Weihnacht‘ wie früher – mmmh lecker!!!

Allerorts in der christlichen Welt wird die Geburt von Jesus Christus gefeiert! Allerorts jedoch komplett anders. Herzlich willkommen zu einem Blog über die lukullischen Weihnachten, wie sie früher einmal waren und teilweise noch sind!

In Österreich wird bereits in der Vorweihnachtszeit geschlemmt und gut getrunken! Auf den unzähligen Weihnachtsmärkten locken die unter-schiedlichsten Düfte: Heisse Maroni und Kartoffeln (Erdäpfel), Kiachln mit Sauerkraut oder Marmelade, Glühwein und Punsch. Am 06. Dezember kommt für die Kleinen der Nikolaus und belohnt brave Kinder traditionell mit Mandarinen, Nüssen und Schokolade. In manchen Bundesländern auch mit dem „Klosama“ – einem Hefeteiggebäck in Form eines Menschen mit Rosinen als Augen. Am 24. Dezember, dem Heiligen Abend, wird nach der Bescherung gegessen. Meist ohne Kinder, da die mit den Geschenken beschäftigt sind. Auch so mancher Vater soll das Mahl verpasst haben, als er mit dem Aufbau der Carrera-Rennstrecke oder der elektrischen Eisenbahn für seinen Sohn beschäftigt war. In den meisten Haushalten allerdings fällt das Essen eher dürftig aus: Frankfurter (Wiener Würstchen) mit Kartoffelsalat. Dies aus zweierlei Gründen: Erstens geht die Familie nach dem Essen noch zur Christmette in die Kirche. Und zudem kommen endlich die leckeren Kekse (Plätzchen) auf den Tisch, die Muttern die letzten Wochen über an die Küche gefesselt haben. Nur im Burgenland verbringt zumeist die Mutter den Tag am Herd: Gansl mit Sauerkraut und Erdäpfeln. Im benachbarten Kärnten serviert man Selch-würsteln ebenfalls mit Sauerkraut und Schwarzbrot. Im westlichsten Bundesland Vorarlberg setzt sich immer mehr das Raclette durch. Am Weihnachtstag werden dann keine Kosten und Mühen gescheut: Meist sitzt die ganze Familie am Tisch. Es gibt Weihnachtsgansl, Karpfen, Rollbraten, … Oftmals mit Rotkraut und Semmel- oder Serviettenknödel, manches mal auch mit Kartoffelknödeln. Am Stephanstag schliesslich, dem 2. Weihnachtsfeiertag, werden häufig Freunde zum Essen einge-laden. Auch hier wird alles aufgetischt, was den Gaumen so richtig jubeln lässt. Erinnert mich meist an den Wettkampf der kochenden Mütter!!!

Ähnlich wird in Deutschland die Küche zu Weihnachten drangsaliert. In der Vorweihnachtszeit werden je nach Region neben den Plätzchen auch Nürnberger Lebkuchen, Aachener Printen, Liegnitzer Bomben und natür-lich der Stollen gebacken. Auch in deutschen Landen erfreuen sich die Weihnachts- oder Christkindles-Märkte grosser Beliebtheit. Anstatt der Kiachln jedoch gibt es oftmals Rostbratwürste mit Sauerkraut oder Schaschlik-Spiesse. Am Heiligabend serviert Muttern entweder einen Eintopf oder ebenfalls Würstchen mit Kartoffelsalat. Dieser wird im Norden mit Mayonnaise, im Süden mit Essig und Öl sowie Brühe zube-reitet. In Niederschlesien entlang der Oder wird zudem der „Breslauer Mehlkloß“ gereicht. Die grosse Ausnahme bildet das Erzgebirge und das Vogtland. Hier freut sich die Familie bereits auf das „Neunerlei“: Ein Menü mit neun Gängen, bestehend aus Bratwurst mit Sauerkraut und Klößen, Gänse- oder Schweinebraten mit Nüssen und Pilzen. Der Tradition entsprechend werden nach dem Essen Münzen unter die Teller gelegt. Am Christtag wird auch im Rest der Bundesrepublik ganz gross aufge-kocht – jedoch regional unterschiedlich. In Altbayern etwa gibt’s den „Weihnachter“ – zumeist einen Schweinebraten, wobei das Tier eigens für Weihnachten gemästet wurde. Seltener kommt die Weihnachtsgans auf den Tisch.

Wer nun denken sollte, dass die Schweizer nur das Käse-Fondue im Kopf haben, liegt völlig falsch! Ein traditionelles eidgenössisches Gericht zu Weihnachten ist das “Schüfeli“ mit Sauerkraut oder grünen Bohnen und Kartoffeln. Die flache Schweineschulter ist im benachbarten Südbaden bzw. dem Elsass auch als Schiifele oder Schiifeli bekannt – die meisten anderen sagen „Kasseler“ dazu. Gekocht je nach Geschmack mit „Saucissons“ (Rohwürsten), Speck am Stück, Rippli oder Rinderzunge. Die Weihnachtsgans ist nur in deutsch-stämmigen Familien angesagt – immer beliebter wird jedoch der in der Romandie gebräuchliche Truthahn. Oder der Kapaun mit Senfsauce aus dem Tessin, mit Ravioli in Bouillon als Vorspeise und Panettone als Nachspeise – einem luftigen Kuchen mit kandierten Früchten. Doch ganz ohne Fomdue geht’s nicht: Trendy ist das „Foundue Chinoise“ mit Bouillon und Gemüse. Dabei werden Ravioli in die Bouillon getaucht und mit verschiedenen Saucen verfeinert gegessen. Alles weitere ist sehr regional geprägt: Im Bernerland etwa wird die „Berner Platte“ mit verschiedenem Fleisch, Dörrbohnen, Sauerkraut und Kartoffeln gereicht, im Aargau „Pastetli mit Milken“ (Blätterteig-pasteten mit Kalbsbries). Natürlich gibt es auch in der Schweiz die Kekse – sie heissen „Guetzli“.

In Frankreich ist der 24. Dezember ein ganz normaler Arbeits- und Schultag. Erst mit der Mitternachtsmesse, die schon mal früher beginnen kann, startet auch dort das Weihnachtsfest. Danach kommt hier der Gaumen auf seine Kosten: „Le réveillon“, ein Truthahn gefüllt mit Kastanien oder ein Kapaun mit Pflaumen. Zusätzlich stellt der Ober Austern bzw. die gestopfte Gänseleberpastete („foie gras“), kandierte Maroni, Fisch und Käse auf den Tisch. Ja, richtig gelesen: Die Franzosen essen nicht selten im Restaurant! Getrunken wird dazu natürlich Champagnerm abgerundet mit dem Weihnachtsbaumkuchen („bûche de Noël“). Der Name resultiert aus dem alten Brauch, am Weihnachtstag einen Baumstamm zu verbrennen und die Asche auf den Feldern zu ver-teilen – für eine gute Ernte! Die Bescherung übrigens findet am Weihnachtstag statt, der Stephanstag ist in La Nation kein Feiertag mehr.

Ola – in Spanien geht’s so richtig ab!!! Dort gibt es ganze 21 traditionelle Weihnachtsgerichte – jedes davon ein kulinarischer Hochgenuss. Weihnachten ist auf der Iberischen Halbinsel das schönste Fest des Jahres – doch unterscheidet sich die Köche ganz eklatant nach den Provinzen. Eines haben alle gemeinsam: Fisch! Die Weihnachtszeit beginnt bereits am 08. Dezember, dem Tag der unbefleckten Empfängnis („La Inmaculada Concepción“) und endet mit den Heiligen Drei Königen. In dieser Zeit werden solche Vorspeisen gereicht wie etwa „Ajoblanco“ mit Mandeln und Weintrauben (eine Art Gazpacho mit viiiiel Knoblauch), „Escudella de Nadal“ mit Galets (eine Nudelsuppe mit verschiedenen Fleischsorten, Gemüse und Kichererbsen), die „Andalusischen Chicharrones“ (gebratenes Schweinefleisch mit Salz, Pfeffer Zitrone und Olivenöl), Jamón (Serrano Schinken) etc. Nun zum Fisch und damit der Hauptspeise: Allseits beliebt ist der Seehecht („Merluza“) – im Baskenland in grüner Sauce („Merluza en Salsa Verde“). Daneben gibt es aber auch den Kabeljau („Bacalao“) – in der Pfanne mit verschiedenem Gemüse zubereitet („Bacalao al Ajoarriero“) in Nordspanien, in Zentralspanien den „Besugo“ (eine spezielle Art der Seebrasse), mit Zitrone und Zwiebeln im Ofen gebacken und mit Kartoffeln angerichtet („Besugo al Horno“) usw. Auch Fleischgerichte gehören natürlich dazu, wie der Fleischeintopf „Carna Guisada“, das geschnittene Spanferkel „Cochinillo“ oder „Cordero Asado“ oder der Truthahn-Braten „Pavo al Horno“ bzw. in Katalonien auch das Topffleisch „Carn d’olla“ etc. Dort übrigens werden die Überreste des Weihnachtstages am 2. Feiertag „San Esteban“ als „Canelons“ zubereitet. Das sind grosse Nudelrohre mit Fleisch gefüllt, übergossen mit Béchamelsauce und im Ofen gebacken. Kekse gibt’s in diesem Sinne keine, allerdings †„Turrón“ (Schokolade mit Mandeln oder ohne), „Polvorones“ (einem Pulver, das vor dem Essen fest in den Handflächen gerollt werden muss) und den „Mantecados“ (wie die Polvorones, allerdings mit Butter, Mandeln und weihnachtlichen Gewürzen wie Zimt hergestellt). Sehr beliebt sind auch die kandierten Früchte („Frutas Confitadas“).

Damit in den Norden – nach Schweden. Dort heisst das Weihnachtsessen „Julmat“ und besteht zumeist aus demJulbord“. Das ist ein Buffet („Smörgåsbord“) mit den unterschiedlichsten Gerichten, bei dem sich jeder nach Geschmack bedienen kann. Es ersetzte Anfang des 20. Jahrhunderts das traditionelle Weihnachtsessen mit Brötchen, Stockfisch (“Lutfisk“) und Reisschleim als Nachspeise. Das Buffet besteht aus kalten und warmen Vorspeisen und Hauptgerichten. Als Vorspeise gilt etwa eingelegter Hering („SpeisInlagd sill“), Heringssalat („Sillsallad“), geräucherter oder gekochter Lachs („Gravad“) und natürlich Stockfisch („Lutfisk“). Die Hauptgerichte sind zumeist die warmen Speisen wie Weih-nachtsschinken („Julskinka“), Fleischbällchen („Köttbullar“), Rippchen von Schwein („ Revbensspjäll“), unterschiedlichste Würste oder ein Auflauf aus Kartoffeln und Anchovis sowie die unterschiedlichsten Kohlsorten. Daneben gehören Eier, Rote Beete, Leberpasteten und etwa auch Käse dazu. Regional gibt es auch dort Unterschiede. Die Nachspeisen sind Reisbrei („Risgrynsgröt“), Käsekuchen („Ostkaka“) oder auch Safranpfann-kuchen („Saffranspannkaka“) etc. Zwischendurch darf natürlich ebenso bei den Schweden genascht werden: Lebkuchen („Pepparkaka“), Safranzöpfe („Saffranssnurror“) oder beispielsweise auch Zuckerstangen („Polkagris“). Getrunken wird dazu ein Weihnachtsbier („Julöl“), Glühwein („Glogg“) oder der hochprozentige †„Snaps“.

Zuletzt noch ein kurzer Blick auf andere Kontinente: In den USA bringt Santa Claus ebenfalls erst am Weihnachtstag die Geschenke. Gegessen wird zumeist Truthahn. Daneben gibt es aber auch Spezialitäten aus dem guten alten Europa, wie dem Baumstammkuchen oder den Punsch. Die Kekse („Cookies“) sehen etwas anders aus als jene aus dem mittel-europäischen Backöfen – sie werden zumeist Nachbarn oder Freunden geschenkt. Aus den USA stammt übrigens die Tradition, einen Teller voller solcher Cookies und ein Glas Milch für Santa Claus auf den Kamin oder Tisch zu stellen. Das machte übrigens eine Freundin von mir. Als ich mit ihrem Sohn langsam voraus zur Kirche ging, leerte sie das Glas Milch auf einen Zug – danach war ihr fürchterlich übel.

Schliesslich zu den ausgeflippten Aussies – nach Australien. In Down Under wird der Weihnachtstag nicht selten mit dem Grill am Strand gefeiert („BBQ“) – dort ist zu dieser Zeit ja Hochsommer. Santa Claus bringt die Geschenke am Morgen des 25sten durch den Kamin. Der 2. Weihnachtstag ist der „Boxing Day“, der Startschuss für den Sommer-urlaub. Gegessen wird ein Sammelsurium aus allen möglichen europäischen Ländern – das meiste jedoch stammt aus Grossbritannien. Zu Heiligabend serviert Muttern einen Putenbraten bzw. Fisch oder sonstige Seefrüchte. Alsdann darf der „Plumpudding“ nicht fehlen, ein gekochter oder gedämpfter Pudding mit Nüssen und Rindernierenfett (heute vermehrt Pflanzenfett), getränkt in Brandy – lecker schmecker! Ich erinnere mich an eine Anekdote: Diesen Plunpudding wollte ein hochehrenvoller Professor des Akademischen Senats an der Universität Innsbruck als Abschluss des Abendessens bei einem Besuch in London verzehren. Der Ober machte ihn darauf aufmerksam, dass dies nicht wirklich eine Nachspeise ist. Dann kam der Teller! …

Nun – ich hoffe, Sie haben unsere kulinarische Rundreise genossen und bei so manchem ist Ihnen das Wasser im Munde zusammengelaufen! Was auch immer Sie davon bevorzugen, denken sie bitte daran, dass die ganze Arbeit nicht nur bei einer Frau anfallen sollte. Arbeitsteilung auch nach dem Essen gehörte für mich schon immer zu Weihnachten dazu. Zudem ist Weihnachten das Fest des Friedens – die Scheidungsquote jedoch ist ebenso wie nach dem gemeinsam verbrachten Sommerurlaub sehr hoch!

Mahlzeit!!!

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Wo bleibt denn die Buchstabenfee???

Fiel im 20. Jahrhundert das Wort “Pisa”, so dachten wohl die meisten unter uns an den Schiefen Turm, Sonne, italienisches Flair und vielleicht so manch einer auch an Pizza und Pasta! Das allerdings hat sich in den Jahren seit der Jahrtausendwende schlagartig geändert, denn der Schiefe Turm ist zwischenzeitlich umgefallen – zumindest bildungstechnisch!!!

Unter “PISA” versteht der Eingeweihte bzw. Interessierte inzwischen eine Erkenntnis, die alle drei Jahre eintritt, wenn eine spezielle Studie veröffentlicht wird: Die Erkenntnis, dass es mit der Bildung in den zivi-lisierten Staaten offenbar bergab geht! Doch wäre es verfrüht, vom Unter-gang Roms zu sprechen, denn noch kann der Karren aus dem Schlamm gezogen werden – mit gemeinsamen Bemühungen! Im dreijährigen Zyklus veröffentlicht die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) das “Programme for International Student Assessment”; Schuluntersuchungen, die messen sollen, was unsere 15- bzw. 16-jährigen Kinder eigentlich alles draufhaben, wenn es um die alltags- und berufsrelevanten Kenntnisse geht! Offiziell heisst dies: „das Wissen, die Fähigkeiten, die Kompetenzen, … die relevant sind für persönliches, soziales und ökonomisches Wohlergehen“ (OECD 1999). Dabei soll das Wissen bereichsspezifisch eingesetzt werden um authentische Probleme zu lösen. Soll heissen, die Aufgaben werden in “Persönliche oder kulturelle Kontexte eingebettet!”. Die Aufgaben werden teilweise in Multiple Choice oder als offene Fragen gestellt. In jedem teilnehmenden Staat werden zumindest 5.000 Stichproben gezogen, die Studien selbst im Auftrag der Regierungen durchgeführt und sind beliebig erweiterbar – etwa durch Bundesländervergleiche (PISA-E) oder ein nochmaliges Testen derselben Klasse ein Jahr später (PISA-International Plus) bzw. auch durch die Hinzunahme der Eltern (PISA-Elternstudie). Dabei werden insgesamt drei Bereiche abgefragt: Lesekompetenz, Mathematik und Naturwissen-schaften! Mittels Schwerpunktsetzung sollen diese auch alle drei Jahre betont werden: Lesen, Mathematik, Naturwissenschaften und schliesslich wieder Lesen! Damit sind wir in der Gegenwart gelandet: Beim letzten Test 2022 war das Lesen an der Reihe, 2025 sind es die Naturwissen-schaften! Die erst kürzlich veröffentlichte Studie behandelt (nicht nur, aber vorzugsweise) das geschriebene Wort! Und da erlebte dieser Tage so mancher Bildungs-Verantwortliche sein blaues Wunder!

Kurz zu den Lese-Schwerpunkt-Ergebnissen, die anderen seien hier nur gestreift: 81 Staaten (im Jahr 2000 waren es noch 32 Staaten), darunter 37 der 38 OECD-Länder und 25 von 27 Mitgliedsstaaten der EU, mehr als 690.000 Schüler/-innen beteiligten sich heuer daran. In Deutschland waren es 6.116 aus 257 Schulen, in Österreich 6.151 per Zufalls-Code ausgesuchte Probanden von 302 Schulen. Österreich erzielte mit 480 Punkten einen Schnitt, der über dem OECD-Schnitt (476) und jenem der EU (472) liegt. In Mathe waren es 487 Punkte (OECD 472, EU 474), in den Naturwissenschaften 491 (OECD 485, EU 483). Im Lesen schnitten die Mädchen, in den beiden anderen Bereichen naturgemäss die Burschen besser ab. In Deutschland liegen alle drei Werte im Vergleich zu 2018 darunter: Lesen 480 Punkte, Mathe 475 und Naturwissenschhaften 492.

Jubel also im Alpenstaat? Weit gefehlt – es gilt, noch viel anzupacken. Schliesslich nahmen hier zwei der drei Werte im Vergleich zu 2018 ab: -4 im Lesen, gar -15 in der Mathematik und +1 in den Naturwissenschaften. In Deutschland ist grosses Trübsalblasen angesagt: -18 im Lesen, -25 in Mathe und -11 in den Naturwissenschaften! Padauz – die schlechtesten Werte seit lang, langer Zeit! Die Gründe dafür sieht Berlin in den pandemiebedingten Einschränkungen und der heterogenen Herkunft der Schülerschaft – etwa aus Familien mit sozialen Risikolagen.

“Die Befunde der PISA-Studie sind besorgniserregend!“

(Dr. Jens Brandenburg, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundes-ministerium für Bildung und Forschung)

Nun – auch andere Staaten haben mit diesen Gründen zu kämpfen – so ist der OECD-Schnitt ebenso leicht gesunken. Doch zum Vergleich:

  1. Singapore (Lesen 543, Mathe 575, Naturwissenschaften 561)
  2. Japan (Lesen 516, Mathe 536, Naturwissenschaften 547)
  3. Südkorea (Lesen 515, Mathe 527, Naturwissenschaften 528)

Weiters:

  • Estland – bester EU-Staat (Lesen 511, Mathe 510, Naturwissenschaften 526)
  • Schweiz (Lesen 483, Mathe 508, Naturwissenschaften 503)

Das sind ganz andere Welten!

DAS Problem ist das sinnergreifende Lesen – das Lesen also, bei welchem man im Nachhinein zusammenfassen kann, was gelesen wurde.

Schon vor Jahren meinte etwa der Bildungsforscher Klaus Klemm von der Universität Duisburg-Essen, dass zwischen 2000 (dem 1. PISA-Test) und 2003 (dem 2. PISA-Test) ein riesiger Sprung nach vorne gemacht werden konnte, danach aber dümple Deutschland nur so vor sich hin. Einzelne gesetzte Massnahmen im Bildungssektor haben gegriffen – andere wiederum nicht. Das kognitive Lesen etwa richtet sich sehr stark nach der Herkunft – dem sozialen Umfeld des Jugendlichen. Dieses lässt sich nicht – wie etwa die Mathematik – innerhalb nur weniger Stunden lernen. Und das Lesen ist der Schlüssel zur Welt, so Klemm. Starten etwa Kinder mit migrantischen Hintergrund in erster Generation in der Grundschule ganz normal, so brechen sie am Ende der 2. Klasse ein – wenn dem Lesen eine tragende Rolle zukommt (zuwanderungs- und sozialbedingte Dispari-täten). Sie liegen mit rund 60 Kompetenzpunkten gegenüber gleichalten Schulkameraden zurück, die zuhause Deutsch sprechen – das sind umge-rechnet etwa 1,5 Schuljahre (vor 20 Jahren waren es noch 3 Jahre). Nach wie vor ist zu beobachten, dass Kinder aus Akademikerfamilien bessere Schulleistungen erbringen. ABER – auch hier sinkt das Verhältnis!

Interessant ist zu vermerken, dass die Verwendung moderner Medien (also etwa des Internets) keinerlei Auswirkungen auf die Testleistungen zeigt. So wird der Computer seit Jahren vermehrt in die moderne Päda-gogik eingebaut! Allerdings kommt auch dem Buch wieder eine wesentlich grössere Bedeutung zu. So sollen Kinder aus sozial schwachen und bildungsfremden Familien möglichst früh an Bücher herangeführt und deren Eltern zum Vorlesen motiviert werden. Mit dem Bildungs-monitoring und dem Vorschlag etwaiger Massnahmen betraut ist das Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen. Der erste Schwer-punkt – und da sind sich offenbar alle einig – ist die Stärkung der Basis-kompetenzen. Für Kinder mit Migrationshintergrund etwa bedeutet dies eine gezielte Sprachförderung in der frühen Bildung und zudem eine gezielte Unterstützung von sozial benachteiligten Kindern und Jugend-lichen etwa durch das Start-Chancen-Programm, das jedoch selbst nicht wirklich unumstritten ist.

All diese Probleme gibt es selbstverständlich auch in Österreich! Hier wurde PISA bereits zu einem festen Bestandteil der qualitätssichernden Massnahmen im Bildungsbereich und der damit befassten Bildungspolitik. Direkt dem Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung unterstellt ist das IQS – das Institut des Bundes für Qualitätssicherung im österreichischen Schulwesen. Hier werden wohl viele Köpfe rauchen, gilt es doch, nach all den bejubelten, allerdings anscheinend eher halb-seidenen Reformen im Schulsystem endlich Lösungen zu finden, die den Alpenstaat wieder auf Spur bringen.

Sowohl für Deutschland als auch für Österreich gilt es allerdings primär ein grosses Problem als erstes anzugehen: Den Lehrermangel! Gab es in früheren Zeiten eine Lehrerschwemme, so gehen die Baby-Boomer nun alle in Pension. Lehramtsstudenten und zurückgeholte Pensionisten müssen aushelfen. In manchen Bundesländern wird mit Prämien, Wohnung, etc. um entsprechendes Personal geworben. Das allerdings fehlt dann wieder am Herkunftsort. Hinzu gesellt sich der Image-Verfall des Berufstandes an sich. Früher hochangesehen, heute für viele Eltern, die offenbar selbst nicht in der Lage sind, ihre Kinder richtig zu erziehen, Fussabstreifer! So unterstrich schon vor mehr als 10 Jahren der Bildungspolitiker Andreas Salcher gegenüber der Tageszeitung „Öster-reich“ den Unterschied zur damaligen europäischen Nummer 1 (der OECD-Nummer 2 nach Korea): In Finnland ist der Beruf des Lehrers hoch angesehen. Nur die besten Studienabsolventen würden angenommen (von zehn im Schnitt nur einer). Damit zählen diese Pädagogen auch zur geistigen Elite des Landes. Daneben müssen sie sich restriktive weiterbilden und werden bei der Ausübung Ihres Berufes von einem Netz von anderen Spezialisten unterstützt: Sozialarbeitern, Medizinern und etwa auch Psychologen! Ausserdem erhält jedes Kind sozusagen einen eigenen Lehrplan – bedingt durch ein leistungsorientiertes und talentdifferenziertes Kurssystem.
Was geschah seither in Österreich?

Die Wissenschafter betonen immer wieder, dass PISA nicht etwa als Leistungsranking anzusehen ist. Vielmehr sollen Stärken und Schwächen der einzelnen Bildungssysteme ausfindig gemacht werden! Alle drei Jahre wird somit eine neue Diskussion über den Bildungssektor eingeläutet. Hierbei treffen die Meinungen von Experten beinhart aufeinander. Dabei sollte allerdings eines nicht vergesen werden: Der Jugendliche selbst! Er steckt mitten in der Sturm und Drang-Phase der Pubertät. Somit sollte dies in die Ursachenforschung mit einbezogen werden: Den Unterricht für diese Altersgruppe interessant zu machen, den Unterricht erlebenswert aufzubauen! Das stupide Stucken, das unsereins noch machen musste um das Abitur/die Matura zu bestehen – das sind Unterrichtsmethoden aus dem Jahr Anno Schnee!!!

PISA 2025 wird webbasiert, also Online, stattfinden. In Österreich ist die Teilnahme am Test verpflichtend, wenn man ausgelost wurde. Wenn Sie sich, liebe Leser, selbst testen wollen, hier geht es zu den freigegebenen Beispielaufgaben:

https://iqs.gv.at/pisa-freigegebene-aufgaben

Nettes Detail am Rande: Die PISA-Studie wurde von einem Deutschen entwickelt, dessen schulische Leistungen in der Grundschule einen Wechsel ins Gymnasium nicht zuliessen!

PS: Tipp- und Rechtschreibfehler sind durchaus beabsichtigt; schliesslich kommt der Autor aus Österreich!!!

Lesetipps:

.) Die Pisa-Studie – Ein kritischer Blick hinter die Ergebnisse; Sandra Schülke; GRIN 2012

.) Die PISA-Studie; Maike Wörsching; GRIN 2013

.) Menschenbild der PISA-Studie für Erwachsene; Anja Franz; VDM 2010

.) Die PISA-Studie und das Bildungskonzept der OECD im Kontext neoliberaler Gouvernementalität; Christoph Schwarz; GRIN 2008

.) Die Pisa-Studie: Fluch oder Segen? Darstellung kontroverser Standpunkte anhand eines Unterrichtsentwurfs; Maurice Gangl; GRIN 2019

.) Die Konsequenzen der PISA-Studie für die deutsche Bildungspolitik; Kerstin Felkel; GRIN 2013

Links:

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Weltklimagipfel – Erneutes Eingeständnis der Ohnmacht???

Ein Schelm, der erwartet, dass bei der Weltklimakonferenz COP 28 in Dubai ein durchschlagender Erfolg für das Klima, für unsere Umwelt erzielt werden könnte! Anstatt dessen werden sich die Vertreter von knapp 200 Staaten dieser Erde erneut auf einen faulen Kompromiss einigen – dafür werden schon Russland, China und Saudi Arabien verant-wortlich sein. Erstere werden sich gegen alles stellen, was aus dem Westen kommt, China hat Angst vor einem weiteren Einbruch seiner Wirtschaftszahlen und die Saudis wollen ohnedies stets den Reibach machen. Anders ist die Drosselung der Förderquoten, die diese Woche festgelegt wurde, damit der Rohöl-Preis wieder steigt, nicht zu erklären. Russland und Saudi Arabien werden es sehr rasch umsetzen, einige andere OPEC-Mitglieder jedoch nicht! Ähnlich wie die Zusammenkünfte zuvor ist auch in Dubai keinerlei Einigung zu erwarten – auch hier droht eine Verlängerung des Gipfels. Kommt es alsdann dieses Mal zu einem seit Jahren ohnedies gewohnten Eilverfahren durch den Präsidenten von COP-28, Sultan al-Dschaber, um zumindest die Gipfeldokumente ab-zeichnen zu können? Aber – dies ist ja sowieso vollkommen gleichgültig. Schliesslich sind die Zusagen auf dieser Veranstaltung nicht verbindlich. Soll heissen, dass die Versprechen etwa zu Kyoto oder Paris von den meisten Ländern nicht eingehalten wurden. Vorbildlich etwa Japan und Kanada: Beide Länder sind vor einigen Jahren aus dem Vertrag ausge-treten, um auf freiwilliger Basis unter die vereinbarten Werte zu kommen. Ob sie es geschafft haben, sei dahingestellt.

Gefeiert wurde allerdings das Versprechen zu Beginn der Konferenz: Deutschland und die Vereinigten Arabischen Emirate (Gastgeber) werden jeweils 100 Mio US-Dollar in den Klimafonds einzahlen! Ähnliche Zusagen kamen auch von Grossbritannien (75 Mio), den USA (25 Mio) und Japan (10 Mio)! Sollte allerdings Donald Trump wieder US-Präsident werden, so wird beim zweitgrössten CO2-Ausstosser, den USA, wohl nur warme Luft davon übrig bleiben. Und China als weltgrösster CO2-Produzent? Kurz mal nachgedacht und sofort verworfen! Aus diesem Fonds übrigens werden Schäden beglichen, die aufgrund des Klimawandels durch Natur-ereignisse vornehmlich in der Dritten Welt angerichtet werden. Ein Tropfen auf den heissen Stein, denn: Sollte es so weitergehen, werden viele Inseln und Festland-Uferregionen im Meer untergehen. Und dies sehr rasch. Schon für 2030 werden die Kosten der Schäden durch Trockenperioden, Überschwemmungen, Erdrutsche etc. auf 580 Milliarden Euro geschätzt – jedes Jahr. Deshalb muss sich in den Ländern selbst vieles ändern – Deutschland und auch Österreich etwa werden die gesteckten Klimaziele nicht erreichen. Trotz des Ausbaus der Wind-energie und der E-Mobilität.

Es ist mehr als bedenklich, schliesslich geht es um unseren Planeten!

Die Rede des deutschen Bundeskanzlers Olaf Scholz fand am Samstag statt. Scholz forderte alle Staaten zum raschen Ausstieg aus den fossilen Energieträgern auf – allen voran der Kohle und dem Öl. Daneben verwies er nochmals auf die Bildung eines „Klimaclubs“, den er bereits beim G7-Gipfel in Ellmau vorgestellt hatte. 33 Staaten interessierten sich dafür.

Neu in Dubai ist der Klimaschutz im Agrarsektor. Obgleich dieser Sektor in vielen Schattierungen für den Klimawandel verantwortlich zeichnet (Methan, CO2, Grundwasser,…), war der Bereich bislang gänzlichst von allen Verträgen ausgenommen. Dieser Tage unterzeichneten jedoch mehr als 130 Staaten die „Emirates Declaration on Sustainable Agriculture, Resilient Food Systems and Climate Action“, die auch Massnahmen in der Landwirtschaft und dem Lebensmittelsektor vorsieht.

EU-Kommissions-Präsidentin Ursula von der Leyen klopfte sich selbst auf die Schulter und schlug das CO2-Bepreisungsmodel der EU im Emissionhandel allen anderen Staaten und Staatenbünden vor. Es wäre das mächtigste System um klimaschädliche Emissionen zu reduzieren, bei trotzdem steigender Innovation und Wirtschaftskraft. Einerseits seien in den 18 Jahren des Bestehens des EU-Emissionshandelssystems (EU-ETS) die dadurch erfassten Emissionen um fast 40 % gesunken, andererseits wurden mehr als 175 Milliarden Euro eingenommen, die dem Klima-schutz, der Innovation oder auch den Entwicklungsländern zugute kamen. Dieser Emissionsrechtehandel wurde im Jahr 1966 durch Thomas Crocker von der University of Visconsin/Milwaukee erfunden. Eine Ober-grenze an unterschiedlichen Emissionen darf innerhalb einer speziellen zeitlichen Spanne (etwa ein Jahr) für eine gewisse Region (etwa Deutschland) nicht überschritten werden. Hierfür werden Zertifikate bis hin zu dieser Obergrenze ausgegeben. Soll nun der Ausstoss an Abgasen reduziert werden, stehen im kommenden Jahr weniger dieser Verschmutzungsrechte zur Verfügung. Jedoch kann eine Region, die solche Zertifikate nicht zur Gänze braucht, diese an die Klimaver-schmutzer weiterverkaufen. Der Handel allerdings ist begrenzt. Die europäischen Länder und auch Japan haben sich dazu verpflichtet, diese nicht verbrauchten Verschmutzungrechte nicht zu verwenden. Polen wollte einst die Papiere trotzdem weiterverkaufen, was aber im Endeffekt dann doch verhindert werden konnte.

Dennoch gehen die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) ganz im Gegenteil zu den Saudis mit gutem Beispiel voran. So hat Staatspräsident Scheich Muhammad bin Zayid Al Nahyan versprochen, einen Investment-fonds für den Ausbau regenerativer Energie einzurichten. Die Einlage: 30 Milliarden US-Dollar! Der Fonds soll durch andere Investoren auf bis zu 250 Milliarden ansteigen.

Bei alledem muss die Frage gestellt werden: Muss diese Konferenz wirklich stattfinden? Über 70.000 Delegierte sind vorort – das ist doppelt so viel wie noch im Vorjahr im ägyptischen Scharm El-Scheich. Was das für das Weltklima bedeutet – eine Berechnung für die deutsche Dele-gation (Quelle: myclimate.org): 250 Regierungsmitarbeiter mit Personen-schützern, zudem Bundestagsabgeordnete und private Teilnehmer! 9.200 km von Berlin nach Dubai! Ein Flug in einem Airbus A-330 über diese Strecke verursacht 3,1 Tonnen CO2 in der Premium Economy, in der Business Class gar 8,1 to! Ich überlasse es gerne Ihnen, dies auf die notwendigen Hin- und Retour-Flügen auszurechnen, da ja nicht alle in ein- und demselben Flugzeug sitzen!

Das Jahr 2023 brach alle dagewesenen Rekorde. Es wird nach ersten Ein-schätzungen das wohl wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Ob die angestrebte Grenze von 1,5 Grad Temperatur-Erhöhung im Jahr 2100 eingehalten werden kann, ist mehr als fraglich. Hätten die Verschmutzer ihre Zusagen eingehalten, stünden wir heute in einer anderen Ausgangs-position. Doch wurde viel zu lange dahingewartet – jetzt die Ziele erreichen zu wollen, bedeutet wohl umgreifende Änderungen im täg-lichen Leben eines jeden Einzelnen. Um nicht zu sagen: Das ist unmög-lich! „Hallo?“ werden nun einige lauthals schreien: „Ich fahre mit dem Bus!“ Ja, sehr löblich – wirklich. Doch wie viele Produkte haben Sie aus China in Ihrem Haushalt stehen oder liegen? Bevorzugen Sie auch im Winter T-Shirt-Raumtemperaturen? Apropos – wie sieht’s mit den Dämm-werten Ihres Hauses aus? Wohin fliegen Sie in Ihrem Urlaub?

Was nützt all das Geld dem kleinen Bauern, der Jahre gebraucht hat, um eine Ernte zu erhalten, von welcher er gerade mal so leben kann, wenn diese und seine Wohnhütte innerhalb von Minuten von Wasser oder Muren zerstört wird – anstatt weltweit die Emissionen von Treibhaus-gasen stark einzuschränken, wodurch die Ursache bekämpft worden wäre.

Es ist zwar sehr schön, wenn Deutschland bzw. Österreich die Kyotoziele möglicherweise doch einhalten, andere Staaten aber nach wie vor aus vollen Schornsteinen ballern!

Kohlen- und Schwefeldioxid oder auch Methan kennen keine Grenzen. Die Insel der Seeligen wird es zumindest klimatologisch nicht geben. Im Gegenteil: Die Erdatmosphäre wird sich bis ins Jahr 2100 um geschätzte vier Grad erwärmen! Viele Paradiese, die auf Atollen entstanden, werden aufgrund der Schmelze der Polkappen und der Gletscher auf Grönland untergehen. Überflutungen in ehemaligen Urwaldgebieten werden tau-sende Opfer fordern. Der Regenwald als Wasserspeicher ist ja nicht mehr da! Dürrekatastrophen werden für grosse Hungersnot sorgen. Auch Europa hat bereits mit Naturerscheinungen wie Hurricanes oder Wind-hosen Bekannschaft machen.

Gilt somit auch heuer wieder:

Ausser Spesen nichts gewesen?

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Grippe – nicht auf die leichte Schulter nehmen

Für viele ist der Herbst die schönste Zeit des Jahres. Die Natur zeigt sich in all ihrer farblichen Pracht, es ist nicht mehr zu heiss für Wanderungen, zuhause wird es am heimischen Ofenfeuer wieder kuschelig, …

Doch – mit der kalten Jahreszeit kommt leider wieder die Grippezeit. Durch die beheizten Räume trocknen nämlich die menschlichen Schleim-häute in den oberen Atemwegen wie Nasen- und Nebenhöhlen sowie im Rachen aus. Hier werden eindringende Keime und Erreger aus der Luft normalerweise als erstes bekämpft und unschädlich gemacht. Das Immunsystem des Menschen ist somit geschwächt. Hinzu kommt ausser-dem, dass sich mehr Menschen zugleich in geschlossenen Räumen auf-halten. Deshalb können auch ansonsten sehr gesunde Menschen rascher erkranken. Die Wissenschaft ist sich noch nicht wirklich einig, doch sollte dies tatsächlich der Grund für die vielen Krankenstände sein. Nicht die Annahme, dass sich die Erreger im kalten Milieu rascher vermehren.

Ist es dann geschehen, so gilt es einiges zu beachten, damit die Erkrankung richtig therapiert werden kann. Dabei liegt der grösste Fehler zumeist in der Unterscheidung der wirklichen Grippe („Influenza“) mit dem grippalen Infekt (Erkältung).

.) Die Influenza

Die Inkubation liegt bei 1-2 Tagen – damit bricht diese Erkrankung spontan aus. Die Symptome sind:

– Hohes Fieber

– Hitzewallungen

– Schüttelfrost

– Atemnot

– Schmerzen in Kopf, Hals und den Gliedmaßen

– Abgeschlagenheit

– Appetitlosigkeit

Die wirkliche Grippe sollte nicht unterschätzt werden, da sie den Körper gewaltig beansprucht und somit schwächt. Deshalb ist bei diesen Symp-tomen ein Arztbesuch stets empfehlenswert, damit die richtigen Medika-mente verwendet werden, da beispielsweise Antibiotika in den meisten Fällen von Viruserkrankungen nicht helfen. Die wirkliche Grippe wird durch die Orthomyxoviren ausgelöst, die in die Typen A, B, C und D (um die Wichtigsten zu nennen) unterteilt werden. Die Subgruppen A und B sind hierzulande relevant. Bei Influenza A-Viren richtet sich die Namens-gebung nach den Subtypen – wie etwa A(H1N1) der Spanischen Grippe, A(H2N2) der Asiatischen Grippe, A(H3N2) der Hongkong-Grippe oder A(H7N9) der Vogelgrippe. Der Typus B wird in die Victoria- und die Yamagata-Linie unterteilt. Typ C (FLUC) weist zu wenige Unterschiede auf, sodass es hierbei zu keinen weiteren Unterteilungen kommt. Typ D gleicht Typ C, infiziert aber vornehmlich Schweine und Rinder. Typisch für die meisten dieser Viren ist die spikeartige Oberflächenstruktur. Die Übertragung erfolgt in den häufigsten Fällen durch die Luft (Aerosol – Tröpfcheninfektion) oder durch Körperkontakt, wobei dies jedoch auch über beispielsweise Türgriffe oder Haltegriffe in öffentlichen Verkehrs-mitteln geschehen kann. Ein unmittelbarer Körperkontakt ist also nicht erforderlich. Das hohe Fieber ist der Hinweis darauf, dass das Immun-system des Körpers auf Hochtouren läuft und alle Gegenmassnahmen ergriffen werden, die Eindringlinge zu bekämpfen. Während der Grippe ist Bettruhe unbedingt vonnöten. Damit der Körper wieder mehr Flüssigkeit auch für die Schleimhäute produziert, sind Kräutertees oder verdünnte Fruchtsäfte empfehlenswert. Gegen die Appetitlosigkeit hilft zumeist Oma’s Lieblingsrezept: Die Hühnersuppe – oder auch eine andere kräftige Suppe. Zudem sollte viel geschlafen werden, da der Körper dann mehr Reserven zur Bekämpfung der Erkrankung mobilisieren kann. Von sport-licher Betätigung ist abzuraten – dies kann zu einer Herzmuskel-entzündung (Myokarditis) führen, die durchaus lebensbedrohend ablaufen kann. Die durchschnittliche Dauer der Erkrankung liegt nach dem Ausbruch bei 5-7 Tagen, die wirkliche Grippe kann aber auch mehrere Wochen andauern. Während dieser Zeit sollte zudem keiner Arbeit nachgegangen werden, da einerseits der Erkrankte schon einen Tag vor dem Ausbruch und mehrere nach dem Abklingen der Grippe ansteckend bleibt. Andererseits bedingt Stress die raschere Vermehrung sowie die leichtere Infektion durch die Erreger.

.) Der grippale Infekt

Vieles des bei der wirklichen Grippe bereits geschilderten gilt auch für den grippalen Infekt. Dennoch gibt es einige wichtige Unterschiede: Die Erkältung ist zumeist eine Erkrankung der oberen Atemwege, also der Nasen- und Nebenhöhlen sowie der Rachenschleimhaut. Die Grippe hin-gegen zeigt sich auch in den unteren Atemwegen – der Lunge. Nach der Inkubation (12 Stunden bis drei Tage) kündigt sich der grippale Infekt über mehrere Tage vorher mit seinen Symptomen (Husten, Frösteln, Krankheitsgefühl, rinnende Nase, …) an, bei ihm entfällt zudem in den meisten Fällen das hohe Fieber, obgleich auch hier eine erhöhte Körper-temperatur auf die Arbeit des Immunsystems hinweist. Und schliesslich sind für die Übertragung mehr als 200 unterschiedliche Viren wie etwa die Corona-, Parainfluenza- oder Rhino-Viren verantwortlich. Nur einige wenige schaffen auch den Weg in die Bronchien, wo sie eine Bronchitis auslösen können. Die typische Erkältung dauert über eine Woche bis zehn Tage an. Ein Arztbesuch ist zumeist nur dann notwendig, wenn die Krankheit länger andauert oder ständig wiederaufkeimt.

Während eine Erkältung in den meisten Fällen harmlos vonstatten geht, kann die wirkliche Grippe schwerwiegende Folgen v.a. für Risiko-Patienten aufweisen. So ist bei Kindern das Immunsystem noch nicht voll-ständig ausgebaut, weshalb bereits ein grippaler Infekt zumeist heftiger als bei einem Erwachsenen vonstatten geht. Auch bei Senioren, durch Vorerkrankungen geschwächte Menschen oder Patienten mit einer Immunschwäche wie Aids etwa ist erhöhte Vorsicht geboten. Hier empfehlen Mediziner die jährliche Impfung.

Das Serum wird aufgrund der virologischen Situation des vorange-gangenen australischen Winters zusammengestellt. Für die Produktion gelangen zumeist Hühnereier zur Anwendung, weshalb sich Menschen mit einer entsprechenden Allergie oder Veganer nach Ersatzlösungen erkundigen müssen. Die Erreger werden schliesslich abgetötet oder nur Teile davon gespritzt. Eine Erkrankung an diesen Viren ist somit nach der Impfung nicht möglich.

Die Abgeschlafftheit jedoch ist das richtige Signal dafür, dass der Körper die Eindringlinge bekämpft und Abwehrstoffe aufbaut. Allerdings kann sich das Grippevirus leicht verändern. Die erste Grippewelle findet zumeist im Oktober/November statt. Danach begibt sich das Virus auf Erdumrundung und kehrt gegen Februar wieder zurück (nur in tropischen Gebieten besteht eine Ganzjahres-Saison). Inzwischen nun können sich Subtypen gebildet haben, die durch die Impfung nicht abgedeckt werden. Während solcher Grippewellen werden zwischen 5-20 % der Bevölkerung infiziert. Eine besonders starke Grippewelle trat 2012/13 auf – weltweit gab es 20.000 Todesfälle, alleine in Deutschland 30.000 Krankenhaus-Einweisungen. Gegen eine Erkältung wird grundsätzlich nicht geimpft.

Damit Sie einer möglichen Infektion durch Grippe- oder Erkältungsviren vorbeugen können, sollten Sie mehrere Massnahmen während der kalten Jahreszeit berücksichtigen:

  • Stärken Sie Ihr Immunsystem – †Bewegung im Freien, Sport, vitamin- und mineralstoffreiche Ernährung durch vermehrten Obst- und Gemüse-konsum, Wechselduschen und Verzicht auf Nikotin und Alkohol.
  • Hygiene – Waschen Sie sich öfters am Tag ausgiebig die Hände mit Seife. Vor allem nach Personenkontakten, nach dem Toilettengang und vor dem Essen. Vermeiden Sie Berührungen der Hände mit Mund, Nase und Augen – hier kann es zu Übertragungen kommen. Verwenden Sie Einmal-Taschentücher und entsorgen diese nach Gebrauch auch sofort.
  • Frischluft – Zuhause und auf der Arbeit sollte öfters kurz gelüftet werden – nicht mit gekipptem, sondern mit weit geöffnetem Fenster, da nur auf diese Weise ein wirklicher Luftaustausch erfolgt.
  • Soziale Kontakte – Meiden Sie den Kontakt zu erkrankten Personen, machen Sie einen grossen Bogen um Menschenansammlungen und halten Sie Abstand zu Ihrem Gegenüber. Auch das Schütteln von Händen sollte in Grippezeiten möglichst unterlassen werden.

Daß mit der wirklichen Influenza nicht zu spaßen ist, zeigt die Melde-pflicht: In Deutschland muss die Grippe nach einem Direktnachweis der Influenzaviren durch den Arzt gemeldet werden. In Österreich besteht eine Meldepflicht für „Infektionen mit Influenza A/H5N1 oder anderem Vogelgrippevirus“ („Vogelgrippe“). In der Schweiz nur bei der Entdeckung eines neuen A-Subtypus mit „pandemischen Potenzial“.

Zuletzt noch ein wichtiger Hinweis für alle Arbeitnehmer:

Ist ein arbeitsunfähiger Mitarbeiter durch den Arzt krankgeschrieben, so muss er nach einem Urteilsspruch des deutschen Bundesarbeitsgerichtes (November 2016) auch nicht zu einem Personalgespräch erscheinen. Doch Achtung: Krankmeldung heisst nicht automatisch Arbeitsunfähig-keit – das entscheidet der Arzt. Gilt auch für Österreich! Liegt keine Arbeitsunfähigkeit vor, so kann auch ein krankgemeldeter Arbeitnehmer durchaus zum Erscheinen am Arbeitsplatz verpflichtet werden. In beiden Fällen – arbeitsunfähig oder krankgemeldet – muss der Mitarbeiter erreichbar sein. Allerdings nicht unbedingt zuhause. Hier zählt die Ansage des Arztes: Bettruhe etwa bedeutet Bettruhe! Alle Aktivitäten, die eine Genesung gefährden, können zum Kündigungsgrund werden. Werden Sie beispielsweise während einer Krankschreibung aufgrund eines Bandscheibenvorfalles im Fitnessstudio im Kraft- oder Ausdauerbereich anstelle bei der Physiotherapeutin oder bei Bronchitis in Ihrer Stamm-kneipe beim Rauchen ertappt, so ist dies nicht wirklich von Vorteil. Der Arbeitgeber kann auch jemanden vorbeischicken oder einen Detektiv beauftragen (wie mehrfach in der Schweiz geschehen) – es besteht jedoch keine Einlasspflicht. Die Krankmeldung muss am ersten Krankheitstag erfolgen – das ärztliche Attest muss spätestens am 3. Arbeitstag dem Arbeitgeber vorliegen – hier allerdings kann es dienstvertragliche Aus-nahmen geben. Der Durchschlag des Attestes ist für den Arbeitgeber, das Hauptblatt für die Krankenkasse, damit bei längerem Krankenstand das Krankengeld beantragt werden kann.

Lesetipps:

.) Influenza: Virologie, Epidemiologie, Klinik, Therapie und Prophylaxe; Werner Lange/Georg E. Vogel/Helmut Uphoff; Blackwell Wissenschafts-Verlag 1999

.) Alles über die Grippe, die Influenza und die Impfungen; Stefan Lanka; Wissenschafftplus 2008

.) Keine Chance für Grippe und Erkältung: So wird Ihr Immunsystem unbezwingbar; Dr. Joel Fuhrmann; riva 2018

.) Grippe und Erkältungen natürlich heilen: Vorbeugen – behandeln – auskurieren; Markus Sommer; Freies Geistesleben 2009

.) Grippe und Infekte (Yang Sheng 4): Gesund leben mit Chinesischer Medizin: Rezepte, Übungen und mehr (Yang Sheng / Die Kraft in mir); Johannes Bernot/Andrea Hellwig-Lenzen u.a.; oekom verlag 2019

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Aspartam – die gefährliche Süsse?

An dieser Stelle wurde bereits das Risiko von zu viel weissem Zucker (Haushaltszucker) für die menschliche Gesundheit erörtert (Übergewicht, Diabetes, …). Doch – was wäre so manches Produkt ohne Süssmacher? Also begaben sich so manche Lebensmittel-Chemiker auf die Suche nach einem Ersatz-Süssstoff. Mit Erfolg! Neben vielen anderen Lösungen entstand u.a. C14H18N2O5 – Aspartam! Allerdings eher unbeabsichtigt. Gefeiert wie eine Revolution, birgt dieser Süssmacher allerdings einige mögliche Risiken in sich! Ob auf ihn oder auf Produkte mit ihm zuge-griffen wird, bleibt natürlich jedem selbst überlassen. Allerdings sollte jeder Konsument informiert sein, welche möglichen Folgewirkungen von ihm ausgehen können – auch wenn Industrie und Politik stets darauf hinweisen: Die Tagesdosis macht’s aus!

Aspartam ist der Metylester des Dipeptids L-Aspartyl-L-phenylalanin – klingt schon mal recht gesund! 1965 versuchte sich der Chemiker James M. Schlatter an der Synthese des Peptidhormons Gastrin. Dabei stiess er aus purem Zufall auf diesen süssen Stoff. Seinem Unternehmen, der G.D. Searle & Company, half dies freilich nicht viel, führten doch Tierversuche an Ratten zu dem Resultat, dass der Stoff möglicherweise karzinogen ist und somit Krebs erregen kann. Die US-Behörde Food an Drug Administration (FDA) liess den Stoff deshalb über Jahre hinweg nicht zu – das Unternehmen wurde 1985 von Monsanto und schliesslich von Pfizer übernommen. Erst 1981 erhielt Aspartam unter dem Namen “NutraSweet” die Zulassung, nachdem im Jahr zuvor eine Gruppe unabhängiger Wissenschafter Aspartam als möglichen Auslöser von Gehirntumoren ausschloss – allerdings nach wie vor auf die Karzinogenität bei Ratten hinwies. Zwei Jahre später wurde Aspartam zuerst in kohlesäurehaltigen Getränken wie Limonaden, zehn Jahre später anderen Getränken sowie Süss- und Backwaren hinzugefügt – später auch ohne Verwendungs-beschränkung. In Deutschland wurde Aspartam durch die Zusatzstoff Zulassungs-Verordnung vom 13. Juni 1990 zugelassen. Das Patent auf Aspartam ist bereits 1992 abgelaufen – jeder kann es seither erzeugen. Deshalb ist Aspartam inzwischen unter den Bezeichnungen “NutraSweet”, “Equal” und “Canderel” erhältlich.

Über das chemische Verfahren zur Herstellung von Aspartam, möchte ich mich heute nicht auslassen – dies kann für alle interessierten Chemiker und Hobby-Chemiker in der Fachliteratur nachgelesen werden. Nur soweit noch zu den Eigenschaften: Süss, farblos, kristallin, in Wasser löslich, Schmelzpunkt 248-250 Grad Celsius. Sein Energiegehalt liegt bei 17 kJ pro Gramm – ähnlich jenem von Zucker. Allerdings mit der 200-fachen Süsskraft von Zucker. Beim Backen kann sich Aspartam in seine Einzelkomponenten zerlegen – L-Asparaginsäure, L-Phenylalanin und Methanol! Dadurch verliert der Stoff seine Eigenschaft als Süssmacher.

Aspartam wird inzwischen in mehr als 2.500 Nahrungsmitteln und Getränken in Europa verwendet (Pudding, Fertiggerichten, Kaugummi, Frühstücksflocken,…). Besonders beliebt in Diät- und Light-Produkten, obgleich die Weltgesundheitsorganisation WHO schon vor geraumer Zeit darauf hingewiesen hat, dass sich Aspartam nicht zum Abnehmen eignet, da aufgrund der enorm starken Süsskraft nur geringe Dosen eingesetzt werden. Zucker sorgt beim Verzehr ab einem gewissen Zeitpunkt für ein Völle-Gefühl – chemisch hergestellte Süssmacher jedoch nicht: Die meisten werden sofort wieder ausgeschieden. Dadurch kann es zu einer Abhängigkeit führen, da das Hungergefühl durch den Verzehr nicht gesenkt wird.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) führte in diesem heurigen Jahr eine Untersuchung zum Süssstoffgehalt bei energie- und zucker-reduzierten Erfrischungsgetränken durch. Dabei kam es zu folgenden Resultaten: In 67 von 92 untersuchten Getränken befand sich Aspartam in unterschiedlichen Konzentrationen – Teekaltgetränke 31,8 mg/l, Limo-naden 0,05-117, Cola- und Colamischgetränke 11-492 und schliesslich Energydrinks 144 mg/l.

Nun zum Problem: Die “Metabolisierung”! Der Aspartat-Phenylalanin-Methylester wird durch eine intestinale Esterase in AsPhe und Methanol gespaltet. Das Methanol wird direkt zu Kohlenstoff-Dioxid bzw. Formaldehyd verstoffwechselt. AsPhe hingegen zu den proteinogenen Aminosäuren Phenylalanin und Asparginsäure. Aspartam wird also im Darm nahezu komplett abgebaut. Nur ein geringer Energieanteil gelangt in den Blutkreislauf. Phenylalanin hemmt jedoch die Produktion eines Enzyms, das im Darmepithel gebildet wird und die sog. “Intestinale Alkalische Phosphatase” (IAP) senkt – die Aufnahme von Endotoxinen und dadurch beispielsweise die Gefahr eines metabolischen Syndroms bei zu fettreicher Nahrung. In Tierversuchen wurde beobachtet, dass die Tiere zu Fettleibigkeit und gestörter Glukosetoleranz neigten. Menschen mit der angeborenen Stoffwechselerkrankung Phenylketonurie müssen deshalb auf Produkte mit Aspargam verzichten. Auf allen Waren mus somit in den Inhaltsstoffen auf Aspargam hingewiesen werden (in Deutschland etwa §5 der Lebensmittelzusatzstoff-Durchführungs-verordnung), beispielsweise durch den Hinweis E951.

Eine weitere Studie aus dem Jahr 2013 befasste sich mit den Auswertungen von zahlreichen Untersuchungen zum Zusammenhang von Aspartam und dem neuro-physiologischen Befinden (Depressionen, Migräne, Kopfschmerzen, …). Hier blieben jedoch viele Fragen offen.

Die durch die EU festgesetzte Erlaubte Tagesdosis (ETD) sollte 40 mg/kg Körpergewicht nicht überschreiten (in den USA 50 mg/kg Körpergewicht). Das Problem: Aus allen Nahrungsmitteln, die Aspartam enthalten, muss die eingenommene Menge addiert werden! Wer kann das und wer macht dies?!

Übrig bleibt letztlich die Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation, dass Aspartam “möglicherweise krebserregend” ist und nicht zur Körpergewichtsreduzierung taugt. Grundsätzlich – so die Gesundheits-experten – kann der Verzehr von Süssstoffen zu Typ2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Problemen führen.

Links:

Lesetipps:

.) Naturstoffchemie – Eine Einführung; Gerhard Habermehl/Peter Hammann/Hans Christoph Krebs; Springer 2008

.) Handbuch Süssungsmittel – Eigenschaften und Anwendung; Hrsg.: Gert-Wolfhard von Rymon-Lipinski; Behr 1991

.) Lehrbuch der Lebensmittelchemie; Werner Grosch/Peter Schieberle; Springer 2008

.) Handbuch Lebensmittel-Zusatzstoffe; Kuhnert/Muermann/Salzer; Behr 1991

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Was können denn die Gänse dafür???

Warnung: Der heutige Blog ist nichts für Zartbesaitete! Leser/-innen mit schwachen Nerven sollten v.a. Abstand von den verlinkten Videos nehmen. Trotzdem wieder mal ein trauriger Fingerzeig darauf, was Menschen an unschuldigen und wehrlosen Tieren verbrechen!

Der heilige Martin von Tours war ein gar bescheid’ner Mann! Als ihn das Volk von Tours zum Bischof wählen wollte, soll er sich in einem Gänse-stall versteckt haben. Einem Bettler gab er seinen Mantel, den Kranken half er, die Sterbenden begleitete er. Sein Namenstag wird am 11. November gefeiert! Weshalb hingegen sehr viele der armen Gänse ausgerechnet rund um diesen Tag ihr meist qualvolles Leben beenden müssen, ist noch nicht ganz geklärt. Denn: Auch die Gänse sind Geschöpfe Gottes (Genesis, Moses 2-19), die nicht auf diese unmensch-liche Art gehalten oder getötet werden sollten – besonders nicht zu Ehren von Heiligen! Doch wie ist es möglich, hier einen Bezug herzustellen?!

Einerseits begann in früheren katholischen Zeiten am 11. November eine vierzehntägige Fastenzeit. Davor wurde nochmals so richtig geschlemmt. Andererseits ist der 11. November ein sog. „Zinstag“. Hier begannen und endeten etwa Pachtverträge, Arbeitsverhältnisse,… Das musste natürlich gefeiert werden. Auch die Lehnspflicht („Martinsschoss“) war am 11. November fällig. Sie bestand meist aus einer oder mehreren Gänsen. Viele Bauern wollten ihre Tiere zudem nicht durch den Winter füttern. Die Legende vom Heiligen Martin besagt ferner, dass eines schönen Tages eine ganze Gänseschar die Predigt des Bischofs störte. Das Federvieh wurde eingefangen und zu einer Mahlzeit für die Kirchengemeinde verarbeitet – andere Zeiten, andere Gebräuche.

Somit lässt sich also das Naheverhältnis zwischen dem Heiligen Martin und der Martinigans erklären. Und schön knusprig gebraten, mag sie vielleicht auch tatsächlich ausgezeichnet schmecken, kann ich mir vor-stellen. Hatte der Vogel ein erfülltes Leben, habe ich eigentlich auch nichts gegen diese Schlachtungen. Doch werde ich in diesem Blog auf-zeigen, dass dies in den meisten Fällen nicht so ist.

Viele der Gänse sterben noch bevor sie ein Jahr alt sind. Zeit ihres Lebens wurden sie wegen Ihrer Daunen gerupft oder mussten im Akkord Küken produzieren. Das jedoch war schon einmal Inhalt einer meiner Aus-führungen. Die Schlachtung ist dann vielfach eine Erlösung für die armen Geschöpfe.

Und dann gibt es die anderen. Jene, die gemästet werden. Glücklich können sich jene schätzen, die wie in diesem Video genügend Auslauf haben.

https://www.ardmediathek.de/video/natuerlich/wo-sich-bio-gaense-wohlfuehlen/swr/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvbzE1NzM1MTU

Andere hingegen verbringen die Hölle auf Erden – v.a. wenn sie gestopft werden. Diese Tiere sollen keinen Auslauf haben, da es weniger um ihr Fleisch als vielmehr um ihre Leber geht. In Frankreich eine gern gesehene Delikatesse („Foie gras“) – auch hierzulande finden sich immer wieder sog. „Kulinarische Feinspitze“, die zu Gabel und Messer greifen und sich dieses grausame Machwerk der Tierhaltung schmecken lassen. Aus der Fettleber entsteht übrigens auch die Gänseleberpastete („Paté de Foie“). Bei diesem „Stopfen“ („Gavage“) wird dem Tier über drei bis vier Wochen 3- bis 4-mal täglich ein 50 cm langes Rohr in den Hals geschoben. Durch dieses wird ein stark gesalzener Futterbrei direkt in den Magen gepumpt – jede Fuhr entspricht rund 20 % des Gesamtgewichtes der Vögel! Der Brei besteht zu 95 % aus Mais und zu 5 % aus Schweineschmalz. Meist sind auch Antibiotika enthalten. Die mechanisierte Fütterung dauert drei Sekunden – so können pro Stunde rund 400 Tiere gestopft werden. Ein Gummiband um den Hals soll das Erbrechen der Tiere verhindern. Eine solche gestopfte Leber wiegt bei der Schlachtung zwischen einem bis zwei Kilogramm, eine normale im Vergleich hingegen nur 300 Gramm. Der Fettgehalt liegt alsdann bei 40-50 %. V.a. Triglyceride lagern sich in dem Organ an. Eine solche Überfütterung der Vögel fand bereits im alten Ägypten gegen 2500 v. Chr. statt. Frankreich ist in der „Produktion“ mit 75 % Weltmarktführer. Damit Sie eine Vorstellung über das Ausmass des Ganzen bekommen: Jedes Jahr werden alleine in Frankreich, Ungarn, Spanien und Bulgarien mehr als 24.000 Tonnen (!) Fettleber produziert, rund 96 % davon kommt von Enten. Mehr als 25 Mio Tiere mussten hier-für ihr Leben lassen. Zirka 30.000 Menschen sind in diesem Industrie-zweig vornehmlich im Elsass und im Perigord beschäftigt. Haupt-abnehmer der traurigen Delikatesse ist neben Frankreich selbst auch Spanien. Doch Deutschland liegt mit 121 Tonnen (im Jahr 2004) bereits an Stelle Nummer 5 – Verbrauch übrigens steigend. Bis zu 70,- € muss der Konsument für ein Kilogramm Stopfleber auf den Tisch blättern. 70,- € für sechs Monate Höllenqualen eines Tieres! Und nun zur perversen Tatsache: In 22 der 27 EU-Staaten (darunter auch Deutschland und Österreich, aber auch die Schweiz) ist das Stopfen verboten (so auch in Australien, Argentinien, Israel und der Türkei) – der Verkauf der Produkte jedoch genehmigt! Eigentlich ist die Herstellung von Stopfleber in der EU grundsätzlich verboten, da dies gegen die EU-Richtlinie 98/58CE verstösst (Schutz von Tieren auf Zuchtfarmen – „Die Art des Fütterns und Tränkens darf den Tieren keine unnötigen Leiden oder Schäden verur-sachen.“) – in Deutschland auch gegen § 17 sowie § 3 TSchG. Deshalb hat die Tierschutz-Lobby-Organisation PETA Anfang 2022 gegen viele Restaurantbetreiter, die die Stopfleber auf ihrer Speisekarte haben/hatten Strafanzeige wegen „Beihilfe zur quälerischen Tiermisshandlung“ erstattet. Man möchte es nicht glauben – doch hat die indische Regierung als bislang einzige den Import dieser Produkte untersagt – ein gutes Beispiel. In der Schweiz wurde ein solches Einfuhrverbot in den Jahren 2017 bis 19 diskutiert – der Ständerat jedoch lehnte eine entsprechende Gesetzesvorlage ab. Immer wieder gab es auch in unseren Breitengraden Initiativen: So erstattete die Tierschutzorganisation PETA anno 2008 Strafanzeige gegen rund 50 Restaurants und deren Köche – erfolglos. Im Oktober 2012 scheiterten mehrere EU-Parlamentarier bei ihrem Versuch, die Herstellung von Stopfleber zu verbieten – selbes Spiel im Juli 2019, als einige dänische Abgeordnete vor dem Hintergrund der moralischen Grenzen ein Importverbot durchsetzen wollten. In Frankreich ist die „Gavage“ gar seit 2004 „Nationales und gastronomisches Kulturerbe“ und damit von etwaigen Tierschutzgesetzen ausgenommen. Enten etwa werden innerhalb von nur 7-8 Wochen dermassen gemästet, dass ihre Leber zum Schlachtzeitpunkt 4-5mal grösser als das normal Organ ist.

Und damit leider noch kein Ende! Nach all dieser lebenslangen Tortur hat sich in Rouen und Umgebung eine weitere grausame kulinarische Spezialität gebildet: Die Blutente („Canards au sang“)! Hier wird die Ente in einem Vakuumkasten erstickt. Somit bleibt das Blut im Körper – es sorgt für ein etwas rötliches Fleisch. Das Tier muss innerhalb von zwei Stunden nach seinem Tod zubereitet werden und wird hierfür nur kurz angebraten, damit das Blut und das Eiweiss nicht gerinnt. Das deutsche Tierschutzgesetz verbietet diese Tötungsart, das Lebensmittelgesetz das Schlachten ohne Blutentzug. In Österreich ist dies hingegen durch die Schlachtverordnung v.a. für rituelle Tötungen genehmigt. Nach EU-Gesetz dürfen jedoch auch Blutenten hierzulande verkauft werden.

Lobend zu erwähnen sei, dass der US-Promi-Starkoch mit öster-reichischen Wurzeln, Wolfgang Puck, seit 2006 keine Gänseleber mehr anbietet. Zudem wurde 2004 in Kalifornien ein Gesetz auf den Weg geschickt, das die Herstellung und den Verkauf mit Federn oder anderer Produkte von gestopften Enten und Gänsen verbietet. Eine Klage dagegen wurde durch den Supreme Court zurückgewiesen. Es trat zum 01. Juli 2012 in Kraft. Wieso ist es dort machbar – in unseren Breitengraden jedoch nicht? Die Unterschrift unter dieses Gesetz hat übrigens kein Geringerer als der 38. Gouverneur des Landes, der in Österreich geborene Arnold Schwarzenegger gesetzt. Auch der Stadtrat von Chicago versuchte ein solches Verkaufsverbot durchzudrücken – die Verordnung wurde jedoch zwei Jahre später anno 2008 wieder aufgehoben. In New York City jedoch untersagt seit Oktober 2019 ein Gesetz den Verkauf. Bei Missachten der Verordnung droht ein Bussgeld von bis zu 2.000 US-Dollar.

Welche Qualen diese Tiere durchzumachen haben, war ihnen anzusehen. Immer mehr Prominente unterstützen deshalb Initiativen, die an die Gaumenfreude unserer Mitbewohner appellieren: Nein zur Martini-Gans und v.a. Nein zur Stopfleber. So meinte beispielsweise der Obmann des Tierschutzvereins „Animal Spirit“, Dr. Franz-Joseph Plank:

„Es ist unmoralisch, ein ‚Luxus‘-Produkt zu verkaufen bzw. zu verzehren, welches so viel Leid verursacht hat!“

Auch die beiden durch die UNO anerkannten Tierschutzorganisationen „WSPA“ und †„Advocates for Animals“ haben zum Verzicht auf französische Gänseleber-Produkte aufgerufen.

†Auf dieser Website können Sie eine Petition in Deutschland unterschreiben, um den Bundes-Landwirtschafts- und Verbraucherminister Cem Özdemir vom Bündnis 90/Die Grünen zu weiteren Massnahmen „anzuregen“ – verpflichten kann man ihn leider nicht.

Zurück zum Heiligen Martin: Jedes Jahr landen alleine in Österreich vornehmlich zu Martini oder zu Weihnachten rund 300.000 Gänse auf den Festtagstischen. Und mit „heimischer Produktion“ ist da leider nicht viel los: Etwa 90 % stammen von industriellen Mastbetrieben aus Ungarn, Polen oder Frankreich. Keulen und Brust sind in der Stopfleber-Produktion zumeist Abfallprodukte – finden sich jedoch nicht selten auf den Tellern der Feinspitze wieder. Auch in Deutschland werden 7 von 8 Gänsen importiert. In diesen Dunstkreis der Tierfolter fallen nun auch jene Gänsebauern, die Ihren Tieren sechs Monate „Leben“ ermöglichen. Mit Auslauf, normaler Nahrung und der benötigten Weidemöglichkeit. Deshalb sollte es doch auch im Interesse jener Bauern sein, wenn solche grauenhafte Tierhaltung und der Handel der daraus entstehenden Pro-dukte verboten wird. Da lobe ich mir den Martini-Brauch in Süd-deutschland, wo die Kinder, die gerade vom Martini-Laternenumzug zurückkommen, kleine Martinigänse aus gebackenem Keks- oder Hefeteig erhalten.

Die Gans hat in den Legenden und Sagen immer wieder eine herausragende Bedeutung. Gänse haben im alten Griechenland die Tempel bewacht, das römische Capitol soll aufgrund des Geschnatters der Gänse vor dem Angriff der Gallier gerettet worden sein. Julius Cäsar rühmte den Anmut und den Geist der Gänse, Konrad Lorenz baute seine Verhaltenspsychologie nicht etwa auf Beobachtungen der Spezies „Mensch“ auf, sondern verdankt seine Erkenntnis den Graugänsen. Wieso vergehen sich dann ausgerechnet jene Menschen an den anmutigen Vögeln, die von sich aus behaupten, etwas besseres zu sein und sich diesen Luxus leisten wollen? Zudem – weshalb schiessen Jäger zusätzlich Wildgänse aus Skandinavien, die in Bundesländern wie Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt überwintern möchten (im Jahr 2001 waren es nicht weniger als 35.000 Vögel, nach Angaben des Komitees gegen den Vogelmord). Darunter auch sehr viele Kraniche. Immer wieder jagen Hobbyschützen ausserdem in Naturschutzgebieten – 2003 wurden 27 solcher illegaler Jäger angezeigt.

PS: Achten Sie beim Kauf einer Ente oder Gans darauf, dass auch die Innereien enthalten sind. Fehlen diese, so könnte es sich um eines dieser armen Tiere handeln, das die schlimmste Tortur durchgemacht hat, die man einem Tier nur antun kann. Hier können Sie überprüfen, ob dies der Fall ist:

https://media.4-paws.org/3/4/1/c/341c447033b172d0db2c64cf0cf4711bd1372637/20170327_Positivliste_deutsch_aktualisiert__2_.pdf

PPS: Angesichts solcher Bilder, solcher Zahlen empfinde ich es als mehr als geschmacklos, dass der Morgenmoderator eines bayrischen Rundfunksenders einst meinte, dass er nun auch alle Martinigänse begrüsse, an diesem Tage, der ihr letzter sein werde!

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Das Märchen von der Gleichberechtigung

In Österreich wurde am 31. Oktober der „Equal Pay Day“ (EPD) begangen – „Gefeiert“ ist in diesem Zusammenhang absolut der falsche Ausdruck! Doch was bedeutet dieser ganz besondere Tag, der inzwischen in nahezu jedem Land der westlichen Hemisphäre als Mahndatum gelten soll? In Österreich gar zweimal – in der islamischen Welt hingegen undenkbar!

Der „Equal Pay Day“ ist in diesem Falle jener Tag, ab dem Frauen statistisch gesehen für den Rest des Jahres kostenlos arbeiten. In der Frühjahrsversion jener Tag, bis zu dem … – in Deutschland das nächste Mal am 06. März 2024! Beides im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen. Anders ausgedrückt: Bis zu diesem Tag im Herbst haben Männer das verdient, was Frauen für das komplette Jahr ausbezahlt bekommen. Zwei Monate bzw. regional sogar noch mehr, in welchen Männer mehr Geld auf dem Lohnzettel stehen haben als ihre Kolleginnen mit vergleichbarer Qualifikation in vergleichbaren Jobs! Hallo? Wir schreiben das Jahr 2023!!!

Dieser Missstand ist auch als „Geschlechter-Gehaltsschere“ bekannt. Beschämend der EU-Indikator „Gender Pay Gap“: Dieser Lohnunterschied im Jahres-Brutto-Einkommen bei Vollbeschäftigung lag 2021 im Alpen-staat bei 18,8 % (derzeit bei 16,9) während sich der EU-Schnitt im selben Jahr bei 12,7 % bewegte. V.a. das westlichste Bundesland Vorarlberg schlägt dabei aber sowas von zu: Der Equal Pay Day lag dort dieses Jahr beim 02. Oktober (22 %) – in Wien hingegen erst am 21. November!!!

https://ec.europa.eu/eurostat/statistics-explained/index.php?title=Gender_pay_gap_statistics

Nur Estland ist mit 20,5 % in der EU noch schlechter. Am anderen Ende der Tabelle liegt Luxemburg mit -0,2 (Frauen verdienen hier ein paar Cent mehr als Männer), gefolgt von Rumänien mit 3,6 und Slowenien mit 3,8 %. Deutschland bewegt sich gleich nach Österreich bei 17,6, die Schweiz bei 17,7 % (alle Zahlen 2021). Eine Schande für reiche Industrie-staaten, die eigentlich diesen Gleichheitsgrundsatz jeweils in der Verfassung/dem Grundgesetz verankert haben.

Dass gar nichts getan wird, stimmt nicht: Es wird zu wenig und zu lang-sam für gleiche Bezahlung unternommen!

“Lohndiskriminierung ist ungerecht und schwächt unsere Gesellschaft als Ganze. †Lohngleichheit zwischen Frauen und Männern ist ein zentrales Verfassungsversprechen, das es endlich einzulösen gilt.”

(Alain Berset, Bundesrat, Vorsteher des Eidgenössischen Departements des Innern EDI)

Der Equal Pay Day wurde bereits 1966 in den USA eingeführt; organisiert durch das „National Committee on Pay Equity“ (NCPE), dem unter-schiedliche Frauenorganisationen, die Gewerkschaften uvam. angehören. Der Hintergrund: Damit sollte, drei Jahre nach dem Beschluss der Gleich-behandlung durch die US-Regierung, auf die ungerechte Ungleich-behandlung der Frauen, insbesondere aber der afro-amerikanischen Frauen hingewiesen werden. Auf dem europäischen Kontinent waren 3.800 Frauen im belgischen Herstal die ersten: Sie legten am 16. Februar 1966 ohne Vorwarnung die Arbeit nieder. Eigentlich sollte der Streik nur einen Tag lang dauern – daraus wurden aber 12 Wochen. 2007 folgte Deutschland mit der “Red Purse Campaign” nach Vorbild der USA, wonach mit roten Taschen auf die Ungleichbehandlung am Arbeitsplatz hinge-wiesen werden sollte, ein Jahr später kam der EPD. Die Eidgenossen setzten ihn erstmals 2009 fest – dort trat am 01. Juli 2020 ein Gesetz zur besseren Durchsetzung der Lohngleichheit in Kraft. In Österreich wurde der Equal Pay Day erstmals im Jahr 2010 berechnet (ein Jahr später auf Initiative der EU-Kommission in Europa) – damals lag er beim 29. September, 2022 beim 30. Oktober – also nur einen Tag vor dem diesjährigen. Diese auf der nationalen Einkommensdifferenz berechnete Zahl wird vom Jahr abgezogen – ob hinten oder vorne ist eigentlich gleichgültig. Hinten jedoch erweckt einen sensibleren Eindruck! Am 06. Juni 2023 trat eine neue EU-Richtlinie in Kraft, die bis 2026 derartige Lohnunterschiede transparenter machen und damit abschaffen soll. Definiert werden alsdann “gleiche” und “gleichwertige” Arbeit. Enthalten ist zudem die Pflicht zu Einkommensberichten (auch in kleineren Unter-nehmen) und eine Aufschlüsselung der durchschnittlichen Gehälter. Arbeitnehmer-Vertretungen fordern die sofortige Umsetzung der Richtlinie – nicht so eilig hingegen haben es naturgemäss die Arbeit-geber.

Die Ursachen für diese Ungleichbehandlung sind vielfältig: Frauen leisten mehr unbezahlte Arbeit als Männer (Haushalt, Kindererziehung, Ehren-amt,…), haben zumeist eine geringfügige oder Teilzeit-Beschäftigung (“Care-Beschäftigung” für die Familie), arbeiten oftmals in Niedriglohn-Branchen, haben schlechtere Aufstiegschancen, erhalten tatsächlich ein geringeres Gehalt, …!

Was kann veranlasst werden? Neben dem Meinungswechsel der Chefs bedarf es auch eines Ausbaus von Kinderbetreuungs-Einrichtungen, Ganztags-Schulen etc., sodass Frauen nach der Karrenz wieder in’s Berufsleben einsteigen bzw. Vollzeit arbeiten können. Die Handhabung der letzten Jahrzehnte führt automatisch im letzten Lebensabschnitt vieler Frauen zur Altersarmut. Davon sind vor allem alleinstehende Frauen betroffen.

Den verantwortlichen Sozialpolitikern der DACH-Länder sei deshalb etwa Island an’s Herz gelegt: Verpflichtende Papa-Karenz, Wochenends- und Nacht-Kitas (für die Schichtarbeiter) und gleiches Gehalt bei gleicher Arbeit für Frau und Mann per Gesetz. Island lag übrigens 2021 im EU-Gehaltsscheren-Vergleich bei 10,4 %.

Lesetipps:

.) Gender Pay Gap – Vom Wert und Unwert von Arbeit in Geschichte und Gegenwart; Hrsg.: Rainer Fattmann; Dietz 2023

.) Arbeit, Entlohnung und Gleichstellung in der Privatwirtschaft; Hrsg.: Hans-Böckler-Stiftung; edition Sigma 2010

.) Frauen auf dem Sprung. Wie junge Frauen heute leben wollen. Die Brigitte-Studie; Pantheon 2009

.) Sieben Jahre Equal Pay Day – Eine Forderung wird zur Kampagne; Hrsg.: BPW Germany; BWV Berliner Wissenschafts-Verlag 2015

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Sahra Wagenknecht – von links aussen zur Überfliegerin???

„Die DDR war das friedfertigste und menschenfreundlichste Gemein-wesen, das sich die Deutschen im Gesamt ihrer bisherigen Geschichte geschaffen haben!“

(Sahra Wagenknecht 1994)

Tatsächlich starker Tobak, was die junge Frau Wagenknecht da vor rund 30 Jahren behauptete! Und dies, obwohl sie einige Jahre zuvor die vor-militärische Ausbildung für Schüler als „extrem belastend“ (eigene Aussage) empfand. Essstörungen – das Regime legte ihr dies als Hunger-streik aus und erteilte ihr ein Studienverbot. Ihr wurde der Posten einer Sekretärin zugewiesen, den sie nach nur drei Monaten kündigte – unvor-stellbar in dem „friedfertigsten und menschenfreundlichsten Gemein-wesen“. 1989 trat sie schliesslich der SED bei und wurde umgepolt. Der Mauerfall war für sie eine Konterrevolution.

Dennoch meinte sie 2008:

„Aber wirkliche Demokratie gibt es im Kapitalismus so wenig wie in der DDR!“

(Sahra Wagenknecht im Interview mit der Süddeutschen Zeitung)

Jetzt mal ohne Sch…: Ich entdeckte mein Interesse für Sahra Wagen-knecht relativ spät! Als sie bei Anne Will von der Reinigungskraft sprach, die nach 20 oder 25 Jahren die Kündigung erhielt und schliesslich einen Job zum Mindestlohn annehmen musste, wie eine Anfängerin ohne ein-schlägiger Berufserfahrung. Zugegeben: Ich kannte ihre Vorgeschichte nicht. Endlich, endlich ist mal jemand da, der meine Meinung teilt und sich getraut, den Mund aufzumachen, dachte ich. Zudem auch durchaus was für die Augen. Etwas schockiert war ich dann später, als sie mit ihren Aussagen so gar nicht mehr dem entsprach, was ich mir unter deutscher Politik vorstelle. Seit der Corona-Krise, v.a. aber dem russischen Angriffskrieg habe ich mich gänzlichst von ihr abgewendet. Das Festhalten an Putin und die Nähe zum russischen Aggressor erscheint mir als viel zu gering – auch wenn sie sich für so manche Aussage ent-schuldigte:

„Allerdings gebe ich zu: Dass Putin tatsächlich so weit gehen würde, wie er es jetzt getan hat, hätte ich nicht für möglich gehalten. In der Einschätzung seiner Person und Berechenbarkeit habe ich mich leider geirrt. Für diesen völkerrechtswidrigen Krieg gebe es keine Recht-fertigung oder Entschuldigung.“

Für all jene nun, die meinen, ich müsse mich objektiv äussern, möchte ich darauf hinweisen, dass dies ein Blog ist. Entspricht in der gedruckten Version wohl einer Kolumne – die ist immer subjektiv! Für all jene also an der Zeit, weiter zu klicken! Sie werden allerdings etwas versäumen!

Die Ankündigung Sahra Wagenknechts, eine eigene Partei gründen zu wollen und der letztwöchige Ausstieg aus der Linkspartei (gemeinsam mit vorerst acht anderen Abgeordneten) lässt die Politikwissenschaftler in der Bundesrepublik jubeln: Endlich tut sich was, nachdem sich die alteingesessenen Parteien in melancholischem Nichtstun aalen: „Schluchz, die Anderen sind dran schuld!“ Schliesslich könnte eine solche neue Partei die grosse Anzahl von Protestwähler auf sich vereinen und damit der populistischen Rechten viele Stimmen kosten, die dadurch auf ihre Stammwählerschaft und alsdann auf unter 10 % zurückfallen würde.

Doch – ist dem wirklich so? Sind die Unterschiede, die es in der heutigen Politik nurmehr marginal gibt, wirklich so gross – zwischen rechts und links?

„Ich bitte Sie: Kommen Sie zu uns.“

(Björn Höcke, Rechtsaussen der AfD, im Februar 2023 auf einer Kund-gebung in Dresden)

Lassen Sie uns gemeinsam etwas intensiver reinschnuppern!

Anlässlich des 40. Jahrestages des Mauerbaus am 13. August 2001 ver-fasste der Bundesparteivorstand der damaligen PDS (heute Linkspartei) einen Beschluss, in dem es heisst, der Mauerbau

„war der in Beton gegossene Nachweis der Unterlegenheit des stalinistisch geprägten Sozialismustyps in der DDR. (…) kein Ideal und kein höherer Zweck kann das mit der Mauer verbundene Unrecht (…) politisch rechtfertigen!“

Diese Erklärung wurde nach heftiger Diskussion mit nur einer Gegen-stimme im Bundesparteivorstand genehmigt – jener von Sahra Wagen-knecht, damals in der „Kommunistischen Plattform“.

Gemeinsam mit Alice Schwarzer veranstaltete Sahra Wagenknecht 2023 in Berlin die Kundgebung „Aufstand für den Frieden“. Dort rief sie zu einem Ende der Waffenlieferungen an die Ukraine auf und Russland ein Ver-handlungsangebot zu unterbreiten. Das „Manifest für Frieden“ wurde durch viele Linkspolitiker massiv kritisiert – einer der ersten Unter-zeichner allerdings war der Fraktionschef der AfD, Tino Chrupalla. Eine Position also, wie sie auch von rechten Kräften vertreten wird, die nachweislich durch den russischen Präsidenten Putin unterstützt werden. Somit wird der vorhin zitierte Satz von Björn Höcke von „Der Flügel“ der AfD leichter verständlich. Die komplette Verantwortung an diesem russischen Angriffskrieg schob sie „Teilen des politischen Establishments der USA“ zu. Die Ukraine sollte niemals Mitglied der NATO werden.

Schon 2016 gab es Lob von der AfD. Anlass hierfür waren die Übergriffe in Köln in der Silvesternacht, nachden Wagenknecht meinte, dass jener sein Gastrecht verwirkt hat, der dieses missbraucht. Ein Satz, den auch viele andere Politiker damals aussprachen. Doch Alexander Gauland von der AfD jubelte:

„Frau Wagenknecht hat die Situation sehr schön auf den Punkt gebracht!“

Damals stellte sich nahezu die komplette Fraktion der Linkspartei gegen ihre Vorsitzende – nur sechs waren der gleichen Meinung. Wagenknechts neuer Partei allerdings könnte diese Auffassung viele Wählerstimmen bringen – jene von Arbeitslosen und Geringverdienern, die um die staatlichen Zuschüsse, Jobs und die Sozial-Wohnungen fürchten müssen. Stimmen, die bislang die AfD eingesammelt hat, obgleich sie ja so keineswegs eine Sozialpartei ist.

Als am 27. Januar 2010 der damalige israelische Ministerpräsident Shimon Peres im deutschen Bundestag eine Rede hielt, standen alle Abgeordnete auf um zu applaudieren. Nur Frau Wagenknecht und zwei Abgeordnetinnen der Linkspartei blieben sitzen. Sie meinte hierzu:

„Einem Staatsmann, der selbst für Krieg mitverantwortlich ist, kann ich einen solchen Respekt nicht zollen!“

Eigentlich eine durchaus verständliche Meinung. Doch wäre es wohl besser gewesen, der Sitzung fernzubleiben und dies im Vorfeld zu erklären. Damals freute sich die NPD wohlwollend. Es sollte allerdings nicht vergessen werden, dass Peres anno 1994 den Friedensnobelpreis erhielt.

Ganz allgemein hat sich Sahra Wagenknecht bislang sehr wenig über Wladimir Putin und seine andere Seite ausgelassen: Die militärische Aufrüstung, das Bedrohungspotential Russlands an den Grenzen zum Westen, die Annexion der Halbinsel Krim und die geplante Annexion der Ostukraine, die brutalen militärischen Eingriffe in Tschetschenien, Syrien, Aserbeidschan, … Sein Umgang mit Kritikern, die diktatorische Innen-politik gegenüber des eigenen Volks, die Erpressungen des Westens durch Gas- und Öllieferungen, … Kommt Frau Wagenknecht ihrer sowjetischen Ideologiewurzeln nicht aus? Nein – nicht kommunistisch – Putin wehrt sich stets dagegen, als Kommunist abgetan zu werden. Sahra Wagenknecht ist eine stets aufmotzende Oppositionspolitikerin, die sich jedoch bislang vor der Übernahme von Ressort-Verantwortung gedrückt hat, wenn die Möglichkeit bestand. Bei Rechts spricht man hierbei von Populismus! Wieso nicht auch bei Links???

Bei der Gründung ihres neuen Vereins „Bündnis Sahra Wagenknecht“ (BSW) forderte die Links-Abtrünnige die „Rückkehr der Vernunft in der Politik“. Ob es hier die wirkliche Demokratie geben wird, die Wagenknecht stets einforderte, darf alsdann bezweifelt werden. Schliesslich berichten ehemalige Parteikollegen, dass Wagenknecht stets absolute Gefolgschaft einforderte. Insofern rückt auch die Bezeichnung ihres Vereins ins richtige Licht. Nicht die AfD, nein Bündnis 90/Die Grünen bezeichnet Sahra Wagenknecht zudem als „die gefährlichste Partei im Bundestag“. Experten sprechen ganz allgemein von Wagenknechts „Verwischen der Grenzen zwischen Diktatur und Demokratie“!

Apropos BSW: Gemeinsam mit der neuen Vereinsstrippenzieherin traten auch die Co-Vorsitzende der Bundestagsfraktion der Linkspartei, Amira Mohamed Ali, Christian Leye, Lukas Schön, Klaus Ernst, Alexander Ulrich, Sevim Dagdelen und Jessica Tatti aus der Linkspartei aus.

Schade eigentlich, könnte doch mit einem ernst zu nehmenden Angebot aus der politischen Mitte wirklich eine Alternative geschaffen und das degenerierte Volksparteien- und Politiksystem durch einem der Zeit entsprechenden wählbaren Inhalt ersetzt werden.

Wie die neue mögliche Alternative vom Wählervolk angenommen wird, zeigt sich wohl bei den Landtagswahlen von Thüringen, Brandenburg und Sachsen im kommenden Jahr. Drei Bundesländer, in welchen die AfD sehr stark vertreten ist.

Lesetipps:

.) Zu jung um wahr zu sein? – Gespräche mit Sahra Wagenknecht; Hans-Dieter Schütt; Dietz 1995

.) Kapital, Crash, Krise – Kein Ausweg in Sicht! Frage an Sahra Wagenknecht; Pierre Curieux; Pahl-Rugenstein 1998

.) Von links bis heute: Sahra Wagenknecht; Das neue Berlin 2019

.) Reichtum ohne Gier – Wie wir uns vor dem Kaspiutalismus retten; Sahra Wagenknecht; Campus 2016

.) Die Selbstgerechten – Mein Gegenprogramm; Sahra Wagenknecht; Campus 2021

.) Wagenknecht – Deutsches Volk & nationaler Sozioalöismus; Hrsg.: Klaus Weber/Wolfgang Veiglhuber; Argument Verlag 2022

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Wenn Essen krank macht

Bereits mehrfach habe ich an dieser Stelle über unser Ernährungs-verhalten berichtet. Nahrungsmittel, die zumindest nicht dauerhaft verspeist, solche, die überhaupt gemieden werden sollten und jene, die zwar stets empfohlen werden, aber unter Umständen Inhaltsstoffe ent-halten, die unserem Körper gewaltig zusetzen können: Biologisch (Salmo-nellen, Streptokokken,..) oder chemisch (MOAHs, Pestizide,…). Heute möchte ich (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) einen Überblick verschaffen, was Lebensmittelchemiker tagtäglich in unserer, teils sogar einst sehr gesunden Nahrung entdecken. Wahrlich nichts für empfind-liche Mägen!!!

Gesetze regeln eigentlich, dass Otto Normalverbraucher nichts auf seinem Frühstückstisch vorfindet, das gesundheitsschädlich ist. Eigens dafür wurden in den meisten Fällen Grenzwerte eingeführt, die garan-tieren sollen, dass uns unser Essen nicht krank macht. Rechnet man jedoch die Inhaltsstoffe mit einem solchen Grenzwert pro Produkt zusammen, so wird dieser Tagesgrenzwert meist überschritten, in manchen Fällen gar weit. Hinzu kommt, dass sich so mancher Hersteller nicht wirklich ernsthaft Gedanken darüber macht, was sein Produkt beim Konsumenten anrichten kann. Für ihn stehen betriebswirtschaftlich v.a. zwei Faktoren an erster Stelle:

  1. Einfache und günstige Produktion
  2. Möglichst hohe Gewinnspanne

Zur Erreichung dieser Ziele wird inzwischen häufiger als in früheren Zeiten auf durchaus gefährliche Hilfsmittel zurückgegriffen. Und die haben’s teilweise faustdick hinter den Ohren.

Vorweg – zum besseren Verständnis – noch die Definition von Verun-reinigung und Schadstoffen. Verunreinigt ist ein Nahrungsmittel, wenn es Substanzen enthält, die entweder beim Heranwachsen der Pflanze durch die Umwelt aufgesogen werden (etwa Dioxin) oder während der Pro-duktion in das Lebensmittel gelangen (etwa Benzpyren). Schadstoffe oder Rückstände hingegen werden gezielt von Produzenten eingesetzt – aus welchem Grund auch immer (beispelsweise Hormone oder Unkrautver-nichtungsmittel).

Hier nun zu unserem Schreckensalphabet!

.) Acrylamid

Acrylamid entsteht beim Backen, Braten und Frittieren. Bekannt wurde die Substanz vornehmlich durch Chips, Pommes Frittes und auch Speku-latius-Keksen. Dabei reagiert das Eiweiss Asparagin mit Zucker – das Produkt wird dadurch braun. Acrylamid schädigt Gene und Nerven – im Tierversuch führte es zu Krebs. Politik und Produzenten haben teils darauf bereits reagiert – so dürfen etwa Chips und Pommes nicht mehr zu heiß frittiert werden. Besonders viel Acrylamid entsteht so etwa bei Temperaturen ab 175 Grad. Allerdings hängt dies auch davon ab, wieviel Wasser und wie lange der Grundstoff enthält. Wird nur kurz frittiert, bleibt Wasser im Endprodukt. Andererseits wurden Heissluftfritteusen auf den Markt gebracht. Als Anhänger schöner, kross frittierten, selbst-gemachten Pommes: Ouch!!! Denn: Je heller, umso besser! Übrigens: Verwenden Sie beim Backen kein Hirschhornsalz, da dies die Bildung von Acrylamid forciert. Und nun zur Hiobsbotschaft: Acrylamid ensteht auch beim Rösten. Etwa bei Getreide, Müsli oder auch Kaffeebohnen! Für Acrylamid gibt es keine Grenzwerte, dafür aber Signalwerte, die nicht überschritten werden dürfen. Deshalb sollten entsprechende Produkte nur ab und zu gegessen oder ungeröstet konsumiert werden!

.) Arzneimittel und Hormone

Wenn Tiere krank werden, so gilt natürliches dasselbe wie beim Menschen: Medikamente, bis es wieder gesund ist. Allerdings miss-brauchen viele Landwirte dies. Sie geben Antibiotika, Anabolika und Psychopharmaka präventiv an alle (sogar die wenigen Antibiotika, die in der Humanmedizin noch gegen resistente Erreger eingesetzt werden). Daneben werden Masthilfen und Hormone verabreicht, damit das Tier schneller schlachtreif wird, mehr Milch gibt oder Eier legt. An dieser Stelle habe ich bereits über den Antibiotika- und Hormonmissbrauch berichtet. Deshalb kurz: Alle möglichen Krankheiten beim Menschen bis hin zu tödlichen Infektionen können die Folge dieses Missbrauchs sein. Kaufen Sie deshalb Fleisch und tierische Produkte am besten direkt beim Land-wirt Ihres Vertrauens, da immer wieder auch Metzgereien in Tierimport-Skandale verwickelt sind. Auch in der Gastronomie, die sich vornehmlich in Deutschland stramm gegen die Kennzeichnungspflicht stellt (angeblich aufgrund der Bürokratie – tatsächlich aber geht es v.a. um die Verwendung von ausländischem Billigfleisch, wie Mastkälbern), könnte sehr viel durch eine sorgfältige Auswahl der Konsumenten viel erreicht werden.

.) Benzpyren

Dieser polyzyklisch-aromatische Kohlenwasserstoff entsteht beim unvoll-ständigem Verbrennen organischer Stoffe – etwa durch den Fahrzeug-motor, Heizanlagen oder auch dem Rauchen. Au Backe – auch beim Räuchern und Grillen, wenn etwa der Fleischsaft in die Holzkohle tropft. Benzpyren ist etwa bei Rauchern verantwortlich für die Bildung von Lungenkrebs. Deshalb sollte das Einatmen dieser Rauchinhaltsstoffe gemieden werden. Heizanlagen sollten richtig gefüllt und gut gewartet werden, damit beim Abbrand möglichst wenig Qualm entsteht. Holz-kohlegriller sind schädlicher als ihre Gas- oder Elektro-Kollegen. Ansonsten gilt: Grillgut darf erst dann auf den Rost gelegt werden, wenn die Holzkohle eine weisse Asche-Schicht bildet. Besondere Vorsicht ist bei Smokern geboten! Schwarze Stellen auf Fleisch oder anderem Grillgut sollte stets grosszügig abgeschnitten, Fleisch besser in Alu-Folie gegart werden.

.) Nitrit

Die Äcker werden durch die Landwirte entweder durch Gülle und Mist oder direkt mit Stickstoff gedüngt. Die Pflanzen benötigen diesen zum Wachsen. Sie speichern ihn als Nitrat – beim Verzehr eher harmlos. Nitrat wird bei Sonneneinstrahlung nach und nach abgebaut – Freilandgemüse ist somit gesünder als jenes aus dem Glashaus. Wird aber Gemüse zu lange warmgehalten oder gar aufgewärmt, so wandeln Bakterien das Nitrat in das gefährliche Nitrit um. Die Mähr vom aufgewärmten Spinat oder den Bohnen stimmt also tatsächlich. Nitrit verbindet sich mit Aminen, den Abbauprodukten von Eiweissen – es entstehen Nitrosamine. Sie beeinflussen den Transport des Sauerstoffs im Blut, das besonders für Kleinkinder sehr gefährlich werden kann. In Tierversuchen führten sie zudem zu Krebs.

.) Pestizide

Die heutige, industrialisierte Landwirtschaft kommt leider ohne Pestizide nicht mehr aus – resultierend aus den Monokulturen. Rund 800 Gifte sind bekannt – darunter Insektizide (Fressfeinde), Herbizide (Unkraut) und Fungizide (Pilzbefall). Bespritzt wird nahezu alles, bei Bioanbau ist ebenfalls nicht auszuschliessen, dass die Pflanzen durch benachbarte Felder und Äcker aufgrund von Windverfrachtung einiges abbekommen. †Manche dieser Produkte der Chemischen Industrie werden nur sehr langsam abgebaut. Werden diese Pflanzen an Tiere verfüttert, so gelangen die Gifte indirekt in die Nahrungskette (Fleisch, Milch oder Eier), durch Obst und Gemüse hingegen direkt. Je nachdem bewirken diese Gifte auch unterschiedliche Vorgänge im menschlichen Körper (Krebs, Schäden am Immunsystem, der Leber, Niere, den Augen, Muskeln, dem Blutdruck, …). Im Speziellen darauf einzugehen, würde diesen Rahmen sprengen. Vorsicht geboten ist bei ausländischem Gemüse und Obst bzw. Produkten daraus, da hier nach wie vor beispielsweise Verunreinigungen durch DDT (Dichlor-Diphenyl-Trichlorethan) und Lindan (Gamma-Hexachlor-Cyclohexan) entdeckt werden, die seit langer Zeit bei uns verboten sind. Doch auch in heimischen Produkten sind immer wieder Pestizide zu finden – allen voran das Herbizid Glyphosat, das gar den Weg ins Bier oder dem Trinkwasser gefunden hat. Es soll nach EU-Ansicht für weitere Jahre erlaubt werden – einzelne Staaten jedoch stellen sich dagegen, Österreich etwa. Deutschland hat sich hierbei blamiert, hat es sich doch bei der Abstimmung im Oktober der Stimme enthalten – trotz eines Landwirtschafts-Bundesministers vom Bündnis 90/Die Grünen. Die Auswirkungen von Gly auf den menschlichen Körper sind noch nicht umfassend geklärt – eine objektive Meinung insofern sehr schwer zu fassen. Ganz ausschliessen können Sie hingegen Pestzid-Rückstände auch in heimischen Produkten nicht.

.) Schimmelpilze

Schimmel ist besonders gefährlich, da er nicht immer gesehen oder gerochen wird – etwa wenn er im Inneren des Produktes vorkommt. Schimmelpilze bilden Gifte (Myko-†Toxine), die Leber, Nieren und Nervensystem angreifen und zu Krebs (Gen-Veränderung) führen können. Rund 300 dieser Mykotoxine wie beispielsweise Afla- oder Ochratoxine bzw. Patuline sind inzwischen bekannt. Schimmel hinterlässt einen bitteren Geschmack. Nahezu jedes Lebensmittel kann schimmeln. Vor-aussetzung ist ein relativ hoher Wassergehalt (etwa bei Steinobst), aber auch Fett- oder Kohlenhydratanteil. Die Sporen werden durch die Luft auch auf andere Produkte übertragen. Manche dieser Toxine können gar über die Muttermilch auch an den Embryo und Säugling weitergegeben werden (etwa Ochratoxine). Verschimmelter Käse, Marmelade, Obst etc. gehört in den Müll. Bei Brot besteht auch die Möglichkeit, dass sich der Schimmelpilz im Inneren weitergebildet hat, ohne gesehen oder gerochen zu werden – erst beim Essen kann dies bemerkt werden – sicherheits-halber ebenfalls wegwerfen. Problemprodukte wie gemahlene Nüsse sollten Sie im Gefrierschrank lagern, Gemüse oder Obst wie Beeren halten im Gemüsefach des Kühlschranks zumindest etwas länger (etwa drei Tage!). Für alles andere gilt: Trockene Lagerung!

.) Schwermetalle

Quecksilber, Blei, Kadmium und Arsen sind die gefährlichsten Schwermetalle, die in unserer Nahrung vorkommen können. Sie werden durch die unterschiedlichsten Vorgänge freigesetzt und gelangen vor-nehmlich durch die Luft oder Abwässer in den Boden und damit die Pflanzen. Aber auch in Fischen (besonders belastet sind fettige Arten wie Thunfisch oider Heilbutt), da die Ozeane zunehmend mehr verschmutzt werden. Die Schwermetalle lagern sich im Körper an (Leber, Gehirn und Nieren) und führen meist zu einer schleichenden Vergiftung. Auch bei Tieren – weshalb beim Verzehr v.a. von Innereien erhöhte Vorsicht geboten sein sollte. Quecksilber greift das Nervensystem an, Blei beein-flusst die Blutbildung und schädigt vornehmlich Gehirn, Nerven, Nieren und Muskeln. Kadmium schadet den Nieren und den Knochen, aber auch der Nasenschleimhaut. Das hochgiftige Arsen greift den Herz-Kreislauf, den Magen-Darmtrakt, Nerven- und Atemsystem an und führt zu Krebs (v.a. Haut- und Lungenkrebs). Da sich Arsen in Fisch- und Tierinnereien ablagert, ist in der EU das Verfüttern von Fisch- und Tiermehl verboten. Meiden Sie Gemüse oder Obst von Äckern oder Plantagen an Strassen, in der Nähe von Industrie- oder Verbrennungsanlagen. Lassen Sie alte Bleirohre durch neue Nicht-Blei-Rohre ersetzen, verwenden Sie niemals Klärschlamm als Dünger Ihres Gemüsebeetes. Waschen Sie immer Obst und Gemüse gut, entfernen Sie bei letzterem stets die äusseren Blätter. Essen Sie nie mehr als 250 g Wildpilze pro Woche. Verwenden Sie niemals ausländisches Geschirr mit Glasuren (auch hier werden Schwermetalle verwendet).

Nur eine kleine Auswahl – tatsächlich ist die Liste der Gifte in Lebens-mitteln ellenlang. Dseshalb zuletzt eine enorm wichtige Empfehlung:

Kaufen Sie saisonale, regionale und Produkte aus korntrolliert biologischen Anbau möglichst direkt beim Abhof-Verkauf jenes Bauern, dem Sie ihr Vertrauen schenken!

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Hamas – Das Pulverfass Naher Osten ist explodiert

„ Das ist der Tag der größten Schlacht!“

(Mohammed Deif, Kommandeur der Kassam-Brigaden)

Es ist der bislang heftigste Angriff, den die militante, islamistisch-radikale Terrororganisation Hamas am 07. Oktober gegen Israel begann: Die „Operation al-Aqsa-Flut“ als vermeintliche Antwort auf die „Schän-dung der al-Aqsa-Moschee“. Der Kommandeur der Kassam-Brigaden, Mohammed Deiff betonte gegen 06.30 Uhr im Radio, dass innerhalb von nur 20 Minuten über 5000 Raketen aus dem Gazastreifen in Richtung Israel abgefeuert wurden (nach Angaben aus Israel waren es mehr als 2000). Die Raketen schlugen im ganzen Land ein – am Abend des Angriffstages sprachen medizinische Quellen von 300 Toten und rund 1.590 verletzten Menschen in Israel.

Zeitgleich drangen Militante aus der Luft, über das Meer und auch durch mögliche Tunnels zu Lande aus der Sperrzone nach Israel ein und richte-ten dort ein Blutbad an bzw. entführten Menschen, etwa von einem Rave-Festivalgelände – völlig gleichgültig ob Israeli oder ausländische Besucher (darunter auch Deutsche und Österreicher). Die Kassam-Brigaden ver-öffentlichten Bilder über gefangene israelische Soldaten. Deif rief gleich-zeitig alle Muslime zu den Waffen auf – konkret dann für Freitag, den 13. Oktober „Massenmobilisierung“. Die Hisbollah gratulierte zum Schlag, beschoss ebenfalls israelische Stellungen auf den Golanhöhen (Scheeba-Farmen), doch in weitaus geringerer Intensität. DER Erzfeind Israels im Nahen Osten, der Iran, begrüsste zwar den Angriff, weist aber die direkte Involvierung in den Konflikt von sich.

„Die heutige Operation der Widerstandsbewegung in Palästina ist ein Wendepunkt in der Fortsetzung des bewaffneten Widerstands des palästinensischen Volkes gegen die Zionisten!”

(Nasser Kanaani, Aussenamtssprecher des Irans)

Sein Chef allerdings giesst noch weiter Benzin ins Feuer:

„Dieses Krebsgeschwür wird, so Gott will, durch das palästinensische Volk und die Widerstandskräfte in der gesamten Region endgültig ausgerottet werden!“

(Ajatollah Ali Khamenei, geistliches und politisches Oberhaupt des Iran)

Keine Frage: Da wurde der erste Domino-Stein angestossen, der noch viel Blutzoll einfordern wird. Schon jetzt sind weit über 2.000 Menschen auf beiden Seiten ums Leben gekommen. Inzwischen hat die EU den Geldfluss für die Palästinenser gestoppt, die USA stehen ihrem Waffen-bruder auch mit ihrer Mittelmeerflotte bei, immer mehr Städte, Länder und Staaten (wie auch Indien) erklären sich solidarisch mit Israel, wenn auch nicht mit dessen Regierung. Auch ins Stocken geriet die humanitäre Hilfe – Experten warnen vor einem Kollaps im Gazastreifen.

Der Angriff dürfte gut vorbereitet worden sein. Er fand am israelischen Feiertag „Simchat Tora“, einen Tag nach dem 50. Jahrestag des Jom-Kippur-Krieges, statt. Auch damals wurde Israel überrascht – an dieser Stelle wurde bereits hierüber berichtet. Die israelische Armee war auch heuer nahezu unvorbereitet – sie musste eingestehen, dass die Hamas Ortschaften rund um den Gaza-Streifen eingenommen hatte. Die israelische Regierung reagierte prombt und startete die „Operation Eiserne Schwerter“ – den Krieg gegen die Hamas. Reservisten wurden einberufen, während die Aktivkräfte Luftangriffe im Gazastreifen flogen und nach wie vor fliegen, wobei auch ein Hamas-Anführer getötet wurde. Erste Erfolgsmeldungen gab es bereits am Abend – so konnten mehrere Menschen befreit werden, die durch die Hamas im Kibbuz Be’eri als Geiseln genommen worden waren. Schwere Kämpfe wurden auch von anderen Kibuzzen gemeldet. Wie konnte es so weit kommen???

Während des ersten Palästinenseraufstands („Intifada“) 1987 wurde als defacto einer Abspaltung der ägyptischen Muslimbruderschaft die Hamas unter der Führung des später durch Israel getöteten Scheichs Ahmed Yassin gegründet. „Hamas“ ist die Abkürzung von „Harakat al-Muqawama al-Islamiyya“ (Bewegung des islamischen Widerstands). Im Gründungs-manifest von 1988 wird die Existenz des Staates Israel abgelehnt und als Ziel die Errichtung eines eigenen islamischen Staates auf dem Gebiet Palästinas (vom Mittelmeer bis zum Jordan) angeführt. Als legitimes Mittel wird dabei der bewaffnete Kampf gegen Israel genannt. Übrigens bezog sich die Hamas damals auf die „Protokolle der Weisen von Zion“, einer antisemitischen Verschwörungstheorie, die allerdings bereits im Jahr 1921 als Fälschung entlarvt wurde (auch bei europäischen Rechts-radikalen nach wie vor Bettlektüre). Israel wurde offiziell 1948 gegründet.

Die Hamas teilt sich in einen militärischen („Ezzedin al-Kassam-Brigaden“) und einen politischen Arm. Zweiterer gewann im Jahre 2006 die Parlamentswahlen in den palästinensischen Gebieten mit absoluter Mehrheit. Die vielen Protestwähler warfen der bis dahin regierenden Fatah Korruption vor. Es folgten blutige Auseinandersetzungen des militärischen Arms mit den Anhängern der unterlegenen Fatah-Partei. 2007 übernahm die Hamas die Kontrolle über den Gazastreifen. Die Fatah mit ihren Anhängern wurde in das Westjordanland vertrieben. Die Fatah („Bewegung für die nationale Befreiung Palästinas“) kämpft bereits seit 1964 für einen eigenen Palästinenserstaat. Prominentester Vertreter der Fatah war Jassir Arafat, der 1993 durch die Anerkennung des Existenz-rechtes Israels einen Friedensprozess begann und gleichzeitig dem Terrorismus als „politischem Mittel“ abschwor („Osloer Friedensprozess“). Die Hamas hingegen wird durch die EU, die USA, Kanada, Japan und Israel – aber auch von Ägypten und vielen Historikern, Politologen und Juristen anderer Staaten als Terrororganisation eingestuft. Nicht zuletzt, da sie die Bevölkerung stets als menschlichen Schutzschild verwendet. Raketen werden aus Wohngebieten abgefeuert, die Kommandozentralen befinden sich in Wohnhäusern. Nur die Schweiz und Norwegen bzw. Russland unterhielten bislang Kontakte zur Hamas – der türkische Staatschef Erdogan bezeichnet die Hamas als Freiheitskämpfer. Der eidgenössische Bundesrat lehnte ein Postulat zum Verbot der Hamas und die Klassi-fizierung als „terroristische Organisation im August 2017 ab. Der politische Arm der Hamas errichtete mit Hilfe europäischer Gelder im Gazastreifen Schulen, Kindergärten, Arbeitsvermittlungen (die Arbeits-losigkeit lag 2017 bei 42%!) etc. und genoss dadurch hohes Ansehen in der sehr armen Bevölkerung. Im August 2017 stand allerdings ein Mit-arbeiter der christlichen, humanitären Organisation World Vision in Israel vor Gericht, nicht weniger als 60 % seines Jahresbudgets (bis zu 45 Mio Euro) veruntreut zu haben. Die Gelder waren gedacht für Essenspakete an die Zivilbevölkerung des Gazastreifens und die Errichtung von Glas-häusern für den Anbau von Gemüse und Obst. Tatsächlich – so der israelische Inlands-Geheimdienst Shin Bet – sollen damit die Kampf-einheiten der Hamas versorgt und die Glashäuser als Tarnung für Tunnelgrabungen unterstützt worden sein. Das israelische Gericht bekannte den Büroleiter 2022 für schuldig. Auch ein Mitarbeiter der Organisation „Save the children“ geriet unter Verdacht.

Dennoch dachte die Hamas 2017 an die Abgabe der Verwaltung an den Palästinenser-Präsidenten Mahmoud Abbas (Fatah) aus dem Westjordan-land, da der Gazastreifen unterzugehen drohte. Gemeinsam mit der Fatah sollten Wahlen abgehalten werden – allerdings wurde der militärische Arm der Hamas, die Kassam-Brigaden davon ausgenommen.

Den finanziellen Background hat die Hamas im schiitischen Iran, der Türkei, aber auch bei dessen Gegnern: Den konservativen sunnitischen Scheichtümern wie Katar. Trotzdem riefen Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate zu einem sofortigen Stop der Eskalation auf (ebenso wie China und auch Russland). Der Grossteil der durch die Hamas abgefeuerten Raketen stammt übrigens aus dem Iran, die über den Sudan und Ägypten in den Gaza-Streifen eingeschmuggelt wurden. Aber auch mit ausländischer Hilfe im Eigenbau hergestellte ergänzen das Arsenal.

Nachdem die Hamas immer wieder Granaten und Raketen aus dem Gazastreifen auf Israel abgefeuert hatte, reagierte Israel im Dezember 2008 und Januar 2009 auf das dortige Geschehen mit einer dreiwöchigen Offensive („Gegossenes Blei“), bei der weit mehr als 1.400 Palästinenser starben, über 5.000 weitere wurden verletzt. Seither gab es immer wieder bewaffnete Zwischenfälle.

Im aktuellen Konflikt wird es wohl nurmehr einen Sieger geben. Beide Seiten lassen keine Zweifel darüber aufkommen, dass sie einer militärischen Lösung gegenüber einer diplomatischen den Vorzug einräumen. Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu legte der Zivilbevölkerung des Gazastreifens nahe, diesen über den bislang dauerhaft geöffneten wichtigsten Grenzübergang Rafah nach Ägypten zu verlassen. Der wurde nun allerdings nach mehrfachem Beschuss durch Israel von Ägypten wieder geschlossen. Oder befürchtet Ägypten, dass auch viele Hamas-Kämpfer ins Land kommen würden? Damit sind rund 2,3 Mio Menschen der Auseinandersetzung auf Gedeih‘ und Verderben ausgesetzt. Inzwischen herrscht v.a. in Gaza-Stadt das Chaos und die blanke Angst. Auf ägyptischer Seite stehen humanitäre Hilfskonvois der unterschiedlichsten Organisationen bereit.

Die „Schändung der al-Aqsa-Moschee“ bezieht sich auf den für Muslime und Juden gleichermassen heiligen Tempelberg in Jerusalem. Israel erlangte nach dem Sechs-Tage-Krieg die Herrschaft über diesen Berg. Die Verwaltung wurde der Jerusalemer Waqf-Behörde übergeben. 1984 entzog Israel die zu diesem Gebiet gehörende Klagemauer der Waqf-Behörde und erklärte sie zum staatlichen Eigentum. Muslime hatten über acht Tore Zutritt auf den Tempelberg, der von israelischen Polizisten und der Waqf-Behörde kontrolliert wurde. Immer wieder gab es unzählige Abmachungen, wonach etwa Muslime zum Beten auf den Berg durften, nicht jedoch Juden. Ein Dorn im Auge v.a. der orthodoxen Juden. 2017 wurden zwei israelische Grenzpolizisten von Attentätern erschossen. Sie hatten unter ihrer Bekleidung Waffen und Messer versteckt. Als sie vom Tempelberg zurückkamen, eröffneten sie das Feuer. Pikantes Detail am Rand: Attentäter und Opfer hatten zwar die israelische Staatsbürger-schaft, sie gehörten aber der arabischen Minderheit an. Offenbar bestärkt durch den Wahlerfolg Netanjahus und der Bildung der rechts-nationalen Regierung mit der Ausweitung des Siedlungsbaus auf die Gebiete der Palästinenser, fühlten sich zuletzt immer mehr ultra-orthodoxe Siedler dazu berufen, den Tempelberg wieder in das Staatsgebiet zurückzuholen! So gab es bereits im April schwere Zusammenstösse zwischen moslemischen Gläubigen und der israelischen Polizei. Videos zeigen prügelnde Polizisten, die mit Stöcken auf Menschen einschlagen. Was genau der Hintergrund des Ganzen ist: Hierzu gibt es zwei unter-schiedliche Versionen. Fakt ist, dass die Beschüsse aus dem Libanon und die israelische Antwort hierzu zunahmen. Anfang Oktober drangen offenbar israelische Siedler unter dem Schutz der Polizei in die Innenhöfe der al-Aqsa-Moschee vor und hinterliessen ein verwüstetes Schlachtfeld (so die arabische Version). Das Problem: Welcher der beiden unter-schiedlichen Versionen Glauben geschenkt werden kann – das ist nicht zuletzt einer der wichtigsten Gründe, weshalb die Friedensbemühungen im Nahen Osten seit Jahrzehnten zum Scheitern verurteilt sind. Nun folgt wohl dort die militärische Lösung.

„Bürger Israels, wir sind im Krieg. Und wir werden gewinnen. […] Unser Feind wird einen Preis bezahlen, wie er ihn noch niemals kennengelernt hat.“

(Benjamin Netanjahu, israelischer Premierminister)

Israel wird derzeit von einer Notstandsregierung geführt. Premier Netanjahu lud hierzu auch den Oppositionsführer Jair Lapid ein, der jedoch ablehnte. Er warf der gewählten Regierung völliges Versagen vor und betonte, dass in der Notstandsregierung Extremisten vertreten sind. Viele Staaten haben inzwischen mit der Evakuierung ihrer Bürger aus Israel begonnen. Einige mit Hilfe des Militärs, andere wie Österreich, mit zivilen Airlines! Im Alpenstaat war die dafür vorgesehene C-130 „Hercules“ nicht flugtauglich!

Das Problem in den westlichen Staaten: Nach dem zunehmenden Anti-semitismus durch die stärker werdenden Rechtspopulisten kommt nun auch der kriegsbedingte Antisemitismus durch islamistische Moslems hinzu. Wut und gar Übergriffe auf Menschen wie Du und Ich, die hier in Europa überhaupt nichts mit den Konflikten im Nahen Osten zu tun haben. Nur, weil sie einer anderen Religionsgemeinschaft zugehören. Deshalb meine grundlegende Einstellung hierzu: Konflikte gehören nicht übertragen! Sie sollen dort ausgetragen werden, wo sie entstanden sind. Ob dies nun Türken und Kurden, Russen und Ukrainer, Inder und Pakistani oder nun Palästinenser und Israeli betrifft. Viele kamen nach Mitteleuropa um mit ihren Familien GEMEINSAM im Frieden zu leben. Soll damit nun auch hier Schluss sein, nachdem die dortigen Konflikte teils schon Millionen Tote gefordert haben und deren Heimat dem Erdboden gleich gemacht wurden???

Lesetipps:

.) Hamas. Der politische Islam in Palästina; Helga Baumgarten; Diederichs 2006

.) Hamas – Der islamische Kampf um Palästina; Joseph Croitoru; C.H. Beck 2007

.) Der politische Islam – Zwischen Muslimbrüdern, Hamas und Hizbollah; Imad Mustafa; Promedia 2013

.) Zwischen Ölzweig und Kalaschnikow – Geschichte und Politik der palästinensischen Linken; Gerrit Hoekmann; Unrast 1999

.) The Palestinian Hamas – Vision, Violence and Coexistence; Shaul Mishal/Avraham Sela; Columbia University Press 2006

.) Hamas and Civil Society in Gaua: Engaging the Islamist Social Sector; Sara Roy; Pronceton 2011

,) Islamic Politics in Palestine; Beverley Milton.Edwards; I.B. Tauris 1996

.) Al-Aqsa oder Tempelberg – Der ewige Kampf um Jerusalems heilige Stätten; Joseph Croitoru; C.H. Beck 2021

.) Die Protokolle der Weisen von Zion – Die Legende von der jüdischen Weltverschwörung; Wolfgang Benz; C.H. Beck 2007

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