Die Vernichtungsmaschinerie
Posted on 05/23/26 by UlstoErlauben Sie mir heute – gleich zu Beginn eine Frage: Sind Sie makellos? Nein? Ich würde es Ihnen natürlich wünschen, kenne jedoch niemanden, der von sich aus behaupten könnte, er oder sie sei makellos. Und mein Bekanntenkreis ist wahrhaft kein kleiner! Doch weshalb fordern Sie Makellosigkeit von Obst, Gemüse, Fleisch, ja sogar von einer Ver-packung???
Eine Verbraucherstudie hat bereits vor einigen Jahren aufgezeigt, dass rund die Hälfte aller Lebensmittel auf dem Müll landen. DIE HÄLFTE! Weltweit sind es nach Angaben des WWFs rund 40 %. Anders gesagt: Alle vom 01. Januar bis zum 26. Mai („Tag der Lebensmittelrettung“) produ-zierten Lebensmittel gehen weltweit in der Wertschöpfungskette verloren – 1,3 Milliarden Tonnen!!! Nur in Deutschland: 313 kg pro Sekunde! Die Zahlen sind gottlob etwas rückläufig, da sich ehrenamtliche Organi-sationen wie die Tafeln inzwischen dem Problem angenommen haben und die Lebensmittel an Bedürftige verteilen. Dennoch wird viel zu viel weggeworfen!
Mein Gott – darf das denn überhaupt wahr sein? Weltweit hungerten 2025 weltweit nicht weniger als 672 Mio Menschen, zwei Mio davon sind akut vom Hunger bedroht (Angaben: Welthunger-Index 2025). Unglaublich, während in den Hungergebieten jeder froh ist für ein Stück Brot oder eine Schale Reis, wird das hierzulande weggeworfen. Grosse Teile davon noch bevor sie den Besitzer wechseln. Der Handel weist Kartoffeln, Karotten, Zwiebeln oder Kopfsalate zurück, da sie zu klein sind oder nicht so perfekt aussehen, wie sie sollten. Das mag der Konsument nicht. Somit erspart sich mancher Bauer die Fahrtkosten, sortiert diese aus und entsorgt sie direkt bei Vergasungsanlagen oder pflügt sie wieder unter. Im Experten-Fachjargon spricht man hierbei von „kosmetisch mangel-haften Agrar-Produkten“ (auch die Farbe bei Tomaten ist ein entschei-dendes Kaufkriterium). Was für eine Verschwendung!
Nach einer Studie des Worldwatch Institutes in Washington wird auf diese Weise dermassen viel an Nahrungsmitteln vernichtet, wie sie der kom-pletten Nahrungsmittelproduktion der südlich der Sahara gelegenen afri-kanischen Staaten entspricht!
Über 220 Mio Tonnen geschmacklich hervorragender Lebensmittel, noch bevor sie die Chance hatten, gekauft zu werden. Auch soziale und wohl-tätige Aktionen oder Vereinigungen, wie etwa die Tafeln oder Tischlein deck dich, bekommen hiervon nichts ab, da diese Lebensmittel erst gar nicht in die Nahrungskette kommen. Gleiches auch in der Fischerei: Für jeden essbaren Fisch landet ein zweiter Fisch als Beifang im Netz und wird tod wieder im Meer entsorgt! Oder: 20 % der Bananenernte in Afrika und Mittelamerika wird vorort entsorgt, da sie nicht den Normen des Handels entsprechen, Farmer in den USA pflügen ein Fünftel der Melonenernte wieder unter, da sie einen Makel an der Oberfläche haben. Ist das nicht pervers? Rewe startete im Jahr 2013 ein lobenswertes Program: Unter dem Titel „Wunderlinge“ können die Kunden solcher-artiges Obst und Gemüse verbilligt einkaufen. Innerhalb von 10 Jahren konnten auf diese Art alleine in Österreich mehr als 60.000 Tonnen Obst und Gemüse verwendet statt verschwendet werden.
Erschreckende Dokumentationen wie „Taste the waste“ oder ein im österreichischen Fernsehen gezeigter „Am Schauplatz“ liefern hierfür den Beweis. Den Bauern selbst blutet dabei das Herz. Klimatische Verän-derungen, die Launen der Natur, Fehler im Anbau, gesetzliche Richtlinien und die Gewinnmaximierung im Handel tragen dafür die Verantwortung. Doch wirklich schuld daran ist das Konsumverhalten eines jeden Einzelnen. Klar – auch ich mag es, wenn der Inhalt eines 5 kg-Kartoffel-sackes eine halbwegs vernünftige Grösse oder Aussehen hat, dann muss weniger geschält werden. Zudem habe ich etwas dagegen, wenn ich teures Geld dafür bezahle und rund ein Viertel oder gar ein Drittel des Gewichtes sind Schalen. Deshalb greife ich häufiger auf Aktionen zurück. Zwar sind hier die Kartoffeln vielleicht nicht so schön oder gross wie die anderen, teureren Kollegen, doch bezahle ich auch deutlich weniger dafür. Zudem helfe ich den Bauern dabei, auch solche Ernteerträge verkaufen zu können. Dadurch landet weniger Nahrung auf dem Müll.
Immer wieder heisst es, dass das Pflegesystem in den industrialisierten Ländern langsam nicht mehr finanzierbar wird. Würden allerdings solche Lebensmittel, die den Vorstellungen der Überfluss-Gesellschaft nicht entsprechen, günstiger eingekauft werden – sofern sie nicht wirklich schlecht bzw. ungeniessbar sind – bliebe beispielsweise auch mehr Geld für Pflegepersonal übrig. Oder Arbeitslose auf den Feldern einsetzen, die zugunsten der Pflegeeinrichtungen Karotten oder Zwiebeln sowie Kartoffeln aufsammeln, die bei der Ernte liegen geblieben sind. Dies aufzusammeln ist für die meisten Bauern nicht rentabel, da die Lohn-kosten meist höher sind als der erzielte Ertrag.
In den vorhin angesprochenen beiden Filmen werden auch die sog. „Müll-taucher“ vorgestellt. Menschen, die sich zumeist die Nahrung nicht leisten können, tauchen in die Abfall-Container der Supermarktketten und holen sich dort essbare Abfälle heraus. Immer wieder finden sich dabei Lebensmittel, die das Mindest-Haltbarkeitsdatum noch gar nicht erreicht haben – also durchaus noch verkaufbar wären.
Tausende Menschen in Deutschland, der Schweiz und Österreich ernähren sich inzwischen auf diesem Wege.
Manche Markt- oder Filialleiter haben ein Einsehen und deponieren ess-bare Waren eigens neben den Mülltonnen. Bemerkt dies allerdings der kontrollierende Regionalleiter, hagelt es Abmahnungen. Schliesslich könnte es ja sein, dass einer dieser Mülltaucher krank wird oder gar verstirbt. Es könnte ein Zusammenhang hergestellt und die Supermarkt-kette verklagt werden. Wird das Brot allerdings in die Mülltonne entsorgt, kann man den Gewinn-Maximierern nichts anhaben. Hier kommen nun die vorhin angesprochenen sozialen Vereine ins Spiel. Sie besuchen im regelmässigen Abstand die Geschäfte und holen die Lebensmittel, die geniessbar sind, direkt im Geschäft ab – also nicht aus der Tonne. Daraus entstehen Menüs für Obdachlose und Gestrandete, die froh sind, eine warme Mahlzeit im Magen zu haben. Und all das mit dem, das die anderen nicht mehr haben wollen, die sich aber trotzdem immer mehr beschweren, dass das Leben langsam nicht mehr finanzierbar ist.
Damit auch rasch zum Hauptschuldigen: Dem Konsumenten! Es ist toll, wenn ich nach einem harten Arbeitstag noch kurz vor Ladenschluss in ein Geschäft gehen kann und dort frisches Brot erhalte. Trotzdem könnte ich liebend gerne darauf verzichten, wenn ich damit etwas bewirken kann.
Jeden Tag wird in Deutschland mehr Brot produziert, als verbraucht wird. 12-15 % in den Bäckereien und Backshops – hochgerechnet 1,7 Mio Tonnen pro Jahr!
Hiermit könnte der komplette Hunger in Deutschland gestillt werden – es bliebe gar noch etwas übrig. Doch anstatt dessen landet es auf dem Müll. Viele Mitarbeiter im Einzelhandel, die für einen Mindestlohn arbeiten, wären zudem froh, wenn sie diesen Ausschuss mitnehmen könnten. Doch dürfen sie auch das nicht. Pünktlich um 19.00 Uhr wird die teilweise noch volle Theke leergeräumt – was eine Minute zuvor noch 2,50 € gekostet hat, landet im Container. Dafür steigen allerdings die Preise. Logisch, muss doch dieser Abgang über die verkauften Produkten mitfinanziert werden. Hinzu kommt ferner die Vernichtung, die meist teurer wird als die Herstellung. Der Konsument bestimmt die Richtlinien im Handel. Was nicht entspricht, bleibt liegen und wird zum Fall für die Entsorgung. Und die ist inzwischen zum Millionengeschäft avanciert.
Allerdings sollten auch die Haushalte selbst als Nahrungsvernichter nicht unterschätzt werden – ganz im Gegenteil. Einerseits werden durchaus geniessbare Produkte, die kurz vor dem Ablauf des Mindest-Haltbar-keitsdatums heruntergesetzt wurden, nicht gekauft. Andererseits befindet sich so manch einer mit dem ersten Schritt in den Supermarkt im Kaufrausch. Mehr als eigentlich verbraucht wird, landet im Einkaufs-wagen. Die Gewinnoptimierer sind natürlich auch nicht dumm und haben die vormals handlichen, kleinen Einkaufswagen durch Grossraum-LKW ersetzt, in die wesentlich mehr reinpasst. Zuhause angelangt wird beim Abendessen vom Speck das Fett weggemacht, die Brotrinde abge-schnitten, der Apfel geschält oder auch das Fett des Fleisches vor dem Anbraten entfernt. Wäre es nicht weitaus besser gewesen, anstelle des Specks vielleicht fettlosen Schinken, anstelle des Schwarzbrotes Vollkorn-Toast-Brot, anstelle des frischen Apfels Apfelmus oder eingelegte Apfelstücke und anstelle des Schulterbratens ein Stück mageres Fleisch zu kaufen? Haben wir allesamt unsere Essgewohnheiten dermassen geändert, dass jetzt das, was in früheren Zeiten eine Hauptmahlzeit bedeutete, nun weggeworfen wird?
Auch die Sache mit dem Mindest-Haltbarkeitsdatum ist mehr als ärger-lich. Der Produzent muss dies anbringen, damit er rechtlich aussen vor ist.
Das MHD ist die Herstellergarantie für die Produktqualität – es hat nichts mit dem Verbrauchsdatum zu tun!!!
Tatsächlich sind somit die meisten Produkte noch weitaus länger geniessbar. Einige Haushalte entsorgen diese sogar noch vor diesem Datum! Hallo? Beim Joghurt etwa wird damit garantiert, dass z.B. die Cremigkeit bis zu diesem Mindest-Haltbarkeitsdatum gewährleistet wird. Mit Verbrauchs- oder Ablaufdatum steht dies in keinem Zusammenhang (sehr wohl hingegen etwa beim Hackfleisch). So hält sich beispielsweise nicht-wärmebehandeltes Erdbeerjoghurt zwischen drei bis sechs Monate lang (Stiftung Warentest). Untersuchungen haben ergeben, dass ein Gros der Verbraucher nur nach dem Datum geht, sich dabei nicht um das kümmert, was davor steht. Deshalb gibt es auch bereits viele Stimmen, die das MHD abgeschafft wissen möchten.
Bislang noch gar nicht erwähnt wurden jene Lebensmittel, die während des Transports, aufgrund mangelhafter Lagerung oder Fehler bei der Verpackung zugrunde gehen. Beispielsweise 150 Mio Tonnen Getreide in den Entwicklungsländern, das Sechsfache, um den Hunger all der Menschen dort zu stillen.
Als ich diese Zeilen gelesen habe, wurde mir schwindelig vor Augen. Die vom Unternehmen Cofresco durchgeführte Verbraucherstudie „Save Food“ brachte bereits 2011 die grauenvollen Zahlen zu Papier: Deutsche Haushalte werfen rund 21 % der erworbenen Lebensmittel weg, da der Einkauf schlecht geplant ist – dies sind in etwa 11 Mio Tonnen. Dabei landet beinahe ein Drittel davon in Originalverpackung im Müll! Rund die Hälfte könnte eingespart werden. Eine weitere Studie der Universität Stuttgart im Auftrag des BMELVs bestätigt dies: Jeder Deutsche entsorgt im Jahresdurchschnitt auf diese Art 81,6 kg an Lebensmitteln im Wert von 235,- €! 61 % stammt aus Privathaushalten, 17 % von Grossabnehmern (Hotels, Kantinen, Gastronomie) und 5 % aus dem Einzelhandel. Zahlen, die in der Arbeit aufgetreten, jeden Chef zur Weissglut bringen und einen Entlassungsgrund darstellen können. Im Rahmen dieser Studie proto-kollierten ca. 1.500 Konsumenten ihr Wegwerfverhalten als „Abfall-Tage-bücher“ auf einer Webseite. Parallel dazu wurde eine Online-Umfrage durchgeführt. Die meisten wussten, dass ein bewussterer Einkauf ziel-führend wäre. Doch lassen sich viele in den zumeist nach allen werbe-psychologischen Tricks aufgebauten Durchgangsschleusen der Märkte hinter’s Licht führen. Sonderangebote und die Werbung führen zum vermehrten Griff in die Regale. Dabei überlegen sich viele gar nicht, ob sie dermassen viel aufbrauchen können. Ein Bekannter griff immer im Herbst zu: Kohl bzw. Kraut (in Österreich)! Sehr schmackhaft und auf die unterschiedlichsten Arten zubereitbar. Also kaufte er immer gleich zehn Kilo davon, da der Sack günstiger war. Meist aber brauchte er nur zwei oder gar einen Kopf davon. Der Rest wurde weggeworfen. Kohlrouladen an einem Tag und Kohlsuppe am nächsten Tag – damit hat Otto Normal-verbraucher seinen Kohl-Bedarf für einige Wochen gedeckt. Ich bin übrigens auch einer jener welchen. Ich kaufe meist mehr ein, koche (Hobbykoch aus Leidenschaft) wesentlich mehr, nutze allerdings auch meinen Tiefkühl-Schrank. Lebensmittel roh oder als fertige Speise eingefroren, steigert – na no net – die Haltbarkeit. Brot beispielsweise – den Wecken halbieren und die eine Hälfte davon einfrieren. Wurst en gros gekauft, portionieren und einfrieren. Auch der Kohl könnte eingefroren werden, wenn er zuvor blanchiert wird. Somit denke ich bereits beim Einkauf darüber nach, was ich bis zum nächsten Mal benötige, was ich somit aufbrauche und was ich durch entsprechende Lagerung länger verwenden kann, ohne dass dies verdirbt. Bei jedem Lebensmittel, das ich wegwerfe, habe ich nicht etwa ein schlechtes Gewissen wegen des Geldes.
Ich habe dann immer das Bild eines afrikanischen Kindes mit seinem auf-geblähten Bauch vor Augen, das vielleicht gerade durch das, was ich da wegwerfe, vor dem Hungertod bewahrt werden könnte.
Die Wegwerfgesellschaft ist ein Beispiel dafür, dass der Verbraucher unmündig ist. Wir schimpfen über die Reichen, die immer noch reicher werden, verhalten uns aber in unserer Umwelt völlig identisch. Dabei ist es mir komplett egal, ob Sie ihre Couch, die noch tip top in Ordnung ist, entsorgen, da sie etwas anderes haben möchten. Ob Sie die hochgiftigen Batterien wegwerfen, obwohl sie noch Leistung bringen würden. Ob Sie verbotenerweise Ihr Auto zuhause mit dem Dampfstrahler reinigen, obwohl es hierfür Autowaschanlagen gäbe, die auch das Wasser wieder aufbereiten. Doch bei Lebensmitteln gehe ich voll auf Konfrontation. Die Welt steuert nämlich auf eine Lebensmittelkrise ohne gleichen zu. Missernten und Dürrekatastrophen wird es aufgrund klimatischer Veränderungen immer häufiger geben. Hinzu kommen inzwischen immer mehr auch die Kriege – wir alle können uns noch an den Beginn des russischen Angriffkrieges gegen die Ukraine erinnern. Dort lagerten Millionen Tonnen Getreide, Raps und Sonnenblumenkerne. Noch hat die industrialisierte Welt genügend Geld um sich einen Wecken Brot auch um 5,- € leisten zu können. Allerdings wandert immer mehr Wirtschaftskraft in die Schwellen- und Entwicklungsländer ab. Es gibt immer mehr Menschen, die hierzulande auf ihr Geld schauen müssen – inzwischen auch im Mittelstand angekommen..
Immer mehr Anbauflächen werden exzessiv und nicht nachhaltig bewirtschaftet. Nach drei bis vier Jahren Sojabohnen-Anbau ist der Boden ausgelaugt und wird zum Brachland. Dann wird wieder Urwald gerodet. Zudem werden immer mehr Flächen für den Anbau von Biosprit verwendet. Anstatt hier ein Umdenken zu bewirken, dass die 200 Meter ins nächste Geschäft durchaus zu Fuss oder die 2 km mit dem Rad absolviert werden könnten, somit der Verbrauch heruntergeschraubt wird, bleibt dieser konstant. Die nachfolgenden Generationen werden uns dies danken!
Und schliesslich der Fleischkonsum.
„Die Menschheit nähert sich den Grenzen des verfügbaren Farmlandes und der für die Landwirtschaft nutzbaren Wasserversorgung – und hat sie mancherorts schon überschritten!“ (Robert Engelman, Senior Fellow Worldwatch-Institut).
Wer hierbei vielleicht von Umwegrentabilität spricht, liegt aber sowas von volkswirtschaftlich daneben. Der ehemalige Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen für das Recht auf Lebensmittel (2008-2014), Olivier de Schutter, meint: Wird der Fleischkonsum bis 2050 weltweit auf dem Niveau von 2000 festgesetzt (jährlich 37,4 kg pro Kopf), so „könnten ungefähr 400 Millionen Kilo Getreide für die menschliche Ernährung freigesetzt werden!“ Genug, um damit 1,2 Milliarden Menschen mit Kalorien versorgen zu können. Zum Vergleich – 2025 lag der Pro-Kopf-Fleischkonsum in Deutschland bei 54,9 kg Fleisch! Das Tier benötigt weitaus mehr Kalorien für den Aufbau des Skeletts, die Körperfunktionen und die Bewegung als für den Muskelapparat (Fleisch). Auch der ehe-malige Präsident der Albert Schweitzer Stiftung, der 2013 verstorbene Wolfgang Schindler, meinte: „Wir können dazu beitragen, den Welthunger zu überwinden, indem wir weniger oder am besten gar kein Fleisch essen!“ Weg von der exzessiven Fleischproduktion. In früheren Zeiten gab es auch nicht jeden Tag Fleisch zum Mittagessen. Zusätzlich positiver Nebeneffekt: Die Massentierhaltung (industrialisierte Fleischproduktion) lohnt sich nicht mehr – sie ersparen damit sehr vielen Tieren grausame Qualen!
Zudem muss mit den bestehenden Ressourcen schonend umgegangen werden – sparen heisst somit die Devise. Das fordert auch die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO). Die weltweiten Verluste und die Verschwendung von Lebensmitteln muss in den nächsten 15 Jahren um 50 % reduziert werden. Zudem sollten effektivere Wertschöpfungsketten und ein fairer Marktzugang für Kleinproduzenten geschaffen werden. Wenn etwa das Getreide aus den USA in Afrika günstiger ist, als das vorort angebaute, wird es keine Getreidebauern dort geben. Die FAO schätzt, dass rund ein Drittel der Lebensmittel weggeworfen wird. In Grossbritannien sind dies 8,3 Mio (Studie der Initiative „Working together for a world without waste“ WRAP aus dem Jahr 2009), in Deutschland ungeheuerlich geschätzte 20 Mio Tonnen oder 330,- € (nationale Wegwerfstudie des BMELV), in Österreich 75 kg pro Kopf bzw. bis zu 800,- € im Jahr (Angabe: Tafeln Österreich). Durch das Verrotten der Lebensmittel entsteht Methan, das erheblich zum Klimawandel beiträgt.
Experten schätzen, dass bei einer Halbierung des Lebensmittelmülls der-massen viele Klimagase nicht mehr freigesetzt werden, als würde jedes zweite Auto stillgelegt!
Könnten die Nahrungsmittel gerettet werden, wäre der Hunger auf der Welt nachhaltig bekämpft, der Umwelt etwas gutes getan und die Preise gedrückt. Also – bitte behandeln Sie die Nahrung auch als das, was sie ist: Lebensmittel – Mittel zum Leben!!!
Lesetipp
.) Die Essensvernichter. Warum die Hälfte aller Lebensmittel im Müll landet und wer dafür verantwortlich ist; Stefan Kreutzberger, Valentin Thurn; Kiepenheuer & Witsch Verlag 2011
Links:
Wie wär’s denn mit uns beiden???
Posted on 05/16/26 by UlstoDer Monat Mai wird auch gerne als der Wonnemonat, der Monat der Liebenden bezeichnet. Tatsächlich blüht die Natur nach einem zumeist harten Winter richtiggehend auf, die Vögel kommen aus ihren Winter-quartieren zurück, es wird auf Teufel komm heraus gebalzt. Verständlich – das Jahr ist kurz, die Zeit kostbar. Auch bei so manchem Menschen gehen die Hormone durch. Hat nicht zuletzt auch etwas mit der Bekleidung zu tun: Die dicken Winterklamotten werden durch Luftigeres ersetzt, mit dem v.a. Frau auch schon mal sexy Akzente setzen kann.
Doch – wie ist das wirklich mit der Partnerschaft und v.a. dem Werben um einen Partner? Sollte eigentlich eine simple Sache sein, da der einzige Zweck unseres Erdendaseins (auch wenn es so mancher Chef nicht so gerne hört!) – rein evolutionsbiologisch betrachtet – das Zeugen von Nachwuchs zur Arterhaltung und die Weitergabe der Gene an nach-folgende Generationen darstellt. Allerdings steckt in Wirklichkeit ein sehr komplexes Thema mit unheimlich vielen Auswirkungen und Einflüssen dahinter, wobei die natürliche Selektion durchaus von kulturellen Gewohnheiten im Laufe der Zeit verändert wurde. Und wer – nachdem er diese Zeilen gelesen hat – noch behaupten sollte, dass einzig die inneren Werte zählen, dürfte wohl irgendetwas nicht richtig verstanden haben.
Es gibt sie wirklich – die Liebe auf den ersten Blick! Allerdings nicht unbedingt so, wie sie immer verstanden wird: Man hat einen Gleich-gesinnten gefunden, schaut ihm tief in die Augen und „Zzzboing“ hat der Blitz eingeschlagen. Aber sowas von!!! Auch wenn Mann und Frau dermaßen unterschiedlich sind, so haben sie dennoch eines gemeinsam: Ein äusserliches Bild vom Wunschpartner! Wenn auch nicht bewusst, so auf jeden Fall unbewusst, instinktiv sozusagen. Die körperliche Attrak-tivität spielt nämlich in der Partnerwahl die wohl grösste Rolle. Dabei gehen allerdings Frauen eine Spur weiter als Männer. Während der Mann von den primären und in weiterer Folge auch sekundären Geschlechts-merkmalen wie einem grossen Becken, dem Brustumfang und dem Po ausgeht (mit einem „tollen Fahrgestell“ wird das Verhältnis zwischen Hüfte und Becken verstanden, erst dann kommen die endlos langen Beine dazu), denkt Frau vornehmlich an den Nachwuchs. Jener Partner, mit welchem sich Frau die Arterhaltung verspricht, sollte gesund, wider-standsfähig und jugendlich sein (athletischer Körperbau und symme-trische Gesichszüge). Die Frau verspricht sich dadurch die Weitergabe dieser Attribute an die späteren Zöglinge.
Tja und diese Eigenschaften sind zumeist auch verantwortlich für die Vielzahl der Seitensprünge, denn nicht immer ist der Lebenspartner auch der Wunsch-(Er-)Zeuger. Während es beim Mann grossteils um den Jagdinstinkt und Spieltrieb geht, kommen bei der Frau zur Zeit des Eisprungs genau diese Überlegungen hoch: Braungebrannt, sportlich, weisse Zähne und strahlender Blick – das ist auch mit ein Grund, weshalb sehr häufig für solche Liebschaften neben der eigentlichen Lebens-Beziehung die typischen Macho-Typen ausgesucht werden, auch wenn Frau ansonsten gar nicht auf diese spezielle Spezies von Mann abfährt.
Apropos: Haben Sie gewusst, dass statistisch gesehen jedes zehnte Kind in Deutschland ein Kuckuckskind ist, also bei einem Seitensprung gezeugt und dem Lebenspartner untergeschoben wurde? Der Scheinvater hat jedoch in deutschen Landen nach einem Richterspruch des Bundes-gerichtshofes vom 18. April 2008 das Recht, von der Partnerin Auskunft über den leiblichen Vater zu erhalten und kann diesen in weiterer Folge auch zu einem Vaterschaftstest und der Rückzahlung des Unterhaltes zwingen. Das Urteil bezog sich auf einen Fall, bei dem einem Mann drei Kinder untergeschoben wurden, die Frau dann auch zu Ihrem Liebhaber zog, dieser jedoch die Vaterschaft in allen Fällen abstritt. Gleiche Quote in etwa auch für Österreich – doch war dies im Alpenstaat ein Offizial-delikt, also eine Straftat. In früheren Jahren gab es hierfür eine Verjährungsfrist, die drei Jahre nach der Geburt endete (ehedem § 158 AGBG):
„Hat der Mann die Ehelichkeit eines Kindes nicht innerhalb eines Jahres seit der Geburt bestritten, oder ist er gestorben oder ist sein Aufenthalt unbekannt, so kann der Staatsanwalt die Ehelichkeit bestreiten, wenn er dies im öffentlichen Interesse oder im Interesse des Kindes oder seiner Nachkommenschaft für geboten erachtet.“
Heutzutage kann der Nachwuchs selbst einen Antrag auf Prüfung der Vaterschaft stellen (Außerstreitgesetz AußStrG und Allgemeines Bürgerliches Gesetzbuch ABGB). Zum Amüsement hier der Auszug aus dem entsprechenden, ehemaligen § 148 Abs. 2(2) ABGB:
„Auf Antrag des Kindes kann der Mann als Vater festgestellt werden, welcher der Mutter innerhalb von nicht mehr als 300 und nicht weniger als 180 Tagen vor der Geburt beigewohnt hat oder mit dessen Samen an der Mutter in diesem Zeitraum eine medizinisch unterstützte Fortpflanzung durchgeführt worden ist, es sei denn, er weist nach, dass das Kind nicht von ihm abstammt. Eine solche Feststellung ist nach Ablauf von zwei Jahren nach dem Tod des Mannes nicht mehr möglich, es sei denn, das Kind weist nach, dass ihm der Beweis nach Abs. 1 aus Gründen auf Seiten des Mannes nicht gelingt.“
Dieses Amtsdeutsch verstehe wer will!
Sehr eindeutig und verständlich hingenen das Strafgesetz:
§200
„Wer ein Kind unterschiebt, ist mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bis zu 720 Tagessätzen zu bestrafen.“
Dies betrifft im Alpenland übrigens auch die Hebammen:
§6a Abs. 2 Hebammengesetz HebG
„Hebammen sind verpflichtet, unverzüglich der Sicherheitsbehörde Anzeige zu erstatten, wenn sich ihnen begründeter Verdacht einer Unterschiebung eines Kindes (§200 Strafgesetzbuch – StGB, BGBl. Nr. 60/1974) oder einer Aussetzung (§82 StGB) ergibt.“
In einem solchen Falle oder bei Anfechtung durch den Ehegatten besteht übrigens die sog. „Sex-Auskunftspflicht“ der Mutter!
Übrigens: Ähnlich einfach zu lesen sind die Bestimmungen in Deutsch-land (BGB §1592, 1593 und 1600) – das aber möchte ich Ihnen ersparen!
In der Schweiz bewegt sich die Zahl der Kuckuckskinder bei rund einem Prozent! Sagt uns dies nun etwas über die Treue der eidgenössischen Frauen aus oder eher über die Verantwortung, bei einem Seitensprung zu verhüten? Viel zu tun haben hingegen die Briefträger und Milchlieferanten in der sozialen Unterschicht von Liverpool. Hier liegt die Quote bei unglaublichen 32 % – gemessen durch die Vaterschaftstests in jenen Krankenhäusern, die für die Slums zuständig sind, Experten schätzen dies gar auf 53% (in der Oberschicht 1 %)!!! Soweit das Ergebnis einer 2004 im „Journal of Epidemiology and Community Health“ veröffent-lichten Studie der Universität John Moores, in deren Rahmen 17 Studien aus den Jahren 1950 bis 2004 durch das Forscherteam unter Mark Bellis ausgewertet wurden.
Durchaus unterschiedlich hingegen sind die einzelnen Ergebnisse anderer Studien. So erstaunt beispielsweise eine Meta-Studie, die nicht weniger als 67 Studien zusammengefasst hat: Zwischen 15 bis 50 % der Vaterschaftstest-Männer zweifeln zurecht. Der Evolutionsbiologe Maarten Larmuseau von der Universität Leuven zeigte mit Hilfe anderer Mitglieder der Belgischen Historischen Gesellschaft (Ahnenforscher) auf, dass in den vergangenen 500 Jahren nur rund 1 % der Kinder einen anderen als den registrierten Vater aufwiesen.
Bitte missverstehen Sie mich jetzt nicht – auch Mann geht selbstver-ständlich fremd! Aufgrund solcher Vaterschaftstests können allerdings offizielle Zahlen präsentiert werden! Dies ist bei einem männlichen Sidestep etwas schwerer. In der Ornithologie spricht man diesbezüglich übrigens von „Brutparasitismus“. Dies trifft auch in der Humanethologie den Nagel auf den Kopf. Im Gesetzeskauderwelsch wird hierfür die Bezeichnung „Personenstandsfälschung“ gewählt. Sie kann nach einer Scheidung auch zur Kürzung oder Streichung des Unterhaltes bei der Frau führen, im Speziellen, wenn Mann sich aufgrund des Kindes beruflich eingeschränkt hat. Nicht gerade das beste Licht wirft eine Untersuchung der University of Michigan auf das Tun v.a. aber Treiben von Herrn und Frau Christ. Bei einer Vergleichsstudie im afrikanischen Volk der Dogons, in welchem Vertreter der Katholiken und Protestanten, aber auch des Islam und der monotheistischen Stammesreligion vertreten sind, schnitten die christlichen Paare bei insgesamt 1.317 Vaterschafts-Tests am schlechtesten ab. Damit aber nun genug mit dem Exkurs zum Thema „Kuckuckskinder“, die nicht unbedingt ein Zeichen der Zeit sondern der fortschrittlichen Entwicklung der Gen-Technik sind.
Fazit: Schönes Aussehen ist also durchaus wichtig für die sexuelle Attraktivität einer Person. Soweit auch das Ergebnis einer Forschungs-arbeit von Fink/Samson von der Universität Göttingen. So bevorzugt Frau bei der Wahl des leiblichen Vaters ihrer künftigen Kinder grosse und bestens mit Testosteron ausgestattete Exemplare dieser (Be-)Gattung. Die Untersuchung, wohin Frau bzw. Mann als erstes beim geschlecht-lichen Gegenüber schaut, ergibt nach dieser Göttinger Studie eigentlich immer dasselbe, bereits erwähnte Ergebnis. Doch hat jede Frau/jeder Mann andere Vorstellungen vom Traumpartner.
Sehr interessante Erkenntnisse brachten hier auch Vergleiche bei Speed-Datings in New York. Innerhalb von Sekunden entscheidet es sich aufgrund der Optik, des Geruchs, der Haptik und Motorik des Gegen-übers, ob es zu einer zweiten Chance kommt oder nicht. Während Männer mehrere Frauen gerne wiedersehen würden, ist die Auswahl der Frauen stark eingeschränkt. Alles Nonsens, meinen Eli J. Finkel und Paul W. Eastwick. Sie stellten solche Speed-Datings auf den Kopf: Anstelle der Frauen blieben die Männer sitzen und die Damen wechselten. Bei der anschliessenden Auswertung gab es ähnliche Werte wie bei den klassischen Speed-Datings, jedoch geschlechtlich verdreht. Ergebnis: Der „Wanderer“ trifft eine grössere Auswahl – egal ob Frau oder Mann. Die Untersuchung von Online-Datings jedoch untermauert die erste These: Während männliche User zumeist die Füllhorn-Methode anwenden (nach dem Motto: Die Richtige wird schon dabei sein!), konzentrieren sich weibliche User auf einige wenige.
Und damit sind wir bereits bei einem Phänomen angelangt, das Evolutionstheoretiker als „Sequentielle Schwellenwerttheorie“ bezeichnen. Die Suche nach dem Traumprinzen! Frauen suchen bis zu zehnmal nach der Beantwortung der wichtigsten aller Fragen, ob es denn wirklich den passenden Deckel zum Topf gibt. Wer nach dem zehnten Versuch nichts entsprechendes gefunden hat, bleibt solo. Interessant jedoch ist die Tatsache, dass zumeist der dritte Mann geheiratet wird, Frau aber weitersucht und zumindest die Annäherung an das Idealbild mit dem siebten oder achten Mann findet! Somit ist auch die dermassen hohe Scheidungsrate durchaus erklärbar – die Wahl war einfach ein Irrtum! C’est la vie! Ergo: Die wichtigste Information für den Mann bei einer neuen Partnerin ist somit die Antwort auf die Frage: „Der wievielte bin nun ich?“ Zumindest, wenn er sich eine längere Beziehung erwartet.
Was aber nun bedeutet in der Biologie der Begriff der „elterlichen Investition“? Dies ist jener Aufwand der mit der Produktion der Eizellen und Spermien beginnt und aufgrund der Brut, der Geburt, sowie der anschliessenden Versorgung des Nachwuchses für Frau ungleich höher ist als für Mann. Während eines Grossteils dieser Zeit ist Frau somit weg vom evolutionsbiologischen Marktplatz. Alsdann sucht sie sich normalerweise einen Partner, für den sich dieser Aufwand auch lohnt. Dieser sollte die Familie gut verteidigen und ernähren können. Zudem – und dies stammt ganz eindeutig noch aus der Tierwelt – werden Männchen mit grossem Territorium bevorzugt. So – und da haben wir den Schlamassel. Diese Attribute fallen sehr häufig nicht mit den für einen sexuellen Seiten-sprung bevorzugten Eigenschaften zusammen. Wie entscheidet sich nun Frau?
Eine weitere gute Frage lautet: „Ist der Mensch in der Liebe ein Wiederholungstäter?“ Es heisst immer, dass sich Frauen Männer aus-suchen, die ihrem Vater gleichen bzw. umgekehrt! Somit werden die bekannten und dermassen geschätzten Eigenschaften über Generationen hinweg übertragen. Oder aber auch: Bevorzugt Mann immer denselben Frauentyp? Richard Lugner, Dieter Bohlen und besonders Boris Becker – bei letzterem konnte man ja beinahe nicht mal die Namen den Frauen zuordnen, da sie sich nahezu wie Zwillinge glichen – na ja zumindest wie Schwestern. Der Sozialpsychologe Manfred Hassebrauck von der Bergischen Universität Wuppertal hält allerdings ein solches „Beute-Schema“ à la Becker für die Ausnahme. Normalerweise unterscheiden sich die Nachfolger deutlich von den EXen. Dadurch soll die eigene Entwicklung durch den Partner unterstützt werden. Immer dieselbe Beute bedeutet Stillstand in der Persönlichkeitsentwicklung. Somit kann also durchaus eine Richtungsänderung nach dem Scheitern einer Beziehung empfohlen werden. Nach blond brünett, oder gar rot???
Besitzt eine Frau eine gewisse soziale Stellung, so sucht sie meist einen Partner mit zumindest derselben Herkunft, Bildungsgrad bzw. Wertevorstellung. Dem Mann hingegen ist dies relativ egal. So kommt es durchaus nicht selten vor, dass ein Rechtsanwalt eine Anwaltsgehilfin heiratet oder der Arzt ein tête-à-tête mit der Krankenschwester hat. Umgekehrt hingegen ist dies eher selten.
Auch im Alter unterscheiden sich Frau und Mann. Während Mann bis zum zirka 35. Lebensjahr gleichaltrige Lebenspartnerinnen bevorzugt, konzentriert er sich danach auf jüngere Partnerinnen. Jene Frauen, die aufgrund ihrer körperlichen Attraktivität noch einen hohen Grad an Fruchtbarkeit versprechen lassen. Frauen hingegen evaluieren bei Männern das Alter, den gesellschaftlichen und beruflichen Erfolg. Die finanzielle Absicherung! Lugner und Hefner lassen grüssen! Soweit das biologische Grundprinzip. Alles andere haben die soziokulturellen Ein-flüsse verursacht.
Eine Beziehung sollte sich durch die Unterschiede entwickeln. Die Partner lernen gegenseitig jenen Part des Anderen, den sie selbst nicht unbedingt gut beherrschen, aber durchaus an ihm schätzen. Funktioniert dies nicht, so können die Gegensätze zum Scheitern der Beziehung führen. Wer hierzu Informationen benötigt, ist bei Hans-Georg Birkenfeld und seinem Werk „Aus und vorbei? Noch lange nicht!“ gut aufgehoben.
Viele Psychologen sehen es zudem als erwiesen, dass Beziehungen aufgrund spezieller Lebens- und Liebesthemen funktionieren. Somit werden sehr viele Partnerschaften zum Abnabeln vom Elternhaus begründet – das ist bei beiden Geschlechtern gleich. Ist Mann bzw. Frau dann flügge geworden, verstehen es viele nicht mehr so recht, wofür sie in einer Partnerschaft leben und lösen diese auf.
Für all jene unter Ihnen, die noch nicht wissen, wie sie eine Beziehung beginnen sollen, sei hier zuletzt noch die Methodik erwähnt, wie sie Ellen Fein und Sherrie Schneider in ihrem Werk „Die Kunst, den Mann für’s Leben zu finden“ beschreiben: Das erste Treffen findet zwischen Montag bis Donnerstag in einer Bar statt, endet vor Mitternacht und dient dem Abtasten. Gesprächsthemen sind Beruf, Bildung, Einkommen und Hobbies. Überraschend früh findet hier bereits die Abfrage des Kinder-Themas statt. Zum Abschied gibt’s ein Busserl auf die Wange. Das zweite Date wird vom Mann im Restaurant organisiert. Will Frau keine weiteren Treffen mehr, ignoriert sie einfach seine Anrufe. Normalerweise bezahlt der Mann, in Europa ist es aber üblich, dass Frau die Hälfte dazugibt. Fein/Schneider sprechen dabei vom Begriff „Going Dutch“, das eigentlich in den USA sehr selten stattfindet. Nach dem Essen gibt’s dann die ersten Zärtlichkeiten. Bei einer recht hohen Rechnung kann durchaus auch schon nach dem zweiten Treffen die Spielwiese Bett im Mittelpunkt stehen. Das aber ist normalerweise erst nach dem dritten Treffen bzw. allen weiteren der Fall. Der Frau bleibt es also jederzeit überlassen, den Gang der Dinge zu beenden, wenn sie denkt, nicht beim Richtigen gelandet zu sein, der schon mal eine Sünde wert sein könnte. Hierzu ist es ausreichend, wenn Frau drei seiner Anrufe ignoriert. In den USA gilt es durchaus als normal, maximal drei Partner gleichzeitig zu daten. Dies entspricht aber nicht den Vorstellungen auf dem alten Kontinent. Psychologen sprechen hier vom sog. „sexuellen Monopol“. In der amerikanischen Variante wird das erst während der Stufe „The Talk“ besprochen. Welche der beiden Dating-Modalitäten gewählt wird, sollte beim zweiten Treffen abgeklärt werden. Schliesslich ist es nicht jedem der beiden Partner angenehm, wenn der Gegenpart noch mit anderen zur gleichen Zeit sexuell aktiv ist. Entfällt dieser Talk, so gibt es auch keinen „Deal“, also keine Absprache zur Monogamie.
Wie das Ganze dann weitergeht, ist in Europa unterschiedlich. In den USA folgt nach einem Jahr der Verlobungsring (mindestens drei Netto-Monatsgehälter des Mannes – in Texas gar vier!!!). Sollte dies nicht geschehen oder entsprechen, so kann Frau die Beziehung sofort beenden. Das Salz in der Suppe machen übrigens sog. „Booty Calls“ aus; mitternächtliche Anrufe mit dem Ziel des sofortigen Sex.
Vielleicht noch ein kurzer Tipp: Mann sollte nicht stets auf das hören, was Frauen sagen (ausser beim Sex – wenn Frau „Nein“ sagt, heisst dies auch nein!!!). Ansonsten ist auch Grossvater oftmals schwerhörig gewesen, als Grossmutter etwas sagte – aber das ist ein ganz anderes Thema! Beobachten Sie anstelle dessen, wie Frauen zeigen, was sie gerne hätten!
Seh’n Sie – ist alles nicht ganz so einfach!!! Und wer nach wie vor die Möglichkeit des Online-Datings verdammen sollte, dem sei hier eine evolutionstheoretische Überlegung an’s Herz gelegt: In der internetfreien Zeit kam es vornehmlich zur „Nachbarschaftsehe“. Durch das globale Dorf im Internet findet eine durchaus empfehlenswerte genetische Durch-mischung quer über die Kontinente statt. Neue Gene, die evolutionsbiologisch ein besseres Überleben des Nachwuchses erwarten lassen. Denn: Der Homo erectus war ebenso nur eine Momentaufnahme der menschlichen Evolution wie der Homo sapiens!
PS:
Die Evolution hat’s erfunden. Normalerweise werden etwas mehr Jungen geboren, da diese risikofreudiger als die Mädchen sind und nicht wenige von Ihnen vorzeitig sterben bevor sie das Erwachsenenalter erreicht haben. Bei der Befruchtung liegt dieser Überschuss bei ca. 30 %. Während Hungersnöten allerdings werden mehr Mädchen geboren. Hierdurch kann sich eine Population schneller von einer Krise erholen (Dr. Fiona Mathews & Kollegen in ihrer Studie, veröffentlicht im Fachmagazin „Proceedings of the Royal Society B“ vom Januar 2012)
Lesetipps:
.) Kuckuckskinder, Kuckuckseltern: Mütter, Väter und Kinder brechen ihr Schweigen; Simone Schmollack; Schwarzkopf & Schwarzkopf 2008
.) Das Kuckuckskind und seine drei Eltern; Kerstin Aust; Üeter Lang GmbH 2015
.) Aus und vorbei? Noch lange nicht!; Hans-Georg Birkenfeld; John Delto Publishing 2012
.) Die Kunst, den Mann für’s Leben zu finden; Ellen Fein/Sherrie Schneider; Piper Taschenbuch 2012
Vorsicht: Hantavirus!!!
Posted on 05/09/26 by UlstoDer Frühling verwöhnt uns derzeit mit seinen schönsten Bildern – aber auch den stärksten Pollen (ein Betroffener!). Das Frühjahr ist bei vielen auch der Beginn der Gartensaison und des Ausmistens. Das kann jedoch in Gartenlauben oder auch Garagen gefährlich werden.
Mit den ersten Minusgraden haben sich viele Tiere in die wärmeren Häuser oder zumindest schützenden Garagen und Hütten geflüchtet, obgleich sie dort eigentlich nicht wirklich gern gesehen werden: Insekten, Mäuse und Ratten. Bevor sie sich vermehren und zur Plage werden, sollten Massnahmen eingeleitet werden. Vor allem, da sie auch schwere Infektionskrankheiten übertragen können. So geschehen bei der Polizei in Göppingen-Holzheim, wo sich im Jahr 2019 drei Bereitschaftspolizisten mit dem gefährlichen Hantavirus angesteckt haben. Der Grund: Die Rötel- oder auch Waldwühlmaus und die Brandmaus! Diese Nagetiere haben es sich im Keller des Gebäudes bzw. im angrenzenden Park gemütlich gemacht, hinterliessen dort ihren Kot und kontaminierten mit dem darin enthaltenen Hantavirus die Körperschutzausrüstung der Polizisten. Alle drei Patienten mussten stationär mit Lungen- und Nierenproblemen im Krankenhaus aufgenommen werden. Im selben Jahr wurde zudem im bayerischen Landkreis Freyung-Grafenau Hantavirus-Alarm gegeben.
Gab es im vergangenen Jahr gottlob nur wenige nachgewiesene Puumala-virus-Infektionen (37 in Österreich), so sind es heuer bereits 50 (Quelle: MedUni Wien). In Deutschland sind es mit dem Stand vom 04.05.2026 schon 315 (Quelle: Robert Koch-Institut). Zum Vergleich: Bislang galt das Pandemie-Jahr 2021 als jenes mit den höchsten Fallzahlen. Etwa 132 im Stadtkreis Stuttgart, 194 im Landkreis Reutlingen oder 95 im Landkreis Böblingen. Ein paar Zahlen hierzu aus dem Jahr 2025: Landkreis Emsland (11), Landkreis Osnabrück (18), Kreis Steinfurt (12) – alle in Nieder-sachsen; Landkreis Freyung-Grafenau/Bayern (31), Stuttgart-Stadt (17). Das dürfte wohl heuer leider gesprengt werden. Flächenmässig besonders betroffen ist das Bundesland Baden-Württemberg; daneben auch Hessen, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Landkreise in Bayern und Niedersachsen. Details dazu erfahren Sie auf den Seiten des Robert-Koch-Institutes! In Österreich ist es die Steiermark, das östliche Kärnten und das nördlichste Oberösterreich. In der Schweiz gibt es nach Angaben des Sprechers der BAG Simon Ming jährlich nur etwa zwei labor-bestätigte Fälle.
Das Hantavirus ist derzeit in aller Munden, da auf einem Kreuzfahrtschiff die Erkrankung ausgebrochen ist. Anscheinend eine sehr gefährliche Argentinien-Variante, die auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. Bislang (Stand: 04.05.2026) gab es drei Tote!
Der Name „Hantavirus“ geht auf den ersten grossen Ausbruch am Grenz-fluss Hantaan während des Koreakrieges zurück – dort erkrankten in den Jahren 1950-53 mehr als 3.000 Soldaten schwer an der Infektions-krankheit.
Mäuse tummeln sich bevorzugt im Garten, in Kellern und Garagen bzw. in Schuppen. Hier ist die Ansteckungsgefahr für den Menschen am grössten, wenn dort Reinemachen angesagt ist. Das war etwa während der Pan-demie in nahezu jedem Haus bzw. Garten der Fall. Die Mäuse müssen nicht selbst erkranken – sie können auch nur als Überträger fungieren („Reservoirwirte“). Durch Speichel, Kot oder Urin der Nagetiere gelangt dieses Virus nach aussen. Besonders heimtückisch: Infektionsgefahr besteht bei Lebensmitteln und v.a. Staub! Gelangt dieser in eine offene Wunde oder über den Atmungstrakt in die Lunge, so ist eine Infektion so gut wie sicher. Der Hantavirus ist im getrockneten Zustand einige Tage lang ansteckend. Gleiches gilt zudem bei einem Mäusebiss! Ein erhöhtes Infektionsrisiko haben etwa Förster, Jäger, Gartenarbeiter und Bau-arbeiter.
Die Inkubationszeit beläuft sich auf zwei bis fünf Wochen. Die ersten Symptome zeigen sich im Schnitt nach 2 Wochen – je nach Virustyp unterschiedlich stark. Es beginnt mit plötzlichem, hohen Fieber, das sich rund 3-4 Tage hält. Hinzu kommen die bekannten grippeähnlichen Erscheinungsformen wie Schmerzen im Kopf, den Gliedmaßen und Muskeln, begleitet von Husten und/oder Sehstörungen sowie einer Rachenentzündung. Nach einigen Tagen folgen Beschwerden bei der Verdauung mit Bauchschmerzen, Durchfall und Erbrechen („gastrointes-tinale Beschwerden“). Schliesslich spielt die Niere verrückt – es droht sogar ein Nierenversagen. Treten Blutungen auf, so kann die Erkrankung tödlich enden. Deshalb ist es wichtig, bei Verdachtsmomenten sofort den Arzt aufzusuchen, da eine Diagnose nur durch eine Blutuntersuchung gemacht werden kann. Die Erkrankung ist medikamentös relativ einfach zu behandeln – Spätfolgen sollten keine zurückbleiben.
Das Hantavirus tritt weltweit in unterschiedlichen Variationen auf. So etwa als Hantaan-, Puumala-, Dobrava-Belgrad-, Seoul-, Sin-Nombre- und Andesvirus. Hierzulande ist es v.a. das Puumalavirus (PUUV) und das Dobrava-Belgrad-Virus (DOBV). Besonders gefährlich ist beispielsweise der amerikanische Ableger – in Südamerika verlaufen rund 50 % der Hantavirus-Infektionen tödlich! Das Infektionsrisiko ist in den Sommer-monaten (zwischen April und September) am größten. Eine Hantavirus-Erkrankung ist meldepflichtig – in Deutschland beim Robert-Koch-Institut, in Österreich bei der Bezirksverwaltungsbehörde, in der Schweiz bei der BAG bzw. den Kantonsärzten.
Die Waldwühlmaus ist – wie der Name schon sagt – vornehmlich im Wald anzutreffen. Sie bevorzugt Buchen- aber auch Mischwälder und ist immer wieder auch in waldnahen Gärten zu finden. Deshalb ist bei Garten-arbeiten vor allem aber bei Reinigungsarbeiten von Gartenlauben oder Schuppen besondere Vorsicht geboten. Hier einige Tipps:
– Tragen Sie Schutzkleidung (Overall, Gummistiefel, Einmal-Handschuhe, Schutzmaske)
– Lüften Sie die Räume gut vor Beginn der Arbeiten
– Wirbeln Sie keinen Staub auf – befeuchten Sie die Flächen zuvor
– Mäusekot bzw. tote Mäuse mit Desinfektionsmittel besprühen, in einer Kunststofftüte gut verschliessen und in den Restmüll geben
– Derartige Stellen schliesslich ebenfalls mit Desinfektionsmittel oder Alkohol desinfizieren
Ansonsten gilt grundsätzlich:
– Nach dem Aufenthalt im Freien, in Dachböden, Kellern oder Schuppen sollten immer die Hände gewaschen werden
– Verwenden Sie dort keine Staubsauger, da das Virus nicht im Filter bleibt, sondern durch die Abluft wieder in die Luft freigesetzt wird
– Nager haben im Haus nichts zu suchen – vermeiden Sie offene Lebensmittel, verwenden Sie Lebendfallen (die täglich kontrolliert werden) und benutzen Sie Einmal-Handschuhe
Weitere Tipps erhalten Sie beim Gesundheitsamt.
Lesetipps:
.) Hantaviruses; Connie Sue Schmaljohn/Stuart T. Nichol; Springer 2001
Links:
ESC – Der Niedergang der Musikkultur
Posted on 05/02/26 by UlstoWerte Leser dieser meiner Zeilen – gleich zu Beginn muss ich mich heute outen: Ich werde mir weder das Finale am 16. Mai in Wien, noch eines der Semifinali des ESC 2026 anschauen! Der European Songcontest interes-siert mich schlichtweg überhaupt nicht. Anstatt dessen habe ich mir die WM-Finalspiele der DFB-Auswahl seit 1954 besorgt, Bier wird eingekühlt und Snacks angerichtet. Da mache ich keinen Hehl daraus und werde es in den kommenden Sätzen etwas präzisieren!
Vorweg einige allgemeine Informationen. Im Jahr 1954 gründeten die staatlichen Rundfunkanstalten der westeuropäischen Länder in Genf die European Broadcasting Union EBU. Mit ihrer Hilfe sollte ein Austausch von Rundfunk- und Fernsehprogrammen über die Grenzen hinweg wesentlich erleichtert werden. Dafür wurde später ein eigener Satellitenkanal (Euro-vision News EVN) eingerichtet. Die Premiere machte am 6. Juni 1954 das Narzissenfest von Montreux. Ein Jahr darauf wurden hunderttausende Zuschauer (der Fernseher war damals noch ein Luxusgut!) Zeugen des wohl tragischsten Unfalls in der Geschichte des Motorsport: Beim 24-h-Rennen von Le Mans starben 84 Menschen. Seit 1959 wird zudem jeweils am 01. Januar das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker sowie am Ostersonntag der päpstliche Ostersegen via EBU ausgestrahlt uvam. Das Pendant zur Eurovision war in den osteuropäischen Staaten die Inter-vision.
Die EBU startete dann im Jahre 1956 mit dem Grand Prix d’Eurovision de la Chanson aus Lugano und sieben Teilnehmern; dem ersten grenzüber-schreitenden Musikwettstreit der Länder – live im Fernsehen. Die Strassen waren leergefegt – wer einen Fernseher zuhause hatte, verbrachte den Abend vor der Glotze, die anderen bei Ihren Verwandten oder Nachbarn, die einen Flimmerkasten besassen. Als Vorbild diente das San Remo Festival. Bereits ein Jahr später (in Frankfurt/Main) entsendete jeder Mit-gliedsstaat der EBU einen Vertreter in das Starterfeld – San Remo war plötzlich vergessen. Seit 1958 wird nun die Folgeveranstaltung im Land des Siegers abgehalten. Das Interessante daran war, dass jedes Land mit dem entsprechenden Lied etwas eigene Kultur vermitteln konnte. Zudem wurde in der landeseigenen Sprache gesungen (bis 1999), was dem Ganzen noch weitaus mehr an Flair brachte. Nur die Schweiz konnte es sich aussuchen, ob der Beitrag auf deutsch, italienisch oder französisch präsentiert wurde. Die Musik kam nicht etwa vom Band sondern vielmehr live aus dem Orchestergraben, dirigiert zumeist vom Chefdirigenten des entsprechenden Starters. Nicht weniger als 150 Millionen Zuschauer verfolgten dort die Geburtsstunde von Gassenhauern, die nach der Sendung in ganz Europa gesummt, gepfiffen oder auch gesungen wurden: „Waterloo“, „Nel blu dipinto di blu (Volare)“, „Merci cherie“, „Hallelujah“ oder auch „Ding-a-dong“, „Congratulations“ und „Poupée de cire, poupée de son“; Weltkarrieren wie jene von Abba, Johnny Logan, Lys Assia, Brotherhood of Man, Celine Dion, Toto Cutugno wurden begründet.
Dann öffnete sich der Eiserne Vorhang, die EBU wurde durch die ehe-maligen Ostblock-Staaten erweitert – es hielt die Politik Einzug in den Wettkampf. Bewertet wurde nicht mehr der beste Song, die meisten Punkte erhielten die Nachbarländer – völlig egal, ob der Titel gut oder schlecht performed wurde. So kam es, dass plötzlich die One Hits Wonder auftauchten – Künstler, die durch eine solche Strategie auf’s Podest gehoben wurden, von welchen aber auch nach dem nun als Eurovision Song Contest (ab 1992) bezeichneten musikalischen Wettstreit auch nie mehr wieder etwas zu hören war. Im Vorfeld des ESC 2015 in Österreich wurde u.a. der ehemalige Starter des ESC 2002, Manuel Ortega, inter-viewt. Er wurde befragt, wer den Contest damals gewonnen hatte. Betretenes Schweigen – keine Antwort! Keine Schande – gewann doch die Lettin Marie N. mit „I wanna“ vor Malta (Ira Losco „7th wonder“). Ist erst 24 Jahre her – doch kennt die noch Irgendwer? Nicht mal der britische Beitrag, der gemeinsam mit Estland auf dem 3. Platz landete (Jessica Garlick „Comeback“), wird noch jemandem geläufig sein. Runter von der Bühne und schon aus dem Sinn! Einzig Loreen aus Schweden (Siegerin 2012 mit „Euphoria“ sowie 2023 mit „Tattoo“) wird heute noch gespielt. Beides Up-Tempo-Nummern, die aus dem ehemaligen Chanson-GP nun auch endgültig einen der vielen Pop-Wettbewerbe machte.
Eine Ausnahme machte zudem ausgerechnet Lena Meyer-Landrut, die sich erstmals nicht über den normalen Weg qualifizierte. Sie gewann den ESC im Jahre 2010 mit „Satellite“. Danach folgten mit „My Cassette Player“ (Nr. 1 in Deutschland und Österreich), „Good News“ (Nr. 1 in D, Nr. 7 in Ö) sowie „Stardust“, „Crystal Sky“ und „Only Love.L“ (jeweils Nr. 2 in D, letzterer Nr. 4 in Ö) noch weitere Platzierungen an der Chartspitze. Später wurde es auch bei ihr etwas ruhiger. Erst durch ihren Job als Jurorin bei „The Voice Kids“ (einem Kinder-Nachwuchswettbewerb) kam sie wieder ins Gerede.
Seither haben Songs, die eher in das Slow-AC- oder Schlager-Format passen, nicht mal mehr den Hauch einer Chance. Und die Sieger-Titel – jo mei – es gibt den MTV-Award, Brit-Award, Grammy, die Goldene Stimm-gabel, den Cometen, Amadeus, Swiss Music Award,… – soll man da wirklich jeden Song, der gewonnen hat, auch ein Jahr später noch kennen? Vor allem da Musik inzwischen am Fliessband produziert wird – sogar durch Künstliche Intelligenz, ohne jedes menschliche Zutun. Und, dass sich da so manch einer nicht zu schade dafür ist, erfolgreiche Songs in irgendeiner Weise abzukupfern, zeigte wohl niemand besser als Cascada, die ein Jahr nach „Euphoria“ mit „Glorious“ für Deutschland auf der Bühne stand! Auch der/dem österreichischen Vertreter/-in Conchita Wurst wurden Plagiatsvorwürfe an den Kopf geworfen. Zu sehr klang sein/ihr „Rise like a Phoenix“ wie der Titelsong aus einem James Bond-Film. Auch bei vielen anderen wird nahezu jedes Jahr behauptet, dass „exakt die gleichen Harmonien und weitestgehend sogar die Harmonie-führung genau übernommen“ wurden. Na ja – offenbar gibt es eben nichts neues mehr! Ein Blick in die Hitparaden beweist dies: „Valerie“ von Marc Ronson feat. Amy Winehouse (Original: The Zutons), „Car Wash“ von Christina Aguilera (Original: Rose Royce), „Ain’t nobody“ von Felix Jaehn ft. Jasmine Thompson (Original: Rufus & Chaka Khan), „Lemon Tree“ von Alle Farben (Original: Fool’s Garden), „Bitter Sweet Symphony“ von Gamper & Dadoni feat. Emily Roberts (Original: Rolling Stones bzw. The Verve), „Would I lie to you“ von David Guetta, Cedric Gervais & Chris willis (Original: Charles & Eddie) u.v.a.m.! Der Experte spricht hierbei von „Remakes“ bzw. „Second Hand Songs“. So wird so manch Kiddy meinen – „Poah – hammergeil!“! Dem sei hiermit entgegengesetzt: Die Originale sind zumeist vorschlaghammergeil!!!
Inzwischen entwickelt sich der Songcontest, nachdem er zur Meterware wurde, immer mehr zur Freak-Show. Besonders die Finnen zeigen hierbei einen sehr grossen Ideenreichtum. Gewannen doch Lordi mit „Hard Rock Hallelujah“ 2006
oder der Beitrag 2023 – Käärijä mit „Cha Cha Cha“.
Nahezu jedes Jahr sind immer wieder recht interessante Interpreten aus dem Nordosten Europas zu sehen und v.a. zu hören. In diesem Jahr wird die finnische Flagge durch Linda Lampenius x Pete Parkkonen mit dem Titel „Liekinheitin“ – ausnahmsweise mal ein erstaunlich normaler Poptitel, der mir nicht mal so schlecht gefällt!
Dem nicht genug: Måneskin (2021 mit „Zitti e buoni“), Netta (2018 mit „Toy“) oder auch die politische Botschaft in Richtung Russland Kalush Orchestra (2022 mit „Stefania“), der nonbinäre Nemo aus der Schweiz (2024 mit „The Code“) oder zuletzt der Countertenor JJ aus Österreich (2025 mit Wasted love“). Somit setzen auch andere Länder immer mehr auf das Auffallen: Dana International, eine Transsexuelle aus Israel, die/der 1998 mit „Diva“ gewann – neu aufgerollt 2014 durch die bereits angesprochene Conchita Wurst mit „Rise like a Phoenix“. Die Wurst kam nur zu sehr wenigen Chart-Platzierungen im Vergleich mit den Zweit-platzierten, den niederländischen Common Linnets mit „Calm after the storm“. Es siegte somit nicht der Song, sondern die Interpretin – nix also mit dem „Wettstreit der Komponisten und Songtextern“!
Conchita Wurst – Rise like a phoenix
Deutsche Charts: 4 Wochen – beste Platzierung 5
Schweizer Charts: 4 Wochen – beste Platzierung 2
Österreichische Charts: 16 Wochen – beste Platzierung 1
Common Linnets – Calm after the storm
Deutsche Charts: 41 Wochen – beste Platzierung 3
Schweizer Charts: 21 Wochen – beste Platzierung 3
Österreichische Charts: 34 Wochen – beste Platzierung 2
Die Dame mit dem Bart wurde mit dem Aufschrei nach mehr Liebe und v.a. Toleranz gefeiert – da hätte sie/er auch ein Kinderlied zwitschern können und trotzdem gewonnen – aufgrund Ihrer Gesichtsbehaarung! Seither zupfen sich weltweit Millionen von Frauen nicht mehr die Haare ihres Damenbartes weg und viele Touristen kommen nach wie vor nach Österreich um sich zu überzeugen, dass ganz oben auf der Alm die Hüttenwirtin wirklich ausschaut wie die Conchita! Doch – äusserte man sich vielleicht etwas kritisch zur Kunstfigur „Conchita Wurst“, so musste v.a. Mann gar Prügel befürchten – von jenen, die mehr Toleranz forderten! Schräge Vögel wie Guildo Horn & seine Orthopädischen Strümpfe, Stefan Raab als Legastheniker, Alfred Poier als Leiterwagen-Kapitän oder auch die beiden zwar hübschen trotzdem aber komplett abgefahrenen taTu aus Russland liessen so manchen Musik-Kenner zur Fernbedienung greifen, sorgten aber im Endeffekt für mehr Schlagzeilen als die Sieger! Auch sind immer wieder sexy Frauen zu sehen, die zwar viel nackte Haut zeigen, jedoch teils wenig stimmliche Qualitäten vorzuweisen haben. Ani Lorak aus der Ukraine 2008, Svetlana Loboda ebenfalls aus der Ukraine 2009, Margaret Berger aus Norwegen 2013, Cleo & The Girls aus Polen 2014, Jana Burčeska aus Nord-Mazedonien 2017, Efendi aus Aserbeidschan 2021 etc.
(Anmerkung des Schreiberlings: Schön anzuschauen – wenn nur die Musik nicht so stören würde!)
Für den Türken Erdogan Anlass genug (neben dem Auftritt der Wurst), die Teilnahme seines Landes zu verhindern, obwohl die belgisch-türkische Popsängerin Hadise 2009 selbst einen gewagten Auftritt zeigte. Daneben verblassten Verkaufsmillionäre wie Five, Silver Convention, Ricchi é Poveri, Baccara, DJ Bobo, Alan Sorrenti oder Stimmbandgrössen wie die No Angels, Bonnie Tyler und Il Volo. Besonders zum Denken gab der inzwischen geadelte Sir Cliff Richard: Mit „Congratulations“ 1968 nur zweiter, mit „Power to all our friends“ 1973 gar nur Dritter verkaufte er in diesen Jahren mehr Tonträger der beiden Songs als die jeweiligen Sieger.
Hingegen die beiden letzten Sieger:
.) Nemo 2024 mit „The Code“:
Nur in der Schweiz und Griechenland auf Platz 1, in den beiden grossen Märkten Deutschland und Grossbritannien nur auf Rang 14 bzw. 18, in den US-Billboard-Hot-Dance & Electronic Songs auf Platz 32.
.) JJ 2025 mit „Wasted Love“:
In Österreich auf Platz 1, in der Schweiz auf 3, in Deutschland und Gross-britannien auf Platz 13 bzw. 53. Allerdings sorgte er für gute Streaming-Zahlen!
Heutzutage gewinnt nur jene(r) Interpret(-in), der/die am meisten aufzu-fallen weiss, die geilste Performance bringt oder den Goodwill der Ost-Connection hat, die sich immer wieder gegenseitig die 12 zuschieben. Übrigens haben Liechtenstein und der Vatikanstaat noch nie am Songcontest teilgenommen. Ich denke mir, dass ein gemischter Kardinals- und Schwesternchor doch einiges in Sachen Niveau der Veranstaltung wettmachen könnte, wenn noch möglich! Das meinen übrigens auch die Luxemburger, die sich 1993 nicht qualifizierten und vom folgenden Jahr weg bis 2024 pausierten. Mangelndes Interesse – trotz fünffachem Sieg – und zu wenig Geld! Ha…!
Was also hält die Zuseher noch am Bildschirm? Ich denke mir, dass die Übertragung der Brit-Awards sicherlich interessanter ist, da die wirk-lichen Stars des Pop- und Rock-Business vertreten sind und Madonna ja möglicherweise wieder von der Bühne kippen könnte.
Die moderne Satellitentechnik übrigens macht es möglich, dass Millionen auch ausserhalb Europas den ESC ansehen können – in den USA, Kanada, Australien (seit einigen Jahren selbst Teilnehmer), Japan, Indien und China etwa.
Alles in allem kostet die Austragung sehr viel Geld – in Österreich waren im Jahr 2015 rund 15 Mio € für den Veranstalter, dem Österreichischen Rundfunk, veranschlagt. Tatsächlich kam das Ganze aber auf weitaus mehr als 17 Mio – der grösste Batzen (nahezu 9 Mio) davon ging an die Wien Holding als Inhaber des Austragungsstandortes Wiener Stadthalle für Miete, Adaptierung, etc.), gefolgt vom Marketing (rund 6 Mio) – und ich dachte, der ESC sei ein Selbstläufer!).
Und in diesem Jahr? Nach einer Studie Kosten von 36 Mio Euronen (!). Auch hier die drei grössten Batzen: Stadthalle Wien (12 Mio), Personal (6,6 Mio) und schliesslich Künstler/-innen (4,9 Mio). Um wieviel dieser Budgetplan überschritten wird, ein Schelm, der denkt, er weiss es! Vonseiten des veranstaltenden ORFs rechnet man mit einer gesamtwirt-schaftlichen Wertschöpfung von 52 Mio.
Apropos – von einer Umwegrentabilität zu sprechen, grenzt an Hohn, da diese Gelder ja schliesslich nicht oder nur in geringen Maße, dem Veranstalter zugute kommen. Also zahlt der Gebühren- und der Steuer-zahler – völlig gleichgültig, ob er sich für das Spektakel interessiert oder nicht. Wer jetzt mit dem berühmten „Ja, aber…!“ kommen sollte, dem sei als Beispiel die Stadt Bregenz am Bodensee an’s Herz gelegt. Dort freute man sich 2008 auf die James-Bond-Dreharbeiten für „Ein Quantum Trost“ und das „Aktuelle Sportstudio“ des ZDF anlässlich der Fussball-EM. Gesprochen wurde über eine nahezu unbezahlbare Werbung – wenn dies so gewesen wäre, weshalb gab es dann einen derart grossen Aufruhr, weil ein riesiges Loch im Budget der Stadtmarketing klaffte, das schliesslich ebenso wieder mit Steuergelder gestopft werden musste. Wäre dieses Geld direkt in Massnahmen auf Nischenmärkten investiert worden, wäre wohl mehr dabei herausgekommen. Und, dass der damalige Generalintendant des ORF, Alexander Wrabetz, schon vor dem Gewinn der Wurst sowohl vom Bund als auch den Gebührenzahlern mehr Geld gefordert hat, ist kein Geheimnis! Ich erinnere mich zurück an das Jahr 2014, als Österreich plötzlich zum Favoritenkreis zählte. Da kam doch der Satz: „Um Gottes Willen! Wenn die gewinnt muss Österreich den ESC im kommenden Jahr ausrichten! Wer soll das bezahlen?“
Heuer also erneut in Wien! Nach Angaben der Eurovision waren alle neun Shows in Rekordzeit ausverkauft. Nur auf Wiederverkaufsplattformen wie oe-ticket gibt es noch Karten zu Originalpreisen plus die übliche Vorver-kaufsgebühr (von 28,75 € für das Second Semi-Final Evening Preview bis zu 218,50 für die Live-Show des Second Finals). Alle anderen Anbieter sind Kohlemacher, die zu weit überhöhten Preisen verkaufen. Wer jedoch in dieser Veranstaltungswoche ein Zimmer in der österreichischen Bundeshauptstadt benötigt, muss tief in die Tasche greifen.
Tja – und zum Schluss die Wahl der Interpreten selbst. In nicht wenigen der Starterländer, so u.a. in Grossbritannien oder auch immer mal wieder in Deutschland, der Schweiz und Österreich werden die Interpreten durch einen internen Auswahlmodus ermittelt: Die Nichte des Bruders vom …!!! Damit vertreten sie ja eigentlich nicht ihr Land sondern Lobbyisten und jene Fernsehanstalt ihres Landes, die Mitglied der EBU ist! Kann hier wirklich von der Crème de la Crème des musikalischen Schaffens des Teilnehmerstaates gesprochen werden?
Verstehen Sie nun, weshalb ich mir den Songcontest nicht anschauen werde? Ich hoffe, diesen Überlegungen folgen noch weitaus mehr und die Quoten für die Live-Übertragungen sind katastrophal! Doch ist leider hiervon nicht auszugehen. In Deutschland gehört der ESC inzwischen wie der Fussball zum Nationalstolz! Auch wenn es wie zuletzt im Männer-fussball nur Platzierungen unter ferner liefen gab.
.) Ein bisschen Wahnsinn: Wirklich alles zum Eurovision Song Contest; Clemens Dreyer, Claas Triebel, Urban Lübbeke; Verlag Antje Kunstmann München
.) Kampf der Kulturen: der „Eurovision Song Contest“ als Mittel national-kultureller Repräsentation; Irving Wolther; Königshausen & Neumann Würzburg
Nein zum Atomstrom – ein Beispiel!
Posted on 04/25/26 by UlstoBereits mehrfach an dieser Stelle habe ich über die Gefahr der Atomstrom-Produktion informiert! Einige Schlagworte zur Wiederholung: Erdbeben, Krieg, Terrorismus, Kernschmelze, marode Meiler, … – ja und selbstverständlich auch der Atommüll. Dennoch fordern immer mehr die Rückkehr zum Atomstrom! Mit Ausnahme von letzterem Schlagwort möchte ich mich in diesem heutigen Blog nicht mehr über diese Risken auslassen!
Die meisten unter Ihnen werden sich noch an die umstrittenen Castor-Transporte erinnern. Atommüll, der in den Wiederaufbereitungsanlagen von La Hague/Frankreich bzw. Sellafield/Grossbritannien auf seine Heim-reise wartete, aber auch in Ahaus oder Gorleben zwischengelagert wurde. Insgesamt 1.900 Castor-Behälter mit hoch-radioaktivem Material. Nach wie vor gibt es keine Lösung für ein Endlager, in dem die Problemstoffe ohne Gefahr für Mensch, Tier und Umwelt die weiteren Jahrtausende hin-weg friedlich vor sich hinstrahlen können! Also lagert das Zeug’s noch in Erdlöchern, die grossteils gar nicht dafür vorgesehen sind und zu grossen Problemen führen können: Ehemalige Kohle- oder Salzbergwerke etwa. So beispielsweise auch im maroden Atommülllager Asse II in Remlingen/Niedersachsen. Die Schachtanlage wurde bereits 1965 durch die Bundes-republik Deutschland um 600.000 D-Mark gekauft um dort die End-lagerung des Mülls zu erforschen! Tatsächlich diente zwischen 1967 und 1978 das ehemalige Kali-Bergwerk als bloße Lagerstätte für Abfälle aus 13 Atomkraftwerken, Versuchsreaktoren, Krankenhäusern und Labora-torien! 1978 stoppte der damalige niedersächsische Ministerpräsident Ernst Albrecht das Treiben unter Tage, da er ein nicht genehmigtes Endlager befürchtete und damit durchaus richtig lag. Zuerst wurden die Fässer mit dem gefährlichen Inhalt hochkant gestapelt, später flach, da angeblich dadurch die Strahlung geringer sein sollte. Der wirkliche Grund: Es passte mehr rein und die Lagerung kam dadurch günstiger! Damals sprach man von einer Strahlung, die nicht stärker als jene eines Fernsehers sein sollte. Gegen Ende der Lagerstätte wurden allerdings die Fässer nurmehr abgekippt und Salz darüber verteilt, was durchaus zu Schäden der Fässer führte.
Schon in den 1960ern drückte bereits Wasser in die Stollen des Bergwerks – das wurde jedoch gegenüber der Öffentlichkeit verschwiegen. Erst 1988 erfolgte die Information der Bevölkerung, dass inzwischen der Wasser-einbruch zugenommen habe. Ein Horror – betrachtet man sich die Aus-maße des Lagers: Inzwischen lagern dort in 131 Abbaukammern 126.000 Fässer mit schwach- bis mittelradioaktiven Abfällen (104 to Uran, 81 to Thorium, 29 kg Plutonium), nicht mehr zugelassene Pestizide und Arsen (500 kg).
Immer wieder kam es zu Protesten von Bürgerinitiativen (wie etwa der „Wolfenbütteler Atomausstiegsgruppe WAAG)“, die dieses Lager nicht haben wollten oder darauf pochten, dass zumindest ein Vier-Kilometer-Abstand eingehalten werden solle. Berechnungen ergaben, dass bei-spielsweise bei einem Brandereignis im Lager die Werte der radioaktiv kontaminierten Luft ab dieser Entfernung abnehmen würden. Asse II-Mitarbeiter wurden durch die aufgebrachten Demonstranten sogar verbal und handgreiflich attackiert – teilweise mussten Pfarrer als ruhestiftende Vermittler einschreiten, obgleich sie ja selbst zu den Besorgten gehören. Nicht zuletzt aufgrund dieser ständigen Protesten wollte der Betreiber, das Helmholtz-Zentrum München, die Kammern mit Beton fluten und das Lager schliessen. Als 2009 das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) Betreiber der Lagerstätte wurde, keimte zumindest ein Funken Hoffnung auf, dass all die Bedenken nun der Vergangenheit angehören sollten.
Vor ein paar Jahren ist der Worst Case eingetreten – nicht durch Feuer sondern vielmehr durch eintretendes Salzwasser: 2019 waren es in ca. 500 m Tiefe rund 12.000 Liter pro Tag! Über lange Zeit hinweg konnte der Eintritt nicht lokalisiert werden. Das Wasser wurde durch Folien abge-fangen und über Rohre in andere Schächte des Bergwerks umgeleitet. Problematischer allerdings sind Wassereintritte in 750 m Tiefe – sie haben unmittelbaren Kontakt mit dem Nuklearmüll. Täglich rund 20 l! Ein komplettes Absaufen des Lagers konnte nicht ausge-schlossen werden. Dies geschah in dieser Region schon öfters – etwa in Hedwigsburg, wo ein oberirdischer See entstand. Dieses Szenario wäre auf Asse fatal: Ein radioaktiver oberirdischer See, der das komplette Grundwasser verseucht. Das BfS sah als einzige Lösung die Rückholung des Atommülls.
Heutiger Betreiber ist das Bundesamt für Endlagerung (BGE), ein von der Politik beauftragtes Bundesunternehmen, das nur begrenzt entschei-dungsbefugt ist. Mitte 2020 stellte das BGE das Rückholungskonzept vor: Die ober- oder unterirdische Lagerstätte der neu verpackten Fässer sollte bei Asse bleiben, allerdings um 750 m wegverschoben werden. Veran-schlagte Kosten damals: Drei Milliarden Euro!
„Die Entscheidung ist gefallen: Das Zwischenlager kommt auf die Asse! Egal was die Region dazu meint.“
(Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit)
Die Rückholung gestaltet sich jedoch als sehr schwierig. Es müsse ein weiterer Schacht in die Tiefe gebohrt werden, damit die Fässer sicher und in grosser Menge geborgen werden können. Dies könne durchaus noch 14 Jahre dauern, heisst es bei der BGE.
Für nahezu ausgeschlossen bezeichnete schon 2012 der frühere Vor-sitzende der Entsorgungskommission des Bundes, Michael Sailer, die Bergung des strahlenden Abfalls:
„Die Rückholung entwickelt sich immer mehr zur ,Mission Impossible‘!“
Er schlug Dichtbarrieren vor den Lagerkammern und eine Auffüllung mit Feststoffen vor.
Der niedersächsische Umweltminister Olaf Lies reagierte auf die Vor-würfe, wonach die Arbeiten zu langsam vonstatten gehen würden, dass pro Jahr 100 Mio € dafür ausgegeben würden.
Aber auch ohne Wasser bleibt keine Zeit mehr. Über ein rund 30 m langes Bohrloch wurden Messfühler und eine Kamera in Kammer 7 eingeführt. Dort konnte man sehen, dass Fässer nur durch den Druck unter Tage bereits kaputt gingen und der gefährliche Inhalt ausgetreten ist, da die Erdschichten in dieser Tiefe arbeiten und sich stets verändern.
Seit etwa 2023 übrigens fliessen rund 13.500 Liter pro Tag ein, die 1997 ausgelegte Auffangfolie auf 658 m ist undicht geworden – das Wasser versickert. Der Wassereintritt auf 725 m stieg von 0,8 auf 3 Kubikmeter (gemessen im April 2024) – 25 m tiefer – in den Lagerkammern – sei noch kein weiterer Wasseranstieg bemerkt worden! Zum Informationsstand: 29. April 2025 betont die BGE, dass die Lage inzwischen stabil sei. Dennoch:
„Die Vorfälle zeigen, dass die Rückholung der radioaktiven Abfälle beschleunigt werden muss.“
(Der niedersächsische Umweltminister Christian Meyer von den Grünen)
Vonseiten der BGR wird betont, dass die bereits installierten und arbeitenden Pumpen auch einen Wassereintritt von 500 Kubikmetern pro Tag verarbeiten könnten. Das aber muss vorher aufgesammelt werden. Sollten noch grössere Mengen einfliessen, müsste das Bergwerk kontrolliert geflutet werden, damit es nicht in sich selbst zusammen-bricht. Dies brächte dann ebenfalls das Grundwasser in Kontakt mit dem radioaktiv verseuchten Wasser.
Letzte Nachrichten aus Asse II (Stand April 2026): Nach Angaben der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) ist der geplante Rückholtermin ab 2033 und damit die vom Bundestag beschlossene Räumung nicht mehr einzuhalten! Zuerst müsse mit Asse 5 ein neuer Schacht mit Förderanlage gebohrt werden – das könnte bis 2039 dauern. Der niedersächsische Umweltminister Christian Meyer (Grüne) tobt – stattdessen werde derzeit die Flutung des Bergwerks vorbereitet. Er fordert die Bundesregierung auf, die damals im Bundestag beschlossene Lex Asse auch tatsächlich umzusetzen und nicht dem Absaufen der Schachtanlage zuzusehen.
Asse ist übrigens nicht das einzige Problem: Aus dem ehemaligen AKW in Jülich/NRW werden derzeit Brennelemente ins Zwischenlager Ahaus transportiert. Insgesamt sollen es rund 300.000 Brennelementekugeln sein. Ahaus ist eines von 16 Zwischenlagern. Ein Endlager gibt es freilich bisher noch nicht. Soweit also zur Nachhaltigkeit des Atomstroms! Nach zwei Szenarien könnte die Suche nach einem Endlager für den deutschen Atommüll, das eigentlich bis 2031 feststehen sollte, noch bis 2046 oder gar 2070 andauern. Bis zu dieser Endlagerung werden die Gesamtkosten (Rückbau der AKWs, Transport und Lagerung der Abfälle) rund 48,8 Milliarden € ausmachen. Das in einen Fonds der AKW-Betreiber 2017 überwiesene Geld für diese Massnahmen beläuft sich jedoch auf nur 24 Milliarden! Es zahlt also einmal mehr der Steuerzahler – auch jene, die den Atomstrom nie haben wollten!!!
Lesetipps:
.) Wohin mit dem Atommüll; Marcos Buser; Rotpunktverlag 2019
.) Atommüll wohin?; Ulrich Dornsiepen; Theiss in Herder 2015
.) Gegenkurs – Atommüll in Schacht Konrad und kommunalpolitische Fehlentwicklungen 1986-2016; Christa Garms-Babke; Buchverlag Andrea Stangl 2021
Links:
- www.bge.de
- www.endlagersuche-infoplattform.de
- www.ausgestrahlt.de
Christlicher Nationalismus – Wie gefährlich ist diese Verflechtung von Religion und Staat?
Posted on 04/18/26 by UlstoMustafa Kemal Atatürk war der Begründer der Türkei, die aus den Resten des Osmanischen Reiches entstand. Zwischen 1923 und 1938 auch deren Staatsoberhaupt. Am 10. November 1938 verstarb er. Atatürk formte aus dem neuen Staat ein republikanisches Staatswesen nach westlichem Vor-bild und förderte die Säkularisierung – die Loslösung von religiösen Normen sowie den Wechsel der Religion von der öffentlichen zur privaten Sphäre. Soll heissen: Die Trennung von Kirche und Staat! Doch – leider kam alles einige Jahrzehnte später in Form der „islamischen Republiken“ wieder zurück. Vor allem etwa im Iran, aber auch die Türkei selbst bewegte sich unter Recep Erdogan wieder in Richtung einer kirchlichen und staatlichen Vereinigung. Neben der staatlichen Gerichtsbarkeit gibt es hier zumeist eine kirchliche Gerichtsbarkeit, neben dem Strafgesetz auch die Scharia. Gesellt sich auch noch der Terrorismus wie etwa unter den Taliban oder dem IS hinzu, so handelt es sich hierbei nicht mehr um einen islamischen, sondern vielmehr um einen islamistischen Staat! Im Westen gerne auch als „Schurkenstaat“ bezeichnet, der vor Gewalt auch ausserhalb der Staatsgrenzen nicht zurückschreckt.
In der anderen Hemisphäre war dies lange Zeit ebenfalls ein Teil der Geschichte: So wurde der erste Kreuzzug durch die Lüge eines Papstes ausgelöst, viele Kirchenoberhäupter agierten selbst als Kriegsherren und bestimmten durch die Weihung bzw. Einsetzung von Kaisern und Königen zudem als letzte Entscheidungskraft das politische Europa. Im 20. Jahrhundert allerdings fand dies mit dem Fall vieler Monarchien sowie dem Aufkommen der Demokratien ein Ende. Es gab in vielen Ländern alsdann Verträge zwischen Kirche und Staat, die ein gegenseitiges Einmischen verhinderten.
Doch auch dies ist offenbar ein Teil der Geschichte. So kandidieren immer wieder Parteien für Wahlen, die ihre Richtung angeblich auf den Grundfesten des Christentums aufbauen. Tatsächlich jedoch steckt da-hinter nicht selten ein Sammelsurium an Menschen, die ihren bisherigen Parteien zu radikal geworden sind. Zudem schwappt aktuell eine Welle von den USA über den grossen Teich, die wirklich niemand hierzulande braucht: Der christliche Nationalismus!
Seinen bisherigen Höhepunkt (Stand: 14.04.2026) fand dies in folgendem Szenario: Papst Leo XIX. (selbst US-Bürger) appellierte an die kriegs-führenden Parteien, alle derzeitigen Konflikte auf dem Planeten einzu-stellen. Das haben auch viele seiner Vorgänger zuvor bereits getan.
„Gott segnet keinen Konflikt. Wer ein Jünger Christi, des Friedens-fürsten, ist, steht niemals auf der Seite derer, die einst das Schwert schwangen und heute Bomben abwerfen.“
(Papst Leo XIX.)
US-Präsident Donald Trump sah dies als Maßregelung seiner Aussen-politik und griff den Papst nach seiner immer wiederkehrenden Art persönlich an: Das katholische Kirchenoberhaupt sei schrecklich in Bezug auf Aussenpolitik und schwach in Bezug auf Kriminalität.
„Wenn ich nicht im Weißen Haus wäre, wäre Leo nicht im Vatikan!“
(Donald Trump)
Kurz danach postete er in den SoMes ein KI-Bild, das ihn zeigt (in der Bibel bei Jesus geschildert) wie er die Hand auf einem Kranken auflegt. Derartige Bilder gibt es derzeit zuhauf im Internet anzuschauen. Trumps-Vize J.D. Vance (eigentlich bekennender Katholik) sprach zuerst davon, dass er ausging, Trump habe einen Scherz gemacht. Nun jedoch legt er noch nach und warnt den Papst: Wenn sich dieser in globale Angelegen-heiten und komplexe Theologie einmische,
„… ist es sehr wichtig, dass der Papst vorsichtig ist!“ Er müsse sicher-stellen, dass seine Aussagen auch „in der Wahrheit verankert“ seien.
(J.D.Vance)
Zudem zitiert er gerne falsche Bibelverse, die er aus Filmen bezieht.
Starker Tobak, der eigentlich danach aussehen sollte, als ob sich in den USA Staat und Kirche entzweien. Tatsächlich aber ist genau das Gegenteil der Fall: Obwohl Kirchenoberhäupter angegriffen werden, der ICE bewaffnet in Kirchen eindringt und Mitglieder der Gemeinde unter dem Verdacht der illegalen Einreise festnimmt etc. – die Trumpianer stehen immer mehr zu ihrem Staatsoberhaupt und vergöttern ihn immer mehr als den von Gott gesandten Erlöser! Politische Entscheidungen werden immer öfter begründet mit dem „göttlichen Willen“! Auch wenn Des-information dahintersteckt: Nein – die Bibel wurde nicht in den USA und in englisch geschrieben; das Land ist alsdann nicht ein von Gott begünstigtes (ein Hauptmerkmal des christlichen Nationalismuses). Siehe hierzu auch die Worte des kirchlichen Oberhauptes der Katholiken! Doch galt in früheren Zeiten eine Gleichstellung mit dem göttlichen Dreigestirn als Blasphemie. Seit dem Wahlkampf Trumps für seine zweite Amtszeit ist dies allerdings komplett anders. Er brauchte die Stimmen der vielen US-Evangelikalen und beschritt diesen Weg, den er jetzt medienwirksam wohl bis zum Ende beschreiten wird – vor allem nach dem Attentat des rechten Influencers Charlie Kirk.
Diese rechtskonservativen Katholiken und Protestanten, Mormonen und denominationslosen Christen sind etwa gegen Schwangerschaftsab-brüche, gegen afroamerikanische Mitbürger, für den Kampf gegen queere Menschen und gegen den vom Menschen verursachten Klimawandel! Na – vieles war im Wahlprogramm des derzeitigen US-Präsidenten vorzu-finden! Und – so die Meinung des Schreiberlings dieser Zeilen – nicht zuletzt gerade in den USA historisch begründet mit dem Extrem des Ku-Klux-Klans: Weisse, erzkonservative und rechtsradikale Menschen, die in der Vergangenheit viel Leid verursachten. Leider gibt es ihn nach wie vor. Ein guter Boden also auch für Rechtspopulisten.
Werfen wir einen kurzen Blick zurück in der Geschichte, den ich heute aber nicht im Detail behandeln möchte: Mit Beginn des 13. Jahrhunderts bis hinein in das 18. Jahrhundert zog die Inquisition durch Europa. Menschen, die irgendwie nicht ins System passten oder sich nicht einordnen wollten, wurden auf dem Scheiterhaufen verbrannt oder als vogelfrei erklärt. In diesen sehr dunklen Zeiten noch mit dem Segen des Papstes – jetzt ohne den Segen des Papstes, jedoch dem des Präsidenten! Heute distanziert sich die Kirche von diesen derzeitigen Vorgängen. So warf etwa der Passauer Bischof Stefan Oster Trump nach dessen Rede zur Beisetzung von Charlie Kirk unchristliches Verhalten vor und kritisierte die Worte des US-Präsidenten auf das Schärfste.
Doch wie sieht die Situation aus, wenn das Staatsoberhaupt auch das kirchliche Oberhaupt ist? Im Iran wurden aufgrund des Urteils der Mullahs zuletzt tausende Menschen hingerichtet. Im Westen ist neben dem Papst in Vatikanstadt auch König Charles III. gleichzeitig „Staatsoberhaupt“ und kirchliches Oberhaupt. Doch ist Grossbritannien eine parlamentarische Monarchie, wodurch die staatstragenden Entscheidungen im Unter- und Oberhaus gefällt werden. Wer hätte also gedacht, dass ausgerechnet die „Insel der Demokratie“, die USA, wieder in dieses uralte, volksfeindliche Schema zurückfallen, in dem die Moral Majority, der politische Arm der religiösen Rechten, bestimmt, wo der Bartl den Most herholt. Und das Volk applaudiert dazu noch begeistert!
Das gab’s doch schon mal – oder? 1931 wurden die „Deutschen Christen“ in Thüringen als Partei gegründet, die ab 1933 die Leitung über einige der Landeskirchen in der Deutschen Evangelischen Kirche übernahm. Tatsächlich jedoch steckten antisemitische, rassistische und dem Führer treu ergebene Volksverhetzer dahinter, die die religiöse Meinung bis 1945 bestimmen sollten. Ein Schelm, wer keine Parallelen zur derzeitigen Situation entdecken sollte! Nicht nur die Plateauschuhe und Glocken-hosen kommen irgendwann mal wieder.
Unsere Verfassungen beinhalten zwar die Religionsfreiheit, doch erkläre auch ich mich zum Freund der Säkularisierung: Kirche und Staat gehören getrennt! Es gab und gibt leider immer noch viel zu viele negative Beispiele, wie es ausgeht, wenn beide sich wieder verflechten!
Zuletzt möchte ich Paula Michelle White zitieren. Die Predigerin ist nicht nur die spirituelle Beraterin des US-Präsidenten, sondern auch Leiterin des Büros für Glaubensfragen im Weissen Haus und zudem verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit der Trumpschen „Faith and Opportunity“-Initiative!
„Präsident Trump nein zu sagen, würde bedeuten, Gott nein zu sagen !“
PS:
Wer sich die Inauguration Trumps angesehen hat, weiss, dass der US-Präsident seinen Amtseid gar nicht auf die Bibel ablegte, die ihm durch seine Frau gereicht wurde!
Lesetipps:
.) Mit Gott gegen die Demokratie. Warum der christliche Nationalismus alle angeht; Arnd Henze; Güterskoher Verlag 2026
.) Christlicher Nationalismus in den USA; Thorsten Dietz/Maria Hinsenkamp; Mohr Siebeck-Verlag 2026
.) Taking America back for God; Andrew L. Whitehead/Samuel L. Perry; Oxford University Press 2020
Kulturelle Aneignung – geht’s noch?
Posted on 04/11/26 by Ulsto„Privilegierte Gesellschaftsmitglieder wollen, oftmals aus einem Über-legenheitsgefühl heraus, Regeln für alle vorgeben!“
(Mag. Dr. Michael Parzer, Kultursozioologe an der Uni Wien in den Salzburger Nachrichten)
Ganz ehrlich: Als ich den Begriff „Cultural Appropriation“ erstmals ent-deckte, musste ich googeln und dann lautstark lachen! Das war nun schon vor einiger Zeit – inzwischen ist es bitterer Ernst geworden und mir nicht mehr zum Lachen.
Ein erster – zugegebenermassen recht klobiger – Definitionsversuch: Das Informations- und Dokumentationszentrum für Antirassismus-Arbeit e.V. versteht unter kulktureller Aneignung
„…einen Prozess, „bei dem Elemente einer Kultur enteignet und aus dem Zusammenhang gerissen in einen anderen Kontext gesetzt werden.“
Ein zweiter, etwas einfacherer Definitionsversuch: Unter „Cultural Appro-priation“ versteht der Experte die Ablehnung von Errungenschaften anderer dominanter Kulturen, die hierzulande jedoch in der Minderheit sind, durch eine ganz spezielle Bewegung. Anders ausgedrückt: Es geht um die Reproduktion ethnischer Sterotype und Klischees, aber auch eine Trivialisierung der Unterdrückung! Aaaah ja – na dann ist ja alles klar!
Es klingt nicht nur sehr blöde – es ist auch sehr blöde! Es gibt also tat-sächlich Menschen, die sich aufregen, wenn Menschen sich beim Karne-vals- oder Faschingsumzug als Indianer, Cowboy, Eskimo oder Schwarzer (selbstgewählter Begriff und damit wie etwa auch PoC politisch korrekt) verkleiden. Auch als Scheich oder Chinese sollte man sich nicht mehr maskieren dürfen. Stadtmenschen in Lederhosen und Dirndln? Ausge-schlossen! Känguruh geht gerade mal so durch – die haben keine starke Lobby! Durch derartige Verkleidung sollen seit möglicherweise Jahr-hunderten bestehende Klischees weiter unterstützt werden, meinen zumindest die Verfechter dieser „Cultural Appropriation“ – der kulturellen Aneignung. Ich halte das alles als grossen Mumpitz, verursacht von Menschen, die offenbar nichts anderes zu tun haben, als ständig andere zu kritisieren und selbst zum Lachen in den Keller gehen. Schliesslich ist es der Traum von Millionen Kindern, als Cowboy oder Indianer an der-artigen Events teilzunehmen. Heute aber heisst es, dass gerade Kinder dafür sensibilisiert werden sollen, sich nicht wie jene Menschen zu kleiden, die aufgrund ihres Aussehens diskriminiert werden!!!
Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke: Ja – auch wir waren damals davon nicht ausgenommen. Wäre uns nie in den Sinn gekommen, als Herr Müller im Blaumann oder Frau Navrotil in der Kittelschürze auszurücken. Zweiteres dürfte ich als Mann ohnedies auch nicht! Als Blackrock-Manager oder Fliessbandarbeiter, als Landwirt oder Polizist. Na ja, letzteres flackerte später dann möglicherweise kurz auf, als ein Auszug aus dem Chippendales-Programm im Fernsehen mit dem viele kreischende Frauen gezeigt wurde. Doch das ist ein ganz anderes Thema!
Ich amüsierte mich damals köstlich, als Teile der SPD die Abschaffung des Knecht Ruprechts als pädagogisch nicht mehr der Zeit entsprechend forderte. Doch haben es die Damen und Herren tatsächlich ernst gemeint. Ebenso wie jene, die das Verbot der Märchen der Gebrüder Grimm oder jener von Wilhem Busch verlangten. Generationen von Menschen sind damit aufgewachsen – gab es bei irgend jemandem einen bleibenden, seelischen Schaden? Auch diese bedienen sich der Klischees, die schon weit vor deren Veröffentlichung bestanden. Doch entstammen diese dem heimischen Kulturkreis.
Etwas anderes sind die Geschichten von Karl May. Als der Ravensburger Verlag zwei Begleitmedien zurückzog, um mögliche Diskussionen darüber zu umgehen, reagierte ich nurmehr mit Kopfschütteln – Kritik war es mir nicht mehr wert. Ravensburger begründete dies in seiner Presseaussendung folgendermassen:
„…Die Kolleg*innen diskutieren die Folgen für das künftige Programm und überarbeiten Titel für Titel unser bestehendes Sortiment. Dabei ziehen sie auch externe Fachberater zu Rate oder setzen „Sensitivity Reader“ ein, die unsere Titel kritisch auf den richtigen Umgang mit sensiblen Themen prüfen. Leider ist uns all das bei den Winnetou-Titeln nicht gelungen. Die Entscheidung, die Titel zu veröffentlichen, würden wir heute nicht mehr so treffen. Wir haben zum damaligen Zeitpunkt einen Fehler gemacht und wir können euch versichern: Wir lernen daraus!“
Auch das deutsche ZDF, das die Rechte an den Karl May-Filmen inne hatte, nahm diese vorerst aus der Mediathek zurück. Ähm – hallo? Wir haben die Bücher als Kinder verschlungen. Ich habe selbst daraus Gute-Nacht-Geschichten vorgelesen. Dass dahinter eine „koloniale Seelenlage“ (Josef Nadler, Literaturwissenschafter) stecken könnte – tut mir leid: Darauf wäre ich niemals gekommen! Ja – es stimmt, dass Karl May erst wesentlich später dort war, worüber er geschrieben hatte. Viele der Geschichten entstammen zudem jener Zeit, als er hinter schwedischen Gardinen sass und gar nicht die Möglichkeit hatte, die Richtigkeit seiner Geschichten zu recherchieren. Doch war er einer der Ersten, der sich für die Rechte der indigenen Ureinwohner Nordamerikas einsetzte. Und mal ganz ehrlich: Nahezu jedes Buch, jeder Film, jede TV-Serie ist erfunden. Vieles davon entspricht nicht im Geringsten den Tatsachen. Der im James Bond angesprochene Flughafen Bregenz, die unglaublichen Bergwände im Cliffhanger (in den Dolomiten in den Kasten gebracht) oder die wunderbare Welt der Lebensretter am Strand von Malibu. Und auch Dr. House gibt es im wahren Leben nicht, da ein solches Spezialistenteam viel zu teuer käme. Winnetou und Old Shatterhand stellten mög-licherweise ein falsches Bild des Wilden Westens dar. Wären die Massaker an Indianern durch die US-Army und die vielen weissen Bürgerwehren interessanter und der Zielgruppe entsprechend gewesen? Authentischer allemal!
Und da spricht die US-Jura-Professorin Susan Scafidi von einer
„…unerlaubten Wegnahme geistigen Eigentums, traditionellen Wissens oder kultureller Artefakte!“
Klar – es ist durchaus richtig, dass vorwiegend Weisse ethnische Minder-heiten imitieren, die nach wie vor diskriminiert werden. Wenn es ihnen dann nicht mehr passt, kehren sie wieder zurück in das weisse Dasein. Diese Möglichkeiten haben solcherart marginalisierte Gruppen jedoch nicht. Doch gibt es durchaus Menschen, die nicht nur das Aussehen übernehmen, sondern auch das komplette Lebensgefühl. Es muss ja nicht Pop-Star Madonna sein, die sich mit Henna vollpinseln liess, um damit Aufsehen zu erregen oder die medienwirksame Konvertierung einiger Hollywood-Schauspieler zum Buddhismus, die sich dann so gar nicht nach der Religion verhalten. Doch bleiben wir bei der Musik: Blues, Soul, Funk und Jazz gehen auf die Lebensumstände und Unterdrückung der Schwarzen in Amerika zurück. Dürfen diese dann jedoch auch von US-Musikern oder ihren europäischen Kollegen gespielt werden? Ginge es nach den Kritikern, wäre die Musikszene um viele Perlen eines Gary Moore, Joe Bonamassa, Beth Hart oder Sass Jordan ärmer. Auch hier gibt es einige aufsehenerregende Fälle. So cancelte etwa die Fridays for Future- Bewegung im März 2022 ein Konzert von Ronja Maltzahn und ihrer Band bei einer ihrer Demos in Hannover, da die Musikerin aus Zuneigung und Begeisterung zu dieser Kultur Dreadlocks trägt. Die Begründung: Die Dreadlocks seien mit „dem antikolonialistischen und antirassistischen Narrativ“ der Bewegung nicht vereinbar. Oder das abgesagte Konzert des österreichischen Musikers Mario Parizek im August 2022 in Zürich, da seine Dreadlocks für „Unwohlsein von unseren Mitmenschen“ sorge. Selbiges in der alternativen Berner Brasserie Loraine bei einem Konzert der Reggaeband „Lauwarm“! Auch der Bayer Hans Söllner dürfte somit Probleme mit seinen Auftritten haben. Reproduziert ein Dreadlock-Träger tatsächlich ein rassistisches und diskriminierendes System?
Auch geht es um die sog. „ Cornrows“, die sich teils Stars wie Miley Cyrus oder Christina Aguilera machen liessen (eine speziell geflochtene Zopf-frisur).
Interessant auch die Kunstfigur Billie Eilish: Die zuhauf mir Preisen überschüttete Sängerin entstammt einem weissen Hause aus Irland. Kritisiert wird bei ihr, dass sie vieles aus der afroamerikanischen Kultur geklaut und in ihre Musik eingebaut habe. Ist sie deshalb eine Rassistin? Mitnichten!!!
Schon vor Jahrzehnten bediente sich der King of Rock’n’Roll, Elvis Presley, vieler Songs von Schwarzen aus den US-Südstaaten. Oder die Rolling Stones, …!
Wie ist dies mit Gesangspartien in der ernsten Musik, wenn weisse Sänger und Sängerinnen die Rolle von schwarzen übernehmen? In Verdis „Otello“ oder Bernsteins „West Side Story“? Wird das sog. „Blackfacing“ verboten, dürfen entsprechende Rollen nurmehr von schwarzen Tenören oder Sopranistinnen gespielt werden, so werden viele Werke unspielbar. Gilt im Übrigen auch für das Theater: Heteros dürfen etwa keine Homos dar-stellen!
Kulturelle Aneignung gibt es im Übrigen auch in der Küche: Zeigt ein TV-Koch seinen Zuschauern, wie eine persische Speise oder ein Menü aus Ruanda hergestellt wird, so bringt das die Mitglieder der Anti-Bewegung zum Kochen!
Sollte all dies künftig verboten sein, so bewegen wir uns wieder zurück in der Geschichte, wodurch uns Grossartiges vorenthalten würde. Schliess-lich zollt man doch den Leistungen eines anderen Kulturkreises grossen Respekt, wenn seine Errungenschaften nachgespielt werden – auch ohne sog. „Natives“! Die Steigerungsform wäre dann ja wohl die Kulturauf-fassung der Nationalsozialisten, die alles verboten hatten, was nicht aus ihrem eigenen Kulturkreis stammte. Das will wohl hoffentlich niemand mehr. Nein – die Beschäftigung mit einem anderen Kulturkreis eröffnet viele neue Sichtweisen und sorgt für eine bunte Vielfalt im ansonsten sehr eintönigen Dasein! Und bietet dem anderen Kulturkreis durchaus die Möglichkeit der Darstellung desselben über die Grenzen hinaus. So sind die Wiener Sängerknaben in China und Japan gefeierte Stars, Mozart, Beethoven etc. stets ausverkaufte Veranstaltungen. Auch in der Pop- und Rockmusik feiern Interpreten aus dem Westen grosse Erfolge – zumindest in Japan. In China geht die Regierung Xi Jinping massiv gegen Popstars vor. Ist dies das Ziel der Bewegung gegen kulturelle Aneignung?
Abschliessend noch eine Frage, die ich offen lassen möchte:
Wenn ich einiges aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) übernommen habe oder ab und an im Kamasutra blättere – ist das auch kulturelle Aneignung?
Lesetipps:
.) Zwischen Aneignung und Verfremdung; Hrsg.: Volker Gottowik/Holger Jebens/Editha Platte; Campus Verlag 2009
.) Ethik der Appropriation; Jens Balzer; Matthes & Seitz 2022
.) Kulturelle Aneignung; Lars Distelhorst; Edition Nautilus 2021
.) Everything but the Burden: What White People are Taking from Black Culture; Hrsg.: Greg Tate; Harlem Moon 2003
.) Research Handbook in Intellectual Property and Cultural Heritage; Irini Stamatoudi; Edward Elgar Publishing 2022
Ausfall
Posted on 04/05/26 by UlstoHallo,
vielen Dank, dass Sie hier auf meiner Seite vorbeischauen.
Aufgrund eines technischen Gebrechens entfaellt diese Woche der Blog!
Den naechsten Text gibt es am Samstag, den 11.04.!
Sorry!
Ostern – ein Fest des Besinnens
Posted on 03/28/26 by UlstoWarnhinweis:
Die in diesem Blog verlinkten Bilder und Videos können bei emotional schwachen Lesern zu Verstörungen führen!
In der Bibel heisst es so schön: „Am Anfang war das Licht…!“ Doch kann auch der grösste Philosoph und (Über-)Lebensgrübler mit nur einer Frage aus dem Gleichgewicht gebracht werden: „Was kam denn nun zuerst – die Henne oder das Ei?“ Eine Beantwortung der Frage ist nur mit religiösem Hintergrund machbar! Dadurch nämlich wird die komplette Evolution in Frage gestellt! Apropos Eier – da sind wir auch schon beim Thema.
Das Ei ist tatsächlich ein Wunderwerk der Natur. Ausgestattet mit bereits allen Merkmalen, die das spätere Leben prägen und bei all jenen Spezies, die ausbrüten, auch mit dem, was der Nachwuchs bis zum Schlüpfen an Nahrung braucht. Ausserdem freut sich der Esser – in unserem Kultur-kreis der Esser der Konsumeier – ist das Ei doch sehr gesund, da es auf-grund dieser vielfältigen Inhaltsstoffe zu den nährstoffreichsten Lebens-mitteln zählt. Sehr viele Gerichte in der heimischen Küche sind ohne Eier gar nicht vorstellbar. Ferner gehört für nicht wenige Leser dieser Zeilen sicherlich ein weich- oder hartgekochtes Ei zum Sonntagsfrühstück, wie für manch andere der Kaffee oder die Zeitung. Dies macht das Ei in unseren Haushalten auch so beliebt.
Im Jahr 2025 wurden alleine in deutschen Landen nicht weniger als 13,7 Milliarden Eier „produziert“ – ein Plus von 0,5 % im Vergleich zu 2024 (das sind unglaubliche 304 Eier pro Legehenne im Jahr!). Doch dies reichte bei weitem nicht aus, schliesslich lag der Inlandsverbrauch bei 21 Milliarden Stück. 7,3 Milliarden Stück mussten somit als Ei oder in Form von Eierprodukten ins Land geholt werden. Zieht man die Exporte in der Höhe von 1,45 Mrd (2024) ab, so bleiben trotzdem noch mehrere Milliarden importierter Eier über. Unglaubliche Zahlen! Im laufenden Jahr allerdings sollten diese zugunsten des Exports verschoben werden, da in vielen Ländern aufgrund der Vogelgrippe hoher Eierbedarf besteht. Hier haben die Eierpreise eklatant zugelegt. Pro Kopf wurden 2026 nicht weniger als 252 Eier verbraucht – 2010 waren es noch 214. Ob als Frühstücksei, Spiegel- oder Rührei, im Kuchen oder den Nudeln. (Zahlenquellen: Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung BLE und Marktinfo Eier und Geflügel MEG).
Die Zahlen für Österreich 2024 (trotz umfangreicher Recherche konnte ich keine Zahlen für das letzte Jahr finden): 7,4 Mio Legehennen, rund 2,2 Mrd. Eier, deckt den Bedarf zu 95 %, Pro-Kopf-Verbrauch von 250 Eiern, Import von Eiern und Eiprodukten 26.599 t (Quelle: Agrarmarkt Austria).
Ein Ei kann bei richtiger Lagerung bis zu vier Wochen haltbar sein. Kühl-schrank ist dabei nicht unbedingt erforderlich – wichtig sind gleich-bleibende Temperaturen und die Lagerung mit der Spitze nach unten. In Europa werden fast ausschliesslich Konsumeier gegessen – in anderen Regionen dieser Erde ist dies nicht unbedingt der Fall. Konsumeier werden nicht vom Hahn befruchtet. Hühner legen ab einem Alter von fünf Monaten ohnedies Eier – egal ob eine Begattung stattfindet oder nicht. So werden dies im Jahr rund 280 Eier sein – mit einem Normalgewicht von 50 bis 70 Gramm pro Stück (im Jahr in etwa das Zehnfache des Körpergewichtes des Huhns). Zum Ende des Jahres beginnt die Mauser, die Henne verliert ihr Federkleid und stellt die Eierproduktion ein. Jetzt werden Kraftreserven getankt. In der zweiten Legeperiode sind die Eier dann meist grösser als im Jahr zuvor. Doch erleben viele dieser Hennen keine zweite Legeperiode – sie werden ausgestallt. In diesem Video ein konsumententaugliches Verladen von Puten – nicht von Hühnern!
Dass es auch anders war (hoffentlich nicht mehr ist), zeigt dieses Video von Animal Aid aus dem Jahr 2015.
Legebatterien darf es offiziell in Deutschland und Österreich nicht mehr geben. Dies verbietet beispielsweise im Alpenstaat die „Tierhaltungs-verordnung“ (http://www.ris.bka.gv.at/bundesrecht/, in die Suchmaske „Tierhaltungsverordnung“ eingeben).
Doch: Weiss jeder wirklich genau, woher die bunt-gefärbten Ostereier stammen??? Oder jene Eier, die in der industriellen Produktion von Eierprodukten wie auch der Mayonnaise gebraucht werden? Dies sind zumeist die Billigimporte aus jenen Ländern, in welchen noch Legebatterien erlaubt sind. Schon hier eröffnet sich mir die Frage: Tiere als reine Produktionsmaschinen? Schande über den Menschen! Auch wenn sich durch das Verbot der Käfighaltung vieles gebessert haben soll. so gibt es nach wie vor grosse Missstände. Beispielsweise hat sich die „Fleischproduktion“ an die Fast-Food-Gewohnheiten der Menschen angepasst: Tiere werden nur so lange gehalten, als sie den höchsten Ertrag erzielen, dann haben sie ihr Leben verwirkt! Zuvor bereits werden sie für ihre spätere Bestimmung gezüchtet. Sollten Sie also kleine Eier im Osternestchen vorfinden, so können sie von Massentierhaltung und Massenproduktion ausgehen. Das Huhn, das das Ei gelegt hat, gibt es vielleicht schon gar nicht mehr. Grosse Eier kommen meist vom Bauern-hof von nebenan, wo vielen der Tieren unter Umständen doch noch ein zweites Jahr gegönnt wird. Und vielleicht auch Auslauf im Freigehege, denn das Gros dieser Legehennen wird zwar inzwischen am Boden gehalten, sie sehen jedoch niemals Tageslicht und vegetieren trotzdem zwischen den Kadavern ihrer Leidensgenossinnen, die diesen Horror nicht überlebt haben.
Doch ist dies noch lange nicht alles: Gebraucht werden Hennen und nur ganz wenige Hähne. Die Hennen sollen die Eier für die beiden Haupt-Saisonen Weihnachten (Keks-und Kuchen-Leckereien) und Ostern „produzieren“. Die wenigen Hähne müssen befruchten – also Küken „produzieren“. Dabei besagt eine Daumerregel: Ein Hahn für sieben Hühner! Ein fatales Verhältnis! Nach Angaben der Tierschutzorganisation PETA werden jährlich nach dem sog. „Sexen“ (also dem Trennen von Männlein und Weiblein – letzteren wird dabei der Schnabel gekürzt) nicht weniger als 50 Mio männliche Eintagsküken, aber auch Überschussküken vergast, lebendig geschreddert oder bereits im Ei getötet werden. Sie können auch nicht als Mast-Hahn herangezogen werden, da diese Hühner einen ausgeprägten Brustmuskel haben sollten. Dies ist bei Hähnen nicht möglich.
https://www.facebook.com/watch/?v=10160161011635564
Das Vergasen und Schreddern der Kücken ist in Deutschland seit 2022 verboten, in Österreich seit 2023. Da das Schreddern am lebendigen Leib als rasche Tötung angesehen wird, wurde dies lange Zeit lang als bessere Tötungsmethode angesehen. Und im Ei? Am siebten Bebrütungstag entwickelt sich beim Embryo das Schmerzempfinden. Deshalb sind beispielsweise bei dieser Methode in Österreich Betäubungsmassnahmen vorher durchzuführen. Wie diese auszusehen haben, ist jedoch nicht im Gesetz beschrieben! Viele Betriebe haben sich jedoch inzwischen dafür entschieden, die Kücken in jenen Ländern töten zu lassen, wo dies noch erlaubt ist.
Hühner haben ihren Brutinstinkt aufgrund der Spezialisierung komplett abgelegt – in den Vermehrungsbetrieben erfolgt die Brut künstlich. Dadurch fallen auch keine Hennen mehr für die Eierproduktion aus – der Gewinn kann maximiert werden!!! Auch die Legehennen (vornehmlich hochleistungsgezüchtete Hybridhühner) erwartet ein zumeist schreck-liches Ende. Völlig ausgemergelt werden sie nach einem Jahr brutalst in Kisten verpackt und bei vollem Bewusstsein geschlachtet.
http://www.soylent-network.com/doku/20huehnerschlachtung.htm
PETA nennt auf der Website die drei grössten „Hühnerproduktions-betriebe“, die ich aus rechtlichen Überlegungen in diesem Text nicht erwähnen möchte. Ob ein Huhn nun künftig Bio-Eier legen wird oder nicht, das entscheidet sich erst durch das Aufkleben der Lieferadresse auf die mit gesexten Küken vollgestopften Kartons. Zuvor gibt es keinerlei Unterschiede – ausser: Es handelt sich beim Biobauern auch tatsächlich um einen Hobbyzüchter.
Ernährungswissenschaftler raten nicht ab vom Verzehr von Hühnerfleisch oder Hühnereiern. Jedoch sollte beides in Maßen erfolgen. Gerade in den Eiern lagern sich gerne Antibiotika oder Salmonellen bzw. wie schon des öfteren bemerkt auch Dioxin und andere Schadstoffe an, da das Huhn alles in die Eierproduktion pumpt. Daneben haben sie einen sehr hohen Cholesterin-Gehalt, der den LDL- (low density lipoprotein) und den HDL-Spiegel (high densitiy lipoprotein) des gesunden Menschen durchaus beeinflussen kann. Der Grenzwert des HDL-Cholesterin-Spiegels liegt ab einem Alter von 18 Jahren bei 200 mg/dl. Ein einziges durchschnittliches Ei besitzt 250 mg. Dies entspricht dem Tagesbedarf einen Erwachsenen. Der Grenzwert des LDL-Cholesterins richtet sich nach dem individuellen Risikoprofil. Soll heissen, dass er bei einer Vorerkrankung wie Herzinfarkt oder Schlaganfall wesentlich geringer sein muss als bei gesunden Menschen.
Ich muss eingestehen, dass auch ich gerne ein Ei zum Sonntagsfrühstück geniesse oder ein Pasta-Fan, also Nudelfreak, bin. Doch hat sich nun meine Einstellung zum Hühnerei durch die Recherche zu diesem Blog grundlegend geändert. Ich achte darauf, welch wertvolles Gut ein solches Ei ist und wieviele Tiere dafür haben leiden müssen. Ich suche mir zudem einen Bauern, bei welchem ich weiss, dass die Hühner Auslauf haben, im Gras picken können und zumindest zwei Jahre überleben (grössere Eier als bei der industriellen Landwirtschaft). Vorsicht: Auch der Bauernmarkt ist hierfür leider kein Garant mehr. So ist mir eine Marktfrau bekannt, die auch Eier von „glücklichen“ Hühnern verkauft. Jeweils zum Ende der Legesaison werden rund 90 von ihnen geschlachtet – sie überleben ihr erstes Lebensjahr nicht!
PS:
Zuletzt noch eine wichtige Erklärung zur Kennzeichnung auf den Eiern – für den denkenden und kritischen Konsumenten (Quelle: Vier Pfoten).
Beispiel: 0-DE-1234567
Die erste Zahl beschreibt die Haltung der Hühner:
0 – Aus biologischer Landwirtschaft
1 – Freilandhaltung
2 – Bodenhaltung
3 – Käfighaltung
Dann folgt das Länderkürzel:
AT – Österreich
DE – Deutschland
NL – Niederlande
Links:
Glück – ein seltenes Gut
Posted on 03/21/26 by Ulsto„Die Absicht, dass der Mensch glücklich sei, ist im Plan der Schöpfung nicht enthalten.“
(Siegmund Freud)
Nach einigen Blogs mit politischem, technologischem und naturwissen-schaftlichem Hintergrund, möchte ich heute mal ein Thema philo-sophisch/neurologisch angehen: Was ist Glück?!
Ist es Glück, beim Lotto zu gewinnen? Ist es Glück, im Urlaub einen freien Liegestuhl am Pool zu ergattern? Oder ist es gar Glück, vor dem heran-nahenden Auto noch rasch wegspringen zu können?! Gibt es überhaupt Glück und Glücksmomente?
Am 20. März war „Weltglückstag“ – beschlossen am 28. Juni 2012 durch die Hauptversammlung der Vereinten Nationen, seit 2013 wird er jedes Jahr gefeiert.
Für viele hat das Wort „Glück“ eine andere Bedeutung. Für die meisten Jugendlichen ist Glück möglichst viele Follower zu haben, für Erwachsene die Rechnungen zahlen zu können, für Senioren gesund zu sein! Glück neurologisch erklärt ist relativ einfach, meint zumindest der klinische Neurologe Christof Kessler in seinem neuen Buch „Glücksgefühle“. Im „Belohnungs- und Motivationssystem“ des Gehirns entsteht der Eindruck „Gut gemacht!“. Nun erfolgt die Ausschüttung des Glückshormons Dopa-min, das uns all die vorhergegangenen Anstrengungen vergessen lässt! So können viele Marathonläufer nach dem Überqueren der Ziellinie noch weiterlaufen – die meisten sind überglücklich, dass sie das Ziel erreicht haben und merken in diesem Augenblick nicht, dass der Körper dieses Mal mehr ramponiert wurde, als im letzten Lauf. Diese Mischung aus Stolz und glücklich sein motiviert unheimlich, damit dieses Gefühl erneut erreicht werden kann. Auch Alkohol und Drogen können ein solches Glücksgefühl vorspielen, doch ist in den meisten Fällen danach, das Loch, das sich im Kater auftut, umso tiefer. Dadurch dauert auch die Erinnerung an diesen Glücksmoment wesentlich kürzer an als bei einer natürlichen Glückssituation, ohne Starthilfe.
Solche Augenblicke des Glücks sind in unserer schnelllebigen Welt sehr selten geworden. Deshalb boomen die Glücksratgeber und Glücks-seminare. Da jedoch jeder etwas anderes unter Glück versteht, ist es nicht wirklich ganz einfach, eine stets geltende Formel ausfindig zu machen. Eines jedoch sollte sich jeder zu Herzen nehmen: Teile Deine Projekte in kleinere Module. Dadurch ist es einfacher, Glück zu verspüren, das dann die Motivation für das nächste Modul bringt. Die Produktion von Dopamin nimmt übrigens mit zunehmendem Alter ab.
Viele Menschen sprechen von Glück, wenn sie ausgeglichen und zufrieden durch’s Leben gehen. Kann nicht geleugnet werden, obgleich es neurologisch etwas anderes ist. Schliesslich steckt mit dem Serotonin ein anderes Hormon dahinter. Es regt zudem eine etwas andere Hirnregion an, nämlich jene, die für das Gleichgewicht der Gefühle und somit die emotionale Regulation verantwortlich zeichnet. Zufriedenheits-glück ist alsdann etwas anderes als das Glück. Oftmals spielt dabei die Lebensweise eine ganz entscheidende Rolle. Glücksforscher haben entdeckt, dass eine gesunde Ernährung und viel Sport für ein grösseres Zufriedenheitsglück sorgen als Fastfood und Couching. Bevölkerungs-studien zur Depression haben aufgewiesen, dass vornehmlich die medi-terrane Ernährung mit viel Obst, Fisch und Gemüse sowie wenig Fleisch vielen Depressionen vorbeugen kann. Auch dieses andere Glück lässt sich allerdings manipulieren. So ist die Vorstufe des Serotonins, das Trypto-phan, in vielen Nahrungsmitteln enthalten: Hühnereier, Nüsse, Soja-bohnen und schliesslich der Schokolade. So manch Eine(r) verhilft sich mit v.a. der Schokolade über einen depressiven Moment hinweg. Im zunehmenden Alter kann jeder die Grundzufriedenheit verbessern: Durch die Anzahl der kleinen Erfolgserlebnisse. Deshalb bezeichnet es die Hirnforschung als extrem wichtig, sich auch im Alter geistig zu fördern, weiter zu lernen.
Zu vieles Denken macht unglücklich! Eine wissenschaftlich untermauerte Feststellung. Allerdings kann unser Gehirn nicht so ohne weiteres „abgeschaltet“ werden. Auch während des Schlafens denkt jeder Mensch weiter – einerseits zur Verarbeitung des Erlebten, andererseits werden Planungen für die Zukunft durchgeführt („Stimulus-unabhängiges Netz-werk“). Untersuchungen ergaben, dass spezielle Meditationstechniken tatsächlich das Denken stoppen können. Andere entspannen aber auch bei Musik oder einem guten Buch.
„Das Sozialprodukt ist wichtig, doch es kann niemals erfassen, wie glücklich ein einzelner Mensch ist!“
(Bruno Frey)
Was also macht uns wirklich glücklich? Sorgen Sie für die täglichen Glücksmomente. Kleinere Aufgaben, die nach Abschluss mit Dopamin belohnt werden. Ist die Aufgabe zu gross, beginnt wieder das Denken nach einer Gesamtlösung. Der Glücksforscher Bruno Frey schaffte sich nicht wirklich viele Freunde, als er meinte, dass Kinder nicht unbedingt ausschlaggebend für das Glück sind. Auch das Geld ist nicht entscheidend. Beides kann zu einem Teil dazu beitragen.
Beim jährlich veröffentlichten World Happines Report der UNO geben die Skandinavier und die Schweizer immer wieder an, die glücklichsten zu sein. Tatsächlich konnten zum bereits neunten Mal in Folge (von bisher 14 Reports) die Finnen den Sieg nach Helsinki holen, gefolgt von Island und Dänemark. Die Schweiz liegt auf dem 10., Deutschland auf dem 17. und Österreich auf dem 19. Platz. Interessant – Israel auf Rang 8, die USA auf 23! Hier sollte fairerweise erwähnt werden, dass die Befragungen vor dem Angriffskrieg Israels und der USA gegen den Iran durchgeführt wurden!
Frey erstellte hierauf aufbauend eine Liste von Glücksfaktoren:
.) Soziale Vernetzung
Der ständige Austausch mit wirklich guten Freunden, Bekannten und der eigenen Familie ist für Frey der wohl wichtigste Glücksfaktor. Ausserdem hilft ein gutes vertrauliches Gespräch unter Freunden die Seele wieder freizuschaufeln
.) Gesundheit
Kranke Menschen sind zumeist nicht glücklich. Die körperliche und geistige Gesundheit ist eine wichtige Glücksvoraussetzung.
.) Materielle Sicherheit
Arme Menschen müssen zu viel bei allem an die Kosten und das Geld denken. Am glücklichsten sind jene, die von ihrem Einkommen gut und sorgenfrei leben können. Zuviel Geld jedoch ist ein Glückskiller.
.) Gesellschaftliche Faktoren
Am glücklichsten sind kinderlose Menschen, die in einer dezentralen Demokratie leben und einer selbständigen Arbeit nachgehen. Hinzu kommt die Eigenschaft, geben zu können und möglicherweise noch im Ehrenamt tätig zu sein. Menschen mit Kindern müssen sich weitaus mehr Gedanken über ihre finanzielle Situation, andere Wohnverhältnisse, ein grösseres Auto und schlaflose Nächte machen.
Viele Glücks-Trainer und Mental-Coaches bemühen sich, Menschen das offenbar verlernte Glücklichsein zurückzubringen. Gute Nachricht: Es ist machbar! Der ausschlaggebende Faktor ist die positive Einstellung. Nicht jedem ist es vergönnt, in seinem Traumberuf tagtäglich Glücksgefühle zu erleben. Dafür gibt es leider zu wenige Hotels an Traumstränden, die man managen könnte. Dennoch ist die Zufriedenheit im Beruf und die Glücksmomente während der Arbeit immens wichtig, da sie auch in’s Privatleben einspielen. Es besteht also eine immens wichtige Wechsel-wirkung. 20.000 Arbeitnehmer haben Jan-Emmanuel De Neve und George Ward von der London School of Economics europaweit im Rahmen der Studie „Happiness at Work“ befragt. Das Ergebnis: Mitarbeiter sind zufriedener und glücklicher, wenn sie selbst mitentscheiden und unter-schiedlichen Tätigkeiten nachgehen können. Chefs, welche die Stärken ihrer Mitarbeiter nicht einzusetzen wissen, sind keine guten Chefs! Kommt noch ein gutes Betriebsklima und das Gefühl hinzu, einen sicheren Job zu haben, so sind die Grundbausteine für zufriedene Arbeitnehmer gelegt. Sie nehmen in weiterer Folge quasi das Zufriedenheitsglück aus der Arbeit auch in ihr Privatleben mit, das für eine ausgezeichnete Work-Life-Balance sorgt. Dem verleihen sehr viele Glücksforscher einen immens hohen Stellenwert. Andere wie De Neve/Ward sehen die Work-Life-Balance darin, wenn nach der Arbeit noch möglichst viel Elan für private Unternehmungen übrig bleibt. Welcher Typ sind Sie? Geschafft nach dem Job und ab auf die Couch? Freuen Sie sich darauf, nach der Arbeit noch mit den Kindern gemeinsam Fussball zu spielen? Lassen Sie nach der Arbeit die Sause so richtig abgehen? Oder gehen Sie auch gerne auf ein Feierabend-Bierchen mit Kollegen oder Freunden?
Glück zeigt sich für jeden anders! Doch in einem sind sich Glücksforscher einig: Ein zentraler Faktor ist die Charakterstärke! Das lasse ich nun einfach so im Raume stehen!
Gestatten Sie mir abschliessend zwei Fragen:
1. Wann waren Sie das letzte Mal wirklich glücklich (Dopamin)?
2. Sind Sie mit ihrem Leben generell zufrieden (auf einer Skala von 1 für nein bis 10 für ja) (Serotonin)!
Gibt es Nachholbedarf? Auf was warten Sie – es ist Ihr Glück! In Bhutan ist Glück wertvoller als alles Geld! Hier gibt es auch einen eigenen Glücks-minister. Einer dieser war der verstorbene Dr. Ha Vinh To, der bei einem Österreichbesuch meinte, dass die Österreicher zu viel „nörgeln“ würden!
Links:
Lesetipps:
.) Ins Glück stolpern. Suche dein Glück nicht, dann findet es dich von selbst; Daniel Gilbert; Goldmann Verlag 2006
.) Lebenskunst und Moral. Oder macht Tugend glücklich?; Otfried Höffe; Beck 2007
.) Glück. Was ist das?; Günther Bien; Knecht 1999
.) Wo geht’s denn hier zum Glück. Meine Reise durch die 13 glücklichsten Länder der Welt und was wir von ihnen lernen können; Maike van den Boom; Fischer Krüger 2015
.) Psychologie des Glücks. Ein Handbuch; Anton Bucher; Beltz 2009
.) Glücksvorstellungen. Ein Rückgriff in die Geschichte der Soziologie; Alfred Bellebaum; Westdeutscher Verlag 1997
