Archive for Mai, 2026

Ist es wirklich besser geworden?

Die Europäische Umweltagentur schlägt Alarm:

Über 90 % der EU-Bürger ist zu hohen Schadstoffkonzentrationen in der Luft ausgesetzt!

Vor einigen Jahren wurde mir die Luft in einem vollbesetzten Lokal in der Umgebung der Universität Wien zu stickig.Also ging ich zum vermeint-lichen Luftschnappen nach draussen, auf die Strasse. Das Vorhaben musste ich allerdings sehr rasch beenden, da ich hier beinahe Schnapp-atmung bekam – zu viele Abgase!

Tatsächlich ist die Luftqualität in Europa nach wie vor ein sehr wichtiges, zumeist grob vernachlässigtes Thema, da eine Vielzahl von Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen hier ihren Ursprung finden. Die derzeitige Situation ist nach einem kürzlich veröffentlichten Bericht der Europäischen Umweltagentur EEA mehr als beunruhigend: An nahezu jeder fünften Messstation in Europa wurden die EU-Grenzwerte teils ekla-tant überschritten. Insbesondere bei Feinstaub und bodennahem Ozon! Positiv hingegen ist, dass die Belastung durch Cadmium, Kohlenmonoxid und Blei zurückgegangen ist.

Die EU-Behörde mit Sitz im dänischen Kopenhagen analysierte die Mess-werte aus insgesamt 39 Staaten, darunter auch alle EU-Mitgliedsländer. Die Experten fordern sofortige Massnahmen, vor allem beim Feinstaub!

Die EU hat sich in den EU-Luftqualitätsrichtlinien (Richtlinie 2008/50/EG und 2004/107/EG sowie EG-L 2018; BGBl. I Nr. 75/2018) ganz eindeutig für eine Reduktion der Luftschadstoffen ausgesprochen.

https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/LSU/?uri=celex:32008L0050

In Österreich wird dies im Emissionsgesetz-Luft 2018

https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=20010426&FassungVom=2024-05-20

national umgesetzt, in Deutschland durch das Bundes-Immissions-schutzgesetz.

https://dejure.org/gesetze/BImSchG

In der Schweiz (Nicht-EU-Mitglied) stiess ich bei meiner Recherche nur auf das Bundesgesetz über die Reduktion der CO₂-Emissionen (CO₂-Gesetz), also auf kein umfassendes Emissionsgesetz.

Dass sich auf diesem Sektor jedoch viel getan hat, kann nicht wirklich behauptet werden. So existiert in Österreich beispielsweise ein Dash-board zu den Emissionen in den Bundesländern, die letzten Daten stammen allerdings aus dem Jahr 2023!!! Dabei sollten die Luftschad-stoffe bis 2030 um bestimmte, verpflichtende Prozentsätze niedriger sein als im Referenzjahr 2005! Dabei sei noch beiläufig erwähnt, dass sowohl Deutschland als auch Österreich inzwischen eine Regierungsbeteiligung der Grünen hatten, die dieses Thema sehr wohl in ihren Partei-Grund-sätzen niedergeschrieben haben.

Die Verursacher dieser Luftschadstoffe sind einerseits der Verkehr, andererseits die Industrie und Landwirtschaft – aber auch die Privathaus-halte, die im Winter beheizt werden müssen. Während die professionellen Verbrenner von Kohle, Erdöl, Gas, Holz und Müll verpflichtend Abgasfilter in ihren Anlagen installiert haben müssen, bläst Otto-Normalverbraucher die Schadstoffe direkt und ungefiltert in seine Umgebung raus.

Betrachten wir uns nun diese Gase und Schwebstoffe im Einzelnen!

.) Feinstaub

Feinstaub entsteht durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe, Holz und Müll, aber auch dem Abrieb von Reifen und Bremsen und Vulkanaus-brüchen. Kleinste Aschepartikel (PM2.5 – Teilchen mit einem Durch-messer von 2,5 µm) belasten durch ihre Ablagerung im menschlichen Körper v.a. die Bronchien und führen dadurch zu Atemwegserkran-kungen. Auf der Strasse sind dem Feinstaub am meisten kleine Kinder und Tiere ausgesetzt.

.) Schwefeldioxid SO²

Schwefeldioxid entsteht vornehmlich bei der Verbrennung von Kohle und Heizöl schwer. Hauptverursacher sind somit die Feuerungsanlagen in der Industrie, der Energiewirtschaft und den Privathaushalten. Das Gas führt zu einer Reizung der Schleimhäute (wie den Augen) und Atemwege. Daurch kann die Lungenfunktion extrem beeinträchtigt werden. Dies kann zu Asthmaanfällen und Atemwegserkrankungen führen.

.) Stickstoffoxide Nox

Auch diese entstehen bei der Verbrennung – allerdings bei hohen Tem-peraturen. Damit ist der Verkehr der grösste Verursacher. Langfristig einer hohen Konzentration ausgesetzt, führen Stickstoffoxide zu einer Beeinträchtigung der Lungenfunktion und schliesslich zu Herz-Kreislauf-Problemen.

.) Flüchtige organische Verbindungen (außer Methan) NMVOC bzw. VOC

Sie entwickeln sich zumeist aus Stickstoffoxiden. Kohlenwasser- und Sauerstoff unter Einwirkung des Sonnenlichtes. Man spricht hierbei von „photochemischen Oxidantien biogenen und anthropogenen Ursprungs“. Hierzu zählen etwa Salpetersäure, Peroxyacetylnitrat (PAN) und v.a. das Ozon! Ozon kann zu Lungenfunktionsstörungen und Entzündungen der Atemwege führen. Auch hier sind kleine Menschen und Tiere durch das bodennahe Ozon am meisten betroffen.

.) Ammoniak

Diese stechend riechende chemische Substanz ist eine Verbindung von Stick- und Wasserstoff. Eingeatmet reizt das Gas mit dem ph-Wert von 13 die Luftwege und wirkt erstickend. Daneben reizt es Augen und Haut und führt zu Kopfschmerzen. Ammoniak ist häufig in Reinigungs- und Düngemitteln enthalten. Übrigens erzeugt der menschliche Körper auch selbst Ammoniak – beim Abbau von Eiweiss-Produkten.

.) Kohlenmonoxid

Es entsteht bei der Verbrennung unter Ausschluss von Sauerstoff. Im menschlichen Körper führt es zur Vergiftung.

.) Kohlendioxid

Auch dieser Klimakiller ensteht durch Verbrennung – allerdings mit Sauerstoff. Eine Einatmung des Gases führt zur Erstickung.

.) Methan

Dieses Gas trägt wesentlich intensiver zur Treibhaus-Atmosphäre bei als das CO². Es entsteht durch bestimmte Darmbakterien auch beim Menschen, vornehmlich jedoch in der Landwirtschaft durch die Ausdüns-tungen in der Rinder-Massenhaltung und die Ausbringung derer Hinter-lassenschaften. Es ist ein wichtiger Vorläuferstoff bei der Bildung von Ozon. Eingeatmet verdrängt es den Sauerstoff und führt zur Erstickung.

Keine wirkliche Lösung, jedoch eine wichtige Massnahme im Gesamt-paket: In Städten sind Grünflächen und Bäume immens wichtig, da sie nicht nur aus Kohlendioxid wertvollen Sauerstoff produzieren, sondern die Luft auch auf andere Art filtern. So nimmt Moos etwa grosse Mengen an Feinstaub auf! Eine andere wichtige Massnahme währe der Ersatz von Verbrennern durch etwa Wasserstoff-Brennstoffzellen. Hierbei wird chemische Energie in elektrische umgesetzt. Das „Abfall-Produkt“ ist Wasser!

Links:

Lesetipps:

.) Die Zukunft des Klimas. Neue Erkenntnisse, neue Herausforderungen. Ein Report der Max-Planck-Gesellschaft; Hrsg.: Jochen Marotzke/Martin Stratmann; Beck 2015

.) Chemie der Umweltbelastung; Günter Fellenberg; Verlag B. G. Teubner 1997

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Die Vernichtungsmaschinerie

Erlauben Sie mir heute – gleich zu Beginn eine Frage: Sind Sie makellos? Nein? Ich würde es Ihnen natürlich wünschen, kenne jedoch niemanden, der von sich aus behaupten könnte, er oder sie sei makellos. Und mein Bekanntenkreis ist wahrhaft kein kleiner! Doch weshalb fordern Sie Makellosigkeit von Obst, Gemüse, Fleisch, ja sogar von einer Ver-packung???

Eine Verbraucherstudie hat bereits vor einigen Jahren aufgezeigt, dass rund die Hälfte aller Lebensmittel auf dem Müll landen. DIE HÄLFTE! Weltweit sind es nach Angaben des WWFs rund 40 %. Anders gesagt: Alle vom 01. Januar bis zum 26. Mai („Tag der Lebensmittelrettung“) produ-zierten Lebensmittel gehen weltweit in der Wertschöpfungskette verloren – 1,3 Milliarden Tonnen!!! Nur in Deutschland: 313 kg pro Sekunde! Die Zahlen sind gottlob etwas rückläufig, da sich ehrenamtliche Organi-sationen wie die Tafeln inzwischen dem Problem angenommen haben und die Lebensmittel an Bedürftige verteilen. Dennoch wird viel zu viel weggeworfen!

Mein Gott – darf das denn überhaupt wahr sein? Weltweit hungerten 2025 weltweit nicht weniger als 672 Mio Menschen, zwei Mio davon sind akut vom Hunger bedroht (Angaben: Welthunger-Index 2025). Unglaublich, während in den Hungergebieten jeder froh ist für ein Stück Brot oder eine Schale Reis, wird das hierzulande weggeworfen. Grosse Teile davon noch bevor sie den Besitzer wechseln. Der Handel weist Kartoffeln, Karotten, Zwiebeln oder Kopfsalate zurück, da sie zu klein sind oder nicht so perfekt aussehen, wie sie sollten. Das mag der Konsument nicht. Somit erspart sich mancher Bauer die Fahrtkosten, sortiert diese aus und entsorgt sie direkt bei Vergasungsanlagen oder pflügt sie wieder unter. Im Experten-Fachjargon spricht man hierbei von „kosmetisch mangel-haften Agrar-Produkten“ (auch die Farbe bei Tomaten ist ein entschei-dendes Kaufkriterium). Was für eine Verschwendung!

Nach einer Studie des Worldwatch Institutes in Washington wird auf diese Weise dermassen viel an Nahrungsmitteln vernichtet, wie sie der kom-pletten Nahrungsmittelproduktion der südlich der Sahara gelegenen afri-kanischen Staaten entspricht!

Über 220 Mio Tonnen geschmacklich hervorragender Lebensmittel, noch bevor sie die Chance hatten, gekauft zu werden. Auch soziale und wohl-tätige Aktionen oder Vereinigungen, wie etwa die Tafeln oder Tischlein deck dich, bekommen hiervon nichts ab, da diese Lebensmittel erst gar nicht in die Nahrungskette kommen. Gleiches auch in der Fischerei: Für jeden essbaren Fisch landet ein zweiter Fisch als Beifang im Netz und wird tod wieder im Meer entsorgt! Oder: 20 % der Bananenernte in Afrika und Mittelamerika wird vorort entsorgt, da sie nicht den Normen des Handels entsprechen, Farmer in den USA pflügen ein Fünftel der Melonenernte wieder unter, da sie einen Makel an der Oberfläche haben. Ist das nicht pervers? Rewe startete im Jahr 2013 ein lobenswertes Program: Unter dem Titel „Wunderlinge“ können die Kunden solcher-artiges Obst und Gemüse verbilligt einkaufen. Innerhalb von 10 Jahren konnten auf diese Art alleine in Österreich mehr als 60.000 Tonnen Obst und Gemüse verwendet statt verschwendet werden.

Erschreckende Dokumentationen wie „Taste the waste“ oder ein im österreichischen Fernsehen gezeigter „Am Schauplatz“ liefern hierfür den Beweis. Den Bauern selbst blutet dabei das Herz. Klimatische Verän-derungen, die Launen der Natur, Fehler im Anbau, gesetzliche Richtlinien und die Gewinnmaximierung im Handel tragen dafür die Verantwortung. Doch wirklich schuld daran ist das Konsumverhalten eines jeden Einzelnen. Klar – auch ich mag es, wenn der Inhalt eines 5 kg-Kartoffel-sackes eine halbwegs vernünftige Grösse oder Aussehen hat, dann muss weniger geschält werden. Zudem habe ich etwas dagegen, wenn ich teures Geld dafür bezahle und rund ein Viertel oder gar ein Drittel des Gewichtes sind Schalen. Deshalb greife ich häufiger auf Aktionen zurück. Zwar sind hier die Kartoffeln vielleicht nicht so schön oder gross wie die anderen, teureren Kollegen, doch bezahle ich auch deutlich weniger dafür. Zudem helfe ich den Bauern dabei, auch solche Ernteerträge verkaufen zu können. Dadurch landet weniger Nahrung auf dem Müll.

Immer wieder heisst es, dass das Pflegesystem in den industrialisierten Ländern langsam nicht mehr finanzierbar wird. Würden allerdings solche Lebensmittel, die den Vorstellungen der Überfluss-Gesellschaft nicht entsprechen, günstiger eingekauft werden – sofern sie nicht wirklich schlecht bzw. ungeniessbar sind – bliebe beispielsweise auch mehr Geld für Pflegepersonal übrig. Oder Arbeitslose auf den Feldern einsetzen, die zugunsten der Pflegeeinrichtungen Karotten oder Zwiebeln sowie Kartoffeln aufsammeln, die bei der Ernte liegen geblieben sind. Dies aufzusammeln ist für die meisten Bauern nicht rentabel, da die Lohn-kosten meist höher sind als der erzielte Ertrag.

In den vorhin angesprochenen beiden Filmen werden auch die sog. „Müll-taucher“ vorgestellt. Menschen, die sich zumeist die Nahrung nicht leisten können, tauchen in die Abfall-Container der Supermarktketten und holen sich dort essbare Abfälle heraus. Immer wieder finden sich dabei Lebensmittel, die das Mindest-Haltbarkeitsdatum noch gar nicht erreicht haben – also durchaus noch verkaufbar wären.

Tausende Menschen in Deutschland, der Schweiz und Österreich ernähren sich inzwischen auf diesem Wege.

Manche Markt- oder Filialleiter haben ein Einsehen und deponieren ess-bare Waren eigens neben den Mülltonnen. Bemerkt dies allerdings der kontrollierende Regionalleiter, hagelt es Abmahnungen. Schliesslich könnte es ja sein, dass einer dieser Mülltaucher krank wird oder gar verstirbt. Es könnte ein Zusammenhang hergestellt und die Supermarkt-kette verklagt werden. Wird das Brot allerdings in die Mülltonne entsorgt, kann man den Gewinn-Maximierern nichts anhaben. Hier kommen nun die vorhin angesprochenen sozialen Vereine ins Spiel. Sie besuchen im regelmässigen Abstand die Geschäfte und holen die Lebensmittel, die geniessbar sind, direkt im Geschäft ab – also nicht aus der Tonne. Daraus entstehen Menüs für Obdachlose und Gestrandete, die froh sind, eine warme Mahlzeit im Magen zu haben. Und all das mit dem, das die anderen nicht mehr haben wollen, die sich aber trotzdem immer mehr beschweren, dass das Leben langsam nicht mehr finanzierbar ist.

Damit auch rasch zum Hauptschuldigen: Dem Konsumenten! Es ist toll, wenn ich nach einem harten Arbeitstag noch kurz vor Ladenschluss in ein Geschäft gehen kann und dort frisches Brot erhalte. Trotzdem könnte ich liebend gerne darauf verzichten, wenn ich damit etwas bewirken kann.

Jeden Tag wird in Deutschland mehr Brot produziert, als verbraucht wird. 12-15 % in den Bäckereien und Backshops – hochgerechnet 1,7 Mio Tonnen pro Jahr!

Hiermit könnte der komplette Hunger in Deutschland gestillt werden – es bliebe gar noch etwas übrig. Doch anstatt dessen landet es auf dem Müll. Viele Mitarbeiter im Einzelhandel, die für einen Mindestlohn arbeiten, wären zudem froh, wenn sie diesen Ausschuss mitnehmen könnten. Doch dürfen sie auch das nicht. Pünktlich um 19.00 Uhr wird die teilweise noch volle Theke leergeräumt – was eine Minute zuvor noch 2,50 € gekostet hat, landet im Container. Dafür steigen allerdings die Preise. Logisch, muss doch dieser Abgang über die verkauften Produkten mitfinanziert werden. Hinzu kommt ferner die Vernichtung, die meist teurer wird als die Herstellung. Der Konsument bestimmt die Richtlinien im Handel. Was nicht entspricht, bleibt liegen und wird zum Fall für die Entsorgung. Und die ist inzwischen zum Millionengeschäft avanciert.

Allerdings sollten auch die Haushalte selbst als Nahrungsvernichter nicht unterschätzt werden – ganz im Gegenteil. Einerseits werden durchaus geniessbare Produkte, die kurz vor dem Ablauf des Mindest-Haltbar-keitsdatums heruntergesetzt wurden, nicht gekauft. Andererseits befindet sich so manch einer mit dem ersten Schritt in den Supermarkt im Kaufrausch. Mehr als eigentlich verbraucht wird, landet im Einkaufs-wagen. Die Gewinnoptimierer sind natürlich auch nicht dumm und haben die vormals handlichen, kleinen Einkaufswagen durch Grossraum-LKW ersetzt, in die wesentlich mehr reinpasst. Zuhause angelangt wird beim Abendessen vom Speck das Fett weggemacht, die Brotrinde abge-schnitten, der Apfel geschält oder auch das Fett des Fleisches vor dem Anbraten entfernt. Wäre es nicht weitaus besser gewesen, anstelle des Specks vielleicht fettlosen Schinken, anstelle des Schwarzbrotes Vollkorn-Toast-Brot, anstelle des frischen Apfels Apfelmus oder eingelegte Apfelstücke und anstelle des Schulterbratens ein Stück mageres Fleisch zu kaufen? Haben wir allesamt unsere Essgewohnheiten dermassen geändert, dass jetzt das, was in früheren Zeiten eine Hauptmahlzeit bedeutete, nun weggeworfen wird?

Auch die Sache mit dem Mindest-Haltbarkeitsdatum ist mehr als ärger-lich. Der Produzent muss dies anbringen, damit er rechtlich aussen vor ist.

Das MHD ist die Herstellergarantie für die Produktqualität – es hat nichts mit dem Verbrauchsdatum zu tun!!!

Tatsächlich sind somit die meisten Produkte noch weitaus länger geniessbar. Einige Haushalte entsorgen diese sogar noch vor diesem Datum! Hallo? Beim Joghurt etwa wird damit garantiert, dass z.B. die Cremigkeit bis zu diesem Mindest-Haltbarkeitsdatum gewährleistet wird. Mit Verbrauchs- oder Ablaufdatum steht dies in keinem Zusammenhang (sehr wohl hingegen etwa beim Hackfleisch). So hält sich beispielsweise nicht-wärmebehandeltes Erdbeerjoghurt zwischen drei bis sechs Monate lang (Stiftung Warentest). Untersuchungen haben ergeben, dass ein Gros der Verbraucher nur nach dem Datum geht, sich dabei nicht um das kümmert, was davor steht. Deshalb gibt es auch bereits viele Stimmen, die das MHD abgeschafft wissen möchten.

Bislang noch gar nicht erwähnt wurden jene Lebensmittel, die während des Transports, aufgrund mangelhafter Lagerung oder Fehler bei der Verpackung zugrunde gehen. Beispielsweise 150 Mio Tonnen Getreide in den Entwicklungsländern, das Sechsfache, um den Hunger all der Menschen dort zu stillen.

Als ich diese Zeilen gelesen habe, wurde mir schwindelig vor Augen. Die vom Unternehmen Cofresco durchgeführte Verbraucherstudie „Save Food“ brachte bereits 2011 die grauenvollen Zahlen zu Papier: Deutsche Haushalte werfen rund 21 % der erworbenen Lebensmittel weg, da der Einkauf schlecht geplant ist – dies sind in etwa 11 Mio Tonnen. Dabei landet beinahe ein Drittel davon in Originalverpackung im Müll! Rund die Hälfte könnte eingespart werden. Eine weitere Studie der Universität Stuttgart im Auftrag des BMELVs bestätigt dies: Jeder Deutsche entsorgt im Jahresdurchschnitt auf diese Art 81,6 kg an Lebensmitteln im Wert von 235,- €! 61 % stammt aus Privathaushalten, 17 % von Grossabnehmern (Hotels, Kantinen, Gastronomie) und 5 % aus dem Einzelhandel. Zahlen, die in der Arbeit aufgetreten, jeden Chef zur Weissglut bringen und einen Entlassungsgrund darstellen können. Im Rahmen dieser Studie proto-kollierten ca. 1.500 Konsumenten ihr Wegwerfverhalten als „Abfall-Tage-bücher“ auf einer Webseite. Parallel dazu wurde eine Online-Umfrage durchgeführt. Die meisten wussten, dass ein bewussterer Einkauf ziel-führend wäre. Doch lassen sich viele in den zumeist nach allen werbe-psychologischen Tricks aufgebauten Durchgangsschleusen der Märkte hinter’s Licht führen. Sonderangebote und die Werbung führen zum vermehrten Griff in die Regale. Dabei überlegen sich viele gar nicht, ob sie dermassen viel aufbrauchen können. Ein Bekannter griff immer im Herbst zu: Kohl bzw. Kraut (in Österreich)! Sehr schmackhaft und auf die unterschiedlichsten Arten zubereitbar. Also kaufte er immer gleich zehn Kilo davon, da der Sack günstiger war. Meist aber brauchte er nur zwei oder gar einen Kopf davon. Der Rest wurde weggeworfen. Kohlrouladen an einem Tag und Kohlsuppe am nächsten Tag – damit hat Otto Normal-verbraucher seinen Kohl-Bedarf für einige Wochen gedeckt. Ich bin übrigens auch einer jener welchen. Ich kaufe meist mehr ein, koche (Hobbykoch aus Leidenschaft) wesentlich mehr, nutze allerdings auch meinen Tiefkühl-Schrank. Lebensmittel roh oder als fertige Speise eingefroren, steigert – na no net – die Haltbarkeit. Brot beispielsweise – den Wecken halbieren und die eine Hälfte davon einfrieren. Wurst en gros gekauft, portionieren und einfrieren. Auch der Kohl könnte eingefroren werden, wenn er zuvor blanchiert wird. Somit denke ich bereits beim Einkauf darüber nach, was ich bis zum nächsten Mal benötige, was ich somit aufbrauche und was ich durch entsprechende Lagerung länger verwenden kann, ohne dass dies verdirbt. Bei jedem Lebensmittel, das ich wegwerfe, habe ich nicht etwa ein schlechtes Gewissen wegen des Geldes.

Ich habe dann immer das Bild eines afrikanischen Kindes mit seinem auf-geblähten Bauch vor Augen, das vielleicht gerade durch das, was ich da wegwerfe, vor dem Hungertod bewahrt werden könnte.

Die Wegwerfgesellschaft ist ein Beispiel dafür, dass der Verbraucher unmündig ist. Wir schimpfen über die Reichen, die immer noch reicher werden, verhalten uns aber in unserer Umwelt völlig identisch. Dabei ist es mir komplett egal, ob Sie ihre Couch, die noch tip top in Ordnung ist, entsorgen, da sie etwas anderes haben möchten. Ob Sie die hochgiftigen Batterien wegwerfen, obwohl sie noch Leistung bringen würden. Ob Sie verbotenerweise Ihr Auto zuhause mit dem Dampfstrahler reinigen, obwohl es hierfür Autowaschanlagen gäbe, die auch das Wasser wieder aufbereiten. Doch bei Lebensmitteln gehe ich voll auf Konfrontation. Die Welt steuert nämlich auf eine Lebensmittelkrise ohne gleichen zu. Missernten und Dürrekatastrophen wird es aufgrund klimatischer Veränderungen immer häufiger geben. Hinzu kommen inzwischen immer mehr auch die Kriege – wir alle können uns noch an den Beginn des russischen Angriffkrieges gegen die Ukraine erinnern. Dort lagerten Millionen Tonnen Getreide, Raps und Sonnenblumenkerne. Noch hat die industrialisierte Welt genügend Geld um sich einen Wecken Brot auch um 5,- € leisten zu können. Allerdings wandert immer mehr Wirtschaftskraft in die Schwellen- und Entwicklungsländer ab. Es gibt immer mehr Menschen, die hierzulande auf ihr Geld schauen müssen – inzwischen auch im Mittelstand angekommen..

Immer mehr Anbauflächen werden exzessiv und nicht nachhaltig bewirtschaftet. Nach drei bis vier Jahren Sojabohnen-Anbau ist der Boden ausgelaugt und wird zum Brachland. Dann wird wieder Urwald gerodet. Zudem werden immer mehr Flächen für den Anbau von Biosprit verwendet. Anstatt hier ein Umdenken zu bewirken, dass die 200 Meter ins nächste Geschäft durchaus zu Fuss oder die 2 km mit dem Rad absolviert werden könnten, somit der Verbrauch heruntergeschraubt wird, bleibt dieser konstant. Die nachfolgenden Generationen werden uns dies danken!

Und schliesslich der Fleischkonsum.

„Die Menschheit nähert sich den Grenzen des verfügbaren Farmlandes und der für die Landwirtschaft nutzbaren Wasserversorgung – und hat sie mancherorts schon überschritten!“ (Robert Engelman, Senior Fellow Worldwatch-Institut).

Wer hierbei vielleicht von Umwegrentabilität spricht, liegt aber sowas von volkswirtschaftlich daneben. Der ehemalige Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen für das Recht auf Lebensmittel (2008-2014), Olivier de Schutter, meint: Wird der Fleischkonsum bis 2050 weltweit auf dem Niveau von 2000 festgesetzt (jährlich 37,4 kg pro Kopf), so „könnten ungefähr 400 Millionen Kilo Getreide für die menschliche Ernährung freigesetzt werden!“ Genug, um damit 1,2 Milliarden Menschen mit Kalorien versorgen zu können. Zum Vergleich – 2025 lag der Pro-Kopf-Fleischkonsum in Deutschland bei 54,9 kg Fleisch! Das Tier benötigt weitaus mehr Kalorien für den Aufbau des Skeletts, die Körperfunktionen und die Bewegung als für den Muskelapparat (Fleisch). Auch der ehe-malige Präsident der Albert Schweitzer Stiftung, der 2013 verstorbene Wolfgang Schindler, meinte: „Wir können dazu beitragen, den Welthunger zu überwinden, indem wir weniger oder am besten gar kein Fleisch essen!“ Weg von der exzessiven Fleischproduktion. In früheren Zeiten gab es auch nicht jeden Tag Fleisch zum Mittagessen. Zusätzlich positiver Nebeneffekt: Die Massentierhaltung (industrialisierte Fleischproduktion) lohnt sich nicht mehr – sie ersparen damit sehr vielen Tieren grausame Qualen!

Zudem muss mit den bestehenden Ressourcen schonend umgegangen werden – sparen heisst somit die Devise. Das fordert auch die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO). Die weltweiten Verluste und die Verschwendung von Lebensmitteln muss in den nächsten 15 Jahren um 50 % reduziert werden. Zudem sollten effektivere Wertschöpfungsketten und ein fairer Marktzugang für Kleinproduzenten geschaffen werden. Wenn etwa das Getreide aus den USA in Afrika günstiger ist, als das vorort angebaute, wird es keine Getreidebauern dort geben. Die FAO schätzt, dass rund ein Drittel der Lebensmittel weggeworfen wird. In Grossbritannien sind dies 8,3 Mio (Studie der Initiative „Working together for a world without waste“ WRAP aus dem Jahr 2009), in Deutschland ungeheuerlich geschätzte 20 Mio Tonnen oder 330,- € (nationale Wegwerfstudie des BMELV), in Österreich 75 kg pro Kopf bzw. bis zu 800,- € im Jahr (Angabe: Tafeln Österreich). Durch das Verrotten der Lebensmittel entsteht Methan, das erheblich zum Klimawandel beiträgt.

Experten schätzen, dass bei einer Halbierung des Lebensmittelmülls der-massen viele Klimagase nicht mehr freigesetzt werden, als würde jedes zweite Auto stillgelegt!

Könnten die Nahrungsmittel gerettet werden, wäre der Hunger auf der Welt nachhaltig bekämpft, der Umwelt etwas gutes getan und die Preise gedrückt. Also – bitte behandeln Sie die Nahrung auch als das, was sie ist: Lebensmittel – Mittel zum Leben!!!

Lesetipp

.) Die Essensvernichter. Warum die Hälfte aller Lebensmittel im Müll landet und wer dafür verantwortlich ist; Stefan Kreutzberger, Valentin Thurn; Kiepenheuer & Witsch Verlag 2011

Links:

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Wie wär’s denn mit uns beiden???

Der Monat Mai wird auch gerne als der Wonnemonat, der Monat der Liebenden bezeichnet. Tatsächlich blüht die Natur nach einem zumeist harten Winter richtiggehend auf, die Vögel kommen aus ihren Winter-quartieren zurück, es wird auf Teufel komm heraus gebalzt. Verständlich – das Jahr ist kurz, die Zeit kostbar. Auch bei so manchem Menschen gehen die Hormone durch. Hat nicht zuletzt auch etwas mit der Bekleidung zu tun: Die dicken Winterklamotten werden durch Luftigeres ersetzt, mit dem v.a. Frau auch schon mal sexy Akzente setzen kann.

Doch – wie ist das wirklich mit der Partnerschaft und v.a. dem Werben um einen Partner? Sollte eigentlich eine simple Sache sein, da der einzige Zweck unseres Erdendaseins (auch wenn es so mancher Chef nicht so gerne hört!) – rein evolutionsbiologisch betrachtet – das Zeugen von Nachwuchs zur Arterhaltung und die Weitergabe der Gene an nach-folgende Generationen darstellt. Allerdings steckt in Wirklichkeit ein sehr komplexes Thema mit unheimlich vielen Auswirkungen und Einflüssen dahinter, wobei die natürliche Selektion durchaus von kulturellen Gewohn†heiten im Laufe der Zeit verändert wurde. Und wer – nachdem er diese Zeilen gelesen hat – noch behaupten sollte, dass einzig die inneren Werte zählen, dürfte wohl irgendetwas nicht richtig verstanden haben.

Es gibt sie wirklich – die Liebe auf den ersten Blick! Allerdings nicht unbedingt so, wie sie immer verstanden wird: Man hat einen Gleich-gesinnten gefunden, schaut ihm tief in die Augen und „Zzzboing“ hat der Blitz eingeschlagen. Aber sowas von!!! Auch wenn Mann und Frau dermaßen unterschiedlich sind, so haben sie dennoch eines gemeinsam: Ein äusserliches Bild vom Wunschpartner! Wenn auch nicht bewusst, so auf jeden Fall unbewusst, instinktiv sozusagen. Die körperliche Attrak-tivität spielt nämlich in der Partnerwahl die wohl grösste Rolle. Dabei gehen allerdings Frauen eine Spur weiter als Männer. Während der Mann von den primären und in weiterer Folge auch sekundären Geschlechts-merkmalen wie einem grossen Becken, dem Brustumfang und dem Po ausgeht (mit einem „tollen Fahrgestell“ wird das Verhältnis zwischen Hüfte und Becken verstanden, erst dann kommen die endlos langen Beine dazu), denkt Frau vornehmlich an den Nachwuchs. Jener Partner, mit welchem sich Frau die Arterhaltung verspricht, sollte gesund, wider-standsfähig und jugendlich sein (athletischer Körperbau und symme-trische Gesichszüge). Die Frau verspricht sich dadurch die Weitergabe dieser Attribute an die späteren Zöglinge.

Tja und diese Eigenschaften sind zumeist auch verantwortlich für die Vielzahl der Seitensprünge, denn nicht immer ist der Lebenspartner auch der Wunsch-(Er-)Zeuger. Während es beim Mann grossteils um den Jagdinstinkt und Spieltrieb geht, kommen bei der Frau zur Zeit des Eisprungs genau diese Überlegungen hoch: Braungebrannt, sportlich, weisse Zähne und strahlender Blick – das ist auch mit ein Grund, weshalb sehr häufig für solche Liebschaften neben der eigentlichen Lebens-Beziehung die typischen Macho-Typen ausgesucht werden, auch wenn Frau ansonsten gar nicht auf diese spezielle Spezies von Mann abfährt.

Apropos: Haben Sie gewusst, dass statistisch gesehen jedes zehnte Kind in Deutschland ein Kuckuckskind ist, also bei einem Seitensprung gezeugt und dem Lebenspartner untergeschoben wurde? Der Scheinvater hat jedoch in deutschen Landen nach einem Richterspruch des Bundes-gerichtshofes vom 18. April 2008 das Recht, von der Partnerin Auskunft über den leiblichen Vater zu erhalten und kann diesen in weiterer Folge auch zu einem Vaterschaftstest und der Rückzahlung des Unterhaltes zwingen. Das Urteil bezog sich auf einen Fall, bei dem einem Mann drei Kinder untergeschoben wurden, die Frau dann auch zu Ihrem Liebhaber zog, dieser jedoch die Vaterschaft in allen Fällen abstritt. Gleiche Quote in etwa auch für Österreich – doch war dies im Alpenstaat ein Offizial-delikt, also eine Straftat. In früheren Jahren gab es hierfür eine Verjährungsfrist, die drei Jahre nach der Geburt endete (ehedem § 158 AGBG):

„Hat der Mann die Ehelichkeit eines Kindes nicht innerhalb eines Jahres seit der Geburt bestritten, oder ist er gestorben oder ist sein Aufenthalt unbekannt, so kann der Staatsanwalt die Ehelichkeit bestreiten, wenn er dies im öffentlichen Interesse oder im Interesse des Kindes oder seiner Nachkommenschaft für geboten erachtet.“

Heutzutage kann der Nachwuchs selbst einen Antrag auf Prüfung der Vaterschaft stellen (Außerstreitgesetz AußStrG und Allgemeines Bürgerliches Gesetzbuch ABGB). Zum Amüsement hier der Auszug aus dem entsprechenden, ehemaligen § 148 Abs. 2(2) ABGB:

„Auf Antrag des Kindes kann der Mann als Vater festgestellt werden, welcher der Mutter innerhalb von nicht mehr als 300 und nicht weniger als 180 Tagen vor der Geburt beigewohnt hat oder mit dessen Samen an der Mutter in diesem Zeitraum eine medizinisch unterstützte Fortpflanzung durchgeführt worden ist, es sei denn, er weist nach, dass das Kind nicht von ihm abstammt. Eine solche Feststellung ist nach Ablauf von zwei Jahren nach dem Tod des Mannes nicht mehr möglich, es sei denn, das Kind weist nach, dass ihm der Beweis nach Abs. 1 aus Gründen auf Seiten des Mannes nicht gelingt.“

Dieses Amtsdeutsch verstehe wer will!

Sehr eindeutig und verständlich hingenen das Strafgesetz:

§200

Wer ein Kind unterschiebt, ist mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bis zu 720 Tagessätzen zu bestrafen.“

Dies betrifft im Alpenland übrigens auch die Hebammen:

§6a Abs. 2 Hebammengesetz HebG

Hebammen sind verpflichtet, unverzüglich der Sicherheitsbehörde Anzeige zu erstatten, wenn sich ihnen begründeter Verdacht einer Unterschiebung eines Kindes (§200 Strafgesetzbuch – StGB, BGBl. Nr. 60/1974) oder einer Aussetzung (§82 StGB) ergibt.“

In einem solchen Falle oder bei Anfechtung durch den Ehegatten besteht übrigens die sog. „Sex-Auskunftspflicht“ der Mutter!

Übrigens: Ähnlich einfach zu lesen sind die Bestimmungen in Deutsch-land (BGB §1592, 1593 und 1600) – das aber möchte ich Ihnen ersparen!

In der Schweiz bewegt sich die Zahl der Kuckuckskinder bei rund einem Prozent! Sagt uns dies nun etwas über die Treue der eidgenössischen Frauen aus oder eher über die Verantwortung, bei einem Seitensprung zu verhüten? Viel zu tun haben hingegen die Briefträger und Milchlieferanten in der sozialen Unterschicht von Liverpool. Hier liegt die Quote bei unglaublichen 32 % – gemessen durch die Vaterschaftstests in jenen Krankenhäusern, die für die Slums zuständig sind, Experten schätzen dies gar auf 53% (in der Oberschicht 1 %)!!! Soweit das Ergebnis einer 2004 im „Journal of Epidemiology and Community Health“ veröffent-lichten Studie der Universität John Moores, in deren Rahmen 17 Studien aus den Jahren 1950 bis 2004 durch das Forscherteam unter Mark Bellis ausgewertet wurden.

Durchaus unterschiedlich hingegen sind die einzelnen Ergebnisse anderer Studien. So erstaunt beispielsweise eine Meta-Studie, die nicht weniger als 67 Studien zusammengefasst hat: Zwischen 15 bis 50 % der Vaterschaftstest-Männer zweifeln zurecht. Der Evolutionsbiologe Maarten Larmuseau von der Universität Leuven zeigte mit Hilfe anderer Mitglieder der Belgischen Historischen Gesellschaft (Ahnenforscher) auf, dass in den vergangenen 500 Jahren nur rund 1 % der Kinder einen anderen als den registrierten Vater aufwiesen.

Bitte missverstehen Sie mich jetzt nicht – auch Mann geht selbstver-ständlich fremd! Aufgrund solcher Vaterschaftstests können allerdings offizielle Zahlen präsentiert werden! Dies ist bei einem männlichen Sidestep etwas schwerer. In der Ornithologie spricht man diesbezüglich übrigens von „Brutparasitismus“. Dies trifft auch in der Humanethologie den Nagel auf den Kopf. Im Gesetzeskauderwelsch wird hierfür die Bezeichnung „Personenstandsfälschung“ gewählt. Sie kann nach einer Scheidung auch zur Kürzung oder Streichung des Unterhaltes bei der Frau führen, im Speziellen, wenn Mann sich aufgrund des Kindes beruflich eingeschränkt hat. Nicht gerade das beste Licht wirft eine Untersuchung der University of Michigan auf das Tun v.a. aber Treiben von Herrn und Frau Christ. Bei einer Vergleichsstudie im afrikanischen Volk der Dogons, in welchem Vertreter der Katholiken und Protestanten, aber auch des Islam und der monotheistischen Stammesreligion vertreten sind, schnitten die christlichen Paare bei insgesamt 1.317 Vaterschafts-Tests am schlechtesten ab. Damit aber nun genug mit dem Exkurs zum Thema „Kuckuckskinder“, die nicht unbedingt ein Zeichen der Zeit sondern der fortschrittlichen Entwicklung der Gen-Technik sind.

Fazit: Schönes Aussehen ist also durchaus wichtig für die sexuelle Attraktivität einer Person. Soweit auch das Ergebnis einer Forschungs-arbeit von Fink/Samson von der Universität Göttingen. So bevorzugt Frau bei der Wahl des leiblichen Vaters ihrer künftigen Kinder grosse und bestens mit Testosteron ausgestattete Exemplare dieser (Be-)Gattung. Die Untersuchung, wohin Frau bzw. Mann als erstes beim geschlecht-lichen Gegenüber schaut, ergibt nach dieser Göttinger Studie eigentlich immer dasselbe, bereits erwähnte Ergebnis. Doch hat jede Frau/jeder Mann andere Vorstellungen vom Traumpartner.

Sehr interessante Erkenntnisse brachten hier auch Vergleiche bei Speed-Datings in New York. Innerhalb von Sekunden entscheidet es sich aufgrund der Optik, des Geruchs, der Haptik und Motorik des Gegen-übers, ob es zu einer zweiten Chance kommt oder nicht. Während Männer mehrere Frauen gerne wiedersehen würden, ist die Auswahl der Frauen stark eingeschränkt. Alles Nonsens, meinen Eli J. Finkel und Paul W. Eastwick. Sie stellten solche Speed-Datings auf den Kopf: Anstelle der Frauen blieben die Männer sitzen und die Damen wechselten. Bei der anschliessenden Auswertung gab es ähnliche Werte wie bei den klassischen Speed-Datings, jedoch geschlechtlich verdreht. Ergebnis: Der „Wanderer“ trifft eine grössere Auswahl – egal ob Frau oder Mann. Die Untersuchung von Online-Datings jedoch untermauert die erste These: Während männliche User zumeist die Füllhorn-Methode anwenden (nach dem Motto: Die Richtige wird schon dabei sein!), konzentrieren sich weibliche User auf einige wenige.

Und damit sind wir bereits bei einem Phänomen angelangt, das Evolutionstheoretiker als „Sequentielle Schwellenwerttheorie“ bezeichnen. Die Suche nach dem Traumprinzen! Frauen suchen bis zu zehnmal nach der Beantwortung der wichtigsten aller Fragen, ob es denn wirklich den passenden Deckel zum Topf gibt. Wer nach dem zehnten Versuch nichts entsprechendes gefunden hat, bleibt solo. Interessant jedoch ist die Tatsache, dass zumeist der dritte Mann geheiratet wird, Frau aber weitersucht und zumindest die Annäherung an das Idealbild mit dem siebten oder achten Mann findet! Somit ist auch die dermassen hohe Scheidungsrate durchaus erklärbar – die Wahl war einfach ein Irrtum! C’est la vie! Ergo: Die wichtigste Information für den Mann bei einer neuen Partnerin ist somit die Antwort auf die Frage: „Der wievielte bin nun ich?“ Zumindest, wenn er sich eine längere Beziehung erwartet.

Was aber nun bedeutet in der Biologie der Begriff der „elterlichen Investition“? Dies ist jener Aufwand der mit der Produktion der Eizellen und Spermien beginnt und aufgrund der Brut, der Geburt, sowie der anschliessenden Versorgung des Nachwuchses für Frau ungleich höher ist als für Mann. Während eines Grossteils dieser Zeit ist Frau somit weg vom evolutionsbiologischen Marktplatz. Alsdann sucht sie sich normalerweise einen Partner, für den sich dieser Aufwand auch lohnt. Dieser sollte die Familie gut verteidigen und ernähren können. Zudem – und dies stammt ganz eindeutig noch aus der Tierwelt – werden Männchen mit grossem Territorium bevorzugt. So – und da haben wir den Schlamassel. Diese Attribute fallen sehr häufig nicht mit den für einen sexuellen Seiten-sprung bevorzugten Eigenschaften zusammen. Wie entscheidet sich nun Frau?

Eine weitere gute Frage lautet: „Ist der Mensch in der Liebe ein Wiederholungstäter?“ Es heisst immer, dass sich Frauen Männer aus-suchen, die ihrem Vater gleichen bzw. umgekehrt! Somit werden die bekannten und dermassen geschätzten Eigenschaften über Generationen hinweg übertragen. Oder aber auch: Bevorzugt Mann immer denselben Frauentyp? Richard Lugner, Dieter Bohlen und besonders Boris Becker – bei letzterem konnte man ja beinahe nicht mal die Namen den Frauen zuordnen, da sie sich nahezu wie Zwillinge glichen – na ja zumindest wie Schwestern. Der Sozialpsychologe Manfred Hassebrauck von der Bergischen Universität Wuppertal hält allerdings ein solches „Beute-Schema“ à la Becker für die Ausnahme. Normalerweise unterscheiden sich die Nachfolger deutlich von den EXen. Dadurch soll die eigene Entwicklung durch den Partner unterstützt werden. Immer dieselbe Beute bedeutet Stillstand in der Persönlichkeitsentwicklung. Somit kann also durchaus eine Richtungsänderung nach dem Scheitern einer Beziehung empfohlen werden. Nach blond brünett, oder gar rot???

Besitzt eine Frau eine gewisse soziale Stellung, so sucht sie meist einen Partner mit zumindest derselben Herkunft, Bildungsgrad bzw. Wertevorstellung. Dem Mann hingegen ist dies relativ egal. So kommt es durchaus nicht selten vor, dass ein Rechtsanwalt eine Anwaltsgehilfin heiratet oder der Arzt ein tête-à-tête mit der Krankenschwester hat. Umgekehrt hingegen ist dies eher selten.

Auch im Alter unterscheiden sich Frau und Mann. Während Mann bis zum zirka 35. Lebensjahr gleichaltrige Lebenspartnerinnen bevorzugt, konzentriert er sich danach auf jüngere Partnerinnen. Jene Frauen, die aufgrund ihrer körperlichen Attraktivität noch einen hohen Grad an Fruchtbarkeit versprechen lassen. Frauen hingegen evaluieren bei Männern das Alter, den gesellschaftlichen und beruflichen Erfolg. Die finanzielle Absicherung! Lugner und Hefner lassen grüssen! Soweit das biologische Grundprinzip. Alles andere haben die soziokulturellen Ein-flüsse verursacht.

Eine Beziehung sollte sich durch die Unterschiede entwickeln. Die Partner lernen gegenseitig jenen Part des Anderen, den sie selbst nicht unbedingt gut beherrschen, aber durchaus an ihm schätzen. Funktioniert dies nicht, so können die Gegensätze zum Scheitern der Beziehung führen. Wer hierzu Informationen benötigt, ist bei Hans-Georg Birkenfeld und seinem Werk „Aus und vorbei? Noch lange nicht!“ gut aufgehoben.

Viele Psychologen sehen es zudem als erwiesen, dass Beziehungen aufgrund spezieller Lebens- und Liebesthemen funktionieren. Somit werden sehr viele Partnerschaften zum Abnabeln vom Elternhaus begründet – das ist bei beiden Geschlechtern gleich. Ist Mann bzw. Frau dann flügge geworden, verstehen es viele nicht mehr so recht, wofür sie in einer Partnerschaft leben und lösen diese auf.

Für all jene unter Ihnen, die noch nicht wissen, wie sie eine Beziehung beginnen sollen, sei hier zuletzt noch die Methodik erwähnt, wie sie Ellen Fein und Sherrie Schneider in ihrem Werk „Die Kunst, den Mann für’s Leben zu finden“ beschreiben: Das erste Treffen findet zwischen Montag bis Donnerstag in einer Bar statt, endet vor Mitternacht und dient dem Abtasten. Gesprächsthemen sind Beruf, Bildung, Einkommen und Hobbies. Überraschend früh findet hier bereits die Abfrage des Kinder-Themas statt. Zum Abschied gibt’s ein Busserl auf die Wange. Das zweite Date wird vom Mann im Restaurant organisiert. Will Frau keine weiteren Treffen mehr, ignoriert sie einfach seine Anrufe. Normalerweise bezahlt der Mann, in Europa ist es aber üblich, dass Frau die Hälfte dazugibt. Fein/Schneider sprechen dabei vom Begriff „Going Dutch“, das eigentlich in den USA sehr selten stattfindet. Nach dem Essen gibt’s dann die ersten Zärtlichkeiten. Bei einer recht hohen Rechnung kann durchaus auch schon nach dem zweiten Treffen die Spielwiese Bett im Mittelpunkt stehen. Das aber ist normalerweise erst nach dem dritten Treffen bzw. allen weiteren der Fall. Der Frau bleibt es also jederzeit überlassen, den Gang der Dinge zu beenden, wenn sie denkt, nicht beim Richtigen gelandet zu sein, der schon mal eine Sünde wert sein könnte. Hierzu ist es ausreichend, wenn Frau drei seiner Anrufe ignoriert. In den USA gilt es durchaus als normal, maximal drei Partner gleichzeitig zu daten. Dies entspricht aber nicht den Vorstellungen auf dem alten Kontinent. Psychologen sprechen hier vom sog. „sexuellen Monopol“. In der amerikanischen Variante wird das erst während der Stufe „The Talk“ besprochen. Welche der beiden Dating-Modalitäten gewählt wird, sollte beim zweiten Treffen abgeklärt werden. Schliesslich ist es nicht jedem der beiden Partner angenehm, wenn der Gegenpart noch mit anderen zur gleichen Zeit sexuell aktiv ist. Entfällt dieser Talk, so gibt es auch keinen „Deal“, also keine Absprache zur Monogamie.

Wie das Ganze dann weitergeht, ist in Europa unterschiedlich. In den USA folgt nach einem Jahr der Verlobungsring (mindestens drei Netto-Monatsgehälter des Mannes – in Texas gar vier!!!). Sollte dies nicht geschehen oder entsprechen, so kann Frau die Beziehung sofort beenden. Das Salz in der Suppe machen übrigens sog. „Booty Calls“ aus; mitternächtliche Anrufe mit dem Ziel des sofortigen Sex.

Vielleicht noch ein kurzer Tipp: Mann sollte nicht stets auf das hören, was Frauen sagen (ausser beim Sex – wenn Frau „Nein“ sagt, heisst dies auch nein!!!). Ansonsten ist auch Grossvater oftmals schwerhörig gewesen, als Grossmutter etwas sagte – aber das ist ein ganz anderes Thema! Beobachten Sie anstelle dessen, wie Frauen zeigen, was sie gerne hätten!

Seh’n Sie – ist alles nicht ganz so einfach!!! Und wer nach wie vor die Möglichkeit des Online-Datings verdammen sollte, dem sei hier eine evolutionstheoretische Überlegung an’s Herz gelegt: In der internetfreien Zeit kam es vornehmlich zur „Nachbarschaftsehe“. Durch das globale Dorf im Internet findet eine durchaus empfehlenswerte genetische Durch-mischung quer über die Kontinente statt. Neue Gene, die evolutionsbiologisch ein besseres Überleben des Nachwuchses erwarten lassen. Denn: Der Homo erectus war ebenso nur eine Momentaufnahme der menschlichen Evolution wie der Homo sapiens!

PS:

Die Evolution hat’s erfunden. Normalerweise werden etwas mehr Jungen geboren, da diese risikofreudiger als die Mädchen sind und nicht wenige von Ihnen vorzeitig sterben bevor sie das Erwachsenenalter erreicht haben. Bei der Befruchtung liegt dieser Überschuss bei ca. 30 %. Während Hungersnöten allerdings werden mehr Mädchen geboren. Hierdurch kann sich eine Population schneller von einer Krise erholen (Dr. Fiona Mathews & Kollegen in ihrer Studie, veröffentlicht im Fachmagazin „Proceedings of the Royal Society B“ vom Januar 2012)

Lesetipps:

.) Kuckuckskinder, Kuckuckseltern: Mütter, Väter und Kinder brechen ihr Schweigen; Simone Schmollack; Schwarzkopf & Schwarzkopf 2008

.) Das Kuckuckskind und seine drei Eltern; Kerstin Aust; Üeter Lang GmbH 2015

.) Aus und vorbei? Noch lange nicht!; Hans-Georg Birkenfeld; John Delto Publishing 2012

.) Die Kunst, den Mann für’s Leben zu finden; Ellen Fein/Sherrie Schneider; Piper Taschenbuch 2012

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Vorsicht: Hantavirus!!!

Der Frühling verwöhnt uns derzeit mit seinen schönsten Bildern – aber auch den stärksten Pollen (ein Betroffener!). Das Frühjahr ist bei vielen auch der Beginn der Gartensaison und des Ausmistens. Das kann jedoch in Gartenlauben oder auch Garagen gefährlich werden.

Mit den ersten Minusgraden haben sich viele Tiere in die wärmeren Häuser oder zumindest schützenden Garagen und Hütten geflüchtet, obgleich sie dort eigentlich nicht wirklich gern gesehen werden: Insekten, Mäuse und Ratten. Bevor sie sich vermehren und zur Plage werden, sollten Massnahmen eingeleitet werden. Vor allem, da sie auch schwere Infektionskrankheiten übertragen können. So geschehen bei der Polizei in Göppingen-Holzheim, wo sich im Jahr 2019 drei Bereitschaftspolizisten mit dem gefährlichen Hantavirus angesteckt haben. Der Grund: Die Rötel- oder auch Waldwühlmaus und die Brandmaus! Diese Nagetiere haben es sich im Keller des Gebäudes bzw. im angrenzenden Park gemütlich gemacht, hinterliessen dort ihren Kot und kontaminierten mit dem darin enthaltenen Hantavirus die Körperschutzausrüstung der Polizisten. Alle drei Patienten mussten stationär mit Lungen- und Nierenproblemen im Krankenhaus aufgenommen werden. Im selben Jahr wurde zudem im bayerischen Landkreis Freyung-Grafenau Hantavirus-Alarm gegeben.

Gab es im vergangenen Jahr gottlob nur wenige nachgewiesene Puumala-virus-Infektionen (37 in Österreich), so sind es heuer bereits 50 (Quelle: MedUni Wien). In Deutschland sind es mit dem Stand vom 04.05.2026 schon 315 (Quelle: Robert Koch-Institut). Zum Vergleich: Bislang galt das Pandemie-Jahr 2021 als jenes mit den höchsten Fallzahlen. Etwa 132 im Stadtkreis Stuttgart, 194 im Landkreis Reutlingen oder 95 im Landkreis Böblingen. Ein paar Zahlen hierzu aus dem Jahr 2025: Landkreis Emsland (11), Landkreis Osnabrück (18), Kreis Steinfurt (12) – alle in Nieder-sachsen; Landkreis Freyung-Grafenau/Bayern (31), Stuttgart-Stadt (17). Das dürfte wohl heuer leider gesprengt werden. Flächenmässig besonders betroffen ist das Bundesland Baden-Württemberg; daneben auch Hessen, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Landkreise in Bayern und Niedersachsen. Details dazu erfahren Sie auf den Seiten des Robert-Koch-Institutes! In Österreich ist es die Steiermark, das östliche Kärnten und das nördlichste Oberösterreich. In der Schweiz gibt es nach Angaben des Sprechers der BAG Simon Ming jährlich nur etwa zwei labor-bestätigte Fälle.

Das Hantavirus ist derzeit in aller Munden, da auf einem Kreuzfahrtschiff die Erkrankung ausgebrochen ist. Anscheinend eine sehr gefährliche Argentinien-Variante, die auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. Bislang (Stand: 04.05.2026) gab es drei Tote!

Der Name „Hantavirus“ geht auf den ersten grossen Ausbruch am Grenz-fluss Hantaan während des Koreakrieges zurück – dort erkrankten in den Jahren 1950-53 mehr als 3.000 Soldaten schwer an der Infektions-krankheit.

Mäuse tummeln sich bevorzugt im Garten, in Kellern und Garagen bzw. in Schuppen. Hier ist die Ansteckungsgefahr für den Menschen am grössten, wenn dort Reinemachen angesagt ist. Das war etwa während der Pan-demie in nahezu jedem Haus bzw. Garten der Fall. Die Mäuse müssen nicht selbst erkranken – sie können auch nur als Überträger fungieren („Reservoirwirte“). Durch Speichel, Kot oder Urin der Nagetiere gelangt dieses Virus nach aussen. Besonders heimtückisch: Infektionsgefahr besteht bei Lebensmitteln und v.a. Staub! Gelangt dieser in eine offene Wunde oder über den Atmungstrakt in die Lunge, so ist eine Infektion so gut wie sicher. Der Hantavirus ist im getrockneten Zustand einige Tage lang ansteckend. Gleiches gilt zudem bei einem Mäusebiss! Ein erhöhtes Infektionsrisiko haben etwa Förster, Jäger, Gartenarbeiter und Bau-arbeiter.

Die Inkubationszeit beläuft sich auf zwei bis fünf Wochen. Die ersten Symptome zeigen sich im Schnitt nach 2 Wochen – je nach Virustyp unterschiedlich stark. Es beginnt mit plötzlichem, hohen Fieber, das sich rund 3-4 Tage hält. Hinzu kommen die bekannten grippeähnlichen Erscheinungsformen wie Schmerzen im Kopf, den Gliedmaßen und Muskeln, begleitet von Husten und/oder Sehstörungen sowie einer Rachenentzündung. Nach einigen Tagen folgen Beschwerden bei der Verdauung mit Bauchschmerzen, Durchfall und Erbrechen („gastrointes-tinale Beschwerden“). Schliesslich spielt die Niere verrückt – es droht sogar ein Nierenversagen. Treten Blutungen auf, so kann die Erkrankung tödlich enden. Deshalb ist es wichtig, bei Verdachtsmomenten sofort den Arzt aufzusuchen, da eine Diagnose nur durch eine Blutuntersuchung gemacht werden kann. Die Erkrankung ist medikamentös relativ einfach zu behandeln – Spätfolgen sollten keine zurückbleiben.

Das Hantavirus tritt weltweit in unterschiedlichen Variationen auf. So etwa als Hantaan-, Puumala-, Dobrava-Belgrad-, Seoul-, Sin-Nombre- und Andesvirus. Hierzulande ist es v.a. das Puumalavirus (PUUV) und das Dobrava-Belgrad-Virus (DOBV). Besonders gefährlich ist beispielsweise der amerikanische Ableger – in Südamerika verlaufen rund 50 % der Hantavirus-Infektionen tödlich! Das Infektionsrisiko ist in den Sommer-monaten (zwischen April und September) am größten. Eine Hantavirus-Erkrankung ist meldepflichtig – in Deutschland beim Robert-Koch-Institut, in Österreich bei der Bezirksverwaltungsbehörde, in der Schweiz bei der BAG bzw. den Kantonsärzten.

Die Waldwühlmaus ist – wie der Name schon sagt – vornehmlich im Wald anzutreffen. Sie bevorzugt Buchen- aber auch Mischwälder und ist immer wieder auch in waldnahen Gärten zu finden. Deshalb ist bei Garten-arbeiten vor allem aber bei Reinigungsarbeiten von Gartenlauben oder Schuppen besondere Vorsicht geboten. Hier einige Tipps:

– Tragen Sie Schutzkleidung (Overall, Gummistiefel, Einmal-Handschuhe, Schutzmaske)

– Lüften Sie die Räume gut vor Beginn der Arbeiten

– Wirbeln Sie keinen Staub auf – befeuchten Sie die Flächen zuvor

– Mäusekot bzw. tote Mäuse mit Desinfektionsmittel besprühen, in einer Kunststofftüte gut verschliessen und in den Restmüll geben

– Derartige Stellen schliesslich ebenfalls mit Desinfektionsmittel oder Alkohol desinfizieren

Ansonsten gilt grundsätzlich:

– Nach dem Aufenthalt im Freien, in Dachböden, Kellern oder Schuppen sollten immer die Hände gewaschen werden

– Verwenden Sie dort keine Staubsauger, da das Virus nicht im Filter bleibt, sondern durch die Abluft wieder in die Luft freigesetzt wird

– Nager haben im Haus nichts zu suchen – vermeiden Sie offene Lebensmittel, verwenden Sie Lebendfallen (die täglich kontrolliert werden) und benutzen Sie Einmal-Handschuhe

Weitere Tipps erhalten Sie beim Gesundheitsamt.

Lesetipps:

.) Hantaviruses; Connie Sue Schmaljohn/Stuart T. Nichol; Springer 2001

Links:

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ESC – Der Niedergang der Musikkultur

Werte Leser dieser meiner Zeilen – gleich zu Beginn muss ich mich heute outen: Ich werde mir weder das Finale am 16. Mai in Wien, noch eines der Semifinali des ESC 2026 anschauen! Der European Songcontest interes-siert mich schlichtweg überhaupt nicht. Anstatt dessen habe ich mir die WM-Finalspiele der DFB-Auswahl seit 1954 besorgt, Bier wird eingekühlt und Snacks angerichtet. Da mache ich keinen Hehl daraus und werde es in den kommenden Sätzen etwas präzisieren!

Vorweg einige allgemeine Informationen. Im Jahr 1954 gründeten die staatlichen Rundfunkanstalten der westeuropäischen Länder in Genf die European Broadcasting Union EBU. Mit ihrer Hilfe sollte ein Austausch von Rundfunk- und Fernsehprogrammen über die Grenzen hinweg wesentlich erleichtert werden. Dafür wurde später ein eigener Satellitenkanal (Euro-vision News EVN) eingerichtet. Die Premiere machte am 6. Juni 1954 das Narzissenfest von Montreux. Ein Jahr darauf wurden hunderttausende Zuschauer (der Fernseher war damals noch ein Luxusgut!) Zeugen des wohl tragischsten Unfalls in der Geschichte des Motorsport: Beim 24-h-Rennen von Le Mans starben 84 Menschen. Seit 1959 wird zudem jeweils am 01. Januar das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker sowie am Ostersonntag der päpstliche Ostersegen via EBU ausgestrahlt uvam. Das Pendant zur Eurovision war in den osteuropäischen Staaten die Inter-vision.

Die EBU startete dann im Jahre 1956 mit dem Grand Prix d’Eurovision de la Chanson aus Lugano und sieben Teilnehmern; dem ersten grenzüber-schreitenden Musikwettstreit der Länder – live im Fernsehen. Die Strassen waren leergefegt – wer einen Fernseher zuhause hatte, verbrachte den Abend vor der Glotze, die anderen bei Ihren Verwandten oder Nachbarn, die einen Flimmerkasten besassen. Als Vorbild diente das San Remo Festival. Bereits ein Jahr später (in Frankfurt/Main) entsendete jeder Mit-gliedsstaat der EBU einen Vertreter in das Starterfeld – San Remo war plötzlich vergessen. Seit 1958 wird nun die Folgeveranstaltung im Land des Siegers abgehalten. Das Interessante daran war, dass jedes Land mit dem entsprechenden Lied etwas eigene Kultur vermitteln konnte. Zudem wurde in der landeseigenen Sprache gesungen (bis 1999), was dem Ganzen noch weitaus mehr an Flair brachte. Nur die Schweiz konnte es sich aussuchen, ob der Beitrag auf deutsch, italienisch oder französisch präsentiert wurde. Die Musik kam nicht etwa vom Band sondern vielmehr live aus dem Orchestergraben, dirigiert zumeist vom Chefdirigenten des entsprechenden Starters. Nicht weniger als 150 Millionen Zuschauer verfolgten dort die Geburtsstunde von Gassenhauern, die nach der Sendung in ganz Europa gesummt, gepfiffen oder auch gesungen wurden: „Waterloo“, „Nel blu dipinto di blu (Volare)“, „Merci cherie“, „Hallelujah“ oder auch „Ding-a-dong“, „Congratulations“ und „Poupée de cire, poupée de son“; Weltkarrieren wie jene von Abba, Johnny Logan, Lys Assia, Brotherhood of Man, Celine Dion, Toto Cutugno wurden begründet.

Dann öffnete sich der Eiserne Vorhang, die EBU wurde durch die ehe-maligen Ostblock-Staaten erweitert – es hielt die Politik Einzug in den Wettkampf. Bewertet wurde nicht mehr der beste Song, die meisten Punkte erhielten die Nachbarländer – völlig egal, ob der Titel gut oder schlecht performed wurde. So kam es, dass plötzlich die One Hits Wonder auftauchten – Künstler, die durch eine solche Strategie auf’s Podest gehoben wurden, von welchen aber auch nach dem nun als Eurovision Song Contest (ab 1992) bezeichneten musikalischen Wettstreit auch nie mehr wieder etwas zu hören war. Im Vorfeld des ESC 2015 in Österreich wurde u.a. der ehemalige Starter des ESC 2002, Manuel Ortega, inter-viewt. Er wurde befragt, wer den Contest damals gewonnen hatte. Betretenes Schweigen – keine Antwort! Keine Schande – gewann doch die Lettin Marie N. mit „I wanna“ vor Malta (Ira Losco „7th wonder“). Ist erst 24 Jahre her – doch kennt die noch Irgendwer? Nicht mal der britische Beitrag, der gemeinsam mit Estland auf dem 3. Platz landete (Jessica Garlick „Comeback“), wird noch jemandem geläufig sein. Runter von der Bühne und schon aus dem Sinn! Einzig Loreen aus Schweden (Siegerin 2012 mit „Euphoria“ sowie 2023 mit „Tattoo“) wird heute noch gespielt. Beides Up-Tempo-Nummern, die aus dem ehemaligen Chanson-GP nun auch endgültig einen der vielen Pop-Wettbewerbe machte.

Eine Ausnahme machte zudem ausgerechnet Lena Meyer-Landrut, die sich erstmals nicht über den normalen Weg qualifizierte. Sie gewann den ESC im Jahre 2010 mit „Satellite“. Danach folgten mit „My Cassette Player“ (Nr. 1 in Deutschland und Österreich), „Good News“ (Nr. 1 in D, Nr. 7 in Ö) sowie „Stardust“, „Crystal Sky“ und „Only Love.L“ (jeweils Nr. 2 in D, letzterer Nr. 4 in Ö) noch weitere Platzierungen an der Chartspitze. Später wurde es auch bei ihr etwas ruhiger. Erst durch ihren Job als Jurorin bei „The Voice Kids“ (einem Kinder-Nachwuchswettbewerb) kam sie wieder ins Gerede.

Seither haben Songs, die eher in das Slow-AC- oder Schlager-Format passen, nicht mal mehr den Hauch einer Chance. Und die Sieger-Titel – jo mei – es gibt den MTV-Award, Brit-Award, Grammy, die Goldene Stimm-gabel, den Cometen, Amadeus, Swiss Music Award,… – soll man da wirklich jeden Song, der gewonnen hat, auch ein Jahr später noch kennen? Vor allem da Musik inzwischen am Fliessband produziert wird – sogar durch Künstliche Intelligenz, ohne jedes menschliche Zutun. Und, dass sich da so manch einer nicht zu schade dafür ist, erfolgreiche Songs in irgendeiner Weise abzukupfern, zeigte wohl niemand besser als Cascada, die ein Jahr nach „Euphoria“ mit „Glorious“ für Deutschland auf der Bühne stand! Auch der/dem österreichischen Vertreter/-in Conchita Wurst wurden Plagiatsvorwürfe an den Kopf geworfen. Zu sehr klang sein/ihr „Rise like a Phoenix“ wie der Titelsong aus einem James Bond-Film. Auch bei vielen anderen wird nahezu jedes Jahr behauptet, dass „exakt die gleichen Harmonien und weitestgehend sogar die Harmonie-führung genau übernommen“ wurden. Na ja – offenbar gibt es eben nichts neues mehr! Ein Blick in die Hitparaden beweist dies: „Valerie“ von Marc Ronson feat. Amy Winehouse (Original: The Zutons), „Car Wash“ von Christina Aguilera (Original: Rose Royce), „Ain’t nobody“ von Felix Jaehn ft. Jasmine Thompson (Original: Rufus & Chaka Khan), „Lemon Tree“ von Alle Farben (Original: Fool’s Garden), „Bitter Sweet Symphony“ von Gamper & Dadoni feat. Emily Roberts (Original: Rolling Stones bzw. The Verve), „Would I lie to you“ von David Guetta, Cedric Gervais & Chris willis (Original: Charles & Eddie) u.v.a.m.! Der Experte spricht hierbei von „Remakes“ bzw. „Second Hand Songs“. So wird so manch Kiddy meinen – „Poah – hammergeil!“! Dem sei hiermit entgegengesetzt: Die Originale sind zumeist vorschlaghammergeil!!!

Inzwischen entwickelt sich der Songcontest, nachdem er zur Meterware wurde, immer mehr zur Freak-Show. Besonders die Finnen zeigen hierbei einen sehr grossen Ideenreichtum. Gewannen doch Lordi mit „Hard Rock Hallelujah“ 2006

†oder der Beitrag 2023 – Käärijä mit „Cha Cha Cha“.

Nahezu jedes Jahr sind immer wieder recht interessante Interpreten aus dem Nordosten Europas zu sehen und v.a. zu hören. In diesem Jahr wird die finnische Flagge durch Linda Lampenius x Pete Parkkonen mit dem Titel „Liekinheitin“ – ausnahmsweise mal ein erstaunlich normaler Poptitel, der mir nicht mal so schlecht gefällt!

Dem nicht genug: Måneskin (2021 mit „Zitti e buoni“), Netta (2018 mit „Toy“) oder auch die politische Botschaft in Richtung Russland Kalush Orchestra (2022 mit „Stefania“), der nonbinäre Nemo aus der Schweiz (2024 mit „The Code“) oder zuletzt der Countertenor JJ aus Österreich (2025 mit Wasted love“). Somit setzen auch andere Länder immer mehr auf das Auffallen: Dana International, eine Transsexuelle aus Israel, die/der 1998 mit „Diva“ gewann – neu aufgerollt 2014 durch die bereits angesprochene Conchita Wurst mit „Rise like a Phoenix“. Die Wurst kam nur zu sehr wenigen Chart-Platzierungen im Vergleich mit den Zweit-platzierten, den niederländischen Common Linnets mit „Calm after the storm“. Es siegte somit nicht der Song, sondern die Interpretin – nix also mit dem „Wettstreit der Komponisten und Songtextern“!

Conchita Wurst – Rise like a phoenix

Deutsche Charts: 4 Wochen – beste Platzierung 5

Schweizer Charts: 4 Wochen – beste Platzierung 2

Österreichische Charts: 16 Wochen – beste Platzierung 1

Common Linnets – Calm after the storm

Deutsche Charts: 41 Wochen – beste Platzierung 3

Schweizer Charts: 21 Wochen – beste Platzierung 3

Österreichische Charts: 34 Wochen – beste Platzierung 2

Die Dame mit dem Bart wurde mit dem Aufschrei nach mehr Liebe und v.a. Toleranz gefeiert – da hätte sie/er auch ein Kinderlied zwitschern können und trotzdem gewonnen – aufgrund Ihrer Gesichtsbehaarung! Seither zupfen sich weltweit Millionen von Frauen nicht mehr die Haare ihres Damenbartes weg und viele Touristen kommen nach wie vor nach Österreich um sich zu überzeugen, dass ganz oben auf der Alm die Hüttenwirtin wirklich ausschaut wie die Conchita! Doch – äusserte man sich vielleicht etwas kritisch zur Kunstfigur „Conchita Wurst“, so musste v.a. Mann gar Prügel befürchten – von jenen, die mehr Toleranz forderten! Schräge Vögel wie Guildo Horn & seine Orthopädischen Strümpfe, Stefan Raab als Legastheniker, Alfred Poier als Leiterwagen-Kapitän oder auch die beiden zwar hübschen trotzdem aber komplett abgefahrenen taTu aus Russland liessen so manchen Musik-Kenner zur Fernbedienung greifen, sorgten aber im Endeffekt für mehr Schlagzeilen als die Sieger! Auch sind immer wieder sexy Frauen zu sehen, die zwar viel nackte Haut zeigen, jedoch teils wenig stimmliche Qualitäten vorzuweisen haben. Ani Lorak aus der Ukraine 2008, Svetlana Loboda ebenfalls aus der Ukraine 2009, Margaret Berger aus Norwegen 2013, Cleo & The Girls aus Polen 2014, Jana Burčeska aus Nord-Mazedonien 2017, Efendi aus Aserbeidschan 2021 etc.

(Anmerkung des Schreiberlings: Schön anzuschauen – wenn nur die Musik nicht so stören würde!)

Für den Türken Erdogan Anlass genug (neben dem Auftritt der Wurst), die Teilnahme seines Landes zu verhindern, obwohl die belgisch-türkische Popsängerin Hadise 2009 selbst einen gewagten Auftritt zeigte. Daneben verblassten Verkaufsmillionäre wie Five, Silver Convention, Ricchi é Poveri, Baccara, DJ Bobo, Alan Sorrenti oder Stimmbandgrössen wie die No Angels, Bonnie Tyler und Il Volo. Besonders zum Denken gab der inzwischen geadelte Sir Cliff Richard: Mit „Congratulations“ 1968 nur zweiter, mit „Power to all our friends“ 1973 gar nur Dritter verkaufte er in diesen Jahren mehr Tonträger der beiden Songs als die jeweiligen Sieger.

Hingegen die beiden letzten Sieger:

.) Nemo 2024 mit „The Code“:

Nur in der Schweiz und Griechenland auf Platz 1, in den beiden grossen Märkten Deutschland und Grossbritannien nur auf Rang 14 bzw. 18, in den US-Billboard-Hot-Dance & Electronic Songs auf Platz 32.

.) JJ 2025 mit „Wasted Love“:

In Österreich auf Platz 1, in der Schweiz auf 3, in Deutschland und Gross-britannien auf Platz 13 bzw. 53. Allerdings sorgte er für gute Streaming-Zahlen!

Heutzutage gewinnt nur jene(r) Interpret(-in), der/die am meisten aufzu-fallen weiss, die geilste Performance bringt oder den Goodwill der Ost-Connection hat, die sich immer wieder gegenseitig die 12 zuschieben. Übrigens haben Liechtenstein und der Vatikanstaat noch nie am Songcontest teilgenommen. Ich denke mir, dass ein gemischter Kardinals- und Schwesternchor doch einiges in Sachen Niveau der Veranstaltung wettmachen könnte, wenn noch möglich! Das meinen übrigens auch die Luxemburger, die sich 1993 nicht qualifizierten und vom folgenden Jahr weg bis 2024 pausierten. Mangelndes Interesse – trotz fünffachem Sieg – und zu wenig Geld! Ha…!

Was also hält die Zuseher noch am Bildschirm? Ich denke mir, dass die Übertragung der Brit-Awards sicherlich interessanter ist, da die wirk-lichen Stars des Pop- und Rock-Business vertreten sind und Madonna ja möglicherweise wieder von der Bühne kippen könnte.

Die moderne Satellitentechnik übrigens macht es möglich, dass Millionen auch ausserhalb Europas den ESC ansehen können – in den USA, Kanada, Australien (seit einigen Jahren selbst Teilnehmer), Japan, Indien und China etwa.

Alles in allem kostet die Austragung sehr viel Geld – in Österreich waren im Jahr 2015 rund 15 Mio € für den Veranstalter, dem Österreichischen Rundfunk, veranschlagt. Tatsächlich kam das Ganze aber auf weitaus mehr als 17 Mio – der grösste Batzen (nahezu 9 Mio) davon ging an die Wien Holding als Inhaber des Austragungsstandortes Wiener Stadthalle für Miete, Adaptierung, etc.), gefolgt vom Marketing (rund 6 Mio) – und ich dachte, der ESC sei ein Selbstläufer!).

Und in diesem Jahr? Nach einer Studie Kosten von 36 Mio Euronen (!). Auch hier die drei grössten Batzen: Stadthalle Wien (12 Mio), Personal (6,6 Mio) und schliesslich Künstler/-innen (4,9 Mio). Um wieviel dieser Budgetplan überschritten wird, ein Schelm, der denkt, er weiss es! Vonseiten des veranstaltenden ORFs rechnet man mit einer gesamtwirt-schaftlichen Wertschöpfung von 52 Mio.

Apropos – von einer Umwegrentabilität zu sprechen, grenzt an Hohn, da diese Gelder ja schliesslich nicht oder nur in geringen Maße, dem Veranstalter zugute kommen. Also zahlt der Gebühren- und der Steuer-zahler – völlig gleichgültig, ob er sich für das Spektakel interessiert oder nicht. Wer jetzt mit dem berühmten „Ja, aber…!“ kommen sollte, dem sei als Beispiel die Stadt Bregenz am Bodensee an’s Herz gelegt. Dort freute man sich 2008 auf die James-Bond-Dreharbeiten für „Ein Quantum Trost“ und das „Aktuelle Sportstudio“ des ZDF anlässlich der Fussball-EM. Gesprochen wurde über eine nahezu unbezahlbare Werbung – wenn dies so gewesen wäre, weshalb gab es dann einen derart grossen Aufruhr, weil ein riesiges Loch im Budget der Stadtmarketing klaffte, das schliesslich ebenso wieder mit Steuergelder gestopft werden musste. Wäre dieses Geld direkt in Massnahmen auf Nischenmärkten investiert worden, wäre wohl mehr dabei herausgekommen. Und, dass der damalige Generalintendant des ORF, Alexander Wrabetz, schon vor dem Gewinn der Wurst sowohl vom Bund als auch den Gebührenzahlern mehr Geld gefordert hat, ist kein Geheimnis! Ich erinnere mich zurück an das Jahr 2014, als Österreich plötzlich zum Favoritenkreis zählte. Da kam doch der Satz: „Um Gottes Willen! Wenn die gewinnt muss Österreich den ESC im kommenden Jahr ausrichten! Wer soll das bezahlen?“

Heuer also erneut in Wien! Nach Angaben der Eurovision waren alle neun Shows in Rekordzeit ausverkauft. Nur auf Wiederverkaufsplattformen wie oe-ticket gibt es noch Karten zu Originalpreisen plus die übliche Vorver-kaufsgebühr (von 28,75 € für das Second Semi-Final Evening Preview bis zu 218,50 für die Live-Show des Second Finals). Alle anderen Anbieter sind Kohlemacher, die zu weit überhöhten Preisen verkaufen. Wer jedoch in dieser Veranstaltungswoche ein Zimmer in der österreichischen Bundeshauptstadt benötigt, muss tief in die Tasche greifen.

Tja – und zum Schluss die Wahl der Interpreten selbst. In nicht wenigen der Starterländer, so u.a. in Grossbritannien oder auch immer mal wieder in Deutschland, der Schweiz und Österreich werden die Interpreten durch einen internen Auswahlmodus ermittelt: Die Nichte des Bruders vom …!!! Damit vertreten sie ja eigentlich nicht ihr Land sondern Lobbyisten und jene Fernsehanstalt ihres Landes, die Mitglied der EBU ist! Kann hier wirklich von der Crème de la Crème des musikalischen Schaffens des Teilnehmerstaates gesprochen werden?

Verstehen Sie nun, weshalb ich mir den Songcontest nicht anschauen werde? Ich hoffe, diesen Überlegungen folgen noch weitaus mehr und die Quoten für die Live-Übertragungen sind katastrophal! Doch ist leider hiervon nicht auszugehen. In Deutschland gehört der ESC inzwischen wie der Fussball zum Nationalstolz! Auch wenn es wie zuletzt im Männer-fussball nur Platzierungen unter ferner liefen gab.



Lesetipps:

.) Ein bisschen Wahnsinn: Wirklich alles zum Eurovision Song Contest; Clemens Dreyer, Claas Triebel, Urban Lübbeke; Verlag Antje Kunstmann München

.) Kampf der Kulturen: der „Eurovision Song Contest“ als Mittel national-kultureller Repräsentation; Irving Wolther; Königshausen & Neumann Würzburg



Links:

www.eurovision.tv

songcontest.ch

www.eurovision.de

songcontest.orf.at/

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