Die Erdatmosphäre wird sich bis ins Jahr 2100 um geschätzte vier Grad erwärmen! Viele Paradiese, die auf Atollen entstanden, werden aufgrund der Schmelze der Polkappen und der Gletscher auf Grönland untergehen. Überflutungen in ehemaligen Urwaldgebieten werden tau-sende Opfer fordern. Der Regenwald als Wasserspeicher ist ja nicht mehr da! Dürrekatastrophen werden für grosse Hungersnot sorgen. Auch Europa hat bereits mit Naturerscheinungen wie Hurricanes oder Wind-hosen Bekannschaft machen.

Gilt somit auch heuer wieder:

Ausser Spesen nichts gewesen?

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