Der Mensch – die Krone der Schöpfung?
Posted on 02/14/26 by UlstoAngesichts solcher Bilder muss wahrhaft daran gezweifelt werden. Und in diesem Falle handelt es sich nicht mal um die industrielle Landwirtschaft, sondern um mittelgrosse und kleine Betriebe!
Wir kennen wohl alle die Bilder aus der Werbung: Glückliche Hühner, Schweine und Rinder mit jeder Menge Freilauf! Sie sollen den Konsu-menten täuschen und zu weiterem Griff in die Fleisch- oder die Frische-theke bewegen. Ganz nach dem Motto: Den Tieren geht es ja eh gut, bis sie geschlachtet werden. Bis auf Betriebe aus der Bio-Landwirtschaft oder ernst zu nehmenden Tierwohl-Gütesiegeln – eine vorsätzliche Lüge! Über Hühner und Schweine habe ich an dieser Stelle bereits berichtet. In dem heutigen Blog stehen deshalb die Kühe und die Anbindehaltung im Mittelpunkt!
https://www.facebook.com/VGT.Austria/videos/939104540115800/
Diese Anbindehaltung ist seit Jahrzehnten in den heimischen Ställen ein bislang toleriertes Haltungssystem: In Deutschland leben etwa 10 % der Rinder in der Anbindehaltung (das waren etwa 2020 noch 1,14 Mio), in der Schweiz rund 50 % und in Österreich etwa 25 %! Diese Haltung ist etwa bei Pferden grundsätzlich verboten, bei Schweinen durch die EU-Richtlinie 1997, die eine solche nur als Ausnahme zulässt. Unterschieden wird dabei zwischen Kurz-, Mittellang- und Langstand. Doch – wie immer, wenn etwas toleriert wird, wird es bis über die Grenzen hinaus praktiziert. Allerdings geriet sie zuletzt immer mehr in den Mittelpunkt der Diskussionen – mehr als berechtigt. Müssen diese Tiere wirklich ihr ganzes Leben opfern – unter unvorstellbaren Bedingungen, damit Herr und Frau Maier oder Warliczeck ohne Bedenken zu ihrem Joghurt, dem Glas Milch, dem Rinderbraten oder dem Käse bei ihrer Brettljause greifen können! Nein, sie müssten es nicht, doch geht die Gewinnsucht so mancher anderer Wege und lässt dabei (aufgrund der guten Lobby) auch Grüne in der Regierung verstummen.
Was hat es nun mit dieser Anbindehaltung auf sich? Alleine in Deutsch-land stehen nach Angaben von Umwelt- und Tierschutzorganisationen wie Greenpeace, WWF oder auch Verbraucherorganisationen wie Food-watch mehr als eine Million Rinder und Kühe an der Grabnerkette oder im Gelenkhalsrahmen im Stall. Ohne Bewegung, ohne wirklichen Platz sich zumindest mal kratzen zu können. Vor ihnen das Eisengestänge, der Wasser- und der Futtertrog. Hinter ihnen der Ablauf für Fäkalien und Harn. Eine Bewegung ist für viele gar nicht möglich, da sie an die andere Kuh gleich neben ihnen stossen. Die meisten haben nicht mal Stroh auf dem Stallboden liegen. In früheren Zeiten war das für die meisten Landwirte nicht anders machbar, schliesslich gab es damals keine wirk-lich grossen Bauernhöfe. So konnte auch ein Freilaufraum nicht einge-richtet werden. Dafür durften die Vierbeiner nach dem Winter wieder auf die Weide oder auf die Alm. Wer sich schon mal ein solches Video angeschaut hat, bei dem die Kühe im Frühjahr erstmals wieder auf die Weide durften, kann sich vorstellen, wie sie in den Winterjahren gelitten haben, auf ihren rund 2 Quadratmetern im Stall!
Doch sind inzwischen viele Bauern zu der Überlegung gekommen, die Tiere ganzjährig im Stall zu behalten. Welche Perversion: Da wächst die direkt an den Hof angrenzende Wiese in sattem Grün, wird gemäht und den Kühen im Stall als Grünfutter vorgeworfen.
Man muss kein Veterinär oder Humanmediziner sein – gilt für Mensch und Tier – um sagen zu können, dass Bewegung die Fettverbrennung anregt und die Muskulatur stärkt. Eine Erklärung unter anderem dafür, dass wahre Fleischesser Wildfleisch gegenüber den dem Fleisch von „Nutztieren“ vorziehen: Der Fettanteil ist zugunsten des Fleischanteils wesentlich geringer. Doch geht es in der Landwirtschaft vornehmlich um die Milch. Deshalb müssen Kühe in regelmässigem Abstand auch trächtig werden, damit sie auch weiterhin Milch produzieren. Die Kälber hingegen werden ihnen meist noch vor der Abstillung abgenommen. Die männ-lichen landen nach tausenden Strassenkilometern in Spanien oder Italien in der Mast, wenn sie den Transport überleben.
Unzählige Tierschutzorganisationen, wie auch der Verein gegen Tier-fabriken (VGT) haben nach jahrelangem und scharfem Protest dazu beigetragen, dass Bauern inzwischen umdenken, da eine Sensibilisierung der Konsumenten erfolgte. Viele haben inzwischen Freilaufställe gebaut, in welchen die Kühe ihren Auslauf haben und eine nahezu natürliche Umgebung vorfinden. Viele Konsumenten wollen nämlich inzwischen wissen, woher ihr Fleisch kommt und unter welchen Umständen das Tier gelebt hat. Bei den Molkereiprodukten ist dies leider noch nicht der Fall. Zig Millionen greifen nach wie vor zu Milch, Joghurt, Butter und Käse, weil sie der Überzeugung sind, dass sie sich dadurch gesund ernähren. Was für ein Irrtum! Tiere in Stallhaltung werden mit Hormonen, aber auch Antibiotika gefüttert. Dadurch soll Krankheiten vorgebeugt werden. Tatsächlich landet all das im Fleisch und der Milch. Darunter sind auch Antibiotika, die in der Humanmedizin als letzte Möglichkeit eingesetzt werden, wenn andere nicht mehr wirken. Krankheitserreger entwickeln sich weiter: Besteht beim Wirt eine Immunität, so werden Stämme gebildet, die diese zu umgehen. Dadurch entstehen multi-resistente Viren und Bakterien – auch Krankenhauskeime!
Zurück zur Anbindehaltung:
Viele „normale“ Bauernhöfe können den Umbau eines Anbindestalles in Freilaufstallungen nicht finanzieren. Hierzu sei erwähnt: Es gibt Förderungen! 30 rot-weiss-rote Euro wurden dafür ab 2023 zur Verfügung gestellt.
Wie bereits kurz angeschnitten, reagiert die Politik nur sehr zögerlich. Anfang Juli des Jahres 2022 (!) wurde mit Gültigkeit am 28. Juli 2022 von der türkis-grünen Regierung Österreichs eine Novelle zum Tierschutzgesetzes als Meilenstein zum Tierwohl präsentiert und beschlossen.
„Denn für eine zukunftsfeste Landwirtschaft, die für Mensch, Tier und Umwelt arbeitet, müssen wir eine Brücke bauen.“
(Der damalige österreichische Tierschutzminister Johannes Rauch von den Grünen)
In Paragraph 16 Abs. 4 heisst es, dass Rindern an „mindestens 90 Tagen im Jahr geeignete Bewegungsmöglichkeiten oder geeigneter Auslauf oder Weidegang zu gewährleisten“ ist. Hört sich schon mal gut an, doch war die dauerhafte Anbindehaltung in Paragraph 16 Abs. 1 und 3 bereits zuvor schon verboten. Und DER Haken schlechthin: Das alles gilt erst ab dem 01. Januar 2030! Ein Gesetz, das erst acht Jahre nach Beschluss in Kraft tritt!!! Mein Verständnis reicht gerade mal soweit, dass Kleinbauern die Möglichkeit gegeben werden soll, sich durch einen Umbau nicht übergebührlich zu verschulden und den Betrieb möglicherweise gar dicht machen zu müssen. Wie allerdings mit solch langen Übergangsfristen bereits (auch in anderen Bereichen) zigfach bewiesen: Auch jene Bauern, die diesen Umbau locker finanziell verkraften könnten (die Grossbauern) werden bis Dezember 2029 abwarten und dann wieder auf die Strasse gehen – obgleich sie bereits zuvor den Grossteil der Agrarsubventionen abgegriffen haben. Viele davon besitzen alsdann mehr Kühe, als deren Weideland zulassen würde. Somit müssen sie Futter zukaufen oder weitere Felder pachten um den im Stall gehaltenen Tieren Gras oder Heu liefern zu können. Der Verein gegen Tierfabriken VGT hat bereits im Frühjahr und Sommer 2022 eine Umfrage an die Bezirkshauptmann-schaften gestellt. Das Ergebnis mit Stand 1. September 2022 ergab: Nicht weniger als 4.331 Betriebe in ganz Österreich praktizierten die dauer-hafte Anbindehaltung. Mit 2.778 Betrieben in Oberösterreich die meisten, und mit 4 Betrieben in Vorarlberg die wenigsten. Die Bundeshauptstadt Wien hat angeblich gar keine! Auf die Gefahr hin, mir jede Menge Feinde zu schaffen: Ich gehe mal davon aus, dass dort wesentlich mehr zwei- als vierbeinige Rindviecher leben! Fairerweise sollte erwähnt werden, dass viele Bezirkshauptmannschaften auf die Anfrage des VGT gar nicht geantwortet haben – damit ist mit diesen Zahlen nicht wirklich zu arbeiten, da die Dunkelziffer weitaus höher liegt.
Ein Kalb darf in Österreich bereits mit sechs Monaten angebunden werden. Die durchschnittliche Lebensdauer einer Milchkuh beläuft sich auf 5 Jahre. Wir schreiben inzwischen das Jahr 2026 – bis 2030 ist es noch nahezu eine ganze Kuhgeneration, also hunderttausende Kühe (über eine halbe Million Milchkühe, Zucht- und Masttiere, Ochsen, Stiere), die trotz eines bestehenden Gesetzes ihr Leben unter grauenvollen Umständen opfern müssen. Und zudem gilt auch: 90 Tage sind gerade mal drei Monate! Ist denn ein Auslauf im Frühjahr und Herbst nicht möglich? Auch wenn das Wachstum der Natur es nicht oder nicht mehr ermöglichen sollte (die Klimaveränderungen stehen da allerdings dagegen: Rasenmähen im Dezember ist gar nicht mal mehr so abwegig), so könnte ihnen doch auch in diesen Jahreszeiten zumindest der Auslauf gewährt werden! „Artgerechte Haltung“ – das spottet wohl allen vorliegenden Fakten! Ein kurzer Zahlenvergleich (in der Hoffnung, dass sich dies in den letzten Jahren verbessert hat: 2020 gab es im Alpenstaat nach Angaben der Agrarstrukturerhebung 21.801 Plätze für Rinder mit Freilandhaltung (ausschliesslich oder ganzjährig – entweder winterfeste Rinder wie die schottischen Highland-Rinder, oder sie können sich selbst entscheiden, ob sie raus wollen oder nicht). Ich würde mal sagen: Das kommt der artgerechten Haltung schon näher. Demgegenüber stehen aber 566.206 Rinder in Anbindehaltung!
Zum Thema Gütesiegel: Es gibt inzwischen derart viele, sodass Otto-Normalverbraucher diese gar nicht mehr überblicken kann. Bleiben wir in Österreich: Das wohl höchste dieser Gütesiegel ist das AMA-Gütesiegel. Die Agrar-Markt-Austria hat 2024 reagiert: Seit 01. Januar 2024 (zwei Jahre nach dem Beschluss im österreichischen Nationalrat) wurde dieses Gütesiegel in Milchvieh-Betrieben mit andauernder Anbindehaltung für Milch- und Milchprodukte zurückgezogen. Kurz danach folgte zum selben Zeitpunkt auch der Frischfleischbereich. Davon betroffen waren zirka 10 bis 15 % der rund 8.500 Betriebe, die das Verbot der dauerhaften Anbindung in Anspruch nahmen (bestehende Stallungen). Hier möchte ich nur zu bedenken geben, dass die Tierwohlstandards der deutschen Lebensmittelketten im Jahr 2024 höher waren als jene des AMA-Gütesiegels!
In einem Gutachten der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) wird ein Ende der Anbindehaltung empfohlen. Die EU hat die Anbindehaltung auf Bio-Bauernhöfen 2007 mit Umsetzung 2014 verboten. Die Ausnahme: Kleine Höfe – dort dürfen die Tiere im Winter angebunden bleiben, müssen jedoch zweimal die Woche Auslauf haben. In Deutschland forderte das Bundesland Hessen 2015 ein komplettes Verbot. Erst Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir wollte ein ähnliches Modell wie Österreich einführen – doch zerbrach die rot-grüne Bundesregierung kurz vor der Beschlussfassung. Der derzeitige Bundes-landwirtschaftsminister Alois Rainer von der CSU meint hierzu:
„Wir wollen auch die Anbindehaltung regeln. Wir wollen aber die Anbindehaltung regeln mit den Betroffenen!“
Abschliessend noch ein Wort zur Hygiene bzw. der Verletzungsgefahr bei den Kühen. Milchkühe benötigen mindestens 50 Stunden Auslauf pro Monat, da ansonsten Sprunggelenksschäden auftreten können. Beim Kurzstand kommt die Kuh zumeist mit dem Sprunggelenk azf der Kante zum Kotkanal zu liegen. Hierdurch entstehen sehr häufig Druckstellen oder Hautabschürfungen am Sprunggelenk. Beim Langstand hingegen fallen Kot und Harn oftmals auf den Stand. Die Kuh legt sich dann in die eigenen Fäkalien, was automatisch zu Entzündungen an den Eutern führt. Zudem sind – wie beim Menschen auch – Kühe in der dauernden Stallhaltung wesentlich anfälliger für Infektionskrankheiten.
Lesetipps:
.) Welchen Einfluß hat die Umstellung von Anbindehaltung auf Boxenlaufstallhaltung auf die verschiedenen Leistungsparameter bei Milchkühen?; Frank Groh, Gerhard Schwarting; 1996
.) Die Anbindehaltung von Kühen; P. Jakob, T. Oswald; FAT 1986
.) Milcherzeugung: Grundlagen – Prozesse – Qualitätssicherung; Hrsg: Rolf-Dieter Fahr; Deutscher Fachverlag 2003
Laufstallhaltung kontra Anbindehaltung: ethologische und ökonomische Aspekte der Milchviehhaltung; Marietta Lehner; Verband für Ökologisch-Tiergerechte Nutztierhaltung und Gesunde Ernährung Freiland 1996
Links:
- www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=20003541&FassungVom=2023-02-06
- www.rinderzucht.at
- www.bauernverband.de/
- www.lko.at/
- www.bios-kontrolle.at/
- tirol.lko.at
- vgt.at/
Die Show der Shows
Posted on 02/07/26 by UlstoIn der Nacht von Sonn- auf Montag findet DAS sportiche Highlight des Jahres statt! Nein, nicht die Olympischen Winterspiele in Mailand, Cortino und Antholz! Die US-Amerikaner haben’s nicht wirklich mit dem Schi-Sport. Und das, obgleich sie gar zwei heisse Eisen im Feuer um Mehrfach-Gold haben: Der derzeit alles überstrahlende Stern der Mikaela Shiffrin in den alpinen Technik-, und die ehemalige Abfahrts-Queen Lindsey Vonn in den Speed-Disziplinen, die es mit 42 Jahren nochmals wissen will!
Nein – ganz Amerika fiebert seit Wochen auf ein Ereignis hin – auch hierzulande wurden massenweise Bier und Snacks eingekauft und die Plasma-TVs bzw. Beamer in den Party-Kellern oder Garagen zurecht-gerückt: In der Nacht von Sonn- auf Montag (08. auf 09. Februar) wird der LX. (60.) Super Bowl über die Bühne gegangen – Kickoff ist um 00.30 Uhr MEZ bzw. 15.30 Uhr Ortszeit. Dabei treffen im Levi’s Stadium in Santa Clara, knapp 70 Kilometer südöstlich von San Francisco, wie zuletzt 2015 die New England Patriots auf die Seattle Seahawks. Damals gewannen die Patriots mit 28:24. Übrigens ein seltenes Aufeinander-treffen: Seit 10 Jahren erst das vierte Mal. Das heurige Stadion ist die Heimstätte der San Francisco 49ers.
Die Patriots stehen zum bereits 12. Mal im Finale, sechs davon konnten sie gewinnen. Ein siebter Titel wäre Super Bowl-Rekord! Die Seahawks kämpfen zum vierten Mal um den Titel, einmal waren sie erfolgreich. Die Wettquoten auf den Sieg liegen jedoch bei den Seahawks bei -225, bei den Patriots bei +190 – klarer Favorit sind somit die Seahawks. Die beiden Teams gewannen die Saison vornehmlich durch ihre Defensive (Defensiv Line). Die Namen der beiden Trainer sollte man sich merken: Bei den Seahawks ist es der erst 38-jährige Mike Macdonald. Letzte Saison als Cheftrainer eingestiegen und schon jetzt im Finale. Die Patriots werden von Mike Vrabel trainiert, der bei den Patriots unter deren Trainerlegende Bill Belichick spielte. Als Spieler holte er dreimal den Titel, als Trainer ist es seine erste Saison.
Interessant auch das Aufeinandertreffen der beiden Quarterbacks: Drake Maye bei den Patriots steht schon in der dritten Saison im Einsatz. Mit erst 23 Jahren könnte er durchaus der Legende Tom Brady gefährlich werden, der insgesamt sechsmal den Superbowl holte. Bei den Seahawks ist es der 28-jährige Sam Darnold, der bereits in vier anderen Teams unter Vertrag stand. Und so ganz nebenbei: Bei den Patriots spielt mit Josef Metz auch ein Deutscher mit. Da der Offensive Tackle allerdings erst am 16. Januar unter Vertrag genommen wurde, steht er noch im erweiterten Kader (Practice Squad).
Die Seattle Seahawks gewannen letztmalig vor 12 Jahren im Finale – da bezwangen sie die Denver Broncos mit unglaublichen 43:8. Davor verloren sie 2006 mit 10:21 gegen die Pittsburgh Steelers und danach eben 2015 mit vier Punkten Unterschied gegen die New England Patriots.
Die Patriots gewannen zuletzt 2019 den Super Bowl mit 13:3 gegen die Rams. Im Jahr davor verloren sie gegen die Eagles mit 33:41 und 2017 blieben sie mit Quarterback-Superstar Tom Brady mit 34:28 über die Falcons erfolgreich.
In diesem Jahr wird US-Präsident Donald Trump nicht wie 2025 die Veranstaltung beehren. Ihm gefiehl die Wahl von Bad Bunny als Halbzeit-Act nicht (gleich mehr dazu). Andere Promis hingegen sind im Stadion – so etwa die Schauspieler Chris Pratt, Matt Damon und Ben Affleck, der US-Rapper Macklemore, Microsoft-Gründer Bill Gates und die Musiker Elton John sowie Mike McCready von der Rock-Band Pearl Jam, um nur einige zu nennen!
Nun ein Wort zum Rahmenprogramm: Den Auftakt machen Green Day. Die 15 Minuten der Halbzeitpause wird der Puerto Rikaner „Bad Bunny” verkürzen, möglicherweise mit Überraschungsgästen. Er war im letzten Jahr der am meisten über Spotify gestreamte Interpret. Und die National-Hymne „The Star-Spangled Banner“ wird vom US-Sänger Charlie Puth dargebracht.
Der Super Bowl ist unumstritten die grösste Sportshow der Welt mit rund 800 Millionen TV-Zusehern bis ins hinterste Eck dieses Globusses, ja sogar bis ins Dorf Namenlos in Tirol!
Heute möchte ich allerdings weniger über Football berichten, obgleich sich zwei sehr attraktive Mannschaften gegenüber stehen.
Diese Sportveranstaltung ist in allem etwas grösser, fulminanter und rekordverdächtig ohnedies.
Zur Geschichte:
Der Super Bowl ist das Finalspiel des Saisonsiegers der Western Conference gegen den Saisonsieger der Eastern Conference in der National Football League. Das erste NFL Championship Game wurde im Jahre 1932 zwischen den Chicago Bears und den New York Giants ausgetragen – die Bears gewannen mit 23:21. Der Super Bowl wie wir ihn heute kennen, fand erstmals 1967 statt, als der Sieger der NFL gegen den Sieger der neu gegründeten American Football League (AFL) antrat. Die beiden Ligen wurden 1970 fusioniert. Seither wird das Finale zwischen der American Football Conference und der National Football Conference ausgetragen. Gespielt wird stets in südlichen Bundesstaaten, da es klimatisch wärmer ist. Wer schaut sich schon gerne ein Game bei Schneetreiben an. Bislang konnte noch nie eine Mannschaft ein Heim-Endspiel abliefern, also im eigenen Stadion spielen. Das Levi’s Stadium in Santa Clara war bislang nur einmal Austragungsort des Super Bowls – 2016 beim 50er-Jubiläum. Sein Spitzname ist „Field of Jeans“! Es fasst 75.000 Fans und wurde erst 2014 eröffnet. Einige Wochen später sollte hier auch Fussball gespielt werden – im Rahmen der Fussball-WM 2026.
Als Spieltermin fungiert zumeist der erste Sonntag im Februar – in den USA ist dies der Super Bowl Sunday – ein inoffizieller Feiertag. Eintritts-karten sind heiss begehrt – sie werden jedoch zwischen den NFL-Teams aufgeteilt: 17,5 % gehen jeweils an die Endspielteams, 5 % an die veran-staltende Mannschaft (heuer die 49ers) und 34,8 % an die restlichen NFL-Mannschaften. Einige wenige Karten werden durch die NFL selbst verlost. Der Preis für ein normales Ticket liegt derzeit bei 5.800 Dollar (obwohl sie zuvor für 600,- $ verlost wurden) – alleine ein Parkplatz am Stadion kostet schon rund 700 Dollar.
Sechs Mal gewannen jeweils die Pittsburgh Steelers und die New England Patriots die Vince Lombardi Trophy – ein Pokal, der nach dem Trainer des ersten Super Bowl-Gewinners, den Green Bay Packers benannt wurde und eigens von Tiffany & Co angefertigt wird (Sterling-Silber, 3,5 kg schwer, 55 Zentimeter hoch). Preis: 25.000,- US-Dollar – für Football-Fans jedoch unbezahlbar. Dann folgen die Dallas Cowboys und die San Francisco 49ers mit jeweils fünf Titeln. Der wertvollste Spieler des Abends (MVP) erhält einen Extrapreis, die Pete Rozelle Trophy und jeder Spieler aus dem Siegerteam einen Ring aus Gold und Diamanten, den Super Bowl-Ring (Wert: Jeweils 5.000,- $). Auch sie haben einen unheimlichen Lieblings-wert bei den Fans – so sollen einzelne Ringe bereits für eine sechsstellige Summe verkauft worden sein.
Bislang erfolgreichster Teilnehmer ist der ehemalige Head Coach der New England Patriots, Bill Belichick, der an neun dieser Finals teilnahm und sechs davon für sich entscheiden konnte. Dann folgen mit jeweils sechs Teilnahmen Andy Reid (drei Siege mit den Philadelphia Eagles und den Kansas City Chiefs) und Don Shula (mit zwei Siegen mit den Baltimore Colts bzw. den Miami Dolphins). Erfolgreichster Spieler ist der Quarter-back Tom Brady mit sieben Ringen (6x für die New England Patriots, den letzten gewann er mit den Tampa Bay Buccaneers). Danach folgt Joe Montana mit 4 gewonnenen Super Bowles.
Bis zu 140 Millionen TV-Zuschauer sind an den US-amerikanischen TV-Geräten zuhause, bei Super Bowl-Parties oder in Clubs an den Fernseh-geräten versammelt. Der übertragende TV-Sender ist in diesem Jahr NBC (Übertragung im Free-TV in Deutschland durch RTL) – er verlangt für einen 30 Sekunden-Spot rund 8 Mio Dollar (rund 7,3 Mio € – gleich geblieben wie im letzten Jahr bei Fox). Werbespots werden eigens für dieses Event produziert. Der teuerste dieser Clips kam von Amazon („Mind Reader“) – 130 sec für 26 Mio Dollar.
Zwischen den beiden Hälften findet die Halbzeitshow statt. Hier gibt sich zumeist das Who is Who der Pop- und Rockmusik das Mikrophon in die Hand: Aerosmith, Bruce Springsteen, Lady Gaga, Michael Jackson, Prince, Rolling Stones, U2, … Heuer ist es eben Bad Bunny. Die Nationalhymne wurde ebenfalls von vielen herausragenden Sänger/-innen dargebracht: Whitney Houston, Mariah Carey, Lady Gaga, Alicia Keys, Pink oder auch Neil Diamond.
Der Super Bowl hat sich, wie überhaupt der US-amerikanische National-sport, zum Politikum entwickelt. Viele werden wohl noch jene Spieler vor Augen haben, die während des Abspielens der Nationalhymne knieten. Diese Aktion rief der bis zum Jahr 2016 bei den 49ers spielende Quarter-back Colin Kaepernick als Protest gegen die Unterdrückung der afro-amerikanischen Bevölkerung und die Polizeigewalt im Lande aus. Wieder-Präsident Trump forderte damals die Entlassung all jener Spieler, die sich diesem Protest anschlossen. Inzwischen müssen sich Spieler und Publi-kum positionieren. Allerdings auch die Promis, die die Halbzeitshow abliefern sollen. Angeblich sagten die Superstars Rihanna, Jay Z und Pink deshalb den Ritterschlag eines Auftritts vorerst ab – doch wie immer wieder zu sehen: Nichts ist für ewig! Auch Jennifer Lopez meinte vor sechs Jahren im Magazin „Variety“ mit einem ordentlichen Seitenhieb auf die Regierung Trump:
„Ich denke, es ist sehr wichtig für zwei Latino-Frauen in diesen Zeiten – in denen Latinos in diesem Land auf eine bestimmte Art und Weise behandelt oder gesehen werden – auf dieser Bühne zu stehen und zu zeigen, dass wir eine wunderschöne wertvolle Kultur haben, und in diesem Land etwas notwendiges beisteuern.“
Gegen Live-Proteste in der Halbzeitpause haben sich allerdings die TV-Sender seit dem Nippelgate-Skandal von Janet Jackson und Justin Timberlake im Jahre 2004 gesichert: Die Halbzeitshow wird zeitversetzt ausgestrahlt, damit derartige „Unannehmlichkeiten“, die nicht ins Bild passen, herausgeschnitten werden können. Auch haben selbstverständ-lich die Politiker die Gelegenheit und Zugkraft dieser Veranstaltung erkannt. So strahlte Fox bei seiner Live-Übertragung 2020 vor dem Spiel eine Rede Donald Trumps aus. Zudem buchte er zwei 30-Sekunder, der für die Demokraten startende Michael Bloomberg kaufte sich eine Minute – Kostenpunkt: 11 Millionen Dollar! Der Milliardär wird’s wohl aus seiner Portokasse beglichen haben.
Rund 6.000 Medienvertreter berichten jedes Jahr über diesen Super Bowl-Sunday vorort. Viele TV-Sender haben zumindest online einen Live-Ticker laufen. Neben RTL überträgt auch der Pay-TV-Sender DAZN In Deutsch-land bzw. Österreich.
So ganz nebenbei erwähnt: 2023 standen sich Travis Kelce (der Liebste von Popstar Taylor Swift) und sein Bruder Jason gegenüber. Damals meinte Travis, dass ihre Mutter die eigentliche Gewinnerin des Super-Bowls wäre:
„Ein cooles Szenario – unsere Mutter kann nicht verlieren!“
Beide Kelce-Brüder wurden von demselben Mann in die Liga geholt: Der Head-Coach der Chiefs, Andy Reid, verpflichtete 2011 Jason Kelce nach Philadelphia, zwei Jahre später dann Travis für Kansas City.
„Ich habe in beide Zeit investiert. Ich fühle mich also wie ein Teil der Familie!“
Jason Kelce beendete am 4. März 2024 seine Karriere, nachdem er 13 Jahre lang für die Philadelphia Eagles kickte.
Insgesamt leiten acht Schiedsrichter das Spiel – der „Referee“ (Haupt-schiedsrichter) ist in diesem Jahr erstmals Shawn Smith.
Nicht nur hierzulande melden sich viele am folgenden Montag nach dem Spiel krank – in den USA ist das nahezu gang und gebe (+6 % – viele erscheinen zwar zur Arbeit, sind jedoch nicht ansprechbar!). Und das verdrücken die Amerikaner vor, während und nach dem Spiel: 1,25 Milliarden Chicken Wings, 120 Millionen Liter Bier, 14.000 Tonnen Chips und 4.000 Tonnen Popcorn – mit anderem macht dies rund 10 Milliarden US-Dollar, die sich Herr und Frau Smith landesweit zum Highlight des Jahres gönnen. Übrigens machen die Pizza-Lieferdienste mit rund 11 Mio Pizzen ca. ein Drittel ihres Jahresumsatzes an nur diesem einen Tag.
Link:
Rettet die Bienen
Posted on 01/31/26 by UlstoWinterzeit ist für viele auch Honigzeit! Durchaus berechtigt, wirkt er doch für das Immunsystem wie ein Booster im Kampf gegen Infektions-krankheiten.
Steht der Honig jedoch zu lange, so kann es durchaus geschehen, dass sich vornehmlich bei Importware eine unappetitliche Schicht bildet: Die Amerikanische Faulbrut (AFB oder auch Bienenpest)! Angeblich soll sie für den Menschen ungefährlich sein, es bleibt allerdings das Unappetitliche. Für die Bienen hingegen ist sie brandgefährlich und rafft Jahr für Jahr tausende Völker hin. Was hat es nun mit dem Ganzen auf sich?
Die Amerikanische Faulbrut wird durch das Bakterium Paenibacillus larvae verursacht und ist eine hochansteckende Bienenseuche. Dieses Bakterium sucht sich für seine Vermehrung den Larvendarm der zukünftigen Bienen aus. Dort entwickeln sie sich zu Stäbchenbakterien. Diese durchbrechen die Darmwand und zersetzen weiters die gesamte Larve. Ab diesem Zeit-punkt bilden sich Milliarden hochinfektiöser Sporen. Diese sind langlebig und hitzebeständig. Zurück bleibt eine braune und klebrige Masse in den Waben des Bienenstocks (Faulbrutschorf), in welchen eigentlich neue Bienen heranwachsen sollten. Für die Aufzucht, Pflege und Fütterung sorgen eigene Ammenbienen, für die Sauberkeit im Stock die Putzer-bienen. Beide verteilen die Sporen auch auf andere Waben. Zumeist verendet die ganze Brut – der Bienenstock stirbt, da der Nachwuchs fehlt. Die Inkubationszeit macht die Sache extrem schwer: Sie liegt zwischen wenigen Wochen bis hin zu mehreren Monaten. Das kann bedeuten, dass der Stock bereits infiziert ist, jedoch keinerlei Symptome aufweist. Sind dann die Symptome sichtbar, hat die Seuche bereits ihren Verlauf genommen. Hierfür wendet der Imker den Streichholztest an: Er steckt ein Streichholz mit dem zündfreien Ende in die Brutwabe. Ist dieses nach dem Herausziehen mit einer gelben bis braunen, zähen Masse belegt oder sie zieht wie ein Hochviskosekleber Fäden, ist die Faulbrut nach-gewiesen.
Für erwachsene Bienen ist das AFB nicht gefährlich. Flugbienen, die für das Pollensammeln verantwortlich sind, oder auch Räuber aus anderen Stöcken verteilen nun die Sporen weiter – dadurch werden alsdann andere Bienenvölker infiziert. Deshalb ist diese Seuche brandgefährlich, da innerhalb kürzester Zeit viele andere Bienenstöcke damit kontaminiert werden. Imker sind verpflichtet, einen solchen Ausbruch sofort an das zuständige Veterinäramt bzw. in Österreich bei der Bezirkshauptmann-schaft (geregelt in Deutschland durch die Bienenseuchenverordnung, in Österreich durch das Bienenseuchengesetz) zu melden. Dieses errichtet dann eine Sperrzone. So etwa 2023 in Berlin geschehen. Am 5. April wurde die Seuche bei mehreren Völkern durch die Pankower Behörden festgestellt. Direkt danach wurde ein Sperrbezirk mit einem Radius von einem Kilometer bis zur Reinickendorfer Bezirksgrenze eingerichtet. Ein Jahr zuvor war Niedersachsen mit 70 Völkern betroffen. Anhand dieser Maßnahmen wird ersichtlich, wie gefährlich die AFB wirklich ist.
Bei einem solchen Ausbruch müssen alle Bienenvölker in der Sperrzone mit Futterkranzproben und Gemülldiagnosen überprüft werden. Ist der Bienenstock kontaminiert, so müssen Werkzeuge ebenso vernichtet werden wie Bienenkästen und der Honig. Oftmals muss auch das ganze Volk getötet werden. Eine gründliche Desinfektion ist zumeist teuer und arbeitsaufwendig. Dieses Prozedere gilt jedoch nicht für alle Honig-Herkunftsländer oder wird nicht dementsprechend eingehalten.
Hat sich die Infektion allerdings noch nicht derart katastrophal aus-gewirkt, so kann das Volk vielleicht noch gerettet werden. Dafür werden alle Bienen in einen Kasten umquartiert. Dort müssen sie so lange hungern, bis das befallene Futter in der Honigblase aufgebraucht ist, da die Infektion über das Futter erfolgt. Der Bienenstock selbst wird inzwischen ausgeschwefelt oder andersweitig desinfiziert (Wärme- oder Laugenbehandlung). Das Wachs der Zellen muss eindeutig als „Seuchenwachs“ gekennzeichnet werden.
Die amerikanische Faulbrut kommt übrigens nicht aus Amerika, sie wurde dort Anfang des 20. Jahrhunderts entdeckt – der Erreger, das Bakterium Paenibacillus larvae, ist weltweit verbreitet. Es gibt auch eine europäische Variante des Bakteriums: Die sog. „Gutartige Faulbrut“ oder „Europäische Faulbrut“ (Melissococcus plutonius). Sie gleicht der Amerikanischen Version, hat jedoch einen weitaus milderen Verlauf. In Deutschland und Österreich ist sie nicht meldepflichtig, in der Schweiz hingegen schon!
Präventiv schützen kann ein Imker sein Volk durch mehrere Maßnahmen: Regelmässiger Austausch der Brutwaben, keine fremden Bienen ohne vorherigen Gesundheitscheck unter’s Volk mischen sowie die Fütterung des Volkes mit Honig nur nach genauem Labortest. Das Vermeiden von Räubern im Stock hingegen ist eine mehr als schwierige Angelegenheit! Recht neu ist die Schluckimpfung. Dabei wird ein Impfstoff aus abge-töteten Paenibacillus larvae-Bakterien an die Arbeiterbienen verfüttert. Diese versorgen damit auch die Königin des Volkes. Die Impfung wurde in den USA erstmals im Jahr 2023 zugelassen – es liegen deshalb noch keine Langzeit-Testergebnisse vor. Erste Labortests zeigten zwar eine gewisse, allerdings unzureichende Wirkung. In Deutschland und Österreich ist der Impfstoff noch nicht erhältlich.
Die zuvor angesprochenen Maßnahmen gelten für heimische Imker in Deutschland und Österreich. Deren Interesse ist es selbstverständlich, guten Honig zu produzieren und dadurch auch Geld zu verdienen. Die schwarzen Schafe unter ihnen hingegen holen sich Bienenvölker oder -kästen aus nicht verlässlichen Quellen. So kommt die Bienenpest durch den Imker selbst ins Land. Daneben gelangt immer wieder Importhonig in den Handel, der mit dem Bakterium Paenibacillus larvae kontaminiert ist. Hier nun kommt der Verbraucher/Konsument ins Spiel. Bitte waschen Sie die Honiggläser – grundsätzlich – sehr gut aus, bevor Sie diese in den Glascontainer werfen. Sollten Sie tatsächlich ein betroffenes Honigglas zuhause haben, so entsorgen Sie es am besten im Restmüll. Allerding gilt auch hier: Gut auswaschen, da mancherorts der Müll noch auf einer Deponie zwischengelagert wird!
Lesetipps:
.) Die Faulbrut: vorbeugen, erkennen, bekämpfen; Friedrich Pohl; Ehrenwirth 1999
.) Das aktuelle Gefahrenpotential der Amerikanischen Faulbrut, Ursachen und mögliche Bekämpfungsstrategien (Dissertation); Frithjof Koithan; Justus-Liebig-Universität Gießen 2002
.) Neue Imkerschule; Edmund Herold; Ehrenwirth 1984
Links:
- www.gesetze-im-internet.de/bienseuchv/index.html
- www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=10010539&FassungVom=2023-03-19
- www.fli.de/de/startseite
- www.ages.at
- www.blv.admin.ch/blv/de/home.html
- www.laves.niedersachsen.de
- www.amtstierarzt.de
- www.lwg.bayern.de/
- bienen.ch/
- bzv-ooe.at/
Der Darm – enorm wichtig, dennoch gerne tabu
Posted on 01/24/26 by UlstoNa? Haben Sie auch schon mal Bauchschmerzen bekommen, wenn Sie sich geärgert haben? Oder Durchfall, wenn Sie gerade im vollen Stress waren?! In der westlichen Medizin bzw. Gesundheitsvorsorge kommt dem Darm eine viel zu geringe Bedeutung zu. Ganz anders verhält es sich in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM): Hier wird nahezu jedes Wehwehchen zuerst auf einen Ursprung im Darm hin untersucht. Dieser Muskelschlauch ist sicherlich eines der wichtigsten Organe im mensch-lichen Körper. Deshalb hat er sich diesen Blog heute so richtig verdient.
Der Darm ist ein zirka 32 qm großer, gewundener Muskelschlauch. Seine Länge hängt von der Ernährung und somit den Tierarten ab: Fleisch-fresser haben einen kürzeren, da sich Fleisch recht gut verdauen lässt. Pflanzenfresser haben einen sehr langen, Allesfresser liegen dazwischen. Er setzt sich aus den unterschiedlichsten Bereichen zusammen:
1.) Der Dünndarm
Dieser Abschnitt beginnt direkt am sog. „Magenpförtner“ („Pylorus“) mit dem Magenausgang und endet am Übergang zum Dickdarm. Er ist rund fünf bis sechs Meter lang, seine innere Wand gleicht einer Ziehharmonika. Dies verschafft ihm eine riesige Oberfläche. Enzyme zerlegen die im Magen vorbearbeiteten Nahrungsbestandteile in ihre kleinsten Teile: Kohlehydrate zu Einfach-Zucker, Eiweiße zu Aminosäuren sowie Fette zu Glyzerin und Fettsäuren. Die Enzyme werden in der Bauchspeicheldrüse, den Mundspeicheldrüsen und im Magen gebildet. Sie zersetzen die Kohlehydrate und Eiweisse. Hinzu kommen noch Gallenflüssigkeit (für die Fette) und Darmsekret sowie Magen- und Darmschleim, der verhindert, dass die Enzyme das Organ selbst angreifen und verdauen. Der Speise-brei in diesem Teil des Darms ist noch sehr dünnflüssig, da viel Wasser beigegeben wird. Über die Wand des Dünndarms werden die zerlegten Nahrungsbestandteile, aber auch Salze und Vitamine resorbiert und direkt in den Blutkreislauf abgegeben. Über die Pfortader gelangen diese als erstes in die Leber. Im Dünndarm werden zudem Hormone gebildet, die einerseits die Produktion von Gallenflüssigkeit aus der Leber und Bauchspeicheldrüsensaft aus dem Pankreas anregen, die Wasserzufuhr steuern und dem Gehirn durch die sog. „Peptidbotenstoffe“ ein Sätti-gungsgefühl weitergeben. Der Dünndarm besteht aus dem Zwölffinger-, dem Leer- und dem Krummdarm.
2.) Der Dickdarm
Der Dickdarm befindet sich im rechten Unterbauch, er ist bis zu 1,5 m lang und setzt sich zusammen aus dem Blinddarm mit Wurmfortsatz, dem Grimm- und dem Mastdarm. Der Mastdarm endet mit dem After („Anus“). Im Dickdarm werden dem flüssigen Nahrungsbrei das Wasser und weitere Salze entnommen: Dabei erfolgt die Eindickung des Breis zum Stuhl. Dieser wird durch recht kräftige, wellenförmige Bewegungen („peristaltische Bewegungen“) zum Mastdarm weitergeführt. Nun wird der Gang zur Toilette notwendig. Im Dickdarm ist die immens wichtige Darmflora zu finden. Etwa zehn Billionen Bakterien (rund 400 verschiedene Arten – das Gesamtgewicht nur der Darmflora beläuft sich auf zirka 1,5 kg) ernähren sich hier von den unverdaulichen Bestandteilen der Nahrung und produzieren dabei die Vitamine B und K (Blut-gerinnung). Ausserdem werden schädliche Erreger vernichtet – dies ist der direkte Bezug zur TCM, da nicht wenige Krankheiten tatsächlich ihren Ursprung im Darm haben (siehe etwas später).
In der Darmwand sind viele Nerven enthalten, die ständig Informationen weitergeben. Deshalb wirkt sich etwa auch Stress auf die Verdauung aus. Der Darm ist im Vergleich zum Herzen kein dauerarbeitendes Organ. Er braucht Ruhezeiten. Alsdann sollte nur dreimal am Tag gegessen werden – auch der kleine Snack zwischendurch wirkt sich bei vielen schädlich aus. Im Normalfall beläuft sich die Verdauung zwischen der Nahrungs-aufnahme und der Ausscheidung auf rund 33 bis 43 Stunden (davon 1-5 Stunden im Magen).
Wie häufig jemand auf die Toilette muss, ist individuell bestimmt. Manche gehen dreimal am Tag, andere vier- bis fünfmal die Woche. Allerdings hängt dies durchaus mit der Ernährung zusammen. Ballaststoffe sind unverdaulich und werden wieder ausgeschieden. Sie übernehmen aber eine wichtige Reinigungsfunktion und sorgen für ein vorzeitiges Sättigungsgefühl. Wer also viele dieser Ballaststoffe zu sich nimmt, wird auch öfters auf die Toilette müssen. Allerdings kann dieses System auch gestört werden:
– Durchfall (Diarrhö)
Hierbei wird dem Nahrungsbrei zu wenig Wasser entzogen. Das kann an einer Infektion, an zu viel Flüssigkeit aus dem Dünndarm oder auch einem zu raschen Transport des Breis liegen. Deshalb sollte bei Durchfall viel Flüssigkeit getrunken werden.
– Verstopfung
Hierbei wird der Nahrungsbrei zu langsam durch den Dickdarm befördert. Dies liegt zumeist an zu wenig kräftigen Darmbewegungen. Dabei wird immer mehr Wasser dem Brei entzogen, sodass dieser immer fester wird.
Diese Darmbakterien, Einzeller und Pilze des Dickdarms üben sehr wichtige Funktionen für den gesamten Körper aus. Sie können gar für Gefühle zuständig sein. So beeinflussen etwa spezielle Milchsäure-bakterien die Produktion von Vorläufern des Glückshormons Serotonin.
Manche Menschen verfügen zudem über eine grössere Anzahl an Nimmersatt-Bakterien, die normalerweise signalisieren, dass es Zeit für Nahrungsnachschub wird. Diese Menschen sind dicker und haben eine grössere Gefahr an Diabetes zu erkranken. Allerdings gibt es auch die Hungerhaken. Etwa E.coli. Seine Zellwand besteht aus Zucker. Damit vermittelt es dem Körper, dass genügend Zucker vorhanden ist – der Mensch nimmt weniger Kohlehydrate auf. E.coli kommt damit recht gut zugange, benötigt es doch weniger Nahrung als seine anderen Arbeits-kollegen.
Unbestreitbar aber ist die positive Wirkung auf das Autoimmunsystem. So werden Erreger wie Grippeviren durch die Darmflora unschädlich gemacht. Ein gesunder Darm bewirkt also ein gesünderes Leben. Doch gibt es auch hier zwei Seiten: Bei der Zersetzung von Ballaststoffen werden vermehrt schlechte Fettsäuren freigesetzt, die über das Blut direkt in das Knochenmark befördert werden. Dort steigern sie die Produktion von Immunzellen, die beispielsweise für die übersteigerte Allergie-Reaktion des Körpers bei Asthma zuständig sind.
Solche Fettsäuren dienen jedoch auch dem Gehirn als Müllmänner. Sie sorgen für den Abtransport von Endprodukten, die im Gehirn nicht mehr benötigt werden. Funktioniert dies nicht mehr, so kann es zu psychischen Erkrankungen wie Depressionen, Demenz und Schizophrenie führen. Doch sind die wissenschaftlichen Untersuchungen zu dieser Thematik noch nicht abgeschlossen.
Bei der Arbeit der Darmflora entstehen Gase und Stoffe, die für die Farbgebung des Endproduktes verantwortlich zeichnen. So lässt sich der Reizdarm erklären, aber auch schwere Erkrankungen. Die Behandlung erfolgt dann zumeist über Antibiotika mit anschließender Stuhltrans-plantation, also der Zugabe von gesundem Kot eines anderen Menschen. Dadurch werden die schädlichen Bakterien gegen gesunde ausgetauscht.
Grundsätzlich also gilt: Je besser der Darm funktioniert, desto beschwerdeloser ist auch sein Besitzer. Dies erkannte die TCM schon sehr früh. Sie setzt weniger auf Fette und Zucker in der Ernährung – jedoch vermehrt auf ballaststoffreiche. Mit Hülsenfrüchten anstelle von Krusten-braten kann also jeder Einzelne dieses für den Menschen so wichtige Organ bei seiner Arbeit unterstützen. Zudem helfen Laktobazillen beim Wiederaufbau der Darmflora – sie kommen etwa im Naturjoghurt vor. Daneben sollte langsam gegessen werden. Durch das vollständige Bespeicheln und bedächtige Kauen wird die Nahrung bereits im Mund vorverdaut. Das entlastet neben dem Magen auch den Darm, die Leber und die Bauchspeicheldrüse. Mindestens zwei Liter Flüssigkeit (Mineralwasser, verdünnter Fruchtsaft oder Tee) halten den Nahrungsbrei auch im Darm noch gut beweglich. Apropos Bewegung: Durch regel-mässige Bewegung wird das Organ – wie alle anderen auch – mehr durchblutet. Kein Fehler! Hilft auch gut gegen Blähungen. Daneben sollten Ruhe- und Erholungsphasen bewusst eingehalten werden.
Der Vollständigkeit halber noch zu den Erkrankungen:
.) Lebensmittelintoleranzen
Der Körper kann durch eine Störung der Enzyme bestimmte Stoffe nicht aufnehmen (etwa die Einfachzucker Laktose oder Fruktose). Das führt zu Unverträglichkeitsreaktionen wie Bauchschmerzen, Erbrechen, Blähungen oder Durchfall.
.) Reizdarm (Colon irritabile)
Vornehmlich Frauen erkranken an diesem organisch nicht erklärbaren, sehr unangenehmen Reizdarm. Er zeigt sich durch Blähungen, Durchfall und Verstopfung, sowie Bauchschmerzen.
.) Hämorrhoiden
Dabei handelt es sich um krankhaft erweiterte Gefässpolster im Analkanal. Neben Brennen, Jucken und leichtem Bluten kann es gar zu einem Versagen des Schliessmuskels führen. Mögliche Ursachen sind zu starkes Pressen bei der Schwangerschaft oder bei ständigen Verstopfungen, eine Bindegewebsschwäche oder ballaststoffarme Ernährung.
.) Magen-Darm-Grippe
Ausgelöst durch einen Erreger äussert sich diese Erkrankung vornehmlich durch Brechdurchfall. Es handelt sich um eine Schädigung der Schleim-häute.
.) Zwölffingerdarmgeschwür (Ulcus duodeni)
Geht zumeist einher mit einem Magengeschwür. Es wird durch den „Magenkeim“ (Helicobacter pylori) ausgelöst und äussert sich in der Schädigung der Schleimhäute. Männer erkranken häufiger daran als Frauen.
.) Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED)
Hierzu zählen Colitis ulcerosa und Morbus Crohn. Während sich die Colitis auf den Grimm- und Mastdarm beschränkt, kann bei zweiterem der komplette Verdauungstrakt durch Entzündungen befallen sein – vom Mund bis zu After.
.) Divertikulose
Hierbei handelt es sich um Ausstülpungen an der Darm-Aussenwand. Entzünden sich diese (Divertikulitis) oder platzen, kann sich dadurch auch das Bauchfell entzünden. Hier helfen Antibiotika oder die operative Entfernung.
.) Darmpolypen
Diese Vorwölbungen der Schleimhaut im Grimm- und Mastdarm führen meist zu keinerlei Beschwerden. Allerdings können sie entarten und als Darmkrebs enden. Dieser ist bei Frauen die zweithäufigste, bei Männern die dritthäufigste Krebserkrankung in Deutschland. Zur Vorbeugung empfiehlt sich eine regelmässige Darmspiegelung („Koloskopie“), die via MR-Tomographie oder der CT-Technik virtuell und damit schonend durchgeführt werden kann.
Zuletzt noch ein Hinweis: Verwenden Sie keine Abführmittel! Sie beein-flussen den Darm in seiner natürlichen Funktionsweise. Besser ist frisch geriebener Apfel- oder Möhrenbrei bzw. warmes Ingwerwasser oder grüner Tee mit zwei kleinen Blättchen frischem Ingwer.
Lesetipps:
.) Lehrbuch der Physiologie; Klinke, R. & Silbernagl. S.; Georg Thieme Verlag 2005
.) Darm mit Charme. Alles über ein unterschätztes Organ; Giulia Enders, Ullstein 2014
.) Was passiert im Darm? Neues Wissen für mehr Darmgesundheit. Darmbarriere, Bauchhirn, Immunsystem und die richtige Ernährung; Julia Seidener-Nack; Südwest 2014
.) Schluck. Auf Entdeckungsreise durch unseren Verdauungstrakt; Mary Roach; Deutsche Verlags-Anstalt 2014
Links:
– www.internisten-im-netz.de
– gesunderdarm.at
– www.darmplus.at
– www.gesundheit.gv.at
– www.meduniwien.ac.at
– www.darmzentrum-bern.ch/de
– www.darmkrebs.de
– www.gesunder-magen-darm.de
Die fünfte Jahreszeit
Posted on 01/17/26 by UlstoDer leider bereits verstorbene Kabarettist Dieter Hildebrandt meinte 2003 in der Sendung „Unter4Augen“:
„Mensch bedenke: Die Bakterien werden uns von der anderen Seite des Mikroskops aus beobachten!“
Ehrlich? Vor allem in der „Fünften Jahreszeit“ würde es mich durchaus interessieren, was so manch getreuer Vierbeiner angesichts der vielen Jecken und Narren von der Krone der Schöpfung und deren mehr als dubiosen Verhalten in diesen Wochen meint. Sei’s drum – leider werden auch heuer viele Grossveranstaltungen abgesagt, da sich nach wie vor einige unmaskierte Narren weigern, an Massnahmen zur Verbesserung jener Lage zu halten, gegen die sie höchstpersönlich auf die Strasse gehen. Aber – das ist wieder eine ganz andere Geschichte!
Lassen Sie uns heute doch mal einen Blick auf die Hintergründe dieses närrischen Treibens werfen, denn viele zwängen sich zwar alljährlich in ein Kostüm, wissen jedoch nicht warum! Fehlt hier der Zusammenhang – wird daraus tatsächlich ein sinnloses Tun! Dabei ist die Geschichte durchaus interessant.
Der grundsätzliche Gedanke sowohl der Fasnächte als auch des Karnevals lag in dem Aufbrauchen verderblicher Lebensmittel vor dem Beginn der Fastenzeit – also in der christlichen Zeit, nicht wie oftmals angenommen in der vorchristlichen. Zu diesem Fress- und Trinkgelage wurden Freunde und Verwandte eingeladen. Aufzeichnungen lassen darauf schliessen, dass dies bereits im 12./13. Jahrhundert praktiziert wurde.
Je nach Region wird auch heute noch unterschiedlich gefeiert:
1. Die Schwäbisch-alemannische Fastnacht
Eigentlich ist sie noch gar nicht so alt – dennoch der höchste Würden-träger unter allen Varianten: Die schwäbisch-alemannische Fastnacht zählt seit dem Jahr 2014 zum deutschen Verzeichnis des immateriellen Weltkulturerbes nach den Richtlinien der UNESCO. Gefeiert wird sie in Südwestdeutschland sowie der Nordost- bzw. Zentralschweiz. Dement-sprechend unterschiedlich sind auch die Schwerpunkte oder die Bezeich-nungen. So schwanken diese zwischen Fasnacht, Fasnet, Fasnad oder auch Fasent. Historisch leitet sich Fasnet von der frühneuzeit- bzw. mittelalterlichen Fasnacht ab, deren Tradition im 20. Jahrhundert wieder ausgegraben wurde. In der Schwäbisch-alemannischen Fastnacht treffen sich die „Narrenhäs-Träger“, also Menschen, die sich mit Larven oder „Schemen“ zumeist aus Holz verkleidet haben. Das Narrenhäs wird vom Träger über Jahre hinweg verwendet, manches Mal gar vererbt. Beginn des ganzen Zinnobers ist der Dreikönigstag, an welchem die Larven „abgestaubt“ werden. Den Höhepunkt stellt der „Schmotzige Dunnschtig“ dar, andernorts auch als „Gumpiger Donnerstag“ bekannt. Dann trifft man auf den Strassen oder bei so manchem Narrentreffen auf jede Menge „Schneller“ (Bodenseekreis), „Klepfer“ (Rottweil) oder „Häser“ (Villingen). Am oberen Neckar sind es die „Abstauber“ und in Rottenburg am Neckar die Hexen. Nahezu jedes Wochenende steigt in pandemiefreien Jahren eine Narrenversammlung. Der zweite wichtige Termin der schwäbisch-alemannischen Fasnet ist der 02. Februar – Maria Lichtmess. Die Anzahl der Veranstaltungen nimmt rasant zu. Da feiert man in Oberschwaben das „Maschgern“, im Schwarzwald das „Schnurren“, in Villingen das „Strählen“, in Oberndorf das „Hecheln“ und in Schömberg das „Welschen“. Andernorts heisst es auch ganz einfach „Aufsagen“! Inhalt dieses Auf-sagens sind die Ereignisse des letzten Jahres, die lustig aufbereitet als Vierzeiler oder Lieder von den maskierten Narren dem Volk dargeboten werden. Diese ziehen von Gasthaus zu Gasthaus, wo sie meist schon sehnsüchtigst erwartet werden. In früheren Zeiten wurde dies an unter-schiedlichen Stationen auf der Strasse gezeigt.
Auch für den Schmotzigen Dunnschtig gibt es Namen, die nach Regionen variieren können: Gausaliger Donschdig, Schmitziga Dorschdich, Dicker Donnerstag, Glombiger Doschdig, … „Schmotzig“ bedeutet im Ale-mannischen „fettig“. Alsdann wurden an diesem Tag zumeist fette Speisen gereicht: Fasnetsküechle, Krapfen oder auch „Nonnenfürzle“. In Konstanz etwa wird die Bevölkerung bereits um 06.00 Uhr durch Trommler und Fanfarenzüge geweckt. Nachdem die Stadt- oder Gemeinderegierung beim Rathaussturm abgesetzt wurde, übernehmen die Narren das Kommando. Gefeiert wird mit unzähligen Umzügen und Strassenfasnachten. In Rottweil und Oberndorf sind dies auch heute noch die bekannten „Narrensprünge“. 1924 gründeten die Narrenzünfte die „Vereinigung schwäbisch-alemannischer Narrenzünfte“ (VSAN). 1937 folgte der Verband oberrheinischer Narrenzünfte und schliesslich 1959 die Narrenvereinigung Hegau-Bodensee. Die Aufgabe dieser Dach-verbände liegt vornehmlich in der Bewahrung des Brauchtums. Die Gestalt der Hexe kam erst 1933 mit der Gründung der Hexenzunft in Offenburg in’s Spiel – nicht unbedingt zum Wohlwollen der Brauchtum-schützer, die die Fasnacht dadurch gefährdet sehen. Sie beruht einerseits auf Märchen, andererseits auf den Überlieferungen über die mittelalter-lichen Hexen. Auch in Tirol gehört die Hexe als ein wichtiger Bestandteil zum Fasching. Dort jedoch bereits seit dem 18. Jahrhundert. Ähnlich ergeht es dem Treibermotiv, bei dem Narrenhäs-Träger eine Figur vor sich hertreiben. In Weingarten ist dies das „Fasnetsbuzzerössle“, in Rottweil das „Brieler Rössle“ und in Bad Waldsee „Werners Esel“. Dieses Motiv kam auch erst später hinzu. Der Teufel jedoch fand seinen Platz bereits vor dem 17. Jahrhundert. In Rottweil als „Federahannes“, im mittleren Schwarzwald als „Elzacher Schuttig“. Die „Alte Vettel“ ist ebenfalls typisch alemannisch: Schon im Mittelalter verkleideten sich Männer mit Frauenklamotten um als solche unerkannt ihr Unwesen zu treiben (“Verkehrte Welt“). Daneben spielten stets auch Sagen- und Tier-gestalten, Narrenrufe, Sprüche etc. eine wichtige Rolle, auf die ich aus Platzgründen nicht näher eingehen möchte.
2. Die Buurefasnacht (Alte Fasnacht)
Hier mischte einst die römisch-katholische Kirche gewichtig mit. Im Konzil von Benevent wurde der Beginn der Fastenzeit um sechs Tage vorverlegt. Daran aber hielten sich vornehmlich evangelische Regionen bzw. einige ländliche Gebiete nicht – sie feierten bis zum Dienstag der 6. Woche vor Ostern. Dies ist auch heute noch als „Buurefasnacht“ bekannt. Die römisch-katholische Kirche hingegen sprach vom „civitas diaboli“ – dem Teufelstaat. Das Volk reagierte mit dämonischen, teuflischen Masken. Auch die Basler orientieren sich bis heute an der alte Fastenzeit, wonach die Sonntage nicht zur Fastenzeit gerechnet werden. Die katho-lischen Regionen hielten sich an die höchstkirchliche Anordnung – deshalb spricht man hierbei von der „Herren- oder Pfaffenfasnacht“.
3. Die Groppenfasnacht
In Ermatingen am schweizerischen Südufer des Untersees am Bodensee endet die Fasnacht erst drei Wochen vor Ostern, am „Sonntag Laetare“. Heuer übrigens wird sie zum 611. Mal begangen! Sie ist eine der traditionsreichsten Fasnächte der Ostschweiz.
Ganz allgemein war in der Fasnacht die Verkleidung meist simpel und einfach gewählt. Erst im 17. Jahrhundert wurde während des Barocks der Fantasie freien Lauf gelassen. Dies vor allem bei den Masken, die teilweise wahre Kunstwerke sind. Zudem wurde auch der Einfluss der italienischen Commedia dell’Arte immer wichtiger.
4. Der Karneval
Vielen wurde in der Zeit der Aufklärung die Fastnacht zu altbacken, manchen gar zu primitiv. Während der Romantik entwickelte deshalb das Bildungsbürgertum den Karneval. Das Wort „Karneval“ selbst leitet sich ab vom italienischen „carnevale“, das wiederum seinen Ursprung im kirchen-lateinischen „carnislevamen“ (Fleischwegnahme) hat. Die Enthaltsamkeit bezog sich übrigens im Mittelalter auch auf den Wein (nicht das Bier) und die Sexualität, weshalb diese ausschweifenden Tage wenig Anhänger in der Kirche fand. In der Karnevals-Hochburg Köln wurde er erstmals 1823 abgehalten. Der Haupttag des Karnevals ist stets der Rosenmontag, an dem kilometerlange Karnevalszüge durch die Städte ziehen. Daneben wird der Karneval selbstverständlich auch durch Sitzungen, v.a. aber in den Lokalen und Gasthäusern gefeiert. Der Karneval ist seit dem 19. Jahrhundert sehr politisch geworden. So wurden Kölner Karnevals-präsidenten wie Heinrich von Wittgenstein, Franz Raveaux oder auch der Bonner Universitätsprofessor und Büttenredner Gottfried Kinkel später Politiker. Büttenredner Karl Küpper beispielsweise erhob in der Saison 1937/38 auf dem Weg zur Bütt den rechten Arm zum „deutschen Gruss“ und sagte nicht „Heil Hitler“ sondern. „Nä, nä, su huh litt bei uns dr Dreck em Keller!“ (Nein, nein, so hoch liegt bei uns der Dreck im Keller!). Küpper erhielt lebenslanges Redeverbot, das 1944 wieder aufgehoben wurde. 1951 übrigens deutete er diesen Gruss erneut in der Bütt an und meinte: „Et es widder am rähne!“ Er meinte damit den Einfluss der NS-Elite in der neu gegründeten Bundesrepublik. Interessant ist alsdann die Tatsache, dass die Nationalsozialisten bis 1940 den Karneval nicht verboten hatten. Sie haben ihn instrumentalisiert. 1937 wurde der „Bund Deutscher Karneval“ gegründet. Karnevalsvereine, die diesem Dach-verband nicht angehörten, konnten fortan nurmehr geheim feiern. Männer durften nicht mehr in Frauenkleidern auftreten, antisemitische Parolen wurden in alle Reden eingebaut. 1938 erwähnte ein Büttenredner in der Mainzer Carnevalssitzung das Konzentrationslager Dachau, worauf die Live-Übertragung sofort abgebrochen wurde.
5. Der Fasching
In Österreich und Bayern wird Fasching gefeiert. Dieser setzt sich aus allen bislang aufgeführten Spielarten zusammen. Eingeläutet am 11.11. um 11.11 Uhr (die 11 ist seit jeher die „Narrenzahl“) werden zumeist ab dem 07. Januar Faschingssitzungen und Bälle abgehalten, während der Weihnachtszeit schläft der Fasching. Die grossen Strassenumzüge finden entweder am Faschingssonntag oder vor allem am Faschingsdienstag statt. Gereicht werden hierzu Faschings- oder Punschkrapfen. Auch im Fasching gibt es unzählige alte Brauchtümer, wie etwa das Fisser Blochziehen, bei dem ein 35 m langer Zirbenstamm gezogen werden muss oder der Ebenseer Fetzenzug, bei dem auf alten Frauenkleidern Lumpen genäht werden, die zu selbstgeschnitzten Holzmasken beim Umzug getragen werden. Beides gehört seit 2011 ebenfalls zum immateriellen Weltkulturerbe Österreichs nach UNESCO-Richtlinien. Ebenso wie der Ausseer Fasching mit seinem Flinserl, den Trommel-weibern und den Pless oder das Murauer Faschingsrennen, bei dem die bunten Figuren von Hof zu Hof marschieren. Viele dieser Faschings-Brauchtümer wurzeln jedoch in heidnischen Zeiten: Dadurch sollte Göttern gehuldigt und die bösen Geister vertrieben werden. Dies wird v.a. beim Allgäuer und Vorarlberger Brauch des Funkenabbrennens („Fast-nachtsfeuer“) am Sonntag nach Aschermittwoch bewusst. Auf einem riesigen Scheiterhaufen wird eine Hexe verbrannt. Explodiert sie laut, bedeutet dies Erfolg und Glück für das kommende Jahr. Fällt der Funken davor um, folgt ein Jahr voller Unheil. Der Vorarlberger Funken zählt seit 2010 zum immateriellen Weltkulturerbe nach UNESCO-Richtlinien. Fasching in Österreich ist also wesentlich mehr als Wiener Opernball oder Villacher Fasching.
Die Fastnacht, der Fasching und der Karneval haben sich inzwischen zu ganz entscheidenden Wirtschaftsfaktoren entwickelt. Alleine in Deutsch-land geben Frau Schmidt und Herr Müller jährlich rund 300 Millionen Euro nur für Kostüme und Verkleidungen aus, der Gesamtumsatz am Kölner Karneval wird alljährlich auf rund 460 Mio € geschätzt.
Auch in vielen anderen Ländern wie Frankreich, Italien, Polen, Kroatien, Brasilien und sogar Syrien wird diese Fünfte Jahreszeit gefeiert – ein mögliches Thema eines anderen Blogs.
Für die nächsten Wochen wünsche ich allen Narren und Jecken eine ausgelassene und närrische Zeit, wenn auch unter anderen Voraus-setzungen in diesem Jahr (Kriege, Gewalt und nicht zuletzt auch Putins hirnrissiger Prozess gegen den Karnevals-Bauer Jacques Tilly).
Lesetipps:
.) Das große Buch der schwäbisch-alemannischen Fastnacht. Ursprünge, Entwicklungen und Erscheinungsformen organisierter Narretei in Süd-westdeutschland; Werner Mezger; Theiss 1999
.) Zur Geschichte der organisierten Fastnacht. Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte; Wilfried Dold/Roland Wehrle u. a., Dold-Verlag 1999
.) Schwäbisch-alemannische Fasnacht; Wilhelm Kutter; Sigloch 1976
.) Fastnacht/Karneval im europäischen Vergleich. (Mainzer Vorträge 3); Hrsg.: Michael Matheus; Franz Steiner Verlag 1999
.) Elf Uhr elf; Hrsg.: Theodor Barth, Ute Behrend, Thekla Ehling, Dirk Gebhardt, Matthias Jung, David Klammer, Frederic Lezmi, Nadine Preiß, Wolfgang Zurborn; Kettler 2014
.) Fastnacht, Fasching, Karneval. Das Fest der „verkehrten Welt“; Dietz-Rüdiger Moser; Edition Kaleidoskop 1986
.) Was auch passiert: D’r Zoch kütt! Die Geschichte des rheinischen Karnevals; Hildegard Brog; Campus 2000
.) Kölner Karneval. Zur Kulturgeschichte der Fastnacht; Peter Fuchs/Max-Leo Schwering; Greven Verlag 1972
.) Unangepasst und widerborstig. Der Kölner Karnevalist Karl Küpper, Fritz Bilz; Edition Kalk 2020
.) Die großen Fasnachten Tirols; Hans Gapp; Edition Löwenzahn 1996
.) Fasnächtliches Uri; Rolf Gisler-Jauch; Gisler 2005
Links:
- www.kulturrat.de
– www.alemannische-seiten.de
– www.vsan.de
– www.groppenfasnacht.ch
– www.unesco.de/kultur-und-natur/immaterielles-kulturerbe/immaterielles-kulturerbe-deutschland/fastnacht
– www.schwarzwald.com
– koelnerkarneval.de
Rettet den Kongo
Posted on 01/10/26 by UlstoDer heutige Blog handelt von einem Land, das eigentlich reich an Boden-schätzen (u.a. Gold und Coltan – ein wichtiges Metall für die Herstellung von Laptops, Smartphones oder den Batterien von Elektroautos) ist und alles bieten würde, was die Tourismus-Büros suchen: Dem Kongo! Bereits im Jahr 1960 wurde die ehemalige belgische Kolonie unabhängig. Seither allerdings schafft es das Land nicht, sich selbst auf die Füsse zu stellen. Ende Dezember gab das österreichische Aussenministerium die Reise-warnung der Sicherheitsstufe 4 (von 4) heraus. Die Sicherheitslage könne sich jederzeit rasch ändern. In einem solchen Falle sind Reisende auf sich selbst gestellt – Versicherungen, Gerichte und auch die Botschaft kann bei einem Vorfall nichts für die entsprechenden Landsleute unternehmen. Auch das deutsche Auswärtige Amt warnt generell vor Reisen in den Kongo und forderte deutsche Bundesbürger auf, das Gebiet zu verlassen. Gleiches bei Frankreich und Grossbritannien. Was aber steckt dahinter? Unternehmen wir gemeinsam einen kurzen Streifzug durch dieses riesige Land – flächenmässig immerhin das zweitgrösste auf dem afrikanischen Kontinent.
Die Ursache des Konfliktes geht auf die Kolonialzeit zurück. Der belgische König Leopold II. (1888-1908) beutete das Land und seine Einwohner mit allen Kräften aus. Auch in den Jahren danach, als Belgien 1910 eine parlamentarische konstitutionelle Monarchie wurde, änderte sich daran bis in’s Jahr 1960 nicht wirklich viel. Nach der Unabhängigkeit kam der Diktator Mobutu Sese Seko (1965-1997) an die Macht. Wie die meisten Diktatoren Afrikas nahm er bei seiner Gier nach Macht und Geld keine Rücksicht auf die Bevölkerung: Das Verwaltungssystem, Militär, Polizei und Justiz waren korrupt und/oder regimetreu. Bildung, Gesundheit und v.a. die Versorgung der Bevölkerung blieben dabei auf der Strecke – tausende Menschen, darunter auch Kinder und Ältere, verhungerten.
Mit dem Ende des Kalten Krieges verstärkte die internationale Staaten-gemeinschaft ihren Druck auf Mobutu. 1994 dann das nächste Problem: Im Nachbarstaat Ruanda fand ein Genozid der Hutus an den Tutsis bis-lang nicht bekannten Ausmaßes statt. Hunderttausende flüchteten, darunter allerdings auch die Täter selbst, in den rohstoffreichen Osten des Kongos. Die Region versank im Morast – es herrschte nurmehr das Recht des Stärkeren. 1997 schliesslich wurde Mobutu im ersten Kongo-Krieg gestürzt. Es war ein Bündnis aus der “Alliance des Forces Démo-cratiques pour la Libération du Congo” (AFDL), mit dabei auch die Länder Ruanda, Uganda und Angola. Staaten, die eigentlich zuhause ebenso genügend zu tun gehabt hätten. Auch das wirkt sich bis zum heutigen Tage aus. Laurent-Désiré Kabila wurde als neuer Präsident in’s Amt gesetzt. Doch auch ihm gelang es nicht, Ruhe in das Land zu bringen. Im Osten wüteten nach wie vor die unterschiedlichsten Rebellengruppen. Zudem zogen sich immer wieder Rebellen aus den Nachbarstaaten der mit Kabila verbündeten Länder und Burundi auf kongolesisches Gebiet zurück. Die einst verbündeten Regierungschefs liessen Kabila deshalb fallen. 1998 schliesslich intervenierten sie militärisch erneut im Kongo, um die Rebellen zu bekämpfen. Kabila suchte Hilfe bei Angola, Namibia, Simbabwe und dem Sudan. Dafür vergab er Konzessionen für den Roh-stoffabbau (Schürfrechte) in seinem Land. Die Folge: Der Zweite Kongo-krieg, der von 1998 bis 2003 andauern sollte.
Die UNO reagierte schon 1999 mit der Friedensmission MONUC. Das Land sollte befriedet, die staatlichen Strukturen verstärkt und der Sicherheits-sektor demokratisiert werden. Es war ein Peace-Making-Einsatz, schliesslich erhielt die UN-Interventionsbrigade das Mandat, jederzeit auch mit Waffeneinsatz gegen Rebellen vorgehen zu können. Das Mandat wurde mehrfach bis 2023 verlängert. Der Abzug der Friedenstruppen aber verzögerte sich – nach wie vor befinden sich rund 15.000 Blauhelme dort (Polizeikräfte aus 26, Militärpersonal aus 49 Ländern). Die kongo-lesische Regierung konnte mit ihren eigenen Streitkräften FARDC nicht selbst für Sicherheit im Lande sorgen. Zudem haben Kritiker der nun-mehrigen “MONUSCO-Friedensmission” Versagen vorgeworfen, da zu wenig in die Konflikte eingegriffen worden sei. Deshalb stellte die Entwicklungsgemeinschaft des südlichen Afrika (SADC) eine eigene 5.000-köpfige Truppe aus Malawi, Südafrika und Tansania auf, die der Regierung des Kongos beistehen solle. Sie stehen nach wie vor im Kampfeinsatz – auch gegen immer wieder die Grenzen überschreitende Rebellen aus Uganda und Burundi.
Auf politischer Ebene konnten ebenfalls keine Ergebnisse erzielt werden. Beim Treffen der Afrikanischen Union im Februar vergangenen Jahres wurde nichts Greifbares beschlossen: Man solle sich auf einen Waffen-stillstand einigen! Gar nicht so einfach, kommt es doch zwischen den unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen immer wieder zu Landstreitig-keiten – nicht weniger als 200 ethnische Gruppen leben im Land. Dies zumeist auf Kosten der Banyamulenge, der kongolesischen Tutsis im Mulenge-Hochland in Süd-Kivu im Osten. Sie stammen eigentlich aus Ruanda, wurden aber während der Kolonialzeit für die Arbeit auf den Plantagen in den Kongo gebracht.
Im Januar 2019 wurde der erste zivile Präsident der Demokratischen Republik (!) Kongo seit 1960, Félix Tshisekedi, vereidigt. Alle Hoffnungen zur friedlichen Beilegung des Konfliktes konzentrierten sich fortan auf ihn.
Inzwischen übrigens hat auch der Internationale Gerichtshof in Den Haag seine Ermittlungen begonnen. Sie fokussieren sich einstweilen auf die Rebellenführer Thomas Lubanga, Bosco Ntaganda und Jean-Pierre Bemba. Wäre es nicht allzu tragisch – man könnte lachen ohne End: Bemba wurde 2003 Vizepräsident, in der aktuellen Regierung des Kongos Verteidigungsminister und ist derzeit Infrastrukturminister! Zudem hat ein Pariser Gericht den kongolesischen Warlord Roger Lumbala zu 30 Jahren Haft wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt. Zuvor Demokratieaktivist, führte er während des “grossen Kongokrieges” von 1998 bis 2003 die bewaffnete Gruppe RCD-N an. Doch war ihm schlussendlich die Gier nach Macht und der Mineralienhandel wichtiger als die Demokratie. Er schloss sich dem prougandischen Rebellenführer Jean-Pierre Bemba an, der 2002 und 2003 möglichst viele Gebiete im Kongo einnehmen wollte. So u.a. auch den Ituri-Regenwald, das Gebiet der Bambuti-Pygmäen. Sie gelten seit alters her als Waldwesen, nicht als normale Menschen. Diese wurden vor die Wahl gestellt, Fleisch für die Rebellen zu liefern oder selbst gegessen zu werden. Manche glaubten damals, dass das Essen von Pygmäen magische Kräfte verleihe. Vergewaltigung, Mord und Kannibalismus waren die Folge. Lumbala wurde später Aussenhandelsminister. Der dortigen Regierung bleibt offenbar nichts anderes übrig, als solche Menschen miteinzubinden. Deshalb alsdann die derzeitige Vielparteien-koalition „Union Sacreé pour la Nation“ (UNS).
Im Hintergrund aber spann Ex-Präsident Kabila nach wie vor die Fäden. Als “Senator auf Lebenszeit” mischte er fleissig im Sicherheitsbereich und dem Wirtschaftsektor mit. Am 30. September letzten Jahres wurde er in Abwesenheit wegen Hochverrats, Kriegsverbrechen und Planung eines Regierungsumsturzes zum Tode verurteilt. Er sei einer der Drahtzieher der Verbrechen der Rebellenorganisation AFC (siehe weiter unten!). Kabila jedoch lebt im Exil – u.a. auch in Südafrika. 2024 wurde Tshisekedi wiedergewählt. An seiner Seite als Regierungschefin: Judith Suminwa Tuluka! Tshisekedi brachte trotzdem zahlreiche Reformen in’s Rollen. Das Gesundheitssystem wurde verbessert und eine kostenlose primäre Schulbildung eingerichtet. Weniger Erfolg hat er bei der Korruption und dem Verwaltungsapparat, der nach wie vor wie zu Zeiten Mobutus bzw. Kimbalis agiert. Das Land ist mit dieser Regierung zwar prowestlich orientiert, dennoch ist China der wichtigste Handelspartner – vor allem für die Rohstoffe. Und genau in dieser rohstoffreichen Ostregion liegt in Bezug auf die Sicherheit einiges im Argen. Eine ganze Generation kennt dort nichts anderes als Mord und Totschlag, Waffen und Gewalt. Viele schliessen sich – mangels wirtschaftlicher Perspektiven – den Rebellen an.
Tshisekedi hat sich inzwischen mit seinen Kollegen aus den Nachbar-staaten grossteils diplomatisch ausgesöhnt, doch macht ihm hierbei Ruanda nach wie vor einen Strich durch die Rechnung: Auch ein Krieg zwischen beiden Staaten ist nicht ausgeschlossen. So haben Rebellen des 23. März im Februar 2025 mit Hilfe von 4.000 Regierungssoldaten Ruandas (wird von der Regierung Ruandas bestritten!) die beiden kongolesischen Großstädte Goma und Bukavu eingenommen – Millionen-städte. Unter den Opfern waren auch Blauhelm-Soldaten der UNO. 400.000 Menschen sind alleine aus Goma zuvor geflohen. UN-General-sekretär António Guterres forderte damals die M23-Rebellen auf, die Gewalt-Offensive sofort einzustellen – leider ohne Erfolg. UN-Personal wurde in die Hauptstadt Kinshasa bzw. in’s benachbarte Uganda verlegt. Auch die Afrikanische Union, vertreten durch deren Vermittler, dem angolanischen Präsidenten João Lourenço, forderte die sofortige Ein-stellung der Kampfhandlungen der Rebellen und Truppen Ruandas.
Politisch regiert nun dort die “Kongo-Fluss-Allianz” (AFC) mit Corneille Nangaa, dem Ex-Chef der kongolesischen Wahlkommission (CENI) an der Spitze. Deren Ziel ist es, die Regierung Tshisekedi zu stürzen und die Macht über den ganzen Kongo zu erhalten. Damit kontrollieren alsdann erneut Rebellen gemeinsam mit Ruanda die beiden rohstoffreichen Regionen Nord- und Süd-Kivu. Paul Kagarne, der ruandische Präsident (Angehöriger der Tutsis) spricht von nationalen Sicherheitsinteressen. Von Ruanda sicherlich vorgeschobener Hintergrund ist die Rebellenmiliz „Demokratische Kräfte zur Befreiung Ruandas“ (FDLR), die er dadurch bekämpfen wolle. In dieser Miliz sind ruandische Hutus vertreten, die 1994 massgeblich am Genozid der Tutsis beteiligt waren. Er wirft der kongolesischen Regierung vor, diese Milizen zu unterstützen. Inzwischen läuft die illegale Ausbeutung des Kongos weiter: Rohstoffe werden illegal über die Grenzen in die Nachbarländer geschmuggelt. Nicht nur durch die M23-Rebellen, sondern auch durch die Maji-Maji-Milizen, einer anderen Rebellengruppe. Auch die islamistische Miliz ADF meldet sich immer wieder auf grausame Art zu Wort: Sie überfallen ständig im Ostkongo ganze Dörfer und richten unter der Bevölkerung Massaker an. Schon 2024 soll nach UN-Angaben die Zahl der Binnenflüchtlingen im Kongo bei über 7 Mio gelegen haben. Und in Europa wundert man sich über derart viele Flüchtlinge aus Schwarzafrika! Die humanitäre Hilfe wurde in dieser Region aufgrund der Kämpfe nahezu eingestellt.
Im Hintergrund steht also der rohstoff-vernichtende Moloch China. Gelingt es der industrialisierten Welt des Westens nicht, seine Handels-abhängigkeit von China zugunsten anderer Lieferanten zurückzufahren, wird sich in solchen Regionen dieser Welt auch nichts ändern. Bis sie ausgeschöpft sind! Dann jedoch wird das humanitäre Leid dort noch grösser werden, als es ohnehin bereits ist!!! Der US-Präsident Donald Trump agiert dabei in die komplett falsche Richtung: Die meisten Drogenkartelle befinden sich nicht in Venezuela, sondern in Kolumbien und Mexiko. Deshalb befürchtet die mexikanische Präsidentin auch ein Eingreifen der USA in ihrem Staat unter Vorschiebung des Kampfes gegen den Drogenterrorismus. Venezuela besitzt die gr;ssten Erdöl-Reserven dieses Globusses. Jetzt holt er sich zig-Millionen Barrel des schwarzen Goldes aus dem Land. Auch bei Trumps vorhergehendem Eingreifen in Nigeria ging es einzig um die Rohstoffe des Landes. Und Grönland ist rohstoffreich – vermutet werden u.a. riesige Lager an Seltenen Erden. Es ist geradezu widerlich, wie dieser Mann unter Androhung von Waffengewalt gegen Verbündete vorgeht.
Übrigens – Der wertvolle Regenwald des Kongos wird illegal abgeholzt, Natur- und Umweltschützer festgenommen und drangsaliert. Ist der Regenwald verschwunden, drohen dem Land ähnliche Naturkatastrophen wie in Fernost-Asien oder Brasilien – mit hunderttausenden Opfern und sehr viel Leid.
Zum Schluss noch ein paar Zahlen aus dem Osten des Kongos:
Ein Stück Seife kostet 6 US-Dollar
Ein Kilo Zucker 18 $
Ein 25 kg-Sack Maniokmehl 17 $
Ein Kilo Salz 8 $
Ein Grundschullehrer verdient rund 100 $ im Monat!
Links:
- www.bmeia.gv.at
- www.auswaertiges-amt.de/
Das Massaker von Babyn Jar
Posted on 01/03/26 by UlstoVorwort:
Dieses Vorwort wird wohl länger werden als der darauf folgende Blog! Und das hat seine Hintergründe!
Meine Eltern zählten zur Weltkriegsgeneration. Mein Vater etwa wurde direkt vom Sommercamp der Hitlerjugend in Frankreich an die Ostfront versetzt. Meine Mutter war als kleines Kind Zeugin der Bombardierung des Frankfurter Hauptbahnhofes. Europa lag 1945 in Schutt und Asche. Den Trümmerfrauen, danach der Nachkriegsgeneration und schliesslich den Baby-Boomern ist es zu verdanken, dass alles wieder aufgebaut werden konnte. Hitler hatte mit seinen Nationalsozialisten durch den Überfall auf Polen den verheerenden Zweiten Weltkrieg begonnen. Das ist nähere Zeitgeschichte, die eigentlich auch in der Schule durchgesprochen wird. Dennoch ist es in den Köpfen sehr vieler wieder in Vergessenheit geraten. Linkspopulisten, vor allem aber die Rechtspopulisten erhalten immer mehr Zulauf, obgleich Sie um ihre Gesinnung kein Geheimnis machen und auch vieles von den Nazis übernommen haben (nicht nur im Sprachgebrauch)! In Italien regieren die Postfaschisten, in Österreich erhielt die FPÖ bei den letzten Nationalratswahlen einen Grossteil der Stimmen und schenkt man den Umfragen in Deutschland Glauben, so könnte die AfD schon 2026 ihre ersten beiden Ministerpräsidenten stellen.
Mit diesen heutigen Zeilen möchte ich auf eine Greueltat der Nazis in der Ukraine hinweisen. Sie ging als das „Massaker von Babyn Jar“ in die Geschichte ein. Übrigens nicht das einzige Kriegsverbrechen: In allen besetzten Gebieten wurden vornehmlich durch die Waffen-SS Konzen-trations- und Vernichtungslager aufgebaut, die schliesslich von der Todeskopf-SS geführt wurden und der Vernichtung der Juden (Holo-caust), der Sinti und Roma, Kriegsgefangener und aller anderen dienten, die sich nicht mit dem Regime der Nazis einigten.
Es hiess stets, dass die Bevölkerung davon nichts wusste. Doch war die GESTAPO (Geheime Staatspolizei) in allen Bereichen des „Dritten Reiches“ berüchtigt. Wo diese Spezialtruppe Hitlers auftauchte, verschwanden Menschen spurlos. Die Nationalsozialisten wurden übrigens in den 1930er Jahren ganz normal gewählt. Da damals keine Einigung der anderen Parteien erzielt werden konnte, beauftragte Reichspräsident Paul von Hindenburg am 30. Januar 1933 den „böhmischen Gefreiten“ Adolf Hitler aus Österreich mit der Regierungsbildung. Danach gab es erst wieder Wahlen, als die alliierten Kriegsgewinner dies zuliessen.
Es sitzen gewählte Politiker im Deutschen Bundestag bzw. dem Öster-reichischen Nationalrat, die (bzw. deren Mitarbeiter) all das leugnen und derartige Verhältnisse wieder aktuell haben wollen oder sich nicht davon distanzieren! Unter dem Mantel der freien Meinungsäusserung oder Versammlungsfreiheit! Gab es diese im deutschen Reich oder der stali-nistischen Sowjetunion?
Menschen, die sich Gedanken machen, denken vor der Wahlurne darüber nach! Die Stammtisch-Krakeeler nicht – sie verstummen danach sehr rasch. Doch tragen sie die Schuld daran, was sich aufgrund ihrer Stimme daraus entwickelt. Auch, wenn sie danach nichtwissend gerne als unschuldig agieren!
Nun zum Blog!
Hitler und Stalin hatten eigentlich einen Vertrag abgeschlossen, der einen Nichtangriffspakt und die Aufteilung Polens beinhaltete. Hitler freilich hielt sich nicht daran, überfiel Polen und rückte weiter vor. Im Sommer 1941 schliesslich griff er die Sowjetunion an. Der Plan eines Grössen-wahnsinnigen – anders kann dies wohl nicht bezeichnet werden. Ein Zwei-Frontenkrieg – hätte er dies nicht befehligt, wäre der Zweite Welt-krieg wohl anders ausgegangen. Nicht vorzustellen, was das für die heutige Weltordnung bedeutet hätte. Als Nachbarstaat Polens war die Ukraine Hitlers nächstes Ziel. Dort fand er auch viele Kollaborateure, die mit der Entwicklung der Sowjetunion seit 1917 nicht zufrieden waren. Wie bereits zuvor geschildert, ging er in den besetzten Gebieten mit aller Härte vor, um Regimegegner aus dem Weg zu räumen, aber auch seine ideologischen Vorstellungen (die Massenvernichtungen der Angehörigen jüdischen Glaubens) umzusetzen – den Holocaust! Eines dieser Vernich-tungslager war Babyn Jar. In der „erweiterten“ Ukraine (inkl. der polnischen Gebiete, die durch die Sowjets besetzt waren) lebten vor dem Zweiten Weltkrieg 40 Millionen Menschen. Die Zahl der Juden wurde auf 2,35 Millionen geschätzt. 1,5 Millionen wurden durch die Nazis und ihren Helfern umgebracht – zuerst Männer, dann auch ganze Familien! Im westlichen Teil der Ukraine (westlich des Dnepr) stellte die jüdische Glaubensgemeinschaft schon mal bis zu 10 % der Gesamtbevölkerung – nach Osten nahm dies ab. Bis zum Jahr 2022 arbeitete die Ukraine an der Aufarbeitung dieser Kriegsverbrechen – dann kam der Angriffskrieg Putins auf das Land dazwischen: Der wollte fadenscheinig damit die Nazis aus der Ukraine vertreiben! Die Deutschen rückten 1941 dermassen schnell in der Ukraine vor, sodass den meisten Menschen keine Zeit für eine Flucht blieb – nach Angaben der Sowjetunion konnten weniger als eine Mio flüchten – in der Ostukraine wesentlich mehr. In Zahlen: In den Regionen Galizien, Wolhynien und Podolien wurden nahezu 80 Prozent der Juden ermordet. Wie war das in dieser kurzen Zeit möglich?
Eines der wohl grössten Kriegsverbrechen ereignete sich am 29. und 30. September 1941 in Babyn Jar. 34.000 Menschen jüdischen Glaubens mussten sich ausziehen und an ausgehobenen Gruben aufstellen. Sie wurden hinterrücks erschossen. Doch damit waren die grauenvollen Kriegsverbrecher nicht zufrieden: Es folgten Roma (19 -20.000), psychisch kranke Menschen (7 – 9.000), ukrainische Nationalaktivisten, sowjetische Kriegsgefangene, Kommunisten und auch „normale“ Bürger von Kiew, die bis zu diesem Zeitpunkt als Geiseln festgehalten wurden. Babyn Jar wurde neben Auschwitz zum grauenvollen Mahnmal eines menschenverachtenden Todes-Regimes. Jeder Einzelne davon ein Kriegs-verbrechen! Schätzungen sprechen von weiteren 345.000 vornehmlich galizischen Juden, die in den Gaskammern in Polen ermordet wurden!
Anlässlich des 50. Jahrestages des Massakers im September 1991 beschloss die ukrainische Regierung die Aufarbeitung von Babyn Jar! Präsident Petro Poroschenko bat 2015 in einer Rede vor der israelischen Knesset um Verzeihung für eine Tat, die nicht entschuldigt werden kann. Moskau allerdings behinderte die Aufarbeitung mit dem Argument „Verbrechen gegen das sowjetische Volk ohne ethnische Differenzierung“!
Wenn nun Putin seine „Polizeiaktion“ gegen die Ukraine damit abtut, die Nazis aus Kiew zu vertreiben, sollte er doch mal im Kreml aufräumen. Seine Säuberungsaktionen bei Regime-Kritikern sind ja sehr erfolgreich, wenn gleich auch Mord.
Die Ukraine ist ein unabhängiger Staat – werden seine Grenzen miss-achtet, so ist dies ein Verstoss gegen das Völkerrecht, den es zu ahnden gilt – mit allen Konsequenzen!
Der zunehmende Antisemitismus ist – Entschuldigung für meine rüde Ausdrucksweise: ZUM KOTZEN! Die Angehörigen der jüdischen Glaubens-gemeinschaft sind Menschen wie Du und Ich! Das Grundgesetz/die Bundesverfassung garantiert ihnen Religionsfreiheit in der deutschen und österreichischen Verfassung!
Wenn so viele Menschen meinen, dass „ein bisschen Diktatur“ Deutsch-land und Österreich nicht schlecht tun würden, plädiere ich für ein Praktikum in Russland oder Nordkorea kombiniert mit Geschichts-unterricht! Ein „bisschen Diktatur“ gibt es nicht, auch wenn sie von einigen Protestwählern gewünscht wird! Hat es in der Weltgeschichte nie gegeben!
Oder muss ich erst die restriktiven Massnahmen der deutschen und österreichischen Regierung während der Pandemie zur Diskussion stellen, bei welchen vornehmlich die rechte Seite sich widersetzte? Obgleich sie so obrigkeitshörig ist und sich eine starke Führung wünscht!
Filmtipps:
.) Spell your name; Steven Spielberg/Wiktor Pintschuk
.) Wordless; After Silence/Wanna Production
Lesetipps:
.) Babyn Yar: History and Memory; Vladyslav Hrynevych/Paul Robert Magocsi 2016
.) The Shoah in Ukraine: history, testimony, memorialization; Ray Brandon and Wendy Lower 2008
.) The Reception of the Holocaust in Postcommunist Ukraine / Bringing the dark past to light: the reception of the Holocaust in postcommunist Europe; John-Paul Himka/Joanna Beata Michlic 2013
.) War and memory in Russia, Ukraine and Belarus; Julie Fedor/Markku Kangaspuro/Jussi Lassila/Tatiana Zhurzhenko 2017
.) The Destruction of the Ukranian Jewry During World War II; Michael Gesin 2006
.) Kooperation und Verbrechen. Formen der „Kollaboration“ im östlichen Europa 1922-1945 (Beiträge zur Geschichte des Nationalsozialismus, Bd. 19); Hrsg.: Christoph Diekmann et al. 2003
Links:
– www.ukrainianhistoryportal.org
– encyclopedia.ushmm.org
– www.kas.de
Werte Leser dieser meiner Zeilen,
Posted on 12/20/25 by UlstoZum Jahresende möchte ich mich für Ihre Treue und die vielen Clicks bedanken – inzwischen mehr als so manche Wochenzeitung! Die „Click-Schallmauer“ durchbrach heuer erstmals der Blog zum US-Shutdown, gefolgt von der Vogelgrippe, dem Lachgas und der Genschere.
Ich bin stets bestrebt, das Spektrum der Bereiche möglichst breit zu halten, sodass für jeden Geschmack etwas dabei sein sollte.
Für die kommenden Tage sollte aber „Abschalten“ das Motto sein. Denn es gibt Menschen, Beziehungen und Kinder, die im täglichen Arbeitskampf zu kurz kommen.
Deshalb wünsche ich Ihnen ein ruhiges, besinnliches Weihnachtsfest im Kreise derer, die Ihre Zuneigung verdienen, und einen guten Rutsch in ein menschliches, v.a. aber gesundes Jahr 2026!!!
Den nächsten Blog gibt es am 03. Januar im neuen Jahr!
Rauhe Nächte – uralte Sitten
Posted on 12/20/25 by UlstoDie Winternächte in den Alpen können sehr kalt und verdammt einsam sein. Schon unsere Urahnen hatten deshalb Riten und Bräuche, die ihnen halfen, über diese Jahreszeit gut hinwegzukommen. Über einige habe ich an dieser Stelle schon geschrieben – konnte so manch andere jedoch nur kurz anschneiden, da es ansonsten den Rahmen gesprengt hätte: Die Rauhnächte beispielsweise! Die Recherche damals fesselte mich der-massen, dass ich mir vornahm, diese mystische Zeit in einem eigenen Blog nochmals abzuarbeiten.
Die Rauhnächte oder auch Glöckel- oder Rauchnächte sind in den unterschiedlichsten Ausprägungen in ganz Europa seit Jahrhunderten gepflegt, dann wieder vergessen und erneut hervorgekramt worden. Bezeichnet werden so die zwölf Nächte zwischen dem Weihnachtstag (dem 25.12.) um 00:00 Uhr und dem Fest der Erscheinung des Herrn (Heilige Drei Könige am 06. Januar) um 24.00 Uhr. Die beiden genannten Nächte heissen übrigens „foaste Nacht“ – all dem, das in dieser Zeit geschieht, wird grössere Bedeutung zugeschrieben! Eine andere Version beginnt bereits am Thomastag (der Wintersonnwende am 21.12.) und endet mit dem Neujahrstag. Auch die Anzahl dieser sog. „Innernächte“ ist von Region zu Region verschieden. Die wichtigsten vier Rauhnächte sind somit die Thomasnacht (21./22.12.), die Christnacht (24./25.12.), die Silvesternacht (31.12./01.01) und die Vigilnacht (05./06.01.). Während dieser Tage sollte möglichst nicht gearbeitet werden. Anstatt dessen sass man mit der Familie zusammen und nahm wahr: Wie verläuft das Wetter, wie schmeckt das Essen, was tut sich in der Natur, was gab’s im ablaufenden Jahr, …! Momente des Innehaltens während der Schwellen-zeit. Alles hat dabei seine Bedeutung!
Sehr interessant ist übrigens die Thomasnacht, die „Winter-Sonnwende“. Der Apostel Thomas war als Zwillingsbruder von Jesus bekannt. Die beiden stehen alsdann für die Sommer- und Winter-Sonnwende. In so manchem Kirchenportal sind deshalb zwei Wölfe oder ein Wolfsdrache (Zwillingswölfe) abgebildet, die dies darstellen sollen.
Der Ursprung der Rauhnächte lässt sich leicht mit dem Abgleich des Mond- mit dem Sonnenjahr erklären. Das Mondjahr weist nur 354 Tage auf, das Sonnenjahr jedoch 365. Alsdann wurden die 11 „Toten Tage und 12 toten Nächte“ eingerichtet – die für den mystischen Anstrich des Ganzen verantwortlich zeichnen. Während dieser Zeit treiben der Sage nach behaarte Dämonen ihr Unwesen. Daher könnte auch die Bezeichnung stammen: „rüch“ kommt aus dem Mittelhochdeutschen und bedeutet „haarig“. Die weitaus gebräuchlichere Definition alsdann kommt vom Ausräuchern der Stallungen und des Wohnbereiches. Schriftlich ist dieses Ritual bereits im Jahr 1534 festgehalten, als Sebastian Franck schrieb:
„Die zwolff naecht zwischen Weihenacht und Heyligen drey Künig tag ist kein hauß das nit all tag weiroch rauch in yr herberg mache / für alle teüfel gespenst vnd zauberey.“
Das Ausräuchern soll Vieh und Mensch vor Tod und Krankheit beschützen. Somit also die alternative Bezeichnung der „Rauchnächte“. Verwendet wird dafür nicht nur Weihrauch – dieser kommt zumeist erst mit den Heiligen Drei Königen in’s Haus. Einerseits sollen die Kräuter-mischungen reinigen, andererseits energetisieren: Myrrhe, Bartflechte, Engelwurz, Eschsamen, Fichtenharz, Holunder, Lavendel, Wacholder, Mariengras, Meisterwurz, Salbei, Dammar,… Mit diesem Räucherwerk geht dann der Haushaltsvorstand dreimal gegen den Uhrzeigersinn durch die Wohnung, anschliessend dreimal im Uhrzeigersinn. Schliesslich werden alle Räume „mit Licht und Liebe“ erfüllt.
Das Glöckeln hat ebenfalls mit diesem alten Treiben zu tun – mit riesigen beleuchteten oder Spiegel-Hüten und Lärm wurde von Haus zu Haus gezogen um die Geister fortzutreiben. Mit dabei in vielen Regionen immer auch die Aperschnalzler mit ihren Peitschen.
Woher tatsächlich dieser Brauch kommt, ist nach wie vor unklar. Auch die Rückführung auf die alten Germanen oder Kelten ist nicht nachgewiesen. Inwieweit die frühchristliche Kirche hierbei Einfluss nahm, ist ebenfalls umstritten, schliesslich geht es ja auch um Angelegenheiten, die in der Kirche nichts zu suchen haben.
Genau zur Mitte der Zwölfnächte – in der Silvesternacht – tun sich die Tore zu anderen Welten auf – Dämone und die Seelen der Verstorbenen ziehen in Form einer „Wilden Jagd“ durch die Lande. In der Eifel, den Ardennen, aber auch in Bulgarien und Griechenland dachte man, dass sich jene Menschen in Werwölfe verwandeln, die mit dem Teufel einen Pakt eingegangen sind. Sie bedrohen das Leben von Mensch und Tier. Im Alpenraum finden hierzu jedes Jahr die Perchten- oder Tuiflläufe statt. Die vorhin angesprochenen Glöckler, aber auch das Silvesterfeuerwerk sollen mittels Lärm helfen, diese Geister und Dämonen zu verjagen. In Norddeutschland kennt das Brauchtum anstatt dessen das „Rummelpott-laufen“.
In den Rauhnächten werden alsdann die unterschiedlichsten Orakel befragt – etwa das Bleigiessen zu Silvester. Selbstverständlich wird auch beim Orakeln geräuchert. Dazu eignen sich vornehmlich Alraunenwurz, Beifuss, Bilsenkraut, Lorbeer, Mistel und Schafgarbe. Dabei gelten jeweils zwei Stunden einer Rauhnacht für einen der kommenden Monate – jeden Tag. Andernorts stehen die Tage für jeweils einen Monat:
24.12. auf 25.12. – Januar (Basis-Grundlage)
25.12. auf 26.12. – Februar (innere Stimme, innere Führung, höheres Selbst)
26.12. auf 27.12. – März (Herzöffnung, Wunder zulassen)
27.12. auf 28.12. – April (Auflösung von Blockierendem)
28.12. auf 29.12. – Mai (Freundschaft)
29.12. auf 30.12. – Juni (Bereinigung)
30.12. auf 31.12. – Juli (Vorbereitung auf das Kommende)
31.12. auf 01.01. – August (Geburt des neuen Jahres)
01.01. auf 02.01. – September (Segen, Weisheit)
02.01. auf 03.01. – Oktober (Verbindung, Visionen, Eingebungen)
03.01. auf 04.01. – November (Loslassen, Abschied nehmen)
04.01. auf 05.01. – Dezember (Reinigung, Transformation)
Wie das Wetter an diesen Tagen der Rauhnächte, so soll es auch im entsprechenden Monat sein. Verwenden Sie zudem ein Traumbuch, in welchem Sie alles, was Sie in diesen Nächten geträumt haben, sofort schriftlich erfassen (ansonsten ist nach fünf Minuten alles wieder verflogen!). Im Brauchtum heisst es nämlich, dass die Seele in diesen speziellen Nächten zwischen Weihnachten und Drei König erahnen kann, was sich im zugeordneten Monat des nächsten Jahres ereignen wird!
Gar wundersames tut sich aber zu Silvester im Stall: Die Tiere sollen zu Mitternacht plötzlich sprechen und die Zukunft vorhersagen können. Jedoch ist es dem Menschen untersagt, zuzuhören, da er ansonsten nur kurze Zeit danach sterbe. Ein spezieller Hausgeist lauscht in manchen Regionen den Tieren und bestraft deren Besitzer, wenn dieser das Vieh schlecht behandelt hat. Auch wird beispielsweise in der Bretagne, Wales oder Schottland nachgesagt, dass unverheiratete Frauen zu Mitternacht an so manchem magischen Ort oder auch im Kreuzgang ihren zu-künftigen Bräutigam sehen können. Während er vorbeiwandelt, darf er jedoch nicht angesprochen werden, da dies ebenfalls tödlich für die Frau enden würde. Apropos Frau – der 5. Januar ist der Hohe Frauentag. Ihm kommt deshalb eine sehr wichtige Bedeutung zu. Ebenfalls ein Schlüsseltag ist der 28. Dezember – der Kindertag! Herrschte in der Familie zuvor der Streit, so sollte man sich dies an diesem Tag alles nochmals durch den Kopf gehen lassen. Anschliessend beleuchtete man die Stube mit zuerst weissem, dann violetten Licht. Und schon wandelte sich alles zum Positiven hin. Beiden Tagen kam deshalb zudem eine entscheidende Wirkung für das neue Jahr zu.
„Rauhnacht san vier, zwoa foast und zwoa dürr.“
(Essensspruch; zitiert von Rudolf Fochler)
Die Gläubigen verbrachten die meiste Zeit während dieser Tage und Nächte im Gebet. Zuvor jedoch musste noch Ordnung im Hause gemacht werden. In den vier wichtigsten Rauhnächten war Wäsche waschen tabu. Einerseits könnten sich die Reiter und Dämonen während der „Wilden Jagd“ in den gespannten Wäscheleinen verfangen, andererseits durch beispielsweise aufgehängte weisse Damen-Unterwäsche gar angelockt werden. Anderer weisser Wäsche wurde nachgesagt, dass sie gestohlen und in weiterer Folge als Leichentuch für deren Besitzer verwendet werden könne. Düstere Aussichten also zu einer Zeit, die eigentlich Glück und Hoffnung versprühen sollte. Kartenspielen war verboten, Frauen und Kinder durften nicht des nächtens alleine auf die Strasse gehen. Im Alpenraum überwachten Perchten die Einhaltung. Sie stehlen oder fressen der Legende nach die bösen Kinder auf, belohnen allerdings die guten! Die eigentliche Perchtennacht jedoch ist die letzte Rauhnacht – die Nacht auf das Fest der Heiligen Drei Könige – auch als „Erscheinungsfest“ („Epiphaniea“) bekannt. Im Alpenraum fanden hierzu die Perchtenumzüge oder -läufe statt, die heutzutage allerdings mehr der Volksbelustigung und des Tourismus dienen, deshalb auch schon im November beginnen. Im Allgäu übrigens gehören diese Perchten auch zur Begleitung des Nikolaus. Erst nach den darauf folgenden „Klossa“ (Krampus oder Knecht Rupprecht) erscheint der Heilige Mann mit der Bischofsmütze und den vielen Geschenken.
So manche Mär wird in diesen Tagen über diese Tage erzählt. Man möge an sie glauben oder auch nicht – etwas geheimnisvolles hat es allemal!
Wenn Sie mal wieder herzhaft lachen möchten, dann schauen Sie sich auf YouTube die ganzen selbstgemachten Videos der vielen selbsternannten Hexen, Schamaninnen, Zaubermeister etc. an. Es ist wirklich unglaublich, wie viel Schindluder mit der Esoterik getrieben wird!
.) Rauhnächte. Märchen, Brauchtum, Aberglaube; Sigrid Früh; Verlag Stendel 1998
.) Das Rätsel der Rauhnächte; Reinhardt Stiehle; Chiron Verlag 2011
.) Rauhnächte erzählen: Ein Lese- und Märchenbuch zu den zwölf heiligen Nächten im Jahr; Nina Stögmüller; Verlag Anton Pustet 2012
.) Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens; Hanns Bächtold-Stäubli (Hrsg.); 1927–1942 (Nachdruck 2000)
.) Die Tiere in den sieben Nächten. Erzählzyklus; Georg Rendl; Deutsche Verlagsanstalt 1937
.) Die Lebendigen und die Toten: in Volksglauben, Religion und Sage; Rudolf Kleinpaul; G. J. Göschen’sche Verlagshandlung 1898
Weihnacht‘ wie früher – mmmh lecker!!!
Posted on 12/13/25 by UlstoAllerorts in der christlichen Welt wird die Geburt von Jesus Christus gefeiert! Allerorts jedoch komplett anders. Herzlich willkommen zu einem Blog über die lukullischen Weihnachten, wie sie früher einmal waren und teilweise noch sind!
Im Rahmen der Call-in-Sendung einer deutschen Radio-Station war ein Anrufer zu vernehmen, der meinte, dass er seine Grossmutter über alles liebte – doch das Weihnachtsessen …! Leber-, Blut- und Bratwürste – alles in der Pfanne herausgebraten: Es triefte nur so vor lauter Fett!
Andere Länder, andere Sitten!
In Österreich wird bereits in der Vorweihnachtszeit geschlemmt und gut getrunken! Auf den unzähligen Weihnachtsmärkten locken die unter-schiedlichsten Düfte: Heisse Maroni und Kartoffeln (Erdäpfel), Kiachln mit Sauerkraut oder Marmelade, Glühwein und Punsch. Am 06. Dezember kommt für die Kleinen der Nikolaus und belohnt brave Kinder traditionell mit Mandarinen, Nüssen und Schokolade. In manchen Bundesländern auch mit dem „Klosama“ – einem Hefeteiggebäck in Form eines Menschen mit Rosinen als Augen. Am 24. Dezember, dem Heiligen Abend, wird nach der Bescherung gegessen. Meist ohne Kinder, da die mit den Geschenken beschäftigt sind. Auch so mancher Vater soll das Mahl verpasst haben, als er mit dem Aufbau der Carrera-Rennbahn oder der elektrischen Eisenbahn für seinen Sohn beschäftigt war. In den meisten Haushalten allerdings fällt das Essen eher dürftig aus: Frankfurter (Wiener Würstchen) mit Kartoffelsalat. Dies aus zweierlei Gründen: Erstens geht die Familie nach dem Essen noch zur Christmette in die Kirche. Und zudem kommen endlich die leckeren Kekse (Plätzchen) auf den Tisch, die Muttern die letzten Wochen über an die Küche gefesselt haben. Nur im Burgenland verbringt zumeist die Mutter den Tag am Herd: Gansl mit Sauerkraut und Erdäpfeln. Im benachbarten Kärnten serviert man Selchwürsteln ebenfalls mit Sauerkraut und Schwarzbrot. Im westlichsten Bundesland Vorarlberg setzt sich immer mehr das Raclette durch. Am Weihnachtstag werden dann keine Kosten und Mühen gescheut: Meist sitzt die ganze Familie am Tisch. Es gibt Weihnachtsgansl, Karpfen, Roll-braten, … Oftmals mit Rotkraut und Semmel- oder Serviettenknödel, manches mal auch mit Kartoffelknödeln. Am Stephanstag schliesslich, dem 2. Weihnachtsfeiertag, werden häufig Freunde zum Essen einge-laden. Auch hier wird alles aufgetischt, was den Gaumen so richtig jubeln lässt. Erinnert mich meist an den Wettkampf der kochenden Mütter!!!
Ähnlich wird in Deutschland die Küche zu Weihnachten drangsaliert. In der Vorweihnachtszeit werden je nach Region neben den Plätzchen auch Nürnberger Lebkuchen, Aachener Printen, Liegnitzer Bomben und natür-lich der Stollen gebacken. Auch in deutschen Landen erfreuen sich die Weihnachts- oder Christkindles-Märkte grosser Beliebtheit. Anstatt der Kiachln jedoch gibt es oftmals Rostbratwürste mit Sauerkraut oder Schaschlik-Spiesse. Am Heiligabend serviert Muttern entweder einen Eintopf oder ebenfalls Würstchen mit Kartoffelsalat. Dieser wird im Norden mit Mayonnaise, im Süden mit Essig und Öl sowie Brühe zube-reitet. In Niederschlesien entlang der Oder wird zudem der „Breslauer Mehlkloß“ gereicht. Die grosse Ausnahme bildet das Erzgebirge und das Vogtland. Hier freut sich die Familie bereits auf das „Neunerlei“: Ein Menü mit neun Gängen, bestehend aus Bratwurst mit Sauerkraut und Klößen, Gänse- oder Schweinebraten mit Nüssen und Pilzen. Der Tradition entsprechend werden nach dem Essen Münzen unter die Teller gelegt. Am Christtag wird auch im Rest der Bundesrepublik ganz gross aufge-kocht – jedoch regional unterschiedlich. In Altbayern etwa gibt’s den „Weihnachter“ – zumeist einen Schweinebraten, wobei das Tier eigens für Weihnachten gemästet wurde. Seltener kommt die Weihnachtsgans auf den Tisch.
Wer nun denken sollte, dass die Schweizer nur das Käse-Fondue im Kopf haben, liegt völlig falsch! Ein traditionelles eidgenössisches Gericht zu Weihnachten ist das “Schüfeli“ mit Sauerkraut oder grünen Bohnen und Kartoffeln. Die flache Schweineschulter ist im benachbarten Südbaden bzw. dem Elsass auch als Schiifele oder Schiifeli bekannt – die meisten anderen sagen „Kasseler“ dazu. Gekocht je nach Geschmack mit „Saucissons“ (Rohwürsten), Speck am Stück, Rippli oder Rinderzunge. Die Weihnachtsgans ist nur in deutsch-stämmigen Familien angesagt – immer beliebter wird jedoch der in der Romandie gebräuchliche Truthahn. Oder der Kapaun mit Senfsauce aus dem Tessin, mit Ravioli in Bouillon als Vorspeise und Panettone als Nachspeise – einem luftigen Kuchen mit kandierten Früchten. Doch ganz ohne Fondue geht’s nicht: Trendy ist das „Foundue Chinoise“ mit Bouillon und Gemüse. Dabei werden Ravioli in die Bouillon getaucht und mit verschiedenen Saucen verfeinert gegessen. Alles weitere ist sehr regional geprägt: Im Bernerland etwa wird die „Berner Platte“ mit verschiedenem Fleisch, Dörrbohnen, Sauerkraut und Kartoffeln gereicht, im Aargau „Pastetli mit Milken“ (Blätterteigpasteten mit Kalbsbries). Natürlich gibt es auch in der Schweiz die Kekse – sie heissen „Guetzli“.
In Frankreich ist der 24. Dezember ein ganz normaler Arbeits- und Schultag. Erst mit der Mitternachtsmesse, die schon mal früher beginnen kann, startet auch dort das Weihnachtsfest. Danach kommt hier der Gaumen auf seine Kosten: „Le réveillon“, ein Truthahn gefüllt mit Kastanien oder ein Kapaun mit Pflaumen. Zusätzlich stellt der Ober Austern bzw. die gestopfte Gänseleberpastete („foie gras“), kandierte Maroni, Fisch und Käse auf den Tisch. Ja, richtig gelesen: Die Franzosen essen nicht selten im Restaurant! Getrunken wird dazu natürlich Champagner abgerundet mit dem Weihnachtsbaumkuchen („bûche de Noël“). Der Name resultiert aus dem alten Brauch, am Weihnachtstag einen Baumstamm zu verbrennen und die Asche auf den Feldern zu verteilen – für eine gute Ernte! Die Bescherung übrigens findet am Weihnachtstag statt, der Stephanstag ist in La Nation kein Feiertag mehr.
Ola – in Spanien geht’s so richtig ab!!! Dort gibt es ganze 21 traditionelle Weihnachtsgerichte – jedes davon ein kulinarischer Hochgenuss. Weih-nachten ist auf der Iberischen Halbinsel das schönste Fest des Jahres – doch unterscheidet sich die Küche ganz eklatant nach den Provinzen. Eines haben alle gemeinsam: Fisch! Die Weihnachtszeit beginnt bereits am 08. Dezember, dem Tag der unbefleckten Empfängnis („La Inma-culada Concepción“) und endet mit den Heiligen Drei Königen. In dieser Zeit werden Vorspeisen gereicht wie etwa „Ajoblanco“ mit Mandeln und Weintrauben (eine Art Gazpacho mit viiiiel Knoblauch), „Escudella de Nadal“ mit Galets (eine Nudelsuppe mit verschiedenen Fleischsorten, Gemüse und Kichererbsen), die „Andalusischen Chicharrones“ (gebratenes Schweinefleisch mit Salz, Pfeffer Zitrone und Olivenöl), Jamón (Serrano Schinken) etc. Nun zum Fisch und damit der Hauptspeise: Allseits beliebt ist der Seehecht („Merluza“) – im Baskenland in grüner Sauce („Merluza en Salsa Verde“). Daneben gibt es aber auch den Kabeljau („Bacalao“) – in der Pfanne mit verschiedenem Gemüse zubereitet („Bacalao al Ajoarriero“) in Nordspanien, in Zentralspanien den „Besugo“ (eine spezielle Art der Seebrasse), mit Zitrone und Zwiebeln im Ofen gebacken und mit Kartoffeln angerichtet („Besugo al Horno“) usw. Auch Fleischgerichte gehören natürlich dazu, wie der Fleischeintopf „Carna Guisada“, das geschnittene Spanferkel „Cochinillo“ oder „Cordero Asado“, alsdann der Truthahn-Braten „Pavo al Horno“ bzw. in Katalonien auch das Topffleisch „Carn d’olla“ etc. Dort übrigens werden die Überreste des Weihnachtstages am 2. Feiertag „San Esteban“ als „Canelons“ zubereitet. Das sind grosse Nudelrohre mit Fleisch gefüllt, übergossen mit Béchamelsauce und im Ofen gebacken. Kekse gibt’s in diesem Sinne keine, allerdings „Turrón“ (Schokolade mit Mandeln oder ohne), „Polvorones“ (einem Pulver, das vor dem Essen fest in den Handflächen gerollt werden muss) und den „Mantecados“ (wie die Polvorones, allerdings mit Butter, Mandeln und weihnachtlichen Gewürzen wie Zimt hergestellt). Sehr beliebt sind auch die kandierten Früchte („Frutas Confitadas“).
Damit in den Norden – nach Schweden. Dort heisst das Weihnachtsessen „Julmat“ und besteht zumeist aus dem „Julbord“. Das ist ein Buffet („Smörgåsbord“) mit den unterschiedlichsten Gerichten, bei dem sich jeder nach Geschmack bedienen kann. Es ersetzte Anfang des 20. Jahrhunderts das traditionelle Weihnachtsessen mit Brötchen, Stockfisch (“Lutfisk“) und Reisschleim als Nachspeise. Das Buffet besteht aus kalten und warmen Vorspeisen und Hauptgerichten. Als Vorspeise gilt etwa eingelegter Hering („SpeisInlagd sill“), Heringssalat („Sillsallad“), geräucherter oder gekochter Lachs („Gravad“) und natürlich Stockfisch („Lutfisk“). Die Hauptgerichte sind zumeist die warmen Speisen wie Weih-nachtsschinken („Julskinka“), Fleischbällchen („Köttbullar“), Rippchen von Schwein („ Revbensspjäll“), unterschiedlichste Würste oder ein Auflauf aus Kartoffeln und Anchovis sowie die unterschiedlichsten Kohlsorten. Daneben gehören Eier, Rote Beete, Leberpasteten und etwa auch Käse dazu. Regional gibt es auch dort Unterschiede. Die Nachspeisen sind Reisbrei („Risgrynsgröt“), Käsekuchen („Ostkaka“) oder auch Safranpfann-kuchen („Saffranspannkaka“) etc. Zwischendurch darf natürlich ebenso bei den Schweden genascht werden: Lebkuchen („Pepparkaka“), Safranzöpfe („Saffranssnurror“) oder beispielsweise auch Zuckerstangen („Polkagris“). Getrunken wird dazu ein Weihnachtsbier („Julöl“), Glühwein („Glogg“) oder der hochprozentige „Snaps“.
Zuletzt noch ein kurzer Blick auf andere Kontinente: In den USA bringt Santa Claus ebenfalls erst am Weihnachtstag die Geschenke. Gegessen wird zumeist Truthahn. Daneben gibt es aber auch Spezialitäten aus dem guten alten Europa, wie dem Baumstammkuchen oder den Punsch. Die Kekse („Cookies“) sehen etwas anders aus als jene aus den mittel-europäischen Backöfen – sie werden zumeist Nachbarn oder Freunden geschenkt. Aus den USA stammt übrigens die Tradition, einen Teller voller solcher Cookies und ein Glas Milch für Santa Claus auf den Kamin oder Tisch zu stellen. Das machte übrigens eine Freundin von mir. Als ich mit ihrem Sohn langsam voraus zur Kirche ging, leerte sie das Glas Milch auf einen Zug – danach war ihr fürchterlich übel.
Schliesslich zu den ausgeflippten Aussies – nach Australien. In Down Under wird der Weihnachtstag nicht selten mit dem Grill am Strand gefeiert („BBQ“) – dort ist zu dieser Zeit ja Hochsommer. Santa Claus bringt die Geschenke am Morgen des 25sten durch den Kamin. Der 2. Weihnachtstag ist der „Boxing Day“, der Startschuss für den Sommer-urlaub. Gegessen wird ein Sammelsurium aus allen möglichen euro-päischen Ländern – das meiste jedoch stammt aus Grossbritannien. Zu Heiligabend serviert Muttern einen Putenbraten bzw. Fisch oder sonstige Seefrüchte. Alsdann darf der „Plumpudding“ nicht fehlen, ein gekochter oder gedämpfter Pudding mit Nüssen und Rindernierenfett (heute vermehrt Pflanzenfett), getränkt in Brandy – lecker schmecker! Ich erinnere mich an eine Anekdote: Diesen Plumpudding wollte ein hoch-ehrenvoller Professor des Akademischen Senats an der Universität Innsbruck als Abschluss des Abendessens bei einem Besuch in London verzehren. Der Ober machte ihn darauf aufmerksam, dass dies nicht wirklich eine Nachspeise ist. Dann kam der Teller! …
Nun – ich hoffe, Sie haben unsere kulinarische Rundreise genossen und bei so manchem ist das Wasser im Munde zusammengelaufen! Was auch immer Sie davon bevorzugen, denken sie bitte daran, dass die ganze Arbeit nicht nur bei einer Frau anfallen sollte. Arbeitsteilung auch nach dem Essen gehörte für mich schon immer zu Weihnachten dazu. Zudem ist Weihnachten das Fest des Friedens – die Scheidungsquote jedoch ist ebenso wie nach dem gemeinsam verbrachten Sommerurlaub sehr hoch!
Mahlzeit!!!
