Archive for April, 2026

Nein zum Atomstrom – ein Beispiel!

Bereits mehrfach an dieser Stelle habe ich über die Gefahr der Atomstrom-Produktion informiert! Einige Schlagworte zur Wiederholung: Erdbeben, Krieg, Terrorismus, Kernschmelze, marode Meiler, … – ja und selbstverständlich auch der Atommüll. Dennoch fordern immer mehr die Rückkehr zum Atomstrom! Mit Ausnahme von letzterem Schlagwort möchte ich mich in diesem heutigen Blog nicht mehr über diese Risken auslassen!

Die meisten unter Ihnen werden sich noch an die umstrittenen Castor-Transporte erinnern. Atommüll, der in den Wiederaufbereitungsanlagen von La Hague/Frankreich bzw. Sellafield/Grossbritannien auf seine Heim-reise wartete, aber auch in Ahaus oder Gorleben zwischengelagert wurde. Insgesamt 1.900 Castor-Behälter mit hoch-radioaktivem Material. Nach wie vor gibt es keine Lösung für ein Endlager, in dem die Problemstoffe ohne Gefahr für Mensch, Tier und Umwelt die weiteren Jahrtausende hin-weg friedlich vor sich hinstrahlen können! Also lagert das Zeug’s noch in Erdlöchern, die grossteils gar nicht dafür vorgesehen sind und zu grossen Problemen führen können: Ehemalige Kohle- oder Salzbergwerke etwa. So beispielsweise auch im maroden Atommülllager Asse II in Remlingen/Niedersachsen. Die Schachtanlage wurde bereits 1965 durch die Bundes-republik Deutschland um 600.000 D-Mark gekauft um dort die End-lagerung des Mülls zu erforschen! Tatsächlich diente zwischen 1967 und 1978 das ehemalige Kali-Bergwerk als bloße Lagerstätte für Abfälle aus 13 Atomkraftwerken, Versuchsreaktoren, Krankenhäusern und Labora-torien! 1978 stoppte der damalige niedersächsische Ministerpräsident Ernst Albrecht das Treiben unter Tage, da er ein nicht genehmigtes Endlager befürchtete und damit durchaus richtig lag. Zuerst wurden die Fässer mit dem gefährlichen Inhalt hochkant gestapelt, später flach, da angeblich dadurch die Strahlung geringer sein sollte. Der wirkliche Grund: Es passte mehr rein und die Lagerung kam dadurch günstiger! Damals sprach man von einer Strahlung, die nicht stärker als jene eines Fernsehers sein sollte. Gegen Ende der Lagerstätte wurden allerdings die Fässer nurmehr abgekippt und Salz darüber verteilt, was durchaus zu Schäden der Fässer führte.

Schon in den 1960ern drückte bereits Wasser in die Stollen des Bergwerks – das wurde jedoch gegenüber der Öffentlichkeit verschwiegen. Erst 1988 erfolgte die Information der Bevölkerung, dass inzwischen der Wasser-einbruch zugenommen habe. Ein Horror – betrachtet man sich die Aus-maße des Lagers: Inzwischen lagern dort in 131 Abbaukammern 126.000 Fässer mit schwach- bis mittelradioaktiven Abfällen (104 to Uran, 81 to Thorium, 29 kg Plutonium), nicht mehr zugelassene Pestizide und Arsen (500 kg).

Immer wieder kam es zu Protesten von Bürgerinitiativen (wie etwa der „Wolfenbütteler Atomausstiegsgruppe WAAG)“, die dieses Lager nicht haben wollten oder darauf pochten, dass zumindest ein Vier-Kilometer-Abstand eingehalten werden solle. Berechnungen ergaben, dass bei-spielsweise bei einem Brandereignis im Lager die Werte der radioaktiv kontaminierten Luft ab dieser Entfernung abnehmen würden. Asse II-Mitarbeiter wurden durch die aufgebrachten Demonstranten sogar verbal und handgreiflich attackiert – teilweise mussten Pfarrer als ruhestiftende Vermittler einschreiten, obgleich sie ja selbst zu den Besorgten gehören. Nicht zuletzt aufgrund dieser ständigen Protesten wollte der Betreiber, das Helmholtz-Zentrum München, die Kammern mit Beton fluten und das Lager schliessen. Als 2009 das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) Betreiber der Lagerstätte wurde, keimte zumindest ein Funken Hoffnung auf, dass all die Bedenken nun der Vergangenheit angehören sollten.

Vor ein paar Jahren ist der Worst Case eingetreten – nicht durch Feuer sondern vielmehr durch eintretendes Salzwasser: 2019 waren es in ca. 500 m Tiefe rund 12.000 Liter pro Tag! Über lange Zeit hinweg konnte der Eintritt nicht lokalisiert werden. Das Wasser wurde durch Folien abge-fangen und über Rohre in andere Schächte des Bergwerks umgeleitet. Problematischer allerdings sind Wassereintritte in 750 m Tiefe – sie haben unmittelbaren Kontakt mit dem Nuklearmüll. Täglich rund 20 l! Ein komplettes Absaufen des Lagers konnte nicht ausge-schlossen werden. Dies geschah in dieser Region schon öfters – etwa in Hedwigsburg, wo ein oberirdischer See entstand. Dieses Szenario wäre auf Asse fatal: Ein radioaktiver oberirdischer See, der das komplette Grundwasser verseucht. Das BfS sah als einzige Lösung die Rückholung des Atommülls.

Heutiger Betreiber ist das Bundesamt für Endlagerung (BGE), ein von der Politik beauftragtes Bundesunternehmen, das nur begrenzt entschei-dungsbefugt ist. Mitte 2020 stellte das BGE das Rückholungskonzept vor: Die ober- oder unterirdische Lagerstätte der neu verpackten Fässer sollte bei Asse bleiben, allerdings um 750 m wegverschoben werden. Veran-schlagte Kosten damals: Drei Milliarden Euro!

Die Entscheidung ist gefallen: Das Zwischenlager kommt auf die Asse! Egal was die Region dazu meint.“

(Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit)

Die Rückholung gestaltet sich jedoch als sehr schwierig. Es müsse ein weiterer Schacht in die Tiefe gebohrt werden, damit die Fässer sicher und in grosser Menge geborgen werden können. Dies könne durchaus noch 14 Jahre dauern, heisst es bei der BGE.

Für nahezu ausgeschlossen bezeichnete schon 2012 der frühere Vor-sitzende der Entsorgungskommission des Bundes, Michael Sailer, die Bergung des strahlenden Abfalls:

Die Rückholung entwickelt sich immer mehr zur ,Mission Impossible‘!“

Er schlug Dichtbarrieren vor den Lagerkammern und eine Auffüllung mit Feststoffen vor.

Der niedersächsische Umweltminister Olaf Lies reagierte auf die Vor-würfe, wonach die Arbeiten zu langsam vonstatten gehen würden, dass pro Jahr 100 Mio € dafür ausgegeben würden.

Aber auch ohne Wasser bleibt keine Zeit mehr. Über ein rund 30 m langes Bohrloch wurden Messfühler und eine Kamera in Kammer 7 eingeführt. Dort konnte man sehen, dass Fässer nur durch den Druck unter Tage bereits kaputt gingen und der gefährliche Inhalt ausgetreten ist, da die Erdschichten in dieser Tiefe arbeiten und sich stets verändern.

Seit etwa 2023 übrigens fliessen rund 13.500 Liter pro Tag ein, die 1997 ausgelegte Auffangfolie auf 658 m ist undicht geworden – das Wasser versickert. Der Wassereintritt auf 725 m stieg von 0,8 auf 3 Kubikmeter (gemessen im April 2024) – 25 m tiefer – in den Lagerkammern – sei noch kein weiterer Wasseranstieg bemerkt worden! Zum Informationsstand: 29. April 2025 betont die BGE, dass die Lage inzwischen stabil sei. Dennoch:

Die Vorfälle zeigen, dass die Rückholung der radioaktiven Abfälle beschleunigt werden muss.“

(Der niedersächsische Umweltminister Christian Meyer von den Grünen)

Vonseiten der BGR wird betont, dass die bereits installierten und arbeitenden Pumpen auch einen Wassereintritt von 500 Kubikmetern pro Tag verarbeiten könnten. Das aber muss vorher aufgesammelt werden. Sollten noch grössere Mengen einfliessen, müsste das Bergwerk kontrolliert geflutet werden, damit es nicht in sich selbst zusammen-bricht. Dies brächte dann ebenfalls das Grundwasser in Kontakt mit dem radioaktiv verseuchten Wasser.

Letzte Nachrichten aus Asse II (Stand April 2026): Nach Angaben der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) ist der geplante Rückholtermin ab 2033 und damit die vom Bundestag beschlossene Räumung nicht mehr einzuhalten! Zuerst müsse mit Asse 5 ein neuer Schacht mit Förderanlage gebohrt werden – das könnte bis 2039 dauern. Der niedersächsische Umweltminister Christian Meyer (Grüne) tobt – stattdessen werde derzeit die Flutung des Bergwerks vorbereitet. Er fordert die Bundesregierung auf, die damals im Bundestag beschlossene Lex Asse auch tatsächlich umzusetzen und nicht dem Absaufen der Schachtanlage zuzusehen.

Asse ist übrigens nicht das einzige Problem: Aus dem ehemaligen AKW in Jülich/NRW werden derzeit Brennelemente ins Zwischenlager Ahaus transportiert. Insgesamt sollen es rund 300.000 Brennelementekugeln sein. Ahaus ist eines von 16 Zwischenlagern. Ein Endlager gibt es freilich bisher noch nicht. Soweit also zur Nachhaltigkeit des Atomstroms! Nach zwei Szenarien könnte die Suche nach einem Endlager für den deutschen Atommüll, das eigentlich bis 2031 feststehen sollte, noch bis 2046 oder gar 2070 andauern. Bis zu dieser Endlagerung werden die Gesamtkosten (Rückbau der AKWs, Transport und Lagerung der Abfälle) rund 48,8 Milliarden € ausmachen. Das in einen Fonds der AKW-Betreiber 2017 überwiesene Geld für diese Massnahmen beläuft sich jedoch auf nur 24 Milliarden! Es zahlt also einmal mehr der Steuerzahler – auch jene, die den Atomstrom nie haben wollten!!!

Lesetipps:

.) Wohin mit dem Atommüll; Marcos Buser; Rotpunktverlag 2019

.) Atommüll wohin?; Ulrich Dornsiepen; Theiss in Herder 2015

.) Gegenkurs – Atommüll in Schacht Konrad und kommunalpolitische Fehlentwicklungen 1986-2016; Christa Garms-Babke; Buchverlag Andrea Stangl 2021

Links:

  • www.bge.de
  • www.endlagersuche-infoplattform.de
  • www.ausgestrahlt.de
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Christlicher Nationalismus – Wie gefährlich ist diese Verflechtung von Religion und Staat?

Mustafa Kemal Atatürk war der Begründer der Türkei, die aus den Resten des Osmanischen Reiches entstand. Zwischen 1923 und 1938 auch deren Staatsoberhaupt. Am 10. November 1938 verstarb er. Atatürk formte aus dem neuen Staat ein republikanisches Staatswesen nach westlichem Vor-bild und förderte die Säkularisierung – die Loslösung von religiösen Normen sowie den Wechsel der Religion von der öffentlichen zur privaten Sphäre. Soll heissen: Die Trennung von Kirche und Staat! Doch – leider kam alles einige Jahrzehnte später in Form der „islamischen Republiken“ wieder zurück. Vor allem etwa im Iran, aber auch die Türkei selbst bewegte sich unter Recep Erdogan wieder in Richtung einer kirchlichen und staatlichen Vereinigung. Neben der staatlichen Gerichtsbarkeit gibt es hier zumeist eine kirchliche Gerichtsbarkeit, neben dem Strafgesetz auch die Scharia. Gesellt sich auch noch der Terrorismus wie etwa unter den Taliban oder dem IS hinzu, so handelt es sich hierbei nicht mehr um einen islamischen, sondern vielmehr um einen islamistischen Staat! Im Westen gerne auch als „Schurkenstaat“ bezeichnet, der vor Gewalt auch ausserhalb der Staatsgrenzen nicht zurückschreckt.

In der anderen Hemisphäre war dies lange Zeit ebenfalls ein Teil der Geschichte: So wurde der erste Kreuzzug durch die Lüge eines Papstes ausgelöst, viele Kirchenoberhäupter agierten selbst als Kriegsherren und bestimmten durch die Weihung bzw. Einsetzung von Kaisern und Königen zudem als letzte Entscheidungskraft das politische Europa. Im 20. Jahrhundert allerdings fand dies mit dem Fall vieler Monarchien sowie dem Aufkommen der Demokratien ein Ende. Es gab in vielen Ländern alsdann Verträge zwischen Kirche und Staat, die ein gegenseitiges Einmischen verhinderten.

Doch auch dies ist offenbar ein Teil der Geschichte. So kandidieren immer wieder Parteien für Wahlen, die ihre Richtung angeblich auf den Grundfesten des Christentums aufbauen. Tatsächlich jedoch steckt da-hinter nicht selten ein Sammelsurium an Menschen, die ihren bisherigen Parteien zu radikal geworden sind. Zudem schwappt aktuell eine Welle von den USA über den grossen Teich, die wirklich niemand hierzulande braucht: Der christliche Nationalismus!

Seinen bisherigen Höhepunkt (Stand: 14.04.2026) fand dies in folgendem Szenario: Papst Leo XIX. (selbst US-Bürger) appellierte an die kriegs-führenden Parteien, alle derzeitigen Konflikte auf dem Planeten einzu-stellen. Das haben auch viele seiner Vorgänger zuvor bereits getan.

Gott segnet keinen Konflikt. Wer ein Jünger Christi, des Friedens-fürsten, ist, steht niemals auf der Seite derer, die einst das Schwert schwangen und heute Bomben abwerfen.“

(Papst Leo XIX.)

US-Präsident Donald Trump sah dies als Maßregelung seiner Aussen-politik und griff den Papst nach seiner immer wiederkehrenden Art persönlich an: Das katholische Kirchenoberhaupt sei schrecklich in Bezug auf Aussenpolitik und schwach in Bezug auf Kriminalität.

Wenn ich nicht im Weißen Haus wäre, wäre Leo nicht im Vatikan!“

(Donald Trump)

Kurz danach postete er in den SoMes ein KI-Bild, das ihn zeigt (in der Bibel bei Jesus geschildert) wie er die Hand auf einem Kranken auflegt. Derartige Bilder gibt es derzeit zuhauf im Internet anzuschauen. Trumps-Vize J.D. Vance (eigentlich bekennender Katholik) sprach zuerst davon, dass er ausging, Trump habe einen Scherz gemacht. Nun jedoch legt er noch nach und warnt den Papst: Wenn sich dieser in globale Angelegen-heiten und komplexe Theologie einmische,

… ist es sehr wichtig, dass der Papst vorsichtig ist!“ Er müsse sicher-stellen, dass seine Aussagen auch „in der Wahrheit verankert“ seien.

(J.D.Vance)

Zudem zitiert er gerne falsche Bibelverse, die er aus Filmen bezieht.

Starker Tobak, der eigentlich danach aussehen sollte, als ob sich in den USA Staat und Kirche entzweien. Tatsächlich aber ist genau das Gegenteil der Fall: Obwohl Kirchenoberhäupter angegriffen werden, der ICE bewaffnet in Kirchen eindringt und Mitglieder der Gemeinde unter dem Verdacht der illegalen Einreise festnimmt etc. – die Trumpianer stehen immer mehr zu ihrem Staatsoberhaupt und vergöttern ihn immer mehr als den von Gott gesandten Erlöser! Politische Entscheidungen werden immer öfter begründet mit dem „göttlichen Willen“! Auch wenn Des-information dahintersteckt: Nein – die Bibel wurde nicht in den USA und in englisch geschrieben; das Land ist alsdann nicht ein von Gott begünstigtes (ein Hauptmerkmal des christlichen Nationalismuses). Siehe hierzu auch die Worte des kirchlichen Oberhauptes der Katholiken! Doch galt in früheren Zeiten eine Gleichstellung mit dem göttlichen Dreigestirn als Blasphemie. Seit dem Wahlkampf Trumps für seine zweite Amtszeit ist dies allerdings komplett anders. Er brauchte die Stimmen der vielen US-Evangelikalen und beschritt diesen Weg, den er jetzt medienwirksam wohl bis zum Ende beschreiten wird – vor allem nach dem Attentat des rechten Influencers Charlie Kirk.

Diese rechtskonservativen Katholiken und Protestanten, Mormonen und denominationslosen Christen sind etwa gegen Schwangerschaftsab-brüche, gegen afroamerikanische Mitbürger, für den Kampf gegen queere Menschen und gegen den vom Menschen verursachten Klimawandel! Na – vieles war im Wahlprogramm des derzeitigen US-Präsidenten vorzu-finden! Und – so die Meinung des Schreiberlings dieser Zeilen – nicht zuletzt gerade in den USA historisch begründet mit dem Extrem des Ku-Klux-Klans: Weisse, erzkonservative und rechtsradikale Menschen, die in der Vergangenheit viel Leid verursachten. Leider gibt es ihn nach wie vor. Ein guter Boden also auch für Rechtspopulisten.

Werfen wir einen kurzen Blick zurück in der Geschichte, den ich heute aber nicht im Detail behandeln möchte: Mit Beginn des 13. Jahrhunderts bis hinein in das 18. Jahrhundert zog die Inquisition durch Europa. Menschen, die irgendwie nicht ins System passten oder sich nicht einordnen wollten, wurden auf dem Scheiterhaufen verbrannt oder als vogelfrei erklärt. In diesen sehr dunklen Zeiten noch mit dem Segen des Papstes – jetzt ohne den Segen des Papstes, jedoch dem des Präsidenten! Heute distanziert sich die Kirche von diesen derzeitigen Vorgängen. So warf etwa der Passauer Bischof Stefan Oster Trump nach dessen Rede zur Beisetzung von Charlie Kirk unchristliches Verhalten vor und kritisierte die Worte des US-Präsidenten auf das Schärfste.

Doch wie sieht die Situation aus, wenn das Staatsoberhaupt auch das kirchliche Oberhaupt ist? Im Iran wurden aufgrund des Urteils der Mullahs zuletzt tausende Menschen hingerichtet. Im Westen ist neben dem Papst in Vatikanstadt auch König Charles III. gleichzeitig „Staatsoberhaupt“ und kirchliches Oberhaupt. Doch ist Grossbritannien eine parlamentarische Monarchie, wodurch die staatstragenden Entscheidungen im Unter- und Oberhaus gefällt werden. Wer hätte also gedacht, dass ausgerechnet die „Insel der Demokratie“, die USA, wieder in dieses uralte, volksfeindliche Schema zurückfallen, in dem die Moral Majority, der politische Arm der religiösen Rechten, bestimmt, wo der Bartl den Most herholt. Und das Volk applaudiert dazu noch begeistert!

Das gab’s doch schon mal – oder? 1931 wurden die „Deutschen Christen“ in Thüringen als Partei gegründet, die ab 1933 die Leitung über einige der Landeskirchen in der Deutschen Evangelischen Kirche übernahm. Tatsächlich jedoch steckten antisemitische, rassistische und dem Führer treu ergebene Volksverhetzer dahinter, die die religiöse Meinung bis 1945 bestimmen sollten. Ein Schelm, wer keine Parallelen zur derzeitigen Situation entdecken sollte! Nicht nur die Plateauschuhe und Glocken-hosen kommen irgendwann mal wieder.

Unsere Verfassungen beinhalten zwar die Religionsfreiheit, doch erkläre auch ich mich zum Freund der Säkularisierung: Kirche und Staat gehören getrennt! Es gab und gibt leider immer noch viel zu viele negative Beispiele, wie es ausgeht, wenn beide sich wieder verflechten!

Zuletzt möchte ich Paula Michelle White zitieren. Die Predigerin ist nicht nur die spirituelle Beraterin des US-Präsidenten, sondern auch Leiterin des Büros für Glaubensfragen im Weissen Haus und zudem verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit der Trumpschen „Faith and Opportunity“-Initiative!

„Präsident Trump nein zu sagen, würde bedeuten, Gott nein zu sagen !“

PS:

Wer sich die Inauguration Trumps angesehen hat, weiss, dass der US-Präsident seinen Amtseid gar nicht auf die Bibel ablegte, die ihm durch seine Frau gereicht wurde!

Lesetipps:

.) Mit Gott gegen die Demokratie. Warum der christliche Nationalismus alle angeht; Arnd Henze; Güterskoher Verlag 2026

.) Christlicher Nationalismus in den USA; Thorsten Dietz/Maria Hinsenkamp; Mohr Siebeck-Verlag 2026

.) Taking America back for God; Andrew L. Whitehead/Samuel L. Perry; Oxford University Press 2020

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Kulturelle Aneignung – geht’s noch?

Privilegierte Gesellschaftsmitglieder wollen, oftmals aus einem Über-legenheitsgefühl heraus, Regeln für alle vorgeben!“

(Mag. Dr. Michael Parzer, Kultursozioologe an der Uni Wien in den Salzburger Nachrichten)

Ganz ehrlich: Als ich den Begriff „Cultural Appropriation“ erstmals ent-deckte, musste ich googeln und dann lautstark lachen! Das war nun schon vor einiger Zeit – inzwischen ist es bitterer Ernst geworden und mir nicht mehr zum Lachen.

Ein erster – zugegebenermassen recht klobiger – Definitionsversuch: Das Informations- und Dokumentationszentrum für Antirassismus-Arbeit e.V. versteht unter kulktureller Aneignung

einen Prozess, „bei dem Elemente einer Kultur enteignet und aus dem Zusammenhang gerissen in einen anderen Kontext gesetzt werden.“

Ein zweiter, etwas einfacherer Definitionsversuch: Unter „Cultural Appro-priation“ versteht der Experte die Ablehnung von Errungenschaften anderer dominanter Kulturen, die hierzulande jedoch in der Minderheit sind, durch eine ganz spezielle Bewegung. Anders ausgedrückt: Es geht um die Reproduktion ethnischer Sterotype und Klischees, aber auch eine Trivialisierung der Unterdrückung! Aaaah ja – na dann ist ja alles klar!

Es klingt nicht nur sehr blöde – es ist auch sehr blöde! Es gibt also tat-sächlich Menschen, die sich aufregen, wenn Menschen sich beim Karne-vals- oder Faschingsumzug als Indianer, Cowboy, Eskimo oder Schwarzer (selbstgewählter Begriff und damit wie etwa auch PoC politisch korrekt) verkleiden. Auch als Scheich oder Chinese sollte man sich nicht mehr maskieren dürfen. Stadtmenschen in Lederhosen und Dirndln? Ausge-schlossen! Känguruh geht gerade mal so durch – die haben keine starke Lobby! Durch derartige Verkleidung sollen seit möglicherweise Jahr-hunderten bestehende Klischees weiter unterstützt werden, meinen zumindest die Verfechter dieser „Cultural Appropriation“ – der kulturellen Aneignung. Ich halte das alles als grossen Mumpitz, verursacht von Menschen, die offenbar nichts anderes zu tun haben, als ständig andere zu kritisieren und selbst zum Lachen in den Keller gehen. Schliesslich ist es der Traum von Millionen Kindern, als Cowboy oder Indianer an der-artigen Events teilzunehmen. Heute aber heisst es, dass gerade Kinder dafür sensibilisiert werden sollen, sich nicht wie jene Menschen zu kleiden, die aufgrund ihres Aussehens diskriminiert werden!!!

Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke: Ja – auch wir waren damals davon nicht ausgenommen. Wäre uns nie in den Sinn gekommen, als Herr Müller im Blaumann oder Frau Navrotil in der Kittelschürze auszurücken. Zweiteres dürfte ich als Mann ohnedies auch nicht! Als Blackrock-Manager oder Fliessbandarbeiter, als Landwirt oder Polizist. Na ja, letzteres flackerte später dann möglicherweise kurz auf, als ein Auszug aus dem Chippendales-Programm im Fernsehen mit dem viele kreischende Frauen gezeigt wurde. Doch das ist ein ganz anderes Thema!

Ich amüsierte mich damals köstlich, als Teile der SPD die Abschaffung des Knecht Ruprechts als pädagogisch nicht mehr der Zeit entsprechend forderte. Doch haben es die Damen und Herren tatsächlich ernst gemeint. Ebenso wie jene, die das Verbot der Märchen der Gebrüder Grimm oder jener von Wilhem Busch verlangten. Generationen von Menschen sind damit aufgewachsen – gab es bei irgend jemandem einen bleibenden, seelischen Schaden? Auch diese bedienen sich der Klischees, die schon weit vor deren Veröffentlichung bestanden. Doch entstammen diese dem heimischen Kulturkreis.

Etwas anderes sind die Geschichten von Karl May. Als der Ravensburger Verlag zwei Begleitmedien zurückzog, um mögliche Diskussionen darüber zu umgehen, reagierte ich nurmehr mit Kopfschütteln – Kritik war es mir nicht mehr wert. Ravensburger begründete dies in seiner Presseaussendung folgendermassen:

…Die Kolleg*innen diskutieren die Folgen für das künftige Programm und überarbeiten Titel für Titel unser bestehendes Sortiment. Dabei ziehen sie auch externe Fachberater zu Rate oder setzen „Sensitivity Reader“ ein, die unsere Titel kritisch auf den richtigen Umgang mit sensiblen Themen prüfen. Leider ist uns all das bei den Winnetou-Titeln nicht gelungen. Die Entscheidung, die Titel zu veröffentlichen, würden wir heute nicht mehr so treffen. Wir haben zum damaligen Zeitpunkt einen Fehler gemacht und wir können euch versichern: Wir lernen daraus!“

Auch das deutsche ZDF, das die Rechte an den Karl May-Filmen inne hatte, nahm diese vorerst aus der Mediathek zurück. Ähm – hallo? Wir haben die Bücher als Kinder verschlungen. Ich habe selbst daraus Gute-Nacht-Geschichten vorgelesen. Dass dahinter eine „koloniale Seelenlage“ (Josef Nadler, Literaturwissenschafter) stecken könnte – tut mir leid: Darauf wäre ich niemals gekommen! Ja – es stimmt, dass Karl May erst wesentlich später dort war, worüber er geschrieben hatte. Viele der Geschichten entstammen zudem jener Zeit, als er hinter schwedischen Gardinen sass und gar nicht die Möglichkeit hatte, die Richtigkeit seiner Geschichten zu recherchieren. Doch war er einer der Ersten, der sich für die Rechte der indigenen Ureinwohner Nordamerikas einsetzte. Und mal ganz ehrlich: Nahezu jedes Buch, jeder Film, jede TV-Serie ist erfunden. Vieles davon entspricht nicht im Geringsten den Tatsachen. Der im James Bond angesprochene Flughafen Bregenz, die unglaublichen Bergwände im Cliffhanger (in den Dolomiten in den Kasten gebracht) oder die wunderbare Welt der Lebensretter am Strand von Malibu. Und auch Dr. House gibt es im wahren Leben nicht, da ein solches Spezialistenteam viel zu teuer käme. Winnetou und Old Shatterhand stellten mög-licherweise ein falsches Bild des Wilden Westens dar. Wären die Massaker an Indianern durch die US-Army und die vielen weissen Bürgerwehren interessanter und der Zielgruppe entsprechend gewesen? Authentischer allemal!

Und da spricht die US-Jura-Professorin Susan Scafidi von einer

…unerlaubten Wegnahme geistigen Eigentums, traditionellen Wissens oder kultureller Artefakte!“

Klar – es ist durchaus richtig, dass vorwiegend Weisse ethnische Minder-heiten imitieren, die nach wie vor diskriminiert werden. Wenn es ihnen dann nicht mehr passt, kehren sie wieder zurück in das weisse Dasein. Diese Möglichkeiten haben solcherart marginalisierte Gruppen jedoch nicht. Doch gibt es durchaus Menschen, die nicht nur das Aussehen übernehmen, sondern auch das komplette Lebensgefühl. Es muss ja nicht Pop-Star Madonna sein, die sich mit Henna vollpinseln liess, um damit Aufsehen zu erregen oder die medienwirksame Konvertierung einiger Hollywood-Schauspieler zum Buddhismus, die sich dann so gar nicht nach der Religion verhalten. Doch bleiben wir bei der Musik: Blues, Soul, Funk und Jazz gehen auf die Lebensumstände und Unterdrückung der Schwarzen in Amerika zurück. Dürfen diese dann jedoch auch von US-Musikern oder ihren europäischen Kollegen gespielt werden? Ginge es nach den Kritikern, wäre die Musikszene um viele Perlen eines Gary Moore, Joe Bonamassa, Beth Hart oder Sass Jordan ärmer. Auch hier gibt es einige aufsehenerregende Fälle. So cancelte etwa die Fridays for Future- Bewegung im März 2022 ein Konzert von Ronja Maltzahn und ihrer Band bei einer ihrer Demos in Hannover, da die Musikerin aus Zuneigung und Begeisterung zu dieser Kultur Dreadlocks trägt. Die Begründung: Die Dreadlocks seien mit „dem antikolonialistischen und antirassistischen Narrativ“ der Bewegung nicht vereinbar. Oder das abgesagte Konzert des österreichischen Musikers Mario Parizek im August 2022 in Zürich, da seine Dreadlocks für „Unwohlsein von unseren Mitmenschen“ sorge. Selbiges in der alternativen Berner Brasserie Loraine bei einem Konzert der Reggaeband „Lauwarm“! Auch der Bayer Hans Söllner dürfte somit Probleme mit seinen Auftritten haben. Reproduziert ein Dreadlock-Träger tatsächlich ein rassistisches und diskriminierendes System?

Auch geht es um die sog. „ Cornrows“, die sich teils Stars wie Miley Cyrus oder Christina Aguilera machen liessen (eine speziell geflochtene Zopf-frisur).

Interessant auch die Kunstfigur Billie Eilish: Die zuhauf mir Preisen überschüttete Sängerin entstammt einem weissen Hause aus Irland. Kritisiert wird bei ihr, dass sie vieles aus der afroamerikanischen Kultur geklaut und in ihre Musik eingebaut habe. Ist sie deshalb eine Rassistin? Mitnichten!!!

Schon vor Jahrzehnten bediente sich der King of Rock’n’Roll, Elvis Presley, vieler Songs von Schwarzen aus den US-Südstaaten. Oder die Rolling Stones, …!

Wie ist dies mit Gesangspartien in der ernsten Musik, wenn weisse Sänger und Sängerinnen die Rolle von schwarzen übernehmen? In Verdis „Otello“ oder Bernsteins „West Side Story“? Wird das sog. „Blackfacing“ verboten, dürfen entsprechende Rollen nurmehr von schwarzen Tenören oder Sopranistinnen gespielt werden, so werden viele Werke unspielbar. Gilt im Übrigen auch für das Theater: Heteros dürfen etwa keine Homos dar-stellen!

Kulturelle Aneignung gibt es im Übrigen auch in der Küche: Zeigt ein TV-Koch seinen Zuschauern, wie eine persische Speise oder ein Menü aus Ruanda hergestellt wird, so bringt das die Mitglieder der Anti-Bewegung zum Kochen!

Sollte all dies künftig verboten sein, so bewegen wir uns wieder zurück in der Geschichte, wodurch uns Grossartiges vorenthalten würde. Schliess-lich zollt man doch den Leistungen eines anderen Kulturkreises grossen Respekt, wenn seine Errungenschaften nachgespielt werden – auch ohne sog. „Natives“! Die Steigerungsform wäre dann ja wohl die Kulturauf-fassung der Nationalsozialisten, die alles verboten hatten, was nicht aus ihrem eigenen Kulturkreis stammte. Das will wohl hoffentlich niemand mehr. Nein – die Beschäftigung mit einem anderen Kulturkreis eröffnet viele neue Sichtweisen und sorgt für eine bunte Vielfalt im ansonsten sehr eintönigen Dasein! Und bietet dem anderen Kulturkreis durchaus die Möglichkeit der Darstellung desselben über die Grenzen hinaus. So sind die Wiener Sängerknaben in China und Japan gefeierte Stars, Mozart, Beethoven etc. stets ausverkaufte Veranstaltungen. Auch in der Pop- und Rockmusik feiern Interpreten aus dem Westen grosse Erfolge – zumindest in Japan. In China geht die Regierung Xi Jinping massiv gegen Popstars vor. Ist dies das Ziel der Bewegung gegen kulturelle Aneignung?

Abschliessend noch eine Frage, die ich offen lassen möchte:

Wenn ich einiges aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) übernommen habe oder ab und an im Kamasutra blättere – ist das auch kulturelle Aneignung?

Lesetipps:

.) Zwischen Aneignung und Verfremdung; Hrsg.: Volker Gottowik/Holger Jebens/Editha Platte; Campus Verlag 2009

.) Ethik der Appropriation; Jens Balzer; Matthes & Seitz 2022

.) Kulturelle Aneignung; Lars Distelhorst; Edition Nautilus 2021

.) Everything but the Burden: What White People are Taking from Black Culture; Hrsg.: Greg Tate; Harlem Moon 2003

.) Research Handbook in Intellectual Property and Cultural Heritage; Irini Stamatoudi; Edward Elgar Publishing 2022

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Ausfall

Hallo,

vielen Dank, dass Sie hier auf meiner Seite vorbeischauen.

Aufgrund eines technischen Gebrechens entfaellt diese Woche der Blog!

Den naechsten Text gibt es am Samstag, den 11.04.!

Sorry!

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