Ausfall
Posted on 04/05/26 by UlstoHallo,
vielen Dank, dass Sie hier auf meiner Seite vorbeischauen.
Aufgrund eines technischen Gebrechens entfaellt diese Woche der Blog!
Den naechsten Text gibt es am Samstag, den 11.04.!
Sorry!
Ostern – ein Fest des Besinnens
Posted on 03/28/26 by UlstoWarnhinweis:
Die in diesem Blog verlinkten Bilder und Videos können bei emotional schwachen Lesern zu Verstörungen führen!
In der Bibel heisst es so schön: „Am Anfang war das Licht…!“ Doch kann auch der grösste Philosoph und (Über-)Lebensgrübler mit nur einer Frage aus dem Gleichgewicht gebracht werden: „Was kam denn nun zuerst – die Henne oder das Ei?“ Eine Beantwortung der Frage ist nur mit religiösem Hintergrund machbar! Dadurch nämlich wird die komplette Evolution in Frage gestellt! Apropos Eier – da sind wir auch schon beim Thema.
Das Ei ist tatsächlich ein Wunderwerk der Natur. Ausgestattet mit bereits allen Merkmalen, die das spätere Leben prägen und bei all jenen Spezies, die ausbrüten, auch mit dem, was der Nachwuchs bis zum Schlüpfen an Nahrung braucht. Ausserdem freut sich der Esser – in unserem Kultur-kreis der Esser der Konsumeier – ist das Ei doch sehr gesund, da es auf-grund dieser vielfältigen Inhaltsstoffe zu den nährstoffreichsten Lebens-mitteln zählt. Sehr viele Gerichte in der heimischen Küche sind ohne Eier gar nicht vorstellbar. Ferner gehört für nicht wenige Leser dieser Zeilen sicherlich ein weich- oder hartgekochtes Ei zum Sonntagsfrühstück, wie für manch andere der Kaffee oder die Zeitung. Dies macht das Ei in unseren Haushalten auch so beliebt.
Im Jahr 2025 wurden alleine in deutschen Landen nicht weniger als 13,7 Milliarden Eier „produziert“ – ein Plus von 0,5 % im Vergleich zu 2024 (das sind unglaubliche 304 Eier pro Legehenne im Jahr!). Doch dies reichte bei weitem nicht aus, schliesslich lag der Inlandsverbrauch bei 21 Milliarden Stück. 7,3 Milliarden Stück mussten somit als Ei oder in Form von Eierprodukten ins Land geholt werden. Zieht man die Exporte in der Höhe von 1,45 Mrd (2024) ab, so bleiben trotzdem noch mehrere Milliarden importierter Eier über. Unglaubliche Zahlen! Im laufenden Jahr allerdings sollten diese zugunsten des Exports verschoben werden, da in vielen Ländern aufgrund der Vogelgrippe hoher Eierbedarf besteht. Hier haben die Eierpreise eklatant zugelegt. Pro Kopf wurden 2026 nicht weniger als 252 Eier verbraucht – 2010 waren es noch 214. Ob als Frühstücksei, Spiegel- oder Rührei, im Kuchen oder den Nudeln. (Zahlenquellen: Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung BLE und Marktinfo Eier und Geflügel MEG).
Die Zahlen für Österreich 2024 (trotz umfangreicher Recherche konnte ich keine Zahlen für das letzte Jahr finden): 7,4 Mio Legehennen, rund 2,2 Mrd. Eier, deckt den Bedarf zu 95 %, Pro-Kopf-Verbrauch von 250 Eiern, Import von Eiern und Eiprodukten 26.599 t (Quelle: Agrarmarkt Austria).
Ein Ei kann bei richtiger Lagerung bis zu vier Wochen haltbar sein. Kühl-schrank ist dabei nicht unbedingt erforderlich – wichtig sind gleich-bleibende Temperaturen und die Lagerung mit der Spitze nach unten. In Europa werden fast ausschliesslich Konsumeier gegessen – in anderen Regionen dieser Erde ist dies nicht unbedingt der Fall. Konsumeier werden nicht vom Hahn befruchtet. Hühner legen ab einem Alter von fünf Monaten ohnedies Eier – egal ob eine Begattung stattfindet oder nicht. So werden dies im Jahr rund 280 Eier sein – mit einem Normalgewicht von 50 bis 70 Gramm pro Stück (im Jahr in etwa das Zehnfache des Körpergewichtes des Huhns). Zum Ende des Jahres beginnt die Mauser, die Henne verliert ihr Federkleid und stellt die Eierproduktion ein. Jetzt werden Kraftreserven getankt. In der zweiten Legeperiode sind die Eier dann meist grösser als im Jahr zuvor. Doch erleben viele dieser Hennen keine zweite Legeperiode – sie werden ausgestallt. In diesem Video ein konsumententaugliches Verladen von Puten – nicht von Hühnern!
Dass es auch anders war (hoffentlich nicht mehr ist), zeigt dieses Video von Animal Aid aus dem Jahr 2015.
Legebatterien darf es offiziell in Deutschland und Österreich nicht mehr geben. Dies verbietet beispielsweise im Alpenstaat die „Tierhaltungs-verordnung“ (http://www.ris.bka.gv.at/bundesrecht/, in die Suchmaske „Tierhaltungsverordnung“ eingeben).
Doch: Weiss jeder wirklich genau, woher die bunt-gefärbten Ostereier stammen??? Oder jene Eier, die in der industriellen Produktion von Eierprodukten wie auch der Mayonnaise gebraucht werden? Dies sind zumeist die Billigimporte aus jenen Ländern, in welchen noch Legebatterien erlaubt sind. Schon hier eröffnet sich mir die Frage: Tiere als reine Produktionsmaschinen? Schande über den Menschen! Auch wenn sich durch das Verbot der Käfighaltung vieles gebessert haben soll. so gibt es nach wie vor grosse Missstände. Beispielsweise hat sich die „Fleischproduktion“ an die Fast-Food-Gewohnheiten der Menschen angepasst: Tiere werden nur so lange gehalten, als sie den höchsten Ertrag erzielen, dann haben sie ihr Leben verwirkt! Zuvor bereits werden sie für ihre spätere Bestimmung gezüchtet. Sollten Sie also kleine Eier im Osternestchen vorfinden, so können sie von Massentierhaltung und Massenproduktion ausgehen. Das Huhn, das das Ei gelegt hat, gibt es vielleicht schon gar nicht mehr. Grosse Eier kommen meist vom Bauern-hof von nebenan, wo vielen der Tieren unter Umständen doch noch ein zweites Jahr gegönnt wird. Und vielleicht auch Auslauf im Freigehege, denn das Gros dieser Legehennen wird zwar inzwischen am Boden gehalten, sie sehen jedoch niemals Tageslicht und vegetieren trotzdem zwischen den Kadavern ihrer Leidensgenossinnen, die diesen Horror nicht überlebt haben.
Doch ist dies noch lange nicht alles: Gebraucht werden Hennen und nur ganz wenige Hähne. Die Hennen sollen die Eier für die beiden Haupt-Saisonen Weihnachten (Keks-und Kuchen-Leckereien) und Ostern „produzieren“. Die wenigen Hähne müssen befruchten – also Küken „produzieren“. Dabei besagt eine Daumerregel: Ein Hahn für sieben Hühner! Ein fatales Verhältnis! Nach Angaben der Tierschutzorganisation PETA werden jährlich nach dem sog. „Sexen“ (also dem Trennen von Männlein und Weiblein – letzteren wird dabei der Schnabel gekürzt) nicht weniger als 50 Mio männliche Eintagsküken, aber auch Überschussküken vergast, lebendig geschreddert oder bereits im Ei getötet werden. Sie können auch nicht als Mast-Hahn herangezogen werden, da diese Hühner einen ausgeprägten Brustmuskel haben sollten. Dies ist bei Hähnen nicht möglich.
https://www.facebook.com/watch/?v=10160161011635564
Das Vergasen und Schreddern der Kücken ist in Deutschland seit 2022 verboten, in Österreich seit 2023. Da das Schreddern am lebendigen Leib als rasche Tötung angesehen wird, wurde dies lange Zeit lang als bessere Tötungsmethode angesehen. Und im Ei? Am siebten Bebrütungstag entwickelt sich beim Embryo das Schmerzempfinden. Deshalb sind beispielsweise bei dieser Methode in Österreich Betäubungsmassnahmen vorher durchzuführen. Wie diese auszusehen haben, ist jedoch nicht im Gesetz beschrieben! Viele Betriebe haben sich jedoch inzwischen dafür entschieden, die Kücken in jenen Ländern töten zu lassen, wo dies noch erlaubt ist.
Hühner haben ihren Brutinstinkt aufgrund der Spezialisierung komplett abgelegt – in den Vermehrungsbetrieben erfolgt die Brut künstlich. Dadurch fallen auch keine Hennen mehr für die Eierproduktion aus – der Gewinn kann maximiert werden!!! Auch die Legehennen (vornehmlich hochleistungsgezüchtete Hybridhühner) erwartet ein zumeist schreck-liches Ende. Völlig ausgemergelt werden sie nach einem Jahr brutalst in Kisten verpackt und bei vollem Bewusstsein geschlachtet.
http://www.soylent-network.com/doku/20huehnerschlachtung.htm
PETA nennt auf der Website die drei grössten „Hühnerproduktions-betriebe“, die ich aus rechtlichen Überlegungen in diesem Text nicht erwähnen möchte. Ob ein Huhn nun künftig Bio-Eier legen wird oder nicht, das entscheidet sich erst durch das Aufkleben der Lieferadresse auf die mit gesexten Küken vollgestopften Kartons. Zuvor gibt es keinerlei Unterschiede – ausser: Es handelt sich beim Biobauern auch tatsächlich um einen Hobbyzüchter.
Ernährungswissenschaftler raten nicht ab vom Verzehr von Hühnerfleisch oder Hühnereiern. Jedoch sollte beides in Maßen erfolgen. Gerade in den Eiern lagern sich gerne Antibiotika oder Salmonellen bzw. wie schon des öfteren bemerkt auch Dioxin und andere Schadstoffe an, da das Huhn alles in die Eierproduktion pumpt. Daneben haben sie einen sehr hohen Cholesterin-Gehalt, der den LDL- (low density lipoprotein) und den HDL-Spiegel (high densitiy lipoprotein) des gesunden Menschen durchaus beeinflussen kann. Der Grenzwert des HDL-Cholesterin-Spiegels liegt ab einem Alter von 18 Jahren bei 200 mg/dl. Ein einziges durchschnittliches Ei besitzt 250 mg. Dies entspricht dem Tagesbedarf einen Erwachsenen. Der Grenzwert des LDL-Cholesterins richtet sich nach dem individuellen Risikoprofil. Soll heissen, dass er bei einer Vorerkrankung wie Herzinfarkt oder Schlaganfall wesentlich geringer sein muss als bei gesunden Menschen.
Ich muss eingestehen, dass auch ich gerne ein Ei zum Sonntagsfrühstück geniesse oder ein Pasta-Fan, also Nudelfreak, bin. Doch hat sich nun meine Einstellung zum Hühnerei durch die Recherche zu diesem Blog grundlegend geändert. Ich achte darauf, welch wertvolles Gut ein solches Ei ist und wieviele Tiere dafür haben leiden müssen. Ich suche mir zudem einen Bauern, bei welchem ich weiss, dass die Hühner Auslauf haben, im Gras picken können und zumindest zwei Jahre überleben (grössere Eier als bei der industriellen Landwirtschaft). Vorsicht: Auch der Bauernmarkt ist hierfür leider kein Garant mehr. So ist mir eine Marktfrau bekannt, die auch Eier von „glücklichen“ Hühnern verkauft. Jeweils zum Ende der Legesaison werden rund 90 von ihnen geschlachtet – sie überleben ihr erstes Lebensjahr nicht!
PS:
Zuletzt noch eine wichtige Erklärung zur Kennzeichnung auf den Eiern – für den denkenden und kritischen Konsumenten (Quelle: Vier Pfoten).
Beispiel: 0-DE-1234567
Die erste Zahl beschreibt die Haltung der Hühner:
0 – Aus biologischer Landwirtschaft
1 – Freilandhaltung
2 – Bodenhaltung
3 – Käfighaltung
Dann folgt das Länderkürzel:
AT – Österreich
DE – Deutschland
NL – Niederlande
Links:
Glück – ein seltenes Gut
Posted on 03/21/26 by Ulsto„Die Absicht, dass der Mensch glücklich sei, ist im Plan der Schöpfung nicht enthalten.“
(Siegmund Freud)
Nach einigen Blogs mit politischem, technologischem und naturwissen-schaftlichem Hintergrund, möchte ich heute mal ein Thema philo-sophisch/neurologisch angehen: Was ist Glück?!
Ist es Glück, beim Lotto zu gewinnen? Ist es Glück, im Urlaub einen freien Liegestuhl am Pool zu ergattern? Oder ist es gar Glück, vor dem heran-nahenden Auto noch rasch wegspringen zu können?! Gibt es überhaupt Glück und Glücksmomente?
Am 20. März war „Weltglückstag“ – beschlossen am 28. Juni 2012 durch die Hauptversammlung der Vereinten Nationen, seit 2013 wird er jedes Jahr gefeiert.
Für viele hat das Wort „Glück“ eine andere Bedeutung. Für die meisten Jugendlichen ist Glück möglichst viele Follower zu haben, für Erwachsene die Rechnungen zahlen zu können, für Senioren gesund zu sein! Glück neurologisch erklärt ist relativ einfach, meint zumindest der klinische Neurologe Christof Kessler in seinem neuen Buch „Glücksgefühle“. Im „Belohnungs- und Motivationssystem“ des Gehirns entsteht der Eindruck „Gut gemacht!“. Nun erfolgt die Ausschüttung des Glückshormons Dopa-min, das uns all die vorhergegangenen Anstrengungen vergessen lässt! So können viele Marathonläufer nach dem Überqueren der Ziellinie noch weiterlaufen – die meisten sind überglücklich, dass sie das Ziel erreicht haben und merken in diesem Augenblick nicht, dass der Körper dieses Mal mehr ramponiert wurde, als im letzten Lauf. Diese Mischung aus Stolz und glücklich sein motiviert unheimlich, damit dieses Gefühl erneut erreicht werden kann. Auch Alkohol und Drogen können ein solches Glücksgefühl vorspielen, doch ist in den meisten Fällen danach, das Loch, das sich im Kater auftut, umso tiefer. Dadurch dauert auch die Erinnerung an diesen Glücksmoment wesentlich kürzer an als bei einer natürlichen Glückssituation, ohne Starthilfe.
Solche Augenblicke des Glücks sind in unserer schnelllebigen Welt sehr selten geworden. Deshalb boomen die Glücksratgeber und Glücks-seminare. Da jedoch jeder etwas anderes unter Glück versteht, ist es nicht wirklich ganz einfach, eine stets geltende Formel ausfindig zu machen. Eines jedoch sollte sich jeder zu Herzen nehmen: Teile Deine Projekte in kleinere Module. Dadurch ist es einfacher, Glück zu verspüren, das dann die Motivation für das nächste Modul bringt. Die Produktion von Dopamin nimmt übrigens mit zunehmendem Alter ab.
Viele Menschen sprechen von Glück, wenn sie ausgeglichen und zufrieden durch’s Leben gehen. Kann nicht geleugnet werden, obgleich es neurologisch etwas anderes ist. Schliesslich steckt mit dem Serotonin ein anderes Hormon dahinter. Es regt zudem eine etwas andere Hirnregion an, nämlich jene, die für das Gleichgewicht der Gefühle und somit die emotionale Regulation verantwortlich zeichnet. Zufriedenheits-glück ist alsdann etwas anderes als das Glück. Oftmals spielt dabei die Lebensweise eine ganz entscheidende Rolle. Glücksforscher haben entdeckt, dass eine gesunde Ernährung und viel Sport für ein grösseres Zufriedenheitsglück sorgen als Fastfood und Couching. Bevölkerungs-studien zur Depression haben aufgewiesen, dass vornehmlich die medi-terrane Ernährung mit viel Obst, Fisch und Gemüse sowie wenig Fleisch vielen Depressionen vorbeugen kann. Auch dieses andere Glück lässt sich allerdings manipulieren. So ist die Vorstufe des Serotonins, das Trypto-phan, in vielen Nahrungsmitteln enthalten: Hühnereier, Nüsse, Soja-bohnen und schliesslich der Schokolade. So manch Eine(r) verhilft sich mit v.a. der Schokolade über einen depressiven Moment hinweg. Im zunehmenden Alter kann jeder die Grundzufriedenheit verbessern: Durch die Anzahl der kleinen Erfolgserlebnisse. Deshalb bezeichnet es die Hirnforschung als extrem wichtig, sich auch im Alter geistig zu fördern, weiter zu lernen.
Zu vieles Denken macht unglücklich! Eine wissenschaftlich untermauerte Feststellung. Allerdings kann unser Gehirn nicht so ohne weiteres „abgeschaltet“ werden. Auch während des Schlafens denkt jeder Mensch weiter – einerseits zur Verarbeitung des Erlebten, andererseits werden Planungen für die Zukunft durchgeführt („Stimulus-unabhängiges Netz-werk“). Untersuchungen ergaben, dass spezielle Meditationstechniken tatsächlich das Denken stoppen können. Andere entspannen aber auch bei Musik oder einem guten Buch.
„Das Sozialprodukt ist wichtig, doch es kann niemals erfassen, wie glücklich ein einzelner Mensch ist!“
(Bruno Frey)
Was also macht uns wirklich glücklich? Sorgen Sie für die täglichen Glücksmomente. Kleinere Aufgaben, die nach Abschluss mit Dopamin belohnt werden. Ist die Aufgabe zu gross, beginnt wieder das Denken nach einer Gesamtlösung. Der Glücksforscher Bruno Frey schaffte sich nicht wirklich viele Freunde, als er meinte, dass Kinder nicht unbedingt ausschlaggebend für das Glück sind. Auch das Geld ist nicht entscheidend. Beides kann zu einem Teil dazu beitragen.
Beim jährlich veröffentlichten World Happines Report der UNO geben die Skandinavier und die Schweizer immer wieder an, die glücklichsten zu sein. Tatsächlich konnten zum bereits neunten Mal in Folge (von bisher 14 Reports) die Finnen den Sieg nach Helsinki holen, gefolgt von Island und Dänemark. Die Schweiz liegt auf dem 10., Deutschland auf dem 17. und Österreich auf dem 19. Platz. Interessant – Israel auf Rang 8, die USA auf 23! Hier sollte fairerweise erwähnt werden, dass die Befragungen vor dem Angriffskrieg Israels und der USA gegen den Iran durchgeführt wurden!
Frey erstellte hierauf aufbauend eine Liste von Glücksfaktoren:
.) Soziale Vernetzung
Der ständige Austausch mit wirklich guten Freunden, Bekannten und der eigenen Familie ist für Frey der wohl wichtigste Glücksfaktor. Ausserdem hilft ein gutes vertrauliches Gespräch unter Freunden die Seele wieder freizuschaufeln
.) Gesundheit
Kranke Menschen sind zumeist nicht glücklich. Die körperliche und geistige Gesundheit ist eine wichtige Glücksvoraussetzung.
.) Materielle Sicherheit
Arme Menschen müssen zu viel bei allem an die Kosten und das Geld denken. Am glücklichsten sind jene, die von ihrem Einkommen gut und sorgenfrei leben können. Zuviel Geld jedoch ist ein Glückskiller.
.) Gesellschaftliche Faktoren
Am glücklichsten sind kinderlose Menschen, die in einer dezentralen Demokratie leben und einer selbständigen Arbeit nachgehen. Hinzu kommt die Eigenschaft, geben zu können und möglicherweise noch im Ehrenamt tätig zu sein. Menschen mit Kindern müssen sich weitaus mehr Gedanken über ihre finanzielle Situation, andere Wohnverhältnisse, ein grösseres Auto und schlaflose Nächte machen.
Viele Glücks-Trainer und Mental-Coaches bemühen sich, Menschen das offenbar verlernte Glücklichsein zurückzubringen. Gute Nachricht: Es ist machbar! Der ausschlaggebende Faktor ist die positive Einstellung. Nicht jedem ist es vergönnt, in seinem Traumberuf tagtäglich Glücksgefühle zu erleben. Dafür gibt es leider zu wenige Hotels an Traumstränden, die man managen könnte. Dennoch ist die Zufriedenheit im Beruf und die Glücksmomente während der Arbeit immens wichtig, da sie auch in’s Privatleben einspielen. Es besteht also eine immens wichtige Wechsel-wirkung. 20.000 Arbeitnehmer haben Jan-Emmanuel De Neve und George Ward von der London School of Economics europaweit im Rahmen der Studie „Happiness at Work“ befragt. Das Ergebnis: Mitarbeiter sind zufriedener und glücklicher, wenn sie selbst mitentscheiden und unter-schiedlichen Tätigkeiten nachgehen können. Chefs, welche die Stärken ihrer Mitarbeiter nicht einzusetzen wissen, sind keine guten Chefs! Kommt noch ein gutes Betriebsklima und das Gefühl hinzu, einen sicheren Job zu haben, so sind die Grundbausteine für zufriedene Arbeitnehmer gelegt. Sie nehmen in weiterer Folge quasi das Zufriedenheitsglück aus der Arbeit auch in ihr Privatleben mit, das für eine ausgezeichnete Work-Life-Balance sorgt. Dem verleihen sehr viele Glücksforscher einen immens hohen Stellenwert. Andere wie De Neve/Ward sehen die Work-Life-Balance darin, wenn nach der Arbeit noch möglichst viel Elan für private Unternehmungen übrig bleibt. Welcher Typ sind Sie? Geschafft nach dem Job und ab auf die Couch? Freuen Sie sich darauf, nach der Arbeit noch mit den Kindern gemeinsam Fussball zu spielen? Lassen Sie nach der Arbeit die Sause so richtig abgehen? Oder gehen Sie auch gerne auf ein Feierabend-Bierchen mit Kollegen oder Freunden?
Glück zeigt sich für jeden anders! Doch in einem sind sich Glücksforscher einig: Ein zentraler Faktor ist die Charakterstärke! Das lasse ich nun einfach so im Raume stehen!
Gestatten Sie mir abschliessend zwei Fragen:
1. Wann waren Sie das letzte Mal wirklich glücklich (Dopamin)?
2. Sind Sie mit ihrem Leben generell zufrieden (auf einer Skala von 1 für nein bis 10 für ja) (Serotonin)!
Gibt es Nachholbedarf? Auf was warten Sie – es ist Ihr Glück! In Bhutan ist Glück wertvoller als alles Geld! Hier gibt es auch einen eigenen Glücks-minister. Einer dieser war der verstorbene Dr. Ha Vinh To, der bei einem Österreichbesuch meinte, dass die Österreicher zu viel „nörgeln“ würden!
Links:
Lesetipps:
.) Ins Glück stolpern. Suche dein Glück nicht, dann findet es dich von selbst; Daniel Gilbert; Goldmann Verlag 2006
.) Lebenskunst und Moral. Oder macht Tugend glücklich?; Otfried Höffe; Beck 2007
.) Glück. Was ist das?; Günther Bien; Knecht 1999
.) Wo geht’s denn hier zum Glück. Meine Reise durch die 13 glücklichsten Länder der Welt und was wir von ihnen lernen können; Maike van den Boom; Fischer Krüger 2015
.) Psychologie des Glücks. Ein Handbuch; Anton Bucher; Beltz 2009
.) Glücksvorstellungen. Ein Rückgriff in die Geschichte der Soziologie; Alfred Bellebaum; Westdeutscher Verlag 1997
Wie ein Pulverfass, das jetzt explodiert ist
Posted on 03/14/26 by UlstoAls Ende Februar erste Meldungen über einen israelisch-amerikanischen Angriff auf den Iran über die Fernschreiber tickerten, konnte noch niemand genau voraussehen, was dies alles bedeuten soll und v.a. wie sich dies ausweiten wird. Inzwischen sind hunderte Menschen gestorben – darunter auch viele Zivilisten. US-Präsident Donald Trump spricht von einem baldigen Ende des Krieges, in Israel ist man geteilter Meinung dazu. Viele befürchten, dass Trump innenpolitisch kalte Füsse bekommen hat und Israel nun alleine lassen werde. Zudem ist das Ganze verflucht teuer – das US-Kriegsministerium spricht von 11,3 Mrd. Dollar für die ersten sechs Tage des Kriegs.
Durch die Wahl des Chamenei-Sohnes Modschtaba zum obersten Führer des Irans dürfte allerdings eines klar sein: Die Mullahs tun alles erdenk-liche, um an der Macht zu bleiben! Modschtaba ist ebenso wie sein Vater ein Hardliner. Allerdings war er seit seiner Wahl noch kein einziges Mal zu sehen, was die USA vermuten lässt, dass er durch die Bombar-dierungen schwer verletzt wurde. Seine Antrittsrede wurde im Fernsehen vorgelesen! Es wird also – wie damals auch beim Nachbarn Irak – solange weitergehen, bis die Soldaten der Siegermacht die Anführer der Verlierer-macht aus einem Erdloch holen oder diese durch weitere Angriffe bis in die siebente oder achte Strukturreihe weggebombt sind.
Klar ist, dass Trump und Netanyahu mit diesen Angriffen einmal mehr eindeutig gegen das Völkerrecht verstossen. Beide beteuern, es sei ein Präventivangriff gewesen, bevor der Iran Israel atomar aus der Welt geschafft hätte. Das haben die Mullahs (ohne atomar) ja schon des öfteren versprochen. Der Iran reichert Uran an, doch wie sie aussagen, zur Gewinnung von Atomenergie. Auch die Internationale Atomenergie Organisation hat ausgeführt, dass es keinerlei Anzeichen für den Bau einer Atombombe in Teheran gäbe! Zudem ging dem Ganzen ja schon ein Angriff voraus – mit bunkerbrechenden Bomben gegen die vermuteten Anreicherungsstätten. Damals meinte Trump, dass das iranische Atom-programm erstmal vom Tisch wäre. Weshalb dann jetzt dieser Krieg?
Hier scheiden sich die Geister. Während die einen glauben, Trump möchte seinem Grössenwahn weiterhin frönen und nun auch den Iran unter seine Fittiche nehmen, gab es in Teheran nach den ersten Angriffen Feuerwerke vor Freude auf den Strassen tanzende Menschen. Die anderen gehen nämlich davon aus, dass das diktatorisch regierende Mullah-Regime gestürzt oder getötet werden soll um aus dem Gottesstaat wieder einen politischen Staat zu machen! Der Schreiberling dieser Zeilen überlässt es nun Ihnen, sich für das Eine oder das Andere zu entscheiden.
Eines sollte jedoch zu Denken geben: Ebenso wie in Venezuela laufen auch im Iran die Ölförderungsanlagen auf Hochtouren. Ebenso wie im südamerikanischen Staat vornehmlich für China, aber auch für Indien. Stecken etwa wirtschaftliche (Öl-)Interessen hinter diesem Krieg?
Soweit zur aktuellen Lage. Das Land selbst aber war schon öfters Kern kriegerischer Auseinandersetzungen. Lassen Sie uns gemeinsam einen kurzen Streifzug durch die Geschichte machen.
Das Perserreich war bereits in der Antike eine Grossmacht. Dabei werden drei Phasen unterschieden:
- Das altpersische Achämenidenreich
- Das Partherreich
- Das neupersische Sassanidenreich
Das altpersische Achämenidenreich wurde 550 v.Chr. durch Kyros II. gegründet und durch Dareios I. mittels zahlreicher Eroberungskriege („Perserkriege“) ausgeweitet. Es umfasste gegen 500 v.Chr. Teile Ägyptens, Griechenlands, der gesamten Türkei bis hin zum heutigen Indien. 334 v.Chr. begann der Makedonienkönig Alexander der Grosse mit seinen Eroberungsfeldzügen. Dies führte 330 v.Chr. zum Untergang des Achämidenreiches. Weshalb Alexander in nur 4 Jahren ein derart riesiges Reich einnehmen konnte – darüber rätseln die Geschichtsforscher auch heute noch.
Alexander der Grosse verstarb 323 v.Chr., es begannen die Diadochen-kriege. Seleukos I. (ein Weggefährte Alexanders) übernahm von Osten her kommend 305 v. Chr. die Macht. Die Seleukiden regierten bis 129 v.Chr. das Reich. Intern gab es allerdings bereits vielerlei Aufstände, im Westen drängten ferner die Römer herein. Zudem wurde ab 240 v.Chr. die Macht der Partherherrscher der Arsakiden immer grösser. Sie regierten bis 224 n.Chr. Es folgten die Sassaniden. Bürgerkriege und der vereinigte Kriegs-feind Rom und Türkei liessen auch dieses Reich 651 n.Chr. untergehen. Dessen letzer Herrscher, Yazgerd III. starb 651 n.Chr. bei Merw. Das Abbasiden-Kalifat aus Bagdad übernahm – die Bevölkerung wurde schrittweise islamisiert.
Im 13. Jahrhundert war das Perserreich vom Mongolensturm betroffen. Um 1500 n.Chr. gelang es den Safawiden, das Land zu einigen. Danach folgten die unterschiedlichsten Herrschersysteme – bis am 12. Dezember 1925 Reza Chan Pahlavi durch das Parlament zum Schah erhoben wurde. Am 17. September 1941 folgte sein Sohn Mohammad Reza Schah Pahlavi auf den Thron, nachdem er aufgrund der anglo-sowjetischen Invasion des Irans abdanken musste (er war Nazi-Deutschland zugeneigt). Dieser orientierte sich an den USA, führte zahlreiche Modernisierungen durch, regierte mit Hilfe seines Geheimdienstes SAVAK allerdings stark autoritär. Dies alles missfiel dem schiitischen Klerus. Es folgte die Islamische Revo-lution, die Macht übernahm Ajatollah Chomeini, der zuvor im Exil in Paris eine Einigung der Geistlichkeit, der linksintellektuellen Opposition sowie marxistisch-leninistischen und maoistischen Gruppierungen erreicht hatte. Reza Pahlevi verliess das Land am 16. Januar 1979. Die Reise führte ihn über Ägypten, Marokko, den Bahamas, Mexiko, USA und Panama wieder zurück nach Ägypten, wo er 1980 verstarb. Beerdigt wurde er neben dem vorletzten ägyptischen König Faruq I.
Die Mullahs führten seither ein ebensolches autokratisches Regime – gegen den Westen, für Russland und China. Immer wieder wurden sie in Zusammenhang mit terroristischen Anschlägen im Westen gebracht. Zudem unterstützten sie die anti-israelischen Hisbollah-Milizen im Libanon, aber auch die Hamas im Gaza-Streifen – sowie nach Insidern auch die Huthi-Milizen im Jemen mit Waffen und Geld. Innenpolitisch wurden Regimegegner oder -kritiker weggesperrt oder hingerichtet. Die UNO kritisierte bereit 2012 die hohe Zahl der Hinrichtungen im Land.
Ajatollah Ruhollah Chomeini führte den Iran bis zu seinem Tod 1989 – Ajatollah Ali Chamenei übernahm. In seine Amtszeit fällt etwa auch der Mordauftrag auf den islamkritischen Autor Salman Rushdi 2022, der Attentäter hatte mehr als ein Dutzend Mal auf Rushdie eingestochen. 2025 wurde er zu 25 Jahren Haft verurteilt. Während der Islamischen Revolution wurde die US-Botschaft in Teheran gestürmt und 52 Diplomaten der USA als Geiseln genommen. Gefordert wurde die Auslieferung des Schahs. In der Nacht vom 24. auf den 25. April 1980 scheiterte ein militärischer Rettungsversuch der Geiseln durch Spezialkräfte der USA. Der damalige US-Präsident Jimmy Carter hatte dies zuvor übrigens mit Moskau abgesprochen.
Seither reagierte der Iran auf militärische Angriffe, kämpfen liess er stets die Hisbollah-Milizen – mit einer Ausnahme: Im Januar 2024 gab es offenbar edinen Luftangriff auf Pakistan. Der Nachbarstaat antwortete seinerseits mit Raketenangriffen auf „terroristische Ziele“ im Iran.
Die Bevölkerung des Irans (rund 90 Mio Einwohner) besteht aus den unterschiedlichsten Gruppierungen. Immer wieder wird davon berichtet, dass sie bislang Ausländern gegenüber stets offen und sehr herzlich ist. Wie das dortige Regime jedoch regiert, wurde zuletzt klar, als es mit aller Härte gegen Demonstranten vorging. Von weit mehr als 5.000 Toten ist auszugehen (die Quellen gehen hierbei auseinander). Frauen werden nach wie vor diskriminiert – nicht umsonst haben diese Woche fünf Spielerinnen des iranischen Frauen-Fussballteams in Australien um Asyl angesucht.
Stellen sich abschliessend die Fragen:
Was kommt nach den Mullahs, sollten Trump und Netanyahu den Sturz des Regimes schaffen?
Kann sich ein US-Präsident als Weltherrscher aufspielen und überall dort militärisch eingreifen, wo es ganz offenbar um wirtschaftliche Interessen geht?
Wie lange werden Putin und Jinping noch zuschauen? Ab wann verliert Trump den Müllmann-Status für sie?
Lesetipps:
.) A History of Modern Iran; Ervand Abrahamian; Cambridge University Press 2008
.) Culture and customs of Iran; Elton L. Daniel; Greenwood Press Westport 2006
.) Iran and the rise of Reza Shah; Cyrus Ghani; I.B Tauris 2000
.) Revolutionary Iran: A History of the Islamic Republic; Michael Axworthy; Penguin Books 2013
Links:
- germany.mfa.gov.ir/de
- iranjournal.org/
- www.auswaertiges-amt.de
- www.bpb.de/
- www.amnesty.de/
- www.cia.gov/stories/story/spotlighting-the-world-factbook-as-we-bid-a-fond-farewell/
Droht schon bald ein Ärztekollaps???
Posted on 03/07/26 by UlstoDie Hörsäle sind bis auf den letzten Platz gefüllt (zumindest in jenen Zeiten, in welchen die Universitäten Lehrbetrieb haben), die Prüfer können es sich offenbar nach wie vor erlauben, bei den Teilprüfungen gross reine zu machen – oder doch nicht? Nach Angaben des Statis-tischen Bundesamtes Deutschland lag im Wintersemester 1990/91 die Zahl der Medizinstudenten bei über 95.000, 2015/16 waren es 90.000, 2024 bereits 117.916! In Österreich bewarben sich im vergangenen Jahr nicht weniger als 15.668 für einen Platz bei der Aufnahmeprüfung.
Offenbar sind jedoch im Gegenzug dazu die Zeiten vorbei, als lange auf einen Turnusplatz gewartet werden musste und Herr Doktor Taxi fuhr – allerdings nicht als Fahrgast! Wir blicken somit in eine mehr als frag-würdige Zukunft, denn fehlt in den Krankenhäusern der medizinische Nachwuchs, wird sich dies auch in absehbarer Zeit auf den nieder-gelassenen Bereich auswirken.
Hinzu kommt erschwerend, dass 100.619 der derzeit praktizierenden Mediziner inzwischen älter als 60 Jahre sind (23 %) – jeder dritte Arzt erreicht in diesen Jahren das Rentenalter. In Rheinland-Pfalz etwa hat jeder 7. Praxisarzt das 65. Lebensjahr erreicht bzw. überschritten – bundesweit sind rund 16 % sog. „Silverworker“ (in Bremen und Thüringen gar 23 %). Im Jahr 2040 werden bis zu 50.000 Ärzte fehlen!
Dasselbe Problem stellt sich auch in Österreich: Hier können während einem Jahrzehnt mehr als 18.000 der derzeitigen 52.000 Mediziner in die Pension gehen. Vor allem am Land droht somit in beiden Ländern ein massiver Ärztemangel! Und dies obwohl zuletzt zwischen Flensburg und Garmisch-Partenkirchen die Quote angestiegen ist: 1990 kamen auf 100.000 Einwohner 312,7 Mediziner, 2018 431,1 und 2023 671,7 Ärzte pro 100.000 (eingerechnet sind neben den niedergelassenen auch die Krankenhaus- und Fachärzte). Die Zahl der Praxen erhöhte sich von 92.000, 2018 auf 148.600 und verringerte sich bis Ende 2024 auf 123.750!
Reicht dies für den demographischen Wandel? Damit klettert nämlich auch der Behandlungsbedarf nach oben. So stieg nach Angaben des Ehren-Präsidenten der Bundesärztekammer, Prof. Dr. Med. Frank Ulrich Montgomery, zwischen 2009 und 2017 die Zahl der Behandlungsfällen in den Krankenhäusern von 17,8 auf 19,5 Millionen, fiel jedoch nach Corona wieder auf 17,2 Mio 2023 – parallel dazu kommt es jährlich zu rund einer Milliarde Arztkontaken in den Praxen der niedergelassenen Ärzte.
Geht man in’s Detail, so offenbaren sich die Probleme: In der Region Altmark (Sachsen-Anhalt kommen auf 100.000 Einwohner gerade mal 280 Ärzte, während es in Berlin 715 sind. Selbes Prozedere in Österreich: Ab 7 Mediziner auf 1.000 Einwohner in Wien, ab 4,5 hingegen nur in Oberösterreich und Vorarlberg. Auch im Vergleich von Städten und deren Landkreisen zeigt sich ein ähnliches Bild. Dies liegt vornehmlich in der Ursache begründet, dass freiwerdende Praxen auch in überversorgten Gebieten stets nachbesetzt werden dürfen, während sie am Land verwaisen.
Dabei gibt es alle Hände voll zu tun. Wartezeiten von einer teils gar zwei Stunden, die Magazine im Wartezimmer sind schon in- und auswendig bekannt – ganz normal, sucht man den Hausarzt seines Vertrauens auf. Durch die Verlängerung der Lebensdauer wird die Arbeit der Ärzte auch weiterhin zunehmen. Konträr dazu sinkt die Zahl der Allgemeinmediziner drastisch, während sie bei den Vertragsärzten (angestellte Mediziner) steigt. Mit diesem Problem muss sich auch die Politik beschäftigen, obwohl gerade hier viel versprochen und nur wenig eingehalten wird. Die Folge: Weite Anfahrtswege und noch längere Wartezeiten! Dies zu einer Zeit, in welcher vermehrt die Krankenhäuser wieder Kompetenzen (Nachuntersuchungen beispielsweise) an die niedergelassenen Ärzte abgeben, damit die Anzahl der Betten möglichst gering gehalten werden kann (Lenkung der Patientenströme). Doch beisst sich hierbei die Katze in den eigenen Schwanz: Der Ehrenpräsident der deutschen Bundes-ärztekammer, Prof. Dr. Frank-Ulrich Montgomery forderte deshalb schon vor Jahren mehr Medizinstudienplätze – die Politik dürfe bei der Umsetzung des „Masterplans Medizinstudium 2020“ nicht auch weiterhin trödeln. Inzwischen gottlob geschehen, obgleich dies von so manchem bezweifelt wurde – beispielsweise hielt der damalige Dekan der Medi-zinischen Fakultät der Universität Jena, Orlando Guntimas-Lichius, eine Erhöhung der Studienplätze mit dem Wintersemester 2021/22 für „nicht realistisch“! Bayern hingegen hat im selben Jahr offenbar mit der „Land-arztquote“ eine Lösungsmöglichkeit gefunden: 8 % der Studienplätze werden für Bewerber freigehalten, die „ein besonderes Interesse an der hausärztlichen Tätigkeit im ländlichen Raum bekunden“. Viele davon kommen aus dem Bereich der Pflege oder sind Notfallsanitäter. Sie kamen bislang nicht in Betracht, da sie beim Abi keine 1 vorweisen konnten. Dafür haben sie sich verpflichtet, nach der Ausbildung als Landarzt eine Praxis zu übernehmen. Viele Bundesländer haben das Modell inzwischen übernommen.
Bereitschaftsdienste und Notärzte sind immer öfter unterbesetzt, sodass sich vermehrt ambulante Patienten direkt an die Kliniken wenden. Ambulanzen jedoch binden viel medizinisches Fachpersonal. Deshalb gehen manche Krankenhäuser bereits dazu über, ambulante Erstver-sorgungseinheiten einzurichten. Die Erfahrungen haben gezeigt, dass rund 40 % der Patienten an die Hausärzte verwiesen werden können. Um die Situation bei den Notdiensten zu entschärfen, werden auch fach-fremde Ärzte zu Bereitschaftsdiensten verpflichtet. In Bayern etwa dürfen Ärzte, die das 60. Lebensjahr überschritten haben, nicht mehr für Bereitschaftsdienste herangezogen werden.
Das Übel liegt wohl darin, dass der Beruf eines Allgemeinmediziners immer unattraktiver wird. Geregelte Arbeitszeiten, Karriereleiter, Reichtum – all das bleibt für den Landarzt meist nur ein Wunschtraum. An Forschung ist gar nicht zu denken. Deshalb konzentrieren sich die Kommilitonen bereits während der Ausbildung auf eine Fachrichtung. Hier bleiben alle Türen offen, jene der eigenen Praxis ist vielleicht die letzte! In der Bayerischen Landesärztekammer wird durchaus das Thema „Pharmaunternehmen“ diskutiert. Diese benötigen Experten – das bedeutet dann zumeist grosse Karriere für bereits junge Studienab-gänger. Zudem erfordert die Allgemeinmedizin eine lebenslange Weiter-bildung, mehrere Umzüge und verschiedene Stellenwechsel. Bei der Ärztekammer spricht man von im Schnitt 15 Jahren, bis sich der Allge-meinmediziner niederlässt und endlich seine eigene Praxis eröffnet. Apropos eigene Praxis: Viele scheuen sich vor den horrenden Kosten. So müssen für eine Praxis-Neugründung durchaus 200-300.000 € flüssig gemacht werden. Deshalb werden immer mehr Ärztehäuser oder Gemeinschaftspraxen aus dem Boden gestampft, damit etwa die Verwaltung für den Einzelnen so gering als möglich gehalten werden kann. Und gerade dieser Aufwand ist nicht unerheblich. Dies hält sich beim angestellten Arzt in Grenzen, erfordert aber gerade bei den niedergelassenen Ärzten einen Grossteil ihrer Arbeitszeit.
Dabei zeigen durchaus positive Beispiele andere mögliche Wege auf: In den Niederlanden schreiben sich alle Patienten im Einzugsgebiet eines Landarztes ein – dadurch erhält dieser eine Grundfinanzierung. Das Modell würde der Bund der Deutschen Hausärzte gerne übernehmen, doch verweigern sich hier die Kassenärztlichen Vereinigungen. Hinzu kommt ferner der Freizeitfaktor. Gerade bei jungen Ärzten sehr entscheidend für die Wahl der Fachrichtung. Und die Möglichkeit der Privatpatienten im städtischen Bereich – nicht zu verachten! So verlangt beispielsweise ein Facharzt für eine Behandlung wesentlich mehr als der Allgemeinmediziner.
Auch im Bereich der Krankenhäuser ist Feuer am Dach. Es fehlt der Nachwuchs. Nach Insider-Angaben sind es beispielsweise in Wien und Umgebung zumindest 472 Mediziner, die sofort eingestellt werden könnten. Im Alpenstaat bedarf es jährlich rund 1.900 Ärzten, um den derzeitigen Versorgungsstand halten zu können. Jährlich stehen 1.756 Studienplätze für Humanmedizin zur Verfügung (plus 144 für Zahn-medizin). Doch nehmen nicht mal die Hälfte nach ihrer Ausbildung eine Tätigkeit im Lande auf. Mehr als ein Drittel etwa gehen (zurück) ins Ausland (500 von 1.300 Absolventen)!
Nach Angaben von Destatis 2024 bleiben bis 2049 zehntausende Arztstellen in Deutschland unbesetzt, rund 690 000 Pflegekräfte werden bis dahin fehlen. Nach Angaben des Deutschen Krankenhausinstituts hatten 77 % der Krankenhäuser 2023 Probleme bei der Besetzung offener Arzt-Stellen – pro Krankenhaus blieben statistisch gesehen vier Vollzeit-stellen unbesetzt. Wartete früher ein junger Arzt sehr lange auf einen Turnusplatz, so bleiben inzwischen viele dieser Plätze leer. Von Medizinerschwemme also keine Spur mehr. Während vereinzelt in deutschen Landen bereits Weiterbildungsverbünde geschaffen werden, zu welchen sich Kliniken und Fachärzte zusammenschliessen, versucht man es in Österreich mit einem Wohlfühlfaktor bei den Klinikärzten: Verbesserung der Arbeitsbedingungen, klare Ausbildungsrichtlinien und schliesslich eine Gehaltsreform. Dies jedoch behagt dem zu Niedrig-löhnen arbeitenden Pflegepersonal nicht. Trotzdem: Aufgrund des Personalnotstandes sind für einen Klinikarzt 60-80 Wochenstunden, grosse Teile sogar als Dauerdienst, keine Seltenheit! Gesetzlich vorgeschriebene Ruhezeiten: Was ist das!? Das Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetz schliesst eine maximale Dienstdauer von 25 Stunden sowie von 72 Stunden in einzelnen Wochen des Durchrechnungs-zeitraums nicht aus.
In Österreich kommt noch erschwerend hinzu, dass in der Stadt die Zahl der Apotheken von der Zahl der Einwohner abhängt – in vielen Teilen Österreichs betreiben die Landärzte selbst Hausapotheken. Siedeln sich nun auch dort immer mehr Apotheken an, so nehmen sie dem Landarzt die Kundschaft für das sehr lukrative Hausapothekengeschäft weg. Nur eine Praxis – für viele deshalb unrentabel. Mit ein Faktor, weshalb viele Landärzte keine Nachfolger finden und die Praxen verwaisen. Die Zahl der Hausärzte sank im Alpenstaat zwischen 2015 bis 2025 von 14.300 auf 13.000, in Deutschland stieg hingegen deren Zahl zwischen 2014 und 2024 um 3,4 % auf 66.100. Allerdings sind nicht weniger als 41 % der Hausärzte älter als 60 Jahre! Leerstehende Praxen findet man vornehm-lich in Bayern, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern. Um dieser Problematik entgegenzuwirken, wurde 2012 das sog. „Landarztgesetz“ (GKV-Versorgungsstruktur-Gesetz) geschaffen, wodurch junge Ärzte und -innen dazu motiviert werden sollen, Landarztpraxen zu übernehmen. Zwingen freilich kann sie niemand. In Niedersachsen übernehmen in der Zwischenzeit viele Hausbesuche Arzthelferinnen, die zu nicht-ärztlichen Praxisassistentinnen ausgebildet wurden. So etwa bei älteren oder chronisch kranken Patienten. In Österreich belief sich die Zahl der niedergelassenen Ärzte im Jahr 2017 auf 4.798, 4.785 im Jahr 2023, nahm also ab. Angestiegen hingegen sind die Wahlärzte: Von 5.249 auf 6.175!
Viele der noch praktizierenden Hausärzte kennen eine zusätzliche Ursache für die Misere: Die Vernachlässigung der Hausarztmedizin gegenüber der technischen Medizin! Klar, dass ein Chirurg in der Not-fallambulanz eines Krankenhauses eine Operation empfiehlt, der Haus-arzt diese jedoch meist als letzte Möglichkeit ansieht. Haben Sie etwa gewusst, dass heisses Sprite ohne Kohlensäure und eine heisse Wärmflasche gegen Gastritis helfen kann? Den Tipp erhielt ich von einem Landarzt!
Noch prekärer übrigens ist die Situation bei den Ärzten im Öffentlichen Gesundheitswesen – nicht zuletzt auch aufgrund des wesentlich geringeren Verdienstes. Ein hier bestehender Engpass wirkt sich – wie in der Pandemie bewiesen – v.a. in der Infektionsabwehr fatal aus, betonen die Gewerkschaft Marburger Bund (MB) und der Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD) unisono.
Damit die medizinische Grundversorgung nicht komplett zusammen-bricht, wird etwa Werbung in den EU-Krisenländern gemacht. Deutsche Ärzte wanderten 2024 oftmals aufgrund des besseren Verdienstes vornehmlich in die Schweiz ab (675), gefolgt von Österreich (331).
Zuvor war Skandinavien heiß begehrt: So lockte beispielsweise das Land Carl Gustavs deutsche Mediziner mit überschaubaren Schichten (40 Stunden pro Woche – 18 Stunden am Stück dürfen nicht überschritten werden), bezahlten Überstunden und vier Wochen Sommerurlaub. Sprachkurse wurden bezahlt, Kinder betreut und die Wohnungssuche vom Krankenhaus durchgeführt. 2010 nutzten dieses Angebot 55 deutsche Ärzte. Doch geht es ihnen nicht um den Verdienst. So ergab eine vergleichende Studie der Unternehmensberatung KPMG im Sommer 2011, dass das kaufkraftbereinigte Nettoeinkommen von Ärzten mit drei bis fünf Jahren Berufserfahrung in Schweden bei 28 – 32.000 € liegt, bei deutschen hingegen bei 32 – 40.000 €. Somit gibt das Arbeitsumfeld den Ausschlag.
Hierzulande sollen die ansonsten leerstehenden Arztpraxen mit aus-ländischen Medizinern zu neuem Leben erweckt werden. Doch gibt es ungeahnt viele Hürden, die in Schweden alsdann nicht bestehen: Einerseits die deutsche Sprache, die in den meisten Fällen erlernt werden muss (Absolvierung des Sprachtests zur Patientenkommunikation) und andererseits die Anerkennung des ausländischen Studiums – die Appro-bation. 2024 waren mehr als 68.000 ausländische Ärzte in Deutschland gemeldet. Das bedeutet bei 437.000 einen Anteil von mehr als 15 %. Die Liste führten Syrien (7.042) und die Rumänen (4.682) an, gefolgt von den Österreichern (3.036). Ob Zweitere den Sprachtest auch absolvieren mussten, entzieht sich der Kenntnis des Schreiberlings. Auch im Klinik-Bereich v.a. in der Provinz trifft man vermehrt auf ausländische Ärzte. Das Manager Magazin spricht sogar von einer „Einwanderungswelle im OP“! Die ausgewanderten Mediziner allerdings fehlen dann wieder im Alpenstaat. So ist mir beispielsweise aufgefallen, dass in Tirol interviewte Ärzte zu 90 % deutsches Hochdeutsch sprechen – bei Innsbruck handelt es sich um ein Universitätsklinikum! D.h. die Masse kann ziehen, die Spezialisten werden aus Deutschland geholt (2024 waren 3.210 deutsche Mediziner in Rot-Weiss-Rot tätig). Das jedoch führt zum Kernproblem der Situation: Der Ausdünnung eines ganzen Berufsstandes! Noch merkt der Patient davon nur sehr wenig, wie eine Studie der Barmer GEK und der Bertelsmann-Stiftung ergab. Demnach waren im Jahr 2018 in der Stadt 64 und am Land 56 % mit dem Zugang zu Hausärzten sehr zufrieden. Doch – schliesst der eigene Hausarzt, platzt zumeist diese Luftblase!
Alle Zahlen kommen aus Deutschland, mit Ausnahme der speziell für Österreich bezeichneten!
Links:
– www.bundesaerztekammer.de
– www.aerztekammer.at
– www.kbv.de
– gesundheitsdaten.kbv.de
– www.versorgungsatlas.de
– www.zi.de
– www.vlkoe.at
– www.hausaerzteverband.de
– www.hausaerzteverband.at
– oegam.at
– www.leitendekrankenhausaerzte.at
– www.gesundheitskasse.at
– www.aerztekammer-bw.de
– www.medizinrecht-europa.eu
Lesetipp:
.) Dem deutschen Gesundheitswesen gehen die Ärzte aus; Thomas Kopetsch; Bundesärztekammer 2010
Die Gefahr lauert im Gras
Posted on 02/28/26 by UlstoKleine Biester, die jedoch sehr grossen Schaden anrichten können. Wer schon mal von einer Zecke gestochen wurde, kann ein Lied davon singen. Auch mich hat ein solches Ungetier mal erwischt. Den Stich selbst habe ich nicht bemerkt – allerdings tagelang danach Schmerzen – doch gottlob war sie nicht infiziert, ich immunisiert oder hatte einfach nur Glück! Viele Experten warnen in diesen Tagen: Aufgrund des relativ milden Winters mit zu wenig Kältetagen (tiefer -12 Grad Celsius) wird 2026 ein Zecken-jahr: Die Zahl der ersten Fälle in diesem noch kurzen Jahr gibt Anlass zur Sorge!
Zecken sind meist im Unterholz, Gebüsch, Gras oder Laub zu finden – dass sie von den Bäumen fallen, entspricht nicht der Realität. Die Blutsauger gibt’s in unseren Breiten nahezu das ganze Jahr über – sie sind ab 7 Grad aktiv. Der Wortteil „Frühsommer“ in Frühsommer-Meningo-Enzephalitis lässt sich auf die russische Taiga-Zecke zurück-führen, die dort vornehmlich zu dieser Jahreszeit ständig neue Menschen kennenlernt.
Zumeist ist es der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus), der die Borreliose und die Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME – englisch: „tick-borne encephalitis“ TBE) überträgt, eine spezielle Entzündung der Hirnhäute und des Gehirns. Allerdings bereitet die durch Zugvögel aus den Tropen eingeschleppte Art (Invasor) Hyalomma immer mehr Sorgenfalten. Sie kann zudem das Zecken-Fleck- oder das Krim-Kongo-Fieber übertragen. Zweiteres führt (je nach Virusstamm) bei 2-50 % zum Tode durch Multi-organversagen. Zudem besteht die Gefahr nicht in einer zufälligen Ansteckung (zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort – dem Gemeinen Holzbock ist der Wirt gleichgültig), sondern in einer Zielsuche: Diese spezielle Zecke erkennt einen geeigneten Wirt durch die Augen auf rund 10 Metern Entfernung und verfolgt ihn – wenn es sein muss auch über einige hundert Meter. Sie ist deutlich grösser als die heimischen Arten und saugt bis zu acht Milliliter Blut.
Obwohl derartige Erkrankungen eher selten sind, sollte dennoch mittels einer Impfung mit ständigen Auffrischungen einer möglichen Erkrankung vorgebeugt werden. Risikogebiete in Deutschland sind Baden-Württem-berg, Bayern, Südhessen, Teile Sachsens und Brandenburgs sowie das südöstliche Thüringen. Nach Angaben des Europäischen Zentrums für Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) zählen Österreich und die Schweiz zur Gänze zu den Risikogebieten.
Oberhalb von 2000 Metern Seehöhe (Klimaerwärmung – bis vor wenigen Jahren waren es noch 1.000 m!) wurden noch keine infizierten Insekten gesichtet. Insgesamt sind 185 Landkreise in Deutschland als Risiko-Gebiete vermerkt (vor zwei Jahren waren es noch 180) – inzwischen vereinzelt auch in Mittelhessen, dem Saarland, Rheinland-Pfalz, Nord-rhein-Westfalen und Niedersachsen (Robert Koch-Institut – Epidemio-logisches Bulletin 9/2025). Als Risiko-Gebiet gilt ein Kreis dann, wenn über den Zeitraum von fünf Jahren eine Person von 100.000 Einwohnern (Risiko > 1:500.000) an FSME erkrankt ist (Nachweis einer intrathekalen Antikörpersynthese). Diesen Status behält der Kreis über 20 Jahre hinweg – auch wenn es zu keinerlei Neuerkrankungen mehr im Anschluss kam.
Österreich gilt als das Quellgebiet der Zecken – hier leben die meisten entlang der Flüsse und Ströme: Donau (Oberösterreich, Niederösterreich und Wien) oder dem Inn (Tirol), aber auch dem Burgenland, der Steier-mark und Kärnten. Jährlich mehr Erkrankungsfälle meldet auch der Bezirk Feldkirch in Vorarlberg. Nachdem im Alpenland jedoch die Durch-impfungsrate bei rund 90 % liegt, gibt es hier nurmehr wenige Erkran-kungen. Und so ganz nebenbei: Sollte Ihnen gegenüber ein Österreicher den Spruch „Du bist lästiger als an Zeck’!“ äussern, so ist das nicht unbedingt liebevoll gemeint! Die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) bittet übrigens unter dem Motto „Zecken entdecken zu Forschungszwecken“ um die Zusendung oder Abgabe toter Zecken bei ausgesuchten Einrichtungen (in Vorarlberg etwa die Inatura).
In der Schweiz sind inzwischen alle Kantone betroffen, die über üppige Laubwälder verfügen – von den 26 Kantonen somit nicht weniger als 24 – nur Genf und das Tessin sind noch ausgenommen! Auch bei den Eid-genossen können tote Zecken beim Institut für Parasitologie an der Universität Zürich eingesendet werden.
Stiche wurden auch schon in China, Japan und Russland gemeldet. In Risikogebieten übrigens liegt der Anteil an infizierten Zecken bei 0,1 bis fünf Prozent, in Hochendemiegebieten jedoch auch schon mal bei bis zu 20 %.
Eine Übertragung ist zudem über nicht pasteurisierte Kuh-, Ziegen- oder Schafsmilch bzw. -käse möglich (biphasisches Milchfieber). In früheren Zeiten gar wesentlich häufiger als durch einen Zeckenstich. Infiziert sich ein Tier, so verläuft eine Erkrankung vornehmlich „subklinisch“. Dies bedeutet, das Tier wird sehr rasch anhaltend immun. Allerdings werden während dieser sog. „akut virämischen Phase“ bis zur Immunität Viren mit der Milch ausgeschieden. Wird diese nicht-pasteurisiert getrunken oder beispielsweise in Form eines Rohmilchproduktes verzehrt, so infiziert sich die Person mit dem FSME-Virus. In den baltischen Ländern Lettland, Litauen und Estland wird häufiger rohe Ziegen- oder Schafsmilch getrunken – hier sind auch wesentlich mehr Antikörper im Blut der Menschen zu finden.
Zwischen 70 bis 95 % der Infizierten bleiben beschwerdefrei. Die anderen machen zumeist zwei Krankheitsphasen durch: Die erste beginnt drei bis 30 Tage nach dem Stich mit einer rund 5 cm-grossen Wanderröte um die Stichstelle, zeigt sich dann ein bis zwei Wochen nach dem Stich durch Fieber, Kopf- und Gelenkschmerzen sowie Schwindel, Übelkeit und Erbrechen. Danach folgen 1-3 fieberlose Wochen. Schliesslich beginnt die zweite Phase: Fieber, Übelkeit, Erbrechen und Ausfälle des Nerven-systems. Das wird durch die Entzündung der Hirnhaut verursacht. Lähmungen, Koma sowie die Entzündung des Rückenmarks können folgen. Einer von 100 Infizierten stirbt an den Folgen der Entzündung, drei bis 11 Prozent leiden an bleibenden Schäden, wie Konzentrations-störungen, chronische Kopfschmerzen, Müdigkeit, selten auch Lähmungen. In den nicht so heftig verlaufenden Fällen können Kopf-schmerzen und Lähmungen noch Monate nach dem Abklingen der Krankheit bleiben, dann jedoch verschwinden. Bei Kindern heilt die Erkrankung meist schneller und besser aus – bei älteren Menschen kann sie zu dererlei bleibenden Schäden führen. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist nicht möglich. Erkrankungen müssen im deutsch-sprachigen Raum vom behandelnden Arzt gemeldet werden.
Das FSME-Virus ist ein behülltes Einzelstrang-RNA-Virus aus der Familie der Flaviviridae und der Gattung Flavivirus. Derzeit sind drei Subtypen bekannt! In Mitteleuropa ist es vornehmlich der Western-Subtyp. Die Übertragung erfolgt beim Einstich durch die Speicheldrüse der Zecke.
Eine FSME-Infektion kann übrigens nicht mit Hilfe der Medizin geheilt werden. Sie behandelt lediglich die Beschwerden. Wer sich schon mal infiziert hat, ist in der Regel immun gegen das Virus – im Blut finden sich IgM und IgG-Antikörper, die bei einer neuerlichen Infektion die Arbeit aufnehmen. Allerdings sollte sicherheitshalber alle drei bis fünf Jahre eine Auffrischungsimpfung absolviert werden. Die Ärzte empfehlen eine solche Impfung, sofern Sie in Risikogebieten leben und häufig in der Natur zu tun haben. Oder dort den Urlaub verbringen. Der Impfschutz selbst besteht erst nach drei Impfungen. Danach reicht alle 5 Jahre eine Auffrischungsimpfung – ab dem 50. Lebensjahr sollte diese alle drei Jahre erfolgen. Sollte zu lange ausgesetzt worden sein, so muss die Prozedur nicht wieder von vorne begonnen werden. Auch hier reicht normalerweise eine Auffrischungsimpfung.
Einige Schutzmassnahmen können schon im Vorfeld durch jeden selbst vorgenommen werden:
– helle Bekleidung, damit eine Zecke schneller entdeckt wird
– geschlossenen Schuhe
– lange Hosen
– die Socken am besten über die Hose ziehen
– langärmelige Hemden
– keine Tiere wie etwa Igel berühren (die Zecken lieben sie als Wirt)
– nach jeder Wanderung absuchen des Körpers (v.a. der Kniekehlen, Leisten, Achseln, am Ohr sowie am Haaransatz)
– Zeckenschutzmittel (Vorsicht: Hält nur für 2 bis 3 Stunden!)
Ich dusche mich nach jeder Wanderung oder Gartenarbeit inkl. dem festen Abreiben mit dem Handtuch!
Sollte eines der Biester tatsächlich gestochen haben, entfernen Sie die Zecke am besten mit einer Zeckenzange oder einer Pinzette möglichst nah an der Haut. Ziehen Sie sie gerade und vorsichtig heraus. Zuletzt noch die Stichstelle desinfizieren und möglicherweise markieren. Wenn das Insekt mit Öl oder Klebstoff übergossen wird, bekommt es Todes-angst und entleert den kompletten Mageninhalt – auch den Virus, sollte dieser noch nicht bis zu diesem Zeitpunkt übertragen worden sein.
Wesentlich häufiger als eine FSME-Erkrankung ist allerdings die Borre-liose. In Deutschland erkranken in den Meldegebieten unter 100.000 Einwohner zwischen 20 bis 90 pro Jahr (in einigen wenigen Regionen bis zu 150) an dieser bakteriologischen Krankheit, die von den Borrelien übertragen wird. Hiervor gibt es keine schützende Impfung – im Infektionsfall müssen Antibiotika verabreicht werden. Wer also gegen FSME geimpft ist, kann trotzdem an Borreliose erkranken.
Der FSME-Impfstoff wurde 1976 erstmals durch den österreichischen Pharma-Konzern Immuno auf den Markt gebracht. Als Zielgruppe galten v.a. die Forstarbeiter. Als das Unternehmen Ende der 1990er-Jahre durch den US-amerikanischen Konzern Baxter geschluckt wurde, verschwand das österreichische Präparat nahezu aus dem Apothekenregal, da diese ihr eigenes Serum verkaufen wollten. Erst als viele Menschen sich aufgrund der Nebenwirkungen weigerten, eine Impfung über sich ergehen zu lassen, wurde der Impfstoff verbessert. Aus diesem Grund ist die FSME-Impfung nicht ganz unumstritten, da einige Nebenwirkungen auch weiterhin bestehen. Gespritzt werden inaktive, abgetötete Viren und Aluminiumhydroxid in den Oberarm. Die Grundimmunisierung besteht aus zwei Impfungen (ein bis drei Monate voneinander getrennt) und einer dritten fünf bis neun Monate nach der zweiten. Danach sollte – je nach Risiko bzw. Alter des Patienten – alle drei bis fünf Jahre aufgefrischt werden. In der Schweiz empfiehlt das Bundesamt für Gesundheit eine solche Auffrischungsimpfung erst nach zehn Jahren. Eine Passiv-Impfung (Impfung mit Antikörpern nach einem Stich) wird nicht mehr durch-geführt. An der Impfstelle kann es vermehrt zu Reaktionen wie etwa Schmerzen, Rötungen und Anschwellungen kommen, leichtes Fieber ist ebenfalls möglich wie Sehstörungen, Kopfschmerzen, Übelkeit, Müdigkeit und Schüttelfrost. Vergleichbar etwa mit den Reaktionen bei einer Tetanus-Impfung. Kleinkinder können mit Fieberschüben reagieren. Menschen mit allergischer Reaktion auf Hühnereier sollten sich nicht impfen lassen, da die Herstellung des Serums auf embryonierten Hühnereiern (CEC – chick embryo cells) erfolgt.
In Deutschland wurden im Jahr 2025 695 Neuinfektionen gemeldet (2023 waren es noch 475), in Österreich wurden 132 Patienten (hospitalisiert). Die Schweiz meldet in diesem Jahr 2026 bereits drei Neuinfektionen! Nachdem sich die Erkrankung bei nur 5 % der Infizierten zu einer Meningoenzephalitis entwickelt, lehnen Gegner die Impfung ab. Auch bei Kindern heilt die Erkrankung zumeist rasch aus, ohne Schäden zu hinterlassen. In der deutschen Fachliteratur ist nur von einem Kind die Rede, das Folgeschäden wie Lähmungen, epileptische Anfälle oder andere Auffälligkeiten aufzeigte. In Deutschland übernehmen viele Kranken-kassen die Impfkosten, andere zumindest einen Teil derselben, sofern sie in einem Risikogebiet leben.
Bei Urlaubsreisen in ein solches innerhalb Deutschlands jedoch steigen viele Kassen aus, bei Auslandsreisen in der Regel alle. In der Schweiz werden die Impfkosten (rund 200 Schweizer Franken) nur dann durch die Krankenkasse übernommen (ausgenommen der Selbstbehalt von 10 %), wenn die Impfung durch einen Arzt in einem Gebiet mit FSME-Impfempfehlung vorgenommen wird. Bei Impfungen in der Apotheke müssen die Kosten selbst getragen werden. In Österreich muss der Patient für das Serum und die Impfung aufkommen (die Kosten dafür legt der Arzt selbst fest). Die Gesundheitskasse gewährt einen Zuschuss von 4,80 €.
Wurde allerdings eine FSME-Erkrankung durchgemacht, so bietet die Immunisierung ein Leben lang Schutz. Ergo: Ein Antikörper-Bluttest vor einer Impfung kann – nicht nur bei FSME – durchaus Aufschluss bringen, was demnächst vom Arzt Ihres Vertrauens verabreicht werden sollte. Und übrigens: Impfungen bei chronisch kranken Menschen zeigten in vielen Fällen auch Besserungen bei diesen Erkrankungen, da das Immunsystem etwas zu tun bekommt.
.) Zecken – Was man über FSME und Borreliose wissen muss; Jochen Süss; Irisiana-Hugendubel 2006
.) Epidemiologie und Prophylaxe der Frühsommermeningitis; Roggendorf, M., Girgsdies, O. E.Rosenkranz, G; DIe gelben Hefte 1994
.) Zecken und Zeckenerkrankungen; Ralph Peters; Borreliose und FSME Bund Deutschland e. V. 2006
.) Lyme-Borreliose und Frühsommer-Meningoenzephalitis; Patrick Osch-mann/Peter Kraiczy; UNI-MED 1998
- www.zecken.de
- www.zecken.at
- www.zecken.ch
- zecken-stich.ch
- www.rki.de
- www.pei.de
- www.apotheker.or.at
- www.gbe-bund.de
- www.bag.admin.ch
- www.blv.admin.ch
- survstat.rki.de/
- infektionsnetz.at
- www.infektionsschutz.de
- dgk.de
- www.sanitaetsdienst-bundeswehr.de
- www.impfen.de
- www.eurosurveillance.org
- www.careplus.eu
- www.infektionsschutz.de
- www.virologie.meduniwien.ac.at/
- www.borreliose-bund.de
- reisemed.at
- www.zeckenliga.ch
Arm – ein Leben lang
Posted on 02/21/26 by UlstoAls ich dieser Tage ein Interview mit einem Call Center Manager im Radio hörte, erschrak ich: Obwohl dieser 69 Jahre alt ist, muss er noch zu 100 % einem Job nachgehen, da er mit unter 800,- € Rente im Monat niemals über die Runden käme. Ist dies etwa das Schicksal, das den meisten von uns im Alter droht: Arbeiten bis zum Umfallen? Da verursacht doch der Ausdruck „wohlverdienter Ruhestand“ einen mehr als spontanen Lach-anfall.
Nach einer aktuellen Studie der europäischen Statistikbehörde Eurostat aus dem Jahr 2024 (EU-SILC-Erhebung) sind in der Europäischen Union 12 % der Männer 65 + und 19 % der Frauen 65+ von der Altersarmut betroffen. Die Studie sorgt für mehr als grossen Unmut, schliesslich nimmt die Zahl der älteren Menschen in der EU stark zu – mit Stand 2024 waren mehr als ein Fünftel der Bevolkerung Ü65!
Von Armut ist ein Mensch dann betroffen, wenn er über weniger als 60 % („Medianeinkommen“ der OECD – Nettohaushaltseinkommen) des durch-schnittlichen Einkommens der Bevölkerung verfügt (Medianeinkommen 2024 Eurozone 23.767,- €/Jahr, Deutschland 27.619,-, Österreich 33.210,-, Schweiz 51.926,-).
Im Vergleich dazu liegt die EU-Armutsgefährdungsquote nach Sozial-leistungen bei 16,2 % (übermässig hoch mit 21,7 % in Bulgarien, niedrig mit 9,4 % in Tschechien). Dies können nun alleinerziehende Mütter ebenso sein wie Arbeiter oder Angestellte und auch Pensionisten und Arbeitslose. In der arbeitenden Bevölkerung nutzt auch ein Mindestlohn von 13,90 Euro die Stunde (etwa in Deutschland) nichts – viele haben noch einen zweiten oder gar dritten Job. Ähnliches ist alsdann bei den Rentnern zu sehen. In Deutschland arbeiteten 2024 nicht weniger als 1,1 Mio Menschen Ü67, in Österreich rund 100.000 Pensionisten trotz Pension noch nebenbei (Stand 2025), damit sie ihre Rechnungen zahlen können. Mögliche Lösung: Stärkung der Rente/Pension auf armutsfestes Niveau durch beispielsweise der Anhebung des Rentenniveaus (Deutsch-land derzeit 48 %, in Österreich gibt es ein anderes System mit dem Pensionskonto) auf mindestens 53 %! Gefordert wurde dies bereits 2014 durch die damalige Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann (ehe-dem Linkspartei, jetzt BSW). Damals gab es Kritik von der Opposition, die vornehmlich Merkels zu wenig oder nicht vorhandene Sozialpolitik auf’s Tapet brachte – aber auch vom bayerischen Koalitionspartner Horst See-hofer von der CSU. Er betrachtete die Riester-Rente als defacto gescheitert. Das hat sich inzwischen bestätigt: Von 20 Mio abge-schlossenen Verträgen wurden bis Oktober 2025 nicht weniger als 5 Mio durch die Versicherungsnehmer gekündigt – Tendenz steigend.
Die Riester-Rente ist eine freiwillige private Altersvorsorge, die durch Zuschüsse und Steuervergünstigungen durch den Staat gefördert wird. Dies gilt allerdings nur für Dienstnehmer, Dienstgeber und Branchen, die bereits über eine andere Vorsorge-Möglichkeit abgedeckt sind (Ärzte etwa), konnten die Begünstigungen nicht in Anspruch nehmen. Das änderte sich jedoch für Berufsgruppen wie etwa Handwerker, Lehrer oder Künstler mit der Einführung der Versicherungspflicht. 2001 führte die rot-grüne Regierung unter Schröder diese Riester-Rente als Kernelement der Rentenreform ein. Viele zahlten jedoch zuletzt nicht mehr ein.
Neun von zehn Deutsche sehen in der Altersarmut ein ungelöstes Pro-blem, nach einer Langzeitstudie der R+V-Versicherung fürchten sich sogar 40 % der Befragten davor. In Österreich sorgen sich nach einer Umfrage im Auftrag des Wiener Sozial-Unternehmens Generationencafé Vollpension volle 78 % um ihre staatliche Pension.
Die privaten Altersvorsorgen steigen übrigens mit dem Bildungsgrad, was auch mit einem besseren Monatsgehalt zusammenhängen dürfte! Die Gewerkschaft Verdi hingegen warnt lautstark: Mit den Babyboomern der 60er Jahre steuern 11 bis 12 Mio Menschen auf das Bürgergeld (bis 2023 Hartz-IV) zu.
Einen möglichen Ausweg erwarten sich nun die Sozialpolitiker in Berlin durch die Flexi-Rente. Möchte jemand anstelle von 67 mit 63 Jahren vielleicht nicht zur Gänze der Arbeit den Rücken kehren, so kann er zumindest um einen Gang zurückschalten. Die Altersteilzeit macht’s möglich. Zugleich erhält er dabei eine Teilrente. Auch beim Zuverdienst hat sich etwas geändert: Konnte es schon mal geschehen, dass ein grosser Pauschalteil der Rente gestrichen wurde, weil im Monat XY auch nur ein Euro zu viel verdient wurde, so fielen ab 01.01.2023 die Zuver-dienstgrenzen für die vorgezogene Altersrente komplett, für andere wurden sie hinaufgesetzt. Ausserdem sank das Alterslimit für die Zusatzzahlungen von 55 auf 50 Lebensjahre. Dank dieser Zusatz-zahlungen kann der Zeitpunkt des Pensionsantritts gesenkt werden.
Auch ich staunte nicht schlecht, als anlässlich der Einrichtung der Pensionskonten in Österreich die voraussichtliche Rente bei Errreichung des gesetzlichen Rentenalters berechnet wurde. Da schuftet man sich das ganze Leben lang richtiggehend kaputt, um dann im Alter zusätzlich neben der Pension arbeiten zu müssen – auch bei nicht überdurch-schnittlichem Lebensstandard. Wer diesen nämlich auch nur halbwegs halten möchte, braucht nahezu 80 % des letzten Netto-Verdienstes. In Österreich gibt es keine Riesterrente. Dort konnten bis vor einigen Jahren Beiträge für Lebensversicherungen, Fonds-Versicherungen etc. in die Lohnsteuererklärung aufgenommen werden. Lässt man sich diese dann allerdings bei Fälligkeitsdatum komplett auszahlen, fällt erneut die Steuerpflicht an. Nur wenn sie als Rente ausbezahlt werden, bleibt dies steuerbegünstigt. Im Alpenstaat sind Frauen übrigens von der Alters-armut häufiger als Männer betroffen. Sie gehen im Schnitt mit 60,4 Jahren in den Ruhestand, leben jedoch nach demographischer Entwicklung noch 24 Jahre lang mit durchschnittlich 1. 563 € (Männer: 2.620,- €) – viele allerdings müssen mit weitaus weniger im Monat auskommen. Eine Mindestpension gibt es nicht in Österreich!
Dort übrigens sind die Selbständigen beitragspflichtig – nur unterhalb der Geringfügigkeitsgrenze von 551,10 € im Monat muss keine Pensions-versicherung bezahlt werden. Jene Experten, die das System etwas hinterfragen, versuchen davon zu überzeugen, dass eine private Vorsorge nach Vorbild der deutschen Riester-Rente eingeführt werden soll.
Also – bleibt nur das Weiterarbeiten in Vollzeit nach dem Erreichen des Regelalters. In Deutschland bringt jeder Monat mehr ab diesem Zeitpunkt ein Plus von 0,5 Prozent. Wird also ein Jahr länger gearbeitet, wirkt sich das mit einem Plus von 6 % auch auf’s Portemonnaie aus! In Österreich ist dies zeitlich auf drei Jahre begrenzt – jedes Jahr bringt eine Erhöhung der Pension um 5,1 % – maximal also 15,3 %. Oder das Dazuverdienen. Hier gibt es weder in Deutschland noch Österreich bei der Altersrente nach oben hin keinerlei Grenzen: Minijob oder gutbezahlte Beraterfunktion – einzig die Einkommenssteuer und Sozialversicherung muss ab dem Erreichen des Renten-Regelalters in’s Auge gefasst werden, was jedoch viele Jobs bereits schon wieder unrentabel machen, da Vater Staat auch hier ordentlich abkassiert. Frühpensionisten jedoch laufen Gefahr, durch einen Job, der die Geringfügigkeitsgrenze überschritten hat (in Deutsch-land derzeit 603,- € monatlich), die Rente pauschal gekürzt zu bekommen.
Sollte mit der Rente kein Auslangen gefunden werden, so besteht das Recht auf Grundsicherung, die bis zu einem gesamten Einkommen von 1.062 Euro am Sozialamt beantragt werden kann. Allerdings dürfen keinerlei Ersparnisse mehr vorhanden sein, ein bestehender Gering-fügigkeitsjob wird ebenso angeschnitten. Besitzen die Kinder oder Eltern allerdings ein Einkommen von mehr als 100.000 € im Jahr, so kann nicht angesucht werden. Im März 2025 bezogen in Deutschland nicht weniger als 742.000 Menschen über 65 Jahren neben der Rente Sozialhilfe – Tendenz stark steigend! Nach Schätzungen des Max-Planck-Institutes für Sozialrecht und Sozialpolitik wird bis 2030 mit einer Verdoppelung der derzeitigen Bezieher dieser altersbedingten Grundsicherung von 3 auf 6 % der Rentenempfänger gerechnet.
Tatsächlich muss davon ausgegangen werden, dass die Zahl der Alters-armen noch weitaus höher ist. Viele trauen sich aus Scham nicht um Unterstützung anzusuchen. Dafür ist zumeist ein Stempel der Gemeinde vonnöten, wodurch es jedermann dann weiss! Obgleich viele bezugsberechtigt wären, suchen sie vornehmlich in ländlicheren Gefilden erst gar nicht um derartige Zusatzleistungen an. Deshalb bleibt Altersarmut meist unsichtbar.
Lesetipps:
– Rente oder Wohlstand: Wer sich auf die Rente verlässt, wird niemals finanziell frei!; Bodo Schäfer; FinanzBuch Verlag 2016
– Armut im Alter: Probleme und Perspektiven der sozialen Sicherung; Christoph Butterwegge/Gerd Bosbach/Matthias W. Birkwald (Heraus-geber); Campus Verlag 2012
– Altersarmut in Deutschland: Herausforderung für die Sozialpolitik; Nick Loetz; Bachelor + Master Publishing 2014
– Ein Mann ist keine Altersvorsorge: Warum finanzielle Unabhängigkeit für Frauen so wichtig ist; Helma Sick/Renate Schmidt; Kösel-Verlag 2015
– Ratgeber Pensionierung; Thomas Schönbucher/Raphael Ebneter; VZ VermögensZentrum 2016 (Schweiz)
– Ratgeber Pensionskasse; Stefan Thurnherr/Nicola Waldmeier; VZ VermögensZentrum 2014 (Schweiz)
Links:
www.gesetze-im-internet.de
www.deutsche-rentenversicherung.de
www.ihre-vorsorge.de
www.rentenpaket.de
www.rentenreform-alternative.de
www.iww.de
www.ris.bka.gv.at
www.pensionsversicherung.at
www.sozialversicherung.at
pensionsrechner.arbeiterkammer.at
www.wko.at
www.admin.ch
bsv.admin.ch
www.ahv-iv.ch
www.123-pensionierung.ch
aso.ch
www.svazurich.ch
www.vermoegenszentrum.ch
www.ch.ch/de/ahv-rente-berechnen/
www.faire-renten.ch
www.sozialpolitik-aktuell.de
altersarmut-per-gesetz.de
www.armut-und-alter.de/
www.verbraucherzentrale.de/altersarmut
www.rente.com/altersarmut
www.myhandicap.ch
Der Mensch – die Krone der Schöpfung?
Posted on 02/14/26 by UlstoAngesichts solcher Bilder muss wahrhaft daran gezweifelt werden. Und in diesem Falle handelt es sich nicht mal um die industrielle Landwirtschaft, sondern um mittelgrosse und kleine Betriebe!
Wir kennen wohl alle die Bilder aus der Werbung: Glückliche Hühner, Schweine und Rinder mit jeder Menge Freilauf! Sie sollen den Konsu-menten täuschen und zu weiterem Griff in die Fleisch- oder die Frische-theke bewegen. Ganz nach dem Motto: Den Tieren geht es ja eh gut, bis sie geschlachtet werden. Bis auf Betriebe aus der Bio-Landwirtschaft oder ernst zu nehmenden Tierwohl-Gütesiegeln – eine vorsätzliche Lüge! Über Hühner und Schweine habe ich an dieser Stelle bereits berichtet. In dem heutigen Blog stehen deshalb die Kühe und die Anbindehaltung im Mittelpunkt!
https://www.facebook.com/VGT.Austria/videos/939104540115800/
Diese Anbindehaltung ist seit Jahrzehnten in den heimischen Ställen ein bislang toleriertes Haltungssystem: In Deutschland leben etwa 10 % der Rinder in der Anbindehaltung (das waren etwa 2020 noch 1,14 Mio), in der Schweiz rund 50 % und in Österreich etwa 25 %! Diese Haltung ist etwa bei Pferden grundsätzlich verboten, bei Schweinen durch die EU-Richtlinie 1997, die eine solche nur als Ausnahme zulässt. Unterschieden wird dabei zwischen Kurz-, Mittellang- und Langstand. Doch – wie immer, wenn etwas toleriert wird, wird es bis über die Grenzen hinaus praktiziert. Allerdings geriet sie zuletzt immer mehr in den Mittelpunkt der Diskussionen – mehr als berechtigt. Müssen diese Tiere wirklich ihr ganzes Leben opfern – unter unvorstellbaren Bedingungen, damit Herr und Frau Maier oder Warliczeck ohne Bedenken zu ihrem Joghurt, dem Glas Milch, dem Rinderbraten oder dem Käse bei ihrer Brettljause greifen können! Nein, sie müssten es nicht, doch geht die Gewinnsucht so mancher anderer Wege und lässt dabei (aufgrund der guten Lobby) auch Grüne in der Regierung verstummen.
Was hat es nun mit dieser Anbindehaltung auf sich? Alleine in Deutsch-land stehen nach Angaben von Umwelt- und Tierschutzorganisationen wie Greenpeace, WWF oder auch Verbraucherorganisationen wie Food-watch mehr als eine Million Rinder und Kühe an der Grabnerkette oder im Gelenkhalsrahmen im Stall. Ohne Bewegung, ohne wirklichen Platz sich zumindest mal kratzen zu können. Vor ihnen das Eisengestänge, der Wasser- und der Futtertrog. Hinter ihnen der Ablauf für Fäkalien und Harn. Eine Bewegung ist für viele gar nicht möglich, da sie an die andere Kuh gleich neben ihnen stossen. Die meisten haben nicht mal Stroh auf dem Stallboden liegen. In früheren Zeiten war das für die meisten Landwirte nicht anders machbar, schliesslich gab es damals keine wirk-lich grossen Bauernhöfe. So konnte auch ein Freilaufraum nicht einge-richtet werden. Dafür durften die Vierbeiner nach dem Winter wieder auf die Weide oder auf die Alm. Wer sich schon mal ein solches Video angeschaut hat, bei dem die Kühe im Frühjahr erstmals wieder auf die Weide durften, kann sich vorstellen, wie sie in den Winterjahren gelitten haben, auf ihren rund 2 Quadratmetern im Stall!
Doch sind inzwischen viele Bauern zu der Überlegung gekommen, die Tiere ganzjährig im Stall zu behalten. Welche Perversion: Da wächst die direkt an den Hof angrenzende Wiese in sattem Grün, wird gemäht und den Kühen im Stall als Grünfutter vorgeworfen.
Man muss kein Veterinär oder Humanmediziner sein – gilt für Mensch und Tier – um sagen zu können, dass Bewegung die Fettverbrennung anregt und die Muskulatur stärkt. Eine Erklärung unter anderem dafür, dass wahre Fleischesser Wildfleisch gegenüber den dem Fleisch von „Nutztieren“ vorziehen: Der Fettanteil ist zugunsten des Fleischanteils wesentlich geringer. Doch geht es in der Landwirtschaft vornehmlich um die Milch. Deshalb müssen Kühe in regelmässigem Abstand auch trächtig werden, damit sie auch weiterhin Milch produzieren. Die Kälber hingegen werden ihnen meist noch vor der Abstillung abgenommen. Die männ-lichen landen nach tausenden Strassenkilometern in Spanien oder Italien in der Mast, wenn sie den Transport überleben.
Unzählige Tierschutzorganisationen, wie auch der Verein gegen Tier-fabriken (VGT) haben nach jahrelangem und scharfem Protest dazu beigetragen, dass Bauern inzwischen umdenken, da eine Sensibilisierung der Konsumenten erfolgte. Viele haben inzwischen Freilaufställe gebaut, in welchen die Kühe ihren Auslauf haben und eine nahezu natürliche Umgebung vorfinden. Viele Konsumenten wollen nämlich inzwischen wissen, woher ihr Fleisch kommt und unter welchen Umständen das Tier gelebt hat. Bei den Molkereiprodukten ist dies leider noch nicht der Fall. Zig Millionen greifen nach wie vor zu Milch, Joghurt, Butter und Käse, weil sie der Überzeugung sind, dass sie sich dadurch gesund ernähren. Was für ein Irrtum! Tiere in Stallhaltung werden mit Hormonen, aber auch Antibiotika gefüttert. Dadurch soll Krankheiten vorgebeugt werden. Tatsächlich landet all das im Fleisch und der Milch. Darunter sind auch Antibiotika, die in der Humanmedizin als letzte Möglichkeit eingesetzt werden, wenn andere nicht mehr wirken. Krankheitserreger entwickeln sich weiter: Besteht beim Wirt eine Immunität, so werden Stämme gebildet, die diese zu umgehen. Dadurch entstehen multi-resistente Viren und Bakterien – auch Krankenhauskeime!
Zurück zur Anbindehaltung:
Viele „normale“ Bauernhöfe können den Umbau eines Anbindestalles in Freilaufstallungen nicht finanzieren. Hierzu sei erwähnt: Es gibt Förderungen! 30 rot-weiss-rote Euro wurden dafür ab 2023 zur Verfügung gestellt.
Wie bereits kurz angeschnitten, reagiert die Politik nur sehr zögerlich. Anfang Juli des Jahres 2022 (!) wurde mit Gültigkeit am 28. Juli 2022 von der türkis-grünen Regierung Österreichs eine Novelle zum Tierschutzgesetzes als Meilenstein zum Tierwohl präsentiert und beschlossen.
„Denn für eine zukunftsfeste Landwirtschaft, die für Mensch, Tier und Umwelt arbeitet, müssen wir eine Brücke bauen.“
(Der damalige österreichische Tierschutzminister Johannes Rauch von den Grünen)
In Paragraph 16 Abs. 4 heisst es, dass Rindern an „mindestens 90 Tagen im Jahr geeignete Bewegungsmöglichkeiten oder geeigneter Auslauf oder Weidegang zu gewährleisten“ ist. Hört sich schon mal gut an, doch war die dauerhafte Anbindehaltung in Paragraph 16 Abs. 1 und 3 bereits zuvor schon verboten. Und DER Haken schlechthin: Das alles gilt erst ab dem 01. Januar 2030! Ein Gesetz, das erst acht Jahre nach Beschluss in Kraft tritt!!! Mein Verständnis reicht gerade mal soweit, dass Kleinbauern die Möglichkeit gegeben werden soll, sich durch einen Umbau nicht übergebührlich zu verschulden und den Betrieb möglicherweise gar dicht machen zu müssen. Wie allerdings mit solch langen Übergangsfristen bereits (auch in anderen Bereichen) zigfach bewiesen: Auch jene Bauern, die diesen Umbau locker finanziell verkraften könnten (die Grossbauern) werden bis Dezember 2029 abwarten und dann wieder auf die Strasse gehen – obgleich sie bereits zuvor den Grossteil der Agrarsubventionen abgegriffen haben. Viele davon besitzen alsdann mehr Kühe, als deren Weideland zulassen würde. Somit müssen sie Futter zukaufen oder weitere Felder pachten um den im Stall gehaltenen Tieren Gras oder Heu liefern zu können. Der Verein gegen Tierfabriken VGT hat bereits im Frühjahr und Sommer 2022 eine Umfrage an die Bezirkshauptmann-schaften gestellt. Das Ergebnis mit Stand 1. September 2022 ergab: Nicht weniger als 4.331 Betriebe in ganz Österreich praktizierten die dauer-hafte Anbindehaltung. Mit 2.778 Betrieben in Oberösterreich die meisten, und mit 4 Betrieben in Vorarlberg die wenigsten. Die Bundeshauptstadt Wien hat angeblich gar keine! Auf die Gefahr hin, mir jede Menge Feinde zu schaffen: Ich gehe mal davon aus, dass dort wesentlich mehr zwei- als vierbeinige Rindviecher leben! Fairerweise sollte erwähnt werden, dass viele Bezirkshauptmannschaften auf die Anfrage des VGT gar nicht geantwortet haben – damit ist mit diesen Zahlen nicht wirklich zu arbeiten, da die Dunkelziffer weitaus höher liegt.
Ein Kalb darf in Österreich bereits mit sechs Monaten angebunden werden. Die durchschnittliche Lebensdauer einer Milchkuh beläuft sich auf 5 Jahre. Wir schreiben inzwischen das Jahr 2026 – bis 2030 ist es noch nahezu eine ganze Kuhgeneration, also hunderttausende Kühe (über eine halbe Million Milchkühe, Zucht- und Masttiere, Ochsen, Stiere), die trotz eines bestehenden Gesetzes ihr Leben unter grauenvollen Umständen opfern müssen. Und zudem gilt auch: 90 Tage sind gerade mal drei Monate! Ist denn ein Auslauf im Frühjahr und Herbst nicht möglich? Auch wenn das Wachstum der Natur es nicht oder nicht mehr ermöglichen sollte (die Klimaveränderungen stehen da allerdings dagegen: Rasenmähen im Dezember ist gar nicht mal mehr so abwegig), so könnte ihnen doch auch in diesen Jahreszeiten zumindest der Auslauf gewährt werden! „Artgerechte Haltung“ – das spottet wohl allen vorliegenden Fakten! Ein kurzer Zahlenvergleich (in der Hoffnung, dass sich dies in den letzten Jahren verbessert hat: 2020 gab es im Alpenstaat nach Angaben der Agrarstrukturerhebung 21.801 Plätze für Rinder mit Freilandhaltung (ausschliesslich oder ganzjährig – entweder winterfeste Rinder wie die schottischen Highland-Rinder, oder sie können sich selbst entscheiden, ob sie raus wollen oder nicht). Ich würde mal sagen: Das kommt der artgerechten Haltung schon näher. Demgegenüber stehen aber 566.206 Rinder in Anbindehaltung!
Zum Thema Gütesiegel: Es gibt inzwischen derart viele, sodass Otto-Normalverbraucher diese gar nicht mehr überblicken kann. Bleiben wir in Österreich: Das wohl höchste dieser Gütesiegel ist das AMA-Gütesiegel. Die Agrar-Markt-Austria hat 2024 reagiert: Seit 01. Januar 2024 (zwei Jahre nach dem Beschluss im österreichischen Nationalrat) wurde dieses Gütesiegel in Milchvieh-Betrieben mit andauernder Anbindehaltung für Milch- und Milchprodukte zurückgezogen. Kurz danach folgte zum selben Zeitpunkt auch der Frischfleischbereich. Davon betroffen waren zirka 10 bis 15 % der rund 8.500 Betriebe, die das Verbot der dauerhaften Anbindung in Anspruch nahmen (bestehende Stallungen). Hier möchte ich nur zu bedenken geben, dass die Tierwohlstandards der deutschen Lebensmittelketten im Jahr 2024 höher waren als jene des AMA-Gütesiegels!
In einem Gutachten der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) wird ein Ende der Anbindehaltung empfohlen. Die EU hat die Anbindehaltung auf Bio-Bauernhöfen 2007 mit Umsetzung 2014 verboten. Die Ausnahme: Kleine Höfe – dort dürfen die Tiere im Winter angebunden bleiben, müssen jedoch zweimal die Woche Auslauf haben. In Deutschland forderte das Bundesland Hessen 2015 ein komplettes Verbot. Erst Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir wollte ein ähnliches Modell wie Österreich einführen – doch zerbrach die rot-grüne Bundesregierung kurz vor der Beschlussfassung. Der derzeitige Bundes-landwirtschaftsminister Alois Rainer von der CSU meint hierzu:
„Wir wollen auch die Anbindehaltung regeln. Wir wollen aber die Anbindehaltung regeln mit den Betroffenen!“
Abschliessend noch ein Wort zur Hygiene bzw. der Verletzungsgefahr bei den Kühen. Milchkühe benötigen mindestens 50 Stunden Auslauf pro Monat, da ansonsten Sprunggelenksschäden auftreten können. Beim Kurzstand kommt die Kuh zumeist mit dem Sprunggelenk azf der Kante zum Kotkanal zu liegen. Hierdurch entstehen sehr häufig Druckstellen oder Hautabschürfungen am Sprunggelenk. Beim Langstand hingegen fallen Kot und Harn oftmals auf den Stand. Die Kuh legt sich dann in die eigenen Fäkalien, was automatisch zu Entzündungen an den Eutern führt. Zudem sind – wie beim Menschen auch – Kühe in der dauernden Stallhaltung wesentlich anfälliger für Infektionskrankheiten.
Lesetipps:
.) Welchen Einfluß hat die Umstellung von Anbindehaltung auf Boxenlaufstallhaltung auf die verschiedenen Leistungsparameter bei Milchkühen?; Frank Groh, Gerhard Schwarting; 1996
.) Die Anbindehaltung von Kühen; P. Jakob, T. Oswald; FAT 1986
.) Milcherzeugung: Grundlagen – Prozesse – Qualitätssicherung; Hrsg: Rolf-Dieter Fahr; Deutscher Fachverlag 2003
Laufstallhaltung kontra Anbindehaltung: ethologische und ökonomische Aspekte der Milchviehhaltung; Marietta Lehner; Verband für Ökologisch-Tiergerechte Nutztierhaltung und Gesunde Ernährung Freiland 1996
Links:
- www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=20003541&FassungVom=2023-02-06
- www.rinderzucht.at
- www.bauernverband.de/
- www.lko.at/
- www.bios-kontrolle.at/
- tirol.lko.at
- vgt.at/
Die Show der Shows
Posted on 02/07/26 by UlstoIn der Nacht von Sonn- auf Montag findet DAS sportiche Highlight des Jahres statt! Nein, nicht die Olympischen Winterspiele in Mailand, Cortino und Antholz! Die US-Amerikaner haben’s nicht wirklich mit dem Schi-Sport. Und das, obgleich sie gar zwei heisse Eisen im Feuer um Mehrfach-Gold haben: Der derzeit alles überstrahlende Stern der Mikaela Shiffrin in den alpinen Technik-, und die ehemalige Abfahrts-Queen Lindsey Vonn in den Speed-Disziplinen, die es mit 42 Jahren nochmals wissen will!
Nein – ganz Amerika fiebert seit Wochen auf ein Ereignis hin – auch hierzulande wurden massenweise Bier und Snacks eingekauft und die Plasma-TVs bzw. Beamer in den Party-Kellern oder Garagen zurecht-gerückt: In der Nacht von Sonn- auf Montag (08. auf 09. Februar) wird der LX. (60.) Super Bowl über die Bühne gegangen – Kickoff ist um 00.30 Uhr MEZ bzw. 15.30 Uhr Ortszeit. Dabei treffen im Levi’s Stadium in Santa Clara, knapp 70 Kilometer südöstlich von San Francisco, wie zuletzt 2015 die New England Patriots auf die Seattle Seahawks. Damals gewannen die Patriots mit 28:24. Übrigens ein seltenes Aufeinander-treffen: Seit 10 Jahren erst das vierte Mal. Das heurige Stadion ist die Heimstätte der San Francisco 49ers.
Die Patriots stehen zum bereits 12. Mal im Finale, sechs davon konnten sie gewinnen. Ein siebter Titel wäre Super Bowl-Rekord! Die Seahawks kämpfen zum vierten Mal um den Titel, einmal waren sie erfolgreich. Die Wettquoten auf den Sieg liegen jedoch bei den Seahawks bei -225, bei den Patriots bei +190 – klarer Favorit sind somit die Seahawks. Die beiden Teams gewannen die Saison vornehmlich durch ihre Defensive (Defensiv Line). Die Namen der beiden Trainer sollte man sich merken: Bei den Seahawks ist es der erst 38-jährige Mike Macdonald. Letzte Saison als Cheftrainer eingestiegen und schon jetzt im Finale. Die Patriots werden von Mike Vrabel trainiert, der bei den Patriots unter deren Trainerlegende Bill Belichick spielte. Als Spieler holte er dreimal den Titel, als Trainer ist es seine erste Saison.
Interessant auch das Aufeinandertreffen der beiden Quarterbacks: Drake Maye bei den Patriots steht schon in der dritten Saison im Einsatz. Mit erst 23 Jahren könnte er durchaus der Legende Tom Brady gefährlich werden, der insgesamt sechsmal den Superbowl holte. Bei den Seahawks ist es der 28-jährige Sam Darnold, der bereits in vier anderen Teams unter Vertrag stand. Und so ganz nebenbei: Bei den Patriots spielt mit Josef Metz auch ein Deutscher mit. Da der Offensive Tackle allerdings erst am 16. Januar unter Vertrag genommen wurde, steht er noch im erweiterten Kader (Practice Squad).
Die Seattle Seahawks gewannen letztmalig vor 12 Jahren im Finale – da bezwangen sie die Denver Broncos mit unglaublichen 43:8. Davor verloren sie 2006 mit 10:21 gegen die Pittsburgh Steelers und danach eben 2015 mit vier Punkten Unterschied gegen die New England Patriots.
Die Patriots gewannen zuletzt 2019 den Super Bowl mit 13:3 gegen die Rams. Im Jahr davor verloren sie gegen die Eagles mit 33:41 und 2017 blieben sie mit Quarterback-Superstar Tom Brady mit 34:28 über die Falcons erfolgreich.
In diesem Jahr wird US-Präsident Donald Trump nicht wie 2025 die Veranstaltung beehren. Ihm gefiehl die Wahl von Bad Bunny als Halbzeit-Act nicht (gleich mehr dazu). Andere Promis hingegen sind im Stadion – so etwa die Schauspieler Chris Pratt, Matt Damon und Ben Affleck, der US-Rapper Macklemore, Microsoft-Gründer Bill Gates und die Musiker Elton John sowie Mike McCready von der Rock-Band Pearl Jam, um nur einige zu nennen!
Nun ein Wort zum Rahmenprogramm: Den Auftakt machen Green Day. Die 15 Minuten der Halbzeitpause wird der Puerto Rikaner „Bad Bunny” verkürzen, möglicherweise mit Überraschungsgästen. Er war im letzten Jahr der am meisten über Spotify gestreamte Interpret. Und die National-Hymne „The Star-Spangled Banner“ wird vom US-Sänger Charlie Puth dargebracht.
Der Super Bowl ist unumstritten die grösste Sportshow der Welt mit rund 800 Millionen TV-Zusehern bis ins hinterste Eck dieses Globusses, ja sogar bis ins Dorf Namenlos in Tirol!
Heute möchte ich allerdings weniger über Football berichten, obgleich sich zwei sehr attraktive Mannschaften gegenüber stehen.
Diese Sportveranstaltung ist in allem etwas grösser, fulminanter und rekordverdächtig ohnedies.
Zur Geschichte:
Der Super Bowl ist das Finalspiel des Saisonsiegers der Western Conference gegen den Saisonsieger der Eastern Conference in der National Football League. Das erste NFL Championship Game wurde im Jahre 1932 zwischen den Chicago Bears und den New York Giants ausgetragen – die Bears gewannen mit 23:21. Der Super Bowl wie wir ihn heute kennen, fand erstmals 1967 statt, als der Sieger der NFL gegen den Sieger der neu gegründeten American Football League (AFL) antrat. Die beiden Ligen wurden 1970 fusioniert. Seither wird das Finale zwischen der American Football Conference und der National Football Conference ausgetragen. Gespielt wird stets in südlichen Bundesstaaten, da es klimatisch wärmer ist. Wer schaut sich schon gerne ein Game bei Schneetreiben an. Bislang konnte noch nie eine Mannschaft ein Heim-Endspiel abliefern, also im eigenen Stadion spielen. Das Levi’s Stadium in Santa Clara war bislang nur einmal Austragungsort des Super Bowls – 2016 beim 50er-Jubiläum. Sein Spitzname ist „Field of Jeans“! Es fasst 75.000 Fans und wurde erst 2014 eröffnet. Einige Wochen später sollte hier auch Fussball gespielt werden – im Rahmen der Fussball-WM 2026.
Als Spieltermin fungiert zumeist der erste Sonntag im Februar – in den USA ist dies der Super Bowl Sunday – ein inoffizieller Feiertag. Eintritts-karten sind heiss begehrt – sie werden jedoch zwischen den NFL-Teams aufgeteilt: 17,5 % gehen jeweils an die Endspielteams, 5 % an die veran-staltende Mannschaft (heuer die 49ers) und 34,8 % an die restlichen NFL-Mannschaften. Einige wenige Karten werden durch die NFL selbst verlost. Der Preis für ein normales Ticket liegt derzeit bei 5.800 Dollar (obwohl sie zuvor für 600,- $ verlost wurden) – alleine ein Parkplatz am Stadion kostet schon rund 700 Dollar.
Sechs Mal gewannen jeweils die Pittsburgh Steelers und die New England Patriots die Vince Lombardi Trophy – ein Pokal, der nach dem Trainer des ersten Super Bowl-Gewinners, den Green Bay Packers benannt wurde und eigens von Tiffany & Co angefertigt wird (Sterling-Silber, 3,5 kg schwer, 55 Zentimeter hoch). Preis: 25.000,- US-Dollar – für Football-Fans jedoch unbezahlbar. Dann folgen die Dallas Cowboys und die San Francisco 49ers mit jeweils fünf Titeln. Der wertvollste Spieler des Abends (MVP) erhält einen Extrapreis, die Pete Rozelle Trophy und jeder Spieler aus dem Siegerteam einen Ring aus Gold und Diamanten, den Super Bowl-Ring (Wert: Jeweils 5.000,- $). Auch sie haben einen unheimlichen Lieblings-wert bei den Fans – so sollen einzelne Ringe bereits für eine sechsstellige Summe verkauft worden sein.
Bislang erfolgreichster Teilnehmer ist der ehemalige Head Coach der New England Patriots, Bill Belichick, der an neun dieser Finals teilnahm und sechs davon für sich entscheiden konnte. Dann folgen mit jeweils sechs Teilnahmen Andy Reid (drei Siege mit den Philadelphia Eagles und den Kansas City Chiefs) und Don Shula (mit zwei Siegen mit den Baltimore Colts bzw. den Miami Dolphins). Erfolgreichster Spieler ist der Quarter-back Tom Brady mit sieben Ringen (6x für die New England Patriots, den letzten gewann er mit den Tampa Bay Buccaneers). Danach folgt Joe Montana mit 4 gewonnenen Super Bowles.
Bis zu 140 Millionen TV-Zuschauer sind an den US-amerikanischen TV-Geräten zuhause, bei Super Bowl-Parties oder in Clubs an den Fernseh-geräten versammelt. Der übertragende TV-Sender ist in diesem Jahr NBC (Übertragung im Free-TV in Deutschland durch RTL) – er verlangt für einen 30 Sekunden-Spot rund 8 Mio Dollar (rund 7,3 Mio € – gleich geblieben wie im letzten Jahr bei Fox). Werbespots werden eigens für dieses Event produziert. Der teuerste dieser Clips kam von Amazon („Mind Reader“) – 130 sec für 26 Mio Dollar.
Zwischen den beiden Hälften findet die Halbzeitshow statt. Hier gibt sich zumeist das Who is Who der Pop- und Rockmusik das Mikrophon in die Hand: Aerosmith, Bruce Springsteen, Lady Gaga, Michael Jackson, Prince, Rolling Stones, U2, … Heuer ist es eben Bad Bunny. Die Nationalhymne wurde ebenfalls von vielen herausragenden Sänger/-innen dargebracht: Whitney Houston, Mariah Carey, Lady Gaga, Alicia Keys, Pink oder auch Neil Diamond.
Der Super Bowl hat sich, wie überhaupt der US-amerikanische National-sport, zum Politikum entwickelt. Viele werden wohl noch jene Spieler vor Augen haben, die während des Abspielens der Nationalhymne knieten. Diese Aktion rief der bis zum Jahr 2016 bei den 49ers spielende Quarter-back Colin Kaepernick als Protest gegen die Unterdrückung der afro-amerikanischen Bevölkerung und die Polizeigewalt im Lande aus. Wieder-Präsident Trump forderte damals die Entlassung all jener Spieler, die sich diesem Protest anschlossen. Inzwischen müssen sich Spieler und Publi-kum positionieren. Allerdings auch die Promis, die die Halbzeitshow abliefern sollen. Angeblich sagten die Superstars Rihanna, Jay Z und Pink deshalb den Ritterschlag eines Auftritts vorerst ab – doch wie immer wieder zu sehen: Nichts ist für ewig! Auch Jennifer Lopez meinte vor sechs Jahren im Magazin „Variety“ mit einem ordentlichen Seitenhieb auf die Regierung Trump:
„Ich denke, es ist sehr wichtig für zwei Latino-Frauen in diesen Zeiten – in denen Latinos in diesem Land auf eine bestimmte Art und Weise behandelt oder gesehen werden – auf dieser Bühne zu stehen und zu zeigen, dass wir eine wunderschöne wertvolle Kultur haben, und in diesem Land etwas notwendiges beisteuern.“
Gegen Live-Proteste in der Halbzeitpause haben sich allerdings die TV-Sender seit dem Nippelgate-Skandal von Janet Jackson und Justin Timberlake im Jahre 2004 gesichert: Die Halbzeitshow wird zeitversetzt ausgestrahlt, damit derartige „Unannehmlichkeiten“, die nicht ins Bild passen, herausgeschnitten werden können. Auch haben selbstverständ-lich die Politiker die Gelegenheit und Zugkraft dieser Veranstaltung erkannt. So strahlte Fox bei seiner Live-Übertragung 2020 vor dem Spiel eine Rede Donald Trumps aus. Zudem buchte er zwei 30-Sekunder, der für die Demokraten startende Michael Bloomberg kaufte sich eine Minute – Kostenpunkt: 11 Millionen Dollar! Der Milliardär wird’s wohl aus seiner Portokasse beglichen haben.
Rund 6.000 Medienvertreter berichten jedes Jahr über diesen Super Bowl-Sunday vorort. Viele TV-Sender haben zumindest online einen Live-Ticker laufen. Neben RTL überträgt auch der Pay-TV-Sender DAZN In Deutsch-land bzw. Österreich.
So ganz nebenbei erwähnt: 2023 standen sich Travis Kelce (der Liebste von Popstar Taylor Swift) und sein Bruder Jason gegenüber. Damals meinte Travis, dass ihre Mutter die eigentliche Gewinnerin des Super-Bowls wäre:
„Ein cooles Szenario – unsere Mutter kann nicht verlieren!“
Beide Kelce-Brüder wurden von demselben Mann in die Liga geholt: Der Head-Coach der Chiefs, Andy Reid, verpflichtete 2011 Jason Kelce nach Philadelphia, zwei Jahre später dann Travis für Kansas City.
„Ich habe in beide Zeit investiert. Ich fühle mich also wie ein Teil der Familie!“
Jason Kelce beendete am 4. März 2024 seine Karriere, nachdem er 13 Jahre lang für die Philadelphia Eagles kickte.
Insgesamt leiten acht Schiedsrichter das Spiel – der „Referee“ (Haupt-schiedsrichter) ist in diesem Jahr erstmals Shawn Smith.
Nicht nur hierzulande melden sich viele am folgenden Montag nach dem Spiel krank – in den USA ist das nahezu gang und gebe (+6 % – viele erscheinen zwar zur Arbeit, sind jedoch nicht ansprechbar!). Und das verdrücken die Amerikaner vor, während und nach dem Spiel: 1,25 Milliarden Chicken Wings, 120 Millionen Liter Bier, 14.000 Tonnen Chips und 4.000 Tonnen Popcorn – mit anderem macht dies rund 10 Milliarden US-Dollar, die sich Herr und Frau Smith landesweit zum Highlight des Jahres gönnen. Übrigens machen die Pizza-Lieferdienste mit rund 11 Mio Pizzen ca. ein Drittel ihres Jahresumsatzes an nur diesem einen Tag.
Link:
Rettet die Bienen
Posted on 01/31/26 by UlstoWinterzeit ist für viele auch Honigzeit! Durchaus berechtigt, wirkt er doch für das Immunsystem wie ein Booster im Kampf gegen Infektions-krankheiten.
Steht der Honig jedoch zu lange, so kann es durchaus geschehen, dass sich vornehmlich bei Importware eine unappetitliche Schicht bildet: Die Amerikanische Faulbrut (AFB oder auch Bienenpest)! Angeblich soll sie für den Menschen ungefährlich sein, es bleibt allerdings das Unappetitliche. Für die Bienen hingegen ist sie brandgefährlich und rafft Jahr für Jahr tausende Völker hin. Was hat es nun mit dem Ganzen auf sich?
Die Amerikanische Faulbrut wird durch das Bakterium Paenibacillus larvae verursacht und ist eine hochansteckende Bienenseuche. Dieses Bakterium sucht sich für seine Vermehrung den Larvendarm der zukünftigen Bienen aus. Dort entwickeln sie sich zu Stäbchenbakterien. Diese durchbrechen die Darmwand und zersetzen weiters die gesamte Larve. Ab diesem Zeit-punkt bilden sich Milliarden hochinfektiöser Sporen. Diese sind langlebig und hitzebeständig. Zurück bleibt eine braune und klebrige Masse in den Waben des Bienenstocks (Faulbrutschorf), in welchen eigentlich neue Bienen heranwachsen sollten. Für die Aufzucht, Pflege und Fütterung sorgen eigene Ammenbienen, für die Sauberkeit im Stock die Putzer-bienen. Beide verteilen die Sporen auch auf andere Waben. Zumeist verendet die ganze Brut – der Bienenstock stirbt, da der Nachwuchs fehlt. Die Inkubationszeit macht die Sache extrem schwer: Sie liegt zwischen wenigen Wochen bis hin zu mehreren Monaten. Das kann bedeuten, dass der Stock bereits infiziert ist, jedoch keinerlei Symptome aufweist. Sind dann die Symptome sichtbar, hat die Seuche bereits ihren Verlauf genommen. Hierfür wendet der Imker den Streichholztest an: Er steckt ein Streichholz mit dem zündfreien Ende in die Brutwabe. Ist dieses nach dem Herausziehen mit einer gelben bis braunen, zähen Masse belegt oder sie zieht wie ein Hochviskosekleber Fäden, ist die Faulbrut nach-gewiesen.
Für erwachsene Bienen ist das AFB nicht gefährlich. Flugbienen, die für das Pollensammeln verantwortlich sind, oder auch Räuber aus anderen Stöcken verteilen nun die Sporen weiter – dadurch werden alsdann andere Bienenvölker infiziert. Deshalb ist diese Seuche brandgefährlich, da innerhalb kürzester Zeit viele andere Bienenstöcke damit kontaminiert werden. Imker sind verpflichtet, einen solchen Ausbruch sofort an das zuständige Veterinäramt bzw. in Österreich bei der Bezirkshauptmann-schaft (geregelt in Deutschland durch die Bienenseuchenverordnung, in Österreich durch das Bienenseuchengesetz) zu melden. Dieses errichtet dann eine Sperrzone. So etwa 2023 in Berlin geschehen. Am 5. April wurde die Seuche bei mehreren Völkern durch die Pankower Behörden festgestellt. Direkt danach wurde ein Sperrbezirk mit einem Radius von einem Kilometer bis zur Reinickendorfer Bezirksgrenze eingerichtet. Ein Jahr zuvor war Niedersachsen mit 70 Völkern betroffen. Anhand dieser Maßnahmen wird ersichtlich, wie gefährlich die AFB wirklich ist.
Bei einem solchen Ausbruch müssen alle Bienenvölker in der Sperrzone mit Futterkranzproben und Gemülldiagnosen überprüft werden. Ist der Bienenstock kontaminiert, so müssen Werkzeuge ebenso vernichtet werden wie Bienenkästen und der Honig. Oftmals muss auch das ganze Volk getötet werden. Eine gründliche Desinfektion ist zumeist teuer und arbeitsaufwendig. Dieses Prozedere gilt jedoch nicht für alle Honig-Herkunftsländer oder wird nicht dementsprechend eingehalten.
Hat sich die Infektion allerdings noch nicht derart katastrophal aus-gewirkt, so kann das Volk vielleicht noch gerettet werden. Dafür werden alle Bienen in einen Kasten umquartiert. Dort müssen sie so lange hungern, bis das befallene Futter in der Honigblase aufgebraucht ist, da die Infektion über das Futter erfolgt. Der Bienenstock selbst wird inzwischen ausgeschwefelt oder andersweitig desinfiziert (Wärme- oder Laugenbehandlung). Das Wachs der Zellen muss eindeutig als „Seuchenwachs“ gekennzeichnet werden.
Die amerikanische Faulbrut kommt übrigens nicht aus Amerika, sie wurde dort Anfang des 20. Jahrhunderts entdeckt – der Erreger, das Bakterium Paenibacillus larvae, ist weltweit verbreitet. Es gibt auch eine europäische Variante des Bakteriums: Die sog. „Gutartige Faulbrut“ oder „Europäische Faulbrut“ (Melissococcus plutonius). Sie gleicht der Amerikanischen Version, hat jedoch einen weitaus milderen Verlauf. In Deutschland und Österreich ist sie nicht meldepflichtig, in der Schweiz hingegen schon!
Präventiv schützen kann ein Imker sein Volk durch mehrere Maßnahmen: Regelmässiger Austausch der Brutwaben, keine fremden Bienen ohne vorherigen Gesundheitscheck unter’s Volk mischen sowie die Fütterung des Volkes mit Honig nur nach genauem Labortest. Das Vermeiden von Räubern im Stock hingegen ist eine mehr als schwierige Angelegenheit! Recht neu ist die Schluckimpfung. Dabei wird ein Impfstoff aus abge-töteten Paenibacillus larvae-Bakterien an die Arbeiterbienen verfüttert. Diese versorgen damit auch die Königin des Volkes. Die Impfung wurde in den USA erstmals im Jahr 2023 zugelassen – es liegen deshalb noch keine Langzeit-Testergebnisse vor. Erste Labortests zeigten zwar eine gewisse, allerdings unzureichende Wirkung. In Deutschland und Österreich ist der Impfstoff noch nicht erhältlich.
Die zuvor angesprochenen Maßnahmen gelten für heimische Imker in Deutschland und Österreich. Deren Interesse ist es selbstverständlich, guten Honig zu produzieren und dadurch auch Geld zu verdienen. Die schwarzen Schafe unter ihnen hingegen holen sich Bienenvölker oder -kästen aus nicht verlässlichen Quellen. So kommt die Bienenpest durch den Imker selbst ins Land. Daneben gelangt immer wieder Importhonig in den Handel, der mit dem Bakterium Paenibacillus larvae kontaminiert ist. Hier nun kommt der Verbraucher/Konsument ins Spiel. Bitte waschen Sie die Honiggläser – grundsätzlich – sehr gut aus, bevor Sie diese in den Glascontainer werfen. Sollten Sie tatsächlich ein betroffenes Honigglas zuhause haben, so entsorgen Sie es am besten im Restmüll. Allerding gilt auch hier: Gut auswaschen, da mancherorts der Müll noch auf einer Deponie zwischengelagert wird!
Lesetipps:
.) Die Faulbrut: vorbeugen, erkennen, bekämpfen; Friedrich Pohl; Ehrenwirth 1999
.) Das aktuelle Gefahrenpotential der Amerikanischen Faulbrut, Ursachen und mögliche Bekämpfungsstrategien (Dissertation); Frithjof Koithan; Justus-Liebig-Universität Gießen 2002
.) Neue Imkerschule; Edmund Herold; Ehrenwirth 1984
Links:
- www.gesetze-im-internet.de/bienseuchv/index.html
- www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=10010539&FassungVom=2023-03-19
- www.fli.de/de/startseite
- www.ages.at
- www.blv.admin.ch/blv/de/home.html
- www.laves.niedersachsen.de
- www.amtstierarzt.de
- www.lwg.bayern.de/
- bienen.ch/
- bzv-ooe.at/
