Archive for Jänner, 2026

Die fünfte Jahreszeit

Der leider bereits verstorbene Kabarettist Dieter Hildebrandt meinte 2003 in der Sendung „Unter4Augen“:

„Mensch bedenke: Die Bakterien werden uns von der anderen Seite des Mikroskops aus beobachten!“

Ehrlich? Vor allem in der „Fünften Jahreszeit“ würde es mich durchaus interessieren, was so manch getreuer Vierbeiner angesichts der vielen Jecken und Narren von der Krone der Schöpfung und deren mehr als dubiosen Verhalten in diesen Wochen meint. Sei’s drum – leider werden auch heuer viele Grossveranstaltungen abgesagt, da sich nach wie vor einige unmaskierte Narren weigern, an Massnahmen zur Verbesserung jener Lage zu halten, gegen die sie höchstpersönlich auf die Strasse gehen. Aber – das ist wieder eine ganz andere Geschichte!
Lassen Sie uns heute doch mal einen Blick auf die Hintergründe dieses närrischen Treibens werfen, denn viele zwängen sich zwar alljährlich in ein Kostüm, wissen jedoch nicht warum! Fehlt hier der Zusammenhang – wird daraus tatsächlich ein sinnloses Tun! Dabei ist die Geschichte durchaus interessant.
Der grundsätzliche Gedanke sowohl der Fasnächte als auch des Karnevals lag in dem Aufbrauchen verderblicher Lebensmittel vor dem Beginn der Fastenzeit – also in der christlichen Zeit, nicht wie oftmals angenommen in der vorchristlichen. Zu diesem Fress- und Trinkgelage wurden Freunde und Verwandte eingeladen. Aufzeichnungen lassen darauf schliessen, dass dies bereits im 12./13. Jahrhundert praktiziert wurde.
Je nach Region wird auch heute noch unterschiedlich gefeiert:

1. Die Schwäbisch-alemannische Fastnacht
Eigentlich ist sie noch gar nicht so alt – dennoch der höchste Würden-träger unter allen Varianten: Die schwäbisch-alemannische Fastnacht zählt seit dem Jahr 2014 zum deutschen Verzeichnis des immateriellen Weltkulturerbes nach den Richtlinien der UNESCO. Gefeiert wird sie in Südwestdeutschland sowie der Nordost- bzw. Zentralschweiz. Dement-sprechend unterschiedlich sind auch die Schwerpunkte oder die Bezeich-nungen. So schwanken diese zwischen Fasnacht, Fasnet, Fasnad oder auch Fasent. Historisch leitet sich Fasnet von der frühneuzeit- bzw. mittelalterlichen Fasnacht ab, deren Tradition im 20. Jahrhundert wieder ausgegraben wurde. In der Schwäbisch-alemannischen Fastnacht treffen sich die „Narrenhäs-Träger“, also Menschen, die sich mit Larven oder „Schemen“ zumeist aus Holz verkleidet haben. Das Narrenhäs wird vom Träger über Jahre hinweg verwendet, manches Mal gar vererbt. Beginn des ganzen Zinnobers ist der Dreikönigstag, an welchem die Larven „abgestaubt“ werden. Den Höhepunkt stellt der „Schmotzige Dunnschtig“ dar, andernorts auch als „Gumpiger Donnerstag“ bekannt. Dann trifft man auf den Strassen oder bei so manchem Narrentreffen auf jede Menge „Schneller“ (Bodenseekreis), „Klepfer“ (Rottweil) oder „Häser“ (Villingen). Am oberen Neckar sind es die „Abstauber“ und in Rottenburg am Neckar die Hexen. Nahezu jedes Wochenende steigt in pandemiefreien Jahren eine Narrenversammlung. Der zweite wichtige Termin der schwäbisch-alemannischen Fasnet ist der 02. Februar – Maria Lichtmess. Die Anzahl der Veranstaltungen nimmt rasant zu. Da feiert man in Oberschwaben das „Maschgern“, im Schwarzwald das „Schnurren“, in Villingen das „Strählen“, in Oberndorf das „Hecheln“ und in Schömberg das „Welschen“. Andernorts heisst es auch ganz einfach „Aufsagen“! Inhalt dieses Auf-sagens sind die Ereignisse des letzten Jahres, die lustig aufbereitet als Vierzeiler oder Lieder von den maskierten Narren dem Volk dargeboten werden. Diese ziehen von Gasthaus zu Gasthaus, wo sie meist schon sehnsüchtigst erwartet werden. In früheren Zeiten wurde dies an unter-schiedlichen Stationen auf der Strasse gezeigt.
Auch für den Schmotzigen Dunnschtig gibt es Namen, die nach Regionen variieren können: Gausaliger Donschdig, Schmitziga Dorschdich, Dicker Donnerstag, Glombiger Doschdig, … „Schmotzig“ bedeutet im Ale-mannischen „fettig“. Alsdann wurden an diesem Tag zumeist fette Speisen gereicht: Fasnetsküechle, Krapfen oder auch „Nonnenfürzle“. In Konstanz etwa wird die Bevölkerung bereits um 06.00 Uhr durch Trommler und Fanfarenzüge geweckt. Nachdem die Stadt- oder Gemeinderegierung beim Rathaussturm abgesetzt wurde, übernehmen die Narren das Kommando. Gefeiert wird mit unzähligen Umzügen und Strassenfasnachten. In Rottweil und Oberndorf sind dies auch heute noch die bekannten „Narrensprünge“. 1924 gründeten die Narrenzünfte die „Vereinigung schwäbisch-alemannischer Narrenzünfte“ (VSAN). 1937 folgte der Verband oberrheinischer Narrenzünfte und schliesslich 1959 die Narrenvereinigung Hegau-Bodensee. Die Aufgabe dieser Dach-verbände liegt vornehmlich in der Bewahrung des Brauchtums. Die Gestalt der Hexe kam erst 1933 mit der Gründung der Hexenzunft in Offenburg in’s Spiel – nicht unbedingt zum Wohlwollen der Brauchtum-schützer, die die Fasnacht dadurch gefährdet sehen. Sie beruht einerseits auf Märchen, andererseits auf den Überlieferungen über die mittelalter-lichen Hexen. Auch in Tirol gehört die Hexe als ein wichtiger Bestandteil zum Fasching. Dort jedoch bereits seit dem 18. Jahrhundert. Ähnlich ergeht es dem Treibermotiv, bei dem Narrenhäs-Träger eine Figur vor sich hertreiben. In Weingarten ist dies das „Fasnetsbuzzerössle“, in Rottweil das „Brieler Rössle“ und in Bad Waldsee „Werners Esel“. Dieses Motiv kam auch erst später hinzu. Der Teufel jedoch fand seinen Platz bereits vor dem 17. Jahrhundert. In Rottweil als „Federahannes“, im mittleren Schwarzwald als „Elzacher Schuttig“. Die „Alte Vettel“ ist ebenfalls typisch alemannisch: Schon im Mittelalter verkleideten sich Männer mit Frauenklamotten um als solche unerkannt ihr Unwesen zu treiben (“Verkehrte Welt“). Daneben spielten stets auch Sagen- und Tier-gestalten, Narrenrufe, Sprüche etc. eine wichtige Rolle, auf die ich aus Platzgründen nicht näher eingehen möchte.

2. Die Buurefasnacht (Alte Fasnacht)
Hier mischte einst die römisch-katholische Kirche gewichtig mit. Im Konzil von Benevent wurde der Beginn der Fastenzeit um sechs Tage vorverlegt. Daran aber hielten sich vornehmlich evangelische Regionen bzw. einige ländliche Gebiete nicht – sie feierten bis zum Dienstag der 6. Woche vor Ostern. Dies ist auch heute noch als „Buurefasnacht“ bekannt. Die römisch-katholische Kirche hingegen sprach vom „civitas diaboli“ – dem Teufelstaat. Das Volk reagierte mit dämonischen, teuflischen Masken. Auch die Basler orientieren sich bis heute an der alte Fastenzeit, wonach die Sonntage nicht zur Fastenzeit gerechnet werden. Die katho-lischen Regionen hielten sich an die höchstkirchliche Anordnung – deshalb spricht man hierbei von der „Herren- oder Pfaffenfasnacht“.

3. Die Groppenfasnacht
In Ermatingen am schweizerischen Südufer des Untersees am Bodensee endet die Fasnacht erst drei Wochen vor Ostern, am „Sonntag Laetare“. Heuer übrigens wird sie zum 611. Mal begangen! Sie ist eine der traditionsreichsten Fasnächte der Ostschweiz.

Ganz allgemein war in der Fasnacht die Verkleidung meist simpel und einfach gewählt. Erst im 17. Jahrhundert wurde während des Barocks der Fantasie freien Lauf gelassen. Dies vor allem bei den Masken, die teilweise wahre Kunstwerke sind. Zudem wurde auch der Einfluss der italienischen Commedia dell’Arte immer wichtiger.

4. Der Karneval
Vielen wurde in der Zeit der Aufklärung die Fastnacht zu altbacken, manchen gar zu primitiv. Während der Romantik entwickelte deshalb das Bildungsbürgertum den Karneval. Das Wort „Karneval“ selbst leitet sich ab vom italienischen „carnevale“, das wiederum seinen Ursprung im kirchen-lateinischen „carnislevamen“ (Fleischwegnahme) hat. Die Enthaltsamkeit bezog sich übrigens im Mittelalter auch auf den Wein (nicht das Bier) und die Sexualität, weshalb diese ausschweifenden Tage wenig Anhänger in der Kirche fand. In der Karnevals-Hochburg Köln wurde er erstmals 1823 abgehalten. Der Haupttag des Karnevals ist stets der Rosenmontag, an dem kilometerlange Karnevalszüge durch die Städte ziehen. Daneben wird der Karneval selbstverständlich auch durch Sitzungen, v.a. aber in den Lokalen und Gasthäusern gefeiert. Der Karneval ist seit dem 19. Jahrhundert sehr politisch geworden. So wurden Kölner Karnevals-präsidenten wie Heinrich von Wittgenstein, Franz Raveaux oder auch der Bonner Universitätsprofessor und Büttenredner Gottfried Kinkel später Politiker. Büttenredner Karl Küpper beispielsweise erhob in der Saison 1937/38 auf dem Weg zur Bütt den rechten Arm zum „deutschen Gruss“ und sagte nicht „Heil Hitler“ sondern. „Nä, nä, su huh litt bei uns dr Dreck em Keller!“ (Nein, nein, so hoch liegt bei uns der Dreck im Keller!). Küpper erhielt lebenslanges Redeverbot, das 1944 wieder aufgehoben wurde. 1951 übrigens deutete er diesen Gruss erneut in der Bütt an und meinte: „Et es widder am rähne!“ Er meinte damit den Einfluss der NS-Elite in der neu gegründeten Bundesrepublik. Interessant ist alsdann die Tatsache, dass die Nationalsozialisten bis 1940 den Karneval nicht verboten hatten. Sie haben ihn instrumentalisiert. 1937 wurde der „Bund Deutscher Karneval“ gegründet. Karnevalsvereine, die diesem Dach-verband nicht angehörten, konnten fortan nurmehr geheim feiern. Männer durften nicht mehr in Frauenkleidern auftreten, antisemitische Parolen wurden in alle Reden eingebaut. 1938 erwähnte ein Büttenredner in der Mainzer Carnevalssitzung das Konzentrationslager Dachau, worauf die Live-Übertragung sofort abgebrochen wurde.

5. Der Fasching
In Österreich und Bayern wird Fasching gefeiert. Dieser setzt sich aus allen bislang aufgeführten Spielarten zusammen. Eingeläutet am 11.11. um 11.11 Uhr (die 11 ist seit jeher die „Narrenzahl“) werden zumeist ab dem 07. Januar Faschingssitzungen und Bälle abgehalten, während der Weihnachtszeit schläft der Fasching. Die grossen Strassenumzüge finden entweder am Faschingssonntag oder vor allem am Faschingsdienstag statt. Gereicht werden hierzu Faschings- oder Punschkrapfen. Auch im Fasching gibt es unzählige alte Brauchtümer, wie etwa das Fisser Blochziehen, bei dem ein 35 m langer Zirbenstamm gezogen werden muss oder der Ebenseer Fetzenzug, bei dem auf alten Frauenkleidern Lumpen genäht werden, die zu selbstgeschnitzten Holzmasken beim Umzug getragen werden. Beides gehört seit 2011 ebenfalls zum immateriellen Weltkulturerbe Österreichs nach UNESCO-Richtlinien. Ebenso wie der Ausseer Fasching mit seinem Flinserl, den Trommel-weibern und den Pless oder das Murauer Faschingsrennen, bei dem die bunten Figuren von Hof zu Hof marschieren. Viele dieser Faschings-Brauchtümer wurzeln jedoch in heidnischen Zeiten: Dadurch sollte Göttern gehuldigt und die bösen Geister vertrieben werden. Dies wird v.a. beim Allgäuer und Vorarlberger Brauch des Funkenabbrennens („Fast-nachtsfeuer“) am Sonntag nach Aschermittwoch bewusst. Auf einem riesigen Scheiterhaufen wird eine Hexe verbrannt. Explodiert sie laut, bedeutet dies Erfolg und Glück für das kommende Jahr. Fällt der Funken davor um, folgt ein Jahr voller Unheil. Der Vorarlberger Funken zählt seit 2010 zum immateriellen Weltkulturerbe nach UNESCO-Richtlinien. Fasching in Österreich ist also wesentlich mehr als Wiener Opernball oder Villacher Fasching.

Die Fastnacht, der Fasching und der Karneval haben sich inzwischen zu ganz entscheidenden Wirtschaftsfaktoren entwickelt. Alleine in Deutsch-land geben Frau Schmidt und Herr Müller jährlich rund 300 Millionen Euro nur für Kostüme und Verkleidungen aus, der Gesamtumsatz am Kölner Karneval wird alljährlich auf rund 460 Mio € geschätzt.
Auch in vielen anderen Ländern wie Frankreich, Italien, Polen, Kroatien, Brasilien und sogar Syrien wird diese Fünfte Jahreszeit gefeiert – ein mögliches Thema eines anderen Blogs.
Für die nächsten Wochen wünsche ich allen Narren und Jecken eine ausgelassene und närrische Zeit, wenn auch unter anderen Voraus-setzungen in diesem Jahr (Kriege, Gewalt und nicht zuletzt auch Putins hirnrissiger Prozess gegen den Karnevals-Bauer Jacques Tilly).

Lesetipps:

.) Das große Buch der schwäbisch-alemannischen Fastnacht. Ursprünge, Entwicklungen und Erscheinungsformen organisierter Narretei in Süd-westdeutschland; Werner Mezger; Theiss 1999
.) Zur Geschichte der organisierten Fastnacht. Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte; Wilfried Dold/Roland Wehrle u. a., Dold-Verlag 1999
.) Schwäbisch-alemannische Fasnacht; Wilhelm Kutter; Sigloch 1976
.) Fastnacht/Karneval im europäischen Vergleich. (Mainzer Vorträge 3); Hrsg.: Michael Matheus; Franz Steiner Verlag 1999
.) Elf Uhr elf; Hrsg.: Theodor Barth, Ute Behrend, Thekla Ehling, Dirk Gebhardt, Matthias Jung, David Klammer, Frederic Lezmi, Nadine Preiß, Wolfgang Zurborn; Kettler 2014
.) Fastnacht, Fasching, Karneval. Das Fest der „verkehrten Welt“; Dietz-Rüdiger Moser; Edition Kaleidoskop 1986
.) Was auch passiert: D’r Zoch kütt! Die Geschichte des rheinischen Karnevals; Hildegard Brog; Campus 2000
.) Kölner Karneval. Zur Kulturgeschichte der Fastnacht; Peter Fuchs/Max-Leo Schwering; Greven Verlag 1972
.) Unangepasst und widerborstig. Der Kölner Karnevalist Karl Küpper, Fritz Bilz; Edition Kalk 2020
.) Die großen Fasnachten Tirols; Hans Gapp; Edition Löwenzahn 1996
.) Fasnächtliches Uri; Rolf Gisler-Jauch; Gisler 2005

Links:

  • www.kulturrat.de
    – www.alemannische-seiten.de
    – www.vsan.de
    – www.groppenfasnacht.ch
    – www.unesco.de/kultur-und-natur/immaterielles-kulturerbe/immaterielles-kulturerbe-deutschland/fastnacht
    – www.schwarzwald.com
    – koelnerkarneval.de
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Rettet den Kongo

Der heutige Blog handelt von einem Land, das eigentlich reich an Boden-schätzen (u.a. Gold und Coltan – ein wichtiges Metall für die Herstellung von Laptops, Smartphones oder den Batterien von Elektroautos) ist und alles bieten würde, was die Tourismus-Büros suchen: Dem Kongo! Bereits im Jahr 1960 wurde die ehemalige belgische Kolonie unabhängig. Seither allerdings schafft es das Land nicht, sich selbst auf die Füsse zu stellen. Ende Dezember gab das österreichische Aussenministerium die Reise-warnung der Sicherheitsstufe 4 (von 4) heraus. Die Sicherheitslage könne sich jederzeit rasch ändern. In einem solchen Falle sind Reisende auf sich selbst gestellt – Versicherungen, Gerichte und auch die Botschaft kann bei einem Vorfall nichts für die entsprechenden Landsleute unternehmen. Auch das deutsche Auswärtige Amt warnt generell vor Reisen in den Kongo und forderte deutsche Bundesbürger auf, das Gebiet zu verlassen. Gleiches bei Frankreich und Grossbritannien. Was aber steckt dahinter? Unternehmen wir gemeinsam einen kurzen Streifzug durch dieses riesige Land – flächenmässig immerhin das zweitgrösste auf dem afrikanischen Kontinent.

Die Ursache des Konfliktes geht auf die Kolonialzeit zurück. Der belgische König Leopold II. (1888-1908) beutete das Land und seine Einwohner mit allen Kräften aus. Auch in den Jahren danach, als Belgien 1910 eine parlamentarische konstitutionelle Monarchie wurde, änderte sich daran bis in’s Jahr 1960 nicht wirklich viel. Nach der Unabhängigkeit kam der Diktator Mobutu Sese Seko (1965-1997) an die Macht. Wie die meisten Diktatoren Afrikas nahm er bei seiner Gier nach Macht und Geld keine Rücksicht auf die Bevölkerung: Das Verwaltungssystem, Militär, Polizei und Justiz waren korrupt und/oder regimetreu. Bildung, Gesundheit und v.a. die Versorgung der Bevölkerung blieben dabei auf der Strecke – tausende Menschen, darunter auch Kinder und Ältere, verhungerten.

Mit dem Ende des Kalten Krieges verstärkte die internationale Staaten-gemeinschaft ihren Druck auf Mobutu. 1994 dann das nächste Problem: Im Nachbarstaat Ruanda fand ein Genozid der Hutus an den Tutsis bis-lang nicht bekannten Ausmaßes statt. Hunderttausende flüchteten, darunter allerdings auch die Täter selbst, in den rohstoffreichen Osten des Kongos. Die Region versank im Morast – es herrschte nurmehr das Recht des Stärkeren. 1997 schliesslich wurde Mobutu im ersten Kongo-Krieg gestürzt. Es war ein Bündnis aus der “Alliance des Forces Démo-cratiques pour la Libération du Congo” (AFDL), mit dabei auch die Länder Ruanda, Uganda und Angola. Staaten, die eigentlich zuhause ebenso genügend zu tun gehabt hätten. Auch das wirkt sich bis zum heutigen Tage aus. Laurent-Désiré Kabila wurde als neuer Präsident in’s Amt gesetzt. Doch auch ihm gelang es nicht, Ruhe in das Land zu bringen. Im Osten wüteten nach wie vor die unterschiedlichsten Rebellengruppen. Zudem zogen sich immer wieder Rebellen aus den Nachbarstaaten der mit Kabila verbündeten Länder und Burundi auf kongolesisches Gebiet zurück. Die einst verbündeten Regierungschefs liessen Kabila deshalb fallen. 1998 schliesslich intervenierten sie militärisch erneut im Kongo, um die Rebellen zu bekämpfen. Kabila suchte Hilfe bei Angola, Namibia, Simbabwe und dem Sudan. Dafür vergab er Konzessionen für den Roh-stoffabbau (Schürfrechte) in seinem Land. Die Folge: Der Zweite Kongo-krieg, der von 1998 bis 2003 andauern sollte.

Die UNO reagierte schon 1999 mit der Friedensmission MONUC. Das Land sollte befriedet, die staatlichen Strukturen verstärkt und der Sicherheits-sektor demokratisiert werden. Es war ein Peace-Making-Einsatz, schliesslich erhielt die UN-Interventionsbrigade das Mandat, jederzeit auch mit Waffeneinsatz gegen Rebellen vorgehen zu können. Das Mandat wurde mehrfach bis 2023 verlängert. Der Abzug der Friedenstruppen aber verzögerte sich – nach wie vor befinden sich rund 15.000 Blauhelme dort (Polizeikräfte aus 26, Militärpersonal aus 49 Ländern). Die kongo-lesische Regierung konnte mit ihren eigenen Streitkräften FARDC nicht selbst für Sicherheit im Lande sorgen. Zudem haben Kritiker der nun-mehrigen “MONUSCO-Friedensmission” Versagen vorgeworfen, da zu wenig in die Konflikte eingegriffen worden sei. Deshalb stellte die Entwicklungsgemeinschaft des südlichen Afrika (SADC) eine eigene 5.000-köpfige Truppe aus Malawi, Südafrika und Tansania auf, die der Regierung des Kongos beistehen solle. Sie stehen nach wie vor im Kampfeinsatz – auch gegen immer wieder die Grenzen überschreitende Rebellen aus Uganda und Burundi.

Auf politischer Ebene konnten ebenfalls keine Ergebnisse erzielt werden. Beim Treffen der Afrikanischen Union im Februar vergangenen Jahres wurde nichts Greifbares beschlossen: Man solle sich auf einen Waffen-stillstand einigen! Gar nicht so einfach, kommt es doch zwischen den unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen immer wieder zu Landstreitig-keiten – nicht weniger als 200 ethnische Gruppen leben im Land. Dies zumeist auf Kosten der Banyamulenge, der kongolesischen Tutsis im Mulenge-Hochland in Süd-Kivu im Osten. Sie stammen eigentlich aus Ruanda, wurden aber während der Kolonialzeit für die Arbeit auf den Plantagen in den Kongo gebracht.

Im Januar 2019 wurde der erste zivile Präsident der Demokratischen Republik (!) Kongo seit 1960, Félix Tshisekedi, vereidigt. Alle Hoffnungen zur friedlichen Beilegung des Konfliktes konzentrierten sich fortan auf ihn.

Inzwischen übrigens hat auch der Internationale Gerichtshof in Den Haag seine Ermittlungen begonnen. Sie fokussieren sich einstweilen auf die Rebellenführer Thomas Lubanga, Bosco Ntaganda und Jean-Pierre Bemba. Wäre es nicht allzu tragisch – man könnte lachen ohne End: Bemba wurde 2003 Vizepräsident, in der aktuellen Regierung des Kongos Verteidigungsminister und ist derzeit Infrastrukturminister! Zudem hat ein Pariser Gericht den kongolesischen Warlord Roger Lumbala zu 30 Jahren Haft wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt. Zuvor Demokratieaktivist, führte er während des “grossen Kongokrieges” von 1998 bis 2003 die bewaffnete Gruppe RCD-N an. Doch war ihm schlussendlich die Gier nach Macht und der Mineralienhandel wichtiger als die Demokratie. Er schloss sich dem prougandischen Rebellenführer Jean-Pierre Bemba an, der 2002 und 2003 möglichst viele Gebiete im Kongo einnehmen wollte. So u.a. auch den Ituri-Regenwald, das Gebiet der Bambuti-Pygmäen. Sie gelten seit alters her als Waldwesen, nicht als normale Menschen. Diese wurden vor die Wahl gestellt, Fleisch für die Rebellen zu liefern oder selbst gegessen zu werden. Manche glaubten damals, dass das Essen von Pygmäen magische Kräfte verleihe. Vergewaltigung, Mord und Kannibalismus waren die Folge. Lumbala wurde später Aussenhandelsminister. Der dortigen Regierung bleibt offenbar nichts anderes übrig, als solche Menschen miteinzubinden. Deshalb alsdann die derzeitige Vielparteien-koalition „Union Sacreé pour la Nation“ (UNS).

Im Hintergrund aber spann Ex-Präsident Kabila nach wie vor die Fäden. Als “Senator auf Lebenszeit” mischte er fleissig im Sicherheitsbereich und dem Wirtschaftsektor mit. Am 30. September letzten Jahres wurde er in Abwesenheit wegen Hochverrats, Kriegsverbrechen und Planung eines Regierungsumsturzes zum Tode verurteilt. Er sei einer der Drahtzieher der Verbrechen der Rebellenorganisation AFC (siehe weiter unten!). Kabila jedoch lebt im Exil – u.a. auch in Südafrika. 2024 wurde Tshisekedi wiedergewählt. An seiner Seite als Regierungschefin: Judith Suminwa Tuluka! Tshisekedi brachte trotzdem zahlreiche Reformen in’s Rollen. Das Gesundheitssystem wurde verbessert und eine kostenlose primäre Schulbildung eingerichtet. Weniger Erfolg hat er bei der Korruption und dem Verwaltungsapparat, der nach wie vor wie zu Zeiten Mobutus bzw. Kimbalis agiert. Das Land ist mit dieser Regierung zwar prowestlich orientiert, dennoch ist China der wichtigste Handelspartner – vor allem für die Rohstoffe. Und genau in dieser rohstoffreichen Ostregion liegt in Bezug auf die Sicherheit einiges im Argen. Eine ganze Generation kennt dort nichts anderes als Mord und Totschlag, Waffen und Gewalt. Viele schliessen sich – mangels wirtschaftlicher Perspektiven – den Rebellen an.

Tshisekedi hat sich inzwischen mit seinen Kollegen aus den Nachbar-staaten grossteils diplomatisch ausgesöhnt, doch macht ihm hierbei Ruanda nach wie vor einen Strich durch die Rechnung: Auch ein Krieg zwischen beiden Staaten ist nicht ausgeschlossen. So haben Rebellen des 23. März im Februar 2025 mit Hilfe von 4.000 Regierungssoldaten Ruandas (wird von der Regierung Ruandas bestritten!) die beiden kongolesischen Großstädte Goma und Bukavu eingenommen – Millionen-städte. Unter den Opfern waren auch Blauhelm-Soldaten der UNO. 400.000 Menschen sind alleine aus Goma zuvor geflohen. UN-General-sekretär António Guterres forderte damals die M23-Rebellen auf, die Gewalt-Offensive sofort einzustellen – leider ohne Erfolg. UN-Personal wurde in die Hauptstadt Kinshasa bzw. in’s benachbarte Uganda verlegt. Auch die Afrikanische Union, vertreten durch deren Vermittler, dem angolanischen Präsidenten João Lourenço, forderte die sofortige Ein-stellung der Kampfhandlungen der Rebellen und Truppen Ruandas.

Politisch regiert nun dort die “Kongo-Fluss-Allianz” (AFC) mit Corneille Nangaa, dem Ex-Chef der kongolesischen Wahlkommission (CENI) an der Spitze. Deren Ziel ist es, die Regierung Tshisekedi zu stürzen und die Macht über den ganzen Kongo zu erhalten. Damit kontrollieren alsdann erneut Rebellen gemeinsam mit Ruanda die beiden rohstoffreichen Regionen Nord- und Süd-Kivu. Paul Kagarne, der ruandische Präsident (Angehöriger der Tutsis) spricht von nationalen Sicherheitsinteressen. Von Ruanda sicherlich vorgeschobener Hintergrund ist die Rebellenmiliz „Demokratische Kräfte zur Befreiung Ruandas“ (FDLR), die er dadurch bekämpfen wolle. In dieser Miliz sind ruandische Hutus vertreten, die 1994 massgeblich am Genozid der Tutsis beteiligt waren. Er wirft der kongolesischen Regierung vor, diese Milizen zu unterstützen. Inzwischen läuft die illegale Ausbeutung des Kongos weiter: Rohstoffe werden illegal über die Grenzen in die Nachbarländer geschmuggelt. Nicht nur durch die M23-Rebellen, sondern auch durch die Maji-Maji-Milizen, einer anderen Rebellengruppe. Auch die islamistische Miliz ADF meldet sich immer wieder auf grausame Art zu Wort: Sie überfallen ständig im Ostkongo ganze Dörfer und richten unter der Bevölkerung Massaker an. Schon 2024 soll nach UN-Angaben die Zahl der Binnenflüchtlingen im Kongo bei über 7 Mio gelegen haben. Und in Europa wundert man sich über derart viele Flüchtlinge aus Schwarzafrika! Die humanitäre Hilfe wurde in dieser Region aufgrund der Kämpfe nahezu eingestellt.

Im Hintergrund steht also der rohstoff-vernichtende Moloch China. Gelingt es der industrialisierten Welt des Westens nicht, seine Handels-abhängigkeit von China zugunsten anderer Lieferanten zurückzufahren, wird sich in solchen Regionen dieser Welt auch nichts ändern. Bis sie ausgeschöpft sind! Dann jedoch wird das humanitäre Leid dort noch grösser werden, als es ohnehin bereits ist!!! Der US-Präsident Donald Trump agiert dabei in die komplett falsche Richtung: Die meisten Drogenkartelle befinden sich nicht in Venezuela, sondern in Kolumbien und Mexiko. Deshalb befürchtet die mexikanische Präsidentin auch ein Eingreifen der USA in ihrem Staat unter Vorschiebung des Kampfes gegen den Drogenterrorismus. Venezuela besitzt die gr;ssten Erdöl-Reserven dieses Globusses. Jetzt holt er sich zig-Millionen Barrel des schwarzen Goldes aus dem Land. Auch bei Trumps vorhergehendem Eingreifen in Nigeria ging es einzig um die Rohstoffe des Landes. Und Grönland ist rohstoffreich – vermutet werden u.a. riesige Lager an Seltenen Erden. Es ist geradezu widerlich, wie dieser Mann unter Androhung von Waffengewalt gegen Verbündete vorgeht.

Übrigens – Der wertvolle Regenwald des Kongos wird illegal abgeholzt, Natur- und Umweltschützer festgenommen und drangsaliert. Ist der Regenwald verschwunden, drohen dem Land ähnliche Naturkatastrophen wie in Fernost-Asien oder Brasilien – mit hunderttausenden Opfern und sehr viel Leid.

Zum Schluss noch ein paar Zahlen aus dem Osten des Kongos:

Ein Stück Seife kostet 6 US-Dollar

Ein Kilo Zucker 18 $

Ein 25 kg-Sack Maniokmehl 17 $

Ein Kilo Salz 8 $

Ein Grundschullehrer verdient rund 100 $ im Monat!

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Das Massaker von Babyn Jar

Vorwort:

Dieses Vorwort wird wohl länger werden als der darauf folgende Blog! Und das hat seine Hintergründe!

Meine Eltern zählten zur Weltkriegsgeneration. Mein Vater etwa wurde direkt vom Sommercamp der Hitlerjugend in Frankreich an die Ostfront versetzt. Meine Mutter war als kleines Kind Zeugin der Bombardierung des Frankfurter Hauptbahnhofes. Europa lag 1945 in Schutt und Asche. Den Trümmerfrauen, danach der Nachkriegsgeneration und schliesslich den Baby-Boomern ist es zu verdanken, dass alles wieder aufgebaut werden konnte. Hitler hatte mit seinen Nationalsozialisten durch den Überfall auf Polen den verheerenden Zweiten Weltkrieg begonnen. Das ist nähere Zeitgeschichte, die eigentlich auch in der Schule durchgesprochen wird. Dennoch ist es in den Köpfen sehr vieler wieder in Vergessenheit geraten. Linkspopulisten, vor allem aber die Rechtspopulisten erhalten immer mehr Zulauf, obgleich Sie um ihre Gesinnung kein Geheimnis machen und auch vieles von den Nazis übernommen haben (nicht nur im Sprachgebrauch)! In Italien regieren die Postfaschisten, in Österreich erhielt die FPÖ bei den letzten Nationalratswahlen einen Grossteil der Stimmen und schenkt man den Umfragen in Deutschland Glauben, so könnte die AfD schon 2026 ihre ersten beiden Ministerpräsidenten stellen.

Mit diesen heutigen Zeilen möchte ich auf eine Greueltat der Nazis in der Ukraine hinweisen. Sie ging als das „Massaker von Babyn Jar“ in die Geschichte ein. Übrigens nicht das einzige Kriegsverbrechen: In allen besetzten Gebieten wurden vornehmlich durch die Waffen-SS Konzen-trations- und Vernichtungslager aufgebaut, die schliesslich von der Todeskopf-SS geführt wurden und der Vernichtung der Juden (Holo-caust), der Sinti und Roma, Kriegsgefangener und aller anderen dienten, die sich nicht mit dem Regime der Nazis einigten.

Es hiess stets, dass die Bevölkerung davon nichts wusste. Doch war die GESTAPO (Geheime Staatspolizei) in allen Bereichen des „Dritten Reiches“ berüchtigt. Wo diese Spezialtruppe Hitlers auftauchte, verschwanden Menschen spurlos. Die Nationalsozialisten wurden übrigens in den 1930er Jahren ganz normal gewählt. Da damals keine Einigung der anderen Parteien erzielt werden konnte, beauftragte Reichspräsident Paul von Hindenburg am 30. Januar 1933 den „böhmischen Gefreiten“ Adolf Hitler aus Österreich mit der Regierungsbildung. Danach gab es erst wieder Wahlen, als die alliierten Kriegsgewinner dies zuliessen.

Es sitzen gewählte Politiker im Deutschen Bundestag bzw. dem Öster-reichischen Nationalrat, die (bzw. deren Mitarbeiter) all das leugnen und derartige Verhältnisse wieder aktuell haben wollen oder sich nicht davon distanzieren! Unter dem Mantel der freien Meinungsäusserung oder Versammlungsfreiheit! Gab es diese im deutschen Reich oder der stali-nistischen Sowjetunion?

Menschen, die sich Gedanken machen, denken vor der Wahlurne darüber nach! Die Stammtisch-Krakeeler nicht – sie verstummen danach sehr rasch. Doch tragen sie die Schuld daran, was sich aufgrund ihrer Stimme daraus entwickelt. Auch, wenn sie danach nichtwissend gerne als unschuldig agieren!

Nun zum Blog!

Hitler und Stalin hatten eigentlich einen Vertrag abgeschlossen, der einen Nichtangriffspakt und die Aufteilung Polens beinhaltete. Hitler freilich hielt sich nicht daran, überfiel Polen und rückte weiter vor. Im Sommer 1941 schliesslich griff er die Sowjetunion an. Der Plan eines Grössen-wahnsinnigen – anders kann dies wohl nicht bezeichnet werden. Ein Zwei-Frontenkrieg – hätte er dies nicht befehligt, wäre der Zweite Welt-krieg wohl anders ausgegangen. Nicht vorzustellen, was das für die heutige Weltordnung bedeutet hätte. Als Nachbarstaat Polens war die Ukraine Hitlers nächstes Ziel. Dort fand er auch viele Kollaborateure, die mit der Entwicklung der Sowjetunion seit 1917 nicht zufrieden waren. Wie bereits zuvor geschildert, ging er in den besetzten Gebieten mit aller Härte vor, um Regimegegner aus dem Weg zu räumen, aber auch seine ideologischen Vorstellungen (die Massenvernichtungen der Angehörigen jüdischen Glaubens) umzusetzen – den Holocaust! Eines dieser Vernich-tungslager war Babyn Jar. In der „erweiterten“ Ukraine (inkl. der polnischen Gebiete, die durch die Sowjets besetzt waren) lebten vor dem Zweiten Weltkrieg 40 Millionen Menschen. Die Zahl der Juden wurde auf 2,35 Millionen geschätzt. 1,5 Millionen wurden durch die Nazis und ihren Helfern umgebracht – zuerst Männer, dann auch ganze Familien! Im westlichen Teil der Ukraine (westlich des Dnepr) stellte die jüdische Glaubensgemeinschaft schon mal bis zu 10 % der Gesamtbevölkerung – nach Osten nahm dies ab. Bis zum Jahr 2022 arbeitete die Ukraine an der Aufarbeitung dieser Kriegsverbrechen – dann kam der Angriffskrieg Putins auf das Land dazwischen: Der wollte fadenscheinig damit die Nazis aus der Ukraine vertreiben! Die Deutschen rückten 1941 dermassen schnell in der Ukraine vor, sodass den meisten Menschen keine Zeit für eine Flucht blieb – nach Angaben der Sowjetunion konnten weniger als eine Mio flüchten – in der Ostukraine wesentlich mehr. In Zahlen: In den Regionen Galizien, Wolhynien und Podolien wurden nahezu 80 Prozent der Juden ermordet. Wie war das in dieser kurzen Zeit möglich?

Eines der wohl grössten Kriegsverbrechen ereignete sich am 29. und 30. September 1941 in Babyn Jar. 34.000 Menschen jüdischen Glaubens mussten sich ausziehen und an ausgehobenen Gruben aufstellen. Sie wurden hinterrücks erschossen. Doch damit waren die grauenvollen Kriegsverbrecher nicht zufrieden: Es folgten Roma (19 -20.000), psychisch kranke Menschen (7 – 9.000), ukrainische Nationalaktivisten, sowjetische Kriegsgefangene, Kommunisten und auch „normale“ Bürger von Kiew, die bis zu diesem Zeitpunkt als Geiseln festgehalten wurden. Babyn Jar wurde neben Auschwitz zum grauenvollen Mahnmal eines menschenverachtenden Todes-Regimes. Jeder Einzelne davon ein Kriegs-verbrechen! Schätzungen sprechen von weiteren 345.000 vornehmlich galizischen Juden, die in den Gaskammern in Polen ermordet wurden!

Anlässlich des 50. Jahrestages des Massakers im September 1991 beschloss die ukrainische Regierung die Aufarbeitung von Babyn Jar! Präsident Petro Poroschenko bat 2015 in einer Rede vor der israelischen Knesset um Verzeihung für eine Tat, die nicht entschuldigt werden kann. Moskau allerdings behinderte die Aufarbeitung mit dem Argument „Verbrechen gegen das sowjetische Volk ohne ethnische Differenzierung“!

Wenn nun Putin seine „Polizeiaktion“ gegen die Ukraine damit abtut, die Nazis aus Kiew zu vertreiben, sollte er doch mal im Kreml aufräumen. Seine Säuberungsaktionen bei Regime-Kritikern sind ja sehr erfolgreich, wenn gleich auch Mord.

Die Ukraine ist ein unabhängiger Staat – werden seine Grenzen miss-achtet, so ist dies ein Verstoss gegen das Völkerrecht, den es zu ahnden gilt – mit allen Konsequenzen!

Der zunehmende Antisemitismus ist – Entschuldigung für meine rüde Ausdrucksweise: ZUM KOTZEN! Die Angehörigen der jüdischen Glaubens-gemeinschaft sind Menschen wie Du und Ich! Das Grundgesetz/die Bundesverfassung garantiert ihnen Religionsfreiheit in der deutschen und österreichischen Verfassung!

Wenn so viele Menschen meinen, dass „ein bisschen Diktatur“ Deutsch-land und Österreich nicht schlecht tun würden, plädiere ich für ein Praktikum in Russland oder Nordkorea kombiniert mit Geschichts-unterricht! Ein „bisschen Diktatur“ gibt es nicht, auch wenn sie von einigen Protestwählern gewünscht wird! Hat es in der Weltgeschichte nie gegeben!

Oder muss ich erst die restriktiven Massnahmen der deutschen und österreichischen Regierung während der Pandemie zur Diskussion stellen, bei welchen vornehmlich die rechte Seite sich widersetzte? Obgleich sie so obrigkeitshörig ist und sich eine starke Führung wünscht!

Filmtipps:

.) Spell your name; Steven Spielberg/Wiktor Pintschuk

.) Wordless; After Silence/Wanna Production

Lesetipps:

.) Babyn Yar: History and Memory; Vladyslav Hrynevych/Paul Robert Magocsi 2016

.) The Shoah in Ukraine: history, testimony, memorialization; Ray Brandon and Wendy Lower 2008

.) The Reception of the Holocaust in Postcommunist Ukraine / Bringing the dark past to light: the reception of the Holocaust in postcommunist Europe; John-Paul Himka/Joanna Beata Michlic 2013

.) War and memory in Russia, Ukraine and Belarus; Julie Fedor/Markku Kangaspuro/Jussi Lassila/Tatiana Zhurzhenko 2017

.) The Destruction of the Ukranian Jewry During World War II; Michael Gesin 2006

.) Kooperation und Verbrechen. Formen der „Kollaboration“ im östlichen Europa 1922-1945 (Beiträge zur Geschichte des Nationalsozialismus, Bd. 19); Hrsg.: Christoph Diekmann et al. 2003

Links:

– www.ukrainianhistoryportal.org

– encyclopedia.ushmm.org

– www.kas.de

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