Von Putins Gnaden
Posted on 09/05/26 by Ulsto„Ich weiß nicht, wie ich leben soll!“
(Michail Fridman, milliardenschwerer russischer Oligarch)
Immer wieder ist von ihnen zu hören, doch lieben die meisten derer die Verborgenheit – vor allem ausserhalb Russlands: Die Oligarchen! Viele hierzulande kennen zwar den Ausdruck, wissen jedoch nicht viel damit anzufangen – ausser, dass er mit verdammt viel Geld behaftet ist! Auch über die Hintergründe dieser reichsten und mächtigsten Männer Russ-lands ist meist nur wenig bekannt. Hier möchte ich heute ansetzen und etwas Aufklärungsarbeit leisten.
In der westlichen Hemisphäre werden sie mit den beiden Wörtern „Finanztycoon“ oder „Wirtschaftsmagnat“ umschrieben, die reichen Industriebosse und Finanzspekulanten. Da tauchen stets Namen wie Bezos, Musk, Gates, Bloomberg, Buffet, Fink, etc. auf. Während sich viele beim Flaschensammeln Gedanken darüber machen müssen, wie sie diese Woche überleben sollen, verdienen derartige Grossindustrielle und Geldspezialisten in nur einer Sekunde mehr als viele andere in einem ganzen Monat. Im Reich Putins heisst diese ganz spezielle Spezies „Oligarch“. Sie gehen im Kreml ein und aus – ohne ihre Beteiligung läuft in der russischen Wirtschaft nichts mehr! Eine Mannschaft auf der obersten Sprosse der Leiter, die hochkarätiger nicht sein kann. Die beiden wohl bekanntesten unter ihnen dürften Roman Abramowitsch und Oleg Deripaska sein – doch entstammen sie nur dem Mittelfeld. Dennoch ist in diesen Reihen nach der Invasion Russlands in der Ukraine kein Stein mehr auf dem anderen geblieben. Die russische Wirtschaft liegt am Boden, Staatsanleihen haben nurmehr Ramsch-Wert, der Rubel verliert täglich an Wert, die Vermögen im Ausland sind gesperrt! Ja – dieser von Putin veranlasste Krieg, gerne als „kleiner Konflikt“ bezeichnet und seine krankhafte Sucht auf angebliche Nazijagd hat in diesen Kreisen den einen oder anderen Kopf gekostet. Auch wenn die meisten unter ihnen ihr Vermögen mit Gas oder Öl aufbauten, auf das der Westen alsdann weiter-hin angewiesen sein wird. Doch wer sind diese Menschen, die den Des-poten bei der Jagd begleiten, ihn in seinem Schloss besuchen und bei Sportveranstaltungen direkt neben ihm sitzen dürfen? Allerdings von ihm auch sehr rasch durch Verstaatlichung enterbt, mundtot gemacht und noch bestenfalls des Landes verwiesen werden können. So manch Einer kam auch durch einen mysteriösen Sturz zu Tode. Gegen diese Superreiche wurden die ersten Sanktionen verhängt, sie verlieren jeden Tag zig Millionen ihres Vermögens – es sind die mächtigsten Männer aus Wirtschaft und Finanz an Putin’s Seite und vor allem: Mit dessen Segen! Allerdings zählen nicht alle zum „Silowiki“, dem engsten Machtzirkel des russischen Präsidenten.
Igor Sechin („Darth Vader“)
Sechin scheint zwar nicht in den vorderen Plätzen der Forbes-Liste der reichsten Russen auf, doch soll dies nicht von seiner Macht ablenken. Er gilt seit seiner Zeit als dessen Privatsekretär in den 1990er Jahren als engster Vertrauter des Staatspräsidenten und zweitmächtigster Mann Russlands. Seine Sporen verdiente er sich mit der Zerschlagung des Yukos-Erdöl-Konzerns, das der damalige Oligarch Michail Chodorkowski (mehr zu ihm später) leitete. Es glich einer Verstaatlichung der Aktien-gesellschaft zugunsten des angeschlagenen staatlichen Konzerns Rosneft. Sechin war damals stellvertretender Leiter der Präsidial-administration. Nach einem kurzen Intermezzo als Präsidentenberater wurde er am 27. Juli 2004 zum Vorstandsvorsitzenden von Rosneft. Im April 2011 forderte Präsident Medwedew Sechin zum Rücktritt auf, bis zum 21. Mai 2012 übte er in Putin’s Kabinett die Funktion des stellvertretenden Ministerpräsidenten der Russischen Föderation aus. Am 22. Mai 2012 berief Putin seinen Gefolgsmann erneut in die Vorstands-ebene des verstaatlichten Erdölkonzerns. Anno 2016 zeichnete er verant-wortlich für die Verhaftung von Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew. Damit Sechin jedoch seinem Förderer nicht zu mächtig werden sollte, machte Putin den ehemaligen deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder zum Vorsitzenden des Aufsichtsrates. Sechin steht seit der Annexion der Krim 2014 auf der Sanktionsliste, sein Sohn Ivan folgte nun mit dem russischen Einmarsch in die Ukraine. Sechins Jahreseinkommen lag einst bei 50 Mio US-Dollar (Forbes 2013) bzw. 13 Mio (ebenfalls Forbes 2016). Seine 1.229 qm grosse, fünfstöckige Wohnung in Moskau dürfte einen geschätzten Marktwert von 26,3 Mio Euro aufweisen. Anfang März beschlagnahmte der französische Zoll in La Ciotat die Luxus-Yacht Amore Vero , die einem Unternehmen gehöre, in dem Sechin Gross-aktionär ist. Sie war dort zur Reparatur, wurde jedoch eilendst reisefertig gemacht, obgleich die Arbeiten noch gar nicht beendet waren.
https://www.superyachtfan.com/de/yacht/amore-vero/
Kurz danach beschlagnahmten die spanischen Behörden in Tarragona die 135 m lange Mega-Yacht Crescent (Wert: 600 Mio Dollar), die Igor Sechin gehören könnte. Sie segelt unter der Flagge der Kaimaninseln.
https://www.superyachtfan.com/yacht/crescent/
Auch bei seinem relativ guten Gehalt kann sich der 1960 in Leningrad (heute St. Petersburg) Geborene einen solchen hohen Lebensstandard eigentlich gar nicht leisten! Sechin zählt zum Silowiki – er dürfte nach Einschätzung von Experten direkten Einfluss auf Putin’sche Entschei-dungen haben.
Sergei Borissowitsch Iwanow
Auch Iwanow wurde in Leningrad geboren – am 31. Januar 1953. Nach seinem Studium (Englisch und Schwedisch) wurde er durch den KGB angeworben. Dort war er für die Gegenspionage zuständig. In dieser Funktion lernte er Wladimir Putin kennen. Dieser holte Sergei dann auch 1998 als Direktorsstellvertreter zum Inlandsgeheimdienst FSB. Von 2001 bis 2007 leitete er das Verteidigungsministerium, danach bekleidete er die Funktion des 1. Stellvertretenden Ministerpräsidenten. Von 2011 bis 2016 schliesslich stand er der russischen Präsidialverwaltung vor. Iwanow galt lange Zeit als aussichtsreichster Nachfolger seines Förderers. Im Jahr 2016 soll er selbst um seine Amtsenthebung gebeten haben, er wurde Sonderbeauftragter für Naturschutz und Transport. Mit der Annexion der Krim wurde Iwanow von den USA auf die Sanktionsliste gestellt. Als ständiges Mitglied des Sicherheitsrates gehörte er zum Silowiki. Mit der Invasion in der Ukraine wurde nun auch sein Sohn, Sergej Iwanow jun., auf die Sanktionsliste gehoben. Dieser hat eine steile Karriereleiter vorzu-weisen: Gazprom, Gazprombank (Vizechef), Landwirtschaftsbank Rossel-chosbank (Aufsichtsratsvorsitzender), Versicherungsgesellschaft Sogas (Vorstandsvorsitzender), stv. Vorstandsvorsitzender der Sberbank und 2018 schliesslich Vorstand von Alrosa, einem der weltweit grössten Diamentenproduzenten. Daneben jeweils einen Vorstandssessel bei Rosneft, mehreren Tochterunternehmen der Sberbank sowie beim Rentenfonds Gasfonds. Sergei Borissowitsch Iwanow verstarb im Juni 2026 73-jährig – eine Todesursache wurde nicht bekannt gegeben!
Alexander Wassiljewitsch Bortnikow
Unter Staatspräsident Medwedew wurde im Jahr 2008 der Armeegeneral Bortnikow Leiter des Inlandsgeheimdienstes FSB. Im Dezember des Jahres 2017 erregte er international die Gemüter, als er in einer Rede auf dem Parteitag die Stalinschen Säuberungen von 1930-1940 rechtfertigte. Der General soll an den Planungen der Ukraine-Invasion beteiligt gewesen sein. Der ukrainische Geheimdienst berichtet ganz offen von etwaigen Putschplänen gegen Putin, wobei auch der Name des Generals als möglicher Nachfolger angeführt wird. Ob dadurch ein gefährlicher Gegner abgesägt werden soll oder die Berichte auf Tatsachen beruhen, sei vorerst dahingestellt. Bortnikow wurde 2014 auf die Sanktionsliste gesetzt. Nach dem Giftanschlag auf den Oppositionellen Nawalny 2020 wurden diese Massnahmen verschärft. Auch sein Sohn Denis ist davon betroffen. Seine Bankenkarriere wurde durch den Aufstieg seines Vaters richtiggehend pulverisiert. Derzeit ist er stellvertretender Vorstand in der zweigrössten Bank Russlands, der VTB. Bortnikow sen. startete am 09. August 2024 eine Antiterrorismus-Operation gegen die ukrainischen Streitkräfte. Ein Jahr später behauptete er, dass der britische Geheimdienst MI6 Ukrainer für Sabotage-Aktionen in Russland angeworben haben soll – freilich fehlten die Beweise. Derzeit kursieren Gerüchte über seinen angeblich schlechter werdenden Gesundheitszustand.
Kirill Schamalow
Papa hat’s gerichtet – was denn sonst! Nikolai Schamalow gründete gemeinsam mit Putin die Datschenkooperative „Osero“ bei St. Petersburg. Er zählt zum Silowiki, die Mitglieder von Osero sind in den meisten hohen Polit- und Wirtschafts-Ämtern zu finden. Schamalow verfügt auch über Anteile an Rossija, einer Privatbank, die unter Putin in ungeahnte Höhen aufstieg. So kaufte sie 2004 das Versicherungsunternehmen Sogas, das inzwischen den Pensionsfonds Gazfonds managt. 2005 wurde Sohn Juri Schamalow Präsident des Fonds. Sohn Kirill soll gar 2013 Putins Tochter Jekaterina Tichomirowa geehelicht haben. Kurz zuvor wurde dieser Vizepräsident des Chemieunternehmens Sibur und erhielt sozusagen als Hochzeitsgeschenk eine Apanage in der Höhe von 4,3 % Aktien des Betriebes. Diese musste er nach dem Ende der Beziehung zwar wieder zurückgeben. Allerdings blieb er offenbar seinem Schwiegervater treu. Mittels Kredit der Gazprombank erwarb er weitere 17 % vom Oligarchen Timchenko – die Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg vermutet jedoch, dass er dies nur offiziell, stellvertretend abgewickelt hatte. Er ist nach wie vor Vizepräsident des Unternehmens und wurde 2018 von Forbes mit einem geschätzten Vermögen von 1,4 Milliarden als jüngster Dollar-Milliardär geführt – ein Jahr später allerdings waren es „nurmehr“ 950 Mio!
Gennadi Nikolajewitsch Timchenko
Forbes führte 2022 den 69-jährigen auf Platz 9 in der russischen Milliardärsliste (Platz 78 weltweit). Sein Vermögen wurde damals auf über 12,7 Milliarden Dollar geschätzt. Die USA sanktionierten den russisch-finnischen Oligarchen bereits 2014. Damals musste er seine Anteile am Rohstoffhandelsunternehmen Gunvor mit Sitz auf Zypern verkaufen. Allerdings besitzt er ein grosses Aktienpaket am Gasunternehmen Novatek (20,77 %), das er über seine luxemburgische Holding Volga Group erworben hatte. Die EU und Grossbritannien haben Timchenko mit dem Einmarsch in der Ukraine auf die schwarze Liste gesetzt, sein Vermögen in London eingefroren. Italienische Behörden beschlagnahmten 2022 seine Yacht „Lena“ in San Remo.
https://www.superyachtfan.com/yacht/lena/
Der Milliardär traf den Despoten im Jahr 1990. Seither gilt er als Wegge-fährte und enger Freund Putins. Timchenko handelte bereits Anfang der 90er Jahre mit Öl. Hierfür erhielt er vom damaligen Vizebürgermeister von St. Petersburg, Wladimir Putin, Zugriff auf den Ölterminal der Stadt. Dabei profitierte er stark von der Zerschlagung des Ölkonzerns Yukos. 2007 gründete er gemeinsam mit dem Schweden Torbjörn Törnqvist das Rohstoffhandelsunternehmen Gunvor. Über dieses, aber auch die Volga Group in Luxemburg könnten alsdann Putin-Milliarden in’s Ausland geflossen sein, vermuten mehrere Geheimdienste. Dieser belohnte ihn dafür mit Grossaufträgen für Stroitransgas bei der Fussball-WM und den Olympischen Spielen von Sotschi; mindestens 50 % des Baukonzerns gehören der Familie Timchenko. Der Oligarch hat aus steuerlichen Gründen seinen Wohnsitz 2001 in die Schweiz verlegt. In Genf legte er für seinen Grundbesitz nicht weniger als 8,4 Mio CHF auf den Tisch (2014 wurde das Anwesen auf 18 Mio CHF geschätzt). Dort lebt nach wie vor seine Familie, er selbst ist jedoch wieder nach Moskau zurückgekehrt. Mit Schmunzeln reagiert nun der Schreiberling dieser Zeilen auf den Satz Timchenkos aus dem Jahr 2008, wonach seine „mehr als zwanzigjährige Karriere in der Ölindustrie nicht auf Gefallen oder politischen Verbindungen aufgebaut worden“ sei.
Alexei Borissowitsch Miller
Einen der wohl schwersten Kapazunder Russlands verkörpert Alexei Miller. Der 1962 (ganz zufälligerweise ebenfalls) in Leningrad geborene Manager ist Vorstandsvorsitzender und stv. Aufsichtsratsvorsitzender des wohl grössten Gaslieferanten der Welt und dem grössten russischen Unternehmen: Gazprom! Nach seinem Studium war er angeblich Bürobote des damaligen Vizebürgermeisters Wladimir Putin und als solcher für die Überbringung von Geldkoffern verantwortlich. Danach übernahm er selbst den Schlüssel für das Rathaus in St. Petersburg. Später leitete er den Hafen der Stadt und wurde nach einem Jahr als Generaldirektor des Baltischen Pipelinesystems russischer Energieminister. Schon 2001 jedoch ereilte ihn der Ruf seines Förderers – er löste bei Gazprom Rem Wiachirew ab und leitete die Umstrukturierung des Staatsbetriebes zu einem multinationalen Konzern ein. Der Börsenwert des Unternehmens stieg von 9,8 Milliarden bei der Übernahme auf 300 Milliarden US-Dollar. Allerdings setzten in den letzten Jahren die Finanz- und Wirtschaftskrise, aber auch die Pandemie dem Konzern arg zu – der Börsenwert 2021 betrug nurmehr 69 Milliarden. 2013 reihte ihn Forbes erstmals in die Liste der mächtigsten Männer dieser Erde ein. Gazprom beherrscht grosse Teile der russischen Wirtschaft, obgleich Rosneft besser notiert ist. Nach der Krim-Annexion landete er auf der US-Sanktionsliste, mit dem Einmarsch in die Ukraine auch auf jener der EU und Gross-britanniens. Miller und Sechin wetteifern um die Gunst des Staats-präsidenten. Miller verfügt über das Exportmonopol von Gas, weshalb Sechin dieses „Nebenprodukt“ der Erdölförderung nicht verkaufen darf. Das Vermögen Millers wird auf nur 200 Mio Euro geschätzt, als grösster Steuerzahler des Landes jedoch befindet er sich direkt an den Hebeln der Macht. Seine dreistöckige Penthouse-Wohnung in Moskau ist 775, seine Wohnung in St. Petersburg mit Blick auf die Eremitage 400 qm gross. Ein weiteres Anwesen mit darauf enthaltenen Palast 8.500 qm.
Michail Maratowitsch Fridman
Die Sanktionen haben den 57-jährigen von allen bisher genannten wohl am ärgsten getroffen. 1964 im ukrainischen Lwiw geboren, gründete er gemeinsam mit Pjotr Awen die Alfa Group, einen der grössten privaten Industrie- und Finanzkonzern des Landes. Dort agiert er nach wie vor als Aufsichtsratsvorsitzender, in mehreren Tochterunternehmen, wie etwa auch der Alfa Bank hatte er den Vorstandssessel inne. Den Banksessel gab er einen Tag nach der Verhängung der Sanktionen auf. Allerdings nennt er zudem dennoch 36 % der Bank-Aktien sein eigen. Als Vor-sitzender des Direktorenrates in der Alfa-Tochter TNK-BP hatte er seine Finger auch am Ölmarkt im Spiel – es ist der drittgrösste Ölkonzern Russlands. Seine Anteile jedoch musste er veräussern. Die Alfa Group importierte nach ihrer Gründung 1988 gemeinsam mit dem schweizerischen Unternehmen ADP Trading Tee, Zigaretten, Zucker sowie andere Waren nach und exportierte Öl aus Russland. Das Konsortium ist nach wie vor breit aufgestellt, zu ihm zählt neben vielen anderen das Telekommunikationsunternehmen Altimo bzw. die LetterOne Group in Luxemburg. Sein Privatvermögen wurde zu Beginn des Jahres 2022 auf 12,2 Milliarden Dollar geschätzt – damit fand er sich auf Platz 11 der reichsten Russen. Seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine soll er mehrere Milliarden verloren haben. Mit dem Rest kann er derzeit nicht viel anfangen. Die EU und auch Grossbritannien haben alle seiner Karten und damit das komplette Hab und Gut eingefroren. Fridman lebte vornehmlich in London, wollte aber nach Russland übersiedeln. Im Juni 2024 erklärte der EuGH die Sanktionen für nichtig. Um von der Sanktionsliste der EU zu kommen, verkauften er und Pjotr Awen Anfang 2025 ihre Anteile an der Alfa-Bank. Zuvor musste er von nurmehr 2.900 € im Monat das Auslangen finden und zudem bei jeglichem Geldtransfer die Genehmigung der britischen Regierung einholen. Fridman zählt ebenfalls zu den engeren Freunden Putins, weist aber stets die Vorwürfe nach „engen Beziehungen“ zur russischen Regierung zurück. Zudem habe er mehrfach betont, dass Krieg niemals eine Antwort sei – somit hat er sich als einer der wenigen kritisch zu Putins Kriegsplänen geäussert.
Michail Borissowitsch Chodorkowski
Wie schnell und tief der Fall von einem der reichsten und mächtigsten Männer Russlands (2004 schätzte Forbes das Vermögen des Oligarchen auf 15,2 Milliarden Dollar – Platz 16 der reichsten Männer der Welt) bis ins Straflager bzw. bestenfalls zur Abschiebung ins Ausland gehen kann, zeigt der Werdegang von Michail Chodorkowski auf. Bereits während seines Chemiestudiums engagierte er sich in der Jugendorganisation der KPdSU Komsomol. Nach Studienabschluss absolvierte er noch den Volks-wirtschaftslehrgang. 1987 übernahm er die Leitung des Komsomol-Unternehmens „Zentrum für wissenschaftlich-technisches Schöpfertum der Jugendstiftung für Jugendinitiative (NTTM)“. Dort importierte er u.a. Computer und Jeans und exportierte Matrjoschka-Puppen. 1989 folgte der Vorsitz bei der NTTM-Bank „Innovationsbank für wissenschaftlich-technischen Fortschritt“ – eine der ersten Privatbanken Russlands. Über sie löste Chodorkowski die NTTM vom Obersten Sovjet los und gründete die Menatep-Invest, die in der zusammenbrechenden Sowjetunion rasch an Boden gewinnen konnte und Chodorkowski an Macht. Er war ab 1992 im Beraterstab des russischen Präsidenten Boris Jelzin vertreten und bekleidete mehrere politische Ämter. In Auktionen konnte die Menatep-Invest als Hausbank des Ölförderunternehmens Yukos zuerst rund 45 % und schliesslich die Aktienmehrheit am Konzern übernehmen. Chodorkowski wechselte in den Vorstand des Ölkonzerns. Diesen strukturierte er gemäss seines Leitmotivs „Ehrlichkeit, Offenheit und Verantwortung“ auf westlichen Standard um. Dabei versuchte er jedoch stets, durch die Finanzierung von Parteien wie Jabloko, die Kommunisten und auch der Regierungspartei Einiges Russland einen Fuss in der Innenpolitik zu behalten. Allerdings beschuldigte er die Regierung der Korruption, beabsichtigte mit Exxon Mobil und Chevron Texas zwei Ölmultis aus den USA an Yokus zu beteiligen und meinte lautstark vor den Duma- und Präsidentenwahlen, dass er als reichster Mann Russlands nicht nur Parlamente sondern auch Wahlergebnisse kaufen könne. Vor laufenden TV-Kameras gerieten sich im Februar 2003 Putin und Chodorkowski beim Thema Korruption in die Haare. Am 25. Oktober 2003 wurde er bei einem Zwischenstopp seines Flugzeugs in Nowosibirsk verhaftet und wegen Unterschlagung und Steuerhinterziehung angeklagt. 2005 folgte das Urteil zu neun Jahren Haft, später verkürzt auf acht Jahre. Im Dezember 2010 erfolgte die Verurteilung zu sechs weiteren Jahren wegen Unterschlagung von 218 Mio Tonnen Öl und Geldwäsche. Im Februar 2011 kündigte der damalige Staatspräsident Dmitri Medwedew die Überprüfung der zweiten Verurteilung Chodorkowski, seines Mitstreiters und Kollegen Lebedew und weiterer 30 Beschuldigter an. Der Tatvorwurf des Milliardendiebstahls wurde alsdann nicht mehr erhoben. 2012 verringerte ein Moskauer Bezirksgericht die Haftstrafen Chodor-kowskis und Lebedews um zwei Jahre. Im Dezember stellte Chodorkowski ein erneutes Gnadengesuch und wurde überraschend einen Tag später kurz vor Weihnachten begnadigt. Welche Rolle der damalige deutsche Aussenminister Hans-Dietrich Genscher als Vermittler dabei einnahm, ist nach wie vor nicht bekannt. Der ehemalige Oligarch lebt inzwischen in London. Während der Krimkrise rief er beide Seiten zum Einlenken auf. Der neuen prowestlichen Regierung der Ukraine sicherte er nach dem Euromaidan seine Unterstützung zu. 2017 engagierte er sich für die Präsidentschaftskandidatur des russischen Regierungsgegners Alexei Nawalny.
„Es geht nicht darum, Wladimir Putin zu ersetzen, sondern das System, welches zu meinem tiefen Bedauern in meiner Heimat entstanden ist.“
(Michail Borissowitsch Chodorkowski)
2022 wurde er vom russischen Justizministerium als ausländischer Agent eingestuft und erneut auf die Fahndungsliste gesetzt.
Und zum Schluss zum Meister persönlich. Schon vor einigen Jahren berichtete ein Finanzexperte vor dem US-Senat über das unglaubliche Vermögen Wladimir Putins. Damals war von 200 Milliarden Dollar die Rede. Doch weiss der Kremlchef dies gut zu verbergen – es fehlen die Beweise. Fakt ist, dass Putins Yacht „Graceful“ die Blohm & Voss-Werft in Hamburg bereits im Februar 2022 noch vor dem Einmarsch in die Ukraine in Richtung Kaliningrad völlig überstürzt verliess. Die Bootsbauer kamen nicht mal zu einer Probefahrt. Putins Dadscha, die Residenz am Kap Idokopas am Schwarzen Meer, wurde durch den russischen Architekten Lanfranco Cirillo geplant und von Spezstroi, einem Militärbauunter-nehmen, ab 2005 errichtet. Das 17.700 Quadratmeter grosse Gebäude steht in einem 68 Hektar grossen Anwesen und soll rund 1,1 Milliarde Euro gekostet haben.
Abschliessend noch einige Worte:
Es ist nicht der Neid, der mich angesichts solcher unvorstellbarer Vermögen zu diesem heutigen Blog bewogen hat. Es ist das System, das bislang nur wenige interessierte, da Russland weit weg scheint. Der Einmarsch russischer Truppen in einen unabhängigen Nachbarstaat jedoch hat aufgezeigt, dass uns diese besorgniserregende und gefährliche Entwicklung sehr wohl betrifft. Der erste wirklich grosse Krieg nach dem Zweiten Weltkrieg! Nicht vor den Toren, sondern vielmehr direkt in Europa! Tausende Menschen – darunter viele Zivilisten – starben inzwischen, zigtausende wurden verletzt, Millionen sind auf der Flucht! Für den Willen eines einzigen, vom Grössenwahn befallenen Despoten! Und niemand, nicht mal die Mächtigsten seines Landes, stellen sich ihm entgegen! Wie weit geht Loyalität? Bis zum eigenen Untergang? Bis zum möglichen Untergang unserer Welt?
PS:
An aktuellen, glaubhafte Zahlen nach dem Beginn des russischen Angriffskrieges 2022 ranzukommen, war trotz ausführlicher Recherche nicht möglich!
Filmtipp:
Der Fall Chodorkowski; Regie: Cyril Tuschi
Lesetipps:
.) Wohin steuert Russland unter Putin? Der autoritäre Weg in die Demokratie; Hrsg.: Gabriele Gorzka, Peter W. Schulze; Campus 2004
.) Das System Putin. Gelenkte Demokratie und politische Justiz in Rußland; Margareta Mommsen/Angelika Nußberger; C.H. Beck 2007
.) Putins Netz – Wie sich der KGB Russland zurückholte und dann den Westen ins Auge fasste; Catherine Belton; Harper Collins 2022
.) Russische Energiepolitik. Ent- oder Neuverflechtung von Staat und Wirtschaft?; Kirsten Westphal; Nomos 2000
.) The Political Economy of Russian Oil; Hrsg.: David Lane; Rowman & Littlefield, Lanham u. a. 1999
.) Michail Chodorkowski. Vom Jukos-Chefsessel ins sibirische Arbeitslager. Aufstieg und Fall des russischen Ölmilliardärs; Waleri W. Panjuschkin; Heyne 2006
.) Rich Russians: From Oligarchs to Bourgeoisie; Elisabeth Schimpfoessl; Oxford University Press 2018
Links:
Der Schlächter von Srebrenica
Posted on 08/29/26 by UlstoWir schreiben den 11. Juli 1995! Während des Bosnien-Krieges haben bosnische Serben gerade die UN-Schutzzone, die muslimische Enklave Srebrenica erobert. Was danach folgt, ist Völkermord!
Am 27. August dieses Jahres verstarb Ratko Mladić 84-jährig im UN-Gefängniskrankenhaus in Den Haag. Seine Biographie liest sich wie jene eines Massenmörders. Obgleich auch Mladić einst ein normales Leben hatte. 1942 in dem kleinen Dorf Božanovići 40 Kilometer südlich von Sarajevo geboren, jobbte er zunächst als Metallarbeiter, erkannte aber vorzeitig, dass dies nicht das war, was er eigentlich wollte. Also meldete er sich schon mit 15 Jahren beim Militär. Am 27. September 1965 beendete er die Militärakademie und wurde Berufssoldat in der jugos-lawischen Armee (JNA). Er arbeitete sich durch die unterschiedlichsten Positionen durch. Anfang der 1990er Jahren schloss er sich dem Kurs des Serben Slobodan Milošević an. Von nun an ging alles sehr rasch. So wurde er etwa am 04. Oktober 1991 zum Generalmajor befördert, nur ein knappes halbes Jahr später zum Generalleutnant. Bis zu diesem Zeitpunkt könnte man von einer „normalen“ militärischen Karriere sprechen. Am 2. Mai 1992 allerdings begann Mladić mit der Blockade von Sarajevo – vier Jahre sollte sie dauern. Alle Zufahrtsstrassen wurden blockiert, Wasser- und Stromleitung unterbrochen. Immer wieder wurde die Stadt von der Artillerie mit Granaten eingedeckt, Scharfschützen schossen in der Stadt auf alles, was sich bewegte. 10.000 Menschen kamen um’s Leben, darunter auch 1500 Kinder.
Eine Woche später wurde Mladić Stabschef-Vize-Kommandeur des Zweiten Militärdistrikthauptquartiers der JNA, einen Tag später übernahm er dessen Kommando.
Und dann kam dieser 11. Juli 1995: Mladić war inzwischen Ober-kommandierender der Armee der Serbischen Republik (VRS), einem Ableger der jugoslawischen Volksarmee, der sich aus bosnischen Serben und Angehörigen der Jugoslawischen Volksarmee, die aus Bosnien stammen, zusammensetzte. Nach der widerrechtlichen Einnahme der UN-Schutzzone Srebrenica ordnete er den Genozid an. An diesem und den darauffolgenden Tagen wurden mehr als 8000 bosnische Männer und männliche Jugendliche ermordet (inzwischen sind die Namen von 8.372 Opfern bekannt). Ihre Leichen wurden zunächst in Massengräbern zugeschüttet, später teilweise wieder ausgegraben und auf mehrere andere Massengräber verteilt, um Beweise zu beseitigen. Frauen und Kinder mussten Züge besteigen – sie wurden an die bosnische Grenze deportiert.
Am 24. Juni wurde Mladić zum Generalobersten befördert. 1995 klagte der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (ICTY – „UN-Kriegsverbrechertribunal“) in Den Haag Mladić wegen Völkermords an. Dieser aber entzog sich über 16 Jahre lang der Verhaftung. Obgleich für seine Ergreifung ein Kopfgeld von 5 Mio Dollar ausgesetzt war! Bis 2002 soll er völlig unbehelligt in Belgrad gewohnt haben. Am 26. Mai 2011 wurde Ratko Mladić in Serbien festgenommen. Schon am 03. Juni stand er erstmals vor Gericht. Am 22. November 2017 schliesslich wurde Mladić in 10 von 11 Anklagepunkten für schuldig gesprochen und zu lebenslanger Haft verurteilt. Knapp vier Jahre später wurde das Urteil durch die Berufungsinstanz des Nachfolgegerichtes bestätigt. Seither saß Mladić im Kriegsverbrechergefängnis des Internationalen Strafgerichts-hofes. Ein Antrag auf Entlassung wegen des schlechten Gesundheits-zustandes des Inhaftierten wurde abgelehnt.
Irritierend ist ein Bild vom 11. Juli 1995, das Mladić gemeinsam mit Oberstleutnant Thomas Karremans beim Weintrinken im Hotel Fontana zeigt. Karremans war damals Bataillonskommandeur des niederlän-dischen Peace-Keeping-Blauhelme-Kontingentes zum Schutz von Srebenica. 400 Mann unterstanden seinem Befehl. Er forderte bereits am 09. Juli NATO-Luftunterstützung zur Verteidigung der Region an. Am 21. Juli wurde das Dutchbat abgezogen. Mladić nutzte dies zur Verhöhnung der UN-Schutztruppe und deren Kommandeurs – weltweit im Fernsehen übertragen.
Mladić war zuletzt bettlägrig und auf einen Rollstuhl angewiesen. Untersuchungen zu seinem Tod wurden eingeleitet. Verabscheuungs-würdig war allerdings das Verhalten der deutschen AfD während der 30 Jahre- Erinnerungsveranstaltung im Deutschen Bundestag anlässlich des Massenmordes von Srebenica. Ein AfD-Abgeordneter der Partei stellte den Völkermord in Frage, da ja „nur“ die Männer erschossen wurden, die Frauen und Kinder „verschont blieben“! Er bezeichnete Bosnien-Herzegowina zudem als „fragilen Staat“! Des weiteren wurde dieser damalige Genozid thematisierend auf den Schulhof umgelegt. Proteste folgten, auch Aussenminister Johann Wadephul (CDU) trat ausserplan-mässig ans Rednerpult.
„Und ich bedaure, dass wir den Opfern den Angehörigen, insbesondere hier Anwesenden und dem Herrn Botschafter derartige Debatten zumuten!“
Auch, wenn es immer wieder heisst: Über Tote soll man nicht schlecht sprechen! Doch – was dieser Mann in seiner damaligen Allmacht verbrochen hat – kann und darf niemals vergessen werden. Damit reiht er sich nahtlos in die Liste der vielen Kriegsverbrecher ein. Er wird leider nicht der Letzte sein!
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Masern – keineswegs harmlos
Posted on 08/22/26 by UlstoDiese Woche erregte eine Meldung der US-Gesundheitsbehörde CDC mein Interesse: Die Impfquote bei Vorschulkindern geht in den USA nach wie vor leicht zurück! Im Schuljahr 2025/26 lag sie bei der Impfung gegen Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten bei 92,0 Prozent. Bei jener gegen Masern, Mumps. Röteln und Polio bei 92,4 Prozent! Ein Rückgang von 0,1 Prozent. Bei der zweiten Kombinations-Impfung lag die Quote vor zehn Jahren noch bei 94,7 Prozent. Zugleich verzeichnen die USA heuer so viele Masern-Erkrankungen wie seit 35 Jahren nicht mehr! Die Verantwortung dafür tragen wohl US-Präsident Donald Trump und sein Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. Kennedy ist grundsätzlich ein Impfgegner, womit er als Jurist der Meinung der ausgebildeten Experten aus Medizin, Immunologie und Epidemiologie widerspricht. Trump will künftig die Kombinationsimpfung wieder aufteilen. Soll heissen: Eine Spritze gegen Tetanus, eine weitere gegen Keuchhusten und schliesslich eine dritte gegen Diphterie! Beide begründen ihre Meinung mit dem Schwurbeln über den Zusammenhang dieser Impfungen mit dem Autis-mus, obgleich dies bereits mehrfach wissenschaftlich widerlegt wurde.
Auch in den USA besteht eigentlich eine Impfpflicht, die jedoch aus medi-zinischen, religiösen oder weltanschaulichen Gründen abgelehnt werden kann. Diese Ausnahmen stiegen von zuletzt 3,6 auf 4,2 Prozent, 4 Prozent erfolgte aus nicht-medizinischen Gründen.
Kennedy, gegen dessen Nominierung zum Gesundheitsminister im Dezember 2024 77 Nobelpreisträger aus Medizin, Chemie, Physik und Wirtschaft in einem offenen Brief einen Appell an den Senat richteten, gab im Juni 2025 bekannt, dass die USA die internationale Impfallianz Gavi nicht mehr finanziell unterstützen werden.
Zurück zu den vermeintlich „harmlosen“ Masern: Bislang gab es in 45 Bundesstaaten der USA mehr als 2.300 Erkrankungsfälle. Das ist mehr als im gesamten Jahr 2025!
Tatsache aber ist, dass es die Krankheit so richtig in sich hat und deshalb niemals auf die leichte Schulter genommen werden sollte!
Masern oder auch Morbilli werden nach der „Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme“ (ICD-10) unter B05 eingereiht. Es ist eine hochinfektiöse, humanpatho-gene (ausschliesslich menschliche) Krankheit, die durch rund 120-149 Nanometer grosse Viren aus der Familie der Paramyxoviren (Genus Morbillivirus) übertragen wird. Das Virus ist ein einzelstrangiges RNA-Virus, das mit den Viren der Hundestaupe oder der Rinderpest verwandt ist. Es dringt vornehmlich über die Epithelzellen der Schleimhaut des Atemtraktes (in Einzelfällen auch über die Bindehaut der Augen) in den Körper ein. Die Vermehrung nach der Infektion erfolgt in den regionalen Lymphknoten. Nach rund 48 Stunden breitet sich die Krankheit durch die Blutbahn auf den ganzen Körper aus (in das „retikulohistiozytäre System“). Nach fünf bis sieben Tagen erfolgt auch die Infektion der Haut und der Atemwege. Ab diesem Zeitpunkt ist die Erkrankung durch die typischen roten Hautflecken („Masern-Exanthem“) zu erkennen. Einher gehen zumeist zweimalige Fieberanfälle und ein erheblich geschwächter Allgemeinzustand mit schnupfenartigen Symptomen und Husten sowie einer akuten Bronchitis. Dieser Krankheitszustand kann sich über vier bis sechs Wochen erstrecken. Dabei ist es nicht selten, dass es zu einer zweiten Infektion kommt. Die Diagnose erfolgt über die Antikörper im Blutbild. Der Körper reagiert auf den Eindringling mit der Bildung von Killerzellen, den sog. „zytotoxischen T-Lymphozyten“. Später werden zudem IgM- und IgG-Antikörper gebildet, die den Betroffenen vor einer weiteren Erkrankung schützen.
Die typische Rachenrötung wurde durch den Gerichtsmediziner Wilhelm Reubold entdeckt und nach dem Kinderarzt des Mount Sinai Hositals in New York, Henry Koplik, als „Koplik-Flecken“ bezeichnet.
UV-Licht, höhere Temperaturen sowie Fettlöse- und Desinfektionsmittel machen den Erreger unschädlich. In der Luft bleibt er maximal für zwei Stunden infektiös. Sowohl in Deutschland, als auch in Österreich besteht seit 2001 eine Meldepflicht. Durchaus aufgrund der hohen Ansteckungs-gefahr berechtigt – aber auch durch das Risiko eines schweren Verlaufes! Und hier liegt der Hund im Pfeffer begraben: Masern können bei 20-30 % zu einer Enzephalitis, einer Meningitis, einer Pneumonie, einer Otitis media, Darm- oder auch andere Komplikationen führen, die durchaus lebensbedrohlich werden können (Letalitätsrate nach Angaben des Robert Koch-Instituts: 1:100 – also gar nicht mal so wenig). Damit ist auch die Ausrottung ganzer Übersee-Völker durch eine Masernepidemie erklärbar, die von den Seefahrern und Welteroberern angesteckt wurden.
.) Pneumonie
Hierbei entzünden sich die kleinen Bronchien („Bronchiolitis“), wobei die Flimmerhärchen direkt durch das Virus geschädigt werden. Dies bietet ausgezeichnete Voraussetzungen für den Angriff der unterschiedlichsten Bazillen – es kommt zu einer bakteriellen Superinfektion. Auch eine „Riesenzell-Pneumonie“ („Hecht-Riesenzellen“) kann auftreten, die in den meisten Fällen tödlich endet. Ansonsten liegt die Letalitätsrate bei der Folgekrankheit Lungenentzündung bei 6 %.
.) Meningoenzephalitis
Obgleich die Wahrscheinlichkeit dieser Gehirnentzündung nur bei 0,1 % liegt, verläuft sie bei 10-20 Prozent tödlich, bei 20-30 % bleiben Dauerschäden zurück. Hirnwasseruntersuchungen zeigten eine enorme Zellvermehrung sowie eine erhöhte Proteinkonzentration auf. Kopf-schmerzen, Erbrechen, Fieber, Nackensteifigkeit, Bewusstseinsstörungen und schliesslich Koma – es geht rasend schnell.
.) Subakute sklerosierende Panenzephalitis
Im Anschluss an eine Maserninfektion mit folgender Meningitis kann es auch zu einer SSPE als Spätkomplikation (Monate bis zu zehn Jahre nach der Erkrankung) kommen. Dabei werden Nervenzellen entmarkt („Demyelinisierung“) – in 95 % der Fälle endet dies mit dem Tod! Über die Häufigkeit der SSPE sind sich die Experten nach wie vor uneins, wurde sie doch zu Beginn des 20. Jahrhunderts von Medizinern als eine seltene neurologische Erkrankung eingestuft. Erst 1967 stellten John H. Connolly und Mitarbeiter einen Zusammenhang mit den Masern fest.
.) Otitis media
Bei rund 7 % der Masernerkrankungen tritt auch eine Mittelohrentzün-dung auf. Dabei wandern Erreger durch den Nasenrachenraum bis ins Mittelohr. Die Entzündung kann eitrig, aber auch nicht-eitrig verlaufen. Die Symptome sind Ohrenschmerzen, Schallleitungsschwierigkeiten und auch Ohrenerguss.
Zudem kann es zu Durchfall (8% der Erkrankungen), aber auch Lympho-penie (Schwächung des Immunsystems), Kunjunktivitis (Bindehautent-zündung des Auges), Hepatitis (Leberentzündung), Appendizitis (Wurm-fortsatz-Entzündung), Kehlkopfentzündung und vielem anderen mehr kommen. Bei Schwangeren droht eine Frühgeburt oder ein Spontan-Abort.
Seit Jahresbeginn gab es bereits sieben Masern-Todesfälle in der EU! Nun sollte es eigentlich klar sein, weshalb diese vermeintlich harmlose Kinderkrankheit niemals auf die leichte Schulter genommen werden darf. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat im Januar 2019 die Masern zur Bedrohung der globalen Gesundheit erklärt. Schützen vor der Erkrankung und schweren Folgeerkrankungen kann nur die in diesen Breitengraden durchgeführte Kombinationsimpfung Masern-Mumps-Röteln (MMR) oder Masern-Mumps-Röteln-Windpocken (MMRV), die normalerweise zwischen dem 11. bis 14. Lebensmonat (in Deutschland) und nach dem 9. Lebensmonat in Österreich als Doppelimpfung (nach frühestens vier Wochen erneut, spätestens jedoch vor dem 18. Lebensjahr) durchgeführt wird. In vielen Ländern besteht eine Impfpflicht – so auch in Deutschland seit dem 1. März 2020 (§20 Abs. 8 Infektionsschutzgesetz) für Kinder und Beschäftigte im Bildungs- und Gesundheitswesen. In den letzten Jahrzehnten konnte dadurch die Erkrankungswahrscheinlichkeit auf rund 5 bis 1 % verringert werden – die WHO wollte die Masern jedoch komplett ausrotten. Durch die zunehmende Zahl der Impfgegner allerdings nimmt auch die Zahl der Erkrankungen rasant wieder zu. 2019 starben nach Angaben der WHO und der CDC mehr als 200.000 Menschen weltweit an den Folgen einer Maserninfektion. Ein Jahr später wütete im Kongo eine Epidemie, die mehr als 6.000 Menschen das Leben kostete. Zwischen Januar und Oktober 2023 wurden in Europa rund 30.000 Erkrankungen gemeldet – ein 30-facher Anstieg im Vergleich zu den 941 Fällen im Jahr 2022. Österreich bildete 2024 gemeinsam mit Rumänien das EU-Schlusslicht. Im Jahr 2025 wurden in EU-Raum (inkl. Liechtenstein, Norwegen und Island) mehr als 35.000 Erkrankungen gemeldet. 23 Menschen starben an den Folgen der Masern-Infektion, 14 davon waren Kinder unter 5 Jahren (Quelle: Europäisches Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten ECDC). Zahlen für das laufende Jahr: Deutschland 60, Österreich 8 bestätigte Masern-Meldungen.
Übrigens: Wer mit seinen Kindern an den einst sehr beliebten Masern-Parties teilnimmt um sie durch eine Erkrankung zu immunisieren, begeht sowohl in Deutschland als auch Österreich den Straftatbestand der gefährlichen Körperverletzung!
Links:
Erdbeben – Gewalt von Mutter Erde
Posted on 08/15/26 by Ulsto„Die einzige Möglichkeit, Menschen vor Erdbeben zu schützen, ist durch erdbebensicheres Bauen!“
(Fabrice Cotton, Professor für Seismologie, Geoforschungszentrum Pots-dam)
Es war ein verheerendes Erdbeben, das dieser Tage Kolumbien traf: 7,4 auf der Richterskala, Epizentrum nahe San José del Palmar im Departa-mento Chocó. 285 Topesopfer, mehr als 3.900 Verletzte, 379 Vermisste, 120 eingestürzte Gebäude (Zahlen: Stand 14. August 2026). In dieser Region muss allerdings ständig mit Erdbeben gerechnet werden, da Kolumbien im Pazifischen Feuerring liegt. Mehr hierzu etwas später.
Oder jenes Beben, das am 08. September 2023 Marokko heimsuchte: 6,8 auf der Richterskala, Epizentrum 74 km südwestlich von Marrakesch, 2.960 Tote, mehr als 2.500 Verletzte! Doch musste auch in dieser Region mit einem solchen Ereignis gerechnet werden – das Atlasgebirge zählt zu den Erdbebenregionen dieser Erde!
Ich erlebte bislang zwei Beben: Als Kind in Vorarlberg und in meiner Zeit im Tiroler Stubaital. Beide Male ist uns gottlob nichts geschehen – bei letzterem erlitt jedoch ein Gast eines benachbarten Hotels einen Herzinfarkt! Ein mehr als mulmiges Gefühl, wie machtlos man dieser Naturgewalt ausgeliefert ist. Dennoch sind Erdbeben auch in Mitteleuropa gar nicht mal so selten: Alleine am 12. August zählte die Geosphere Austria sechs Beben in Österreich, das stärkste davon bei Imst mit einer Magnitude von 1,7 auf der nach oben hin offenen Richterskala. Zumeist jedoch sind sie so klein, dass sie nahezu nicht bemerkt werden: Das Nachbeben in Umhausen bei Imst einen Tag später beispielsweise hatte eine Magnitude von 0,2. Die ETH Zürich verzeichnete in den ersten sieben Stunden des 15. August drei Beben, das stärkste davon in Bergamo mit einer Magnitude von 1,8 ml!
Wie aber entsteht ein solches Erdbeben? Die drei bekanntesten Ursachen habe ich an dieser Stelle in unterschiedlichsten Texten bereits geschildert – Tiefenbohrungen für die Geothermie und Vulkanausbrüche möchte ich deshalb heute aussen vor lassen. In diesem Blog geht es ausschliesslich um die Plattentektonik.
Vor 230 Millionen Jahren gab es nur einen Urkontinent, die „Pangäa“! In den folgenden 50 Millionen Jahren teilte sich dieser Riesenkontinent in zwei kleinere: „Laurasia“ auf der Nordhalbkugel und „Gondwana“ auf der Südhalbkugel. Zu „Gondwana“ zählen heute etwa Südamerika, Afrika, die Antarktis, Indien, Australien, Neuguinea, Madagaskar und Arabien. Beide Grosskontinente „schwimmen“ sozusagen auf dem extrem heissen Magma-Kern des Planeten und driften auch heute noch entlang des Mittelatlantischen Rückens auseinander („Kontinentaldrift“ nach Alfred Wegener 1915). Dabei werden rund 40 mm/Jahr zurückgelegt.
Diese Grosskontinente teilten und teilen sich nach wie vor in weitere Bruchstücke. So sind heute sieben grosse und mehrere kleinere Platten bekannt – die grössten davon sind die Pazifische, die Antarktische, die Nord- und Südamerikanische Platte, die Afrikanische, die Eurasische und die Australische Platte. Die schweren Platten liegen unter Wasser (Ozeanische), die leichteren über Wasser (Kontinentalplatten).
Entlang der Plattengrenzen kommt es immer wieder zu Erdbeben, da sich die Platten über- oder untereinander schieben bzw. beim Aneinander-reiben verhaken. Die Gesteinsmassen der oberen, festen Erdkruste sind damit immenser Spannung ausgesetzt. Werden diese Spannungen zu gross, so lösen sie sich ruckartig – ein Erdbeben („Epizentrum“)! Entlang dieser Plattengrenzen entsteht ein Becken, in dem sich die Sedimente Schicht auf Schicht übereinander ansammeln. Auf der anderen Seite jedoch driften die Platten aufeinander zu – es bildet sich ein Gebirge. Nordmarokko beispielsweise liegt in der Nähe der Grenze zwischen der Afrikanischen Platte und der Eurasischen Platte – der Azoren-Gibraltar-Bruchzone. Hier entstand das Atlas-Gebirge.
Eine der grössten Erdbebenzonen ist die San-Andreas-Verwerfung in Kalifornien, bei der sich die Pazifische und die Nordamerikanische Platte aufeinanderschieben. Das verursacht im gesamten pazifischen Raum Erdbeben und Vulkanausbrüche. Dies ist bekannt als der „Pazifische Feuerring“!
Das Atlasgebirge ist eine weitere dieser Zonen. In der Azoren-Gibraltar-Bruchzone schieben sich auf einer Strecke von 2.300 km (Marokko, Algerien und Tunesien) die Afrikanische und die Eurasische Platte aufeinander – es entstand im Laufe von Jahrmillionen das Faltgebirge „Atlas“. Die Anden entstanden dadurch, dass sich die Nazca-Platte unter die Südamerikanische Platte schiebt. An Bruchstellen der Platten tritt Magma aus – ein Vulkan wie beispielsweise der Kilimandscharo oder aktuell der Ätna auf Sizilien spucken Lava aus.
Im Jahr 2012 veröffentlichten Experten rund um Gottfried Grünthal vom Geoforschungszentrum Potsdam (GFZ) anhand unzähliger Daten einen Atlas für Erdbebenzonen in Europa. Demnach muss jederzeit im östlichen Mittelmeer (Türkei, Griechenland, den Balkanstaaten und auch Italien) mit schweren Erschütterungen gerechnet werden, da sich hier die Afrika-nische unter die Eurasische Platte schiebt. An dieser Schnittstelle ist die Eurasische Platte in tausende Bruchstücke zersprungen. Der italienische Stiefel etwa wird wie ein Nagel nach Mitteleuropa hineingetrieben. Die Folge: Die Alpen bildeten sich heraus. Doch kann das Gebirge die enorme Wucht nicht komplett schlucken. Entlang des Oberrheingrabens bricht Europa langsam auf. Auch an der tschechischen Grenze kommt es immer wieder zu Erschütterungen.
Seismologen bezeichnen Erdbeben mit einer Stärke von 5,0 als „schwere“ Beben, da ab hier sichtbare Schäden an Gebäuden auftreten können. Die Richterskala wurde in den 1930er-Jahren von dem US-amerikanischen Seismologen Charles Francis Richter entwickelt. Dabei verstärken sich die Werte um den Faktor 10. Soll heissen, dass ein Beben mit der Magnitude von 7 zehnmal so schwer ist als eines mit 6! Diese „Richterskala“ wäre eigentlich begrenzt mit dem Wert 9 – wird heute jedoch als „nach oben offen“ geführt.
Unter Wasser lösen Beben zumeist Tsunamis aus, mehrere Meter hohe Wellen, die – wenn sie auf Land treffen – grosse Überflutungen anrichten, wie etwa jener am 26. Dezember 2004 in West-Indonesien und Thailand, der rund 230.000 Menschenleben forderte. Dem voraus ging ein „Megathrust“, ein Erdbeben mit einer Magnitude von 9,1 nach Richter mit dem unterseeischen Epizentrum rund 85 km von der Nordwestküste von Sumatra entfernt.
Nach einem stärkeren Erdbeben treten zumeist kleinere Nachbeben auf, da sich die Platten noch weiterbewegen und erst langsam wieder zum Stillstand kommen. Derartige Nachbeben sind nicht zu unterschätzen, da durch das Hauptbeben bereits beschädigte Gebäude komplett zerstört werden. Im Imst etwa folgten bislang (Stand: 15. August) auf das Beben vom 12. August zwei Nachbeben, jeweils eines an den Tagen danach.
Erdbeben können nie unter Kontrolle gebracht werden. Also muss mit anderen Mitteln gegen hohe Opferzahlen gekämpft werden: Mit erd-bebensicherer Bauweise, wie sie in Japan bei mehrstöckigen Gebäuden ein Muss darstellt. Hier ist etwa die Firma Getzner aus Vorarlberg mit ihrer Sparte der Schwingungsisolierung gross im Geschäft. Doch – wie die Türkei (etwa in der ostanatolischen Verwerfung) oder zuletzt auch Marokko erwiesen haben, ist dies durch Pfusch oder zu wenig Geld nicht machbar. Wenn nun – wie etwa am Rheingraben – zusätzliche geo-thermische Tiefenbohrung durchgeführt oder gar Kernkraftwerke bzw. Endlagerstätten für Atommüll errichtet werden, so kann dies eine Katastrophe ungeahnten Ausmaßes nach sich ziehen.
Lesetipps:
.) Naturkatastrophen, Tsunamis, Hurrikane, Erdbeben, Vulkanausbrüche; Claire Watts; Gerstenberg Verlag 2008
.) Erdbeben – Gefahr aus der Tiefe; Gerd Höhler; Hoffmann & Campe 1984
.) Plattentektonik – Vulkane, Erdbeben & Co.; Friedhelm Heitmann; Kohl-Verlag 2015
.) Bauwerke und Erdbeben; Hrsg.: Konstanin Meskouris/Klaus-G. Hinzen/Christoph Butenwang/Michael Mistler; Vieweg und Teubner 2011
Links:
Hochgiftig und extrem gefährlich
Posted on 08/08/26 by Ulsto„Furocumarine“ – in der Tat: Ein wahrer Zungenbrecher! Doch auch ansonsten, hat es dies faustdick hinter den Ohren: Ein pflanzlicher Giftstoff, der auch dem Menschen gefährlich wird!
Der Bärenklau ist in heimischen Breiten eine weit verbreitete Pflanze. Er zählt wie etwa 69 andere Pflanzen auch zur Familie der Doldenblütler. Soll heissen, dass sich die weissen Blüten zu mehreren weissen Dolden zusammensetzen! Ich möchte in diesem Blog zwei davon hervorheben, die leicht zu verwechseln sind. Doch wenn geschehen, ist es meist zu spät: Der Wiesenbärenklau und der Riesenbärenklau!
Schon als Kinder streiften wir durch die Felder und sammelten den Wiesenbärenklau (Heracleum sphondylium). Er wird bis zu 1,50 m gross, die Blätter sind gefiedert, seine Blütezeit beginnt im Juni und endet im Oktober. Zu finden ist der Wiesenbärenklau auf Wiesen, an Bachufern und in lichten Waldgebieten. Wichtige Frage bei allem, was uns die Natur so bietet: Kann man ihn essen? Ja, man kann! Aber hier ist grösste Vorsicht geboten – der Koch muss wirklich wissen, mit was er da zu tun hat. Wer nicht, sollte lieber darauf verzichten. Einerseits ist er sehr leicht mit dem Riesenbärenklau zu verwechseln, andererseits entscheidet die Dosis über die Berkömmlichkeit. In der Naturheilkunde wird er gegen Magen-Darm-beschwerden, Menstruationsstörungen, Asthma und Blasenentzündungen eingesetzt. Zu viel davon kann schon mal kontraproduktiv werden. Auch der Wiesenbärenklau enthält Xanthotoxine! Hierüber gleich mehr dazu!
Der Riesenbärenklau (Heracleum mantegazzianum Sommier & Levier bzw. Heracleum giganteum Hornem) ist der gefährliche der beiden! Die auch als „Herkulesstaude“ bekannte Pflanze wurde 1895 erstmals beschrieben. Sie kann bis zu 3,50 m hoch wachsen. Auch seine Blätter sind gefiedert, stark gezackt und erreichen schon mal eine Grösse von einem Meter. Die Blüten bilden Tellerdolden, die bis zu 80 cm gross sein können. Seine Blütezeit reicht von Juli bis September – die Dolden blühen weiss bzw. zartrosa. Der bis zu 10 cm dicke Stängel ist ebenso behaart und weist weinrote bis dunkle Flecken auf. Aus dem Kaukasus stammend breitet sich der Neophyt seit 1950 ungehindert in Europa aus. Zu finden ist der Riesenbärenklau an Strassen-, Weges- und Waldrändern, an Flüssen und Bächen, aber auch im Garten. Dort sucht er sich vornehmlich nähr-stoffreiche Böden aus. Der Riesenbärenklau wurde im Jahr 2008 zur Giftpflanze des Jahres erkoren. Und das hat er sich wahrhaft verdient. Wer in Berührung mit dem Saft der Pflanze kommt und dann in der Sonne unterwegs ist (auch bis zu zwei Tage nach Kontakt), wird dies wirklich nur einmal machen: Der Schutzmantel der Haut wird zerstört, es drohen Verbrennungen 1. und 2. Grades! Begleitet zumeist von Fieber, Kreislauf-problemen und Atemnot. Verantwortlich dafür zeichnen die Pflanzen-toxine Bergapten, Psoralen und Xanthotoxie. Sie zählen zur Gruppe der Furocumarine. Enthalten in beiden Bärenklau-Arten, beim Riesenbären-klau allerdings in einer wesentlich höheren Konzentration. Der Experte bezeichnet solche Gifte, die in der Sonne reagieren als „Phytotoxine“. Durch die Verbrennungen kommt es zur Blasenbildung auf der Haut, Entzündungen, Depigmentierung. Einher gehen starke Schmerzen. Die Heilung dauert zumeist mehrere Wochen, zurück bleiben Narben. Jeglicher Hautkontakt sollte deshalb vermieden werden! Ist es dennoch geschehen, so helfen als Erstmassnahmen Sonnencreme und kalte Kompressen. Danach sollte ein Arzt aufgesucht werden. Allerdings kann die Pflanze diese Giftstoffe auch an besonders heisssen Tagen an die Umgebungsluft abgeben. Deshalb sollte man sich nie zu lange im Umkreis des Riesenbärenklaus aufhalten. Da dieser invasiv ist, muss er unbedingt entfernt werden. Dafür wird jedoch Schutzbekleidung, Atemschutz und Handschuhe empfohlen. Nicht geeignet hierfür sind Einmal-Handschuhe, da sie für die Gifte kein Hindernis darstellen – die gehen schlichtweg durch. Ein Abmähen nutzt nur kurze Zeit, die Pflanze muss mitsamt der 10 bis 15 cm in den Boden reichenden Wurzel entfernt werden. Dies möglichst vor der Samenbildung im Mai bzw. Juni, da der Riesenbärenklau etwa im Alter von drei Jahren bis zu 50.000 Samen bildet. Die entfernte Pflanze darf nicht in den Kompost – sie muss entweder verbrannt oder in einer Grosskompostanlage entsorgt werden. Werkzeug und Schutzbekleidung sollten nach dem Einsatz unbedingt gereinigt werden. Das alles können Sie natürlich auch den Spezialisten der regionalen Naturschutzbehörde überlassen. Viele Landwirtschafts-kammern oder Landesämter für Umwelt bzw. Landwirtschaft bieten eigene Informationsblätter zum Riesenbärenklau an – auch als Download.
Zuletzt noch ein wichtiger Hinweis: Klären Sie ihre Kinder über die Gefahr, die von dieser Pflanze ausgeht, ausführlich auf. Diese finden nämlich grossen Gefallen am Riesenbärenklau, etwa als Blasrohr oder Doldenhut!
Lesetipps:
.) Giftpflanzen. Ein Handbuch für Apotheker, Ärzte, Toxikologen und Biologen; D. Frohne, H. J. Pfänder; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft 1997
.) Biologische Invasionen. Neophyten und Neozoen in Mitteleuropa; Ingo Kowarik; Ulmer 2003
.) Ecology and Management of Giant Hogweed (Heracleum Mantegazzianum; Hrsg.: Petr Pyšek, M.J.W. Cock, W. Nentwig, H.P. Ravn, M. Wade; CABI Books 2007
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Spielst Du noch oder träumst Du schon?
Posted on 08/01/26 by UlstoIn meiner Studienzeit habe ich meinen Computer in der universitären Bleibe aufgestellt, um damit Arbeiten schreiben zu können. Was heute selbstverständlich erscheint, war damals noch eher aussergewöhnlich. Somit kam es, dass ich tagsüber das Gerät zu „Ausbildungszwecken“ verwendete. Des nächtens jedoch glühten die Bits und Bytes, da sich immer wieder Komillitonen selbst eingeladen hatten – zum Spielen! Ein Spiel wurde erst dann uninteressant, wenn alle Rekorde gepurzelt, alle Spielebenen absolviert waren und das Ganze wieder von vorne begonnen hatte. Besonders beliebt waren natürlich die Abschusspiele, da man sich hierbei direkt mit den anderen messen konnte. Tagsüber jedoch bestand ein eisernes Gesetz: No games! Mein Bruder hingegen veranstaltete LAN-Wochenenden. Da herrschte Betretungsverbot in der ganzen Wohnung!
Am 26. August öffnet in Köln wieder die Spielemesse „Gamescom“ in Köln ihre Pforten. Es ist wohl der Traum eines jeden Spielefreaks, in diesen heiligen Hallen vom Sicherheitsdienst vergessen zu werden und einmal eine Nacht durchspielen zu können. Nachdem Social-Gaming-Unter-nehmen oder auch Spieleriesen wie Zynga oder Wooga mit ihrer Free2Play-Philosophie wichtige Märkte (Südkorea, China) von hinten aufrollen, trotzdem jedoch damit Geld verdienen, überlegen sich nun auch die Platzhirsche wie Crytek, Ubisoft oder Electronic Arts, die Spiele kostenlos anzubieten. Cash wird dann mit virtuellen Waren gemacht.
Es ist ein durchaus gefährlicher Trend, der sich da abzeichnet. Dadurch besteht die Möglichkeit, noch wesentlich mehr Menschen in die Spiel-sucht zu treiben. So verbrachte etwa der Sohn einer Bekannten Tag und Nacht vor dem Computer. Während andere Kids mal auf den Fussballplatz oder ins Schwimmbad gingen, sass er im abgedunkelten Zimmer und kam vom Joystick nicht mehr los. Hatte er seine Spiele durch, war gemeinsames Spielen beim Schulkollegen angesagt. Gerade Jugendliche sind sehr von der Spielsucht gefährdet, da sie keinerlei Grenzen kennen. Es ist cool, einen Rekord zu halten – manch einer geniesst gar göttlichen Status unter seinesgleichen. Dies wurde bislang durch die doch recht ansehnlichen Preise (50 € pro Spiel sind keine Seltenheit) etwas eingeschränkt, da irgendwann auch mal das beste Taschengeld ausgeht, so wird der Markt jetzt mit kostenlosen Games überschwemmt, die über Internet downgeloaded und auch auf der letzten, elektrifizierten Almhütte, gespielt werden können. Eine 2007 in den USA durchgeführte Umfrage ergab schon damals, dass sich von 1.178 befragten, jugend-lichen Spielern nicht weniger als 8,5 % als „krankhafte Spieler“ bezeichnet werden mussten (Harris interactive poll). Ein ähnliches Bild brachte eine ein Jahr zuvor in Grossbritannien gemachte Studie: Hier waren es 12 % von 7.000 befragten Jugendlichen, davon 94 % männlich! Die Vereinigten Staaten oder die britischen Inseln sind weit weg, mag ein mancher unter Ihnen denken. Weit gefehlt: Ernüchternd das Ergebnis der DAK-/UKE-Längsschnittstudie OTTER vom Herbst 2025, wonach 4,5 % der 10- bis 17-Jährigen eine Computerspielstörung (pathologische Nutzung) auf-wiesen; weitere 6,6 % zeigten ein riskantes Spielverhalten nach ICD-11. Unvorstellbar!
Selbstverständlich sind auch Erwachsene davor nicht gefeit. So meint etwa Peter Moore, seines Zeichens bis 2017 COO beim Spielehersteller Electronic Arts (EA) gegenüber des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ einst, dass er heutzutage mehr spiele als je zuvor. Doch dieser Mann wurde dafür auch bezahlt. Spiel- oder Internetsucht ist gefährlich und wird durchaus schon als psychische Krankheit angesehen, da die User, die davon betroffen sind, sozial komplett verkümmern. Auf der Website der „Anonymen Spieler“ (GA) ist zu lesen: „Wir sind fest davon überzeugt, dass wir an einer fortschreitenden Krankheit leiden. Im Laufe der Zeit verschlimmert sich diese; solange wir spielen, geht es uns stets schlechter, niemals besser.“ Diese Krankheit könne niemals geheilt, aber zum Stillstand gebracht werden kann! Wie bei jeder Sucht ist wohl der erste Schritt zur Heilung der schwerste: Der Betroffene muss einsehen, dass er an einer Krankheit leidet, einer Sucht! Nur wer dies erkannt hat, kann auch zum Wunsch kommen, mit dem Spielen aufzuhören. Anstatt vor dem Bildschirm zu sitzen, die unterschiedlichsten Freizeitaktivitäten zu betreiben, die für viele selbstverständlich sind. Andere Menschen kennenzulernen. Wird ein Süchtiger von seinem kleinen sozialen Umfeld auf die Sucht hingewiesen, schaltet dieser in den meisten Fällen automatisch auf Abwehr. Nur das Eingeständnis, das er sich selbst machen muss, kann ihm helfen. Alles andere ist nur eine vorübergehende Besserung. Bevor es allerdings hierzu kommt, durchlaufen diese Menschen zumeist ein Martyrium unbeschreiblicher Art. Freunde werden verloren, der Job geht verlustig, neben psychischer Beschwerden setzen auch körperliche ein. Es ist eine riesengrosse Hürde, die überwunden werden muss: Das Eingeständnis zu machen, dass das Spiel stärker war als ich, mich im Griff hatte und ich ihm wehrlos ausgesetzt war. Was dann folgt, ist von Therapie zu Therapie unterschiedlich. Die „Anonymen Spieler“ (GA) etwa verfolgen ein Zwölf-Schritte-Programm, das ehrlich und innerlich bereit absolviert werden muss.
Die PAGE-Studie zeigt auf, dass rund 1 % der Bevölkerung Deutschlands ein „problematisches Glückspielverhalten“ aufweist. 60 % davon eine schwere oder mittlere Glückspielstörung (pathologisches Spielen) – aller-dings sind nicht alle davon dem Computerspielen verfallen. Die Dunkel-ziffer ist weitaus höher. Mit einer solchen Suchttherapie muss in den meisten Fällen auch eine Charakteränderung durchgemacht werden. Viele der Spielsüchtigen haben Angst davor, erwachsen zu werden und Verantwortung zu übernehmen. Deshalb flüchten sie in eine Welt, in der sie sein können, wie sie sich vorstellen: Der Warmduscher wird zum Helden, der Hartz IV-Empfänger zum Multimillionär. Diese Flucht wird schliesslich zur Besessenheit. Es wird alles dafür getan und oftmals auch geopfert, um dieses virtuelle Bild des „Grössten“, des „Allmächtigen“ auch umsetzen zu können. Spieler sind Träumer, Spaziergänger in einer Phantasiewelt. Konnten hier Träume erfüllt werden, so war man erfolgreich und versteht nicht, weshalb die anderen davon überhaupt nichts wissen. Also wird ein grösserer Traum begonnen. Bricht irgend-wann mal einer dieser Träume zusammen, so werden nicht etwa andere Wege beschritten. Der Spielsüchtige kommt wieder. Und er wird stets wiederkommen, bis der Traum endlich umgesetzt ist. Schliesslich ist es seine Welt, eine Welt, die er selbst erschaffen hat. Das komplette Denken des Süchtigen fokussiert sich nurmehr auf das Spiel. Dies verursacht eine Verzerrung der Wahrnehmung, die Beeinflussung der Emotionen und schliesslich die Änderung der Verhaltens. Erfolgt das alles nicht am heimischen PC sondern an Spielautomaten, so wird sehr rasch aus der psychischen Erkrankung auch ein finanzielles Problem – wir sind beim Übergang zur Glückspielsucht angelangt.
Die Spielsucht – oder wie es der Experte bezeichnet: Das „Pathologische Spielen“ – ist dem Bereich der abnormen Gewohnheiten und Störungen zugeordnet (F63 – ICD-11-Klassifikation). Um ein besseres Verständnis für das Gewicht zu vermitteln: In derselben Klassifikationsebene findet sich auch die Pyromanie und Kleptomanie. Dies betrifft vornehmlich die Glückspielsucht – die Video-Spielsucht ist einer Untergruppe der Ver-haltenssüchte zugeordnet – sie engt die Freiheitsgrade des Betroffenen ein. 2013 folgte alsdann die American Psychiatric Association (APA). Im DSM-5 erfolgte die Reklassifikation des Störungsbildes unter Verwen-dung des wertneutraleren Begriffes „Gambling Disorder“ (Glücksspiel-störung) in die Kategorie „Substance-Related and Addictive Disorders“. Diese Klassifizierung ist vergleichbar mit der ICD-Klassifikation.
Auf der Suche nach einem Fluchtweg vor Depressionen und Ängsten wird immer mehr zum Joystick gegriffen und Verwandte, Bekannte etc. mit dem „letzten Mal“ oder „gleich“ stets vertröstet. Eine affektregulierende Wirkung des Spiels kann jedoch nur mit zunehmender Spieldauer erzielt werden. Pathologische Gamer leiden unter einem hohen Grad an Realitätsverlust. Spannung oder Erregung kommen nurmehr auf virtueller Ebene zum Vorschein, Niederlagen werden bagatellisiert. Am gefährlichsten dabei sind die „Massively Multiplayer Online Role-Playing Games“ – jene Rollenspiele, bei welchen sich online eine Unzahl von Spielern gleichzeitig aufhalten, wo sich jeder Spieler eine Maske verpassen kann. Um nur eines zu nennen: World of Warcraft.
In der Therapie wird häufig auf die Möglichkeiten der ICD-11 bzw. DSM-V zurückgegriffen. So werden u.a. auch Medikamente eingesetzt – etwa Naltrexon. In einer Studie mit Glückspielern konnte hier ein 40 %iger Erfolg erreicht werden (in der Kontrollgruppe mit Plazebos waren es nur 11 %). Nicht eine Bekämpfung der Symptome, sondern der Ursachen kann in den meisten Fällen helfen. Studien der University of Rochester und der American Academy of Child and Adolescent Psychiatry vermuten einerseits soziale Phobien und psychische Probleme (Depressionen etwa) als Reiz auslösenden Faktor bzw. die ständige Belohnung und Freiheit in den Spielen selbst als Motivation weiterzumachen. Wissenschaftlich somit recht einfach mit der klassischen Konditionierung (am positiven Erfolg durch die Belohnungen) bzw. in der Neurobiologie im Sinne der Regulierung eines negativen emotionalen Zustandes durch das Com-puterspiel (inadäquate Stressbewältigung durch angenehme Erregung und Entspannung) zu erklären. Ist ein Spieler geheilt, kann es durchaus vorkommen, dass er für längere Zeit dem Trieb nicht mehr nachgeht. Doch warnen Therapeuten etwa bei Glückspielsüchtigen: Bereits ein (in Zahlen: 1!) Lotto- oder Toto-Tipp kann für einen Rückfall verantwortlich sein.
Videospielsucht ist eine ernstzunehmende Krankheit, die behandelt werden sollte. Ansonsten wird es Ihnen wie meiner Bekannten gehen: Es entsteht ein Nachtschattengewächs, ein Zombie, dessen Finger erst dann nicht mehr zittern, wenn sie einen Joystick umfassen können. Oder noch extremer: Der die virtuelle auf die reale Welt umlegt und zum Amokläufer werden kann!
Sie fragen sich sicherlich, was aus unserer „Spielesucht“ damals geworden ist! Nichts! Als wir alle Ebenen der drei heiss begehrtesten Spiele durch-gemacht haben und dadurch recht gelangweilt waren, flaute der Trend ab. Wir haben allerdings auch nicht nach neuen virtuellen Alternativen gesucht. Anstattdessen versuchten wir es wieder mit der realen Welt: Billard!!!
PS:
Noch perverser ist für mich übrigens jener Trend, der sich schon seit einigen Jahren im Internet hält: Das Zuschauen eines Gamers bei seinem Tun!
Hier zuletzt noch einige Links, die Ihnen bei Kontaktaufnahme sicherlich weiterhelfen können:
www.die-spielsucht.de
www.anonyme-spieler.org
www.zi-mannheim.de
www.game-over.at
Candy-Hype – sehr gefährlich
Posted on 07/25/26 by UlstoHypes sind heutzutage sehr rasch gemacht: Ein Influencer mit vielen Followern macht etwas vor, alle anderen machen es nach und feddisch! Ob sinnvoll, gesund oder einfach nur lächerlich – das ist vollkommen gleichgültig. So manches kann auch gesundheitsschädlich oder gar töd-lich sein. Beispielsweise der aktuelle Candy-Hype!
Innerhalb kürzester Zeit wurden über TikTok und Instagram in trendigen Online-Candyshops oder eigens darauf spezialisierten realen Candyshops in Fussgängerzonen zig-millionen von knallbunten, meist extrem scharfen oder sehr sauren Drops verkauft. Zielklientel: Kinder! Tendenz: Stark steigend! Produziert vornehmlich in Japan, China bzw. den USA entsprechen sie keineswegs unseren Lebensmittelbestimmungen. So fehlen die Warnhinweise, daneben ist auch die Zutatenliste nicht leserlich: Gesetzlich gesehen darf die kleinste Schriftgrösse gerade mal 1,2 mm betragen (bezogen auf das kleine x). Ist die Packung kleiner als die Hälfte eine herkömmlichen Postkarte, so darf auch die Schrift kleiner werden – 0,9 mm! Wer kann das ohne Lupe lesen??? Andere sind auf Englisch oder japanisch gehalten, bei vielen v.a. aus den Online-Shops fehlen sie überhaupt. Dort nämlich könnte man lesen, dass Azofarbstoffe ebenso enthalten sind wie bestimmte Haltbarmacher oder eine hohe Konzen-tration an Zitronensäure. Vieles davon ist gesundheitsschädigend.
Betrachten wir uns das doch im Detail:
1,) Azofarbstoffe
Azofarbstoffe beeinträchtigen die Aktivität und Aufmerksamkeit bei Kindern. Das muss deshalb in der EU unbedingt mit entsprechenden Warnhinweisen versehen werden. Die Farbstoffe E102, E104, E110, E122, E124, E129 etwa stehen im Verdacht, bei Kindern Pseudo-Allergien auszulösen, was zu Aufmerksamkeitsstörungen und Hyperaktivität führen kann. Seit 2010 sind diese Farbstoffe nahezu aus der EU verschwunden – jetzt jedoch wieder aufgetaucht.
2.) Tert-Butylhydrochinon/TBHQ (E319)
ZBHQ ist ein Antioxidationsmittel. Es steht im Verdacht, das Immun-system nachhaltig zu beeinträchtigen und Krebs auszulösen. Für Säuglings- und Folgenahrung ist es in der EU verboten.
3.) Butylhydroxytoluol/BHT (E321)
BHT kann in grossen Mengen zur Blausucht und damit zum Erstickungs-tod führen. Auch kann es den Hormonhaushalt stören. Deshalb ist es ebenso in Säuglings-und Folgenahrung verboten.
4.) Zitronensäure (E330)
Der enorme Säuregehalt greift den Zahnschmelz der Milchzähne an. Daneben können bei Sprays auch die Haut, vor allem aber die Augen stark gereizt werden. Anstelle der Zitronensäure verwenden manche Anbieter auch Apfel- oder Milchsäure bzw. Fumarsäure.
5.) Zucker
Die meisten solcher Produkte enthalten ein Übermaß an Zucker. Gerade on solchen Zeiten, als die Politik den Zuckerverbrauch einschränken will, knallt ein solcher Hype aber sowas von rein. Zucker ist nicht nur für Übergewicht bis hin zu Adipositas verantwortlich, sondern kann auch zu Insulin-Problemen und somit Diabetes Typ 2 führen.
Durch die Gefriertrocknung der Süssigkeiten wurde Wasser entzogen. Dadurch verstärkt sich der Geschmack. Daneben schmecken sie leicht und knusprig. Die bekanntesten Marken hierzulande sind wohl Munch Punch, Noomz und Chaos Candy. Leider springen auch die wirklich grossen Süssigkeiten-Hersteller auf den fahrenden Zug auf. Es ist also erneut ein massiver Angriff auf das Taschengeld und Gesundheit der Kiddies!
Sehr bedenklich auch das Marketing-Konzept: Die Kleinen werden u.a. aufgefordert, an einer Challenge teilzunehmen. Der mit den meisten Likes gewinnt. Der wohl bekannteste Wettbewerb, die „Hot Chip-Challenge“ endete für viele Teilnehmer im Krankenhaus. Eine andere Werbemassnahme bilden die sog. „Boxing-Videos“: Grossbesteller werden mit einem eigenen Video mit Namensnennung belohnt. In den Social Medias erhalten derartige Filme meist eine hohe Click-Zahl. Apropos – Influencer heissen in diesem Bereich „Candyfluencer“! Sie haben immens viele Follower. Dabei stellen sie in ihren Filmchen Kindern Aufgaben – welches diese löst, wird mit Süssigkeuten belohnt. Das jüngste in einem Werbevideo gezeigte Kind war gerade mal vier Jahre alt! Verbraucher-schutzorganisationen wie etwa Foodwatch fordern deshalb das Ende der Aussenwerbung und der Vermarktung über die Social Medias für Kinder bzw. eine bessere Überwachung von Online-Shops.
Links:
Arche Noah – eine Möglichkeit?
Posted on 07/18/26 by Ulsto„Die in diesem Bericht veröffentlichten Daten geben Anlass zu großer Sorge!“
(UN-Generalsekretär António Guterres bereits 2018 zum Bericht über den Anstieg des Meeresspiegels)
Getan hat sich freilich im Kampf gegen den Anstieg seither wenig bis überhaupt nichts. Im Frühjahr veröffentlichte das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) in der Zeitschrift „Nature“ eine Studie, die nicht nur Anlass zur Sorge gibt, sondern eine katastrophale Zukunft voraus-sagt: Der Anstieg des Meeresspiegels beträgt bis zum Jahr 2100 zwischen 0,28 und 1,01 Meter! Da viele Küstengebiete niedriger liegen als eigent-lich gedacht wären im Worst Case 80 bis 100 Mio Menschen vor allem im Pazifikraum, Südostasien und dem restlichen globalen Süden davon betroffen. Bisher ging man von „nur“ 50 Mio aus. Diese neuen Berech-nungen sagen nicht aus, dass die bisherigen Werte der Weltwetter-organisation der UN falsch berechnet wurden. Diese richteten sich nach dem sog. „Geoid“ – der Schwerkraft und der Erdrotation. In der neuen Studie wurden nun auch regionale Faktoren wie Meeresströmungen, Winde und Temperaturunterschiede (dynamische Effekte) miteinbezogen.
Doch – für die meisten Medien war dies gerade mal Stoff für eine Tagesschlagzeile! Da damit jedoch ein Rekordwert vorausberechnet wurde und die Kurve auch weiterhin nach oben geht, möchte ich dies heute etwas detaillierter betrachten und damit den Beweis antreten, dass nicht unerhebliche Teile der Menschheit damit wirklich ein Problem bekommen: Ein neuer Flüchtlingsstrom wird die Folge sein – die Klima-Flüchtlinge.
Nach Angaben des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervor-hersage (ECMWF) waren die letzten drei Jahre die wärmsten seit Beginn der Messgeschichte anno 1850. Das heisseste davon 2024 (+1,6 Grad zum Mittelwert) – das heurige Jahr liegt bisher etwa mit dem vergangenen gleich auf. Allerdings wird sich dies durch die seit Juni andauernde Hitzewelle ändern.
Unter Berücksichtigung, dass die Industrielle Revolution in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts begann und das komplette 19. Jahrhundert hinweg bestimmte, wurden auch Daten zu einem Zeitpunkt gesammelt, in dem noch alles ungefiltert durch den Schornstein geblasen bzw. unbe-handelt in die Flüsse eingeleitet wurde. Glaubt man den Industriebossen, so liefen Maschinen und Motoren noch nie so sauber wie in der Gegen-wart. Und dennoch wird die Atmosphäre mit Treibhausgasen verdichtet, wie nie zuvor. Dadurch kann immer weniger Wärmestrahlung in das All entweichen. Detaillierter möchte ich an dieser Stelle nicht darauf ein-gehen, da dies schon Thema mehrerer meiner Ausführungen war.
Fakt ist jedoch, dass die alpinen, aber auch die arktischen und antark-tischen Gletscher und Eisfelder schmelzen. Obgleich interessanterweise zuletzt etwas wenige – in der Antarktis kam es gar zu einem Anstieg des Eises, In der Aktis ging die Eisschmelze nach Angaben dem Meereis-indizes des NSIDC und der OSISAF von -0,35 im Jahrzehnt 2005-2015 auf -0,29 Millionen km² 2015-2024 zurück. Dennoch ein Minus! Ganz schlimm erwischt es allerdings die alpinen Gletscher – viele davon wird es in einigen Jahren nicht mehr geben! Und dies in einer dermassen rasanten Geschwindigkeit, dass eine Klima-Umkehr nicht mehr vorstell-bar erscheint. Neben der Tatsache, dass ganze Meeres-Ströme, wie der Golfstrom, durch den hohen Anteil an Süsswasser komplett aus dem Ruder gebracht werden – diese Massen an schmelzendem Eis sorgen auch für einen sehr ernstzunehmenden Anstieg des Meeresspiegels. Hinzu kommen immer heftigere Überschwemmungskatastrophen wie 2025 beispielsweise der Zyklon „Chido“, sodass das Wasser nicht mehr auf der Landfläche durch versickern gebunden wird, sondern direkt durch die Flüsse in’s Meer abfliesst. Die Abholzungen der Regenwälder zeigen sich dadurch in dramatischem Ausmaß.
Im Vergleich: Nach Angaben des Unternehmens MERCATOR OCEAN ist der globale mittlere Meeresspiegel zwischen 1901 und 2018 um 15 bis 25 cm bzw. zwischen 2011 und 2020 um durchschnittlich 4,5 mm pro Jahr gestiegen – zwischen 2001 und 2010 waren es noch 2,9 mm.
Mein Gott, werden sich nun viele denken, das sind Millimeter und damit kein Anlass gleich laut aufzuschreien. Experten hingegen meinen: DOCH! Für die Fleissigen unter Ihnen eine Rechenaufgabe: Die Erdoberfläche beträgt 510 Mio qkm – 71 % davon sind von Wasser bedeckt. Diese 361,2 Mio qkm teilen sich wie folgt auf:
Pazifik 47 %
Atlantik 24 %
Indischer Ozean 20 %
Südlicher Ozean 5 %
Arktischer Ozean 4 %
Wenn Sie möchten, können Sie ausrechnen, wie viele Liter nun diese Steigerung von 4,5 Millimeter ergeben.
Die Durchschnittstemperatur war zuletzt um 1,5 Grad Celsius höher als der Referenzwert aus der vorindustriellen Zeit. Während sich die Politiker streiten, ob 2,1- 2.5 oder 2,8 Grad Erwärmung in’s Auge gefasst werden sollen und ob der Protest der Kinder gut oder schlecht ist, schmilzt das ewige Eis immer mehr.
„Zum Zögern ist keine Zeit mehr!“
(UN-Generalsekretär Antonio Guterres)
Es ist somit nurmehr eine Frage der Zeit, wann idyllische Südseeinseln für immer von der Weltkarte verschwinden werden. Auch wir in Europa bekommen dies zu spüren, liegen doch etwa die Niederlanden zu einem Grossteil unter dem Meeresspiegel. Eine solche Steigerung werden die dortigen Deiche nicht mehr halten. Auch in Norddeutschland wird es „Land unter“ heissen – die meisten der Halligen-Inseln im nordfriesischen Wattenmeer haben alsdann ein Ablaufdatum. Somit rückt also auch Europa immer mehr zusammen. Apropos: Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilswerk UNHCR gab es im vorhergehenden Jahr 2025 117,8 Mio Binnenflüchtlinge. Darunter sehr viele Klima-Flüchtlinge. 2024 etwa waren dies 45,8 Mio. Diese Zahl wird künftig eklatant ansteigen. Dürren trocknen ganze Länder aus, Überschwemmungen zerstören ganze Land-striche und Stürme verwüsten ganze Regionen.
Hitzewellen dauern inzwischen um 0,37 Tage länger als in der Zeit von 1986 bis 2007 – zwischen 2000 und 2016 waren davon nicht weniger als 125 Millionen Menschen betroffen, so ein WMO-Bericht. In Europa sterben jedes Jahr mehr als 28.000 Menschen an den Folgen solcher Hitzewellen.
Durch die Zunahme der Meerestemperatur gibt es immer heftigere Hurrikane, Taifune oder Zyklone, da weitaus mehr Wasser verdampft. 90 % der zusätzlichen Energie nämlich wird in den Weltmeeren gespeichert. Natürliche Strömungen, die das Klima ganzer Teilkontinente beeinflussen und einen Ausgleich zwischen den warmen Zonen am Äquator und den kalten in der Arktis und Antarktis brachten, funktionieren damit plötzlich nicht mehr.
Doch zurück zum Meeresspiegel. Der Meeresspiegel an den Küsten wird durch Faktoren wie den Gezeiten, Strömungen oder Wind beeinflusst. So ist der Amsterdamer Pegel beispielsweise nicht mit dem Genua- bzw. Triest-Pegel (+/- 30 cm) oder dem Kronstädter Pegel gleichzusetzen. Für Deutschland und die Niederlanden beispielsweise gilt der Amsterdamer Pegel als mittlerer Wasserspiegel, als Nullniveau. Von hier aus werden alle Anstiege und Senkungen über Jahre bzw. Jahrzehnte hinweg beobachtet und in den mittleren Wert einbezogen. Dadurch können jahreszeitliche Effekte sowie Ebbe und Flut nahezu ausgeschlossen werden.
Allerdings muss zudem die Dichteverteilung im Erdinneren berücksichtigt werden. Je dichter der Erdmantel ist, desto höher ist die Erdanziehungs-kraft. Das sorgt beispielsweise dafür, dass der Wasserpegel bei Sri Lanka (Indischer Ozean) um rund 105 m tiefer und bei Neu Guinea bis zu 80 m höher liegt als im Durchschnitt. Dies alles muss in Berechnungen zum Anstieg des Meeresspiegels einbezogen werden. Deshalb verwende ich im Folgenden nurmehr die Bezeichnung „Meeresspiegel“ – er bezieht sich auf den „mittleren Meeresspiegel“.
Von 1860 bis 2009 stieg der Meeresspiegel um rund 25 cm – seit 1870 merklich und zunehmend rasanter. Die Ursache dafür liegt – wie bereits kurz angesprochen – im Abtauen des ewigen Eises an den Polkappen und in den Bergen. Aber auch in der wärmebedingten Ausdehnung des Wassers. Kurz erklärt: Bei Solaranlagen (nicht Photovoltaik) gehört ein Ausgleichsbehälter stets dazu. Er sorgt dafür, dass sich an besonders sonnenintensiven Tagen das immer wärmer werdende Wasser im Puffer ausdehnen kann und dieser nicht explodiert. Sinkt die Temperatur im Puffer, so gibt das Rücklaufventil das im Ausgleichsbehälter befindliche Wasser wieder zurück in die Anlage. Oder: Das Wassererhitzen auf dem Herd. Geben Sie kaltes Wasser in einen Topf, markieren sie an der Topfwand den Wasserstand und erwärmen das Wasser. Es muss nicht mal kochen, also den Aggregatzustand in gasförmig ändern, sondern es reicht das Erwärmen, damit der Wasserstand steigt. Das ist selbstver-ständlich auch bei diesen ungeheuerlichen Wassermassen der Ozeane der Fall. Sorgen nicht Strömungen dafür, dass die Wärme abgeleitet wird. so bewirkt die zunehmende Wassertemperatur etwa in der Südsee einen höheren Meeresspiegel als der kühle Atlantik an der Küste Frankreichs. Diese beiden Faktoren werden die Zukunft nicht nur an den kontinentalen Küstengebieten bestimmen, sondern selbstverständlich auch auf den vielen Trauminseln, die kaum höher liegen als der dortige Meeresspiegel.
„Wir haben bereits einige Atolle verloren. Auf anderen zerstört das ansteigende Meer das Zuhause von Menschen und spült Särge und Skelette aus den Gräbern.“
(Tony de Brum, Aussenminister der Marshall Inseln)
Messungen via Satellit haben einen Anstieg des Meeresspiegels um 17 cm nur im Laufe des 20. Jahrhunderts aufgezeigt. Bei der sog. „Satelliten-altimetrie“ werden vom Satelliten kurzwellige Radioimpulse senkrecht auf die Erde geschickt. Die Meeresoberfläche oder auch das polare Eis reflek-tiert diese Impulse und schickt sie wieder zum Satelliten zurück. Hier-durch können Millionen von Vergleichsdaten gesammelt und die Zunahme der Meereshöhe oder die Abnahme der Eisfläche durch die Laufzeit der Impulse gemessen und berechnet werden. Die ersten derartige Messungen wurden in den 1970er Jahren mit den Satelliten Geos C und Seasat durchgeführt, die Messungen mit TOPEX/Poseidon folgten 1992 und im Dezember 2001 schliesslich Messungen mit Jason. Auch die Satelliten im Rahmen der Projekte Champ und Grace bzw. IceSAT und seit September 2018 auch IceSAT-1 lieferten bzw. liefern wichtige Daten.
Dieser mittlere Meeresspiegelanstieg von 3,1 +/- 0,7 mm teilt sich zwischen 1993 und 2003 in etwa auf wie folgt:
Expansion durch Wärme 1,6 +/- 0,5 mm
Schmelzende Gletscher und Polkappen 0,77 +/- 0,22 mm
Schmelzen der grönländischen Gletscher 0,21 +/- 0,07 mm
Schmelzen des antarktischen Eisschildes 0,21 +/- 0,35 mm
Seither nahm der Anteil durch Expansion aufgrund der Wärme ab – dafür stieg jener durch abschmelzendes Eis eklatant an – alleine im Jahr 2006 beispielsweise verloren Arktis und Antarktis 475 Gigatonnen Eis. Ein Vergleich? Der Bodensee fasst 48 Gigatonnen Wasser.
Die Erde befindet sich eigentlich in einem Stadium mit besonders niedrigem eustatischen Meeresspiegel (Meeresspiegelschwankungen im globalen Maßstab), wie es in der Erdgeschichte beispielsweise im Karbon, Perm oder Trias der Fall war (demgegenüber steht ein hoher Meeresspiegel wie etwa während der Oberkreide oder dem Ordovizium). Der Anstieg des Meeresspiegel ist somit einzig und allein auf einen klimatischen Ursprung zurückzuführen.
Im Worst Case – wie wirkt sich ein komplettes Abschmelzen des Eises auf den Meeresspiegel aus?
Gletscher 24 cm
Eiskappen 27 cm
Thermische Ausdehnung pro zusätzlichem Grad 20 bis 40 cm
Grönland-Eis 7 m
Antarktisches Eis 57 m
Eine Studie von Forschern der Ohio State University ergab, dass derzeit beispielsweise das grönländische Eis viermal schneller schmilzt als noch 2003. Dabei sprechen wir nicht von einigen Tonnen. Jedes Jahr verliert Grönland rund 200 Kubikkilometer an Eis. Mit dem Schmelzwasser könnten 5 Bodenseen gefüllt werden. Das alleine reicht für einen Anstieg des Meeresspiegels um 0,8 mm pro Jahr.
„Jetzt erkennen wir aber noch ein zweites ernstes Problem: Immer mehr innere Eismasse fließt als Schmelzwasser dem Meer zu.“
(Michael Bewies, Studienleiter Ohio State University)
Bis zum Jahr 2100 erwarten Forscher aus den unterschiedlichsten Fachgebieten einen Anstieg von bis zu 2 Metern. Die letzte Warm-klimaphase fand vor 35 Millionen Jahren statt – im sog. „Eozän“. Während dieser Zeit schmolzen die Polkappen nahezu gänzlich ab. Der Meeres-spiegel befand sich um rund 70 m höher als derzeit.
Doch wen betrifft dieser Pegelanstieg eigentlich? Es sind vor allem kleine Inselstaaten oder Atolle im Pazifik und der Karibik, die es schon in absehbarer Zeit nicht mehr geben wird. Deshalb hier nun eine kleine Auflistung inkl. der Bevölkerungszahlen, da auch diese Menschen nach und nach zu Flüchtlingen werden:
– Kiribati (115.000)
– Malediven (269.000)
– Marshall-Inseln (58.000)
– Mikronesien (500.000)
– Nauru (10.000)
– Palau (22.000)
– Tokelau (1.400)
– Tuvalu (9.000)
Die höchste Land-Erhebung auf Tuvalu beläuft sich auf 5 Meter über dem Meeresspiegel. Die ersten Umsiedelungen aufgrund des steigenden Meeresspiegels gab es bereits auf der pazifischen Insel Vanuatu im Jahr 2005. Auch auf den nicht unmittelbar gefährdeten Fiji-Inseln wurden schon küstennahe Dörfer in höhere Regionen verlegt. Insgesamt sind 43 Inselstaaten von der Überflutung betroffen. Die Atolle umso mehr, als das wärmere Meerwasser zur Korallenbleiche führt, die das Wachstum der Korallen stark einschränkt bzw. sogar stoppt.
Auch die Kontinentalküsten sind selbstverständlich davon betroffen:
– Ägypten
– Bangladesh
– China
– Indonesien
– Niederlanden
– Pakistan
– Thailand
Die 20 Millionenstadt Shanghai beispielsweise liegt durchschnittlich 4 m über dem dortigen Meeresspiegel. In Ägypten wären bei einem Anstieg von nur 50 cm nicht weniger als 12 Millionen Menschen betroffen, in Bangladesh leben 10 Millionen Menschen auf einer Fläche, die max. 1 m über Meeresspiegel-Niveau liegt. Nach Berechnungen der OECD würden im Jahr 2070 bei einem Anstieg des Meeresspiegels von +/- 50 cm ganze 150 Millionen Menschen weltweit zu Klima-Flüchtlingen – nur in küsten-nahen Millionenstädten!
„Ich kann aus persönlicher Erfahrung sagen, wie erschütternd es ist die Gleichgültigkeit zu sehen, mit der der Misere kleiner Inselstaaten begegnet wird.“
(Marlene Inemwin Moses, Ex-UNO-Botschafterin des Inselstaates Nauru)
Seit einem Viertel Jahrhundert laufen nun die Klimaverhandlungen – zumeist ohne Resultat. Was wird mit den Menschen geschehen, die ihre Heimat, ihre Jahrhunderte alte Tradition, ihre Kultur verlieren. Sollten auch Klimaschutzmassnahmen sofort gesetzt werden, so würde dies dennoch den Anstieg des Meeresspiegels nicht mehr stoppen. Hier ist der Point-of-no-return bereits überschritten.
Ich hoffe, ich habe mit diesem Blog etwas zum Verständnis der Greta Thunberg und anderer Klimaaktivisten beitragen können und den einen oder anderen Skeptiker über die Dringlichkeit ihrer Forderungen über-zeugen können, denn:
WIR HABEN KEINE ZEIT MEHR!!!
Lesetipp:
.) Mut zur Nachhaltigkeit. 12 Wege in die Zukunft; Hrsg.: Klaus Wiegand; FISCHER Taschenbuch 2016
.) Der Klimawandel. Diagnose, Prognose, Therapie; Stefan Rahmstorf / Hans Joachim Schellnhuber: Beck 2006
.) Sea Level Rise: History and Consequences; Bruce C. Douglas / Michael S. Kearney / Stephen P. Leatherman; Academic Press 2000
Links:
- www.wcrp-climate.org
- climate.copernicus.eu/
- public.wmo.int/en
- research.csiro.au
- www.nationalacademies.org/
- science.nasa.gov/
- www.klima-warnsignale.uni-hamburg.de
- www.mpg.de/de
- icesat-2.gsfc.nasa.gov/
- www.unenvironment.org
- www.klimafakten.de
- 350.org
- searise.correctiv.org/de/
Nicht jedermanns Sache – aber unheimlich gesund!
Posted on 07/11/26 by UlstoHeute mal etwas anderes: Ein Ernährungs- bzw. Gesundheitstipp! Viele suchen ihr Heil in Früchten aus Übersee – dabei gibt’s diese Superfoods auch in heimischen Gefilden! Ganz ohne zigtausend tzrückgelegten Flug-kilometern aus Übersee. Sauerkraut wäre beispielsweise ein Vertreter dieses Genres. Doch daneben gibt es noch Weiss-Gott andere Alter-nativen. Die Rote Beete etwa, das Gemüse des Jahres 2023/24! Sie ist mehr als beliebt bei Sportlern oder auch Medizinern. Doch so wirklich auf den Mittagstisch – das hat sie nicht bei jedem geschafft. Ein grosser Fehler!
Die Rote Beete stammt eigentlich aus dem Mittelmeerraum, doch brachten die Römer sie bereits vor rund 2000 Jahren nach Mitteleuropa. Sie zählt zu den Rüben, weshalb sie mancherorts auch als „Rote Rübe“ bekannt ist. Weshalb sie ausgerechnet „Rote Beete“ heisst, ist nach wie vor nicht wirklich klar. Möglicherweise leitet sich der Name vom lateinischen „beta“ (dt. Rübe) ab, andere sehen den Ursprung eher darin, dass die Knolle in Beeten wächst.
Hierzulande ist die Rote Rübe vornehmlich ein typisches Wintergemüse, das es auch in der Farbe weiss gibt, jedoch eher weniger bekannt. Das intensive Rot kommt von Züchtungen aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Aufgrund dieser Farbe wird sie auch als Färbemittel verwendet – in der Lebensmittelindustrie als E162 beispielsweise bei Gummibärchen oder Marmelade.
Doch ist die Rote Beete nicht nur ein Nahrungsmittel. Schon die ollen Römer schätzten sie als Heilpflanze. Sie ist reich an Vitaminen und Mineralstoffen. So etwa dem Beta-Carotin, das für die tiefrote Farbe der Rübe sorgt. Dieser Fruchtfarbstoff wird im Körper in das wichtige Vitamin A umgebaut, das im Körper in vielerlei Vorgängen benötigt wird. Als Seh-farbstoff etwa unterstützt er das Auge bei der Unterscheidung von hell und dunkel, aber selbstverständlich auch beim Farbensehen. In der Haut ist Vitamin A unerlässlich für die Zellerneuerung und somit wichtig für ein straffes Hautbild. Daneben versorgt es die Zellen mit Flüssigkeit. Auch viele andere Bereiche des Körpers wissen Vitamin A mehr als zu schätzen: Immunsystem, Blutbildung und alsdann das Knochenwachstum. Aus diesem Grund sollten Rote Beete gerade bei der Ernährung von Klein-kindern eine gewichtige Rolle spielen. Das nicht-gebrauchte Beta-Carotin wird über Harn und Kot wieder ausgeschieden. Kein Anlass zur Sorge – beides färbt sich nämlich rot, sodass man vermuten könnte, dass Blut in den Ausscheidungen enthalten ist.
Die Rote Beete ist zudem ein beliebter Lieferant der ebenso wichtigen Folsäure. 100 g Rote Rübe beinhaltet nicht weniger als 80 Mikrogramm. Das entspricht nahezu einem Drittel des Tagesbedarfs eines erwachsenen Menschen. Folsäure ist auch bekannt als Vitamin B9, das im menschlichen Körper ebenso vielfach benötigt wird: Zellteilung, Blutbildung und Wachstumsprozesse. Der Folsäure kommt deshalb eine enorm wichtige Bedeutung bei schwangeren Frauen bzw Frauen mit Kinderwunsch zu.
Wie heisst es immer so schön beim Teleshopping? Das ist noch lange nicht alles: Wer heute zubeisst bekommt noch einen ordentlichen Schub an Vitamin C hinzu – ganz umsonst! Nö – umsonst ist das auf gar keinen Fall: Schliesslich ist Vitamin C für das menschliche Immunsystem von enormer Bedeutung. 10 Milligramm des wertvollen Stoffes sind in 100 g Rote Beete enthalten. Auch die Vitamine B2, B1 und B6 sind in grosser Fülle enthalten. Sie stärken nicht nur das Abwehrsystem, sondern die beiden letzteren auch die Nerven und B2 alsdann den Stoffwechsel.
Und schliesslich der letzte, aber umso wichtigere Vitaminkomplex: Vitamin E! Es schützt den Körper vor freien Radikalen, die die unter-schiedlichsten Krankheiten wie auch den Krebs auslösen können. Ganze 100 Mikrogramm Vitamin E sind in 100 g Rote Beete enthalten. Hierfür bedarf es also keiner Superfood aus Südamerika wie dem Granatapfel oder der Sanddornbeere!
Zu den Mineralstoffen! Nach Angaben der deutschen Gesellschaft für Ernährung enthalten 100 g Rote Beete folgende für den Körper enorm relevante Mineralstoffe:
- 410 Milligramm Kalium
- 60 Milligramm Natrium
- 45 Milligramm Phosphat
- 20 Milligramm Magnesium
- 15 Milligramm Calcium
Natrium und Kalium sind entschiedend für die Weiterleitung von Nerven-impulsen, den Herzrhythmus und dem Flüssigkeitshaushalt des Körpers. Gemeinsam mit dem Magnesium zudem für die Muskelleistung, unter anderem auch des Herzmuskels. Magnesium kurbelt ferner den Stoff-wechsel durch die Produktion von Enzymen an. Diese wiederum wirken auf die Zellen: Energiegewinnung der Mitochondrien, Regeneration und Sauerstoffnutzung. Phosphat beeinflusst den Energiestoffwechsel sowie die DNA. Gemeinsam mit Calcium alsdann den Knochenstoffwechsel und die Festigkeit des menschlichen Skeletts. Calcium ist zudem wichtig für die Zähne. In der Auflistung nicht enthalten sind Eisen (0,9 Milligramm) und Zink (0,4 Milligramm). Eisen regelt die Zellbildung, den Sauerstoff-transport und die Zellatmung, Zink den Eiweissstoffwechsel, die Spermienproduktion beim Mann und die Zellteilung.
Empfehlenswert ist die Rote Beete übrigens auch bei Abnehmkuren – 100 g enthalten gerade mal 40 kcal und nur neun Gramm Kohlenhydrate bzw. 0,2 g Fett.
Bei all diesen Eigenschaften ist es nicht verwunderlich, warum Leistungs-sportler gerne auf die Knolle zurückgreifen. So auch das vermutete Ergebnis einer Studie der Universität Exeter/GB zum Blutdruck: Das in der Rote Beete enthaltene Nitrat wird im Körper verarbeitet und senkt den Sauerstoffverbrauch, steigert aber die Muskelleistung. Weniger Energie-verbrauch bei grösserer Leistung. Nachweisen konnten dies die Wissen-schafter aber nicht. 39 Erwachsene unter 30 Jahre und 36 Erwachsene zwischen 60 und 80 Jahren mussten hierfür über zwei Wochen regelmässig Rote Beete-Saft trinken. Nach einer Auswaschzeit wurde ein Plazebo-Saft ohne Nitrate für ebenfalls zwei Wochen gereicht. Das nachgewiesene Ergebnis war jedoch umso überraschender: Bei den bis 30-jährigen zeigte sich kein eklatanter Unterschied, bei den älteren hingegen sehr wohl. Deren Blutdruck sank deutlich. Diesem Umstand ging die Studienleiterin Prof. Anni Vanhatalo auf den Grund. Bei älteren Menschen gibt es im Mund ein Ungleichgewicht guter und schädlicher Mundbakterien (Mikrobiom). Dies führt zur geringeren Produktion des körpereigenen Stickstoffmonoxids, was wiederum zu höherem Blutdruck und Herzinfarkt bzw. Schlaganfall führen kann.
Bei all diesen guten Eigenschaften der Knolle erkannten die Forscher aber auch negative.
Oxalate sind Verbindungen der Oxalsäure. Sie sind vornehmlich das Ergebnis des Stoffwechsels und werden normalerweise durch Darm und Niere ausgeschieden. Wird allerdings die Konzentration der Oxalate zu hoch, lagern sie sich im Körper an und können zu Nieren- bzw. Harnsteinen führen. Deshalb sollten Nierenpatienten besser auf den Verzehr von Rote Beete verzichten. Durch das Kochen der Knolle sinkt die Konzentration der Oxalsäure. Allerdings werden dadurch auch viele der bereits erwähnten positiven Inhaltsstoffe zerstört.
Nitrate werden im Körper unter gewissen Voraussetzungen zu Nitrit umgewandelt. Diese Salze und Ester der salpetrigen Säure HNO behindern den Sauerstofftransport und führen zu einer Erkrankung, die an einer Blaufärbung der Schleimhäute und der Haut zu erkennen ist: Der Zyanose. Daneben reagiert das Nitrit auch mit anderen Stoffen, was zur Bildung von Nitrosaminen führen kann. Diese, so vermutet die Wissenschaft, können krebserregend sein.
Die Rote Beete sollte also in Maßen immer mal wieder auf dem Speiseplan stehen. Ich mag sie etwa gerne als Ergänzung im Salat, andere bevor-zugen sie im heissen Zustand – etwa als Borschtsch. Am gesündesten ist die Knolle jedoch frisch und roh. Viele der Vitamine vertragen keine Hitze. Das Gerücht, wonach die Rübe roh giftig sei, muss zurückgewiesen werden. Allerdings sollte man bei der Zubereitung Handschuhe anziehen, da sich ansonsten das rote Beta-Carotin hartnäckig in der Haut und gegebenenfalls auch der Kleidung hält. Im Kühlschrank gelagert übersteht die Rote Beete rund eine Woche. Wer sich das alles nicht antun will, kann auch den Rote Beete-Saft trinken. Hierbei sollte allerdings darauf Bedacht genommen werden, dass der Saft möglichst natürlich produziert und kein Zucker hinzugeführt wurde. Als Nahrungsergänzung in Form von Pulver oder Kapseln rate ich persönlich ab: Selbst zubereitet schmeckt die Rote Beete wesentlich besser und jeder kann nach eigenem Gutdünken die Konzentration der Nährstoffe einstellen. Ausserdem sollte vor der Einnahme der Präparate ein klärendes Gespräch mit dem Arzt des Vertrauens geführt werden.
Das Ergebnis meiner Recherche:
Wer braucht Superfood aus Übersee, wenn diese direkt vor der Haustür im eigenen Garten wächst!!!
Links:
Lesetipps:
- Nutzpflanzen in Deutschland; Udelgard Körber-Grohne; Mikol 2001
- Frisches Gemüse aus dem Garten; Winfried Titze; Ulmer 1987
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Posted on 07/04/26 by UlstoSehr geehrte Leser und Leserinnen,
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